Kundus an die Taliban gefallen – Zusammenfassung

Zwei Jahre nach dem Abzug der Bundeswehr aus der nordafghanischen Stadt Kundus ist die Provinzhauptstadt als erster größerer Ort seit dem US-geführten internationalen Einmarschs 2001 von den Taliban erobert worden. Was sich seit beginn eines koordinierten Angriffs der Aufständischen am heutigen frühen Montagmorgen abzeichnete, mussten afghanische Behörden im Laufe des Tages einräumen: Die afghanischen Sicherheitskräfte haben die Kontrolle über die Stadt verloren. Mit frischen Truppen, unter anderem aus der Nachbarprovinz Balkh, soll die Stadt zurückerobert werden.

The Taliban militants have taken full control of the central city of northern Kunduz province, local security officials said.

A local security official speaking on the condition of anonymity confirmed that the Taliban militants have taken full control of the city and the security forces have fully retreated.
The deputy provincial governor Hamidullah Danishi earlier confirmed that half of the city has fallen to Taliban control but the provincial government compound and some other areas are still in control of the security forces.

berichtete die afghanische Nachrichtenagentur Khaama Press. Nach Angaben von Associated Press wurde der Erfolg der Aufständischen in Kundus auch von der Regierung in Kabul bestätigt.

Laut Khaama Press setzte der Gouverneur der Provinz Balkh, Mohammed Atta Noor, Truppen Richtung Kundus in Marsch . Allerdings waren nach einem Bericht der New York Times bis zum Montagabend nur wenige Soldaten in Kundus eingetroffen.

Die Taliban verkündeten die Befreiung von Kundus in einer Mitteilung im Internet und sicherten zu, die Zivilbevölkerung zu schonen:

The Islamic Emirate deems it necessary to point to and give serious consideration to a few key topics on the blessed occasion of this event in Kunduz:
1. Mujahideen should give all of their attention to safeguarding the lives, property and honor of the respected citizens of the city of Kunduz after ending combat operations and securing their military objectives. Mujahideen must be vigilant and prevent elements which misuse such occasions in order to loot and plunder or harm the lives and property of locals or the shared Bait-ul-Maal (public property).
2. The citizens of Kunduz city should be aware that the Islamic Emirate has no intention of transgressing against their personal property, carrying out extrajudicial killings, looting or breaching the inviolability of homes rather it seeks to prevent such happenings. Whoever exploits such military situations to perpetrate such crimes are not Mujahideen. All citizens must aid the Mujahideen of Islamic Emirate in preventing such actions from happening and help them in identifying and detaining all perpetrators.
3. The citizens of Kunduz should not worry about safeguarding their lives and properties. Carry out your ordinary livelihoods in absolute security. All traders, workers, staff of hospitals, municipality and governing bodies should continue their daily routines without any fear or intimidation. Mujahideen are their brothers and are committed to securing their lives and property. Mujahideen are not thinking of harassing or deriding anyone but have intentions of respecting and bringing serenity to their lives.
4. Our message to government officials and security personnel who are thinking about resistance or are hiding in fear of retribution is that they should abandon all negative thoughts spread about Mujahideen due to enemy propaganda.

Die NATO-geführte Mission Resolute Support griff am Montag nicht mit Luftschlägen zur Unterstützung der afghanischen Sicherheitskräfte ein. Obwohl die Bundeswehr in Mazar-e Sharif in Nordafghanistan für die Mission zur Unterstützung der Afghanen federführend ist, hatte die Bundesregierung nach eigenen Angaben keine Erkenntnisse über die Vorfälle.

Nachtrag: Die Ankündigung der Taliban, Zivilisten zu schonen, deckt sich nicht mit deren Vorgehen bei der Einnahme von Kundus, wie wiederum Khaama Press analysiert:

However, the remarks by Mullah Mansoor comes as the Taliban militants have been blamed in a series of activities aimed at harming the civilians including an attack on a radio station apparently managed by women.
The attack on Roshani Radio Television by Taliban militants sparked an outrage after the station was torched following the fall of the city.
NAI Organization which supports open media in Afghanistan strongly condemned the attack on the Radio Station, calling it an evil and brutal act.

