De Maizière zum G36: Mit der richtigen Munition ein gutes Gewehr

20150610_VA-G36

Zwei Stunden lang hat am (heutigen) Mittwoch der frühere Verteidigungsminister Thomas de Maiziére – zusammen mit seiner Nachfolgerin Ursula von der Leyen – dem Verteidigungsausschuss des Bundestages Fragen zum umstrittenen Sturmgewehr G36 beantwortet. Das Fazit des heutigen Bundesinnenministers nach der Ausschusssitzung: Sein Lagebild sei gewesen, dass die Waffe, mit der richtigen Munition, ein gutes Gewehr und die richtige für die Truppe gewesen sei. Über spätere Erkenntnisse wolle er nicht sprechen, da sie nach seiner Amtszeit gekommen seien.

Und von der Leyen? Die lobte die gute Vorarbeit ihres Vorgängers, und später sei man halt zu anderen Erkenntnissen gekommen.

Die Statements von de Maizière und von der Leyen zum Nachhören (der Ton ist die ersten 16 Sekunden schwach, wird dann aber besser; den generellen Umgebungslärm bitte ich zu entschuldigen):

 

TdM_VdL_G36_10jun2015     

 

Nachfragen ließen übrigens beide nicht zu. Als die beiden Minister gingen, dauerte die Ausschusssitzung noch an, ggf. Aussagen der Parlamentarier später als Nachtrag.

(Foto: Zu Beginn der Sitzung des Verteidigungsausschusses, v.l. Generalinspekteur Volker Wieker, Staatssekretärin Katrin Suder, Staatssekretär Gerd Hoofe, von der Leyen, de Maizière, Ausschussvorsitzender Wolfgang Hellmich)

38 Kommentare zu „De Maizière zum G36: Mit der richtigen Munition ein gutes Gewehr“

  • Mediator   |   10. Juni 2015 - 17:12

    Meine persönliche Meinung ist, dass die Untersuchungen rund um das G36 langsam lächerlich werden.

    Hier geht es weder darum den Soldaten eine bessere Waffe zu liefern, noch laufende Einsätze wegen des „Skandalgewehrs“ abzubrechen.

    Ich kann nur noch die Absicht erkennen politische Mandatsträger aus Machtkalkül zu diskreditieren. Dies mag üblich sein in der Politik, aber wenn die Bundswehr dabei als „Gurkentruppe“, die nicht trifft, da steht, dann geht mir das zu weit!

  • Memoria   |   10. Juni 2015 - 17:44

    Meldung der Kampfschwimmer aus 2008:
    http://www.br.de/nachrichten/g36-demaziere-anzeige-104.html

    Wobei es mehr um die Schussbelastung geht.

  • audio001   |   10. Juni 2015 - 19:24

    (Zitat): „Sein Lagebild sei gewesen, dass die Waffe, mit der richtigen Munition, ein gutes Gewehr und die richtige für die Truppe gewesen sei. Über spätere Erkenntnisse wolle er nicht sprechen, da sie nach seiner Amtszeit gekommen seien.“

    Tja, da war „sein Lagebild“ wohl völlig falsch!- Offensichtlich war das (Lagebild) beim EuroHawk auch schon falsch und auch beim NH90 hat er in der Betrachtung des Lagebildes leicht geschwächelt !

    Bin gespannt welche Lagebilder von TdM als Bundesminister der Verteidigung noch alle falsch waren,- und wo ihm dann nach der Amtszeit (als Bundesminister der Verteidigung) „spätere Erkenntnisse“ noch gekommen sind!?

    Kann man/frau sich als Souverän in diesem unseren Land einen derartigen Bundesminister eigentlich leisten ….

  • M.Steffen   |   10. Juni 2015 - 19:31

    @audio001
    Wieso war sein Lagebild (beim G36) völlig falsch?

  • audio001   |   10. Juni 2015 - 19:31

    re: Mediator (Zitat: „Meine persönliche Meinung ist, dass die Untersuchungen rund um das G36 langsam lächerlich werden.“)

    Ich habe eher den Eindruck, dass immer deutlicher wird mit welchem „Grad der Befähigung“ Mitbürger in das Amt eines Bundesministers gelangen können!- Das empfinde ich inzwischen überhaupt nicht mehr lächerlich …

  • Hans Schommer   |   10. Juni 2015 - 19:34

    Memoria | 10. Juni 2015 – 17:44:
    „Meldung der Kampfschwimmer aus 2008: …“
    M.E. ein internes Problem. Dieser Truppenteil war m.W. n. bezüglich der organisierten Materialerhaltung phasenweise etwas „abgehängt“.

