NATO-Aufrüstung im Osten: Multinationales Korps in Stettin wird verstärkt

MNCNEA

Das einzige Hauptquartier der NATO auf dem Gebiet des ehemaligen Warschauer Paktes, das Multinationale Korps Nordost im polnischen Stettin, soll – wie vor dem Hintergrund der Ukraine-Krise erwartet – verstärkt und ausgebaut werden. Die Verteidigungsminister Deutschlands, Polens und Dänemarks verständigten sich am (heutigen) Donnerstag am Rande des NATO-Gipfels in Wales auf eine Aufwertung dieses Stabes. Vor allem soll der Bereitschaftsstand des bisherigen low readiness Headquarters erhöht werden.

Die Aufrüstung des Korps in Stettin war in den vergangenen Wochen schon angekündigt werden; auch der scheidende NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen hatte erklärt,  Stettin werde Kern der verstärkten Präsenz des Bündnisses in Osteuropa als Folge der Ukraine-Krise und des gewandelten Verhältnisses zu Russland.

Die vom deutschen Ministerium veröffentlichte gemeinsame Mitteilung der drei Verteidigungsminister dazu:

Gemeinsame Erklärung der deutschen, dänischen und polnischen Verteidigungsminister
zur Weiterentwicklung des Multinationalen Korps Nordost in Stettin

Trilaterale Erklärung zum HQ Multinationales Korps Nordost auf dem NATO-Gipfel vom 4. bis 5. September 2014

Im Mai dieses Jahres, nach Beginn der Ukraine-Krise, beschloss die NATO eine Reihe von Rückversicherungsmaßnahmen zur Unterstreichung der Solidarität, der Glaubwürdigkeit und des Bekenntnisses der NATO zur gemeinsamen Verteidigung. Im Rahmen dieser Rückversicherungsmaßnahmen und des gemeinsamen NATO-Verteidigungsplanungsprozesses forderte der Nordatlantikrat die Einleitung von Schritten zur Erhöhung der Bereitschaft des Hauptquartiers (HQ) Multinationales Korps Nordost.

Beim Treffen der NATO-Verteidigungsminister im Juni informierten die Verteidigungsminister Deutschlands, Polens und Dänemarks ihre Amtskollegen über die bevorstehende Durchführung einer Analyse, um die Bereitschaft des HQ Multinationales Korps Nordost zu erhöhen, die zur Verbesserung der Fähigkeit des HQ Multinationales Korps Nordost zur Bewältigung künftiger Bedrohungen und Herausforderungen – einschließlich Maßnahmen nach Artikel 5 des Nordatlantikvertrags – erforderlichen Schritte festzulegen, die Konsultationen innerhalb der Framework Nations des MNK NO zu intensivieren sowie sich um den Dialog und mögliche weitere Beiträge anderer NATO-Verbündeter zur Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit und regionaler Fähigkeiten sowie der Sichtbarkeit und Einsetzbarkeit des MNK NO zu bemühen.

Auf Grundlage dieser Analyse und dem militärischen Rat seitens der NATO haben wir als Framework Nations beschlossen, den Bereitschaftsgrad des Hauptquartiers Multinationales Korps Nordost von dem eines Hauptquartiers von Kräften mit geringer Einsatzbereitschaft (Forces of Lower Readiness Headquarters) zu dem eines Hauptquartiers von Kräften mit hoher Einsatzbereitschaft (High Readiness Force Headquarters) zu erhöhen. Wir setzen damit die Bereitschaftskategorie auf RC 5 (30 Tage) oder 8 (90 Tage) herauf, um Führungsaufgaben im gesamten Auftragsspektrum des Bündnisses mit Schwerpunkt auf Artikel-5-Einsätzen und schnell verlegbaren Kräften wahrzunehmen und gleichzeitig die Umsetzung von Maßnahmen der NATO zur Rückversicherung des nordöstlichen Bereichs des Bündnisses zu unterstützen.

