NATO-Generalsekretär: ‚Wir können aus weniger nicht mehr machen‘

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NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg hat Deutschland aufgerufen, wie andere Staaten des Bündnisses seine Zusage einzuhalten, den Verteidigungshaushalt langfristig auf zwei Prozent des Bruttoinlandsproduktes anzuheben. In Wales haben wir entschieden, die Einschnitte zu stoppen und die Ausgaben schrittweise zu erhöhen, um innerhalb eines Jahrzehntes das Zwei-Prozent-Ziel zu erreichen. Niemand erwartet, dass Deutschland das innerhalb eines Jahres tut, sagte Stoltenberg in einem Interview der Süddeutschen Zeitung (Montagausgabe). Wir erwarten, dass Deutschland die Kürzungen stoppt und stufenweise erhöht. Ich begrüße die Ankündigung, dass Deutschland nächstes Jahr damit beginnen will, seine Investitionen in die Verteidigung zu erhöhen.

Stoltenberg wandte sich gegen die von der Bundesregierung wiederholt vorgebrachte Argumentation, die deutschen Verteidigungsausgaben seien auch bei einem geringeren Anteil am Bruttoinlandsprodukt wegen ihrer  Effektivität anders zu bewerten. Das ist sicher wichtig, aber langfristig können wir aus weniger nicht mehr machen. Wir haben uns zu effizienteren Verteidigungsausgaben bekannt, aber eben auch zu höheren, betonte der NATO-Generalsekretär. Der frühere norwegische Finanzminister verwies darauf, dass er in den 1990-er Jahren die Kürzung des Verteidigungshaushalts in seinem Heimatland betrieben habe. Das sei aber eine andere Situation gewesen: Wenn die Spannungen abnehmen, ist es richtig, die Verteidigungsausgaben zu senken. Wenn sie wieder zunehmen, müssen wir aber in der Lage sein, sie wieder zu erhöhen. 

Der höchste zivile Repräsentant der Allianz wies in dem Interview die Einschätzung zurück, die NATO habe durch aggressives Verhalten Russland zurückgedrängt. Nach dem Ende des Kalten Krieges haben Deutschland und alle anderen Alliierten große Anstrengungen unternommen, um Russland einzubeziehen und eine strategische Partnerschaft zu begründen. … Wir haben uns wirklich um ein kooperatives Verhältnis zu Russland bemüht, aber das muss auf einem Minimum an Respekt fußen. Wenn du die Grenzen deines Nachbarn verletzt, geht das Vertrauen verloren, sagte Stoltenberg. Die Osterweiterung des Bündnisses sei zudem kein gegen Russland gerichteter Akt gewesen, sondern eine legitime demokratische Entscheidung der jeweiligen Länder. Es waren die Völker Polens, Litauens, Lettlands, und Estlands, die der Nato beitreten wollten, betonte der Generalsekretär.  Hätten wir sagen sollen: Das erlauben wir euch nicht, weil ihr euch in einer Region befindet, die Russland als Interessensphäre betrachten möchte?

(Foto: Stoltenberg nach der Übung Noble Jump der Very High Readiness Joint Task Force am 18. Juni in Zagan/Polen – NATO Photo)

 

42 Kommentare zu „NATO-Generalsekretär: ‚Wir können aus weniger nicht mehr machen‘“

  • Alarich   |   28. Juni 2015 - 23:47

    Mein Satz irgend wie aber BRD ganz Normal sich drücken

    Aber 90 Mila für die Griechen

  • Memoria   |   29. Juni 2015 - 0:48

    „Ich begrüße die Ankündigung, dass Deutschland nächstes Jahr damit beginnen will, seine Investitionen in die Verteidigung zu erhöhen.“

    Nur leider sind dies – entgegen der Darstellung der Ministerin – fast keine zusätzlichen Investitionen i.e.S. (MatInvest) und keinerlei Verbesserungen beim MatErh zur Verbesserung der Einsatzbereitschaft. Da schaut man wohl auch bei der NATO nicht mehr so genau hin.

    Bin mal gespannt wie die Einsatzbereitschaftsdiskussion im Herbst verlaufen wird.

  • Thomas Bernhardt   |   29. Juni 2015 - 0:57

    „… die von der Bundesregierung wiederholt vorgebrachte Argumentation, die deutschen Verteidigungsausgaben seien auch bei einem geringeren Anteil am Bruttoinlandsprodukt wegen ihrer Effektivität anders zu bewerten.“
    Ja, dafür sind die deutschen Verteidigungsausgaben bekannt: Für ihre Effektivität.
    Weiß jemand, wer das allen Ernstes behauptet hat? Ich möchte diesem Menschen gern einen Brief schreiben.

