Baltic Air Policing an der russischen Grenze: Deutsche Eurofighter wieder dabei

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Den Termin haben wir alle verpasst, und auch die Bundeswehr hat ihn nicht so laut verkündet: Seit dem vergangenen Donnerstag, 27. August, 0600z (8 Uhr deutscher Zeit) hat die Luftwaffe erneut mit Eurofightern die Sicherung des Luftraums über den baltischen Staaten übernommen. Die Übergabe von der britischen Royal Air Force, die diese Aufgabe in den vergangenen Monaten übernommen hatte, an die Bundeswehr fand bereits am 25. August auf dem estnischen Fliegerhorst Ämari statt (siehe Foto oben).

(Ich hatte mir zwar vorgemerkt, dass die Luftwaffe das Baltic Air Policing ab September übernimmt, war aber vom – morgigen – 1. September ausgegangen.)

Nun ist diese Luftraumüberwachung über Estland, Lettland und Litauen für die deutsche Luftwaffe keine unbekannte Aufgabe – seit mehr als zehn Jahren werden Kampfflugzeuge der NATO-Staaten ins Baltikum an die russische Grenze verlegt, da die drei kleinen Länder keine eigene leistungsfähige Luftstreitmacht haben. Die Deutschen waren zuletzt im vergangenen Jahr in Ämari stationiert, schon damals unter dem Eindruck der Ukraine-Krise und eines problematischen Verhältnisses der NATO zu Russland.

Dennoch hat sich in diesem Jahr erneut etwas geändert: Mit der jetzt begonnenen Rotation hat die NATO die Zahl der einsatzbereiten Abfangjäger an der Ostflanke der Allianz von zuvor 16 auf acht reduziert. Vor der Ukraine-Krise waren es immer vier Flugzeuge gewesen; mit der Vervierfachung im vergangenen Jahr hatte das Bündnis ein Zeichen der Solidarität mit den osteuropäischen NATO-Staaten setzen wollen. Jetzt die Verringerung auf acht – was nach Darstellung der Allianz eine militärische, keine politische Entscheidung ist, weil die Zahl ausreichend sei. (Der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses des Bundestages, Wolfgang Hellmich, hatte das bezweifelt und dagegen protestiert.)

Die geringere Zahl der einsatzbereiten Kampfjets hat allerdings für die Bundeswehr (und vermutlich auch für die anderen beteiligten Nationen) ganz praktische Konsequenzen. So hat das Taktische Luftwaffengeschwader 31 Boelcke, das in diesem Jahr den deutschen Beitrag zum Baltic Air Policing stellt, dafür sechs Flugzeuge abgeordnet. Im Vorjahr hatte das Taktische Luftwaffengeschwader 74 ebenfalls sechs Maschinen gestellt – aber nur vier flogen nach Ämari, zwei blieben als Reserve in Deutschland. In diesem Jahr stehen in Estland fünf Maschinen und nur eine in der Heimat: Zu den jeweils zwei Maschinen pro Quick Reaction Alert (QRA) komt eine Reservemaschine direkt in Ämari und die sechste Maschine in Deutschland.

Das ist ebenso ein Zeichen höherer Bereitschaft wie eine weitere organisatorische Änderung: Im vergangenen Jahr wechselten sich die verschiedenen Nationen von den Luftwaffenbasen Ämari in Estland und Šiauliai in Litauen wochenweise ab; auf eine hot week, in der die Maschinen aufmunitioniert in ihren Sheltern standen und die Piloten in maximal 15 Minuten in der Luft sein sollten, folgte eine cold week mit Trainingsflügen und einer deutlich längerfristigen Bereitschaftszeit. Nun gibt es keine cold week mehr: Für die ganze Zeit des Einsatzes (der übrigens nach den Bestimmungen des deutschen Parlamentsbeteiligungsgesetzes keiner ist) muss die Luftwaffe jederzeit eine 15-Minuten-Alarmrotte in Bereitschaft halten.

Die britischen Vorgänger waren übrigens in ihrer Einsatzzeit von Mai bis Ende August gut beschäftigt: Ingesamt 17 mal stiegen ihre Eurofighter zu scharfen Einsätzen auf, um russische Kampfflugzeuge an den Grenzen des NATO-Gebiets zu identifizieren. Bei einem dieser Alpha Scramble stießen sie am 24. Juli gleich auf zehn russische Flugzeuge.

Nachtrag: in Šiauliai in Litauen fand am (heutigen) Montag die Übergabe von Italien an Ungarn statt. (Mehr Fotos hier.)

