Bundeswehr-Video: Hier übt die Speerspitze

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Das mit der schnellen Einsatzbereitschaft ist so eine Sache. Im Sommer, als die Marienberger Jäger für die Bereitschaft in der NATO Response Force (NRF) übten und zertifiziert wurden, hat die Bundeswehr darüber ein Video produziert. Am (heutigen) 5. Dezember wurde es veröffentlicht, und die Welt hat sich ein bisschen weiter gedreht: Das Panzergrenadierbataillon 371 ist nicht mehr nur für eine NRF nach altem Muster vorgesehen, sondern wird wohl Teil der Zwischenlösung für die geplante sehr schnelle Eingreiftruppe, die Very High Readiness Joint Task Force (VJTF) der NATO.

Das Video wirkt vor dem Hintergrund wie… na wie eine Geschichte aus dem vergangenen Sommer. Ist aber trotzdem nett:

(Direktlink: http://youtu.be/f26G9Yhuilw)
 

74 Gedanken zu „Bundeswehr-Video: Hier übt die Speerspitze

  1. Jetzt sind wir langsam im Beliebigkeits-Balla-Balla angekommen. Ich heize die Trollwiese schon mal vor. (Das ist jetzt eine ernst gemeinte Warnung.)

  2. Es geht nicht darum ob die Staaten wollten, sondern um den Immer mehr entstehenden Kessel um ein Land welches sich dadurch immer mehr eingeengt fühlt. Es geht auch nicht darum ob es gewünscht wird von den meisten in den Ländern oder nicht. Es geht um gute Politik, Feingefühl und Kompromissbereitschaften machen. Die Nummer ist einfach zu groß und wir werden dazwischen gedrängt. So sehe ich das zumindest. Wir haben in der Welt viel größere (kleine) Baustellen überall, also sollte man abwägen wo hier die Prioritäten für ein wenigstens verträgliches Miteinander liegen und nicht mit allem Nachdruck versuchen eine große Macht zu drangsalieren und deren Instabilität zu fördern. Wo leben denn hier einige? Schreibtischtäter die selber niemals in die Nähe einer Grenze gehen müssten oder niemals einen verletzen (sterbenden) versuchen retten zu müssen?! Wie viele Opfer sollen es denn für dieses Ziel geben?? Ich persönlich könnte so einen Einsatz mit meinem Gewissen nicht mehr vereinbaren. Manche Missionen sind ja schon teilweise Grenzwertig, aber immer noch im Kern glaubhaft zu machen. Auch für den einfachsten Lanzer. Aber wenn dieser Konflikt eskaliert, ist niemand auch nur ansatzweise in der Lage die Entwicklungen zu beherrschen, dessen kann sich jeder Gewiss sein. Gut und böse, recht und unrecht muss halt im Globalen auch mal anders praktiziert werden. Das sind nunmal die Erfahrungen aus fernen Ländern. Wer nur zu Gast kommt oder die Lagermauer nie verlässt, kann das natürlich nicht Beurteilen.

  3. Es geht nicht um Gut und Böse sondern um den Frieden in Europa,
    um russische Angriffs- und Eroberungskriege,
    um die Zerschlagung der Atomwaffen-Nonproliferation durch Bruch der Sicherheitsgarantien für die Ukraine,
    um die russische Strategie der Zerschlagung von NATO und EU,
    um den russischen Versuch, das Völkerrecht wieder auf den Stand zurück zu bringen, wo Eroberungskriege legal waren, und schlicht um einen militanten und zunehmend terroristischen Faschismus, den Rußland als christlich-orthodoxe Rettung der Welt vor Demokratie und Rechtsstaat exportiert.
    Und zwar nicht vor unserer Haustür sondern zunehmend auch hier im Land.
    Und wenn Sie nicht bereit sind, Deutschland, Deutschlands Rechtsordnung und Deutschlands Bündnissicherheit gegen einen faschistischen Aggressor zu verteidigen, dann haben Sie in den Streitkräften Deutschlands nicht verloren.

  4. Ganz gegen meine Gewohnheit gibt es jetzt eine zweite Warnung. Und dann lösche ich, ohne weitere Ansage.

    (Und noch ein Hinweis an ’sherminator‘: Das ist der inzwischen dritte Nick, unter dem Sie hier kommentieren. Nicht so gerne gesehen.)

  5. @ T.W. Aber die Trollwiese muss doch nicht vorgeheizt werden. Dort herrscht andauernde Dunkelheit, es ist einsam, kalt und feucht so dass einem Algen und Moose aus den Ohren wachsen. Und das ist gut so.