  • Bang50   |   29. Juni 2015 - 1:14

    Die These „DEU investiert besonders „effektiv“ in Verteidigung“ ist schon hart an der Grenze aktiver Realitätsverweigerung und gleichzeitig eine peinliche Beleidigung für andere europäische Armeen. So impliziert diese Aussage, dass DEU insgesamt bessere Verteidigungs-/Militärpolitik betreibt als andere europ. Nationen. Ein Blick in die Realität zeigt jedoch:

    • Das System BW ist mit jeder größeren eigenständigen Operationsführung überfordert bzw. generiert überwiegend Blindleistung. Dieser Umstand wurde in Afg. leider immer wieder verdeutlicht. Das Geld dabei nicht der ausschlaggebende Faktor ist, zeigten zahlreiche europäische Nationen mit ähnlichen oder gar wesentlich kleineren Verteidigungsbudgets.
    • Wie die Europäische Verteidigungsagentur EDA 2011 ermittelt hat, stehen hinter jedem BW-Soldaten im Einsatz ca. 35 weitere Soldaten und 15 zivile Mitarbeiter. An diesem Indikator gemessen, ist die BW die ineffizienteste europäische Armee.
    • Die politisch motivierten Rüstungsprojekte wie NH90, Tiger, A400M, Eurofighter etc… sind inzwischen Lehrbuchbeispiele für die Ineffizienz des europäischen Rüstungsmarkts geworden und werden auch in Zukunft als sunk costs oder ex-post Transaktionskosten die Effektivität der BW stark beeinträchtigen.
    • Der deutsche Rüstungsmarkt kann zum Teil effektive Systeme fertigen. Diese sind jedoch in der Stückzahl begrenzt und müssten zu den gegeben Stückkosten und den dabei induzierten Verdrängungseffekten ein Vielfaches der Kampfkraft aufweisen um die These der absolut höheren Effektivität zu stützen.

    Diese Zustände sind jedoch kein Grund der unsäglichen 2% BIP-Forderung zu verfallen. Bei einem BIP von 2,6 Billionen Euro in 2014 würden 2% des BIP einem Verteidigungsbudget von 52 Milliarden Euro entsprechen und somit einer Steigerung von ca. 21 Milliarden ggü. 2014! Wie dieses jährliche Budget von der BW und vor dem Hintergrund der im oberen Teil geschilderten Probleme effizient/effektiv investiert werden soll, verrät Stoltenberg wiederum nicht.

    Damit sind wir beim eigentlichen Problem. In DEU und anscheinend auch in der NATO herrscht richtungslose Dynamik. Diese vermag Energie und Geld zu verbrennen, ist aber vollkommen ineffektiv/ineffizient.

  • csThor   |   29. Juni 2015 - 6:34

    Armer Herr Stoltenberg. Schon sein Vorgänger mußte einen Haufen Rhetorik verbreiten, von dem er schon vorher wußte, daß sie an der Realität abprallen würde. Deutschland und 2% BIP für Verteidigung? Nie im Leben!

    Ansonsten hat Bang50 alles zum Thema „Effizienz“ gesagt. Deutsche Beschaffungsentscheidungen sind ausschließlich industriepolitisch und wahltaktisch motiviert. Militärische Anforderungen dienen hierbei nur als schmückendes Beiwerk und Fragen nach Kosten-Nutzen-Verhältnissen oder Zeitrahmen interessieren keinen.

  • Woody   |   29. Juni 2015 - 6:37

    @Thomas Bernhardt:

    Die Ministerin hat das so oder so ähnlich gesagt, wer ihr das eingeredet hat bleibt fraglich. Natürlich ist 1,2% von einem hohen BIP nominell mehr als 2% von einem kleinen BIP. Es ist aber eben keine gerechte Lastenverteilung im Bündnis.

    Das wäre fast so als würde der Gutverdiener weniger Steuern(%) zahlen als der Geringverdiener.

  • csThor   |   29. Juni 2015 - 6:48

    @ Woody

    Die Ministerin hat das so oder so ähnlich gesagt, wer ihr das eingeredet hat bleibt fraglich.

    Also ich hab da ganz speziell zwei „Schuldige“ im Hinterkopf. ;)

  • Thomas Melber   |   29. Juni 2015 - 7:29

    Na ja, „bang for the buck“ eben.

