ISIS-Sammler: Kobane und anderswo

Der Kampf gegen die islamistischen ISIS-Terrormilizen findet nicht nur in der syrichen Grenzstadt Kobane statt – dort aber vor den Augen der internationalen Medien, die von der Türkei aus über die Grenze schauen können. Dort entstanden auch das Video (siehe Tweet oben) der Nachrichtenagentur AFP wie die Fotos des AFP-Fotografen Bulent Kilic, die sich in einer Zusammenstellung unter anderem bei der britischen Daily Mail finden.

Diese Bilder sagen allerdings wenig darüber aus, wie die Lage in Kobane tatsächlich aussieht. Kurdische Kämpfer, so berichten die Kollegen von War is Boring, sprechen bereits vom kurdischen Stalingrad (obwohl das Bild dann genau verkehrt rum ist…) und halten auch die erste signifikante Niederlage der ISIS für möglich – die in diesem Fall allerdings in erster Linie ein psychologisch wichtiger Erfolg wäre.

Aber auch weitab von Kobane wird weiter gekämpft, im Westen des Irak genau so wie im Sinjar-Gebirge:

Islamic State wrested a Sunni Muslim village in western Iraq on Thursday from tribal defenders who put up weeks of fierce resistance, and the insurgents tightened a siege of the Yazidi minority on a mountain in the north.
The attacks showed Islamic State’s continued operating resilience despite air strikes by U.S.-led coalition forces aimed at defeating the ultra-radical Sunni jihadist group, which has captured large expanses of Iraq and neighboring Syria, beheaded prisoners and massacred people from other religious communities, and declared a medieval-style caliphate.

berichtet Reuters.

Und, hierzulande fast vergessen: Auch jenseits des Kampfes gegen ISIS tobt in Syrien weiterhin ein Bürgerkrieg, an dem auch andere Gruppierungen beteiligt sind. Wie die, die nahe der Grenze zu Jordanien Erfolge erzielen, wie Al Jazeera berichtet:

Syrian rebels have taken control over a key government checkpoint near a border crossing with Jordan after a longstanding battle with the army.
Rebels told Al Jazeera that the seizure of the Umm al-Mayathen checkpoint in Deraa province was significant in their bid to seize the Nasib border crossing. (…)
While the Islamic State of Iraq and the Levant (ISIL) group is fighting in the north and east of Syria to carve out a „caliphate“ run by Islamic law, Deraa province in the south has become a stronghold of moderate rebels fighting the regime.

Nachtrag: Das US-Militär hat heute Journalisten zur Situation in Kobane gebrieft, Berichte unter anderem bei Bloomberg:

Kobani may fall to Islamic State fighters even after U.S. airstrikes have focused on the Kurdish town in Syria, U.S. military officials said today.
Kurds and Islamic State remain engaged in street-by-street fighting, with Kurds holding the western part of the city as the Arab extremists continue to move in forces from other areas, according to the officials with U.S. Central Command, who briefed reporters today at the command’s headquarters in Tampa, Florida.
Providing an overview of the air campaign against Islamic State that began over Iraq in Aug. 8 and was extended into Syria a month ago, the officials said the U.S. and its allies have launched 632 airstrikes, flown almost 6,600 missions and dropped 1,700 munitions. Central Command said in a statement that the aircraft used include AC-130 gunships and Marine Corps AV-8B Harriers, as well as two strikes by AH-64 Apache attack helicopters.

40 Gedanken zu „ISIS-Sammler: Kobane und anderswo

  1. ohnehin merkwürdig, dass sich IS so in kobane verbissen hat. so wichtig kann der ort weder psychologisch noch strategisch sein das man dort mehr oder weniger fruchtlos personal und material verheizt.

    die opportunitätskosten gegenüber neudislozierung und antreten an anderer erfolgversprechenderer stelle erscheinen mir deutlich zu hoch.

    thoughts?

    (übrigens schöner blattschuss im video)

  2. Das sind ziemlich kostspielige Vernichtungsbilder einer IS-Flagge und zweier Djihadisten.
    Ich denke mal entweder war das so als PR-Aktion geplant oder es gab in dem Moment keine anderen Ziele. Und wenn man schon mal da ist..