  • Georg   |   10. Juni 2015 - 19:45

    @ Hans Schommer

    Dies liest sich aber in der Meldung des SEM-Teamleiters an den Kompaniechef aber anders. Da wird berichtet, dass die Technische Materialprüfung (der TÜV für Bw-Material), erst durchgeführt wurde und die Waffen nicht beanstandet wurden. Da die Kampfschwimmer auch ihre eigenen Waffenmechaniker haben (siehe Bericht), die sicherlich MEST 1 und 2 eigenständig ohne Fremdunterstützung durchführen können, dürfte dieses Problem nicht mangels Wartung der Waffen sondern aufgrund des erhöhten Verschleißes durch intensive Nutzung entstanden sein.

  • Jens Schneider   |   10. Juni 2015 - 20:14

    Das Geschwafel um das G36 ist eine Schande für unsere Armee und ihre Soldaten!!!!

    Alle Nutzer des Gewehres sind soweit ich im Bilde bin, mit dem G36 zufrieden.
    Die Kurden lechzen förmlich nach dem G36.

    Eine Politikposse auf dem Rücken der Bundeswehr, inklusive miese Machtspielereien zwischen:
    Linke(wegen MAD)und TdM bzw. UvdL (aus Bekannten Gründen)

    Einfach nur verabscheuungswürdig!!

    Sorry,ich glaube Hr.Gabriel hat auch noch was davon,weil HK endlich geschwächt wird.

    @Berlin:Schämt Euch!!

  • Hans Schommer   |   10. Juni 2015 - 20:21

    @ Georg | 10. Juni 2015 – 19:45:
    Ich trage alles mit, was Sie uns oben geschrieben haben. Lesen Sie nun meinen Kommentar nochmal und verstehen Sie (letzteres ist nicht despektierlich gemeint – ich vermag das nur nicht besser auszudrücken).

  • audio001   |   10. Juni 2015 - 20:23

    re: M.Steffen

    Es bleibt erst einmal festzuhalten, dass er sich offensichtlich schon dem Vorliegen „eines Problems“ im Zusammenhang mit der Waffe bewußt war!

    Denn hätte er „ein Problem“ nicht gekannt und wäre dieses aus seiner Sicht „Peanuts“ gewesen, hätte er kein „Lagebild“ abgefordert! (Mithin liegt in ihrer Fragestellung sicherlich auch das Mißverständnis vor!? Denn es ist nicht „sein Lagebild“ gewesen, sondern seine falsche Schlußfolgerung aus dem „aufgetischten Lagebild“. (ggf. noch einmal ein Blick in die „HDv 100/200 Führungsunterstützung im Heer“, und die Begrifflichkeit „Lagebild“ wird wieder klarer!)

    Nur hing der Kern des Problems eben nicht mit der Munition zusammen!- Und offensichtlich war er auch nicht in der Lage das „aufgetischte Lagebild“ zu Hinterfragen oder qualifiziert Hinterfragen zu lassen! (Denn aus Sicht u.a. WTD91 war etwas ganz anderes bereits dokumentiert!- Man hätte nur mal Nachfragen müssen!)

    Und wir sind uns sicher einig, dass ein Lagebild i. d. R. von einem Vorgesetzten auch eine (eigene) Einschätzung der Situation erfordert.- U.a. auch, weil der Vorgesetzte eigentlich gefordert ist dem Lagebild und der eigenen Einschätzung entsprechend zu handeln!- Nur dem Anschein hat er überhaupt nicht gehandelt?

  • T.Wiegold   |   10. Juni 2015 - 20:26

    Hm, mal in die Runde: Um einfach nur seiner Empörung Ausdruck zu geben, gibt es bestimmt deutlich besser geeignete Seiten in den Weiten des Internet. Danke.

  • audio001   |   10. Juni 2015 - 20:39

    re: Jens Schneider

    Die „Schande“ ist doch wohl eher, dass man berechtigte Feststellungen zu der beschafften Waffe (Hinweis: Dafür hat übrigens der steuerzahlende Bürger gezahlt!) versucht dem Parlament und der Öffentlichkeit über lange Zeit (und dieses wider besseren Wissens!) vorzuenthalten!