Um unser Bekenntnis zur Solidarität des Bündnisses zu bekräftigen, planen wir auch eine Verbesserung der multinationalen Zusammenarbeit durch eine stärkere Einbindung von Bündnispartnern in das HQ Multinationales Korps Nordost und wir begrüßen die derzeit geleisteten Beiträge von Bündnispartnern sowie weitere Beiträge dieser und anderer Bündnispartner. Dadurch wird auch die Rolle des Hauptquartiers im Hinblick auf regionale Zusammenarbeit und Bündnisfähigkeiten gestärkt. Auf Wunsch werden wir uns ebenfalls um die Beteiligung assoziierter Partnernationen bemühen.

Die Entscheidung zur Erhöhung des Bereitschaftsgrads und zur Übernahme einer gemeinsamen und regionalen Rolle im Rahmen des Bereitschaftsaktionsplans (Readiness Action Plan) der NATO sowie die Rückversicherungsmaßnahmen werden im Rahmen des NATO-Verteidigungsplanungsprozesses und des Framework Nations Concept umgesetzt.

Durch die Erhöhung des Bereitschaftsgrads des Hauptquartiers wird die Fähigkeit zur Reaktion auf zukünftige Bedrohungen und Herausforderungen verbessert, um Führungsaufgaben im gesamten Auftragsspektrum des Bündnisses mit Schwerpunkt auf Artikel-5-Einsätzen und schnell verlegbaren Kräften wahrzunehmen.

Die erste sichtbare Maßnahme wird die Aufstockung des Personals des HQ Multinationales Korps Nordost Mitte 2015 sein. Die volle Einsatzfähigkeit (Full Operational Capability (FOC)) als High Readiness Forces Corps Headquarters wird 2016 erreicht, die als High Readiness Forces Joint Headquarters Smaller Joint Operations Land Ende 2018.

Die Stärkung des MNK NO dient der Verbesserung der NATO-Streitkräftestruktur und der Fähigkeit des Bündnisses, gemeinsam mit der NATO-Kommandostruktur das gesamte Spektrum von NATO-Einsätzen im neuen strategischen Umfeld abzudecken.

Unsere Generalstabschefs werden so bald wie möglich mit der Umsetzung unseres Beschlusses beauftragt.

79 Gedanken zu „NATO-Aufrüstung im Osten: Multinationales Korps in Stettin wird verstärkt

  1. @Enpi

    Ich sehe schon, Ironie ist nicht gerade Ihre Stärke.

    Dafür sind Sie mit pöbelnden Begriffen wie Wehrparasitentum schnell dabei. Wer gerne austeilt, aber nicht einstecken kann und gerne über die Drückebergernation herzieht, hat die Art der Debatte hier nicht wirklich kapiert, oder?

  2. Mich würde interessieren, wieso er von „Ihrer Nation“ spricht, T.W. – ich tippe auf Österreicher, passt in den derzeitigen historischen Kontext des Septembers ;-)

  3. @axel_f

    … zur Hubschrauber-Malaise nun auch noch eine SHORAD-Malaise?

    Lange hat’s gedauert aber mit Roland und Gepard hatte die Bundeswehr da Sachen auf dem Hof stehen, die z.B. die Amis nur mitleidig angucken konnten.

    Putin & Co. scheinen mir da nicht soooo kräftig abgerüstet zu haben.

  4. TW: In einem haben Sie recht. Ironie sollte zwecks der Wiedererkennung im Netz speziell getagged werden, Ihr Post war nämlich nicht als ironisch ersichtlich.

    Im Gegensatz zu Ihnen werde ich nicht persönlich, sondern ziele mit meine „Pöbeleien“ (die nur dann welche wären wenn sie ungerechtfertig wären) auf Ziele die sie verdienen. Oder bestreiten sie wirklich meine Anschuldigungen (Wehrparasitentum und Drückebergerei) Ihrer Nation gegenüber? Wenn ja, vielleicht teilen Sie uns dann Ihre Ansicht mit, warum dies nicht der Fall sei?

