RC N Watch: ‚Schlacht um Kundus‘

Diese Meldung der Nachrichtenagentur Reuters stammt vom (heutigen) Mittwoch. Nicht etwa aus dem Jahr 2010:

Afghan forces battle for control of symbolic Kunduz province

Afghan security forces are battling the Taliban for control of the northern province of Kunduz, where insurgents are threatening to overrun the capital and terrorizing residents who have fled to nearby districts. (…)
Kunduz city residents have once again grown used to the daily sound of gunfire as fighting rages just a few kilometers away. While the government still holds the capital, it lacks resources – including military air power – to regain areas beyond the perimeter that are now largely under Taliban control.
„People are concerned and most of them have already fled to safe places outside Kunduz,“ said Chahar Darah district police commander Abdul Shukor Surkhi.

Dazu ein Foto eines afghanischen Journalisten, das die Taliban bei der Übernahme des Polizeihauptquartiers von Char Darrah zeigen soll:

Nachtrag, wie in den Kommentaren schon erwähnt: Auf nationaler Ebene sieht es mit der Einigung auf ein Ergebnis (!) der Präsidentenwahl nicht gut aus:

Afghan presidential candidate Abdullah Abdullah will reject the results of a UN-supervised audit of the election, his spokesman says, tipping the country deeper into crisis a week before the scheduled inauguration.

(Archivbild 2010: Deutsch-afghanischer Checkpoint im Raum Kunduz – Bundeswehr/Wayman via Flickr unter CC-BY-ND-Lizenz)

81 Gedanken zu „RC N Watch: ‚Schlacht um Kundus‘

  1. Es war so klar, dass das passiert. „Dumm“ nur, wenn man noch im Land und quasi „nebenan“ ist. Aber die Afghanen können das ja alleine…

  2. Hat jemand mal kurz die Stellungnahmen von ISAF zur Übergabe an die Afghanen greifbar? Nur aus zynischer Vergnügungssucht…

  3. Ich sehe schon voraus, wie die Antonows bald wieder das in die Türkei ausgeflogene Material der Bundeswehr wieder nach Afghanistan zurück fliegen müssen…..Und die Bundeswehr noch ein paar Jahre länger dort bleiben und kämpfen muss, sonst wird die Taliban das Land wahrscheinlich bald genauso überrennen, wie es jetzt die ISIS im Irak tut.

    Denn wie soll ein Land selbst sich um seine Sicherheit kümmern, wo heute wieder zu lesen war, daß die beiden Präsidentschaftskandidaten sich schon wieder ums auszählen der Stimmen streiten?

  4. Vielen Dank für die Meldung hier über die Schlacht um Kundus, denn die deutschen Medien scheinen bisher darüber sonst nicht zu berichten. Ist ja auch peinlich für Deutschland und die Bundesregierung hat jetzt sicher keine Lust auf peinliche Fragen zum scheitern in Afghanistan.

    Da können einem nur die deutschen Soldanten leid tun, die den Kopf hinhalten müssen für einen verfrühten Truppenrückzug und einen Krieg ohne Strategie. Irgendwie erinnert mich dies an den Vietnamkrieg!

    Jetzt könnte man die deutschen Tigerhubschrauber doch wieder vor Ort brauchen….Kampfhubschrauber sollte man eben zuletzt und nicht als erstes abziehen!

  5. Bei der politischen Gemengelage …

    „Abdullah Abdullah boykottiert Neuauszählung“ – heute auf ZEIT online

    würde ich eher schauen, so schnell als möglich weg zu kommen.
    „Declare victory“ usw usf.

  6. @ Closius | 27. August 2014 – 16:30

    „Ich sehe schon voraus, wie die Antonows bald wieder das in die Türkei ausgeflogene Material der Bundeswehr wieder nach Afghanistan zurück fliegen müssen“

    Das halte ich für unwahrscheinlich. Man wird Afghanistan aufgeben und versuchen, per „Frontbegradigung“ die eigene Haut zu retten.

    Wie sagte Papst Franziskus vor ein paar Tagen: „Das sind Früchte des Kriegs, wir sind im Krieg, es ist ein dritter Weltkrieg, wenn auch schrittweise.“

  7. Der verfrühte Rückzug der USA aus dem Irak dürfte die Möglichkeit sich aus Afghanistan zu verabschieden erschweren oder unmöglich machen. Einen Sieg der Taliban wird sich der US-Präsident nicht leisten können oder wollen.