  • klabautermann   |   29. Juni 2015 - 8:22

    „Wales haben wir entschieden, die Einschnitte zu stoppen und die Ausgaben schrittweise zu erhöhen, um innerhalb eines Jahrzehntes das Zwei-Prozent-Ziel zu erreichen“…..ist der entscheidende Satz aus dem Interview.
    Das besagt nämlich, dass das Bündnis die be­rühmt-be­rüch­tigte 10 Jahre Vorwarnzeituhr – auf die „man“ sich in very high places Mitte der 90er verständigt hat – zum (Wieder)Herstellen einer glaubwürdigen Art-5-Fähigkeit in Gang gesetzt hat.
    Und unter diesem Aspekt gewinnt die Aussage in Sachen effizienter Einsatz der Vtg-Haushalte, ausgedrückt in BIP-Prozenten, eine ganz andere Bedeutung, wenn man einmal den volkswirtschaftlichen return-on-article-5-invest berechnet und dann zwischen den Partnern vergleicht.

  • Thomas Melber   |   29. Juni 2015 - 8:39

    @klabautermann
    Aktuell können sich aber die wenigsten Staaten eine Erhöhung (auch prozentual) des Verteidigungshaushaltes leisten, vom Wollen ganz zu schweigen.

    Zudem: wie sieht der Verlauf der Anpassung aus? Man hätte schon „verbindliche“ Vorgaben machen müssen, ggf. abgestützt auf Truppenstärken und Ausrüstung / Anzahl Großgerät mit Meilensteinen.

  • klabautermann   |   29. Juni 2015 - 9:09

    @Thomas Melber

    Da stimme ich Ihnen ja zu, das geht doch aber nicht von Heute auf Morgen. Wichtig ist doch, dass der Supertanker-Konvoi NATO den Kurs Richtung Art 5 ändert und die Fahrt erhöht.
    Das dauert eben. Im Gegensatz zu den meisten anderen Bündnismitgliedern ist Deutschland – wie Sie ja richtig anmerken – durchaus in der Lage den Kurs zu ändern und die Fahrt zu erhöhen, aber legitimer Weise immer mit einem Auge auf den nationalen, bzw. europäischen „verteidigungswirtschaftlichen“ return on invest.
    Und – wie Sie auch richtig anmerken – fehlt ja noch die militärfachlich/militärpolitische Navigationsempfehlung für diesen Konvoi. Und Herr Stoltenberg wäre gut beraten, dieses öffentliche name&blame-gaming in Sachen Deutschland und NATO mal langsam runter zu fahren…..als Norweger kann er ja gut blubbern, die sind ja nicht in der EU….wir schon.

  • Ein Leser   |   29. Juni 2015 - 10:07

    @Thomas Melber:
    Das ist auch eine Balance-Geschichte. Würde Deutschland massiv erhöhen, andere aber nicht, würden sich Kräfte-Verhältnisse verschieben.

    Das hieße dann zum Beispiel, dass Frankreich gegenüber Deutschland an Bedeutung und Einfluß bei Beschaffungsvorhaben verliert, inclusive Nachteilen für die französische Industrie.

    Die Frage ist auch, auf welche Bereiche sich Deutschland konzentrieren würde. Gut denkbar, dass eher auf die „zweite Reihe“, auf möglichst „zivile“ und „unauffällige“ Sachen (eher Transportflugzeuge als Flugzeugträger), die mit wenig Prestige verbunden sind, dort dann aber dominierend würde und irgendwann einen ziemlichen Hebel hätte.

    Die Furcht, demnächst von rumpelnden russischen Panzern überrollt zu werden, dürfte vielerorts in Europa geringer ausgeprägt sein, als die Angst, still und leise von deutscher Wirtschaftskraft überrrollt zu werden.

  • Jan Hoffmann   |   29. Juni 2015 - 10:13

    Bei der deutschen Lohnsteuer heißt es doch immer, daß aus Gerechtigkeitsgründen sogar der Prozentsatz progressiv steigen muß je mehr man verdient. Das soll nun andersherum gelten. Ist halt auch irgendwie gerecht im Bündnis . . .

  • Thomas Melber   |   29. Juni 2015 - 10:58

    @Ein Leser
    Gute Punkte! Aber wir sind eben geographisch näher dran und haben uns über Jahrzehnte hinweg – bis heute – viel intensiver mit „dem Russen“ beschäftigt.