    Natürlich ist es hart, wenn man auch mal die ungeschönte Wahrheit von anderen hört. Bin mir aber ziemlich sicher, daß die meisten NATO Nationen von Deutschland ähnliches denken, es aber aus diplomatischen Gründen nicht aussprechen.

  5. Na ja, vielleicht hätte man diesen Faden nicht mit „Multinationales Korps in Stettin wird verstärkt“ überschreiben sollen, was ja faktisch so nicht stimmt, denn in Stettin „steht“ kein Korps, sondern da ist ein multinationales HQ, das eine Führungsfähigkeit für ein NATO-„Korps-Equivalent“ besitzt und diese FüFä rasch jetzt ausbaut.
    Ich will jetzt nicht wieder eine lecture über NATO Force Planning und Balancing hier reintippen, das braucht schon a bisserl Zeit bis all diese Gipfel-Beschlüsse ausgeplant sind, von Umsetzung ganz zu schweigen. Und da ist diese Maßnahme der HQ-Verstärkung natürlich am schnellsten und einfachsten umzusetzen, deswegen ja auch das Brimborium der Verkündung dieser ach so abschreckenden Maßnahme.

  6. @Enpi

    Sie kapieren nicht, dass Ihr Ton fehl am Platz ist. Vielleicht ist das in Ihrem Land, welches das auch immer ist, anders – hier ist es Pöbelei. Sie sind raus.

  7. @Enpi

    Also, nun lassen Sie mal die Kirche im Dorf. Die NATO hat sich diese strukturelle Dilemma selber geschaffen mit ihren Strategischen Konzepten von Washington 1999 bis Chicago 2012 und Deutschland hat immer ganz brav diese Gipfelbeschlüsse umgesetzt.
    Hier haben sich ganz andere Nationen viel früher als Deutschland aus der Artikel 5 Verantwortung geschlichen.

  8. @Enpi: Ich habe den Kommentar zur Heeresgruppe von Herrn Wiegold nicht als schimm oder Zensur verstanden, obwohl ich den Begriff Heeresgruppe in diesem Blog ab und zu verwende und damit sicher auch gemeint war.

    Und ich denke wir können hier hart in der Sache streiten, aber trotzdem versuchen nett oder höflicher zueinander zu sein, auch wenn einem manchmal bei den Meinungen anderer die Hutschnur hochgeht.

    Ich habe den Eindruck, daß es hier drei Gruppen gibt, wenn ich eine vergessen habe, dann bitte korrigieren:

    1. Diejenigen, die ersteinmal genau analysieren wollen, welche Aufgaben die BW hat, welche Fähigkeiten sie dafür braucht, und erst dann entscheiden wollen, welche Truppenstärke wir brauchen.

    2. Dann gibt es diejenigen, die vor allem wollen , daß die bestehende BW anständig und ordentich ausgerüstet wird und dies für wichtiger halten, als zusätzliche Soldaten.

    3. Und dann gibt es die(bösen) Heeresgruppen oder Divisionsfreunde, die vor allem mehr Divisionen wollen und sagen, daß die BW ihre bestehenden Aufgaben mit nur zwei Divisionen nicht erfüllen kann.

    Einig sind sich denke ich hier aber alle, daß die Organisation der BW verbesserungsbedürftig ist, daß die Innere Führung nicht so funktioniert, wie sie sollte(womit ich meine, das es wohl karriereförderlich ist, immer nur die Übererfüllung des 5jahres Planes ;-) nach oben zu melden und die Meldung von Problemen und Mängeln nicht erwünscht ist) und die vorhandenen Mittel nicht der BW nicht optimal eingesetzt werden für neue Waffensysteme oder auch nur den Erhalt bestehender Systeme) und es versteht wohl auch niemand, daß die BW ihre Mittel nicht ausschöpft(und Gelder ans Finanzministerium zurückfallen), aber hier geschrieben wird, das viele schon lange keine Handgrante mehr gesehen haben oder keine Milan mehr geschossen haben.

    @T.Wiegold: Welcher der drei Gruppen gehören Sie denn an, wobei ich mal annehme, daß Sie kein Verfechter der Gruppe drei sind?

