Ach, Altenstadt (2)

Neulich war ich noch der (irrigen) Ansicht, der CSU-Bundestagsabgeordnete Alexander Dobrindt, auch Bundesverkehrsminister, habe die Luftlande- und Lufttransportschule in Altenstadt gerettet. Gar nicht wahr, die CSU-Fraktion im bayerischen Landtag sagt jetzt, sie habe das getan:

CSU-Fraktion und Bayerische Staatsregierung konnten das Bundes-Verteidigungsministerium aber letztlich von der besseren fachlichen und wirtschaftlichen Eignung von Altenstadt gegenüber dem geplanten Standort Oldenburg überzeugen.

Ach so.

15 Gedanken zu „Ach, Altenstadt (2)

  1. „Bundes-Verteidigungsministerium“: interessante Schreibweise… Hatte ja schon immer die Vermutung, dass es in Bayern ein eigenes Landes-Verteidigungsministerium gibt, um die Berliner Republik in Schach zu halten.

  2. Der Truppe wird es auf gut bayrisch „ziamlich wurscht“ sein, wer sich das jetzt auf die Fahnen schreibt. Hauptsache wenigstens dieser Unsinn wurde korrigiert.

  3. Herr Arnold hat für BW keinen Standort gerettet
    Laupheim hatten sich selbst gerettet das ist was in BW fehlt

  4. …da diese Frage nun politisch ausgeschlachtet wird, wissen die Mitglieder die sich jeden Monat zusammenfinden, wer wirklich die wirtschaftliche Vergeliche eingefordert hat. Es war kein Politiker es waren Soldaten und zivile Mitarbeiter die näher dran waren als hier zu lesen ist.

  5. Es sollten sich also noch mal alle betroffenen Landesregierungen in Sachen Bundeswehrverlegungen einschalten, wenn dies angeblich in Bayern geholfen hat.

    @Alarich: Allerdings fürchte ich, das Einmischungen der Landesregierung oder von Politikern nur helfen können, wenn diese das richtige schwarze Parteibuch der Ministerin haben. Herr Arnold hat eben das falsche rote Parteibuch um Standorte zu retten.

    Da Oldenburg zu Niedersachsen gehört und dort die SPD regiert fiel der Ministerin eben eine Entscheidung gegen Oldenburg leicht.

    @all: Gibt es noch Standortverlegungen, welche vom Bundesrechnungshof geprüft werden, weil dies vielleicht wirksamer sein könnte als Petitionen oder Politikerwünsche?

  6. @ Closius

    Das Technische Ausbildungszentrum der Lw, Abt Süd in Kaufbeuren (ehemals TSLw 1) wurde vor 9 Jahren schon vom BRH im Zuge der von Scharping vorgegebenen Privatisierungswelle innerhalb der Bw überprüft. Damals wurde festgestellt, dass der Eigenbetrieb der Schule gegenüber einem Kooperationsmodell mit der Industrie um über 100 Mio. Euro auf 10 Jahre billiger ist. Nun soll die Schule nach der Stationierungsentscheidung vom Okt. 2011 ca. 50 km weiter aufs Lechfeld verlegt werden mit einem geschätzten Aufwand zwischen 50 – 100 Mio Euro. Dies macht wirtschaftlich keinen Sinn. Seit 3 1/2 Jahren wird mit allen Mitteln inklusive Bundestagspetition dagegen angekämpft aber bisher ohne Erfolg.
    Man (im BMVg) versucht Gras über den BRH-Bericht von 2006 wachsen zu lassen um dann einen neuen Privatisierungsanlauf zu machen. Diesmal soll der entscheidende Punkt sein, dass es zu wenig militärisches Fachpersonal (Soldaten) für die Ausbildung der Lfz-Techniker gibt. Die Damen und Herren im Ministerium sollten mal zur Kenntnis nehmen, dass es speziell in Südbayern auch im zivilen Bereich zu wenig erfahrene Lfz-Technik und Lfz-Elo Spezialisten gibt, die insbesondere militärische Waffensysteme unterrichten können.

    Kopfschütteln auf ganzer Linie !

  7. Kaufbeuren ist einer der wenigen Standorte, wo sei Jahrzehnten einfach alles „passt“. Die Akzeptanz und Einbindung der Garnison ins örtliche Umfeld ist vorbildlich, die Qualität der Ausbildung auf konstant hohem Niveau, und die Bedingungen für die vielen Lehrgangsteilnehmer in Punkto Unterbringung, Verpflegung und Freizeitmöglichkeiten hervorragend. Ein weiteres trauriges Beispiel, wie man Standorte mit Vorbildcharakter mutwillig zerschlägt, um aufgrund schöngerechneter und realitätsfremder Zahlen versucht, weitere über viele Jahre erworbene Kernfähigkeiten der Industrie zuzuschanzen. Anschließend darf man dann den zivilen Ausbildungsträgern ein vielfaches der bisherigen Kosten bezahlen, und ist diesen nach Aufgabe der eigenen Kompetenzen vollständig ausgeliefert. Was muss noch passieren, bis man im Ministerium einsieht, dass Outsourcing von Kernfähigkeiten für eine Armee keine Lösung ist ?