    Ein Zeichen wäre z.B. daß wir eine (schwere) Jägerbrigade aufstellen, ggf. zunächst nur „motorized“, als „quick containment force“ (QCF). oder auch preemptive deployment mit entsprechenden FTX im Bataillonsrahmen (+ Brigadestab) im möglichen Einsatzraum.

  • csThor   |   29. Juni 2015 - 11:14

    @ Thomas Melber

    Wo wir dann wieder bei der Ausstattungsfrage wären. Organische Steilfeuerunterstützung (evtl auf Boxer – aus „Harmonisierungsgründen“)? Artillerie und Heeresflugabwehr im Allgemeinen? Panzerabwehr über Nächstbereich hinaus (Nachfolger MILAN)?

    Das mit der „schweren Jägerbrigade“ hätte aber auch Folgen für die Gesamtaufstellung der Bundeswehr, denn dafür müßten so einige Jägerbataillone aus den aktuellen Brigaden ausgegliedert und durch andere Verbände (Panzergrennis) ersetzt werden. Und hier beißt sich dann die Katze wieder in den eigenen Schwanz … Anzahl Pumas, persönliche Ausrüstung, etc … Eine weitere Frage ist die „Spezialisierung“ dieser Brigade und die Frage, wer dann die „dynamisch verfügbare“ ( ;) ;) ) Luftbeweglichkeit innerhalb der BW wahrnehmen soll (nur noch die Fallis?).

    Ich finde die Idee hat was, aber diese Brigade dürfte nur Auftakt zur generellen Überholung der Brigaden und zur Wiedererlangung einer irgendwie nennenswerten Kampfkraft dieser Einheiten. Aber dann reden wir über (kurzfristig) einen Verteidigungshaushalt von 40 bis 45 Milliarden Euro per anno und da glaube ich eher an den Weihnachtsmann, der auf seinem fliegenden Osterhasen gen Sommerurlaub reitet. ;)

  • klabautermann   |   29. Juni 2015 - 11:46

    Na, dann wären wir mal wieder erfolgreich beim wichtigsten Thema in Sachen langfristige Sicherheits-und Verteidigungspolitik angelangt.

    ;-)

    „Wir haben einen irren Iwan, brauchen deshalb mehr Geld, denn wir wollen mehr Panzer !“

  • SvenS   |   29. Juni 2015 - 12:59

    Irgendwie lese ich immer über Kampftruppen, wie schaut es eigentlich mit der Untersützung aus? Hat die BW eigene Kommunikationssatelliten, der HFSchrFuTrp C ist auch seit einigen Jahren überholt (davon abgesehen, dass man das Festplattengehäuse im Betrieb offen lassen muss damit er nicht überhitzt), wie sieht es mit digitaler Funktechnik aus, gibt es genug Relais um auch mal ein Gebiet größer Bergen oder Stetten abzudecken? Von der Kommunikation kommen wir auch schon in die Abwehrmaßnahmen, Jammer für HF, VHF und UHF, Möglichkeiten Satelliten zu bekämpfen…
    Selbst wenn das alles vorhanden und auf dem Stand der Technik ist (von Funktionsfähig rede ich schon nichtmehr), gibt es genug Personal? Um 2000 war es noch so das die SatCom Mehrkanaler jedes Jahr mindestens 6 Monate im Einsatz waren (3 Monate Einsatz, 3 Monate Heimat), bei den Einkanalern sah es nicht viel besser aus.
    Geld ist nicht alles und selbst der beste Grenadier kann nicht kämpfen, wenn keiner für ihn kocht.

  • SER   |   29. Juni 2015 - 14:36

    @ SvenS

    Eine vollkommen richtige Bemerkung !!!
    Derzeit ist die glorreiche Bw weder in der Lage mit Hubschraubern weitreichend Truppen zu verbringen wegen mangelnder FARP-Fähigkeiten (ich merkte es schon einmal woanders an, Drehflügler glaube ich), noch hat sie vernünftige Kommunikation im Bereich kryptierten Funks ! Und das sind nur 2 exemplarsiche Baustellen …
    Dazu muß man z.B. anmerken das in diesem Fall der NH90 eine zwar nicht user-friendly-Plattform ist, aber er hat deutlich mehr anzubieten als Tiger oder CH53 … Leider läßt er SATCOM vermissen …
    In den vergangenen Jahren haben die „Unterstützer“ eigentlich deutlich mehr ihre Bedeutung aufgezeigt als Kampftruppen ! Das sich beide notwendigerweise ergänzen müssen ist zumindest den aktiv Dienenden hoffentlich völlig klar !
    Aber wenn wir hochrechnen was man denn bei intensivem Kampftruppenansatz an Logistik und Support ansetzen müsste … ach herrje gottlob mußte das noch nicht zur Nagelprobe kommen …

