Exercise Watch: ‚Sea Breeze‘ kommt nicht allein

Steadfast_Javelin_gross

Eine gewisse Aufmerksamkeit in den deutschen Medien (und darüber hinaus) hat am (heutigen) Montag die Übung Sea Breeze 2014 im Schwarzen Meer bekommen – vermutlich, weil Russland gegen diese Übung protestiert hat, an der neben der Ukraine und den USA auch Georgien und einige andere NATO-Staaten teilnehmen. In Deutschland ist dagegen weitgehend unbeachtet geblieben, dass kurz nach dem NATO-Gipfel in der vergangenen Woche ein etwas größeres Landmanöver in den östlichen Staaten des Bündnisses stattfand (Deutschland war zwar nicht direkt beteiligt, aber Aufmarschraum, siehe Foto oben). International hatte das dagegen schon Aufmerksamkeit gefunden:

NATO stages major military exercise in Latvia after Wales summit

NATO staged a major military exercise in Latvia on Saturday in a practical demonstration of NATO leaders‘ commitment to defend its Baltic member states in the face of an assertive Russia. (…)
On Friday night around 500 paratroopers landed at Lielvarde airport, about 60 km (35 miles) from Latvia’s capital Riga, along with hundreds of vehicles and aircraft as the exercise Steadfast Javelin II simulates a deployment of NATO soldiers and equipment in another country in a crisis situation.
In total, 2,000 soldiers from nine nations are carrying out exercises across five countries – Germany, Estonia, Latvia, Lithuania and Poland from Sept. 2 to Sept. 8.

Im Klartext: Von Seiten der Allianz, aber auch der USA läuft derzeit schon einiges an Manövern im östlichen Teil der NATO, die hier gar nicht so richtig wahrgenommen werden. Teilweise allerdings auch als US-Übung (ohne deutsche Soldaten) auf amerikanischen Truppenübungsplätzen in Deutschland, was ebenfalls die meisten nicht auf dem Schirm haben.

Deshalb der Versuch, mit einer Rubrik Exercise Watch das mal im Auge zu behalten.

Aber vielleicht liegt das deutsche Desinteresse auch daran, das die Bundeswehr überwiegend an diesen lange geplanten Übungen nicht beteiligt ist. Mit ein paar Ausnahmen: derzeit die Übung Ample Strike in Tschechien, an der auch deutsche Soldaten des NATO-Headquarters ARICOM in Ramstein beteiligt sind.  Und natürlich Rapid Trident in der West-Ukraine, woran sich – voraussichtlich – vier deutsche Soldaten beteiligen werden.

Wenn ich bedeutsame Übungen vergessen haben sollte, oder gar welcher mit deutscher Beteiligung: bitte Hinweise in den Kommentaren.

Nachtrag:

– Im September: Special Forces FTX Noble Justification in Polen und Litauen.

– 24. September bis 3. Oktober: ANAKONDA-14 in Polen, mit Truppen aus Tschechien, Estland, den Niederlanden, Kanada, Litauen, Ungarn, Großbritannien, USA. Polnische Webseite hier.

– Rapid Trident ist laut U.S.Army Europe erneut verschoben worden, um ein paar Tage: Soldiers with U.S. Army Europe and the Ukrainian Land Forces will conduct Rapid Trident 2014 at the International Peacekeeping and Security Center, Yavoriv, Ukraine, Sept. 15-26. (Link zur Webseite der Übung leider meist nicht erreichbar) Über die deutsche Beteiligung soll am 12. September entschieden werden.

(Foto: U.S. Air Force C-130 Hercules aircraft assigned to the Air National Guard and the 37th Airlift Squadron sit on the flight line during Steadfast Javelin II at Ramstein Air Base, Germany, Sept. 2, 2014. Steadfast Javelin II is a NATO-led exercise designed to prepare U.S., NATO and international partner forces for unified land operations – DoD photo by Senior Airman Damon Kasberg, U.S. Air Force)

21 Gedanken zu „Exercise Watch: ‚Sea Breeze‘ kommt nicht allein

  1. Ich halte es für wichtig, dass hier eine Gesamtbetrachtung der Aktivitäten der NATO und denen anderer Aktuere in den sich anschliessenden Gebieten angestellt wird. Ich schätze an diesem Blog gerade die übergreifenden Sichtweise der Beiträge
    .
    Die Bundeswehr und ihre internen Probleme sind war hier in Deutschland wichtig, in der Sicherheitspolitik aber auch nicht der Nabel der Welt.

    (Nur am Rande: Wenn sich dann noch die Protagonisten von „Ist das alles peinlich“ oder „Die da oben können es nicht“ nur etwas mit ihren Metadiskussionen zurückhalten könnten, würde sich auch der Erkennniswert durch die Lektüre der Kommentare mehren.)

  2. Eine Anmerkungen zu den Hinweisen auf Übungen in Norwegen: Es ging mir mit diesem Thread gerade um Übungen in den östlichen, den so genannten neuen NATO-Mitgliedsländern. Faktisch also ehemaligen Warschauer-Vertrag-Mitgliedsstaaten. Norwegen gehört m.W. nicht dazu…

  3. @ T.W. na dann schauen Sie sich mal den norwegischen grenzverlauf an.

    vor allem „oben rechts“ ;-)

    da kann man auch ein signal setzen. wenn man denn will

  4. Gerade „oben rechts“ in Norwegen wird man witzigerweise die augenblickliche Lage vermutlich mit deutlich weniger Begeisterung für militärische Aktivität sehen als vielleicht anderswo an den Ostgrenzen Europas: Die Gegend um Kirkenes etwa hat erheblich von einem „kleinen Grenzverkehr“ mit der Oblast Murmansk profitiert. Das führte z.B. dazu, dass man hier die Bestimmungen des Schengen-Abkommens mit maximaler Großzügigkeit ausgelegt hat. Dementsprechend gab es schon recht früh dieses Jahr, als die NATO-Staaten einschließlich Norwegens ihre militärische Kooperation mit Russland aussetzten (betrifft etwa die bilaterale Übungsreihe POMOR in der Barentssee) eindeutige Statements von Lokalpolitikern und Grenzschutzbeamten beider Seiten, die gute Nachbarschaft nicht abreissen zu lassen.

