Gemeinsamer europäischer Hubschrauber-Verband: Wer zahlt eigentlich?

Das Thema Multinationaler Hubschrauber-Verband verdient trotz des vorhin gestarteten neuen Drehflügler-Threads einen eigenen Eintrag. Denn Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen hat am (heutigen) Freitag bei einer Konferenz des German Marshal Fund (GMF) in Brüssel nicht nur den Prozess zur Entwicklung einer europäischen Armee weiter vorangetrieben (sagt jedenfalls ihr Ministerium). Sondern sie hat auch Neues zu dem geplanten multinationalen NH90-Hubschrauberverband in Deutschland erzählt.

Nach dem GMF-Transkript (das insgesamt sehr lesenswert ist) sagte die Ministerin unter anderem auf die Frage nach Lufttransport im europäischen Zusammenhang:

It’s a good thought because we have a multinational helicopter institution in Germany. We build it up right now. So we are buying the helicopters. And small nations are fitting in with personnel and have the chance to equip their personnel with helicopters which are located in this multinational organization in Germany, when we buy the helicopters. Of course, this is the right idea. It’s the way to go. And we have — as a framework nation, of course we have to supply the frame with a lot of equipment and infrastructure so that other smaller nations can plug in with highly specialized personnel, which we lack. So we need them to. And that’s the way NATO works.

Wenn ich mir das mal so für mich übersetze: Wir kaufen die Hubschrauber und stellen die Infrastruktur, die anderen – kleineren – Nationen stellen das Personal. Und wir haben dann alle was davon. Als so genannte Framework Nation müssen wir halt den Rahmen stellen, mit viel Ausrüstung und Infrastruktur.

Dabei hatte ich Bundeswehr-Generalinspekteur Volker Wieker im vergangenen Jahr etwas anders verstanden, als er in einem Brief an Partnernationen diesen multinationalen Verband mit 22 NH90 als Forward Air MedEvac capability vorschlug. Und vor allem gleich dazu sagte, dass die Partner sich natürlich auch an Beschaffungs- und Infrastrukturkosten beteiligen sollten:

A significant and qualified participation is fundamental. It would be desirable, therefore, that participating nations contribute pilots, technicians and support personnel as well as medical staff and should share the procurement and running costs for the above mentioned 22 NH 90. Ideally, the nations contributions would be provided in the form of operational modules that could be used separately – i.e. for national access or up to unit level.

(Hervorhebung von mir, T.W.)

Zwischen der Aussage der Ministerin und des Generalinspekteurs könnten ja ein paar Millionen Euro Unterschied liegen. Aber vielleicht bringt ja die zuständige Staatssekretärin Katrin Suder ein bisschen Klarheit da rein. Die schrieb den für den Verteidigungsetat zuständigen Berichterstattern im Bundestags-Haushaltsausschuss am 3. März dazu einen Brief. Auszug:

Nach dem derzeitigen Stand der Planungen sollen die Beschaffung und der Betrieb im multinationalen „burden sharing“ erfolgen. … Vor dem Hintergrund der beabsichtigten Bündelung der Ressourcen Personal und Infrastruktur ist es seitens des Bundesministeriums der Verteidigung derzeit vorstellbar, dass Deutschland auf diesen Gebieten in Vorleistung treten könnte.

Also, jetzt ist mir völlig unklar, wer eigentlich diese 22 Hubschrauber letztendlich bezahlt. Der deutsche Verteidigungshaushalt? Die Verbündeten irgendwie? Oder warten wir mal ab? Wäre ja auch relativ unproblematisch, wenn die NH90-Helikopter nicht ohnehin schon viel später kämen als geplant. Und viel teurer werden.

(Archivbild: MedEvac-Hubschrauber alt – eine Bell UH-1D bei der Informationslehrübung des Heeres 2010 in Bergen)

43 Kommentare zu „Gemeinsamer europäischer Hubschrauber-Verband: Wer zahlt eigentlich?“

  • Jens Schneider   |   21. März 2015 - 0:06

    Dann sollte Fr.UvdL für diesen noch Pseudoverband gleich Chinnok oder CH53-K Helikopter bestellen.
    Die fliegen wenigstens und könnten dann auch gleich die abgeflogenen CH53-G der Luftwaffe ersetzen.

  • Bang50   |   21. März 2015 - 0:19

    Ich sehe schon ein großes Chaos, Enttäuschung und verbrannte Erde vor mir – keine Grundlagenarbeit, viel Ideologie und wenig Realismus. Dann scheitert mal schön…

    Die Flucht vor den BW Problemen ist nun endgültig in der großen Koalition gesetzt.