    Und damit hat „unsere Armee und ihre Soldaten“ überhaupt nichts zu tun!- Sondern einzelne Personen sind dafür verantwortlich zu machen;- weil diese entweder mit der übernommenen Führungsaufgabe überfordert waren und/oder „pflichtgemäßes Handeln“ nur noch als abstrakte Größe verstanden haben!?

    Und im Kern geht es schon längst nicht mehr nur „um diese Waffe“!- Sondern darum, dass das „Vertuschen, Verschleiern und Verdrängen“ von relevanten Sachverhalten gegenüber dem Parlament und der Öffentlichkeit offensichtlich (siehe „Studie zu den Rüstungsprojekten“) geübte Praxis war!- Und das ist der Skandal den es zu adressieren gilt …

  • audio001   |   10. Juni 2015 - 20:40

    T.Wiegold

    Sie haben recht …

  • M.Steffen   |   10. Juni 2015 - 20:50

    @audio001

    Das sind die Fakten:
    Der Versuch mit dem G 36 von Heckler & Koch und des Fraunhofer-Gesellschaft/Ernst-Mach-Institut aus Dezember 2013 hatten u.a. folgenden Versuchsaufbau: 150 Schuss in unter 20 Minuten in einem Einsatznahen Beschusszyklus – also Wechsel zwischen Einzelfeuer und Salven.
    Das G 36 hat dabei sehr ordentlich abgeschnitten.

    In der jüngsten Untersuchung war der Versuchsaufbau anders(!): 150 Schuss in unter 12,5 Minuten in einem Einsatznahen Beschusszyklus. Bei diesem Test ist das G 36 durchgefallen.

    Mittlerweile steht fest, dass beide Versuchsaufbauten reine Willkür waren und NICHT auf tatsächlichen Einsatzerfahrungen beruhen.

    Entscheidend ist, dass zwei Tests veranlasst wurden die keinerlei Aussagekraft für die Eignung des G 36 für die Bundeswehr haben.

    Hinter dem Schlagwort “taktisches Szenario Hinterhalt” verbergen sich keine Erkenntnisse was die Waffe üblicherweise in diesem Fall können muss.
    Beide Tests wurden unter diesem Schlagwort durchgeführt.
    Beide Male wusste man nicht was man tat. Bei dem jüngsten Test ging es nur darum die Waffe an seine Grenze zu führen. Herzlichen Glückwunsch! Wir wissen jetzt auch das G 36 hat seine Grenzen.

    Wie der Stern heute allen ernstes fragen kann weshalb das Fraunhofer-Institut zweimal zu unterschiedlichen Erkenntnis kommen konnte und daraus eine Verschwörungstheorie strikt ist rätselhaft. Man kann da nur noch den Kopf schütteln. Man hat schlicht zwei mal unterschiedlich getestet!

    Zur Klarstellung: Ich behaupte nicht dass das G36 nicht möglicherweise für ein spezifisches Einsatzszenario Defizite aufweisen könnte. Es ist nur vollkommen unklar ob dieses Einsatzszenario je eingetreten ist oder mit gewisser Wahrscheinlichkeit eintreten wird. Wozu eine Waffe beschaffen die etwas kann was man nicht braucht?

    Der eigentliche Skandal besteht darin, dass es bis heute immer noch keine verbindliche Antwort auf die Frage gibt, ob das G36 technische Probleme hat oder nicht und trotzdem schon 100 tausende wenn nicht Millionen Euro Steuergelder verschwendet wurden.

    PS Ja ich wiederhole mich… (Ceterum censeo Carthaginem esse delendam)

  • audio001   |   10. Juni 2015 - 20:50

    Der BR weist unter Nachrichten („ G36-Affäre Anzeige gegen de Maizière und Heckler & Koch“) auf folgenden Sachverhalt hin, Zitat:

    „Dokumente, die als VS-Geheim (Verschlusssache Geheim) eingestuft sind und dem Rechercheteam von SWR und BR exklusiv vorliegen, belegen, dass Thomas de Maizière spätestens im März 2012 über die G36-Problematik informiert wurde. Die für die Prüfung des G36 zuständige Abteilung im Verteidigungsministerium, Rü V 4, hat in einem internen Schreiben für Thomas de Maizière festgehalten: „Alle bisher untersuchten G36 zeigen eine Veränderung des mittleren Treffpunkts und eine Aufweitung des Streukreises derart, dass ein Gegner in einer Entfernung von 200m nicht mehr sicher bekämpft werden kann.““

