Weniger internationale Soldaten in Afghanistan: so viele zivile Opfer wie nie

UNAMA_CivDeaths_jul2014

Der Abzug der internationalen Truppen aus Afghanistan hat zwar dazu geführt, dass deutlich weniger afghanische Zivilisten unbeabsichtigte Opfer von Luftangriffen wurden – zugleich ist aber die Zahl der getöteten Afghanen auf einen neuen Höchststand gestiegen. Die UN-Mission in Afghanistan, UNAMA, legte am (heutigen) Mittwoch ihren Bericht vor, mit einem düsteren Ergebnis: Vor allem als Folge zunehmender Bodenkämpfe zwischen Anti-Regierungs-Kämpfern wie den Taliban und afghanischen Regierungstruppen in bevölkerten Gebieten ist die Zahl der getöteten und verletzten Zivilisten im Vergleich zum Vorjahr fast um ein Viertel gestiegen:

In the first half of 2014, the armed conflict in Afghanistan took a dangerous new turn for civilians. For the first time since 2009 when UNAMA began systematically documenting civilian casualties in Afghanistan, more civilians were found to have been killed and injured in ground engagements and crossfire between Anti-Government Elements and Afghan national security forces than any other tactic.
In previous years, the majority of civilians were killed and injured by improvised explosive devices. Between 1 January and 30 June 2014, UNAMA documented 4,853 civilian casualties, (1,564 civilian deaths and 3,289 injured) recording a 17 per cent increase in civilian deaths, and a 28 per cent increase in civilians injured for a 24 per cent overall increase in civilian casualties compared to the first six months of 2013.
UNAMA attributed 74 per cent of all civilian casualties to Anti-Government Elements, nine per cent to Pro-Government Forces (eight per cent to Afghan national security forces, one per cent to international military forces) and 12 per cent to ground engagements between Anti-Government Elements and Afghan national security forces in which a civilian casualty could not be attributed to a specific party.
UNAMA attributed four per cent of civilian casualties to explosive remnants of war and the remaining one per cent to cross-border shelling from Pakistan into Afghanistan.
Compared with the first six months of 2009, when UNAMA began to monitor civilian casualties, the number of civilians killed by Anti-Government Elements doubled in 2014 (from 599 to 1,208), while the number of civilians killed by Pro-Government forces has been cut by half (from 302 to 158), almost entirely due to reduced civilian casualties from aerial operations of international military forces.

Mit anderen Worten: Der Kampf verlagert sich in die Dörfer und Städte – und die meisten betroffenen Zivilisten sind Opfer der Taliban, nicht der Regierungstruppen. ISAF spielt dagegen schon jetzt nur noch eine äußerst geringe Rolle. Was im Umkehrschluss bedeutet: Der bevorstehende weitere Abzug der internationalen Truppen aus Afghanistan wird die Lage keineswegs verbessern.

UNAMA-Chef Jan Kubis sieht eine grundlegende Veränderung des Kriegsgeschehens, als besorgniserregende Entwicklung:

“The nature of the conflict in Afghanistan is changing in 2014 with an escalation of
ground engagements in civilian-populated areas,” said the United Nations Special
Representative for the Secretary-General in Afghanistan and head of UNAMA, Ján
Kubiš. “The impact on civilians, including the most vulnerable Afghans, is proving to be
devastating.”
Und eine Randbemerkung: Die deutsche Entwicklungshilfe, unter anderem der zuständige Minister Gerd Müller, verweisen auf die zu hohen – finanziellen – Kosten militärischer Einsätze wie in Afghanistan. Prinzipiell richtig, weil Soldaten nicht nur das äußerste, sondern auch das teuerste Mittel sind. Allerdings ist damit wenig über die Sicherheitslage gesagt – und es bleibt die Frage, ob in allen Situationen die Akzeptanz der Bevölkerung als Sicherheitsgarantie ausreicht.

Nachtrag: Dazu auch die Analyse des UNAMA-Berichts beim Afghanistan Analysts Network lesen.

(Grafik aus dem UNAMA-Bericht – AGE steht für Anti-Government Elements; PGF für Pro-Government Forces)

20 Gedanken zu „Weniger internationale Soldaten in Afghanistan: so viele zivile Opfer wie nie

  1. Wundert mich nicht…

    Das Problem waren schon immer weniger die „ausländischen Besatzer“-sondern die (undisziplinierten, schlecht ausgebildeten) lokalen Sicherheitskräfte-und deren Widersacher..