    Was es dazu zu sagen gibt, habe ich hier mal aufgeschrieben: http://augengeradeaus.net/2015/03/stichwort-eu-armee-alle-jahre-wieder/#comment-185592

  • Patrick S.   |   21. März 2015 - 0:27

    Man wird sich auf Seiten der Partner allerdings auch fragen, was man mit dem Personal anfangen soll, wenn dieses (nach zu erwartenden Wahlkampf-bedingten bzw. ideologisch motivierten deutschen Verweigerungen) ohne das zugeteilte Transportmittel dasteht.

    Vor allem dürfte man uns doch mittlerweile nicht mehr als potenzielle „framework nation“, sondern eher als „how not to nation“ betrachten.

    Ganz nebenbei, wie treibt man eigentlich Prozesse voran, die aus nichts als einem netten Traum bestehen? Indem man in der Öffentlichkeit weiter davon träumt? Das reicht?

  • Alarich   |   21. März 2015 - 0:43

    Wie heißt der Satz nochmals

    Mit Geld hört die Freundschaft auf

  • Redy29   |   21. März 2015 - 1:02

    Wenn die IBUK sagt „we are buying the helicopters“ dann ist dem auch so. Siehe „German Deal“ ,mit EADS.

    „And small nations are fitting in with personnel and have the chance to equip their personnel“ heisst ja nichts anderes, dass die gefälligst den Unterhalt zu zahlen haben.

    Ob die „kleineren Nationen“ das auch so sehen wird sich zeigen.

    Eine schöne Art davon abzulenken, dass nicht nur Deutschland, sondern halb Europa einen Hubschrauber gekauft hat , der noch nicht mal ansatzweise einsatztauglich ist , verglichen mit dem UH-60 Rüststand 1985.

    Aber wie sagt die IBUK so schön… Of course, this is the right idea. It’s the way to go.

  • es-will-merr-net-in-mei-Kopp-enei   |   21. März 2015 - 1:31

    @ Jens Schneider
    Das mit den Chinnok oder CH53-K ist zwar ein richtiger und konstruktiver Gedanke, aber das geht so nicht. Weil es bei dem ins Gespräch gebrachten europäischen Hubschrauber-Verbands nicht darum geht irgendwelchen praktischen Nutzen zu ziehen. Es geht nur darum, von NH-Industries bzw. Airbus Helicopters weitere 22 NH90 zu beziehen und diese damit zu subventionieren. Nebenbei kann man fröhlich Europafähnchen schwingend behaupten, man bringe sich ein und Deutschland wäre deswegen die Framework-Nation (diese Kompetenz haben wir als Erfinder der Fachwerk-Strasse) zum Anlehnen. Nicht umsonst ist das Thema europäisches Forward Air MedEvac-Cluster in direkter Folge des German-Deals auf den Tisch gebracht worden. Und wenn der NH90 dann die ihm zugedachte Rolle nicht erfüllen kann, darf man sich darüber bitte nicht so zynisch erzürnen – es war doch von der Seite der Politik ein ehrenhafter Versuch die medizinische Versorgung europaweit voran zu bringen.

  • wacaffe   |   21. März 2015 - 2:05

    @ es-will-merr-net-in-mei-Kopp-enei

    waren wir nicht auch lange CSAR „lead nation“ ohne jemals geeignete Plattformen besessen zu haben?

    insofern ist das obige vorgehen doch nur folgerichtichtig.

    meine vorschläge für weitere Projekte:

    lead nation „luftgestützte Uboot-Abwehr“, Anlehnungsnation „luftnahuntersützung“ und Kompetenznukleus „UCAV operationen“.

    last but not least natürlich center of excellence for „procurement contract design“

    „Of course, this is the right idea. It’s the way to go“ (sic!)

  • csThor   |   21. März 2015 - 7:47

    Ich komm mir langsam vor alws würde ich eine Dokumentation zu den letzten Tagen der DDR und den hirnlosen, realitätsfremden und völlig abwegigen Statements des Politbüros ansehen. Ist es eigentlich Pflicht vor Dienstantritt im BmVg seinen gesunden Menschenverstand, seinen Anstand und seine Intelligenz abzugeben oder sind die ganz oben bloß besonders drollige Exemplare des Typus „Management by Helicopter“?

  • Closius   |   21. März 2015 - 8:17

    Die Verwirrung von Herrn Wiegold verstehe ich jetzt gar nicht;)! Es ist völlig klar, daß die Anschaffungskosten der Hubschrauber alleine von Deutschland bezahlt werden müssen!

    Die BW findet keine Nation, die bereits wäre sich an der teuren Schnapsidee zu beteiligen. Zwar wollte die BW sicher andere Nationen zur Beteiligung finden, aber natürlich findet sich keine Nation, die Bereits wäre ein Vermögen für 22 MedEvac Hubschrauber zu zahlen.