    Hierzu ergänzend folgender link auf die Kernaussage der Ministervorlage: http://www.br.de/nachrichten/g36-demaziere-anzeige-110.html

  • Georg   |   10. Juni 2015 - 20:53

    @ Hans Schommer

    Zitat: “ Dieser Truppenteil war m.W. n. bezüglich der organisierten Materialerhaltung phasenweise etwas „abgehängt”.“

    Wenn ich das versuche zu interpretieren, bedeutet dies, dass die Kampfschwimmer durch Umorganisationsmaßnahmen und Unterstellungsänderungen zeitweise keinen Zugang zu einer höherwertigen (Depot-) Instandsetzung hatten. Deshalb haben sie ihre Gewehre genutzt, bis sie so „ausgelutscht“ waren, dass sie nicht mehr getroffen haben, oder ?

    Was dann aber auch verwundert, dass von den 4 bei der Übung in Norwegen bezüglich des Trefferverhaltens aufgefallenen Gewehren, kurz vorher (36. KW) 3 ohne Mängel durch die externe Technische Materialprüfung gekommen sind.
    Kann ich mir keinen Reim darauf machen, außer dass bei den Kampfschwimmern Temperaturänderungen (Gewehr im Wasser, Gewehr am Boden, in der Luft) die Temperaturänderungen etwas sprunghaft verlaufen könnten. Dies würde auf das erst jetzt bekanntgewordene Temperaturverhalten des verwendeten Kunststoffs der Rohrlagerung hindeuten.

  • audio001   |   10. Juni 2015 - 21:02

    re: Hans Schommer (Zitat: „Dies würde auf das erst jetzt bekanntgewordene Temperaturverhalten des verwendeten Kunststoffs der Rohrlagerung hindeuten.“)

    Ich gebe Ihnen absolut recht!- Das Temperaturverhalten ist aber bereits vorher aufgefallen;- u.a. in „Zwischenergebnisse G36 IDZ Beschussversuche vom 17.01.- 19.01.2012“.

  • audio001   |   10. Juni 2015 - 21:15

    re: M.Steffen

    Ich will jetzt gar nicht über „die Fakten“ diskutieren, aber es sollte vielleicht noch einmal erwähnt werden, dass u.a. die Umgebungstemperatur bei den Beschussversuchen eine nicht unwesentliche Rolle spielt!

    Mithin es eben nicht nur auf den Beschusszyklus ankommt, sondern auch noch andere Abhängigkeiten bestehen können …

  • Hans Schommer   |   10. Juni 2015 - 21:20

    @ audio001 | 10. Juni 2015 – 21:02:
    „re: Hans Schommer (Zitat: „Dies würde auf das erst jetzt bekanntgewordene Temperaturverhalten des verwendeten Kunststoffs der Rohrlagerung hindeuten.”)“
    Kam das wirklich mal von mir: Ei – dann muss ich wirklich mal den Tabak wechseln.

  • Buche   |   10. Juni 2015 - 21:40

    Vielleicht sollte man hier mal erklären, das eine TMP (das ist dieser Waffentüv) nicht ein bißchen auf die Streukreise der Waffen eingeht.
    Wenn man die TDv 018 Bewertung von Waffenrohren kennt, weiß man das das Rohr schon komplett fertig sein kann, und es gibt immer noch TMP.
    Erst wenn man ein Anschiessen durchführt und das Treffverhalten wider der Vorschrift ist kann man handeln.
    Und die KS´ler wollten damals nicht handeln, weil sie hätten als Austausch normale G36 bekommen anstatt die weiterhin „coolen“ K.
    Zusätzlich sollte man erwähnen das Materialpflege und -wartung bei den speziellen manchmal etwas stiefmütterlich behandelt worden ist.

    Was die ganzen Test mit den verschiedenen Ergebnissen angeht, erstaunlich ist das keiner ob positiv wie negativ irgendwelchen Auswirkungen in die Bundeswehr hat oder hatte.
    selbst die letzte Weisung des GI ist nur ein wiederholen und auffrischen von Vorschriften.
    Und das soll mal einer erklären.