  9. Die Punkte 1, 2, 3 schließen sich ja nicht aus. Und vor einer Entscheidung steht immer eine BdL und der LVE!

  10. „Die Punkte 1, 2, 3 schließen sich ja nicht aus.“

    Vom Ergebnis her nicht, vom intellektuellen „Input“ sehr wohl.

  11. Focus Online meldet, daß Deutschland 60 zusätzliche Soldanten zum Multinationalen Korps nach Stettin entsenden wird, um dieses zu verstärken.

  12. Eine Tasse schönen warmen Tee mit Honig zu TW rüberschieb.

    @ Closius

    Die 60 Mann wurden schon erwähnt, u.a. von Memoria. Darum geht es in diesem Beitrag. Die Erhöhung der Einsatzbereitschaft des HQ von gering auf hoch. Bitte erst lesen und dann überlegen ob das so sinnvoll ist.

    Zu ihren Punkten fehlt noch einer: Wenn man sich entschieden hat, das man so und so viele Truppen braucht und sie dann auch ausrüstet: Wie sollen sie gegliedert sein? Ich bezweifle ernsthaft, das man mit den heutigen Führungsmitteln noch Heeresgruppen oder andere Zwischenteilige Organisationsstrukturen braucht. Entscheidend sind aus meiner Sicht handlungsfähige Kampfverbände auf Brigadeebene und dann davon viele. Unsere Brigaden sind aber nur eingeschränkt handlungsfähig. Ihnen fehlen schlicht viele Komponenten und Material. Damit macht es wenig Sinn, weitere Brigaden, Divisionen etc. aufzustellen. Sondern die vorhandenen müssen erstmal ausreichend aufgepeppelt werden.

  13. @Roman | 05. September 2014 – 23:18

    Ich stimme Ihnen zu, dass eine Antwort auf die neue Bedrohungslage in Osteuropa nicht in der Aufstellung von Grossverbänden auf Divisionsebene liegt, sondern auf der Ebene von schnell verlegbaren Brigaden oder Brigadeäquivalenten.

    Die Diskussion sollte sich aber nicht auf die nationale Ebene beschränken. Wie schon hier von einigen angesprochen, geht es nicht nur um multinationale NATO-Verbände, sondern in die Betrachtung müssen auch die jeweiligen nationalen Streikräfte der an Russland grenzenden NATO-Mitglieder einbezogen werden.
    Fähigkeitslücken deutscher Verbände (die Heeresflugabwehr gehört sicherlich dazu) können auch durch andere Streitkräfte ausgeglichen werden.

    Begriffe wie Smart Defence oder Pooling & Sharing wage ich allerdings hier erst gar nicht in den Mund zu nehmen …

  14. @Roman: Das Memoria die Versetzung von 60 dt. Soldanten angegeben hätte, ist nicht ganz richtig. Memoria hat zwar eine Zahl von 60 genannt, aber ob die geraten oder geschätzt oder ob dies offizielles Wissen ist, stand genausowenig dabei, wie eine Quelle. Deshalb Doppelthreads bitte nur beanstanden, wenn dies auch so ist :).

    @Patrick Horstmann: Welches Nato-Land hat denn noch eine effektive Herresflugabwehr? Und sind solche Fähgkeitslücken nicht bereits deshalb gefährlich, weil die bestehenden Krisenreaktionsstreitkräfte der Nato-Staaten mit den gemeinsamen Korps fast nie zum Einsatz kommen, weil meistens nur Koalitionen der Willigen zu stande kommen und man deshalb Gefahr läuft, daß die einem selbst fehlende Fähigkeit gerade bei einem Nato-Partner ist, welcher bei einer Krise eben gerade nicht mitmacht?

    Der Gepard ist in Belgien längst ausgemustert und wohl auch schon in den Niederlanden.

    Und sollten wir nicht besser wieder mit Divisionen rechnen, denn falls Russland angreift, dann ist die Tatktik doch wohl weiterhin mit viel Artillerie und Panzer anzugreifen. Da dürfte das Abschreckungspotential von Panzerdivisionen viel größer sein, als von leichten Brigaden.