    Kann ich in beiden Fällen gutheißen.

  3. Wenn man sich entsprechende Video’s aus dem syrischen Bürgerkrieg anguckt dann ist es schon sehr erschreckend und der Fokus auf Kobane wirklich fragwürdig.

    Dresden ’45 sah nicht viel schlimmer aus als so manch syrische Stadt…

    Zur YouTube Suche: „Tanks with GoPro’s“

  4. @ hutzel

    vermutlich letzteres, man nimmt alle ziele die man bekommen kann.

    wer seitens IS immer noch mit wehenden fahnen im gefechtsfeld kobane rumlungert ist ohnehin kandidat für den darwin award 1. klasse.

  5. @wacaffe

    Nun.. Ab dem Punkt wird es irrational. Wie das SpOn-Interview heute nochmal eindrucksvoll unterstrichen hat, ist die kinetische Kommunikation offensichtlich die einzige, die diese Menschen noch erreichen kann. Auf intellektueller Ebene ist da wohl nichts mehr zu machen.

    Vielleicht könnte man ja den begrenzten Einsatz von Psychokampfstoffen wie LSD in Betracht ziehen. Was passiert da wohl mit jemandem der sich ohnehin schon im religiösen Blutrausch befindet? Wird der dann wieder normal?

    Äh..ja..

  6. @wacaffe
    Denke es ist die Aussicht auf abgeschnittene Köpfe und Beute. Die Türken werden kaum einem bewaffneten Kämpfer der Kurden den Rückzug über die Grenze erlauben.
    Einen Sieg vor den Fernsehkameras kann man ausserdem propagandistisch genüßlich zelebrieren. Das dürfte dem ISIS genauso wichtig sein wie für den Kurden.
    Vielleicht ist die ISIS aber auch der Türkei im Wort? Da tun sich ja seltsame Sachen auf der türkischen Seite der Grenze, zB. der dubiose Unfalltod der Journalistin Serena Shim.
    Im unteren Link auch beachtenswert die erwähnten Auftritte der „NGOs“.
    http://www.dailymail.co.uk/news/article-2799924/mystery-american-journalist-killed-car-crash-turkey-just-days-claimed-intelligence-services-threatened-coverage-siege-kobane.html

  7. @wacaffe könnte das nicht genau die amerikanische strategie sein? schwäche vorspielen, feind immer bis gerade an den punkt kommen lassen, an den er wollte, dann rums, feind verstärkt und verstärkt, rums etc. bis feind erschöpft ist? und kobane könnte ja überall sein. zeitansatz: 5 jahre

  8. David Ignatius: Iraq and the U.S. are losing ground to the Islamic State
    http://www.washingtonpost.com/opinions/2014/10/23/201a56e0-5adf-11e4-bd61-346aee66ba29_story.html
    Das ist die Zusammenfassung eines Gesprächs mit einem Stammesführer, mit dem die USA Kontakte pflegen. Er beschreibt die Ereignisse, die zur Kapitulation („Waffenstillstand“) seiner Heimatstadt gegenüber ISIS geführt haben. Die vergeblichen Hilferufe an das amerikanische und irakische Militär und die Lage der Sunniten.

    Wir halten ja ISIS für besonders brutal. Er sagt, die irakische Regierung sei brutaler:

    “The Sunni community has two options,” Jibouri continues. “Fight against ISIS and allow Iran and its militias to rule us, or do the opposite. We chose ISIS for only one reason. ISIS only kills you. The Iraqi government kills you and rapes your women.” That sectarian rage and hunger for vengeance appear to animate Sunnis across Iraq.

    Jibouri explains that the Islamic State was able to mobilize so quickly because it had planted “sleeper cells” in the Sunni regions. These hidden agents are mostly younger than 25; they grew up in the years of the insurgency and U.S. occupation, watching as their fathers were killed or taken off to prison. […]

    In unserem westlichen Narrativ ist ISIS eine „Terrormiliz“ — im Erleben dieses Mannes, wohlgemerkt eines Gegners von ISIS, der gerne Unterstützung der USA hätte, ist es die irakische Regierung, die Menschen terrorisiert. ISIS bringt einem nur um.