  8. kann man prophylaktisch ja schon mal auf die agenda setzen

    „Waffenlieferungen an Nordallianz 2.0?“

    wenn man jetzt anfängt zu prüfen was da ist ist man in einem Jahr dann schnell handlungsfähig.

    voraussschauende außenpolitik und so… ;)

  9. Bitte nicht zurück nach AFG! Es scheint doch unmöglich, sich mal auf erreichbare Ziele zu begrenzen. Aus dem erreichbaren „Yesiden auf dem Berg retten“ ist jetzt schon ein äußerst mutiges „ISIS auch in Syrien vernichten“ geworden. Demnächst haben wir dann wieder „Irak demokratisieren“ auf dem Plan und wollen die Postmoderne verbreiten..

    Was da aus einer Rückkehr nach AFG wird, mag ich mir nicht ausmalen.

  10. Es wird keine Rückkehr nach Afghanistan geben. Ich halte nichts davon, bei solchen Meldungen nach Kampfhubschraubern zu rufen. Erfolgversprechende militärische Operationen brauchen ein Gesamtkonzept, daher sind Kampfhubschraubereinsätze Teil einer Gesamtoperationsplanung. Selbst wenn Tiger vor Ort wären, würden sie an der Situation nichts ändern. Übrigens genau so wenig, wie bewaffnete Drohen.
    Fast alle Kommentatoren schreiben schon lange, dass eine Lösung ohne Einbeziehung der Taliban nicht möglich ist und es hat sich gezeigt, dass die Taliban augenscheinlich genug Zeit hatten das Vakuum abzuwarten. Diese Zeit würden sie bei einer erneuten militärischen Intervention von außen wieder warten können.

  11. @ Closius

    „Da können einem nur die deutschen Soldanten leid tun, die den Kopf hinhalten müssen für einen verfrühten Truppenrückzug und einen Krieg ohne Strategie.“

    Wer hat uns dahin geführt? Es waren die Grünen und die Sozialdemokraten.
    Wer ha gesagt das alles Tippitoppi ist und wir abziehen können? Die Christdemokraten.

    Also genau die gleiche „Bande“, die uns jetzt schon wieder auf Weltrettungsmission im Irak schicken will.

  12. ich glaube das ist nicht nur eine Frage der politischen Farben rot grün oder schwarz (früher gab es ja auch mal gelb) sondern mittlerweile, ja sogar in den USA angekommen, ist dass man solche Länder nicht befrieden kann. Die Russen sind gescheitert man hat es trotzdem im Irak und Afghansistan versucht, man sei ja schließlich auch auf der besseren Seite gewesen. Nun aber haben selbst Hardliner einsehen müssen, dass man nur begrenzt in Konflikte eingreifen kann, bspw. um Menschenleben aus akuter Gefahr zu befreien. Konflikte lösen oder gar Länder befrieden wird es so in dieser Region nicht geben. Die militärischen Aktionen werden kleiner werden dafür werden es wohl mehr in der Zahl werden (siehe Militäraktionen im arab. Raum 2001-2014). Auch glaube ich nicht dass wir zu früh raus gehen, wäre es in zehn Jahren anders? Nein, diese Menschen (Taliban) haben Zeit. Selbst wenn alles glatt läuft in diesem Land und endlich auch Gelder umverteilt werden könnten, würde es nicht geschehen, durch Korruption und Vetternwirtschaft, dann haben wir wieder Regionen die Religion als Mittel der Machtausübung missverstehen wollen. Also bitte raus aus diesem Land, so bitter es ist, aber mehr kann man nicht tun. Wir werden es nicht schaffen, auch in zehn Jahren nicht.

  13. Asiatisches Sprichwort: „Wenn Gott eine Nation bestrafen will, dann lässt er sie in Afghanistan einmarschieren“

    Man wird langfristig in Afg. die gleiche Strategie fahren müssen wie sie jetzt Amerika und UK mit IS fahren werden – Kommandoaktionen gegen Netzwerke und Personen als Dauerzustand: „cutting the lawn“- mehr kann der Westen durchhaltefähig nicht machen.