    Ich gehe davon aus, es gab einen Deal, Herr MdB Rainer Arnold wollte mehr NH 90 Hubschrauber haben und die SPD musste nach vorheriger Kritik am alten German Deal irgendwie ihr Gesicht waren, Herr MdB Otte wollte dagegen sein Panzerbataillon haben und die Ministerin wollte den neuen German Deal durchs Parlament bringen, also wurde der Medevac Verband mit 22 NH 90 Hubschraubern als Multinationaler Verband erfunden.

    Selbstverständlich wollte die BW mit Partnernationen alle Kosten und Personal teilen, aber da sich jetzt niemand dafür findet, weil es der falsche Hubschrauber ist, hätte mann zusätzliche 22 Tiger stattdessen genommen, dann hätte sich die Polen oder Balten oder die Niederlande als Partner finden lassen, aber die Nationen die sich von Russland bedroht fühlen wollen Kampfkraft und keine Evakuierungshubschrauber, hat VDL jetzt die Meinung des Ministeriums schnell geändert und Multinational heißt jetzt, wir bezahlen die Hubschrauber, vermutlich auch die Instandaltung ganz oder überwiegend, und die Partnernationen müssen nur ihr Personal bezahlen und bekommen damit Hubschrauber, die alleine von Deutschland bezahlt werden!

    Für mich ist so ein Deal an Unfähgigkeit nicht zu überbieten! Wenn Deutschland kein Personal stellt hat es auch nichts zu sagen in dem Verband, aber alle Kosten am Hals! Und wir wissen nicht einmal wo der Verband dann überhaupt in Deutschland stationiert wird. Garantiert wird der Verband im Wahlkreis oder ganz in der Nähe eines Abgeordneten aus dem Verteidigungsausschuß oder eines Staatssekretärs stationiert werden tippe ich jetzt schon mal.

    Airbus kann feiern, denn wie ich es verstanden habe, sind die 22 Hubschrauber ja im German Deal in den 8,7 Milliarden nicht enthalten, und damit zusätzlich vom deutschen Steuerzahler zu bezahlen.

    Und für Auslandseinsätze heißt dies, das Deutschland dann immer(falls der NH 90 je auf Dauer fliegen sollte) für den Einsatz dieses Verbandes sein kann, den wir ja bezahlen, und Deutschland muss dann zwar zahlen, aber muß keinen einzigen Bundeswehrsoldaten riskieren, weil laut VDL die Partnernationen das Personal stellen sollen, aber nicht Deutschland.

    Man könnte jetzt also mal böse formulieren, wir bezahlen eine neue Besatzungstruppe in Deutschland!

    Auch sehe ich keinen militärischen Sinn in einem Verband von 22 Medevac-Hubschrauber, selbst als Transporthubschrauber würde das Ganze mehr Sinn machen. Für AFG hätte man einen solchen Verband nutzen können, aber es doch kein neuer AFG-Einsatz oder ein sonstiger Einsatz in dieser Größenordnung geplant.

  • retired   |   21. März 2015 - 10:30

    Nach dann 2 überflüssigen Entpflichtungswellen passt das zur maroden Bw Struktur und Gernany schlägt sich mit der Industrie, ihren Macken und spendet die Euros. Ich mag kaum noch hinsehn. Der Posten vdL erscheint mir wie die Abschussrampe zum Mars, eher als die Chance zum Kanzler.
    …und apropos, fürs Projekt Mars kann man sich als Bewohner noch bewerben…..Frau Minister.

  • Elahan   |   21. März 2015 - 11:20

    Warum werden eigentlich nicht alle ziv Hubschrauber in Donauwörth stationiert?
    Was macht es bei Hubschraubern für einen Sinn, sie zentral zB in Faßber zu stationieren?
    Es ist schon nicht erklärbar, warum die LU Hubschrauber in Laupheim stehen und nicht beim Bedarfsträger? Kann es sein, dass Luftwaffe keine Feldflugplätze kennt.
    Gut dass wir den ADAC haben und der kapiert hat, das sein fliegendes Gerät nicht bei der Firmenzentrale steht.
    Es geht wieder nicht um eine Fähigkeit zum richtigen Zeitpunkt, im nötigen Umfang, am richtigen Ort, sondern um Politik ohne militärischen Sinn.

    MedeVac muss am Einsatzort oder Zielort (Krankenhaus) stehen und nicht in der Heide.
    Zentralisierung macht bei Hubschraubern keinen Sinn.
    Führung und Werft können ja dann zentral sein.

  • Voodoo   |   21. März 2015 - 11:34

    @ Elahan

    Sie können doch jetzt nicht mit sachlichen Argumenten um die Ecke kommen, wo doch gerade der „Prozess zur Entwicklung einer europäischen Armee weiter vorangetrieben“ wird!!