(Archivbild Januar 2004: Deutsche Transall-Transportmaschine auf dem Flugplatz von Kundus)

 

 

29 Gedanken zu „Kundus an die Taliban gefallen – Zusammenfassung

  1. Leider ein ordentlicher Schlag ins Gesicht aller Bundeswehr-Soldaten, die dort die ganzen Jahre für Ordnung und für Sicherheit der dortigen Menschen gesorgt haben.
    …sehr traurig… und besorgniserregend für die Menschen vor Ort

    :-(

  2. Ich sehe bei dem Plan eine andere Gefahr: Wenn man Balkh entblößt, um Kundus zurückzuerobern (anders kann man es denke ich nicht formulieren), dann wackelt es westlich von Mazar, z.B. in Sar-e Pol etc., bedenklich. Ladies and Gentlemen – die Pause ist vorbei und der finale Akt in Nordafghanistan hat begonnen.

  3. “ hatte die Bundesregierung nach eigenen Angaben keine Erkenntnisse über die Vorfälle.“ Das ist ein Armutszeugnis für unsere Bundesregierung. Leider keine Einsicht, dass ISAF seine wesentlichen Ziele verfehlt hat.

  4. Hallo @…294. Das ist kein Armutszeugnis, weil schlicht gelogen. Oder warum hat z.B REUTERS früh gemeldet? Es fließen tagtäglich Meldungen aus den EinsGebieten in das EinsFüKdo. AFG hat 2,5 Std Vorsprung, in der Morgendämmerung war -offensichtlich – Angriffsbeginn. Da hatte Mann/Frau pünktlich zum Morgenkaffee die Meldung auf dem Tisch!

  5. Leider bewahrheitet sich in Afghanistan, was alle wirklichen Experten und was geschichtsbewusste Kommentatoren von Anfang an gesagt haben: Afghanistan ist kein Land, dass sich von außen befrieden lässt. Letztlich sind doch alle Ansätze gescheitert, ob es klassische Kriegseinsätze waren, ob es COIN war, ob es die Unterstützung der Zentralregierung oder der Warlords war, ob man Mädchen- und Frauenprojekte begonnen hat, oder den Anbau von Alternativen zum Opium.
    Wenn Kundus nun als erste Großstadt fällt, dann vielleicht weil der deutsche Ansatz aufgrund der realitätsfremden Vorgaben aus dem BMVG und der für deutsche Gutmenschen bis zur gefälligen Konsumierbarkeit konstruierten Wirklichkeit schon immer mehr an deutschen Bedürfnissen als an afghanischen Notwendigkeiten orientiert war. Das fing schon damit an, dass im BMVG niemand eine Ahnung davon hatte (oder haben wollte), dass Kundus einst Taliban-Hochburg war. Und dann ließ man die Radikalen auch noch in Sichtweite des Feldlagers schalten und walten, wie es ihnen behagte. Beides, die Geschichte vor ISAF und die deutsche Verantwortung für Kundus während sind wahrscheinlich die schlechtesten Voraussetzungen für ein langfristiges Gelingen des Einsatzes gewesen.
    Wohlgemerkt, letztlich sind alle Ansätze gescheitert, und Kundus wird nur der erste größere Ort sein, der auf Zeit oder auf Dauer an die Taliban fällt. ISAF wird am Ende nur Kosten verursacht haben, sehr sehr viele afghanische Menschenleben und sehr viel weniger westliche Menschenleben – und sehr viel Geld, das vor allem in den Taschen derjenigen gelandet ist, die überhaupt kein Interesse an einer positiven Entwicklung im Land haben. Es ist wieder einmal die selbstvergessene Hybris westlicher Politiker und Militärs, für die andere einen sinnlosen Preis zu zahlen haben.

  6. Was mir ziemliche Sorgen macht, ist wie schnell und handstreichartig die Eroberung von Kundus abgelaufen sein muss. Morgens noch in den Bergen ausgiebig gefrühstückt und zum Abendessen pünktlich im Zentrum der Stadt. Selbst ein halbwegs geordneten Rückzug scheint in manchen Teilen nicht möglich gewesen zu sein, da viele geschützte Fahrzeuge und auch Panzer in die Hände der Taliban fielen.
    Daraus wird in solchen Gegenden schnell der Mythos der Unbesiegbarkeit angedichtet, wie auch schon bei den überraschenden Ersterfolgen der DAESH, was die lokale Bereitschaft zur Verteidigung weiter sinken lässt. Ich fürchte die Taliban wird den Bewegungsmoment nutzen und Kundus wird nur ein Zwischenschritt gewesen sein.