    Für diese Komplexität der Situation fehlt uns im Westen oft der Blick.
    Aber wie will man erfolgreich ISIS bekämpfen, ohne zu verstehen, was ISIS den Boden bereitet und warum sich Menschen mit ISIS arrangieren.

    Es gibt nicht ein Narrativ, es gibt viele. Wenn wir etwas ausrichten wollen, müssen wir möglichst viele verstehen.

  9. @svarez
    Eine Art Blutpumpenstrategie eines gewissen von Falkenhayn? Fuer den sieggewohnten ISIS? Glaube dass die durchgehende Landgrenze zu TR wichtiger ist. Das ist der Nachschubweg aus Europa.

  10. habe mich grade mal in der von „ht_“ angegebenen Youtube-Ecke umgesehen. Sicher etwas für Freunde des gepflegten Panzerkampfes in Ortschaften.

    Etwas ungläubig hinterläßt mich eine Szene in folgendem Video (keine Ahnung, ob Youtube-Links hier ok sind, vorsichtshalber nur der Suchstring für Youtube: „Syria FSA throws grenade down T 72’s barrel cooking off the tank“)

    So bei 01:10 spaziert ein Rebell auf den Panzer zu, schmeißt etwas in die Rohrmündung, woraufhin wohl die Bereitschafts-Mun hochgeht und der Panzer abraucht. Als Nicht-Panzerexperte kommt mir das alles extrem seltsam vor:

    – wieso kann der Typ so geruhsam vor dem Panzer herumlaufen? Hat der T72 (wenn es denn wirklich einer war) ein so beschränktes Sichtfeld und kein Blenden-MG??
    – wieso geht der ganze Panzer hoch, wenn (was auch immer) in das Rohr geworfen wird? War da zufällig grade der Verschluß noch offen, obwohl der letzte Schuß ein ganze Weile her ist?
    – ist es wirklich so ein Spaziergang, einen T72 zu knacken, oder alles nur Fake / Propaganda??

    Wenn zu OT, gerne in’s Bällebad verschieben – aber die Einschätzung von den Panzerfahrern hier würde mich doch mal interessieren.

    (Und überhaupt würde mich mal interessieren, ob dieses Material eigentlich systematisch bei uns ausgewertet wird. Neuzeitliche Filmdokus zu Panzerkämfpen in Ortschaften müßten doch eigentlich auch in der Panzertruppe interessierte Betrachter finden, um sich mal auf den neuesten Stand zu bringen, oder?)

  11. Mal etwas ganz unmilitärisches:
    Der Islamische Staat existiert als Idee schon seit dem Jahr 2000! Ein Artikel im Spiegel aus 2005 zeigte diese Idee noch als irreal und Größenwahnsinnig auf, Der Plan verläuft dem Autor gemäß in 7 Phasen. Derzeit befinden wir uns in Phase 5.

    Spiegel vom 12.08.2005
    „Terrorismus: Al-Qaidas Agenda 2020“
    Von Yassin Musharbash