  • Patrick Horstmann   |   29. Juni 2015 - 15:32

    Man sollte sich meiner Meinung nach nicht so sehr in das Zwei-Prozent-Ziel verbeißen. Das ist nur eine grobe Benchmark. Bei der Beurteilung kann zum Beispiel nicht nur auf den Einzelplan 14 abgestellt werden, sondern nach den NATO-Berechnungsmethoden sind auch noch andere Haushaltsstellen im Bundeshaushalt zu berücksichtigen. Zudem ist bei einer staatenbezogenen Analyse auch die individuelle Streitkräftestruktur zu berücksichtigen.

    Wichtiger ist – das wurde auch schon an anderer Stelle geschrieben – dass man zunächst erst einmal die selbst geplanten Stukturen ausfüllt. Das heißt zum Beispiel der Verzicht auf ein dynamisches Verfügungsmanagement und eine Vollausstattung der Truppe, eine signifikante Erhöhung des Klarstandes oder eine ausreichende Finanzierung von Übungstätigkeit. Auch die Umsetzung der von der Ministerin angestoßenen Attraktivitätsoffensive gehört dazu.

    Das alles auf absehbare Zeit zu finanzieren halte ich schon für ambitioniert. Solange die bestehenden Strukturen nicht nachhaltig finanziert sind, braucht man sich über neue Strukturen mittelfristig keine konkreten Gedanken machen .

  • Thomas Melber   |   29. Juni 2015 - 15:39

    @SER
    Nicht zu vergessen der Bereich ELOKA, (und Tle KSA) der wg. des 3-Schichtbetriebs im Grundbetrieb auf dem Zahnfleisch geht. Stand Personalgewinnung dort?

  • EloKa   |   29. Juni 2015 - 15:43

    @thomas meiner
    Welcher 3-Schichtbetrieb? Meinen sie awz oder infoz?
    Der Bereich personalgewinnung ist analog zum Rest der Bw zu betrachten.

  • klabautermann   |   29. Juni 2015 - 15:49

    „Brzezinski: Es braucht ein ähnliches Arrangement wie jenes zwischen Russland und Finnland, das seit Jahrzehnten für Stabilität und Frieden sorgt. Die Ukraine sollte das Recht haben, ihre politische Identität frei zu wählen und sich enger an Europa zu binden. Gleichzeitig muss Russland versichert werden, dass die Ukraine nicht in die Nato aufgenommen wird. Das ist die Lösungsformel.“
    http://www.spiegel.de/politik/ausland/interview-mit-brzezinski-usa-russland-im-kalten-krieg-a-1040744.html

    …..na, das wird Frau Nuland aber gar nicht gefallen.

  • Thomas Melber   |   29. Juni 2015 - 16:40

    @ELOKA
    Ich bin da nicht vom Fach, ich sag‘ ‚mal: Fernmeldeaufklärung ieS, also die Kameraden, die das Ohr am Puls der Zeit haben, sozusagen (z.B. in der Castagnette).

  • Werferfehler   |   29. Juni 2015 - 18:35

    2%, ja gerne, aber wofür?
    Wofür können wir denn 2% frei machen?
    Kurzfristig doch wohl nur für Bauunterhalt (Kasernen aufhübschen) und kleine Anschaffungen (Munition, Handwaffen in kleinem Umfang).
    Mittelfristig was gerade im Beschaffungsvorgang ist: Panzer, Hubschrauber, Schiffe oder Boote.
    Langfristig: Neue Panzer, neue Artillerie, neue UAS.

    Worauf ich hinaus will: Es ist ja schön zu fordern dass mehr Geld da sein sollte, aber kann ich es auch ausgeben?
    Aus eigener Erfahrung (nicht im BMVG, aber zumindest in einer Stadt die mehrere Milliarden investiv plant) kann ich nur sagen: Wer Geld einplant ohne es auszugeben bekommt Probleme.
    Wir haben nicht nur das Problem dass wir keine 2% haben, wir haben auch das Problem dass wir keine „2 ausgeben können, zumindest nicht kurzfristig.

