Exercise Watch: NATO-Atomwaffenübung Steadfast Noon in Büchel

Mehrzweck-Kampfflugzeug Tornado im engen Formationsflug der äußere Tornado löst die Formation auf.

Die regelmäßige Atomwaffenübung der NATO, Steadfast Noon, beginnt am kommenden Montag auf dem deutschen Fliegerhorst Büchel in der Eifel, wo das Taktische Luftwaffengeschwader 33 beheimatet ist. Die NATO – und auch die deutsche Luftwaffe – äußern sich zwar äußerst ungern oder gar nicht dazu, wo diese Übung stattfindet, aber eine Mitteilung der griechischen Luftwaffe vom (gestrigen) Freitag ist da hilfreich:

Steadfast_Noon_GR_20151009

Die Übersetzung, mit Hilfe von Google (und einem Leser)

Beteiligung der Griechischen Luftwaffe an der Übung «Steadfast Noon»
Von Montag, 12. bis Freitag, 16. Oktober 2015 findet in Deutschland die Übung der NATO   «Steadfast Noon» statt.
Die Luftwaffe (Hellenic Air Force, HAF) wird mit drei Flugzeugen F-16-Block 52+ und Soldaten der 335. Staffel an der Übung teilnehmen, die im Fliegerhorst Büchel stattfindet.

Die meisten an Steadfast Noon beteiligten Länder haben zwar – wie Deutschland – kein eigenes Nuklear-Arsenal, aber ihre Kampfjets sind im Kriegsfall dafür vorgesehen, US-Atombomben ins Ziel zu bringen.

Die griechische Mitteilung hat der Kollege Otfried Nassauer vom BITS entdeckt, der auch noch ein paar Infos mehr dazu ausgegraben hat:

Der Luftraum über dem Flugplatz Büchel ist deshalb gleich an mehrern Tagen für die zivile Luftfahrt zeitweise gesperrt. Dies gaben die Deutsche Flugsicherung und die militärischen Luftfahrtbehörden der Bundesrepublik bereits vor einiger Zeit bekannt. Angekündigt wurde von ihnen jedoch eine zweiteilige Übung mit dem Namen „Cold Igloo“, deren erster Teil im September stattfand. Der zweite Teil steht nun an. Im September beteiligten sich nuklearfähige Kampfjets aus Lakenheath, Ghedi, Volkel, Kleine Brogel und Büchel. Für den zweiten Teil der Übung werden zusätzlich Jets aus Polen, Griechenland, der Türkei und Tschechien erwartet. Sie werden überwiegend nicht-nukleare Aufgaben in dem Manöver übernehmen. Außerdem entsendet die Gesellschaft für Flugzieldarstellung GFD einen Learjet, der elektronische Gegenmaßnahmen simulieren kann.

Im vergangenen Jahr hatte Aufsehen erregt, dass erstmals – zur Unterstützung, nicht als Träger von Atomwaffen – polnische Kampfjets bei dieser Übung dabei waren. In Büchel, wo nach offiziell nicht bestätigten Angaben US-Atomwaffen lagern, wurde 2012 schon mal geübt sollte 2012 schon mal geübt werden. Fragen dazu lehnte die Bundesregierung unter Hinweis auf verpflichtende Geheimhaltungsregeln des Bündnisses ab.

(Archivbild 2008: Tornado-Formation der Luftwaffe – Bundeswehr/PIZ Luftwaffe)

28 Gedanken zu „Exercise Watch: NATO-Atomwaffenübung Steadfast Noon in Büchel

  1. In anbetracht der momentanen Weltage die richtige Übung zur rechten Zeit.Also erfolgreiche Übung und many happy landings!
    Allerdings wird die Opposition trotzdem wieder heftig gegen eine Einsatzbereitschaft unserer Luftwaffe wettern,sobald sie diese Meldung entdecken.
    Außerdem wird sich auch Hr.Putin natürlich bedroht fühlen,obwohl die neue B-61 noch Zukunftsmusik ist.

  2. @T.W:
    Hat die Übung Embox XV(lt. Scramble) in Nörvenich und Leeuwarden auch etwas mit Steadfast Noon zu tun?

  3. @Jens Schneider:
    Bedroht könnte er sich auch von der „alten“ B-61 fühlen, wo seine Luftwaffe doch nur konventionell aufgestellt ist.

  4. Die Übung Steadfast Noon 2012 fand in KB statt !

    Die Übung SFNN-12 ( Steadfast Noon 2012 ) wurde seinerzeit aus unbekannten Gründen Kurzfristig von Büchel nach Kleine Brogel verlegt !

    @ Jens Schneider | 11. Oktober 2015 – 0:56

    Nörvenich durchaus möglich, dort gibt es ein zur Zeit inaktives Nuklearwaffenlager mit 11 Unterflurmagazine wo insgesamt 44 Bomben von Typ B-61/3-10 Platz finden.