    /sarcasm off

  • Elahan   |   21. März 2015 - 12:33

    @Voodoo

    :-) mist, hatte ich nicht beachtet.

    P.S.: Wenn was in Europa funktioniert, dann ist es das EATC! Doch warum sollte man sich ein Beispielnehmen an einem gutlaufenden Projekt, wenn man es doch auch schlechter kann.

  • Realpolitik   |   21. März 2015 - 14:40

    Als langjähriger Mitleser muss ich jetzt mal sagen: schade, dieser Blog verkommt in seinen Kommentarspalten immer mehr zu einer Stammtisch-Meckerrrunde. Bei aller berechtigten Kritik an dem Airbusdeal und am Kurs bes BmV. Aber man könnte ja jetzt diskutieren, was im gegebenen Rahmen möglich ist, wer als Partner mit welchen Fähigkeiten infrage kommt etc. Statt dessen nur Häme und Defätismus. Zu wenig. Früher war das Niveau hier besser. Schade, Herr Wiegold hat mehr verdient.

  • xyz   |   21. März 2015 - 14:42

    „Weil es bei dem ins Gespräch gebrachten europäischen Hubschrauber-Verbands nicht darum geht irgendwelchen praktischen Nutzen zu ziehen“

    Aber EU-Armee klingt halt so toll und wenn man sonst kein Konzept hat, muss man sich an irgendwelche Utopien klammern.

  • Zimdarsen   |   21. März 2015 - 15:50

    @Realpolitik

    “ Aber man könnte ja jetzt diskutieren, was im gegebenen Rahmen möglich ist, wer als Partner mit welchen Fähigkeiten infrage kommt etc. Statt dessen nur Häme und Defätismus. “

    Die scheinbare Häme und Defätismus ist begründet im Bewußtsein der gegenwärtigen Situation in der Bw.
    Diskussionen auf der Grundlage eines gegebenen Rahmens erfordert einen Rahmen/Grundlagen.

  • Vtg-Amtmann   |   21. März 2015 - 16:15

    @Realpolitik: „Bei aller berechtigten Kritik an dem Airbusdeal und am Kurs bes BmV. ber man könnte ja jetzt diskutieren, was im gegebenen Rahmen möglich ist, wer als Partner mit welchen Fähigkeiten infrage kommt etc.“

    Könnten Sie uns bitte an Ihren Vorstellungen über die Möglichkeiten eine NH90-MedEvac-Cluster teilhaben lassen, bevor Sie hier Rundumschläge verteilen?

    Ich sehe diesbezüglich nur ein völlig urealistisches Statement von UvdL in einem fürchterlichen Pidgin-English.

  • CRM-Moderator   |   21. März 2015 - 16:21

    @Realpolitik:

    Machen sie den ersten Vorschlag.
    Feuer frei.

  • savrez   |   21. März 2015 - 17:14

    @Realpolitik: geht mir als mittlerweile ebenfalls recht treuer Leser zwar ähnlich wie Ihnen. Es ist aber trotzdem richtig, dass die ganze Idee einer multinationalen Armee von vorneherein eine Totgeburt ist, weil sie auf einer Fiktion beruht. Wenn man sich einmal grundsätzlich vor Augen führt, dass sie ja auch lediglich aus der (Geld-)Not geboren worden ist bzw. leichtere Steuerung der Nationalvölker ermöglichen soll, wird doch auch klar, dass man mit dieser seltsamen Idee gegen einen entschlossenen Feind Wehrfähigkeit bloß vortäuschen können wird.

  • Patrick S.   |   21. März 2015 - 18:34

    @ Realpolitik

    Früher war auch das Niveau der Bw besser.

    Dass von Ihnen angesprochene Abfinden mit dem „gegebenen Rahmen“ werte ich mal als, mit Verlaub, mentale Kapitulation.

    Man solch sich also über Fehlplanungen und unsinnige Entscheidungen nicht mehr aufregen, sondern sich damit abfinden und das Beste daraus machen?
    Wenn Sie ab morgen nur noch die Hälfte der gewohnten Menge auf dem Teller haben und kontinuierlich an Gewicht verlieren, fragen Sie sich dann wie Sie wieder mehr Nahrung erhalten könnten oder diskutieren Sie was im gegebenen Rahmen möglich ist?

    Fehler tot zu schweigen und sich mit allem einfach abzufinden kann nun wirklich nicht der richtige Weg sein.
    Das Kind Bw ist in den Brunnen gefallen. Jetzt heißt es nicht, gut damit finden wir uns ab, sondern viel mehr „wie kriegt man den Bengel da wieder raus?“

  • BS   |   21. März 2015 - 18:42

    @elahan
    Dem Bedarfsträger wurde der LUH tatsächlich angeboten. Dieser schreckte allerdings aufgrund der benötigten Dienststellen, welche zum Flugbetrieb nötig, sind zurück.