  7. So einfach ist es für eine Bundesregierung in ganz kurzer Zeit Vertrauen zu verspielen. Zuerst wird – wider besseren Wissens – die Lage in Afghanistan für sicher erklärt, damit man einen inzwischen ungeliebten Stabilisierungseindsatz beenden und durch einen (wie ich meine wenig durchdachten) Trainingseinsatz ersetzen kann. Wenn es dann anders kommt (was nicht wenige von vorne herein gesehen haben) geht man auf Tauchstation.

    Wir erinnern uns noch an das Rumgeeier bei der Aufname von einheimischen Sprachmittlern in Deutschland. War anfangs nach Ansicht der Bundesregierung gar nicht notwendig, Afghanistan war ja sicher. Ich möchte heute nicht in der Haut eines Afghanen in Kundus stecken, der für die Bundeswehr gearbeitet hat.

    Dieses unwürdige Verhalten der Bundesregierung werden sich viele in den aktuellen und möglichen Einsatzgebieten der Bundeswehr in ihr Merkbüchlein schreiben. Internationale sicherheitspolitsiche Verantwortung sieht anders aus.

  8. Wenn die Bundesregierung sagt „wir wissen von nichts“ kann das drei Dinge bedeuten:

    1. Sie hat wirklich keine Ahnung. Peinlich für die Bundesregierung.

    2. Sie ist informiert aber schweigt wegen laufender Operationen. Peinlich für die Presse die das unbedacht schluckt.

    3. Es gibt nichts zu wissen weil in Kunduz deutlich weniger los ist als kolportiert. Peinlich für die Taliban.

    Jetzt warten wir erstmal ab was in ein paar Tagen Fakt ist und welche der drei ähnlich realistischen Möglichkeiten zutrifft.

  9. @Wait&C

    Sie mögen mich ja für blöd halten, wenn ich die Möglichkeiten 2 und 3 so sehe… Laufende Operationen, wenn es um die Bewertung der überall offen nachzulesenden Lage in Kundus geht? Weniger los als kolportiert, und deshalb sagt die Bundesregierung nichts dazu, sondern behauptet, nix zu wissen?

    Ich komme mir gerade ein bisschen verschaukelt vor… (Sorry, sollte nicht so harsch rüberkommen, aber Sie machen mich wirklich ratlos.)

  10. @Wait&C | 28. September 2015 – 22:19

    Sie haben mindestens einen möglichen Punkt vergessen:

    4. Sie will nichts wissen, weil die jetzige Entwicklung zeigt, dass das Gerede über die angebliche Sicherheit in Afghanistan von vorne herein Unsinn war. Auch peinlich für die Bundesregierung.

    Zu ihren anderen Punkten:

    ad 1. Es ist in verschiedenen Kommentaren hier beschrieben worden, dass das gar nicht sein kann. Es sei denn, irgendwer hat die gesamte TAAC (N) sediert.

    ad 2. Es geht nicht um Informationen zu möglichen Operationen, sondern um solche über die gegenwärtige Lage in Kundus.

    ad 3. Um als Aussenstehender zu erfahren, wie die Lage in Kundus ist, muss man nur den Fernseher einschalten. Wenn ein westlicher Korrespondent berichtet, er sei zum Flughafen geflüchtet und hofft, möglichst schnell evakuiert zu werden, weil in der gesamten Stadt gekämpft wird, scheint mir das kein Ausdruck von Verfolgungswahn zu sein.

  11. ohne Herrn Wiegold zu nahe zu treten. Aber hätte in den 19080ern irgend ein Medium darüber berichtet, dass Kunduz von wem auch immer eingenommen worden ist? Spaß beiseite, die Kameraden waren für nichts vor Ort außer zum Erwerb unser aller Privilegs, überhaupt von Kunduz zu wissen, weil wir da unsere Soldaten hingeschickt haben, die uns die Existenz dieser Stadt ins Bewußtsein gebracht haben, weil wir sie hingeschickt haben, weil wir wissen wollten, ob es vielleicht ein Kunduz gäbe…oder warum waren wir nochmal da? irgendwas mit Terrorismus, glaub ich.

  12. @T.W. / Patrick Horstmann:

    Ich glaube die/der Ironie/Sarkasmus/Zynismus von @Wait&C ist etwas untergegangen.

    Vielleicht ist es aber auch nicht (mehr) der richtige Zeitpunkt dafür.

  13. Und der Wahnsinn geht weiter:
    SPD fordert längeren Afghanistan-Einsatz (FAZ.net).
    Der Abg. Arnold begründet die Forderung damit, dass man die Afghanen jetzt nicht völlig (!) allein lassen dürfe und er stellt fest:. „Eines kann es nicht geben: Dass wir zuschauen, wie die Taliban das Land überrennen“

    Stimmt deswegen einfach noch ein Jahr in MeS sein – und weiter zuschauen.