  14. Apropos Taliban.
    Deren Einbindung hatte vor vielen Jahren ein mittlerweile geschasster SPD-Vorsitzender gefordert.
    Ich weiß noch genau, wie ihn dafür der Mainstream mit Kübeln von Häme und Spott übergossen hat.

    Ansonsten gilt das, was ich zum Jahresausblick hier im Blog unter Nutzung des Zitats von Fr. Käsmann vorhergesagt habe…
    Naja, dafür musste man kein Hellseher sein.

    Alles. Für. Nix.

  15. @Bang50
    Das war ja auch so vorgesehen – ein Groß-Stützpunkt, und in der Fläche sind ANSF präsent.

    Nur: was tun, wenn sich die Taliban „politisch“ durchsetzen? Man kann schlecht jeden Malik, radikalen Imam u.a. „neutralisieren“. Zudem ist davon auszugehen, daß die Taliban eben auch verstärkt die ANSF unterwandern und ggf. auch übernehmen.

  16. Ich habe leider die schlimmsten Befürchtungen für unsere Truppe einen vernünftigen Abzug zu organisieren bzw. durch zu führen.
    Fehlende eigene Fähigkeiten, wie Lufttrsnsportkapazität, eigene
    Luftunterstützung, fehlende eigene CSAR-Optionen, die oben angesprochenen fehlenden Kampfhubschrauber usw.
    Das heißt, wir sind auf andere angewiesen, die im Ernstfall genug damit zu tun haben,
    ihre eigenen Truppen aus dem Land zu schaffen.
    Ich will es mir garnicht vorstellen.

    Bei einem Vergleich mit dem Abzug aus Vietnam
    können wir uns warm anziehen.

    Bleibt nur noch wieder massive Truppenverstärkung.
    Aber wer will das.

  17. P.Rombach

    Sind die Russen tatsächlich an AFG gescheitert? Mir war dem nicht so. Eher wurde dort ein Stellvertreterkrieg ausgefochten.

    AFG ist durchaus zu befrieden. Nur dazu darf man die Region nicht mit Samthandschuhen anfassen. Es muss in sinnvolle und letztendlich kontrollierbare Stücke zerlegt und die zerstrittenen Ethnien müssen wieder entmischt werden. Mit Geld, Druck oder Waffengewalt.

    Und man muss davon abgehen, diese Region aus dem Frühmittelalter herauszuholen und sie mit Demokratie zu beglücken. Das können sie weder wirtschaftlich noch kulturell erreichen.

  18. @ Happy Pepe

    Wieso CSAR? Wir mieten einfach zwei, drei zivile Flugzeuge vor Ort komplett an und fliegen nach Hause. Man muss sich halt nur rechtzeitig entscheiden.

    Ach nein, das geht ja mit Murksmutti nicht so schnell.

  19. Wir dürfen uns jetzt nicht durch täglich wiederkehrende Horrorgeschichten aus Afghanistan verrückt machen lassen. Unsere Entscheidungen zum Abzug stehen, und sie sind trotz aller Risiken umsetzbar. Da kann es kein Zurück geben. Wir haben unseren Beitrag in diesem Land geliefert, zwar mehr schlecht als recht und mit mauem Erfolg, aber wenigstens im guten Glauben. Alles andere ist jetzt Sache der Afghanen selbst. Wenn sie wollen, schaffen sie eine bessere Zukunft für sich. Wenn nicht, dann ist das eben so.

    Es gibt nur einen Fall, der für uns eine völlig neue Lage bedeutet: Wenn in Afghanistan wieder ein international wirksames Terrornetz entstehen sollte, das unsere eigene Sicherheit unmittelbar bedroht. Dann hieße das: Back to square one, und zwar wohl mit einer anderen Strategie. Ich glaube aber eigentlich nicht, dass die Taliban das wirklich wollen. Auch sie haben gelernt.

  20. @KeLaBe
    Heißt das jetzt im Umkehrschluss, wegen ISIS
    ab in den Irak, Libyen und Syrien?
    Gott bewahre uns davor.

  21. @ Happy Pepe

    Nein, heißt es natürlich nicht. Aber falls sich Terrorangriffe analog 9/11 wiederholen, egal von woher, wird sich der Westen etwas einfallen lassen müssen. Darüber jetzt zu spekulieren, ist verfrüht.