    Insgesamt sind sowohl europäische Armee als auch Combined Joint Helicopter Command o. ä. Konstrukte unrealistisch.
    Wir bekommen schon Bw intern zwischen Heer, Lw und Marine weder Führungsgrundsätze, Mentalität noch Techniken, Taktiken und Verfahren unter einen Hut.

    Und dann soll das auch noch nationenübergreifend funktionieren, wo noch die politische Dimension hinzukommt? Bei all den verschiedenen nationalen Vorbehalten, unterschiedlichen Entscheidungswegen und – institutionen ist das doch alles zum Scheitern veruteilt.

    Das EATC kann wohl kaum als funktionierendes Leuchtturmprojekt gelten. Ein paar Nationen leisten viel, einige zahlen fürstlich und andere leisten Mindestbeitrag, wollen aber gleichberechtigt mitentscheiden.

  • Memoria   |   21. März 2015 - 18:43

    @Realpolitik:
    Vielen Dank für den Beitrag.
    Eine konstruktiver Diskussion wäre sicher nicht selten gut für den Erkenntnisgewinn. Das interessante dabei ist aber:
    Was ist der „gegebene Rahmen“. Das liegt sicher am jeweiligen Betrachter.

    Am Beispiel NH90:
    Ist eine Abkehr von Airbus Helicopters noch im Rahmen?
    Ist es rechtlich möglich? Ist es politisch gewollt?

    Zumindest beim Marinehubschrauber wurden hierzu ja viele konstruktive Diskussionen geführt.

    Der Rahmen gibt solch eine Lösung nicht her.

    Aber auch der Rahmen ist ja auch nicht unverrückbar.

  • Zimdarsen   |   21. März 2015 - 19:35

    @BS

    Das EATC ist nicht perfekt doch was den Output und die Kooperation betrifft ist sie wohl das am besten funktionierende Vorhaben.

    Wenn alle nationalen Projekte so laufen würden, hätten wir eine schlagkräftige Bw.
    Verbesserungswürdig ist alles.

  • Nur 2 Cent   |   21. März 2015 - 20:25

    @Realpolitik

    Aber man könnte ja jetzt diskutieren, was im gegebenen Rahmen möglich ist, wer als Partner mit welchen Fähigkeiten infrage kommt etc.

    Solange es nur darum geht, zu sparen, bringt das alles rein gar nichts.

    Ganz zu Anfang muss die Politik festlegen, wofür sie die Bw eigentlich braucht. Dabei bitte das GG nicht vergessen. Danach können dann die Fähigkeiten festgelegt werden, die die Bw zur Auftragserfüllung benötigt. Danach kann dann „make or buy“ entschieden werden: Welche dieser Fähigkeiten kann/muss die Bw selber erbringen, welche darf sie sich extern „zukaufen“. Und erst dann kann man außerhalb Deutschlands Grenzen schauen, von welchem Partner man diese „Kauf“-Fähigkeiten bekommt.

    Da es aber schon offensichtlich an der Aufgabenkonzeption hapert, ist die „Häme“ mehr als verständlich.

  • SER   |   21. März 2015 - 21:20

    @Realpolitik

    Interessanterweise kommen hier flächendeckend die Schreiber auf die Feststellung zur Aufgabenkonzeption !
    Das ist auch richtig so und wird nicht durch ein „Weissbuch“ zu Datum XY ersetzt !!!

    Danach ist die Frage nur noch „wie fülle ich meine konzeptionelle Feststellung aus“ und nach dem genauen wie „mit was“ (sprich marktverfügbar oder selbst gebaut ! C`est ca !!! So einfach kann man auch eine Realpolitik machen …

    Alle weiteren Umstände, wie z.B. o Gott die lieben Arbeitsplätze, trüben den Blick und dürfen nicht von der primären Notwendigkeit der zeitlich nahen Umsetzung ablenken !!! Soviel zu einer „Realpolitik“ im Gegensatz zur „Träumerpolitik“ …

  • K.B.   |   22. März 2015 - 20:36

    Man kann ja vieles an diesem Verband kritisch sehen, die von vdl skizzierte Konzeption erscheint sinnvoll:

    Es gibt eine klare Führungsnation mit der zentralen Verantwortung für Beschaffung und Betrieb an die sich kleinere Staaten anlehnen können (wenn sie es denn wollen).

    Das erinnert mich vom Prinzip her an ENJJPT. Verschiedene Nationen lernen unter einem Dach entsprechend einheitlicher Ausbildungsgänge unter klarer Führung einer Nation.