  15. @Closius | 06. September 2014 – 1:21

    Das ist genau das, was ich meine. Man darf Fähigkeiten im Rahmen der NATO nicht nur aus der nationalen Sichtweise diskutieren. Wir haben nicht mehr die Situation des Kalten Krieges, in dem nationalen, bestenfalls bi-nationalen Korps feste Areas of Operation zugeordnet wurden.

    Über die Lage der Heeresflugabwehr in andern Nationen habe ich leider keine Übersicht. Ich erinnere mich zum Beispiel daran, dass die Royal Artillery der British Army über zwei Regimenter (entspricht von der Größenordnung her wohl den deutschen Bataillonen) von Air Defence auf der Basis des Rapier-Systems verfügen (verfügten?).
    Vielleicht gibts hier ja Leute, die sich da besser auskennen. Das Thema Flugabwehr/Heeresflugabwehr ist spannend. Ist in diesem Thread etwas OT, aber es gibt ja auch ein neues Bällebad.

  16. Wenn ich mich an meine schwere rosafarbene Zeit zurückerinnere, dann waren die Übungen mit den Fla-Leuten anfangs immer sehr frustrierend. Die bewegten sich anderes, die bezogen anders Stellung und Richtungen benannten sie auch anders. Was ich damit sagen will. Fremdsprachige Schlüsselelemente in Kampfverbänden sind aus meiner Erfahrung nach eine organisatorische Katatrophe. Da können die Stabselemente noch so schön Englisch und was auch immer schnattern, auf Zugebene funktioniert das nicht.

    @ Patrick

    Ohne einen Blick in die Mun-Lager und Ausbildunslisten sind gerade heute Waffensysteme nichts mehr wert.

  17. Die Briten haben noch gepanzter Fahrzeuge mit Flugabwehrrakten und damit eine Heeresflugabwehr mit den Alvis Stormer, der zurselben Fahrzeugfamilie wie der Scorpion gehört, und den Starstreak Flugabwehrrakten bestückt ist. Für die Army Struktur 2020 sind 3 aktive und eine Reservebatterie vorgesehen.

    Also haben die Briten noch die Fähigkeit die unserem Heer so grundlos fehlt, weil mit Gepard oder Roland hätte mindestens ein System im Dienst behalten werden müssen.

  18. @ Bang

    Es ist doch nicht nur das Panzerquartett. Die sinnvollen organischen Fähigkeiten fehlen doch mittlerweile überall. Steilfeuer, Flugabwehr, Aufklärung, Logistik, San. Gemeinsam beübt? Gelächter. Weg von den Ketten sieht es bei den Fussis doch eigentlich noch schlimmer aus. Die gleichen Fähigkeiten dort, vielleicht sogar angepasst an mögliche Szenarien wie Häuserkampf in einer Großstadt, Moor, im Gebirge, sind weder abgebildet noch beübt. Bei der Marine fehlen wichtige Komponenten und bei dem Team Luftwaffe wird es nicht anders sein.

  19. @Bang50

    Das „kulturelle“ Interoperabilitätsproblem (Führungskultur plus Sprachbarrierren) ist ein gravierendes insbesondere dann, wenn man einem professionel homogen ausgebildeten, durchhaltefähig homogen ausgerüsteten und kulturell homogen geführten Gegner gegenüber steht. Deswegen halte ich auch nicht sehr viel von der militärischen Abschreckungswirkung einer multinationalen Very High Readiness Task Force. Und da diese VHRTF ja auch out-of-area in Sachen NATO-Crisis-Response eingesetzt werden soll, wird sie auch politisch entwertet aufgrund verfassungsrechtlicher caveats von NATO-Mitgliedern, und die gibt es nicht nur in Deutschland.
    Die Russen mögen zwar a bisserl „irrational“ sein, doof sind sie aber nicht. Die Abschreckungs-Logik der NATO funktioniert nur, wenn man wirklich überzeugend bereit ist einen Krieg zu führen. Wenn man das nicht ist, dann kann man sich solche Placebo wie die VHRTF auch sparen und solche lächerlichen Phrasen wie „Alle für Einen und Einer für Alle“.