  22. „Back to square one, und zwar wohl mit einer anderen Strategie“

    eben, und die andere Strategie lässt sich praktischerweise auch auf andere konflikregionen anwenden (stichwort IS/Libyen/Mali)

    CT Strafexpedition mit Rasenmähfunktion.
    gezielt.unverhältnismäßig.in/out.
    bei chronischem Problem bedarfsweise wiederholen

    die analogie passt schon deshalb gut weil sich der westen global letztlich in der gleichen situation befindet wie IDF/israel lokal.

    Im Prinzip hat man in Afghanistan alles richtig gemacht. bis ende 2001.

    dann kamen die mission creeps und weltbeglückungsimperialisten. immerhin hatte ISAFmit seiner diskreditierung dieses ansatzes auch pädagogischen wert.

  23. 1. Ab in den Irak mit Tornados und Panzerhaubitzen 2000, mit dem Ziel Mosul und Sindschar zurück zu eroben und dort eine UN-Schutzzone errichten wäre eine Strategie und sinnvoll, damit die Flüchtlinge zurück können und wir nicht alle aufnehmen müssen.

    2. Bei Syrien hat Fr. Clinton Recht. Obama hat mit seiner zögernden Haltung den richtigen Zeitpunkt zur Unterstützung der FSA verpasst und mit dem Verzicht auf Luftschläge Assad das Überleben ermöglicht und das entstehen der ISIS.

    Auch wenn mir bei jeder Hilfe für Assad das Kotzen kommt, könnte die Bundeswehr den Kampt gegen die ISIS mit Tornados auch in Syrien unterstützen. Nur im Irak kann man die ISIS nicht besiegen.

    3. Um Lybien brauchen wir uns nicht kümmern. Angeblich wollen die Ägypter und Algerien dort eingreifen. Ich kann nur nicht verstehen, wie die USA nebst Bundesregierung Luftangriffe auf die islamisten dort verurteilen können. Wir sollten froh sein, wenn die Nachbarstaaten dort den Kampf gegen die Islamisten übernehmen.

  24. @KeLaBe

    „…….wird sich der Westen etwas einfallen lassen müssen. Darüber jetzt zu spekulieren, ist verfrüht.“

    Genau das finde ich falsch. Jetzt ist die Zeit über Strategien (sich was einfallen lassen) nachzudenken.
    Lieber heute das Problem an der Wurzel packen, als morgen Militär ohne Strategie schicken.

  25. Alles zusammenkratzen was da ist und die Presseöffentlichkeit dann nutzen um eine Erhöhung des Verteidigungsetats zu fordern;-)!

    Und mehr Geld unter Berufung auf Nato, Gefährdung des Baltikums und bösen Putin fordern, Ende der Friedensdividende;-)!

  26. @ T.Wiegold | 27. August 2014 – 19:33
    Zitat: „In der verlinkten SpOn-Story mal auf das Foto klicken..“

    Eigentlich ist das eine Nachricht, die in jede Nachrichtensendung gehört. Schließlich sollte man die deutsche Öffentlichkeit auf das äquivalente Bild hierzu vorbereiten:
    http://www.heise.de/tp/artikel/20/20006/20006_1.jpg

    Ach hätte man doch auf dem Petersberg auf die Fachleute, statt auf die Gutmenschen gehört und es bei OEF belassen und ISAF gelassen …

    Wie sagte schon Clausewitz: „Wie gut sich das auch ausnimmt, so muß man doch diesen Irrtum zerstören, denn in so gefährlichen Dingen, wie der Krieg eins ist, sind die Irrtümer, welche aus Gutmütigkeit entstehen, gerade die schlimmsten.“

    Mit Brunnen und Mädchenschulen gewinnt man anscheinend weder Herzen noch Köpfe und schon gar keinen Krieg.

  27. Hätten alle unter dem ISAF-Mandat agierenden Nationen diesen Krieg so konsequent wie die Amerikaner geführt (DELTA FORCE, CAS, MEDEVAC…), dann würde es heute evtl. auch anders aussehen. Mit FEUER-NEBEL-RÜCKWÄRTS-MARSCH und nicht nachtflugfähigen RW’s lässt sich halt kein Krieg gewinnen. Auch nicht mit Tanzkursen und Alkoholexzessen in Malle ääh MES!!!!