    Die erste Phase, „das Aufwachen“ genannt, ist demnach bereits abgeschlossen; sie dauere von 2000 bis 2003
    Die zweite Phase, „das Augenöffnen“, sollte nach Husseins Einordnung bis 2006 beendet sein
    Die dritte Phase wird mit „Das Aufstehen und Auf-zwei-Beine-Stellen“ umschrieben. Sie soll den Zeitraum von 2007 bis 2010 umfassen. „Es werde eine Konzentration auf Syrien geben“,
    In der vierten Phase, zwischen 2010 und 2013, wird es al-Qaida, Hussein zufolge, darum gehen, den Sturz der verhassten arabischen Regierungen zu erreichen.
    Fünfte Phase: zwischen 2013 und 2016, sollte es gelingen, einen islamischen Staat auszurufen – und zwar ein Kalifat. Der Einfluss des Westens in der islamischen Welt werde dann bereits massiv zurückgegangen sein, sagen die Qaida-Ideologen voraus,
    Die sechste Phase, beginnend 2016, sieht die „totale Konfrontation“ vor, schließt Hussein aus dem, was ihm zugetragen wurde. Unmittelbar nach Ausrufung des Kalifats werde die „islamische Armee“ die von Osama Bin Laden oft vorhergesagte „Schlacht zwischen Glauben und Unglauben“ anzetteln.
    Schließlich soll die siebte Phase folgen, die mit „endgültiger Sieg“ beschrieben wird. Die Qaida-Strategen gehen, so Hussein, davon aus, dass das Kalifat Bestand haben wird – weil die restliche Welt angesichts der Kampfbereitschaft von „anderthalb Milliarden Muslimen“ klein beigeben werde. Im Jahr 2020 soll auch diese Phase abgeschlossen sein, wobei der Krieg nicht länger als zwei Jahre dauern soll. …“

  12. @ Rado:

    Wieso ist der Beitrag „unmilitärisch“ ?

    Ich kann mir durchaus vorstellen, daß diese Punkte wie beschrieben eintreten.
    Bereits jetzt ist das Ganze militärisch.

    Spätestens seit Herr Putin sein wahres Gesicht zeigt, hat auch der letzte Tagträumer begriffen, daß wir eben NICHT „von Freunden umzingelt“ sind und sehr wohl eine gut ausgerüstete und gut ausgebildete Armee brauchen.

    Nur daß das allein eben nicht ausreicht:
    Viele „Angriffe“ kommen ( z.Zt. ) nicht mehr mit Panzerdivisonen, sondern auf anderem Wege: ob nun wirtschaftlich ( Gas etc. ) oder in Form von Attacken von Innen ( Ottawa oder heute New York ).
    Und wieviele der hier lebenden Muslims nun friedliebend und integriert und wieviele potentielle Attentäter und ( schlafende ) Terroristen sind, vermag doch niemand zu sagen.

    Es wird nicht nur die Bundeswehr „kaputtgespart“, sondern auch die Polizei.
    ( Innere ) Sicherheit ist schließlich“spießig“ …

    Solange unter Beobachtung stehenden Hasspredigern in den Moscheen, die hier wie Pilze aus dem Boden schießen, nicht das Handwerk gelegt und sie ausgewisen werden, geben wir diesem Bestreben auch noch reichlich Nährboden und lassen zu, daß Jugendliche weiterhin angeworben werden und für einen vermeintlichen Gottestaat als Kanonenfutter Verwendung finden bzw. als mögliche Terroristen wieder hierher zurückkommen.

    Eine Gefahr besteht nicht nur von außen, sondern auch von innen.

    Aber da immer noch viele Politiker dem Multikuli-Gedanken anhängen, wird sich das Bewußtsein der Bevölkerung erst dann ändern, wenn es zu spät sein könnte …

  13. Belgien hat den Einsatz der 6 F-16 im Irak bis zum Jahresende verlängert (www.dailystar.com.lb/News/Middle-East/2014/Oct-23/275101-belgium-extends-iraq-air-mission.ashx#axzz3H4FzUTU4).

    Früher oder später wird sich hier die Frage stellen, wer in der zweiten Welle bereit ist entsprechende Fähigkeiten bereitzustellen. Der Bedarf wird absehbar auch im Jahr 2015 gegeben sein.

    Aber wir wurden ja nicht gefragt und überhaupt der Zustand der Bundeswehr (Argumentationslinie von Göring-Eckhart heute im Zeit Online-Interview).

    Aber wenn wir schon verfassungsrechtliche Probleme bei der Bewachung von Ausbildern vorschieben müssen, um auch ja nichts Böses oder Gefährliches im Kampf (!) gegen IS beitragen zu müssen, dann ist ja eigentlich alles gesagt.

    Politisch kriegsunwillig und militäisch kriegsuntauglich – egal was „draussen“ passiert. Sicherheitspolitische Trittbrettfahrerei – aber ständig in den UN-Sicherheitsrat wollen.