  20. @Bang50
    Ich sehe es auch nicht als Panzerquartett sondern die Frage ist wirklich wie schützt sich eine Brigade gegen Bedrohung aus der Luft, wie überquert sie ein Gewässer, wer klärt das Gelände vorher auf u.s.w. und das „kulturelle” Interoperabilitätsproblem auch national ist nicht zu unterschätzen.

  21. @ Roman – Dass die BW intellektuell/strukturell/materiell auseinanderfällt, ist doch schon längst Konsens (inzwischen sogar in der Politik –> siehe jüngste Aussagen zum Verteidigungsetat „Es gibt nicht mehr Geld, weil die BW damit wieso nichts anfangen kann“). Immer wieder einzelne Waffensysteme zu diskutieren ist deshalb nicht zielführend und geht einfach am Problem vorbei.

    Die erste Frage ist doch: Möchte D, EU, NATO endlich das realitätsferne Mantra von „Nie wieder Krieg“ und „Friedensdividende“ abschütteln und sich den Herausforderungen der realen Welt stellen? Wenn die Antwort auf beide Fragen „Nein“ lautet, ist jede Diskussion über konkrete Schritte hinfällig. Lautet die Antwort auf beide Fragen „Ja“, dann muss dazu erst mal ein entsprechender strategischer Diskurs in D, EU und NATO erfolgen, der in seiner Abstraktheit weit über die veralteten Kochrezepte (Gefahr = viel Panzer, viel Divisionen) hinaus geht. Es ist die Frage zu klären, für welche Werte wir (Deutschland, Europa die NATO) streiten wollen und welche rote Linien für uns absolut sind. Gäbe es heute eine solche konsistente Strategie die von D, EU u. NATO getragen und gelebt werden würde, so wage ich zu behaupten, wäre der Konflikt in der Ukraine wahrscheinlich nicht so weit eskaliert bzw. inzwischen schon längst beigelegt. Putin mag sich irrational verhalten, jedoch ist er auch kein Dummkopf. Die Möglichkeit der Eskalation hat sich für ihn nur aus der Tatsache ergeben, dass Europa und vor allem D wieder einmal nichts mit sich anzufangen weiß und am wanken ist.

    Erst wenn man dieses Konzept entworfen hat, ist es an der Zeit sich über Struktur, Ausbildung, Ausrüstung zu unterhalten. An Geld fehlt es dazu (momentan)Deutschland nicht (Schäuble schwimmt sogar im Geld, weil sich der deutsche Staat unverschämt günstig refinanzieren kann und in den nächsten Jahren auslaufende 5 u. 10 jährige Staatsanleihen durch extrem niedrig verzinste Anleihen ersetzt, die Steuereinnahmen sprudeln, die deutsche Wirtschaft brummt usw.…)
    Was Deutschland fehlt, sind junge Bürger welche unsere Gesellschaft/Werte in die Zukunft tragen werden. In ca. 30 Jahren wird sich die Anzahl der erwerbstätigen Bürger halbiert haben! Das bedeutet, jeder Bürger müsste doppelt so produktiv sein um nur den Lebensstandard halten zu können. Vor diesem Hintergrund sind Wehrpflichtarmeen, zig Panzerdivisionen – also rein quantitative Armeen schlicht illusorisch. Militärisch gesehen, sind wir auch einfach kein Pufferstaat mehr zwischen Westen und Osten – die Polen werden es womöglich in Zukunft sein. Dabei scheint Polen die richtige mentale Einstellung zu haben (ein starker Wehrwille) und eine Armee die konsequent modernisiert wird (Kredite/strategische Rüstungspartnerschaft wären also vielleicht die bessere Idee, anstatt selbst wieder massiv Panzer auf das Feld zu stellen). Was kann Deutschland tun wenn es quantitativ nicht mehr mithalten kann? In der Ökonomie gibt es die zwei prod. Faktoren Arbeit (Soldaten) und Kapital (z.B. Waffensysteme) die zu einem gewissen Grad gegeneinander substituierbar sind. Wenn also zukünftig die Soldaten fehlen werden, so müssen wir unsere Wehrfähigkeit durch den Faktor Kapital kompensieren. Dabei liegt unsere Stärke gerade im Hochtechnologiebereich. Es wäre also konsequent für die BW, solche Fähigkeiten bereit zu stellen (z.B. SIGINT Fähigkeiten, strategische Waffensysteme etc..)