  6. Diese Fixierung einiger Diskutanten auf die vermeintlichen Pole des Konflikts USA und Russland erscheint mir so unzeitgemäß. Selbst wenn Deutschland vorrangig auf Aussöhnung mit Russland setzen würde und den Bestrebungen anderer NATO Partner eine Absage erteilen würde, die Komponente militärischer Abschreckung zu stärken, träge das keinen Deut zur Entspannung bei. Wir sind nämlich nicht mehr Frontstaat.
    Aus der 2. Reihe, wohlig umschlossen von Freunden und Verbündeten, lässt sich leicht Zurückhaltung predigen. Im Baltikum und Polen sieht man das anders. Genau wie man Russlands geopolitische Wahrnehmung auf Osteuropa als notwendiger Puffer gegen den Westen erstmal als Fakt akzeptieren muss, egal was man davon hält, muss man die Sicht auf Russland in weiten Teilen Osteuropas akzeptieren.
    Was denken sie was in Polen los wäre, wenn Deutschland ab morgen stärker auf Appeasement (deskriptiv) setzen würde. Die letzten Male als Deutschland und Russland gemeinsame Sache gemacht haben, waren für Polen keine schöne Zeiten. Selbst wenn die USA schlagartig das Interesse an Osteuropa verlöre und sich komplett zurückziehen würden, würde das nicht das gegenseitige Misstrauen in Osteuropa beseitigen. Man kann die Lehren die verschiedene Länder aus Ihrer Geschichte ziehen und die Schlussfolgerungen die sie dadurch aus der Bewertung gegenwärtiger Ereignisse ziehen, als absurd empfinden, aber Wahrnehmungen schaffen Realitäten.
    Deutschland hat als EU und NATO Mitglied einfach nicht die Option auf Annäherung an Russland im Alleingang. Wenn unsere östlichen Verbündeten an uns zweifeln, werden sie eigene Systeme kollektiver Sicherheit schaffen. Ob das die Lage entspannt wage ich zu bezweifeln. Wir müssen also den Spagat zwischen glaubhafter Abschreckung und Kommunikation schaffen. Abschreckung ist unverzichtbar, die Frage ist wie viel man momentan gegenüber Russland mit Dialog erreichen kann. Ich glaube das weiß im Moment nur Vladimir P.

  7. @c.k.
    Guter, ausgewogener Beitrag. Die Bedeutung der USA ist gerade in Osteuropa viel höher als die Deutschlands. Sowohl in der Wahrnehmung von Ru als provozierende Macht (NATO-Beitritt Ukraine, Georgien) als auch als Schutzmacht für die osteuropäischen Nato-Länder. U.a. auch aufgrund unserer vorsätzlichen (nicht mehr fahrlässigen) militärischen Schwäche.
    Ganz schlimm finde ich die Beiträge einiger deutscher Politiker, die Einflusszonen in Osteuropa das Wort reden. Damit begeben sie sich tatsächlich in die unsägliche Tradition des Hitler-Stalin-Paktes.

  8. Diese eigenen Systeme kollektiver Sicherheit entstehen bereits: Mit Polen-Ukraine-Lithauen ist beispielsweise ein militärischer Dreibund im Aufbau.

  9. @ Califax
    Die Visegrad-Gruppe plant ja auch seit 2011 eine militärische Komponente, das wäre eine Battlegroup der Tschechischen Republik, Polens, der Slovakei und Ungarns. Angeblich ab 2016 „ready“, aber wie da der Stand ist weiß ich nicht. Das war ja schon eine Reaktion vor allem Polens auf Georgien und ein klares Zeichen wie man die Sicherheits- und Bündnislage einschätzt.

  10. Frage, rhetorisch: weshalb führt eigentlich das DEU-NLD Korps die Speerspitze, und nicht das MNK NORDOST?

    Gut, letzteres soll ja weiter aufwachsen, aber ein „transfer of responsability“ sollte dann schon stattfinden.

  11. @ califax | 08. Dezember 2014 – 9:08

    Diese eigenen Systeme kollektiver Sicherheit entstehen bereits: Mit Polen-Ukraine-Lithauen ist beispielsweise ein militärischer Dreibund im Aufbau.

    Auch wenn mir die Vorstellung überhaupt nicht behagt: Es gibt Vögelchen, die zwitschern, dass man in einigen Ländern schon Szenarien durchspielt, bei denen Deutschland an der Seite Russlands steht.