  14. BlueLagoon
    Multikulti ging, bis zuviel Multi ohne kulti kam.
    Bei schlafenden Terroristen wird die Bevölkerung sicherlich aufwachen, wenn sie aktiv geworden sind, vorher glaubt es keiner.
    Auch ein Resultat der Multipolitik.

  15. @Rado: so ähnlich, wobei der Blutzoll der Allianz zu 99% von den am Boden kämpfenden Kurden zu tragen sein würde. Das wäre ja der besondere Charme der Sache. Langsames maximales Ausbluten vom sog. ISIS (maximal im Verhältnis zu eigenem Einsatz aus der Luft) bei beinahe Null Risiko am Boden. Und so besonders helle scheinen die ISIS-Kommandeure ja nicht zu sein, den zumindest im Fall Kobane sind sie in diese Falle getappt in meinen Augen.

  16. By the way; hat irgendwer den Jemen auf dem Schirm?
    Mit dem Titel „Im Jemen droht der nächste Bürgerkrieg“ wird bei welt.de berichtet.

  17. Hm …

    Scheint niemanden so wirklich zu interessieren …

    Vielleicht sind 41-Stunden-Wochen und WLAN auf den Stuben doch interessanter …

  18. „Eine Gefahr besteht nicht nur von außen, sondern auch von innen.“

    Die grössere Gefahr ist das wir keine Konzepte haben, die das Problem an der Wurzel packen. Da sind Ausweisungen oder dieser neue lustige „Ich bin gar kein Personalausweis“ von TdM mit dem man Dschihadisten von der Ausreise abhalten will, völlig nutzlos.

    „Aber da immer noch viele Politiker dem Multikuli-Gedanken anhängen, wird sich das Bewußtsein der Bevölkerung erst dann ändern, wenn es zu spät sein könnte …“

    Die Multikulti Ansatz ist doch schon lange grandios gescheitert, weil es eben keiner war, sondern der Versuch andere Kulturen zu assimilieren, und auf unsere „Spur“ zu bringen, ebenso wie das „Nation Building“ in der arabisch-muslimischen Welt.

    In dem Beitrag von Rado ist genau beschrieben was uns bevor steht. In der EU leben inzwischen 25-30 Mio Muslime, auf dem Balkan wird gerade ein grösseres Konfliktpotential eingemeindet. Es muss einen Schulterschluss mit den Muslimen geben, die in ihrer grossen Mehrheit ja ebenfalls negativ betroffen wären, sollten die Radikalen an Boden gewinnen.

  19. Bild.de berichtet dass die kurden das erste mal die Milan eingesetzt haben.
    es sind auch bilder dabei wie sie die Milan auf ein haus abfeuern!

  20. Ich frage mich, mit was für Waffen wird denn dort gekämpft? Gibt es Muslimische Waffenfabriken?

    Soweit ich weiss, sind diese Waffen alle aus dem Westen oder Osten und dienen folglich auch dem Gewinn von Menschen unter uns. Warum verkaufen diese Menschen Waffen an Terroristen? Warum unterstützt die Politik so was?

    Über 50% des weltweiten Waffenhandel tätigen die USA – kann es sein, dass das eine Ursache für die Kriege ist?
    Oder um es mit den Worten eines grünen MP zu sagen, „irgendwo muss das Zeugs ja hin“ und sinnvollerweise dorthin, wo es auch eingesetzt wird.

    Am besten wäre – dorthin keine Waffen mehr zu exportieren.

    Ich frage mich ausserdem, warum gibt niemand linken Gruppen Waffen?
    Warum werden nicht die Gruppen unterstützt, die Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit wollen?
    Solche Gruppen gibt es. Aber es schient, der Westen hat kein Interesse daran, dass es solche Regime gibt.

    und noch ein Wort: LSD ist kein „Psychokampfstoff“, er läßt sich bei Verhören nutzen, aber niemand gerät dadurch in einen Blutrausch o.ä. wie hier suggeriert wird. LSD ist eine friedliche Droge, die im gegensatz zu manchen Rauschmitteln, wie Alkohol, durchaus positive Qualitäten hat. aber das ist ein andere Thema

  21. @Y-stratege: Ja, wenn man feststellt, daß Butter tierisches Eiweiß enthält, ist jede Kuh ein Kannibale.