  • Hans Schommer   |   10. Juni 2015 - 21:56

    Zweiter Versuch!
    @ Georg | 10. Juni 2015 – 19:45:
    Ich trage alles mit, was Sie uns oben geschrieben haben. Lesen Sie nun meinen Kommentar nochmal und verstehen Sie (letzteres ist nicht despektierlich gemeint – ich vermag das nur nicht besser auszudrücken).
    Ergänzung für alle, die etwas schwer von Begriff sind: Schlamperei und Unfähigkeit im Truppenteil.

  • Buche   |   10. Juni 2015 - 22:02

    Oder anders auch Spezielle müssen Waffen reinigen und pflegen.

  • Mausschubser   |   10. Juni 2015 - 23:47

    @Buche
    Nur mit Reinigen und Pflegen ist es nicht getan. Falsches Reinigen führt zur Beschädigung. Das dienstlich gelieferte Reinigungs-Gerät ist dabei eher als kritisch einzustufen.

    Den Punkt im Schreiben mit den hohen Schußbelastungen überliest man gerne, wenn man nur noch nach Fehlern der Politik oder H&K sucht.

    Auf einen anderen Lebensbereich übertragen: Man kann mit einem Neuwagen nicht in drei Monaten 50000km fahren und sich dann beschweren, dass die Reifen nur drei Monate halten und das Auto bei Regen nicht mehr die Spur hält, weil das ESP spinnt oder die Lenkung defekt ist.

    Wenn ich hohe Schußzahlen habe, dann muss eben die Inst die Kontrollfrequenz erhöhen. Und wenn man schon einen Rohrwechsel nicht auf einer niederen Instandsetzungsebene durchführen lassen möchte – dafür gibt es gute Gründe – dann sollte man den Einheiten eben eine gewisse Reserve an Handwaffen zugestehen.

    Ich habe den Eindruck, dass das Verhältnis zwischen Lieferant und Kunde in der Beschaffung ziemlich gestört ist. Auch was ich im Internet über Herrn Jungbluth gelesen habe, hat bei mir einen recht zwiespältigen Eindruck hinterlassen. Es ist nicht immer der Lieferant, der Schuld ist. Manchmal auch der Kunde. Für mich hat es den Anschein, dass er hier allzu voreingenommen gegenüber den Lieferanten unterwegs war.
    In Schadensmeldungen werden nun mal – aus menschlich nachvollziehbaren Gründen -nicht immer die wahren Sachverhalte geschildert.

    Um wieder zum Thema zu kommen. Der Munition die Schuld bei den Treffpunktverlagerungen zuzuschieben hat mir ein Grinsen ins Gesicht gesetzt. Zeigt mit wie wenig Sachverstand man unterwegs ist. Allerdings nicht auf Seiten des Ministers. Bei der Bundeswehr ist die Meinung leider weit verbreitet, dass Dienstgrad gleichzusetzen mit Sachkenntnis ist.

  • audio001   |   11. Juni 2015 - 7:16

    Folgt man dem Stern-Artikel vom 10.06.2015 („Sturmgewehr G36 Wie de Maizières Vertrauter intervenierte“), dann gab es ja offensichtlich top-down „ein paar Ansagen“ zum Umgang mit dem Thema G36, die nicht unbedingt darauf abhebten den Sachverhalt aufzuklären!?- Hat der Stern die Quelle der Ansagen richtig verortet, dann lag die wohl bei dem von vdL in 2014 geschassten Staatssekretär B.!

    Bleibt die Frage: Hat der geschasste Staatssekretär B. auf eigene Faust gehandelt oder „wer oder was“ hat ihn möglicherweise in seinem Handeln beeinflußt?

    Und ich persönlich glaube nicht, dass TdM sich mit Erklärung zu „seinem Lagebild“ einer persönlichen Verantwortung zu den Vorgängen auf „seiner nächsten Führungsebene“ entledigen kann.

    Denn „… De Maizières unerklärliche Untätigkeit“ (headline von Zeit-Online vom 10.06.2015) – trotz von ihm erklärter Kenntnis des Lagebildes – entlastet eigentlich den geschassten Staatssekretär B.!

    Man/frau könnte fast meinen, TdM war sich dieses Aspekts seiner Erklärung gar nicht so richtig bewußt?- Oder er kannte noch nicht den Stern-Artikel …

  • audio001   |   11. Juni 2015 - 7:22

    re: Mausschubser

    Mit ist noch nicht klar, warum Sie auf den Lieferanten in ihrem Kommentar eingehen. Denn der ist doch zum Thema G36 völlig außen vor!