  14. „Eines kann es nicht geben: Dass wir zuschauen, wie die Taliban das Land überrennen“

    Klappte doch bisher ganz gut.

    Meine Liste der „Volksvertreter“ in Berlin, die ich nicht mehr ernstnehmen kann, wird täglich länger…..

    Ok. Sachebene:
    Wann werden wieviel Soldaten mit welchen Funktionen losgeschickt?
    Wer soll demnächst Camp Marmal bewachen?
    Die Objektschützer der Lw?
    Oder braucht man die bald an der Heimatfront, um dort den Überblick über die unzähligen Flüchtlingsheime zu behalten?

    Mein Vorschlag: Abzug.
    Die wenigen noch vorhandenen nennenswerten Assets:

    Heron – ins Mittelmeer zur Überwachung oder Afrika (Mali)
    CH-53 – wird sich was finden (oder einfach mal Einsatzpause – zur Abwechslung)

  15. http://www.strategicstudiesinstitute.army.mil/pdffiles/PUB1269.pdf

    Ein etwas längeres Papier, aber die Lektüre lohnt sich, insbesondere die „conclusions“ S.190 ff.

    Da ist man aber überrascht in Berlin, denn die Übernahme von Kundus durch die Taliban war doch erst für 2016 erwartet worden….so ein Pech aber auch. Der Nachfolger des „Paten“ von Kundus Mohammed Fahim hat wohl gepennt. Das wird Nazri Mohammad in Faizabad gar nicht gefallen, wenn nun das Hauptdrehkreuz für Drogen, Waffen und Söldner in Nordafghanistan mit exzellenter Anbindung Richtung Norden und Westen in der Hand der Pashtunen ist.
    Tja, ja, Willy Wimmer hatte mal wieder Recht:
    http://imi-online.de/download/Afgh.Wimmer.10-09-03.pdf

    Falls die Taliban sich im Norden konsolidieren können, was macht dann die USA ? Lassen die uns wieder so hängen wie in Somalia? Berlin sollte wissen, dass in der Nähe von MeS kein Hafen ist….die Marine wird bei einer möglichen Not-Evakuierung also nicht wieder einspringen können.

  16. Moin klabautermann | 29. September 2015 – 8:36

    „Dann machen wir einen Hafen dahin!!!

    In Rammstein liegen noch nen paar Knaller rum.

    Wir schaffen das!!!

  17. Solche Meldungen überraschen mich überhaupt nicht. Wenn man sich sämtliche verfügbaren vertrauenswürdigen Quellen anschaut, dann war diese Entwicklung absolut vorhersehbar. Ganz im Gegenteil: Es hätte mich tatsächlich sehr überrascht, wenn es sich anders entwickelt hätte als dies jetzt der Fall ist. Die Überraschung in Berlin ist daher für mich genauso unverständlich, wie unsere Regierung sich zum Thema Flüchtlinge verhält. Ebenfalls ist dies kein Übernachtphänomen, sondern war bereits vor einigen Jahren deutlich vorhersehbar. Als kleine Entschuldigung könnte ich gelten lassen, sie war vielleicht nicht in diesem Umfang vorhersehbar…

  18. Angeblich Gegenoffensive ANA und weiterer Sicherheitskräfte. Polizeizentrale und Gefängnis wieder genommen …? Nur Gebiet am Flughafen offensichtlich verbindlich im Besitz der Regierungstruppen.
    Die US-Luftwaffe unterstützt den Militäreinsatz mit Angriffen. (n-tv/tagesschau und andere)

  19. Wer die Idylle Kunduz in den Jahren 2003 bis 2005 erlebt hat, wird die heutige Lage – wie auch immer sie sich weiter entwickeln mag – kaum begreifen können. Da ist unglaublich viel falsch gelaufen seither.

    Allerdings: Kunduz ist nicht mit ganz Nord-AFG gleichzusetzen. Das wäre zu einfach. Die Region zerfällt vielmehr (wieder einmal) in zahlreiche Einflusssphären unterschiedlichster Machtgruppierungen, denen nur eines gemein ist: Die offene oder verdeckte Ablehnung einer zentralen Ordnungsgewalt. Von dem, was wir mit unserem Engagement eigentlich fördern wollten, bleibt erschreckend wenig übrig. Keine angenehme Erkenntnis, aber auch nicht ganz unerwartet.