    Nicht zuletzt kriegen wir damit eine Öffnung der Bundeswehr für EU-Ausländer hin. Wenn wir schon nicht genug Personal haben, dann rekrutieren wir es halt in Spanien, Griechenland und Portugal.
    (OK, wir könnten auch einfach aufhören, fliegendes Personal in den Zwangsruhestand zu schicken…)

    Die kritischen Punkte wurden bereits ausreichend angesprochen, wie die internationale Einsatzfähigkeit vor dem Hintergrund deutscher Unberechenbarkeit, der (ausschließlichen) Fokussierung auf Medevac oder der gewählte Hubschraubertyp.

  • SER   |   22. März 2015 - 21:19

    Stelle mir grade die Briten vor, die eine AH-64 Squadron mit Deutschen, Spaniern, Italienern und Türken zur Erhöhung der Schlagkraft aufstellen sollen … Die Themse müsste rückwärts fliessen sollte solch politisches Konstrukt wahr werden können …

  • Bang50   |   22. März 2015 - 21:31

    • Bundestag beschließt Einsatz des Verbandes, die „kleinen“ Nationen wollen nicht = kein Nutzen aber 100% Kosten

    • „Kleine“ Nationen beschließen Einsatz des Verbandes, Deutschland will/kann nicht das Material bereitstellen = kein Nutzen aber 100% Kosten

    • “Kleine“ Nationen und Deutschland einigen sich auf Einsatz = hohe Kosten der Entscheidungsfindung, zeitintensiver Abstimmungsprozess = reduzierter Nutzen aber 100% Kosten

    • „Kleine“ Nationen und Deutschland einigen sich auf Einsatz, Besatzungen kommen ums Leben = Frage, warum wird der Blutzoll nur von den “kleinen“ Nationen entrichtet? Wäre es nicht gerecht, dass D auch Anteil an dem Blutzoll hat? –> Spaltkeil

    Die gegenseitige Abhängigkeit und unklar geregelte Verfügungsrechte sind der Kardinalfehler dieses Konstrukts – welches zu einem schlechten Kosten/Nutzen Verhältnis führen werden und unnötige politische Spannungen provoziert. Wenn D alleine das Material bereitstellt, ergibt sich darüber hinaus ein Allmende Gut und somit die Gefahr der Tragik der Allmende. Das ist genau die Systematik und Naivität vor der ich immer gewarnt habe.

    Der Verband könnte ohne politischen Streit und ohne Trittbrettfahrer Anreiz funktionieren, wenn die Nationen das Material, die Besatzungen und die Kosten in hoheitlicher Verantwortung belassen, jedoch die eingebrachten Ressourcen durch den gemeinsamen Verband harmonisiert werden – damit sich daraus Skaleneffekte, Verbundeffekte und ggf. auch Lernkurveneffekte (Erfahrungsaustausch) ergeben.
    Vorraussetzung: Harmonisierte(s) Material/Ausbildung/Vorschriften/Prozesse.

  • Vtg-Amtmann   |   22. März 2015 - 21:58

    @KB: Sie haben in vielem Kleinen so fürchterlich recht, aber im Großen sagt jeder vernünftig Denkende „dumm-dreiste Abzocke mit dem falschem Einsatzszenario und dem falschen Gerät“. Setzen Sie mal – so als Vergleich – Alexis Tsipras mit einem Hut (Strassenmusik) und dem Schild „Bounty for Greece, Joint & Combined“ in die Fußgängerzone der Königsstrasse in Nürnberg; der Tsipras schwimmt nach fünf Minuten unter Fleischbrücke in der Pegnitz.

  • klabautermann   |   22. März 2015 - 22:26

    Nun, das Konzept macht schon Sinn, allerdings nur, wenn man es
    1. gem. der @Bang50-Rezeptur angeht, und
    2. eine gemeinschaftlich akzeptierte MEDEVAC-Plattform hat.

    Und bei 2. sehe ich das nicht, zumal afaik es noch keinen vollständig ausgestatteten und zugelassenen NH90-MEDEVAC gibt.

  • Elahan   |   22. März 2015 - 22:42

    Was soll der Vorteil eines MedeVac Geschwaders sein?

    Es geht alles auch ohne eine zentrale Stationierung und einheitliches Muster.

    – Gemeinsame Standards bekommen wir über die EMAR,
    – gemeinsame Piloten-Ausbildung wird in Bückeburg angestrebt
    – Reichweite und Reaktionsfähigkeit von Hubschraubern erfordert Stationierung vor Ort.
    – selbst kleine Nationen haben einsatztaugliche Muster (besser als NH90)
    – kleine Nationen bilden ihre Techniker beim Hersteller aus (BRD wehrt sich)
    – EU weite Einsatzsteurung benötigt keine zentrale Stationierung.
    – gemeinsame Ersatzteilversorgung funktioniert dank Deutschland schon jetzt nicht.
    – gemeinsames Dienstrecht gibt es nicht.
    – unterschiedliche Muster sind eher ein Vorteil (decken weites Einsatzspektrum ab)

    Was ist der Vorteil eines EU MedeVac Hubschrauberverbandes?