    Während die einen (Terroristen) ohne wenn und aber gerne vor allem Zivilisten niedermetzeln (vor allem, weil diese sich nicht wehren-und um so ihre eigene Machtposition zu stärken), sind die anderen mit ihrer Aufgabe schlicht überfordert-und in einem Gefecht verstecken sie sich allzu oft einfach hinter einer Mauer, halten die AK oben drüber-und drücken ab….

    Beiden Seiten sind die zivilen Opfer schlicht und einfach egal…..

    Der nächste Krieg in Afghanistan hat bereits begonnen…mal schauen, wie lange es dauert, bis auch Merkel diese Tatsache nicht mehr leugnen kann…

  2. Und was soll Merkel denn dann machen … haust ja immer schon auf alles ein, was deutsch ist, sei es hier in diesem Post oder auch die Arfika betreffend. Das ist aber auch ein deutscher Charakterzug, über den sich die Internationalen bestenfalls wundern, in der Regel untereinander lustig machen. Hauptsache alle anderen machen alles richtig …

  3. Tja, und wenn die lokalen Sicherheitskräfte undiszipliniert und schlecht ausgebildet sind, dann sollte man sich vielleicht fragen, was die ISAF-Ausbilder vor Ort und Politikgonzos von nah und fern jahrelang versemmelt haben.

  4. Das Problem schien mir damals (2012/2013) weniger die, durchaus gute, Ausbildung und die, stellenweise extrem hohe, Disziplin der ANSF (in BGL). Sondern vielmehr das Fehlen eines inneren Verständnisses der AFG-Soldaten für den Soldatenberuf und das Konzept der legitimierten Anwendung tödlicher Gewalt als Staatsmonopol. Die Bereitschaft sich für die Sache „zu opfern“ und tapfer in ein Gefecht zu gehen, ließ bei einer geringen Aussicht, das Gefecht ohne Kratzer zu überstehen deutlich nach. Wenn dann noch die Führer ausgefallen sind, kam es recht schnell immer wieder zum fluchtartigen Rückzug und der Bitte um Luftunterstützung.

    Ich unterstelle den Afghanen dabei keine Feigheit, sondern vielmehr die Überlegung „warum sollte ich für Afghanistan sterben, wenn das Land nichts für mich tut und ich der Dorfgemeinschaft und meiner Familie einfach nur fehle und sie nicht mehr ernähren kann.“

    Wie man das allerdings ändern könnte, entzog sich bis Einsatzende unserer Kenntnis. Staatsbürgerlicher Unterricht hat definitiv keinen Erfolg.

    Erschwerend kam hinzu, dass die ANSF ein Freund von „Viel hilft viel“ waren und das mildeste Mittel oft die schweren Waffen und Panzerfäuste waren, anstatt mit Infanterietrupps geordnet und zielgerichtet vorzugehen. Die Mannstärke war dafür ja da.

  5. @ Fallobst
    – Ich unterstelle den Afghanen dabei keine Feigheit, sondern vielmehr die Überlegung “warum sollte ich für Afghanistan sterben, wenn das Land nichts für mich tut und ich der Dorfgemeinschaft und meiner Familie einfach nur fehle und sie nicht mehr ernähren kann.” –
    Genau das ist der Kernpunkt. Warum für einen Staat(?) sterben, der einem noch nicht mal die Beerdigung bezahlt oder die Hinterbliebenen auch nur annähernd versorgt. Ein Staat ist für den Einzelnen nur dann von Wert, wenn er nicht nur Recht und Ordnung erhält, sondern auch soziale Absicherung bietet und Entwicklungsmöglichkeiten fördert. Wenn das nicht besteht, ist sich jeder selbst der Nächste, das wäre auch hier (D) dann so.
    So muss es dann auch nicht verwundern, wenn einen die Szenarien in diesen Konfliktzonen immer wieder an den 30-Jährigen Krieg erinnern. Sicherheitskräfte auszubilden und zu bewaffnen nützt rein gar Nichts, wenn dahinter kein Sozialgefüge steht das wirtschaftliche Absicherung bietet. Aktionen wie Brunnenbohren sind (waren) schon der richtige Ansatz, bleibt aber an dem Punkt zum Stehen, wo es heisst “ so jetzt verdursten ihr ja schon mal nicht mehr“. Nationbuilding ist mehr, es gehört auch ein ziviler Sozialstaat dazu, der Substanz bildet. Ja das kostet Geld – es aber nicht so zu machen, kostet langfristig viel viel mehr.