  5. Moin allerseits.

    @T.W.: Kleiner Hinweis zur Übersetzung (Dafür reicht mein eingerostetes Griechisch noch. ;-) ): Die Hellenische Luftwaffe wird mit 3 F-16 Block 52+ Advanced und entsprechendem Personal der 335. Staffel „Tigers“ aus Araxos teilnehmen (335 Soldaten für 3 F-16 wären ’n büsschen viele). Das M hinter der 335 bedeutet Mira = Staffel, wobei das in der Mitteilung verwendete Wort κλιμάκιο (klimakio) ebenfalls Staffel bedeutet. Wahrscheinlich ist aber eine Rotte gemeint.

    Schönen Sonntag noch!

  6. @Amphoplit

    Danke – da hat mich der Automatenübersetzer auf die fasche Fährte geführt…

  7. https://web.archive.org/web/20150129025726/http://www1.wdr.de/themen/politik/luftwaffenstuetzpunkt-buechel100.html

    Die BuReg hält sich in Sachen „nukleare Teilhabe“ schon seit längerem sehr „bedeckt“.Die nuklear-strategische Abschreckungswirkung sowie die rein militärische Wirkungdieser „variable yield tactical nuklear bombs“ ist imho schon seit der NATO-Osterweiterung ziemlich fraglich. Hier mal eine recht aktuelle Übersicht über die strategischen, poitischen und auch rechtlichen Aspekte der „nuklearen Teilhabe“:
    http://www.bits.de/public/stichwort/atomwaffen-d-eu.htm.
    Seegestützte CM mit high yield konventionellen oder auch low-yield nuklearen Köpfen sind eine überlegene Alternative zu diesen dump-drop-bombs. Daran wird auch eine Aufrüstung auf B61 Mod. 12:( B61 Mod. 4 mit JDAM-Lenksystem) wenig ändern….die Piloten müssen dann allerdings den „Schulterwurf“ nicht mehr beherrschen.

  8. @klabautermann

    Die USA haben ihre nuklearen Sprengköpfe für SLCM vor einiger Zeit komplett aus dem Verkehr gezogen; Russland hat diesen nach dem INF-Vertrag zulässigen Weg iinzwischen beschritten und sich mit SS-N30B, einem Marschflugkugkörper aus der Kalibr-Familie, in den letzten Jahren auch die Fähigkeit geschaffen, Landziele damit angreifen zu können. Dieser kann auch konventionell eingesetzt werden, wie der Beschuss syrischer Ziele in den letzten Tagen zeigte.

    Bei B61-Mod12 geht man davon aus, dass die Waffe aus mittleren und größeren Höhen abgeworfen würde und die Option Abwurf aus dem Tiefflug mit verzögerndem Fallschirm entfällt. Dan kann auch der „Schulterwurf“ entfallen. Dann aber braucht man ein Gleit- und Lenksystem, das eine ausreichende und möglichst höhere Zielgenauigkeit garantiert, aber auf GPS und andere EMP-anfällige Lenkhilfen verzichtet und zugleich aufgrund der gesteigerten Zielgenauigkeit eine Reduzierung der Maximalsprengkraft erlaubt. Das JDAM-artige TKA wird deshalb mit erheblichen Kosten abgewandelt und soll volldigitalisiert sein, ein Grund dafür das die neue Bombe ihr volles Potential mit älteren, nicht volldigitalisierbaren Flugzeugen wie Tornado oder F-15E nicht nutzen kann. Die Anpassung an Tornado läuft gerade, danach wissen wir wohl mehr. Mit B-2 oder JSF kann dann das volle Potential genutzt werden. Zumindest mit diesen Flugzeugen gibt es dann auch erweiterte Einsatzoptionen – die grundsätzlich Frage mal weggelassen, ob NW für Einsatz oder Abschreckung gedacht sind.

    @Amphplit
    Araxos war in der Vergangenheit Standort der nuklearfähigen Träger der griechischen Luftwaffe und befindet sich heute in einem Caretaker-Status, d.h. in einem Status, aus der die nukleare Rolle nach erheblichem Zeitaufwand auch wieder aufgegriffen werden kann.

    @ Jens Schneider
    Embox XV hatte – soweit schon gelaufen – scheinbar nichts mit Nuklearwaffen zu tun. In der kommenden Woche will ich das analog zu @Milliway nicht ausschließen. Laut Scramble werden u.a. italienische Tornados dort erwartet. Es kann also durchaus sein, dass nicht nur Flugzeuge (GR/TR) sondern auch ein Fliegerhorst mit Caretaker-Status beteiligt wird. Embox XV wäre dann wie Cold Igloo in Büchel Teil der Tarnung der nuklearen Übung SFNN-15 gegenüber unerwünschter Öffentlichkeit – Dafür gibt es aber bisher keinen offiziellen Beleg und es muss als „Spekulatius“ gekennzeichnet werden.