    Auch in der Nato scheint es (analog zur EU) unterschiedliche Geschwindigkeiten und unterschiedliche Qualitäten zu geben. Osteuropa scheint sich enger an die USA zu binden und bildet sicherheitspolitisch noch einen Keil in der Achse Paris-Berlin-Moskau. Eine Ostseepipeline macht nur Sinn, wenn man sich mit Polen überwerfen will. Polen scheint inzwischen mehr Kern der Nato zu sein, als Deutschland oder Frankreich.

    Noch vor einem Jahr hätte ich diesen Gedanken für undenkbar gehalten.

    Andererseits sagen einem Amerikaner sinngemäß: „Liebe Deutsche: Ihr habt seit den 1990ger Jahren betrieben, dass ihr euch rüstungstechnisch von Nordamerika abschottet. Nicht einmal kanadische Triebwerke für ein Transportflugzeug waren für euch in Ordnung. Wer solche Mehrkosten, Verzögerungen, gar ein Scheitern des A400M Projekts riskiert, nur um keine Triebwerke bei seinem Nato-Partnerland Kanada einzukaufen, der führt was im Schilde. So verhält sich nur jemand, der sich gegen Nordamerika wenden möchte. Ihr glaubt doch nicht etwa, wir würden das nicht merken …“

  12. @Freiherr vom Stein
    Schauen Sie mal bei den Schiffen vorbei und lesen in den Waffensystemen ein wenig rum. Dort gibt so einige Rüstungsgüter aus Nordamerika.
    Ich zähle mal auf:
    RGM 84 Harpoon
    SM2
    ESSM
    MK41 Vertical Launch System
    RIM 116 RAM
    MK 46 Torpedo (auf F123)
    Findet sich auf Schiffen wie F122 (dort kein MK41), F123, F124, F125 und RAM auch noch auf S143A und K130. Und die Systeme sind nicht gerade billig. Ich gehe jetzt nicht auf weitere Peripherie ein, die bei den genannten Systemen noch dazu kommt, damit es an ein FüWES angebunden werden kann.
    Also müssen es wohl zumindest solche Amerikaner sein, die von dem Bereich „Naval Systems“ keine Ahnung haben und daher sinngemäß den Ball flach halten sollten wenn sie dieses lauthals verkünden.

  13. @ NMWC | 08. Dezember 2014 – 14:10

    Naval Systems …

    War auch mein erster Einwand.

    Gegenargument: Für die Szenarien, für die man unabhängig von Nordamerika agieren können möchte, braucht es keine Marine. Für eine Eurasische Union vom Atlantik zum Pazifik braucht man allenfalls Kähne auf Rhein, Wolga, Jennisei etc. .. und da ist man unabhängig.

    Naval Systems sind in Bezug auf eine Achse Paris-Berlin- Moskau strategisch irrelevant. Transportflugzeuge hingegen nicht …

    Ein Blick auf den Globus kann einem bei diesen Gedankenspielen die Laune gehörig verderben.

  14. @NMWC

    ….und dann wäre da noch die P3C………….

    Nicht Deutschland schottet sich rüstungstechnisch von USA/CA ab, sondern umgekehrt, denn es ist keiner NATO-Partnernation zuzumuten, dass sie immer nur die second best black boxes einkaufen kann. Da entwickelt man doch lieber selber.

  15. @FvS

    „Für die Szenarien, für die man unabhängig von Nordamerika agieren können möchte, braucht es keine Marine.“

    Das ist so ziemlich der größte bullshit, den sie bislang hier abgesondert haben. Respekt !

  16. @ klabautermann | 08. Dezember 2014 – 14:31

    Das ist so ziemlich der größte bullshit, den sie bislang hier abgesondert haben. Respekt !

    Vielen Dank für die Blumen! ;-) So in etwa war auch meine Erstreaktion.

    Dann habe ich angefangen, nach Gegenargumenten zu suchen. Dann habe als Parameter langfristorientierte machtpolitische Denkschulen einbezogen und unsere werteorientierte freiheitlich demokratische Brille für das Gedankenspiel abgesetzt … und meine Laune war wieder verdorben.