  28. @ wacaffe | 27. August 2014 – 20:05

    ‚Im Prinzip hat man in Afghanistan alles richtig gemacht. bis ende 2001.‘

    Ohne Ironie und rein fuer meine Info: Koennten Sie das bitte etwas erlaeutern? Und: Wer ist ‚man‘?

  29. Entschuldigung, das ist doch alles nur noch eine Farce. Wie oft hat man vom „point of no return“ gesprochen, wenn das SOFA, BSA oder wie man auch immer es nennen möchte, bis zum Zeitpunkt X nicht unterzeichnet ist. Toll, wenn ein „point of no return“ auf der Zeitachse immer weiter geschoben wird.

    Ich bezweifele den Sinn der RSM. Für unsere Soldatinnen und Soldaten hoffe ich nur, dass sie ungeschadet zurück kehren. Die letzten beißen die Hunde, wenn es doch nur Hunde wären…

  30. @T.Wiegold:
    Um so wichtiger wäre ein konsequentes in allen RC’s gewesen. Die USA konnten sich ja nicht nur um den Süden kümmern, weil sie mit SF und LFZ im Norden (und nicht nur dort) „aushelfen mussten. Frieden wäre vermutlich heute dadurch auch nicht, allerdings hat das beherzte Eingreifen im Raum Kunduz zu einer drastischen Verbesserung der Lage geführt…

  31. @ mikemolto

    ich meinte es ähnlich wie schon von sun tzu 21.16 schon kurz thematisiert.

    man hätte es bei den Anfangsoperationen a la OEF belassen sollen. ergo dezimierung der al kaida und kollaboriendender Talibs aber kein regime change und kein nation building.

    instrumente wären B52 und horseback SOF gewesen. wenn die talibregierung unter Omar dann in den seilen gehangen hätte hätte man seine bedingungen gestellt:

    auslieferung bzw. abbruch der unterstützung für internationalistische jihadis. was ihr lokal so treibt ist uns egal.

    Konsequenz wäre neben erreichung des eigentlichen kriegsziels auch gewesen das keine abnutzung des „schock and awe“ bzw. abschreckungsfaktors westlicher bzw. amerikansicher streitkräfte durch IED attrition, offenlegung der heimatfrontschwäche, absenz strategischer geduld usw. eingetreten wäre.

    das meinte ich oben mit „strafexpedition“ im aktion-reaktion schema.

  32. @ MikeMolto | 27. August 2014 – 21:20

    Ich denke, damit ist gemeint, dass man (=Resolution 1368 des UN-Sicherheitsrates, in der Folge die Unterstützerstaaten dieser Resolution, im Wesentlichen die Nato) mit Operation Enduring Freedom die bösen Jungs verhauen und sich ansonsten aus den wie auch immer gelagerten Konflikten in den Zielländern rausgehalten hat. Man suchte sich lokal den, der einem am wenigsten böse erschien, unterstützte ihn etwas und ließ ansonsten den lokalen Fazilitäten ihren Lauf. In der Breite der Bevölkerung wurde so verstanden, dass man sich nicht mit der Nato anlegt und kooperatives Verhalten zur Nato belohnt wird. Sicherheitspolitisches Ziel erreicht.

    Mit ISAF wurde diese „Prägung“ dann wieder zerstört, weil wir uns zum unterwürfigen Diener machten, der dem autochthonen Afghanen(fürsten) so allerlei unterwürfige Dienstbarkeiten erbrachte. Das ist in diesem Kulturkreis machtpolitisch tödlich, insbesondere für einen Ungläubigen. Mit unserem weichen ISAF-Auftreten waren wir plötzlich keine „Nazgûl“(OEF) mehr, mit denen sich lieber keiner anlegte, sondern verwundbare unterwürfige Ungläubige, die man doch sicher unterwerfen kann.
    Mit den diversen verlorenen Kriegen bekommen die Feinde unserer Art des Lebens langsam Oberwasser (egal ob Putinisten, Islamisten o.ä.) und sie werden nun versuchen, uns/unsere Lebensweise zu unterwerfen. Willkommen in den Anfängen des Dritten Weltkriegs.

  33. @ Thomas Melber, Stuttgart – Ich denke die erneute Machtübernahme der Taliban wird sich nicht verhindern lassen. Die Regierung in Kabul ist zu korrupt und inkompetent als das sie langfristig den Taliban widerstehen kann.