    In Oslo mag man das mittlerweile aber vielleicht anders sehen…trotzdem war m.E. die Kooperation der Norweger mit den Russen bis 2014 vielleicht die intensivste aller NATO-Partner.

  5. @ht_
    Ja, das sind ziemlich eindeutig Kanadier. Sowohl Uniform als auch Bewaffnung sind jedenfalls eindeutig kanadisch.

  6. @pi

    Haben Sie ’nen Link zu IRON Sword

    @all

    Ja, ich weiß auch, dass Norwegen an Russland grenzt… Es geht mir in diesem Fall aber vor allem um die politisch sensiblen Übungen von USA/NATO auf dem Gebiet der östlichen NATO-Mitgliedsstaaten. Die sind politisch bedeutsamer als ein Manöver beim langjährigen NATO-Mitglied Norwegen, auch wenn es an der russischen Grenze stattfindet…

  7. Falls hier nicht der richtige Platz wäre, dann an den richtigen verschieben, aber einen passenderen habe ich jetzt nicht gefunden:

    Das Bundeswehr-Journal berichtet über das Flotttenmanöver Northern Coasts in Finnland noch bis zum 12. Sepember läuft dieses Manöver. Finnland ist zwar kein Nato-Land, trotzdem verwundert es, daß über das Manöver noch nicht viel gehört hat, weil Russland kann dieses Manöver eigentich im Moment auch nicht gut gefallen.

    Immerhin beteiligen sich 1.000 Bundeswehrsoldaten an den Manöver unter Finnischer Führung, u.a. mit dem U-Boot 33, dem Schnellboot Hermelin, dem Hohlstablenkboot Siegburg, den Mienenjagdbooten Datteln und Bad Beversen, Tendern usw, sowie einem Seeaufklärer Orion, sowie von Kräften des Seebataillons.

    „Schwerpunkt der Übung ist die internationale Konfliktverhütung und Krisenbewältigung sowie die Evakuierung von Zivilpersonen, wodurch das äußerst komplexe Zusammenspiel verschiedener Truppenteile mehrerer Nationen trainiert werden soll. Die küstennahen finnischen Gewässer bieten für NoCo beste Bedingungen“

    „An der diesjährigen NoCo-Übung beteiligen sich 13 Nationen aus dem Bereich der NATO und Europäischen Union. Auch Länder des PfP-Programms („Partnership for Peace“/„Partnerschaft für den Frieden“) sind dabei. Die Teilnehmerliste spricht für das große Interesse an dieser Übungsserie: Belgien, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Lettland, Litauen, Niederlande, Norwegen, Polen, Schweden, Türkei und USA. Alles in allem üben mehr als 3000 Soldaten. 56 Schiffe beteiligen sich, dazu Seefernaufklärer, Kampfjets, Zieldarstellerflugzeuge, Hubschrauber und sogar eine Drohne.“

  8. „Das Großmanöver Northern Coasts – von der Marine auch NoCo genannt – findet jedes Jahr im Herbst statt. Die multinationale Übung wurde 2007 von der Deutschen Marine ins Leben gerufen und wurde die ersten drei Jahre auch von Deutschland geplant und durchgeführt. Seit 2010 gibt es jährlich wechselnde Gastgeber.“
    http://www.marine.de/portal/a/marine/!ut/p/c4/04_SB8K8xLLM9MSSzPy8xBz9CP3I5EyrpHK93MQivcTsktLUnJxUvdTMvOLEkqpUvbz85HxDE_2CbEdFAIF1BuA!/

  9. @ Closisus
    War nur gutes Flugwetter und die kanadische Fregatte zufällig im Weg.

    „The Russian Air Force planes’ flight path ran through a region where a ship from the Canadian Navy, the Toronto, was located, but did not approach the foreign warship“
    http://on.rt.com/1nxpy9

  10. Klar, die wollten nur mal eine Wasserlandung mit einer SU-24 probieren und da war die Fregatte ganz zufällig im Weg :-)!

  11. Wann sieht man als russischer Pilot schon mal eine kanadische Fregatte im Schwarzen Meer ? Die hätte ich mir auch genauer angeschaut ;-)

  12. @Klabautermann: Ich nehme an, daß die Kommandanten vorbereitet worden sind auf russische Provokationen. Trotzdem macht die Häufigkeit der Beinahezwischenfälle doch Sorgen. Egal ob zwischen USA und China im Chinesichen Meer, oder von US Aufklärern und russischen Abfangjägern in der Ostsee oder russischen Bombern,die die US Luftabwehr testen, oder hier im schwarzen Meer.

    Irgendwann kommt es zu einer Kollision oder einem Abschuß und dies wird dann die Krise zwischen Russland und der Nato oder China und den USA weiter anheizen bzw. erst eine Krise mit China auslösen.

    PS: Die Bundesmarine kennt das Anschauen ja schon, die Israelis mit ihren F 16 konnten unser Flottendienstboote ja auch nicht genug aus der Nähe bestaunen ;-) im Mittelmeer.

  13. @TW

    Hmm noch nix. Kommt noch. Sind so viele Nationen dabei, die eine bessere PR als wir machen.

    pi

  14. Kameraden, die sich im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte aus funktionsfähigen Luftfahrzeugen stürzen, sind mir suspekt …^^

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