  20. Der Arnold-Vorschlag kommt ein wenig zu spät. Erstaunlich, dass immer die gleichen Fehler gemacht werden. Erst beim Rückzug der USA aus dem Irak, dann aus Afghanistan.

    Die Gründe waren nicht sicherheitspolitisch oder militärisch motiviert, sondern ein Konglomerat aus meist innenpolitischen Gründen. Man wollte einen Abzug auf Teufel komm raus, da wurde dann eben die militärische Situation schön geredet. Nur mal zur Illustration ein Artikel von Majid Sattar auf FAZ online vom 06.10.2013 zur Übergabe des Feldlagers in Kundus an die ANSF.

    http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/asien/uebergabe-in-afghanistan-am-ende-einer-mission-12606287.html

    (Ich hoffe der Link ist okay, da älter als ein Jahr; sonst bitte löschen).

    Man kann sich ja irren, gerade was internationale und sicherheitspolitische Entwicklungen angeht. Die Ukraine-Krise zum Beispiel hat vor drei Jahren kaum jemand auf dem Zettel gehabt. Aber was Nordafghanistan und insbesondere die Provinz Kundus angeht hat sich von den politischen Akteueren niemand geirrt, man hat bewußt wider besseren Wissens gehandelt.

  21. Verlängerung ist lediglich eine politische Geste, die auf den Präsidenten zielt. Ob TAA-Einsatz von 700 Deutschen, um 12 Monate verlängert, geeignet ist, Taliban zumindest in Schach zu halten, stellte sich mehr als fraglich dar. Ausbildungs- und materielle Hilfen haben nachgewiesenermaßen, z.B. im Irak, nichts bewirkt, gar nichts.
    Hilfe wäre allein durch Diszlozierung und Einsatz von Kampftruppe erreichbar. Das will niemand, so gesehen muss mit dem Status Quo gelebt und auf den Erfolg afghanischer Regierungstruppen gesetzt werden.
    Fehler gab es zwei,
    – zu früher und überhasteter Abzug in Folge der Obama-Entscheidung sowie
    – das westliche Unvermögen lebhafte politische Strukturen zu hinterlassen, die die Interessen der Ethnien zufriedenstellen.

  22. Wer sich jetzt noch darüber wundert kann auch nicht mehr geholfen werden. Das war doch abzusehen, das das passiert! Und so wird es auch weitergehen, bald werden sie wieder ihre Schreckensherschafft in ganz Afghanistan wieder führen. Ein klägliches versagen der Westlichen Politik! Dann waren all die Jahre, die Opfer umsonst.

  23. @ Memoria

    Die beiden Berichte von tolonews und afghan-analysts.org nebeneinander gelegt und gelesen, dann weiß man woran es krankt. Bei der Regierung Ausflüchte und Erklärungsversuche für den Verlust der Stadt, bei afghan-analysts-network die systematische nach und nach Aufgabe einer Provinz, bei der zum Schluss die Provinzhauptstadt mit 6 tägiger Ankündigung fiel.

  24. Die Situation erinnert stark an Vietnam unter dem Thieu-Regime: eine entschiedene, das eigene Leben einsetzende Guerillabewegung, die nationalistische, antiamerikanische Gefühle voll ausnutzen kann, eine korrupte, vom Westen gestützte Zentralregierung.
    Taktisch: der Gegner ist unter der Zivilbevölkerung fast unsichtbar, also ungreifbar, während die eigenen Leute immer unterscheidbar sind. Deren Kommunikationslinien können per IEDs wirksam unterbrochen werden – die der Gegner nicht so einfach, weil ein Taliban-Auto sich eben in Nichts von einem normalen zivilen Auto unterscheidet.
    Dann der Mangel an Intelligenz auf Regierungsseite, an Initiative, an Kohärenz, am Lagebild. Anscheinend hat man keinen funktionierenden Geheimdienst, der seinerseits die Taliban unterwandert und Nachrichten liefert.
    Dann die PR-Verzerrungen: ein paar Todesopfer durch die Ausländer wiegen (übrigens auch in unseren Medien!) viel mehr als Tausende durch Taliban.
    Man hat die Wahl zwischen einem verhandelten Übergang zur Talibanherrschaft, einem kriegerischen Übergang oder jahrzehntelanger, für alle Seiten kostspieliger Stabilisierung.

Kommentare sind geschlossen.