  6. Das führt dann zu der Antwort auf die Frage, warum haben Hammas, Hisbolla, Isis,Taliban und Co die Unterstützung der Bevölkerung. Weil sie zumindest ein Mindestmaß an sozialer Absicherung bieten, somit gefühlt eine Nation, ein Wir bildet. Die Ami-Denke, ich stell da mal ’nen Sheriff hin mit ’ner Knarre – dann ist Law-and-Order also Staat, ist Hollywood-Schwarz-Weiss-Denken und bildet die realen Bedürfnisse keineswegs ab, ignoriert auch die Wurzeln der eigenen Verfassung (Locke’scher Staatsvertrag). Ein gutes Beispiel für Nationbuilding, wenn auch von innen her, stellen die Kurden. Nicht nur eine Armee aufgebaut, sondern auch ein staatstragendes Sozialgefüge, und bildet mittlerweile einen Sicherheitspolitischen Stabilitätspunkt in der Region.

  7. @ es-will-merr-net-in-mei-Kopp-enei
    „warum haben Hammas, Hisbolla, Isis,Taliban und Co die Unterstützung der Bevölkerung“

    Haben sie?

    Die Taliban sicher nicht, die sind in Afghanistan extrem unbeliebt. Gleiches gilt für Isis in Syrien. Beide leisten auch in karitativer Hinsicht nicht viel, von Religionsgerichten vielleicht abgesehen. Soziale Absicherung sicherlich nicht. Tatsächlich sind beide für die Zivilgesellschaft eine Belastung, und zeichnen sich durch wirklichkeitsfremde Eingriffe und Terror aus – insbesondere wenn sie eben nicht der Bevölkerung vor Ort entstammen.

    Ironischerweise ist Kontrolle durch Einschüchterung genau deren Programm. „Stell ’nen ‚Sheriff‘ hin, erschieß ein paar ‚Schuldige‘, und sag ab da wo’s lang geht“. Das ist weder Staat noch Law and Order, aber Macht. Reale Bedürfnisse bildet das nicht ab, mit Staatsvertrag hat das auch nichts zu tun und Entwicklungsmöglichkeiten schaffen Taliban und Isis auch nicht.

    Tatsächlich blenden Sie die Dimension „Kontrolle durch Gewalt bzw. Schutz vor Gewalt“ vollkommen aus, obwohl die wesentlich ist. Salopp ausgedrückt: Banden und Mafia werden nicht durch den Sozialstaat besiegt, sondern durch die Polizei.

    Eins der großen Mankos am deutschen Engagement ist eben, das man sich eben nicht als Sicherheitskräfte gesehen hat, und auch nicht das Schaffen von Sicherheitskräften und Justiz als Kernauftrag wahrgenommen hat. Für den Schutz der Bevölkerung ist die Bundeswehr „nicht zuständig“, die Polizeiausbildung dafür viel zu winzig, und die ANA eben eine Armee in bester BW-Kasernen-Tradition – oft ohne Bezug zur örtlichen Bevölkerung.

    Das heißt nicht, dass der afghanische „Staat“ nicht alle möglichen Probleme, nicht zuletzt Korruption, Kabulzentrismus und Ineffizienz. Aber was „den Aufständischen“, sei das jetzt ISIS oder die Taliban, letztlich Einfluss ermöglicht ist die Möglichkeit Menschen durch Einschüchterung zur Kooperation zu zwingen anzuwenden. Auf der Maslowschen Bedürfnishierchie ist das Überleben eben grundlegendst.

    Ironischerweise ist es gerade die Fähigkeit der kurdischen Streiter in Nord-Syrien, die dortige Bevölkerung vor solcher Gewalt zu schützen, die dort einen „Staat“ erst ermöglicht hat. Oder hat Assad Homs mit Sozialhelfern zurückerobert? Wo ist denn der „Staat“ in den Volksrepubliken Donetzk und Luhansk?

  8. Die Taliban haben vor dem Beginn von EF mittels Terror und Einschüchterung regiert und tun dies immer noch, sobald ANA oder ISAF das Feld räumen. Terror und Unsicherheit für die Bevölkerung sind hier Führungsprinzip – in Dexter Filkins „Der ewige Krieg“ bekommt man einen guten Eindruck davon, wie die Taliban herrschten.
    Definitiv erfolgreich sind Talib und andere vorrangig in der Schaffung des eigenen Gewaltmonopols – erfolgreicher als der afghanische Staat, der sich nach der Wahl womöglich selbst zerfleischt.