    Anders formuliert: Bloß, weil man Parolen nachplappert, wird keine Logik draus. In Syrien wird vor allem mit russischen und chinesischen Waffen gekämpft. Und warum weder Peking noch Moskau demokratische Bewegungen sondern deren militärische Ausrottung unterstützen, müssen sie schon in Moskau und Peking anfragen.

    Klar, wenn man den Massenmord an Yesiten und Kurden effektiv unterstützen möchrte, so wie Sie offensichtlich, dann darf man denen keine Chance zur Selbstverteidigung geben. Dann muß man eben zugucken, wie sie abgeschlachtet werden und zur Vernebelung der eigenen Schuld antiamerikanische Parolen schwingen. Aber bitte, dann nicht mit diesem Anschein eines moralischen Anspruchs. Massenmord ist Massenmord. Beihilfe zum Völkermord ist niemals Pazifismus sondern immer Beihilfe zum Völkermord.

  22. PS.: Die „linken Gruppen“ nennt man in der Region Baath. Sie stellen das Regime und die Führungsriege von ISIS.

  23. Herr Wiegold, Sie werden in den nächsten Monaten verblüfft feststellen, daß in den Augen der deutschen Linken die YPG plötzlich aufgehört hat, eine linke Gruppierung zum Schutz der Kurden zu sein. Und zwar in dem Moment, als die NATO mit Bombenangriffen und Waffenlieferungen das Massaker in Kobane verhindert hat. Seitdem ist die YPG rechtsradikal, ja geradezu nationalsozialistisch, ohne es mitgekriegt zu haben.
    Das dauert noch eine Weile, bis sich dieser erlösende Gedanke in der deutschen Szene verbreitet hat. Aber es kommt. ;)

  24. @Fussgaenger: Im Iran wird ja auch eine ganze Menge in Lizenz gebaut. Darunter auch ältere westliche Modelle.

    Aber schaut man sich das Bildmaterial von den Schlachtfeldern an, sieht man immer noch eine deutliche Dominanz von Waffen, die aus dem Warschauer Pakt und dessen Nachfolgestaaten stammen. Bei Al Nusra kommt viel Material aus dem ehemaligen Jugoslawien und über Kontakte mit Saudi Arabien und Qatar.
    In Bosnien sind wiederum vor allem Iran und Hisbollah aktiv. In Serbien und rund um Rußland herum ist es der Kreml.
    Fernost wird von Peking dominiert. Im ganzen Bereich der Turkvölker streiten sich Erdogans Türkei und Putins russisches Großreich um die Vormacht.

    Wer also wissen möchte, wo die ganzen RPGs, Kalaschnikows und T-xx herkommen, der muß bei denen nachfragen, die über die jeweilige Waffenquelle verfügen.
    H&K liefert jedenfalls weder jugoslawische rückstoßfreie Geschütze noch alten tschechischen C4 oder sowjetische AK-47.

  25. @Y-strategie

    Über 50% des weltweiten Waffenhandel tätigen die USA – kann es sein, dass das eine Ursache für die Kriege ist?

    Nein, und wenn sie mehr als nur die Schlagzeilen zu Rüstungsgeschäften lesen, kommen sie auch selbst auf diese Antwort. Die USA, wie auch die meisten europäischen Staaten verkaufen komplexe und teure high-tech Waffensysteme, weshalb sie in den Auflistungen zum Umsatz von Waffengeschäften weit oben in der Liste rangieren. Das ist aber nicht die Bewaffnung, mit der ein Großteil der kleinen Konflikte auf diesem Planeten geführt werden. Handwaffen kommen doch zumeist aus Staaten Asiens oder Osteuropas oder werden vor Ort, z.B. Syrien oder Ägypten hergestellt (Ja, es gibt Waffenfabriken dort, aber ich glaube nicht, dass sie deshalb „muslimische AK-47“ produzieren. Waffen sind in der Regel konfessionslos.). Da zerspringt die schöne anti-amerikanische Kriegstreibertheorie an der Realität.
    Und dementsprechend kommt da auch jeder, der möchte relativ billig an Waffen ran – auch linke Gruppierungen. Nur hat der Sozialismus seit dem Scheitern des Ostblocks sehr an Zulauf verloren und religiöser Extremismus ist gerade ziemlich en vogue, weshalb man von im deutschen Verständnis linken Gruppen nicht so viel hört.