  9. @Wolfgang Bach
    Im Grundsatz ist natürlich die Bedrohung auch durch die z.Zt.vorhandene B-61 gegeben.
    Die angekündigte Modernisierung auf B-61-12 hat jedoch schon eine verbale Aufstockung der russischen Nuklearwaffen im Raum Kalinigrad durch Hr.Putin hervorgerufen.
    Offensichtlich fühlt sich Moskau nur von den in Büchel stationierten Waffen bedroht.Nicht so sehr von den in den anderen europäischen Ländern stationierten A-Bomben.
    Ob da wohl angesichts der Diskussionen diese Thematik in Deutschland betreffend etwas dahinter steckt?
    Habe noch nichts davon in den Medien mitbekommen,dass in den anderen Staaten die nukleare Teilhabe in Frage gestellt wird,wie durch die deutsche Politik.

    Meines Wissens ist Putins Luftwaffe ebenfalls mit Nuklearwaffen ausgerüstet und das sehr massiv.Schauen Sie sich doch bitte nur mal seine Bomberflotte an, die in der ganzen Welt unterwegs ist.Diese hatte und hat schon immer vorrangig nukleare Aufgaben.

  10. @ Jens Schneider

    Natürlich verfügt auch die russische Luftwaffe über Nuklearwaffen und wie bei den USA gibt es strategische und nicht-strategische. Die Bomber die sie erwähnen KÖNNEN strategische Waffen tragen, tun dies aber im Frieden genausowenig wie US- oder NATO-Flugzeuge. Mit der B61-12 wird die (etwas künstliche, aber für die Rüstungskontrolle wichtige) Unterscheidbarkeit zwischen strategisch und nicht-strategischen Waffen aufgegeben und zu den Trägerflugzeugen verlagert, die dann alle den gleichen Waffentyp tragen sollen.

    Russland droht mit der Stationierung der nuklear bestückten Kurzstreckenraketen Iskander immer dann, wenn ihm die NATO bei einer Frage der nuklearen Balance zu weit geht – bei der Stationierung von Rakentenabwehrsystemen in Polen genauso wie bei der Modernisierung nuklearer Bomben. Bislang kamen konventionelle Iskander-Systeme in Kaliningrad bei Manövern zum Einsatz, wurden danach aber immer wieder abgezogen.

    Die Präsenz nuklearer Waffen in europäischen Ländern war in den vergangenen Jahren immer wieder – und nicht nur in DEU – umstritten. In Belgien oder Holland gab es auch ähnliche Diksusionen. Seit dem ex Kathedra gesprochen Machtwort von Frau Clinton beim NATO-Aussenministertreffen in Tallin 2010 hat man sich NATO-weit darauf zurückgezogen, russische Gegenleistungen für Reduzierungen oder einen Verzicht auf diese Waffen sehn zu wollen.

  11. @ONA

    Uneingeschränkte Zustimmung zu Ihrer Darstellung der Gesamtproblematik. Als kleine Ergänzung nur der Hinweis, dass aus den AEGIS-Ashore-Launchern auch Tomahawk CM verschossen werden können, und das ärgert die Russen viel mehr als ein paar landgestützte NATO-Nuklearteilnahme-Bomber…………

  12. @ klabautermann

    richtig – aber die sind konventionell und das gilt auch für U-Boote. In den USA gibt es die Befürchtung, dass RUS landangriffsfähige SLCM künftig auf SSGN stationiert und vor diese sich vor den Ost- und Westküsten derselben herumtreiben.

  13. @ klabauterman

    Nachtrag: Gab es nicht mal ein US-Angebot, AEGIS-ashore so abzuwandeln, dass das nicht mehr geht und die ensprechenden Launcher auch optisch unterscheidbar zu machen – vorausgestzt Moskau gebe seine Bedenken gegen die Stationierung in Europa auf?

  14. @ONA

    Zustimmung, die CM-Technologie hat das gesamte INF-Rational mittlerweile relativiert. Die „nukleare Teilhabe“ der NATO ist ein reiner bargaining-chip gegenüber Rußland. Ich persönlich halte den Verhandlungswert dieses chip allerdings für sehr gering. Begründung: wie viele certified airframes/crews kann den die USA/NATO-Teilhabe-Airforces denn wie schnell „aktivieren“ ? 180 bestimmt nicht…..

  15. @ONA | 11. Oktober 2015 – 16:14

    Ja, da war mal was – ich erinnere mich aber nicht an die „details“….solche „deals“ gelangen auch sehr selten „belegbar“ in die Öffentlichkeit……..