  9. J.R. | 09. Juli 2014 – 22:01

    Die Taliban sicher nicht, die sind in Afghanistan extrem unbeliebt. Gleiches gilt für Isis in Syrien. Beide leisten auch in karitativer Hinsicht nicht viel, von Religionsgerichten vielleicht abgesehen. Soziale Absicherung sicherlich nicht. Tatsächlich sind beide für die Zivilgesellschaft eine Belastung, und zeichnen sich durch wirklichkeitsfremde Eingriffe und Terror aus – insbesondere wenn sie eben nicht der Bevölkerung vor Ort entstammen.

    Hinsichtlich ISIS stimmt das so nicht: „The Islamic State of Iraq and Syria Has a Consumer Protection Office“ von Aaron Zelin vom Washington Institute for Near East Policy im The Atlantic.

    Und ja, die Taliban sind zweifelsfrei unbeliebt in Afghanistan, aber die „Vertreter“ der Zentralregierung sind teilweise noch unbeliebter ;)

  10. @ J.R. & Beobachter
    OK, Unterstützung war von mir vielleicht zu einfach formuliert. In der Realität geht es nicht um ein klares „Dafür oder Dagegen“ (Schwarz-Weiss Denken), sondern dazwischen gibt es einen breiten Graubereich der Unterstützung von offener Zustimmung über Akzeptieren als erduldbare Alternative bis zu nicht offen gezeigter Ablehnung. Wenn J.R. versucht mich mich in eine Ecke zu schieben, deren Position ich nicht vertrete, ist das unfair, vielleicht aber auch nur ein Missverständnis. Ich möchte nicht „die Mafia durch einen Sozialstaat besiegen“ und habe auch nicht angezweifelt, dass man zuallererst mal für Sicherheit und Ordnung sorgen muss. Aber es dabei zu belassen, und nicht die Frage zu stellen, wie es denn Weitergehen könnte, ist ziellos und führt zu Nichts. Da hätte man auch gleich zu Hause bleiben können.
    Im Bericht „Einsatz in Afrika: Warum die Niederlande in Mali sind“ ist ein Reuters-Artikel verlinkt aus dem ich den Niederländischen Aussenminister Timmermanns zitieren möchte, denn er bringt es gut auf den Punkt:
    „It is no longer just about development, containment or whatever you want to call it. This is about the struggle to convince people that our way of life is better than the fundamentalist way of life,“ he said. „This is not something we are going to solve in a few years,“ he added.
    Im aktuellen Mali-Bericht hat -MK20- auch einen guten die Problematk betreffenden Kommentar geschrieben. Ich schlage vor, da hier eh nicht viel los ist, hier zu zumachen und im Mali-Artikel weiter zu schreiben.

  11. Ich war in den 1960er Jahren insgesamt dreimal monatelang in Afghanistan. Nicht als Soldat, NGO-Helfer oder Polizist sondern als harmloser Bergsteiger. Kann mir jemand von den Experten sagen warum das Land damals funktioniert hat, warum man in Kabul kaum verschleierte Frauen sah und warum man sich überall problemlos aufhalten konnte ohne dass einem was gestohlen wurde oder dass einem irgend jemand an die Gurgel ging.

  12. @Otto Huber

    weil erst ab 1975 die Saudis aktiv die Verbreitung der „Wahhabism religious causes“ weltweit begonnen haben zu betreiben und zu finanzieren (between $2 and 3 billion per year since 1975). Stichwort Koranschulen/Madrasas. Bereits in den 80gern ist dann der radikale Zweig des Wahhabismus einerseits aufgesattelt auf diesen durch das Haus S’aud gesponsorten Religionsexport/Entwicklungshilfe, andererseits hat er sich abgespalten (Stichwort: Salafismus) und ist dann mit/durch Osama Bin Laden zum Djihadismus mutiert……Natürlich waren wirtschaftlich/sozial unterentwickelte, vorwiegend muslimische Länder in Afrika und Zentralasien ein hervorragender playground für den islamischen Extremismus besonders in den unterprivillegierten, ländlichen Regionen dieser Länder…..

    mal ganz einfach erklärt ;-)

  13. Zu einfach erklärt ;) Die 50er, 60er und 70er waren die Hochzeiten des säkularen Nationalismus (teilweise in Verbindung mit sozialistischen Ideen) in der islamischen Welt nach Jahrzehnten der Kolonialherrschaft bzw. des Daseins als Protektorat einer europäischen Macht. Die gleichen Fotos (unverschleierte Frauen, Bevölkerung in westlicher Kleidung etc.) existieren aus Kairo, Teheran usw. Das sagt aber nicht darüber aus, wie sehr diese Ansätze die Landbevölkerung und die städtische Unterschicht durchdrungen haben.
    Der säkulare Nationalismus mit seiner sozialistisch-inspirierten Wirtschaftspolitik scheiterte bekannterweise (Revolution im Iran, Machtübernahme in Ägypten durch Anwar as-Sadat) und in allen Staaten kam es zu einem Aufleben, wenn nicht gleich zu einem Durchsetzen islamisch-inspirierter Ansätze – was dann auch zu der Bezeichnung des Islamismus als „politischer Islam“ führte, weil davor sei er ja „unpolitisch“ gewesen (falsch, säkulare Ansätze dominierten).

