DroneWatch: Auf in die Woche des Streits

Reaper-Symbolbild

Die verteidigungspolitische Debatte in dieser Woche in Deutschland dürfte ganz im Zeichen der Drohnen stehen.Am (heutigen) Montag hört der Verteidigungsausschuss des Bundestages Experten zu der Frage, ob die deutschen Streitkräfte mit bewaffneten unbemannten fliegenden Systemen (die Luftwaffe bevorzugt die Bezeichnung Remotely Piloted Aircraft, ferngesteuerte Luftfahrzeuge) ausgerüstet werden sollen, und Mitte der Woche wird sich vermutlich auch Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen dazu positionieren.

Den Auftakt zur aktuellen Debatte liefert der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses, der SPD-Abgeordnete Hans-Peter Bartels, im Deutschlandfunk mit einer klaren Absage an diese Waffensysteme:

Andere Szenarien, die gelegentlich vorgetragen werden, auch im letzten Jahr durch den damaligen Verteidigungsminister de Maizière vorgetragen wurden, etwa luftnahe Unterstützung für kämpfende Truppen am Boden, sind nicht sehr überzeugend. Ich habe da auch die Bundesregierung mal gefragt, wie oft ist das denn in den 13 Jahren, die wir in Afghanistan gemeinsam mit den Amerikanern, mit der NATO im Einsatz sind, wie oft ist das vorgekommen im Zusammenhang mit deutschen Truppen, und insgesamt waren es zwei solcher Einsätze. (…)
Aber es gab keine zusätzliche neue operative Anforderung, und vor dem Hintergrund dessen, was wir aus der Praxis der amerikanischen Drohneneinsätze wissen, glaube ich, müssen wir uns hier heute nicht in so eine Situation begeben, eine Trennung zu machen. Das was die Amerikaner tun finden wir falsch, so würden wir sie nicht einsetzen. Aber wir haben darüber hinaus Zwecke, für die die Bundeswehr dies braucht. Die Bundeswehr hat im Moment diese Zwecke abgedeckt durch die Mittel, die sie hat.

Nun ist es nicht überraschend, dass ein SPD-Abgeordneter die Position der Sozialdemokraten vertritt – überraschend ist allerdings, dass der Ausschussvorsitzende schon vor Beginn der Experten-Anhörung öffentlich ein Ergebnis verkündet. Das die Anhörung eigentlich überflüssig macht. Ganz davon abgesehen, dass damit auch klar wird, dass eine einheitliche Linie der schwarz-roten Koalition in weiter Ferne liegt. (Und als inhaltliche Randbemerkung: Luftnahunterstützung in Afghanistan mit Drohnen gab es in zwei bekannten Fällen mit Waffeneinsatz – wie oft deutsche Konvois durch bewaffnete Drohnen der USA geschützt wurden, die aber ihre Raketen nicht einsetzten, ist da nicht erfasst.)

Aber dazu wird heute sicherlich noch mehr kommen, weiter nach Entwicklung.

(Archivbild 2007: MQ-9 Reaper, Unmanned hunter/killer weapon system – U.S. Air Force photo/Staff Sgt. Brian Ferguson)

57 Gedanken zu „DroneWatch: Auf in die Woche des Streits

  1. @J.R „das Heer hat dafür eh schon die Artillerie die das ja eh kann“

    Das wäre ein ganz anderes Thema, ob die das eh kann. Auch die mächtige Haubitze hat im Einsatz seine Grenzen, physisch und bürokratisch.

  2. @huey:

    Danke für ihre klaren Punkte von 16:27.
    1-6 sowie 1-3. Genau so ist es.
    +1

    Ansonsten erkenne ich leider viel Quallenfett.

  3. @huey

    Es ist und bleibt unlauter einen unbemannten bewaffneten Motorsegler mit geringer Nutzlast, eingeschränkter Beweglichkeit, geringer Geschwindigkeit, fehlenden Tiefflugeigenschaften, eingeschränkter Verlegefähigkeit, ohne skalierbare Bewaffnung, unsicherer Datenverbindung uem mit einem bemannten Kampfflugzeug zu vergleichen.
    Wenn dann vergleichen sie unbemannte Einmot mit bemannter Einmot. Der Hinweis mit der Supertucano kommt der Sache schon näher. Ich möchte mich als Angehöriger eines Bodentrupp nicht auf ein bew RPA verlassen, denn wenn man schon weiß, dass man CAS benötigt, dann bitte genau und durchhaltefähig. Wenn nicht, wird die Lw ein ISR RPA auch nicht bew fliegen lassen.

  4. @JR:
    “ “Beware Skynet”. Vielleicht ein dummer Spruch, aber jeder Pfandflaschenautomat zeigt mir, wie weit wir von Skynet entfernt sind.

  5. @ 2199
    Das wäre ein ganz anderes Thema, ob die das eh kann. Auch die mächtige Haubitze hat im Einsatz seine Grenzen, physisch und bürokratisch.

    Da war meinerseits eine kleine Prise Ironie dabei, man denke nur an die Reichweite der Panzerhaubitze 2000 im Vergleich etwa zur Fläche des RC Nord oder Nord-Mali. Sorry wenn das nicht ersichtlich war.

    Insgesamt entsteht halt der Eindruck „Niemand will wirklich die Verantwortung für die Fähigkeit ‚Dritte-Welt-tauglicher CAS‘, aber an ner bewaffneten Drohne hätten alle Spass“.

  6. Auch eine gute Frage ;)

    MONASTERIUM ‏@monasterium 2 Min.

    Braucht eine Armee mit schlechten Gewehren, Stiefeln und mangelhafter Feldkommunikationsausrüstung wirklich Kampfdrohnen?

  7. @J.R.

    Persönlich bleibt bei mir aber wieder der Eindruck hängen, dass man seitens Industrie, Regierung und “Soldatenvertretern” an einer kostengünstigen Low-Tech-Lösung gar kein Interesse hat.

    Hat man nicht. Low-Tech passt nicht ins Bild des High-Tech-Kriegs nach streng konventionellen Regeln. Man rüstet sich in Erwartung von mechanisierten Konflikten gegen richtige Gegner, mit richtigen Frontverläufen und richtigen Siegen. Die Sehnsucht nach einem kurzzeitigen „Mission Accomplished“-Krieg ist so groß, dass die sehr realen aber uncoolen Konflikte von heute und morgen im Nebel des Selbstbetrugs untergehen.

    @axel_f

    Braucht eine Armee mit schlechten Gewehren, Stiefeln und mangelhafter Feldkommunikationsausrüstung wirklich Kampfdrohnen?

    Natürlich! Kampfdrohnen sind doch das einzig verbliebene Mittel, um eine bereits total verkorkste Situation auf dem Schlachtfeld zu entschärfen. In einer Welt der Luxusprobleme darf der Beschaffung von bewaffneten Drohnen nichts im Wege stehen. Diese urkomische Situation erinnert mich stark an so manche „This Is Africa“-Nation. Keine Kohle für Essen, Bildung und Krankenhäuser, dafür ein halbes Dutzend Flanker auf dem Rollfeld stehen haben – beim Nachbarland gammeln schließlich eine Handvoll MiG-29 im Hangar rum, die könnten ja irgendwann gefährlich werden.

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