  • Bang50   |   29. Juni 2015 - 20:22

    @ Werferfehler – Das ist genau der Punkt. Das System BW ist gar nicht in der Lage (selbst wenn es wollte) 21 Milliarden zusätzlich zu investieren – und zwar jedes Jahr.
    Ursache:
    • Es gibt gar nicht so viele haushaltsfähige Projekte in der Pipeline.
    • Die Faktorkombination aus Arbeit (Menge Soldaten) und Kapital (Menge Material) lässt nur eine bestimmte Menge an Kapital zu ( 1 Spz. Puma pro. Panzergrenadier bringt halt auch nicht mehr Output.)
    • Ist die Industrie nicht auf eine solche Produktionssteigerung vorbereitet und kann diese Stückzahlen erst mit einem gewissen Vorlauf realisieren (da wäre noch die Konsolidierung der europ. Rüstungsindustrie und die Frage nach der Effizienz als ganz großes Thema.)
    Weiterhin sind da noch die Baustellen:
    • Größerer Kapitaleinsatz behebt nicht den Mangel des Faktors Arbeit (Personalproblem der BW)
    • Größerer Kapitaleinsatz ist kein Substitut für fehlende Strategie und fehlende stringente Handlung (man kann mit einer schlechten Strategie die tollsten Panzer völlig ineffektiv verheizen oder schlicht die falsche Rüstung beschaffen.)

    Daran sieht man, wie schwammig die Forderungen von Stoltenberg doch eigentlich sind. Er soll daher erst einmal ausarbeiten, was, wie und bis wann er von DEU etwas verlangt. Momentan ist das nur richtungslose Dynamik – in DEU und in der NATO.

  • Mannerheim   |   29. Juni 2015 - 20:30

    Na ja, wenn heute der US-amerikanische Verteidigungsminister Carter sich zitieren lässt, mit „250“ Dickblechfahrzeugen einer Brigade (IST), die in Europa 2015 vorausstationiert werden sollen, dann klingen natürlich die 320 ‚Leoparden‘ der Bundeswehr (wann in welchem Rüststand?) eher schal, oder ? Ich hoffe, das alles hier in D ist nur „Verlaufsinformation“. – Denn: was sollen die Polen und die Balten von D denken ?

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   29. Juni 2015 - 20:56

    @Mannerheim
    28.11.2011 in Berlin:
    Polens (damaliger) Außenminister Radoslaw Sikorski hat Deutschland in einem deutlichen Appell aufgefordert, bei Reformen in Europa die Führung zu übernehmen …. „Ich bin wahrscheinlich der erste polnische Außenminister in der Geschichte, der das sagt, aber hier ist es: Ich habe weniger Angst vor deutscher Macht, als ich anfange, mich vor deutscher Inaktivität zu fürchten“.
    Die verdeutlicht auf den Punkt die Sicht im europäischen Osten auf den großen Nachbarn, früher: schlotterten die Knie, heute: tut was, wir brauchen Euch.
    PS: – Zu den „250 Dickblechfahrzeugen von Carter“, falls denn KPz gemeint sein sollten: dies ist keine Brig, sondern stellt etwa eine PzDiv der HStru 4 dar. Und das Heer umfasste einmal sechs PzDiv á 250 KPz Leo 2 / 1A5.

  • Alarich   |   30. Juni 2015 - 1:22

    Es tut sich nichts

    Den eine BW im Kalten Krieg 2.0 oder wir sind schon 2.1

    hat eine Pz Abwehr Problem , Luftabwehr und vor allem was die 20 Jahre dazu kam Drohnen Bekämpfung , oder lässt man die Bw einfach auskundschaften ohne gegen wehr ?

  • StMarc   |   30. Juni 2015 - 8:39

    „VARUS gib mir meine Legionen wieder!“

  • StMarc   |   30. Juni 2015 - 8:47

    Es macht ja überhaupt keinen Sinn, jetzt wahllos Material einzukaufen. Das „System Heer“ muss wieder befähigt werden.

    Leitpunkt müssen m. E. einsatzfähige Verbände zur Bündnisverteidigung sein. Und wenn derzeit nur ein Batallionsäquivalent voll einsatzfähig ist, dann sollte man vielleicht den nächsten Schritt angehen und eine erste Brigade voll einsatzfähig machen – mit allem, was es braucht: Artillerie, Luftabwehr, Nachschub, Inst, Pioniere etc…. Und dann kommt die nächste Brigade…Ist besser als ein riesiger Pool, wo keiner weiß, was davon als System zeitnah einsetzbar ist.

