Putin gibt Hinweis auf Freilassung deutscher Geiseln in der Ukraine – nach Schröder-Treffen

Putin_Minsk_20140429

Das ist alles noch ein bisschen vage und merkwürdig, aber einen Hinweis wert: Russlands Präsident Wladimir Putin hat sich am (heutigen) Dienstagabend optimistisch geäußert, dass es zu einer Freilassung der entführten – auch deutschen – Militärbeobachter in Sloviansk in der Ukraine kommt – und diesen Hinweis hat Putin in Zusammenhang mit dem kritisierten Treffen mit Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder am Vortag gestellt.

Die Äußerungen Putins bei einer Pressekonferenz in Minsk in Weißrussland gibt es vom Kreml bislang nur in einer russischen Abschrift, deshalb hier die Google-Übersetzung und in einer englischen Version (obwohl mir scheint, dass die Google-Übersetzung teilweise sinnvoller war…):

QUESTION: A group of military observers was detained recently in Ukraine. Ukraine had invited these observers to the country and was supposed to guarantee their security. What is your view of this situation?

VLADIMIR PUTIN: There is nothing good here at all, neither in the fact that they were sent in this capacity, nor in their detention. If the Ukrainian government or those who call themselves the government in Kiev invited observers, all the more so military observers, as experienced people they should realise they are heading for a conflict zone, entering a region that does not recognise the legitimacy of the current authorities in Kiev, and they should have been aware of this and reached agreement with the people who are in control of the situation in those regions. They did not do this and therefore ended up in the situation we see today.

At the same time, we understand the concerns of our partners in Europe. I had a private meeting yesterday, met with the former German chancellor, Mr Schroeder, and he also expressed these concerns, given that a German citizen is among those who were detained. I hope that this conflict will be settled and that these people will be able to leave the region without hindrance, but everyone involved in this process should draw the according conclusions from what has happened and make sure to avoid any such mistakes in the future.

Wenn Russland tatsächlich, wie die deutsche Politik fest glaubt, entscheidenden Einfluss auf die Separatisten in der Ost-Ukraine hat – dann dürfte die Aussage I hope that this conflict will be settled and that these people will be able to leave the region without hindrance (Google-Übersetzung:  I hope that this conflict will be resolved, they will be able to freely leave the territory where they are today) ein Indiz für eine baldige Freilassung sein.

(Foto: v. die Präsidenten Kasachstans, Nursultan Nasarbajew, Weißrusslands, Alexander Lukaschenko, und Putin beim Treffen in Minsk am 29.4.2014 – kremlin.ru)

37 Gedanken zu „Putin gibt Hinweis auf Freilassung deutscher Geiseln in der Ukraine – nach Schröder-Treffen

  1. Das wäre noch der Gipfel der Demütigung für Steinmeier und Merkel, dass sie sich bei Schröder für die Freilassung bedanken können.

  2. Hoffen wir das mal für den Genossen der Bosse, denn in den deutschen Medien wird Schröder ja derzeit nicht gerade hofiert für diese Umarmung…

  3. ich bin eingentlich kein Gegner von Prostitution.

    für die politischen Variante gilt das aber nicht.

    pfui!

  4. @ Skalg:

    Das ist eine weltweite gute Tradition, bei heiklen Themen über nicht-offizielle Personen vorzufühlen. (sog. Track 2 Diplomacy) Klappt es, sind alle erleichtert, klappt es nicht, gibt es keinen Gesichtsverlust für irgendeine Partei. Denn ein solcher Gesichtsverlust könnte im schlimmsten Fall wieder eine eskalierende Reaktion dieser Partei auslösen.

  5. Ein guter Drehbuchschreiber würde als nächsten Schritt k e i n e Freilassung vorsehen.
    Denn der gute Herr Putin hat nunmehr seine beste Absicht geäußert und sich damit auf die richtige Seite gesellt. Und er will auch auf die Freilassung hinwirken; da die Herren in der Ostukraine aber eben nicht von Moskau gesteuert werden, kann auch er nicht viel ausrichten. Aber er hat es ehrlich versucht.

  6. Jetzt laßt uns erstmal alle hoffen, daß die Leute freikommen. Und hoffentlich auch die ukrainische Eskorte.

  7. schön wie jetzt alle beobachter in dankbarkeit vor dem retter erstarren, der zufällig auch der Hintermann der Entführer ist.

    Was solls. Hail Putin

  8. Falls jemand unter meinen Lesern gut genug Russisch kann, würde ich mich über eine saubere deutsche Übersetzung von Putins Worten freuen.