  • klabautermann   |   22. März 2015 - 22:51

    @Elahan

    Das Problem ist, dass man in Bonn/Berlin seit vielen Jahren eben Jointness/Combinedness mit Zentralisierung verwechselt und eben nicht vom Einsatz her denkt, sondern nur in betriebswirtschaftlichen Effizienzkategorien, bzw. „politisch“.
    Der alte Grundsatz: Zentrale Planung, dezentrale Durchführung ist schon 2001 von den Dogmatikern des FüS beerdigt worden.

  • schleppi   |   22. März 2015 - 22:58

    @ Elahan
    Es wurde Zeit, dass mal Jemand diese Frage stellt. Aus meiner Sicht ist das Unfug. Man tritt seitens des BMVg’s hier einsatzerfahrene Besatzungen seit drei Jahren in den Hintern und wir sehen jetzt die Forderung nach einer Staffel (mehr ist es nicht) Medevac, die mit osteuropäischen Besatzungen ( so Arnold) besetzt werden sollen. Vermutlich machen die es preiswerter als die deutschen Bundeswehrangehörigen.?
    Da läuft einiges ganz gehörig aus dem Ruder. Es lenkt auch vor allem von den Problemen ab, die aktuell auf eine Lösung warten. Vielleicht soll es das auch nur.

  • es-will-merr-net-in-mei-Kopp-enei   |   22. März 2015 - 23:29

    @ schleppi & Elahan Da stelle ich halt als Nächster diese Frage, da mir •Elahan nun zuvor gekommen ist. Wie ist das, gab es da irgendeine NATO-Sitzung in der erkannt oder beschlossen wurde, dass man im Bereich MedeVac einen dringenden Bedarf hat – bestehen hier wirklich so große Defizite in Europa? Eigentlich bestehen doch genügend andere Defizite in der Ausstattung die dringlicher sind.

  • Bang50   |   22. März 2015 - 23:37

    @ schleppi – Es geht offensichtlich nur darum. Effizient ist an diesem Konstrukt gar nichts, effektiv kann es durch lange/aufwendige Entscheidungsprozesse nicht sein.

    Die BW bekommt eben einen Haufen NH90 die man wahrscheinlich niemals militärisch und zu angemessen Betriebskosten einsetzen kann. Also spart man sich einfach das Geld für das Personal und macht auf Leuchtturmverband (damit hat man schließlich Erfahrung) – der kann dann die nächsten 30 Jahre vor sich hin schimmeln. Reale Einsätze kommen durch die aufwendigen Entscheidungsprozesse niemals zu Stande und die Rüstungskatastrophe NH90 kann weiter politisch gedeckt werden.

    Die Rechnung hat nur einen Hacken – die vermeintlichen Partner werden es nicht toll finden als innenpolitische Steigbügelhalter missbraucht zu werden. Der ganze Schwindel fliegt dann auf, wenn man die angekündigte Leitungsbereitschaft zuverlässig und systematisch unterschreitet. Dann fliegen die Fetzen.

  • Elahan   |   22. März 2015 - 23:42

    es-will-merr-net-in-mei-Kopp-enei

    Es gibt kein Defizit im Fähigkeitsvereich der MedeVac auf kurze Strecken mit STOL sondern ein Überschuss von Gerät in der BRD.

  • f28   |   23. März 2015 - 10:58

    sThor | 21. März 2015 – 7:47
    „Ich komm mir langsam vor alws würde ich eine Dokumentation zu den letzten Tagen der DDR und den hirnlosen, realitätsfremden und völlig abwegigen Statements des Politbüros ansehen“

    mich erinnert das Ganze eher an die ambitionierten IT-Projekte, die in deutschen Großunternehmen gerne von ganz oben gestartet werden. Mit folgendem Ablauf:

    Phase 0: Verkündung des Projektes. Es bilden sich drei Gruppen:
    1. Die Grünhörner springen begeistert auf und wollen loslegen (hier kann man sich profilieren!).
    2. Die erfahrenen Leute wissen, wo die Tücken liegen und heben warnend den Zeigefinger
    3. die ganz alten Hasen (die nicht nur die Tücken der Technik kennen, sondern wissen, wie der Laden insgesamt funktioniert) lehnen sich nur grinsend zurück. In den Rauchpausen vor der Tür: grölendes Gelächter

    Phase 1: Es geht los!
    Die Grünhörner wühlen sich begeistert in die Arbeit. Die erfahrenen Leute machen sich langsam unbeliebt, weil sie immer wieder auf einige Dinge hinweisen, die sich in der Vergangenheit jedesmal als unlösbar erwiesen haben. Die ganz alten Hasen amüsieren sich weiterhin in den Rauchpausen vor der Tür.