Nachtrag 2: Was erstaunlicherweise ziemlich untergegangen ist: Die USA haben über das vergangene Wochenende Predator-Drohnen nach Lettland geschickt, wie das U.S. European Command mitteilte:

Two MQ-1 Predator remotely piloted aircraft (RPAs) and approximately 70 Airmen from the 147th Reconnaissance Wing of the Texas Air National Guard based at Ellington Field, Houston, Texas, deployed to Lielvarde Air Base, Latvia over the weekend.
This temporary deployment of aircraft and personnel, which continues through mid-September, will test the unit’s ability to forward deploy RPAs and conduct air operations in an effort to help assure our Latvian allies, NATO allies and European partners of our commitment to regional security and stability. The squadron will also conduct partner training on RPA operations. Through these strengthened relationships and engagements with our allies and partners, the U.S. demonstrates its shared commitment to a safe and secure Europe. This deployment is funded by the European Reassurance Initiative (ERI); ERI has funded multiple events that include increased U.S. military presence in Europe and additional bi-lateral and multi-lateral training events.

(Foto oben: Kommandoübergabe in Ämari am 25. August – Estnische Luftwaffe via NATO Allied Command Operations; Foto unten: NATO HQ Aircom)

26 Kommentare zu „Baltic Air Policing an der russischen Grenze: Deutsche Eurofighter wieder dabei“

  • Wait&C   |   31. August 2015 - 16:38

    Mal dumm gefragt vom Amateuer:

    Wäre eine dauerhafte Stationierung einer festen Gruppe nicht günstiger und würde ein besser eingespieltes Vor-Ort-Team garantieren?

    Oder noch provokanter, warum schenkt man den Balten nicht einfach ein Dutzend F16?

    (Mir fallen schon selber ein oder zwei Antworten auf diese Fragen ein, ich denke aber da gibt es mehr und darauf bin ich neugierig)

  • LTC007   |   31. August 2015 - 17:07

    Kleine Ergänzung zu Litauen: Der erste BOXER ist zur Erprobung (bis Anfang September) auf einem Übungsplatz in der Nähe der Hauptstadt Vilnius.

  • LTC007   |   31. August 2015 - 17:13

    @Wait&C: Günstiger? Möglicherweise. Ein Dutzend Jets fürs Baltikum? Ist alles schon überlegt und verworfen worden. Die Staaten sind einfach zu klein, um das (auch finanziell) stemmen zu können. Viel wichtiger, und da geht’s um mehr als das Geld, ist, Bündnis-Solidarität zu zeigen. Dazu gehören auch die 6 F-22 RAPTOR der US Air Force, die gerade in Polen gelandet sind, sowie Übungen der Land- und Seestreitkräfte.

  • klabautermann   |   31. August 2015 - 17:45

    @LTC007

    „6 F-22 RAPTOR“…..die vermehren sich wirklich ganz erstaunlich schnell, diese Raptoren….

  • Stefan Büttner   |   31. August 2015 - 17:57

    Die Norwegische F-16 im Bildhintergrund (rechts) vom Nachtrag gehört zum verstärkten BAP in Siauliai. Aufgrund der Reduzierung nun nicht ersetzt. Die in der Bilderserie (Danke für die Verlinkung) mehrmals sichtbaren Ungarischen Gripen gehören zum (originären) BAP. Die abgelösten Italienischen Eurofighter vom (originären) BAP sind vermutlich schon zu Hause und deswegen nicht auf den Bildern zu sehen.
    Interessant ist das die Belgischen F-16 nun wohl insgesamt 8 Monate und damit durchgängig beim verstärkten BAP in Malbork waren. Also zwei Durchläufe in Folge.

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   31. August 2015 - 18:50

    Soweit ich den Google-Übersetzter verstanden habe, sind heute zwei russische Bomber vom Typ Tu-22m3 ostwärts Gotland durch Gripen abgefangen worden.
    Die Tu-22m3 sollen Bericht zufolge state of the art sein, ist das so?
    http://www.svd.se/just-nu-ryska-bombplan-foljdes-utanfor-gotland/om/det-skarpta-sakerhetslaget

  • CRM-Moderator   |   31. August 2015 - 19:05

    „Im Vorjahr hatte das Taktische Luftwaffengeschwader 74 ebenfalls sechs Maschinen gestellt – aber nur vier flogen nach Ämari, zwei blieben als Reserve in Deutschland. In diesem Jahr stehen in Estland fünf Maschinen und nur eine in der Heimat: Zu den jeweils zwei Maschinen pro Quick Reaction Alert (QRA) komt eine Reservemaschine direkt in Ämari und die sechste Maschine in Deutschland.