  16. @klabautermann

    Der Vollständigkeit halber noch eine Ergänzung: Es war 1987 ausdrückliche Forderung Washingtons, see- und luftgestützte Marschflugkörper aus dem INF-Vertrag auszuklammern. Damals hatte man vor allem bei den seegstützten mit Landzielangriffsfähigkeit ein erhebliche Vorteile gewährendes Monopol, von dem man zurecht glaubte, es noch lange behalten zu können. Nun, da es seit ein paar Jahren gebrochen ist, sieht die Welt deutlich anders aus. Mit potentiell negativen Folgen für den INF-Vertrag und damit für viele Grundlagen der nuklearen Verifikationsregime.

    Die bargaining chip These bzgl der Nuklearen Teilhabe teile ich nicht; sie stellt eine deutsche Notlösung zur öffentlichen Rechtfertigung der Beibehaltung der Teilhabe dar, die in der Tat Art 1 und 2 NPT berührt und zumindest dem Sinn nach konterkariert (was auch immer man damals 1967/68 mit dem Rusk-letter getrickst hat, ein Vorgang, vor dem der damals zuständige Völkerrechtsberater der US-Delegation als negotiating under false pretenses warnte. )

    Wieviele airframes/aircrews in welchen Zeiträumen aktiviert werden können, weiß ich nicht, habe aber Zweifel, das die Luftwaffe ihre zugesagten 46 airframes (Zahl aus 2011?) zeitnah bereitstellen könnte.

  17. @ONA

    Ja, auch diese Sicht ist möglich. Ich denke einmal, diese „nukleare Teilhabe“ german style existiert nur noch, damit Deutschland im „consultation-loop“ bleiben kann – zumindest bei taktischen ground based nuclear systems in Europa – und „natürlich“ um Alliance Nuclear Planning Group Cohesiveness zu demonstrieren………..wobei man den Aufwand für diese politische Teilhabe bestimmt nicht weit über die minimum requirements treiben wird ;-)

  18. Diese nukleare Teilhabe „german style“ scheint irgendwie eher der „european NATO style“ zu sein. Die europäischen NATO Nationen, die ein Trägerflugzeug für B61 stellen, scheinen alle nur noch ein Geschwader für diese Rolle bereit zu halten!

    Wofür braucht man eine B61 nach Ende des kalten Krieges (flexible response)?
    Als Erstschlagwaffe fällt sie offensichtlich aus!
    Falls also zum ersten Mal nach 1945 eine Nuklearwaffe eingesetzt werden sollte!
    Und es wäre aus welchem Grund auch immer eine NATO Nuke!
    (Und bei der politischen Debatte würde ich gerne Mäuschen spielen)
    Dann würden sich wohl möglichst viele NATO Nationen als Zeichen der Solidarität an diesem Einsatz beteiligen!
    Und das sollte man üben.

  19. @ magmakammer

    Interessante These: Nuklearer Teilhabe könnte eine besondere Bedeutung zukommen, weil der erste Einsatz einer nuklearen Waffe seit Nagasaki (also nicht der Ersteinsatz, sondern Bruch des Einsatz-Taboos) dann multinational unter Einbeziehung der europäischen NATO Partner zu verantworten wäre und nicht nur von dem NW-Besitzer, den USA. Das hat Sprengkraft.

  20. @Milliway
    zu Nörvenich und den „Lagerungsmöglichkeiten“: NEIN, das ist „kalter Krieg“ Szenario und lange her…..

  21. @Magmakammer
    „Dann würden sich wohl möglichst viele NATO Nationen als Zeichen der Solidarität an diesem Einsatz beteiligen!“

    Ich hoffe nicht… Solidarität beim Nuklearwaffeneinsatz gegen die Zivilbevölkerung?

  22. @ JuliettFoxtrott | 12. Oktober 2015 – 10:27

    Soll noch vorhanden sein und war eines der Gründe warum Seinerzeit dass Westfalen Geschwader dichte gemacht wurde und nicht „ Boelcke “ !

  23. @Milliway und @julettFoxtrott

    Während die Vaults der WS3-Anlage in Memmingen nachweislich ausgebaut worden sind, gibt es sie in Nörvenich noch. Die Anlagen befinden sich in einem caretaker-status, der eine erneute Nutzung bei Bedarf erlaubt. Ähnliches gilt z.B. für Araxos in GR.

  24. @Peter
    WAS den NATO Nuclear Planning Circle dazu veranlssen sollte den Einsatz einer Nuke zu genehmigen, will ich mir gar nicht vorstellen.
    Was mich beruhigt schlafen lässt ist die Tatsache, dass die Latte dafür so hoch liegt, dass das Ereignis an sich schon unwahrscheinlich bleibt.
    Wenn dann aber…

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