  17. @Freiherr vom Stein
    Wenn ich natürlich der Meinung bin dass diese Achse rein von Land aus bedient wird, da ich nur gelernt habe die Welt anhand der Mercator-Projection zu sehen, dann mag dies für manch einen so sein.
    Ich bevorzuge da die etwas differenzierte Sicht aus der Polarprojektion wenn ich denn auf den Globus strategisch schauen möchte. Und da wird das Bild schon ein anderes. Insofern teile ich dieses Gegenargument nicht und hätte auf dieses mit diesem geantwortet: Und gerade die „Nordamerikaner“ haben da ja zum Glück eine etwas weitere Herangehensweise, aufbauend auf Mackinder, Spykman und so. Daher frage ich mich dann jetzt schon, was für „Single Minded Dumb****s“ so eine Quatsch erzählen.
    Lest mal wieder ein wenig den ollen Mahan, bevor ihr weiter solche Gedankenspiele äußert. Viele Worte, aber lehrreich.
    „No Navy, No strategy.“
    ;-)

  18. @ NMWC | 08. Dezember 2014 – 14:38

    Für den Focus dieser „Denke“ ist die traversale Mercator-Projektion in der Perspektive ganz aufschlussreich.

    (Obere Teil dieser Grafik)
    http://de.wikipedia.org/wiki/Mercator-Projektion#mediaviewer/File:Transversal_Mercator_45E.jpg

    Das Zentrum der Welt ist dann die eurasische Landmasse. Das reicht erst einmal, da muss man sich nicht um die Weltmeere kümmern …

    Und dann spielen wir noch: Wie hätte ein Napoleon das betrachtet, oder ein Nero , oder … oder …

  19. @FvS @NMWC
    Schon der, dessen Namen man nicht aussprechen darf hat erkannt, daß Deutschland gegen maritime Mächte im Falle eines Falles nicht ankommt und man daher auf die kontinentale Karte setzen muß.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Mitteleurop%C3%A4ischer_Wirtschaftstag

    (begann aber schon vor 1933)

    Man braucht sich nur ansehen, wohin Deutschland nach Osten / Süd-Osten hin verkehrstechnisch ausfächern kann, sichere und verläßliche Partner vorausgesetzt.

    Und: ja, es gibt sogar eine Schienenverbindung in die Wirtschaftszentren Chinas, die wirtschaftlich genutzt wird.

  20. @FvS

    Seit Nero und auch seit Napoleon haben sich Rimland und Heartland zwar geographisch nicht verändert, geo-ökonomisch,-politisch,-stragisch allerdings schon….und geo-ökologisch sowie geo-soziologisch auch. Selbst ein Dschingis-Khan würde heute nicht nur mit gepanzerten Pferdedroschken und Flußkähnen gen Westen ziehn ;-)

  21. Weltmeere und Küstengebiete gehören zusammen wie nur irgendwas. Ich habe mir angewöhnt da etwas anders draufzuschauen. Und genau deswegen spiele ich das was Sie verneinen wollen, bzw lese bei denen die sowas schon einmal gemacht haben. Es gibt jetzt schon zu viele engstirnig und simplifzierend denkende Menschen. Dazu muss ich nicht auch noch gehören, weswegen ich von meinen letzten beiden Absätzen des vorherigen Posts kein Wort zurück nehme. Wer so single minded unterwegs ist und nur auf der einspurigen Landachse denkt, wird so einige böse Überaschungen erleben. Die Amerikaner waren auch verwundert wie stark doch seinerzeit die Imperiale Japanische Armee die Lehren eines gewissen alten Admirals aufgesogen und für sich angepasst hat. Soviel zum gestrigen 73. Jahrestages eines Ereignisses.
    Aber ich sehe schon, bevor ich hier wieder die Welt zu Tode langweile schweig ich wieder Stille und reagiere nur auf explizite Aufforderungen.
    edit:
    @klabautermann
    You have it Sir.

  22. @Thomas Melber

    Weil die VJTF an allen Nato-Außengrenzen eingesetzt werden soll / kann. Als Nato-Außengrenze spielt auch Rumänien eine grundlegende, strategische Rolle.

  23. Estland beschafft von den Niederlanden 44 CV90 und 6 KPz Leopard 2:
    http://mobile.defensenews.com/article/312090037

    Beachtliche Investition. Wobei die 6 KPz Leopard 2 wohl nur in Kooperation mit Finnland (ebenfalls niederländische KPz Leopard 2 gekauft) oder Polen zu unterhalten sind. Wenn es nicht in Wahrheit Bergepanzer sind.

    Wenn man dann bedenkt, dass D bis mind. 2020 auf die 70 Marder 1A5 angewiesen ist (SPz Puma ist davor nicht einsatzbereit), dann sind 44 CV90 für Estland schon ne Hausnummer oder unser Beitrag eben doch sehr überschaubar.

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