    Das ist ebenso ein Zeichen höherer Bereitschaft……“

    Wirklich?
    Ist diese 5. Extramaschine nicht eher ein Zeichen dafür, dass es für den Klarstand EF-2000 besser ist 1 Maschine mehr hinzustellen. Vor allem weil man jetzt nicht den einmaligen Luxus vom letzten Jahr hat, mit wechselnden hot/cold-weeks.
    D_A_S ist die Nachricht hinter der Nachricht.
    Ansonsten wie gehabt kein Auslandseinsatz. Und der „Iwan“ macht auch das, was er schon immer dort gemacht hat. Nach Kaliningrad pendeln und im Internationalen Luftraum üben.

    P.S.: Mann kann einen A-Scramble gerne als „scharfen Einsatz“ bezeichnen, könnte aber für den ein oder anderen irreführend sein. Die Waffen sind immer geschärft. Auch beim S-Scramble.

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   31. August 2015 - 19:40

    https://www.flickr.com/photos/133169573@N03/sets/72157655680675533/
    Shape Public Affairs twittert dazu: Hungary takes over lead role in NATO’s Baltic Air Policing. ….@SHAPE_NATO
    Was habe ich jetzt nicht verstanden/gelesen.
    Oder sind
    – „to take over lead role“ und
    – „… die Luftwaffe erneut mit Eurofightern die Sicherung des Luftraums über den baltischen Staaten übernommen. …“ zwei Paar Schuhe?
    Gemäß Führungsverantwortung =Lead role bzw. Durchführungsverantwortung = zwei EF …?
    Man helfe mir auf’s Pferd.

  • Otto Hahn   |   31. August 2015 - 20:02

    Noch eine Frage von einem anderen Amateur.
    Da begleiten NATO Flugzeuge Russische Flugzeuge durch den internationalen Luftraum wenn die von einer Haustür ihres Hauses(dem russisches Kernland) zur Kellertür des Hauses(Kaliningrad) fliegen und das nennt man dann abfangen?
    Stimmt es weiterhin, das die Bundeswehr Maschinen nicht bewaffnet sind?

    Danke schon mal für die Antwort.

  • Stefan Büttner   |   31. August 2015 - 20:45

    Grundsätzlich ist eine Tu-22M3 mind. genauso „alt“ wie vergleichsweise eine Tu-95MS. Was Modernisierungen (Planung oder tatsächlich?) betrifft, gerne wird dabei eine soundso-fache Verbesserung des Kampfwertes im Vergleich zum Basismuster angeführt. Man kann da nun glauben das es statt sehr guter Eigenschaften aktuell sehrsehrsehr gute Eigenschaften wären. Wenn man aber in die erste Hälfte der achtziger Jahre zurück geht dann läuft es in 2015 auf ‚annehmbar‘ statt ‚gerade noch so‘ hinaus. Man sollte auch immer im Auge behalten die Anzahl der Flugzeuge die davon betroffen sind. Ich vermute hier navigatorische Verbesserungen, also Einsatzverwendung einzelner Flugzeuge sozusagen als Pfadfinder.
    Interessant ist das mit Gotland sowieso, es bleibt abzuwarten ob dort erneut temporär Gripen vorgeschoben basiert werden. Im Prinzip sind das alles Auswüchse des Tagesgeschäftes aus den Zeiten des Kalten Krieges. Ein Blick auf die Zahlen deutet eine rückläufige Tendenz an.

  • Mannerheim   |   31. August 2015 - 21:42

    Warum kann man in der hiesigen Diskussion nicht einfach Positives unterstellen, wenn HUN in den ‚lead geht‘ ? Es geht doch (auch) um den Einsatz von interoperablen Luftstreitkräften der NATO. Und bei den Zahlen der vorausstationierten Systeme aus D („der Nummer 5“) könnte man doch auch die lessons-learned-Auswertung aus dem letzten Zyklus sehen, oder ? – Hauptsache, die „3 Bs“ haben unseren Beistand und Schutz.

  • Howie   |   01. September 2015 - 6:45

    Kurz offtopic

    „LTC007 | 31. August 2015 – 17:07
    Kleine Ergänzung zu Litauen: Der erste BOXER ist zur Erprobung (bis Anfang September) auf einem Übungsplatz in der Nähe der Hauptstadt Vilnius.“

    …mit Lance Turm.