  8. @Wolsmond

    …. ein Trauerspiel. Dank unseren Weltklasseminister TDM. Verstehe aber die bayerische Staatsregierung auch nicht. Seehofer wurde damals ( 2011 ) noch von Stoiber geführt.

  9. Ach es gibt so viele schöne Beispiele:
    Sonthofen => Hannover
    Feldfing => Pöcking

    Wo soll man da anfangen. Wo soll man da aufhören.
    Der eine rechnets so, der andere rechnets so, der dritte entscheidets dann doch ganz anders.

  10. Man könnte das auch alle fünf (5) Jahre auswürfeln, nachdem die Standorte bezugsfertig bzw. einsatzklar sind.

    Davon ab: glauben Sie nicht, daß es auch in der „freien Wirtschaft“ nicht auch (betriebswirtschaftlich-) politische Entscheidungen gibt.

  11. @ Thomas Melber

    Zitat: „Davon ab: glauben Sie nicht, daß es auch in der “freien Wirtschaft” nicht auch (betriebswirtschaftlich-) politische Entscheidungen gibt.“

    Ja, die gibt es sicherlich. Im Regelfall werden diese Entscheidungen aber damit begründet um Geld einzusparen und nicht um Wirtschaftsförderung zu betreiben. Bei den Stationierungsentscheidungen von 2011 ist zumindestens ein Muster sehr deutlich zu erkennen:
    Militärische Fähigkeiten, Truppenteile sollen verlagert werden und jedes Mal ist eine immense infrastrukturelle Aufgabe, Baumaßnahme (Investitionen für die heimische Bauindustrie) vonnöten.

    Kein Wirtschaftsbetrieb verlagert Produktionsstandorte um am neuen Standort die Bauindustrie (und damit die lokale Wirtschaft insgesamt) zu fördern.
    Und ums Auswürfeln der neuen Standorte geht es eben nicht. Seehofer hat ganz klar die Vorgabe gemacht, dass alle ostbayrischen Standorte erhalten bleiben müssen. Auch für Lechfeld hat er sich explizit eingesetzt und eine Woche vor der Stationierungsentscheidung verkündet der Flugplatz Lechfeld bleibt erhalten. Der Grund war aber nicht seine Liebe zur Bundeswehr sondern zu EADS (jetzt Premium Aerotech), die auf dem Bw-Flugplatz Lechfeld in zwei Hallen Flügelteile für den Airbus montieren.

    Diese innere Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit bezüglich der Einstellung der Politiker zur Bundeswehr merkt in der Zwischenzeit auch der kleinste Soldat und solange sich dies nicht ändert, bleiben alle Attraktivitätsoffensiven der Ministerin ohne Wirkung auf die betroffenen Soldaten.

    PS: Aus dem gleichen Grunde funktionieren auch fast alle Rüstungsprojekte der Bundesregierung nicht wie sie sollen, denn es geht immer in erster Linie um Wirtschaftsförderung und nicht um das Produkt, die Waffe die hinterher für die Soldaten herauskommen soll.

  12. Gerade der Fall Lechfeld Kaufbeuren ist ein unglaublicher Vorgang.
    Die oben angeführte Behauptung kann ich bestätigen, denn noch Tage vor der Entscheidung wurde von Vertretern der Firma Premium Aerotec der Betrieb am Standort Lechfeld bestätigt (zusammen mit Bw)

    Seit dieser Zeit wird Kaufbeuren schlecht geredet, obwohl er optimal und attraktiv für die Ausbildung ist.

  13. Kaufbeuren hat als Standort ein einzigrs Problem:
    Hier wohnt kein Politiker mit bundespolitischem Schwergewicht. Den hiesigen CSU-Politiker im Bundestag kennt offensichtlich kein Mensch in Berlin. Er ist einfach zu Neu dort. Das ist ein echtes Drama. Von ihm liest man nur beschlossene Maßnahmen, sonst nichts!
    In Altenstadt hat Bundesminister Dobrindt sein Revier. Da muß man „nur“ ein paarmal die Ministerin im Kabinett ansprechen und überzeugen, schon geht was…. Die Kommentare aus München wundern mich da nicht.
    Für die Truppe finde ich das Ergebnis in Kaufbeuren nur traurig. Mangelnde politische Unterstützung führt zur Zerschlagung einer der funktionellsten und beliebtesten Standorte der Luftwaffe! So wird die Bundeswehr jedenfalls nicht attraktiver.
    Ich darf an die Unsummen die in Lechfeld neu verbaut werden müssen garnicht denken…

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