Storytelling für die Feiertage: NATO-Rückblick Afghanistan

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Wer für die Feiertage noch ein bisschen multimedialen Lesestoff sucht: Die NATO hat ein opulentes Stück über den ISAF-Einsatz in Afghanistan aufgelegt. (Eigentlich, ich weiß nicht ob das irgendwo erwähnt wird, hatte das Bündnis bis etwa 2003 mit Afghanistan nichts zu tun, sondern übernahm erst später das Kommando…)

Und es ist natürlich von der NATO-Sichtweise zum Ende der ISAF-Mission geprägt. Aber, wie das neudeutsch heißt, Storytelling vom Feinsten: Return to Hope

(Foto: A soldier from the Afghanistan National Army pulls security while two CH-47 Chinooks fly into Shah Wali Ko District – ISAF/U.S. Army photo by SPC Johnny R. Aragon) 

11 Gedanken zu „Storytelling für die Feiertage: NATO-Rückblick Afghanistan

  1. Es heißt nicht umsonst, dass die Geschichte vom Sieger geschrieben wird.
    Das war im alten Rom so und blieb es bis heute.

    Die Frage nach dem Sieger in Afghanistan wird eine der Spannendsten der nächsten Jahre sein.

    Aber eins bleibt unterm Strich:
    Die Afghanen haben in diesem Jahr bewiesen, dass Sie an eine Zukunft glauben. 60% Wahlbeteiligung bei der Stichwahl zum Präsidenten, trotz massiver Drohungen und Anschlägen durch Aufständische.

    Wer da noch meint, die Afghanen seien nicht an Demokratie und Selbstbestimmung interessiert, verhöhnt dieses vom Krieg gebeutelte Volk und übersieht elegant, dass
    wir in Deutschland anlässlich der letzten 3 Landtagswahlen Wahlbeteiligungen um die 50% hatten.
    Offenbar sind viele Afghanen mehr an Demokratie interessiert, als so mancher Friedensverwöhnter und trotzdem frustrierter Deutscher.

    In diesem Sinne: Frohe Weihnachten und Inshallah ein friedlicheres 2015 für alle Deutschen und Afghanen!

  2. Und genau das wiegt besonders schwer: 60% der afghanischen Wahlberechtigten riskieren teilweise durch die schlichte Teilnahme an Wahlen ihr Leben, während die 50% hierzulande lediglich den „Stress“ haben einmal ohne das Ziel Arbeit, Einkauf oder Freizeitgestaltung vor die Tür zu müssen.

    Aber so ist das wohl in einer Gesellschaft, die Dinge wie beispielsweise Demokratie und Selbstbestimmung als völlig selbstverständliche, natürliche Begebenheiten betrachtet.

    Somit haben wir es mit einem afghanischen Volk zu tun, das zwar in der Masse nicht lesen und schreiben kann, uns aber dennoch in einigen Bereichen Entwicklungshilfe leisten könnte.

  3. @Johannes Clair: 1+
    @Patrick S.: 1+
    @all: Frohe Weihnacht und besinnliche Stunden.

  4. Die meisten Wähler wollen sich Einfluß (Macht und Geld) für ihren Stamm sichern – mit Interesse an Demokratie hat das mE eher weniger zu tun, bei den meisten.

  5. Da gibt es auch bei uns in der kuschligen BRD so einige Stämme.
    Industriezweige, verschiedene Strömungen innerhalb der Wirtschaft, regionale Präferenzen, diverse Berufsgruppen, wie beispielsweise Pädagogen und…und…und.

    Wir mögen andere Begrifflichkeiten verwenden, letztlich sind jedoch alle Nationen im Prinzip Stammesgesellschaften. Dass es in Deutschland auf einem höheren technologischen und gesellschaftlichen Niveau stattfindet, ändert daran nichts.

    Einige meiner „Mitschwaben“ würden wohl die Aussage unterstützen, dass die ländlichen Teile Bayerns unser Paschtunistan sind. Dies nur als Beispiel und ohne Wertung meinerseits.

  6. Die bemerkenswerte Wahlbeteiligung in Afghanistan zeigt, wie wenig die These zutrifft, alles sei schlecht dort. Danke für den Hinweis, der mal die ständigen Kassandrarufe relativiert.

    Aber es ist auch noch lange nicht alles gut. Demokratie bedeutet ja viel mehr, als wählen zu dürfen und es auch zu tun. Ohne Minderheitenschutz, ohne vertrauenswürdiges Rechtssystem, ohne Gewaltenteilung, ohne halbwegs funktionierenden Verwaltungsapparat, ohne ökonomische Perspektive, ohne echte und breite Bildungschancen etc. sind Wahlurnen nur ein Symbol, und nicht mehr. Es gibt also noch viel Arbeit für die Afghanen – aber sie müssen ihre Zukunft selbst in die Hand nehmen. Und auf welche Weise sie es tun, da sollten wir uns nicht ungebeten einmischen.

    Ein frohes Fest – vor allem auch denen, die fern der Heimat für uns Dienst leisten.

  7. @KeLaBe

    Nein, Demokratie bedeutet genau das, Wählen zu können ggf. noch gewählt werden zu können.(Scherbengericht, Schierlingsbecher, Le Terreur)

    Den Rest , Minderheiten etc. Schutz, vertrauenswürdiges Rechtssystem, Meinungsfreiheit, Gewaltenteilung, Respekt vor Andersdenkenden, Bürger und Menschenrechte sind da sehr Optional und können auch ohne Demokratie existieren

  8. @ ThoDan

    Hab keine Lust, mich an einem Tag wie diesem darüber zu streiten, was eine Demokratie in Wirklichkeit alles ausmacht und was nicht. Jedenfalls sehe ich das sehr viel anders als Sie. Trotzdem schöne Weihnachten.

  9. @KeLaBe

    Ich wollte nicht den Besserwisser geben, Entschuldigung wenn es so rüberkam.

    @KlausK

    Die DDR würde ich als Oligarchie bezeichnen.
    Russland , keine Ahnung, Tyrannis – Demokratie Kombination nach Bauchgefühl vielleicht.

    Frohe Weihnachten

  10. Ich weiß nicht, ob dieses Video hier auf Aga schon einmal gepostet wurde, auf jeden Fall imho das Ehrlichste, was ich bislang gesehen habe. Ein recht düsterer Ausblick auf die support mission, die in wenigen Tagen beginnt.

    „This Is What Winning Looks Like“ ist zwar recht lang, man sollte sich aber die Zeit nehmen.

    https://www.youtube.com/watch?v=Ja5Q75hf6QI

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