  • Christian   |   01. September 2015 - 12:15

    Zur Tu-22M3: die jüngsten Exemplare sind gut 35 Jahre alt, da der „Blinder“ bis zum Ende der 70er produziert worden ist. Die können also so „state of the art“ sein, wie das bei einem solchen Flugzeug halt möglich ist.

  • Thrax   |   01. September 2015 - 12:21

    @Howie

    Paar schicke Bilder dazu ;-)

    Link: http://defence-blog.com/army/testing-of-boxer-armoured-fighting-vehicles-begins-in-lithuania.html

    (Eher was für das Bällebad)

  • Stefan Büttner   |   01. September 2015 - 13:19

    Gut 35 Jahre alt? Negativ, die Aussage stimmt insgesamt so nicht.

  • klabautermann   |   01. September 2015 - 13:52

    Langsam wird es lächerlich. Was wird das hier ? So eine Art wehrtechnischer beauty-contest zwischen USA und EU in Sachen baltischer und polnischer Wehretats ?
    Was ist denn bitte der militärische Mehrwert von 2 Reserve-Predators an der Grenze zu Rußland ? Oder von 2 Raptoren in Zentral-Polen ? Das ist doch weder eine wirkliche show-of-force noch eine wirklich ernst zu nehmende show-of-solidarity………Barnum & Bailey Circus on tour in Europe ?
    Ein overstretched Hegemon, der reflexartig eine Strategie der Spannung versucht aufrecht zu erhalten, die aber im Falle Rußlands seine überdehnten Fähigkeiten übersteigt und der in Europa keinen Partner mehr findet, der diese Strategie der Spannung substanziell mitträgen könnte. Das wäre eigentlich nur Deutschland……und das wird nicht passieren.
    OK boys’n girls, denn fliegt mal schön……… ;-)

  • MikeMolto   |   01. September 2015 - 13:57

    @ klabautermann | 01. September 2015 – 13:52

    Im vorigen Jahrtausend nannte man das vielleicht ‚Navigations-Belehrungsfahrt‘?

  • klabautermann   |   01. September 2015 - 14:04

    @MikeMolto

    Der gute alte US-Militärtourismus: See Europe in 7 days, today is tuesday, so this must be Belgium !

    ;-)

  • Ein Leser   |   01. September 2015 - 14:26

    @Otto Hahn:
    Zur Bewaffnung siehe http://augengeradeaus.net/2014/09/baltic-air-policing-friedensflugbetrieb-an-der-russischen-grenze/
    (Die Maschinen sind bewaffnet, aber da liegt kein Schwerpunkt)

  • Christian   |   01. September 2015 - 15:27

    @Otto Hahn: auf den meisten Bildern der deutschen Eurofighter im Baltikum (also: von den bisherigen deployments zumindest), bei denen man die Aussenlasten erkennen kann, hängt unter den EF2000 neben Aussentanks auch eine IRIS-T. Meistens tatsächlich EINE unter einer Tragfläche, also asymmetrisch.

    AIM-120 AMRAAM habe ich dort noch keine gesehen – zumindest nicht an Eurofightern der Luftwaffe. Mein Verdacht ist, dass wir gar keine haben und neben der IRIS-T halt auf den Flugkörper Meteor warten.

    In den Berichten ist ja von „aufmunitioniert“ die Rede, also gehe ich davon aus, dass auch die Mauser BK-27 Bordkanone entsprechend mit „Wirkmitteln“ ausgestattet ist.

    Beim Einsatz dieser Wirkmittel kann es bei anderen Fluggeräten zur schnellen, ungeplanten Demontage (= rapid, unscheduled disassembly) kommen ;-).

  • Christian   |   01. September 2015 - 15:36

    @klabautermann: bei aller, sicherlich angebrachter Kritik – ja, ich glaube, mit vier Raptoren und 2 Predatoren wird man die bald heranflutenden, roten Panzerhorden nicht stoppen können – das hat durchaus auch einen militärischen Mehrwert.

    Das sind doch neben der „show of force“ (oder meinetwegen: förce-chen) auch ganz klar Scouting-Missionen, um Verfahren zu erproben und zu entwickeln. So steht es in den Originaltexten ja auch recht unverhohlen drin. Immerhin stellt dies z.B. das erste Deployment der F-22 nach Europa überhaupt dar.