    @califax
    Mit derart absoluten Aussagen zur Ba’ath Partei wäre ich zurückhaltender. Zum einen gab es in der Region relativ viele verschiedene Gruppierungen, die dann national in den Ba’ath Parteien zusammengingen, zum zweiten waren diese Parteien dann meist gleichzeitig so nationalistisch, dass irakische und syriscvhe Ba’ath Partei klar gegeneinander standen und zum dritten waren die originären Ba’ath Parteien immer so sozialistisch geprägt, dass sie den Einfluss der Religion auf die Politik unterdrückten. Die Parteifunktionäre wollten sich nicht von den Mullahs reinreden lassen. So etwas wie IS hätte der Ba’ath Ideologie, sagen wir der 1960er und 1970er klar entgegen gestanden. Parteien ändern sich und verändern auch ihr Profil und ihre Namen. Bei der momentan unklaren politischen Gemengelage würde ich einfach nicht pauschal mal Ba’ath mit zu IS subsummieren. Es ist doch komplizierter.

  26. @Califax: Der Linkspartei ist der Märtyrertod der YPG lieber als Waffen zu liefern oder gar BW einzusetzen, insoweit werden die linken Kurdenfreunde verraten, aber als rechtsradikal werden sie diese nicht ansehen, weil die YPD doch ihren offiziellen Linkssozialistischen Traumstaat verkörpert!

    @Y-Stratege: Es mag OT sein, aber mich stört es, wenn LSD zur friedlichen Droge erklärt wird. Ich weiß, daß es Therapeuten gibt, die aus so was behaupten und LSD als angebliche Medizin einsetzen , aber vor einiger Zeit ist dies in einem Falle schief gegangen und ein Patient nicht mehr aus dem LSD-Rausch zurück gekommen. Und da es häufiger vorkommt, und ich auch schon solche Leute gekannt habe, die sich von einem LSD-Rausch nie wieder erholt haben, sondern in der Psychiatrie gelandet sind, halte ich ihre Ausführungen für eine gefährliche Verniedlichung der Droge LSD.

  27. @califax:

    Pauschales subsummieren funktioniert nicht. Richtig. Aber wer als Baathist aufgewachsen ist und Kaderkarriere gemacht hat, wird eben auch davon geprägt. Und die Eigenschaft von Baath als sozialistische Einheitspartei der Region zu fungieren, haben Sie ja bereits selbst angesprochen. ISIS ist eine hoch interessante Sammlungsorganisation wie aus dem Lehrbuch des Stalinismus. Man hat einen hochqualifizierten und bestens vernetzten Kader mit großen militärischen und geheimdienstlichen Fähigkeiten sowie eine einfache Bauernfängerlegende, die massenhaft das Kanonenfutter anzieht.
    Ähnlich, wenn auch etwas friedlicher, funktionierte die Übernahme der orthodoxen Kirche und der wichtigsten muslimischen Gemeinschaften in der SU während der Stalinschen Konsolidierungsphase. Man liquidierte die alten Religionsführer, setzte eigene geheimdienstlich und politisch qualifizierte Kader ein und baute um diese herum eine religiöse Fassade auf.

    Also, natürlich kann man da nicht mit Gleichheitszeichen rechnen. Aber die Denkmuster, die Strategien und die Prägung der Personen existieren und sollten beachtet werden.

  28. lsd ist übrigens super :)

    und die therapeuten verlieren auch so manchmal patienten

    nicht völlig OT. wo sicherheit verhandelt wird, sollte man auch ab und zu dran denken, das die welt nicht besser wird, wenn man jeden schritt durch eine ampel regelt. was auf lange sicht zählt, ist die geistige auseinandersetzung.