    (Hey, am besten, ehe die ganzen großen Medien merken, was er da gesagt hat…)

  9. Vielleicht kommt der Gesinnungswandel des „Bürgermeisters“ ja auch durch die BILD Meldung? :-)

    [Erstens gibt’s hier i.d.R. keine Links zu deutschen Verlagswebseiten, wie Sie auch schon gemerkt haben… und zweitens steht im anderen Thread schon das Dementi. Lesen hilft bisweilen ;-) T.W.]

  10. @T. Wiegold

    Hoppla… kleiner Fauxpas mit der Verlinkung – bitte entfernen. :-S

    Sagen wir einfach, die BILD Zeitung hat auf mögliche Hausbesuche aus Calw und Sankt Augustin hingewiesen.

  11. @ jugendoffizier
    wie war das ein „bild“ sagt mehr als tausend Worte

    erst mal heil weg von unserem Seifenfabrikanten
    mal schaun was so aus mit ihm wird

  12. Ich hoffe, dass dieser Konflikt gelöst werden kann, und sie [die Beobachter] in der Lage sein werden zu gehen, aber alle an diesem Prozess beteiligt sind, sollten Schlussfolgerungen aus dieser Situation ziehen und sie gründlich analysieren

    Das ist mal meine freie Übersetzung, ich denke er meint das nächste mal bin ich nicht so gnädig und haltet eure Nasen da raus

  13. @T. Wiegold

    Mea Culpa sage ich da mal…

    Vielleicht hat der Seifenfabrikant einfach kein deutsches Fernsehen, dafür aber die aktuelle BILD von Paul Ronzheimer als Sonderausgabe in russisch/ukrainisch vorliegen? *just kidding*

    Hoffen wir einfach, dass die Jungs bald frei kommen, ebenso wie ihre ukrainischen Begleiter von der Polizei, die nur all zu gern vergessen werden.

  14. nach einer freilassung wäre Ponomarjew dann ja eigentlich was für die (nationale) JPEL.

  15. Jetzt die Frage: Sind die militärischen Beobachter von OSZE Staaten nun Geschichte im Osten der Ukraine? Russland hätte sein Etappenziel erreicht. Die 5. geplante Beobachtergruppe unter kanadischer Führung ist nicht angereist, oder?

  16. @ ottone

    doch. angeblich ist die schon aktiv.

    wurde irgendwo so verlautbart. keine quelle sorry

  17. Es waren ja noch andere Gäste aus Deutschland auf dieser «Party». Ob Phillip Mißfelder nach St. Petersburg gereist, um mit dem ollen Schroeder anzustoßen? Der hatte bestimmt auch noch ein paar nette Worte von Mutti mit im Gepäck. Nene, das war alles mehr oder weniger geschickt eingefädelt und mit Berlin abgesprochen, und die Herren hatten in einem der vielen Hinterzimmer einiges zu bereden. Hoffen wir auf ein gutes Ende. Fragt sich nur, zu welchem Preis?

  18. Mal eine Frage an die Völkerrechtler:

    Nach welchen Verträgen ist eigentlich der Schutz von Diplomaten geregelt? Und wie sieht es rechtlich aus, wenn ein Staat diese Vertragsgrundlage verläßt, und absichtlich die diplomatische Immunität ignoriert?

  19. @ califax

    Wiener Übereinkommen über diplomatische Beziehungen regelt umfassend alle Aspekte bezüglich des Diplomatenstatus.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Wiener_%C3%9Cbereinkommen_%C3%BCber_diplomatische_Beziehungen

    ignoriert ein staat die rechte absichtlich ist völkerrechtlich eigentlich eine diplomatische reaktion üblich. bsp. man erklärt diplomaten des jeweiligen staates zur persona non grata bzw. „bestellt“ diese zumindest ein oder ruft seinen eigenen botschafter zurück.

    die ukraine ist insofern eine sonderkonstellation, als russland indirekt den diplomatenstatus deutscher diplomaten (der beobachtergruppe) in der ukraine durch proxies missachtet.

    als politisch denkender völkerrechtler würde ich ihnen sagen das die reaktion letzlich vom Willen der deutschen regierung abhängt. definitive rechtsaussagen kann man in einer derart komplexen lage nicht treffen.

    man könnte vieles machen aber : „angst essen seele auf“

  20. Als weniger politisch denkender Völkerrechtler lasse ich mich zu der definitiven Rechtsaussage hinreißen, dass der Diplomatenstatus ein Rechtsverhältnis inter partes ist. Auch bei noch so kreativer Zurechnung der vermeintlichen Verletzungshandlung handelt es sich bei den Entführten aufgrund des schon breit diskutierten Entsendeverfahrens für Russland nicht um Diplomaten.