    Das heißt, wenn man später nochmal wiederkommen möchte oder muss – dann vielleicht auch in größerer Zahl – hat man zuvor schon wichtige Erkenntnisse gewonnen und muss nicht bei Null anfangen.

  • Frankfurter   |   01. September 2015 - 16:19

    @LTC007:
    Hier eine Ergänzung zu Ihrem Hinweis zur „Boxer“ Erprobung in Litauen:

    Er wird dort mit dem BW Puma-Turm (30mm) und Javelin (anti-tank-missile) getestet und ist wohl favorisiert. Eine Variante die auch für die Bundeswehr interessant sein könnte. Hier ein link, der wesentlich mehr Informationen beinhaltet, als bisher gemeldete deutsche Quellen:

    http://www.janes.com/article/53057/boxer-the-favourite-for-lithuanian-ifv-buy

  • klabautermann   |   01. September 2015 - 17:06

    @Christian

    Na ja, meine Erfahrung ist, dass solche singulären detachments von Flugzeugen der US-Streitkräfte in den NATO-C2/C4IS(TAR)-Airspace oftmals mehr durcheinander bringen und nur sehr begrenzt „interoperatibiltätsfördernd“ sind……die USA lassen sich da nicht so gern in die C4ISTAR-Karten schauen – auch nicht bei Übungen. Da wird dann ein „exclusive airspace“ aus-/aufgemacht mit der host-nation und die NATO kann dann ihr airspace-management drum herum basteln….und mit dem nächsten detachment geht dann die „Lernkurve“ wieder von Vorne los – Sägezahn läßt grüßen ;-)

  • Mitleser   |   01. September 2015 - 21:00

    Stefan Büttner | 31. August 2015 – 20:45

    Grundsätzlich ist eine Tu-22M3 mind. genauso „alt“ wie vergleichsweise eine Tu-95MS. Was Modernisierungen (Planung oder tatsächlich?) betrifft, gerne wird dabei eine soundso-fache Verbesserung des Kampfwertes im Vergleich zum Basismuster angeführt. Man kann da nun glauben das es statt sehr guter Eigenschaften aktuell sehrsehrsehr gute Eigenschaften wären. Wenn man aber in die erste Hälfte der achtziger Jahre zurück geht dann läuft es in 2015 auf ‚annehmbar‘ statt ‚gerade noch so‘ hinaus. Man sollte auch immer im Auge behalten die Anzahl der Flugzeuge die davon betroffen sind. Ich vermute hier navigatorische Verbesserungen, also Einsatzverwendung einzelner Flugzeuge sozusagen als Pfadfinder.

    Der Einsatz der Tu-22M3 im Georgienkrieg hat bei dem Typs erhebliche Mängel in der operativen Planung, dem Selbstschutz/ECM und der verfügbaren Bewaffnung (lediglich Freifallbomben, keine Abstandswaffen) gezeigt. 2 Einsätze, von denen keiner das Ziel wirksam getroffen hat, ein Totalverlust durch eine Buk-1M Rakete. In den nachfolgenden Jahren gab es zwar personelle Wechsel an der Spitze von Verteidigungsministerium und Luftstreitkräften, es wurden auch Modernisierungsprogramme angestoßen, aber ob und inwiefern das die Einsatzfähigkeiten der Tu-22M3 als konventionellen Bomber verbessert hat, ist nicht belegbar. Insbesondere in Sachen Eigenschutz/ECM und Abstandswaffen gegen Landziele.
    Als Lenkwaffenträger für den Seekrieg mag sie dank der bekannten russischen Seezielraketen weiterhin state of the art sein, aber alle Nachbarstaaten Rußlands, die Schiffseinheiten haben, die den Einsatz weitreichender Seezielraketen erforderlich machen, sind mit Ausnahme Chinas NATO-Staaten oder in anderweitig in Militärbündnissen mit den USA verankert, oder sie haben keine Assets, zu deren Bekämpfung es diese Waffen braucht.
    Damit dürfte dieser Typ vermutlich nur von begrenztem militärischen Nutzen in den aktuellen Krisen und Konflikten sein, über die show of force hinaus.

  • Stefan Büttner   |   02. September 2015 - 8:16

    Gute Zusammenfassung aber die aktuelle Rolle der paar überlebenden Russischen Backfire in einem Seekrieg sollte man nicht überbewerten. Das ist alles nun schon mind. ein Vierteljahrhundert alt und die Quantität ging seitdem permanent bergab.