  29. http://www.tagesschau.de/inland/islamisten-127.html

    Grundgedanke dabei sei der „Schutz unserer Bevölkerung“ gewesen, sagte der Leiter der Abteilung polizeilicher Staatsschutz und Terrorismusbekämpfung des LKA, Ludwig Schierghofer, dem Magazin. Die Überlegung sei gewesen, „Personen, bei denen die Gefahr besteht, dass sie Anschläge begehen werden, außer Landes zu bringen“, so der Beamte. „Wenn sich jemand radikalisiert hatte und ausreisen wollte, dann hat man versucht, ihn auch ausreisen zu lassen oder auch durch ausländerrechtliche Maßnahmen die Ausreise auch noch zu beschleunigen.“

    Schierghofer bezieht sich dabei auf ein vertrauliches Papier des Bundesinnenministeriums vom Mai 2009, das die „Verfahren und Maßnahmen bei der Aus- und Einreise von gewaltbereiten Islamisten“ regelt. Das Papier habe sowohl die Möglichkeit eröffnet, die Ausreise dieses Personenkreises aus Deutschland zu verhindern als auch zuzulassen.

    Zahlen wir den Verbündeten jetzt freiwillig die Müllentsorgung per JDAM oder warten wir drauf, daß uns ein paar verärgerte Rechnungen präsentiert werden? >:(

  30. @Califax:

    Aber haben die Russen damit nicht recht? Sind die ISIS-Kader denn nicht von westlichen Beratern u.a. in Jordanien ausgebildet worden? Ist die Rebellion in Tschetschenien nicht von Saudi-Arabien u.a. (mit Zustimmung der USA) angeheizt worden? Wurden die Mudschaheddin Afghanistans nicht von amerikanischen Militärberatern ausgebildet und mit amerikanischen Waffen unterstützt. Sitzen CIA und Academi nicht in Kiew?

    Nach der Pleite in der Ukraine ist es doch nur eine Frage der Zeit, bis US-„NGOs“ (schon das Wort ist Euphemismus) die islamisch sozialisierte Bevölkerung in den ganzen „-stan“-Staaten gegen Rußland aufstacheln. Ob es dabei um Ölpipelines, Vorkommen fossiler Energieträger am Kaspischen Meer oder schlicht um den „Kampf gegen die Roten“ geht, ist da auch schon egal.

    Da nützen dann auch die Gutachten der CIA selbst nix, daß die Unterstützung lokaler Unzufriedener nix außer Ärger einbringt.

    (Artikel in der FAZ, vom 15.10.14: „CIA: Waffenlieferungen an Rebellen selten erfolgreich „)

  31. @Foxy: Bei diesem Unfug, den Sie da ausplätschern, wäre nicht einmal das Gegenteil richtig. Wo soll man da anfangen?
    Bitte lesen Sie sich selbständig ins Thema ein, und zwar ausnahmsweise nicht bei Aluhüten und Russia Today. Es gibt durchaus seriöse Literatur dazu, welche Gruppen existieren, wer die Baath-Partei ist, und so weiter.
    Nein, es ist nicht die ganze Welt Afghanistan, und nein, auch die Ukraine ist weder eine CIA-Verschwörung noch ISIS-Aufmarschgebiet.

  32. @Califax:

    „Bei diesem Unfug, den Sie da ausplätschern, wäre nicht einmal das Gegenteil richtig. Wo soll man da anfangen?“

    Versuchen Sie es doch mal! Ich lasse mich mit entsprechenden Argumenten auch gern vom Gegenteil überzeugen. ;)

    Ich habe mich durchaus in die Materie eingelesen, bin allerdings auf Basis dieser Recherche bisher zu anderen Schlüssen als sie gekommen. Also – nur zu!

    Übrigens: DIE Ba’ath-Partei gibt es nicht. Und mit Sozialismus haben diese Parteien mittlerweile ungefähr genauso viel gemein wie die SPD mit der Sozialdemokratie…

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