    Der hat (zweifelsfrei) das geliefert was bestellt war und dürfte auch weiterhin das liefern was man/frau von ihm bestellt.- Und für die Materialerhaltungsstufen liegt die Verantwortung letztendlich doch immer bei der Bw …

  • promovierte Ratlosigkeit   |   11. Juni 2015 - 9:29

    Was mir am wichtigsten ist: Kümmert sich eigentlich auch mal jemand um die Beseitigung des Problems?

  • M.Steffen   |   11. Juni 2015 - 14:58

    @audio001

    „(…)aber es sollte vielleicht noch einmal erwähnt werden, dass u.a. die Umgebungstemperatur bei den Beschussversuchen eine nicht unwesentliche Rolle spielt!“

    Da haben Sie natürlich einen Punkt. Indes darf man nicht vergessen das es auch hier offenkundig um eine Extremsituation geht die getestet wurde. In dem Bericht heißt es:

    „Bei der Untersuchung zur Auswirkung von Umwelteinflüsen auf die Systemtemperatur (nicht schussinduziert) – Temperaturänderung von 30° C – sank die Treffwahrscheinlichkeit des Systems G36 im Mittel auf 30% ab. (…) Dieser Effekt ist insbesondere bei einer Temperaturänderung von +15°C auf +45°C ausgeprägt, hier fiel die Treffwahrscheinlichkeit im Mittel sogar auf 7% ab. Das bedeutet für den Soldaten im Einsatz, dass der Gegner selbst mit den ersten Schüssen nicht gezielt getroffen werden kann, sondern zunächst der neue Haltepunkt erkannt werden muss.“

    Ein unvermeidbarer schlagartiger Temperaturwechsel von 30° C (z.B. – 1° C zu +29° C oder 30° C zu 60° C oder eben +15°C auf +45°C) ist kaum vorstellbar.

    Zwei Dinge sind entscheidend:

    1. der Effekt ist reversibel. Kühlt die Waffe ab schießt sie wieder ordnungsgemäß. Der Effekt wirkt sich also nur aus beim schlagartigen Temperaturwechsel und unmittelbarem Gebrauch des G 36.
    2. mit Ausnahme des LMG HK416Bw unterliegen alle anderen getesteten Waffen dem gleichen Effekt.

    Abschließend gilt hier das gleiche wie oben. Ob und inwieweit die Effekte von Umwelteinflüssen einsatzbedingte Relevanz haben wurde bisher nicht überprüft.

    Damit ist völlig unklar, ob die Testergebnisse aus dem zweiten Test irgendeine tatsächliche Relevanz für die Eignung des G36 für die Bundeswehr haben. Jede andere Interpretation ist unvertretbar!

  • MikeMolto   |   11. Juni 2015 - 15:25

    @ promovierte Ratlosigkeit | 11. Juni 2015 – 9:29

    „Was mir am wichtigsten ist: Kümmert sich eigentlich auch mal jemand um die Beseitigung des Problems?“

    Was ist denn „das“ Problem? – Aus Ihrer Sicht?

  • Era   |   11. Juni 2015 - 17:07

    Ohne jetzt zu tief in die Vergangenheit zurückzublicken.
    Die zu genüge erwähnten Schwierigkeiten mit der Gewehr G36 kamen erst mit der Implementierung und Umsetzung des neuen Schießausbildungskonzeptes (neuerdings NeuSAK statt NSAK) zutage. Denn hier wurde nun die Waffe durch den deutlich erhöhten Munitionsansatz zur bisherigen Schießausbildung stärker gefordert und -im Gegensatz zum Einsatz- konnten auch die Trefferbilder exakt ausgewertet werden. Feststellungen waren die genannten Streukreiserweiterungen, so dass sich NeuSAK-Übungen nicht oder wesentlich erschwert, erfüllen ließen. Daraufhin wurden Untersuchungen unter Einbeziehung der zuständigen WTD veranlasst. Es gab 3 Munitionshersteller und einer wurde zum Sündenbock erklärt. Qualitative Unterschiede waren wohl vorhanden, aber wie sich später herausstellte, eben nicht entscheidend. Denn im Rahmen der weiterführenden Ausbildung wurde zweifelsfrei festgestellt, dass letztendlich auch mit den anderen Munitionssorten dasselbe Problem auftrat.
    Das G36 hat sicherlich den Forderungen der 90er Jahre entsprochen und ist auch grundsätzlich ein wirklich gutes Gewehr, aber die Anforderungen (Schussbelastung, Klima) haben sich deutlich verändert.
    Übrigens gab es bei der Implementierung NeuSAK grundsätzlich ähnliche, aber leichter behebbare Auswirkungen auch bei der Pistole P8 (Hersteller ebenfalls HK). Das ging im Gegensatz zum G36 völlig geräuschlos über die Bühne.