  • Zivi a.D.   |   30. Juni 2015 - 10:45

    @Bang50 und sein Hinweis auf das Problem „Grenadier/Puma=1“ eine Zwischenfrage aus Outsider-Sicht: Wie ist die Personallage in den bestehenden Verbänden im Querschnitt? Hinweise auf Probleme (Ist << Soll) meine ich hier immer mal wieder gelesen zu haben und die Marine-Meldung von den drei einsatzfähigen Besatzungen für fünf 212A ("Mehrbesatzungskonzept") ist ja auch noch nicht vom Tisch. Daher eine Frage an die Eingeweihten: Wie sieht es aus in den bestehenden Kompanien/Batterien von Artillerie, Jägern, Grenadieren und Panzerfahrern? Kriegen Heeresflieger und Luftwaffe genug Piloten (&WSO)?
    Ist voller Personalbestand wenigstens in Sichtweite? Wenn Nein, wäre eine grobe Schätzung über den Daumen hilfreich, um wie nah (oder entfernt) das IST der BW im Durchschnitt vom Soll liegt. Denn der Hinweis von Bang50 läuft ja darauf hinaus, dass die Beschaffung von Material ohne Leute nichts weiter als sinnfreier Aktionismus ist.

  • SER   |   30. Juni 2015 - 11:26

    @Zivi a.D.

    Im Bereich der Heeresflieger kann man Folgendes feststellen:

    Erst hat man Personal in rauen Mengen eingekauft weil man eine extreme Pilotendelle fürchtete ! Dann hat man sehr großflächig unter Betrachtung zu wenig zur Verfügung stehender Flugstunden entpflichtet und ausgebildete Piloten aus dem fliegerischen Dienst entfernt ! Damit macht auch gegenwärtig weiter !
    Die wenigen jungen Piloten die sich getraut haben diesen Beruf zu wählen (oder Verwendung bevor es hier wieder um political correctness geht) kriegen auch kaum Stunden und stehen auf absehbare Zeit nicht als Einsatzpiloten zur Verfügung …
    Auch Einsatzpiloten fliegen erheblich zu wenig und stehen eben bei Einsatzerfordernissen vor den jungen Piloten in der Nahrungskette, denn die jungen Piloten können vieles noch nicht und die älteren Piloten bestücken eben den Einsatz !!! Die Logik des Mislingens …

    Und zu den Panzern mal am Rande … Deutschland schafft es vielleicht grade noch 50 Kanonenrohre 120mm zu ziehen im Jahr !!! WENN , ja wenn man noch die Ingenieure und Meister findet mit dem technischen Sachverstand ! Wir haben eben ewig keine Panzer mehr gebaut …

  • Zimdarsen   |   30. Juni 2015 - 12:01

    Dies ist das Ergebnis von

    Breit vor Tiefe

    …..und die Generalität hatte gejubelt.

  • Zimdarsen   |   30. Juni 2015 - 12:20

    Wir können aus weniger nicht mehr machen

    aber

    die Bw macht aus weniger noch weniger.

    Heute Ganzneuausrichtung der Lw und das nach wenigen Monaten des großen Wurfs von TdM. Wenn die schon nicht die Führung (ihren eigenen Stall) richtig sortieren konnten, wie sieht es dann erst mit der Basis aus?

  • Zivi a.D.   |   30. Juni 2015 - 14:00

    @SER: Mit Dank, das ist zwar unerfreulich in der Sache aber durchaus erhellend: In absehbarer Zeit werden die Heeresflieger demnach also ohne einsatzfähige Piloten dastehen, weil die „alten“ = „qualifizierten“ weg sind und die sinnfreie Sparerei beim Training völlig überraschend kaum einsatztaugliche Nachfolger generiert (so kommt jedenfalls die Botschaft bei mit an). Noch die Bitte: Kann jemand mal einen Hinweis zu den anderen Truppen geben?

  • DFAri   |   30. Juni 2015 - 14:25

    @Zivi a.D.
    Allgemein für Jäger/Artillerie
    Offiziere und Unteroffiziere i.d.R. ausreichend vorhanden (80-100 % vom Soll), aber

    – unausgeglichene Verteilung – z.B. ich brauche 4 ArtOffz ZgFhr und 4 ArtOffz JFST, habe aber 7 ZgFhr und 1 JFST – sieht auf dem Papier toll aus, real habe ich aber immer noch Engstellen. Und zwar überall die gleichen, d.h. JFST z.B. sind überall knapp,
    – mit Dpäk fang ich gar nicht erst an,
    – teilweise sehr hoher Ausbildungsaufwand führt zu langen Abwesenheiten des Personals

    Mannschaften zwischen 60 und 80%, dies führt zusammen mit dem oben angesprochenen Punkten zur Arbeitsgliederung in vielen Verbänden.