    Ein schnell gestricktes Beispiel: Was würde dem russischen Generalstab wohl mehr Kopfzerbrechen bereiten?
    • Wenn Deutschland 800 Kampfpanzer hätte, die es personell kaum bedienen kann.
    • Wenn Deutschland Brennstoffzellen U-Boote mit VLS Rohren für Stealthmarschflugkörper mit hoher Reichweite (zur Not bis nach Moskau) und MEPHISTO Gefechtsköpfen in der Ostsee hätte?
    Die 800 Kampfpanzer stehen wirkungslos in den deutschen Depots und würden nur im absoluten Ernstfall herausgeholt werden. Dann ist es aber schon um Polen geschehen und die NATO wird wahrscheinlich schon dabei sein den Atomwaffeneinsatz anzudrohen. Die U-Boote sind eine konstante Bedrohung für Russland welche die Botschaft aussenden:“ Russland schau her! Es ist egal ob du versuchst Pufferstaaten zu errichten. Wir haben die Technologie dich jederzeit und überall zu treffen – deal with it!

  22. Patrick Horstmann | 06. September 2014 – 1:59

    Das Thema Flugabwehr/Heeresflugabwehr ist spannend. Ist in diesem Thread etwas OT, aber es gibt ja auch ein neues Bällebad.

    TW
    Heeresflugabwehr ist ein Thema. Da würde es sich lohnen einen eigenen Artikel zu verfassen, zumal es in Ansätzen schon Diskussionen im BNVg gibt die Heresflugabwhr neu zu überdenken.
    Bei der LW ist sie ein ungeliebtes Kind, zumal damals damit gerechnet wurde, dass die FlaRak zum Heer und nicht die HFla zur Luftwaffe gehen würde. Die Einstellung der HFla war ein Einspargeschäft zwischen Heer/Lw ( Zwei Zweeisterner haben einen Deal gemacht) und hatte nichts mit Notwendigkeit zu tun.

  23. Bang50: Wie sollen in Deutschland Stealthmarschflugkörper entwickelt werden?

    Nicht die Kosten oder die Technik wäre das Hauptproblem, aber solange Deutschland es noch nicht einmal geschafft hat, einen einzige IDS Tornado einzusetzen und mal Bomben schmeißen zu lassen, wir uns also ständig möglichst herumdrücken, und wenn bekämpfen wir zwar Radarstellungen oder fliegen Aufklärung, aber werfen keine Bomben, das sollen gefälligst die anderen machen, das töten übernehmen, wie soll da Deutschland breits sein, Raketen zu bauen/entwickeln, die Russland bedrohen könnten?

    Unsere Kanzlerin immt ständig Rücksicht auf Russland, da ist es doch undekbar, daß die Politik Machflugkörper beschafft, die Russland bedrohen könnten!

    Mit dem U-Boot 216 hätten wir ein U-Boot dazu und die Taurus-Marschlugkörper könnten sicher auch umgebaut werden, um von U-Booten aus zu starten.

    Aber wir kriegen es ja noch nicht einmal fertig, unsere Fregatten mit Marschflugköpern zu bewaffen, sondern schmeißen einen haufen Geld für Fregatten 125 raus, ohne Marschflugkörper. Jede MEKO-Fregatte mit Taurus CL Flugkörpern hätte einen viel höheren Kampfwert und würde viel weniger Kosten….Aber Marschflugkörper würden wie Drohen es erlauben, Miliärschläge mit wenig eigener Gefährdung zu führen, und das will di Politik in Deutschland doch nicht und daran werden Russische Invasionen so schnell nichts ändern.