    Phase 2: Das Projekt steckt fest!
    Den schlaueren Grünhörner geht langsam auf, wo eigentlich die Probleme liegen. Die erfahrenen Leute werden von oben offiziell als „Bedenkenträger“ und „Verhinderer“ eingestuft und kaltgestellt. Der nichtrauchende oberste Projektleiter kauft sich eine Schachtel Zigaretten und versucht vor der Tür, mit den ganz alten Hasen in’s Gespräch zu kommen. In einer schlaflosen Nacht erkennt er die absolute Undurchführbarkeit des Projektes in gegebenen Zeit- und Kostenrahmen.

    Phase 3: Die Beerdigung erster Klasse
    Es wird nach einer für alle Beteiligten gesichtswahrenden Begründung für die faktische Einstellung des Projektes gesucht. Und nach einer akzeptablen Bezeichnung für den Projektstatus (wird z.B. gerne „on hold“ gesetzt, also auf den St.-Nimmerleinstag verschoben).

    Und ab dann geht alles weiter wie gehabt, bis auf ein paar verbrannte Grünhörner, die sich übernommen haben. Und ein paar Leute der Gruppe 2, die jetzt auch zu den ganz alten Hasen gehören. Spätestens nach 2 Jahren gibt es neue Leute im Management, und das nächste Projekt dieser Sorte wird gestartet. Frau Katrin Suder kennt als Unternehmensberaterin mit Sicherheit eine ganze Latte von Projekten, die nach diesem Schema abgelaufen sind – wobei die Berater die Phase 3 schon nicht mehr so richtig miterleben, weil sie auf dem Sprung zum nächsten Projekt sind.

    Und so wird es denn wohl auch mit „Europa-Armee“ und „multinationalem Hubi-Verband laufen“. Oder?

  • Patrick S.   |   23. März 2015 - 15:52

    In Polen dürfte die EC725 bei der Ausschreibung für knapp 70 Maschinen recht gute Chancen haben.
    Da diese beispielsweise für die SAR-Rolle vorgesehen sind, könnte man ja von Seiten Berlins bei Airbus Helicopters freundlich nachfragen, ob Abnahme von EC725 statt NH90 eine Option wäre. Da die Franzosen auch mächtig am Einsparen sind (was die Kooperationsbereitschaft erhöhen dürfte), könnte man sich damit eventuell auch gegenüber Paris wieder als verlässlicher Partner ins Spiel bringen.

  • SEAKING   |   23. März 2015 - 16:26

    @Patrick S.
    Es geht mittlerweile um mehr als einen SAR fähigen Hubschrauber.
    Die Aircrews müssen dem Vogel und dem Hersteller v e r t r a u e n können.
    Dies ist bei AHD nicht mehr der Fall.
    D.h. hier kommt (für mich) nur noch Augusta Westland AW 189 oder Sikorsky S-92 in Frage, auch um AHD endlich die Karten zu legen.
    Check
    http://bristowsar.com/index.php/uk-search-and-rescue/fleet/

  • Patrick S.   |   23. März 2015 - 16:50

    @SEAKING

    Mit Sicherheit hat der Hersteller (zu Recht) einen massiven Vertrauensverlust erlitten. Was die EC725 angeht, scheinen die Franzosen doch aber recht zufrieden zu sein.

    Hatte vor allem daran gedacht, da dieses Modell dank Luftbetankunsgssonde auch mit Blick auf Verbringung v. Spezialkräften und CSAR in Zukunft von Interesse sein könnte. (den nicht absehbaren Willen zur Finanzierung mal außer Acht gelassen)
    Eventuell ja auch (noch?) später für die Marine interessant.

    Von mir aus noch 4 Stück in VIP-Konfiguration für die Flugbereitschaft. Damit die armen Entscheidungsträger von der Idee einer Beschaffung richtig begeistert sind und den „wahren“ Nutzen erkennen.

  • Zimdarsen   |   23. März 2015 - 17:04

    Der Nachfolger des NH90 wird die EH725 sowas ist im Luftsport auch schon oft passiert.
    Modernes Gerät hat sich im Vereinsbetrieb als zu Komplex und wenig alltagstauglich erwiesen, Folge: Man beschafft noch heute Robin und ASK.

  • Schorsch52   |   24. März 2015 - 13:37

    @ Zimsdarsen

    Nun ist die Bundeswehr noch keine Luftsportclub. Aber vielleicht hält die UH-1D ja nochmals 50 Jahre ;-)))

  • Zimdarsen   |   24. März 2015 - 13:40

    @Schorsch52

    Stimmt, denn die Flugsportvereine lernen aus ihren Fehlern und fliegen.