  • DerDude   |   11. Juni 2015 - 17:24

    @Era
    Na ja, wo wären dann die Titelseitenfüller gewesen? Bis jetzt hat es meines Wissens nach noch kein Blatt geschafft zu vermitteln das die „Probleme“ des G36 nicht bei H&K zu suchen sind, sondern in den neuen Forderungen der Bundeswehr.

    Auch wenn es (hier) einige Damen und Herren immer noch nicht hören und/oder verstehen wollen: Das G36 tut was die immer noch bestehende technische Lieferbedingung fordert.

    Viele, inkl. mir, sind der Meinung das es viel sinnvoller gewesen wäre nach einer Lösung für die entstandenen Probleme zu suchen als intern und extern eine Hexenjagd zu veranstalten.

    Das bei der Befragung von TdM sowie „nix“ herauskommt war uns doch allen vorher schon klar, oder?

  • Hans Schommer   |   11. Juni 2015 - 17:36

    M.Steffen | 11. Juni 2015 – 14:58
    „Ein unvermeidbarer schlagartiger Temperaturwechsel von 30° C (z.B. – 1° C zu +29° C oder 30° C zu 60° C oder eben +15°C auf +45°C) ist kaum vorstellbar.“
    Das würd ich so absolut nicht formulieren. Beispiel: Einsatzvorbereitende Ausbildung in DEU im Dezember, eigene Waffe angeschossen, Verlegung in den Einsatzraum syrisch-türkische Grenze. Also denkbar wäre so was schon, für das KSK allemal.

    @ DerDude
    Ja, diese innerdeutsche Schlammschlacht mit Außenwirkung ist schon richtig schlimm. M.E. insbesondere, dass Geheimnisverrat inzwischen als Verfolgung „überzuordnender Rechtsgüter“ salonfähig zu werden scheint. Echt beschämend, das Ganze. Steckt da jemand dahinter, oder sind wir in DEU einfach auf diese Bewältigungsebene gesunken?

  • DerDude   |   11. Juni 2015 - 17:55

    Bei stark unterschiedlichen Temperaturen müssen Waffen neu angeschossen werden oder anhand vorher ermittelter Korrekturtabellen neu justiert werden. Bei meinen Jagd- und Sportwaffen ist das Usus und in der Schützenwelt, und auch in der Bundeswehr, lange bekannt. Alleine die Auswirkung der Aussentemperatur auf das Pulver ist zu berücksichtigen, was private, behördliche und militärische Präzisionsschützen schon lange wissen.

    Wer Soldaten mit „fremden“ Waffen in Kriesengebiete schickt und dort nicht selber anschiessen lässt ist für die daraus resultierenden Probleme höchst selbst verantwortlich.

  • M.Steffen   |   11. Juni 2015 - 20:22

    @Hans Schommer
    Sie haben recht! Es wurde noch nicht untersucht und wer bin ich das ich weiß was kaum vorstellbar ist…

  • Gastleser   |   12. Juni 2015 - 1:13

    Vielleicht mal eine interessante Sichtweise:

    Obgleich ich hier nur ein interessanter ‚Gastleser‘ bin, maße ich mir an, die Komplexität, die Desinformationen und die politischen Ränkespiele rund um das G36 zu verstehen.

    Was mich aber sehr verstört zurück lässt, sind die Ansichten meiner Mitmenschen zu diesem Thema, wohlgemerkt intelligente und in der Regel aufgeschlossene und vielseitig interessierte Leute.

    Diese vereinfachen das Problem auf die unsägliche Formel:

    Bundeswehr hat nur Schrott, alles Vollidioten da, Gewehr ist eine Art Spielzeugpistole.