    Meine Überlegungen gehen daher in die Richtung, den talibanfeindlichen Gruppen durch Kommandoaktionen unter die Arme zu greifen (auch wenn es logistisch schwierig werden dürfte wenn man zuerst mal nach Afg. rein fliegen muss) und dadurch die Taliban ständig unter Druck zu halten. Vielleicht höhlt der stetige Tropfen eines Tages den Taliban-Stein.

    Mein Gefühl ist, dass der ganze Nahe Osten in den nächsten Dekaden der „Spielplatz“ für westliche Geheimdienste und Spezialkräfte werden wird. Ein ständiges kommen und gehen von politischen-, ethnischen-, religiösen Gruppen die stets im Kampf gegeneinander sind.

  34. @T.W.
    Sorry, hatte den Bezug vergessen. Mein Kommentar
    Gustav Struve | 27. August 2014 – 21:03 (nun in „Deutsche Waffen für Kurdistan“)
    war eine Replik auf
    Closius | 27. August 2014 – 20:19
    Stimmt aber schon, beide passen besser in „Deutsche Waffen für Kurdistan“
    Andererseits hängen die Schauplätze in Hinblick auf die sicherheitspol. Ausrichtung doch wieder zusammen. Die Nachschau Afg bestimmt auch die Vorschau Irak.

    B.A.R.

  35. @wacaffe | 27. August 2014 – 21:45
    Ziel der USA war anfangs die Ausschaltung der al-Qaida und eine Machtdemonstration nach aussen und innen hin. Damit hätte man es belassen sollen.
    Nachdem das so einigermaßen gelungen war, dachte man sich jedoch, man könne dann auch gleich der Welt seine guten Absichten demonstrieren. Das war dann auch das Entrée für Deutschland.

    Ich bin mir aber nicht sicher, ob unsere Gestaltungsstrategen wirklich lernfähig sind:
    Califax: „Demnächst haben wir dann wieder “Irak demokratisieren” auf dem Plan und wollen die Postmoderne verbreiten..“

  36. KeLaBe | 27. August 2014 – 19:34

    Nach einem strategischen Gesamtkonzept sieht Ihr Vorschlag aber nicht aus.
    „Erst mal raus aus AFG und dann sehen wir weiter“, halte ich für keine tragfähige Lösung.

    In AFG ist vieles schiefgelaufen, (sicherheits-)politisch sicherlich, aber auch militärisch.
    Trotzdem: Al-Quaida wurde verdrängt, die Taliban geschwächt. Aber mit dem Abzug bis Ende 2014, wie man ihn bis jetzt plant ist man (wie im Irak), auf halbem Weg stehen geblieben. Wieder zu warten, bis das Kind in AFG oder anderswo in den Brunnen fällt führt nur zu einer weiteren Verlagerung des Problems.

    Islamischer Extremismus (oder wie man das Phänomen auch immer nennen mag) bedroht eine ganze Region vom Nahen- und Mittleren Osten über Asien bis Afrika – und letztlich über einen home grown terrorism auch Europa und Nordamerika. Den gilt es einzudämmen. Mit allen Mitteln: in erster Linie mit politischen, diplomatischen, polizeilichen und fiskalischen, wenn erforderlich aber auch mit geeeigneten militärischen Mitteln.
    Man wird einen islamischen Extremismus nie vollständig verhindern können, man kann ihn aber zumindest durch konsequentes Handeln entscheidend in seiner Bewegungsfreiheit beschränken.

  37. @ Sun Tzu
    @ Wacaffe

    Danke fuer die Erlaueterung. Zur Erklaerung, ich hatte mich nach ‚Ausscheiden‘ 2002 fuer zehn Jahre ins polynesische Dreieck zurueckgezogen da ist das Meisste in Europa/Mittl Osten an mir vorbei gegangen,

  38. Und schon wieder muss ich an O Pfeiffer aus Faßberg denken der nicht nur sein Regiment demnächst wegen super Einsatzbereitschaft voller Zufriedenheit im Irak sieht, nein, er ließ in der Celleschen sogar verkünden was man nicht alles in AFG positives erreicht hat. OMG

  39. @Sun Tzu

    hatte nicht auf den Link geklickt, interessant das wir auf das gleiche Bild kommen

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