    Das ganze fiel dann natürlich mit dem Aufkommen der Religionsaußenpolitik Saudi-Arabiens zusammen und die Entwicklung wurde durch diese noch verstärkt. Aber in AfPak und Indien existierten mit dem Deobandi-Islam bereits radikale islamistische Ansätze.

  14. Civcas bei militärischen Kampfeinsätzen, colour me shocked. not.

    wer natürlich so steril kommuniziert wie die BW muss sich über verwunderung bei kollateralschäden auch nicht wundern.

    1.Militärhandwerk ist das töten des Gegners.
    2.manchmal geht was daneben.
    3.es gibt keinen aseptischen Laborkrieg.

    wer das nicht aushält darf keine soldaten ins ausland schicken

  15. @wacaffe:

    ziemlich genau das, was ich auch schreiben wollte. Noch ein Punkt 4:

    4. man kann nicht nach jedem Einschlag hinlaufen und nachgucken, wer bzw. was da grade durchlöchert wurde (weil es nämlich grade zu gefährlich ist)

    Andererseits finde ich es völlig richtig, der BW ihre verdrallte Kommunikationsstrategie um die Ohren zu hauen – die ist nämlich sowas von dämlich. Wenn ich ein LINKER wäre würde ich mir einen Spaß daraus machen, mit weiteren schockierenden Erkenntnissen die BW vor mir herzutreiben.

  16. Krieg war und ist ein blutiges Geschäft. Wenn ich mir meine Familie ansehe, kommen bei den heute noch lebenden Verwandten vier verschiedene Staaten und Armeen zusammen. Und es kommen tatsächlich alle aus demselben Land.

    Das Bewusstsein einer deutschen Nation und der Aufbau einer funktionierenden Demokratie hat auch lange gedauert und viel gekostet. Vielleicht bis 1990, möglicherweise noch immer. Und angefangen hat das meiner Meinung nach schon in der Antike, als man sich mit den Römern abwechselnd schlug und vertrug. Wer glaubt, man könnte als Ausländer sowas mal schnell hinstellen und dann wieder gehen, der hat im wahrsten Sinne des Wortes den Schuss nicht gehört…

    Aus meiner Sicht ist Bildung der Schlüssel. Sie befähigt die Leute, sich Wissen anzueignen und eigene Erkenntnisse zu erlangen. Dazu kann es im Extremfall notwendig sein, Schulen und Schüler, vor allem die Mädchen, auch militärisch zu schützen. Und wie lange es dauern kann, bis sich das auszahlt, kann man nur ahnen. Ein oder zwei Generationen halte ich für realistisch.

    Fazit: Wenn wir das Engagement sinnvoll vorantreiben und forcieren, rechne ich mit einem stabilen, freien Staat in etwa 50 Jahren.

  17. http://www.nzz.ch/aktuell/startseite/john-kerry-bewahrt-afghanistan-vor-dem-chaos-1.18342564

    „Wie eine Regierung der nationalen Einheit aussehen soll, dazu äusserten sich die Kandidaten nicht. Vorstellbar wäre etwa die Schaffung eines Ministerpräsidenten-Postens für den Wahlverlierer. Klar ist allerdings schon jetzt, dass die Überprüfung der gut acht Millionen Stimmen über das von Karsai festgesetzte Datum der Amtsübergabe am 2. August hinweg andauern wird.
    Das könnte die Nato in Bedrängnis bringen, deren Kampfeinsatz in Afghanistan Ende des Jahres ausläuft. Das Bündnis will bei seinem Gipfel am 4. und 5. September in Wales eigentlich den kleineren Folgeeinsatz «Resolute Support» zur Unterstützung und Ausbildung afghanischer Sicherheitskräfte beschliessen. Dafür benötigt die Nato aber ein Abkommen mit dem neuen afghanischen Präsidenten – der dann vielleicht noch gar nicht im Amt sein wird.“

    Die Zeit läuft weiter und immer mehr allen davon…….

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