    Diese Meinung ist meines Erachtens in der Bevölkerung virulent und vorherrschend, nicht zuletzt durch tendenziöse Berichte unserer vermeintlichen ‚Qualitätsmedien‘. Ein Trauerspiel, zumal dies den gebildeteren Teil betrifft!

    Fernab von allen Detailfragen ist das für mich persönlich die erschütterndenste Erkenntnis…

  • Mausschubser   |   12. Juni 2015 - 7:43

    @audio001:
    Weil leider jeder Informationsschnipsel auch dazu benutzt wird H&K mangende Qualität etc. in die Schuhe zu schieben. Liegt vielleicht an meinem Gerechtigkeitssinn… selbst Entwickler und manchmal auf der Kunden, manchmal auf der Lieferantenseite, kann da manches nachvollziehen, vieles nicht.

    @DerDude:
    Regelmäßiges Anschießen der persönlichen Handwaffe für alle wäre so einfach. 25m Bahn auf spezielle Scheibe mit Haltepunkt und Trefferkreis für diese Entfernung. Das geht schnell. Das derzeitige Verfahren auf 100m ist auf einer Schießbahn ohne elektronische Trefferanzeige viel zu Zeitaufwendig. Zudem wird die Waffe nicht vom Träger, sondern von Anschußschützen überprüft.

    @M.Steffen
    Es wurde noch ganz viel nicht untersucht. Leider konnte ich bislang nur einen Untersuchungsbericht von H&K in voller Länge lesen. Was von den technischen Untersuchungsberichten anderer Stellen ans Licht gedrungen ist lässt mich vermuten, dass sich die Beteiligten einfach mal in andere Industriebereiche begeben und sich mal zeigen lassen, wie man in solchen Situationen vorgeht. Vielleicht erst mal definieren, was man möchte und dann erst mal ein Ishikawa…

  • iltis   |   12. Juni 2015 - 9:46

    Vielleicht gehört es in Stein gemeißelt und dann vor dem BMVG einbetoniert: Das G36 erfüllt sein Lastenheft – PUNKT. Offenbar kann man es kaum oft genug wiederholen.

    Wenn sich die Anforderungen in den letzten 25 Jahren geändert haben, dann braucht man halt erstens eine Analyse, wie das neue Lastenheft adenn aussehen soll und dann sucht man sich einen Lieferanten.

    Rechnet man die Arbeitszeit all der Politiker, Soldaten, Anwälte und Journalisten zusammenrechnet, die es offenbar braucht um meine Binse von oben zu beleuchten, hätte man die Hälfte der Neubeschaffung inzwischen finanziert. Angesichts dieses Desasters kann man nur hoffen und beten, das es anderen Ländern genauso geht. So darf sich eine Industrienation mit einem gewissen Anspruch nicht darstellen. Und auch nicht anstellen

  • DerDude   |   12. Juni 2015 - 12:47

    @Mausschubser
    Mein Reden. Wer mit seinem Handwerkszeug nicht vertraut ist und ihm nicht traut der liefert auch keine gute Arbeit ab. Wenn der Soldat sicher ist, seine Waffe ist justiert und er trifft damit dort hin wo er möchte, das kann schon nix werden. Meine laienhafte Sicht.

    @Iltis
    100% Zustimmung. Die HK-phoben konzentrieren sich aber zu gern auf Ausflüchte wie Vetternwirtschaft, MAD, Munitions-„Nebelkerze“ und anderen Krimskrams. Untersuchungen können parallel laufen. Soldaten im Einsatz brauchen funktionierendes Material dem sie trauen (können) und nicht Palaber in irgendwelchen klimatisierten Säälen. Wer seinen Behauptungen nicht Taten folgen lässt macht sich unglaubwürdig und das sind für mich persönlich mittlerweile die meisten dieser Sockenpuppen. Man kann nicht vom Spiel mit dem Leben der Soldaten sinnieren und gleichzeitig nur auf dem Papier etwas bewegen. Da passt was nicht zusammen.

  • DerDude   |   12. Juni 2015 - 14:37

    „Wenn der Soldat sicher ist, seine Waffe ist justiert und er trifft damit dort hin wo er möchte, das kann schon nix werden. Meine laienhafte Sicht.“

    Der Satz soll natürlich lauten:
    „Wenn der Soldat nicht sicher ist, seine Waffe ist justiert und er trifft damit nicht dort hin wo er möchte, das kann schon nix werden. Meine laienhafte Sicht.“

    Verzeihung.