    Marschflugkörper für U-Boot, mit hoher Reichweite und Stealth sind deshalb nur eine Fabel.

    800 Kampfpanzer könnte man dagegen, mit Wehrpflicht, wieder bemannen.

  24. @ Closius – Lesen Sie bitte nochmal meinen Beitrag und achten Sie auf die jeweiligen Vorraussetzungen.

    Das Beispiel habe ich mir kurz zusammengebaut – ich behaupte nicht, dass es der Weisheit letzte Schluss ist.

  25. Ach Closius.

    Wie soll den ein Mach-fähiger Flugkörper in unsere kleinen 216er reinpassen? Und um Russland effektiv bedrohen zu können bräuchten wir nicht 5, 10 sondern hunderte davon.

    Aber sie haben recht. Wir könnten die Weltenspalterwaffe oder den Todesstern in Scharz-rot-gold besitzen. Solange uns niemand abnimmt, das wir das Ding auch einsetzen werden, ist es nutzloser Schrott.

    @ Bang50

    Da core. Also müssen wir diejenige, die noch zu uns kommen, besser ausbilden und länger halten und nicht „Mobile Infantrie“ spielen. Was spricht (jetzt aus Sicht der gepanzerten Kampftruppen) gegen eine folgende Verwendungsreihe
    20-30 PzGren/Infantrie, Tätigkeiten mit überwiegend hoher körperlicher Belastung
    30-40 KPz/Art/mobile Fla/Pi
    40-50 Endspezialisierung: Waffeninst/Log/stationäre Fla/Inst allg
    50-60 Garnisionsdienst/Überwachungstätigkeiten mit techn. Hilfsmitteln, KFz-Führer im Inland, Interkuluturelle Berater, Stabsverwendungen

    Damit nutzen wir endlich mal die Leute über ihre gesamte Lebenszeit aus und bieten ihnen gleichzeitig eine Perspektive, sich voll auf die Bw einzulassen. Wir haben genug Personal, es ist halt nur falsch verteilt. Geht man durch die Stäbe überall, dann findet man genügend „junges Fleisch“. Gleichzeitig hat es den Vorteil, das wir auch unsere rückwärtigen Dienste besser ausbilden. Wer schon mal das Team Luftwaffe, LogBtl und was auch immer im Feld bspw. im GÜZ gesehen hat, der weiß was ich meine.

  26. @ Roman – Alles fängt zuerst im Kopf an und nicht bei der Ausrüstung. Ich dachte das wäre durch meinen Beitrag klar geworden. Mit Waffensystem-/Strukturfetischismus kommen wir nicht weiter.

  27. @Roman: Ich fürchte, sie verwechseln etwas. Das U-Boot 216 ist ein Entwurf von HDW für ein großes U-Boot, mit langer Verweildauer, mit 90 Meter Länge, 4.000 t und die Fähigkeit Angriff auf Landziele ist ausdrücklich vorgesehen für dieses U-Boot!

    Ich nehme an mit unseren „kleinen 216“ meinen sie in Wirklichkeit die Klasse 212 a, denn wir besitzen nur die 212a U-Boote, mit nur 56 Meter Länger und 1.830 t. U-Boote der Klasse 216 besitzen wir leider nicht!

    Das U-Boot 216 hat mehr als doppelt so viel Wasserverdrängung und ist mit 90 Metern lang genug für Marschlugköper. Vor allem sind auch Waffensysteme für den Angriff auf Land vorgesehen, auch wenn nicht angegeben wird, an welche Raketen genau gedacht ist.

    Abgesehen davon, heißt es doch schon lange, daß die U-Boote, die wir an Israel geliefert hätten, ist der Lage seien, aus den Torpedorohren Marschflugkörper abzuschießen, die auch Atomwaffen tragen können. Auch die letzten Boote für Israel haben nur 2.300 t und sind damit viel kleiner als die geplante Klasse 216, für welche sich Australien interessiert.

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