  21. @ ops
    soso.

    merkwürdig das alle delegationsangeörigen diplomatenpässe besaßen und folgich wohl auch als solche i.S.d. WÜDB zu qualifizieren sind

  22. @wacaffe:
    Das ist nicht merkwürdig, sondern Methode: Juristen leben davon, dem Laien die Rechtsfindung durch naive Wortklauberei unmöglich zu machen – ein echtes Minenfeld für Forenhochstapler. In diesem Fall hätte Sie allerdings schon der Wikipedia-Artikel „Diplomatenpass“ sicher hindurch geführt.

  23. Die Frage wird sein, was Putin als Gegenleistung für die Geiseln will. Der letzte Satz des englischen Textes kündigt soetwas schon an. Gratis gibts gar nichts.
    Russland wird sich die Gelegenheit nicht entgehenlassen, die Deutsche Diplomatie in der Ukraine als ernstzunehmenden Akteur auszuschalten.

  24. Zu wünschen wäre es ja das die OSZE Beobachter frei kommen, unabhänging davon mehren sich die Zeichen das die Ostukraine in ein „Krim-Szenario“ abdriftet. Die russischen Truppen sind entgegen allen Beteuerungen Russlands noch nicht abgezogen, dafür sind Fahrzeuge mit der Aufschrift „Friedestruppen“ gesichtet worden. Wie zynisch ist das denn.

  25. @Ops

    „(….) Auch bei noch so kreativer Zurechnung der vermeintlichen Verletzungshandlung handelt es sich bei den Entführten aufgrund des schon breit diskutierten Entsendeverfahrens für Russland nicht um Diplomaten.“

    Spielt das eine Rolle ob die Diplomaten in der Ukraine von Russland anerkannt sind?
    Spielt es eine Rolle ob die Diplomaten in Deutschland von Den USA anerkannt sind?
    Wenn man das mit ja beantwortet, dann gesteht man Russland die Rolle zu, die Russland für sich in Anspruch nimmt. Wir sollten dann so konsequent sein und die -Russische Föderation- machen lassen, was sie wollen und uns nicht mehr einmischen.

  26. Ariel Sharon, sicher alles andere als ein „Weichei“, hat bereits 1977 gesagt:
    „Es kommt nicht darauf an, mit wem, sondern worüber und wofür verhandelt wird.“

    Wenn die Kameraden freikommen, das ganze auch noch so eingefädelt wurde oder auch nicht, war es ein paar schlechte Artikel und beissende Kommentare hier wert.

  27. Answers to journalists’ questions following the Supreme Eurasian Economic Council summit

    QUESTION: A group of military observers was detained recently in Ukraine. Ukraine had invited these observers to the country and was supposed to guarantee their security. What is your view of this situation?

    VLADIMIR PUTIN: There is nothing good here at all, neither in the fact that they were sent in this capacity, nor in their detention. If the Ukrainian government or those who call themselves the government in Kiev invited observers, all the more so military observers, as experienced people they should realise they are heading for a conflict zone, entering a region that does not recognise the legitimacy of the current authorities in Kiev, and they should have been aware of this and reached agreement with the people who are in control of the situation in those regions. They did not do this and therefore ended up in the situation we see today.

    At the same time, we understand the concerns of our partners in Europe. I had a private meeting yesterday, met with the former German chancellor, Mr Schroeder, and he also expressed these concerns, given that a German citizen is among those who were detained. I hope that this conflict will be settled and that these people will be able to leave the region without hindrance, but everyone involved in this process should draw the according conclusions from what has happened and make sure to avoid any such mistakes in the future.

    http://eng.kremlin.ru/transcripts/7091

  28. der politische Wert der Gefangenen ist aufgebraucht
    jeder weitere Hafttag verbraucht nur Ressourcen, das wird auch den Separatisten klar sein
    Rußland wird sie über Dritte nach Hause schicken
    das Auswärtige Amt sollte sich darauf vorbereiten

    @TW, es wäre gut einen LiKE Button einzuführen, egal wie er dann heißt

    .

  29. @axel_f

    Danke, auf die englische Version hatte ich gewartet…. da war der Kreml diesmal langsamer als sonst. Füge ich oben ein.

  30. Lageupdate, Ponomarjow zitiert nach aktueller faz:

    „Wir sind in einem guten Dialog [= mit der OSZE], aber ich denke nicht, dass es eine Freilassung schon heute oder morgen geben kann.“

  31. Auf FAZ.net gibt es nebenher einen guten Artikel zur Lage in Slowiansk, in dem mal einfache Ukrainer und nicht nur selbsternannte Bürgermeister zu Wort kommen: „In Slawjansk herrscht Terror“

  32. Hallo, ich kann russisch und deutsch, was genau wollt ihr übersetzt haben. Ich wollte schon lange so etwas machen. Meldet euch auch in facebook

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