  • Protter d.R.   |   30. Juni 2015 - 16:34

    Leute,

    die hiesigen Foreneinträge sind Klasse und wirklich sehr informativ. Aber als Reservist frage ich mich, ob manche aktuellen Zahlenangaben zu Material und Personal der Bw nicht der Geheimhaltung unterliegen?! … zumindest VS-NfD.

    @ Zivi a.D.
    Dein Informationsbedürfnis in allen Ehren, jedoch ist diese Forum ohne Anmeldung frei zugänglich und von daher finde ich solche – detaillierte – Fragen unangebracht.

  • Zivi a.D.   |   30. Juni 2015 - 17:11

    @DFAri:Zunächst Dank für die Infos. Fazit wäre: Die BW kämpft gegen ganz oder teilweise mithilfe verfehlter Personalplanung hausgemachte Engpässe bei wichtigen Qualifikationen (hier etwa JFST). Eine flotte Vergrößerung (“ . . . ein paar Brigaden zusätzlich . . .“) würde zunächst mal eine andere Personalentwicklung verlangen, um neu/wieder aufzustellende Verbände ausreichend mit qualifiziertem Personal auszustatten.
    Herr Kasdorf nannte kürzlich die Zahlenverhältnisse Bewerber zu Dienstposten von 6:1 für die Offiziere, 3,5 bis 4:1 für die Feldwebel und 2,5:1 bei den Mannschaften. (http://augengeradeaus.net/2015/06/kasdorf-sieht-trendwende-bei-der-ausruestung-gute-personallage-beim-heer/). Rein rechnerisch könnte die BW/ das Heer um den Faktor 2,5 OHNE zusätzlichen Aufwand für Werbung durch volle Nutzung des Bewerberpotenzials wachsen, wenn alle Mannschafter genommen und proportional mehr OA und Feldwebelkandidaten eingestellt würden. Wie viele der bislang Aussortierten erfüllen ausreichende Standards und fallen lediglich der besseren Konkurrenz zum Opfer? Wie groß ist der Anteil der grundsätzlich ungeeigneten? Wie viel davon wäre (ausreichend erweitertes Budget vorausgesetzt) sinnvoll machbar?

  • Hans Schommer   |   30. Juni 2015 - 18:14

    Zum Thema „Bewerbung“ und „Eignung“ für den Dienst als Soldat in der Bw könnte man auch noch einen Faden aufmachen. Dazu nur ganz kurz:
    Als ich Ende der 80er Batteriechef (HFlaTr) war, hab ich meine Msch und Uffz selbst als SaZ auswählen und verpflichten können. Wenige Jahre später – 1995ff – hatten wir eine ganz andere Lage. Die Freiwilligen-Annahmestellen sollten erhalten und „gestärkt“ werden.
    Ab da konnten Zugführer, Spieß und Chef zur Überzeugung gekommen sein, dass ein Mann oder eine Frau zum SaZ geeignet seien – wenn die „Spezialisten“ der Freiwilligen-Annahmestellen nach ihrer Begutachtung zu einem anderen Urteil kamen, dann war’s das für den Bewerber. Damals hatte ich als Kommandeur noch ein „Veto-Recht“, um den Bewerber „durchboxen“ zu können. Ob das heute noch so ist , entzieht sich meiner Kenntnis. Irrsinn war diese Entwicklung m.E. allemal.

  • Memoria   |   30. Juni 2015 - 18:35

    @Zivi a.D.:
    Erstmal müsste man die aktuelle Struktur personell ausreichend befüllen (siehe die Diskussion in dem von Ihnen verlinkten Thread).

    Aber wenn man weder politisch noch militärisch weiss was man will und wo man steht, dann ist alles nur noch richtungsloser Aktionismus. Eben das erleben wir jeden Tag – jeder an seinem Platz.

    Besserung in Sicht? Ganz im Gegenteil.

  • SER   |   30. Juni 2015 - 19:52

    Es gilt das uralte Motto:

    Ist kein ZIEL definiert, so ist JEDER Weg richtig ;-)

  • Thomas Melber   |   30. Juni 2015 - 20:01

    @SER
    Ja, entweder haben wir ein Ziel aber hierfür nicht ausreichende Mittel oder eine gute Mittelausstattung und kein Ziel.

    Aktuell haben wir wohl weder noch.