100 Tage IBUK von der Leyen: noch bisschen früh für eine Bilanz

Ursula von der Leyen

Eine neue Regierung, einen Minister oder eine Ministerin nach den ersten 100 Tagen ihrer Amtszeit in einer Bilanz zu beurteilen, ist inzwischen (ein vor allem medialer) Brauch. Und mit Erreichen dieser 100 Tage große Koalition und damit auch 100 Tage Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen kann ich dem nicht ganz ausweichen, will es aber knapp machen: Bei der ersten Frau an der Spitze der deutschen Streitkräfte, der ersten Inhaberin der Befehls- und Kommandogewalt (IBUK) im Frieden lässt sich vielleicht die, wie es neudeutsch heißt, öffentliche Performance bewerten. Ob und was sie erreicht hat: Dafür ist es, finde ich, noch ziemlich zu früh.

Schauen wir also auf die öffentliche Performance. Da hat Politprofi von der Leyen alle Register gezogen. Von der ersten Reise in einen Auslandseinsatz, nach Afghanistan am vierten Advent, wo sie die Richtung vorgab: Der Mensch steht im Mittelpunkt. Von ihren medienwirksam verkündeten Entwürfen zur besseren Vereinbarkeit von (Militär)Dienst und Familie, für mehr Attraktivität des Arbeitgebers Bundeswehr. Über die im Dreiklang mit Bundespräsident und Außenminister auf der Münchner Sicherheitskonferenz verkündete neue Marschrichtung, Deutschland müsse mehr Verantwortung übernehmen. Und bis zum publikumswirksamen Rausschmiss des Staatssekretärs, der für Rüstungsprojekte zuständig war – gefolgt von der Ankündigung, dass bei diesem ganzen Beschaffungsprozess ein neuer Kurs ansteht. (Es gab auch noch einen vierten Punkt, auf den komme ich später.)

Für eine Bilanz eignet sich das alles (noch) nicht. Denn all das, womit von der Leyen in den vergangenen Monaten in der Öffentlichkeit und auch in der Truppe gepunktet hat, muss noch umgesetzt werden.

Das geht nicht innerhalb von Wochen, das wissen auch die Betroffenen, zum Beispiel die Soldaten mit Kindern, die auf eine bessere Betreuung ihres Nachwuchses angewiesen sind. Aber diese Soldaten erinnern sich auch, dass Vorgänger Thomas de Maizière im Jahr 2011 bei der Vorstellung der Neuausrichtung der Bundeswehr versprochen hatte, bis Ende jenes Jahres würden die meisten wissen, wo ihr künftiger Arbeitsplatz sei. Manche wussten es zwei Jahre später noch nicht – und das haben sie ihrem obersten Chef mehr übelgenommen als andere Probleme, die auf den Minister zurückfielen. Ob das Versprechen von mehr Attraktivität und besserer Familienvereinbarkeit eingelöst wird, darauf wird die Truppe schauen. Spätestens am Ende dieses Jahres.

Auch die Frage, wie sich mehr deutsche Verantwortung (Gleichgültigkeit ist keine Option) praktisch auswirkt, ist noch offen. Nicht nur, weil Außenamtschef Frank-Walter Steinmeier das keinesfalls als Zusage für mehr militärisches Engagement verstanden wissen will. Sondern auch, weil zwischen einem hehren Anspruch und der Verwirklichung möglicherweise eine Lücke klafft – wenn angesichts von 2.000 Franzosen, 6.000 afrikanischen Soldaten und demnächst (mühsam zusammengekratzten) 1.000 Mann der Europäischen Union für die Zentralafrikanische Republik der deutsche Beitrag maximal ein Rettungsflieger und einige Stabssoldaten sind. Das hat nicht allein von der Leyen zu verantworten, weil da im Kabinett auch noch andere mitreden (und Entwicklungsminister Gerd Müller ohnehin der Meinung ist, Afrika gehöre in sein Ressort und nicht in militärische Überlegungen). Aber wie sich die Zusage aus München konkret auswirkt, bleibt offen.

Und die Organisation der Rüstung? Da gibt’s nach dem Abschied von Staatssekretär Stéphane Beemelmans und Rüstungsdirektor Detlef Selhausen noch keine handfesten Aussagen, übrigens noch nicht mal einen neuen Staatssekretär. Dafür aber inzwischen eine Ausschreibung für externe Beratung, mit der die Beschaffungsprozesse untersucht und irgendwann verbessert werden sollen. Das dauert allerdings auch eine Weile.

Strich drunter: Nein, nach 100 Tagen kann zumindest ich nicht wirklich sagen, wohin die Reise geht – zu viel hängt davon ab, was von den Ankündigungen wie und wann umgesetzt wird.

Und dann hat Medienprofi von der Leyen auch noch am vergangenen Wochenende, kurz vor Erreichen der 100 Tage, einen für sie ungewöhnlichen Fehler begangen: Was sie zum Thema Solidarität mit den osteuropäischen NATO-Verbündeten und zum Umgang mit Russland gesagt hat, hätte auch vom Außenminister kommen können – und wenig Aufsehen erregt. Doch gerade weil es von der Verteidigungsministerin kam, schlugen die Wellen hoch:  Aus ihrem Plädoyer für eine demonstrative Solidarität mit Estland, Lettland, Litauen, Polen und den anderen Bündnismitgliedern im Osten hörten einige selbst in der Koalition den Wunsch nach gen Osten rasselnden Panzerketten hinaus. Das hat sie vermutlich nicht so gemeint. Aber dass die Chefin einer Streitmacht anders wahrgenommen wird als der Chefdiplomat – das hätte sie einpreisen müssen.

Ähnliches gilt übrigens für die Überlegung, mal an die körperlichen Anforderungen an Soldaten heranzugehen. Kann man machen. Wie das in der Truppe ankommt? Siehe die Kommentare hier.

(Foto: von der Leyen am 28.01.2014 im Gefechtsübungszentrum des Heeres – © Thomas Trutschel/photothek.net)

115 Gedanken zu „100 Tage IBUK von der Leyen: noch bisschen früh für eine Bilanz

  1. @drd: Danke für das hervorragende Echo, auch wenn ich ganz bewußt an einigen Stellen arg provoziert habe. Z.B.: „Federführung = TSK“.

    Besonders trefflich sind Ihre Ausführungen „Wenn das derzeit nicht passiert, dann nur weil die Projektleiter es nicht tun… genau das soll geschehen. Es noch mehr zu fordern, wird das Problem nicht lösen. Das ändert sich erst, wenn von ganz oben bis ganz unten klar ist: so und nicht anders. Solange es den Dienstweg gibt, geht das nur von oben nach unten und mit den magischen Worten: “Ich will!”…“

    sowie „Beides gegeben. Der GI hat seine LV/AWE und die TSKs haben die GeNu und sie sind in den IPTs dabei. Die Frage ist eben nur, ob man sich einbringt oder die Diensposten zum Parken von Durchgangspersonal mit Eichenlaub nutzt.“

    Zumindest kenne ich sechs Projekte, bei denen genau diese beiden Punkte maßgeblich für das bisherige (3 Projekte) bzw. das absehbare zukünftige Scheitern (3 Projekte) ausschlaggebend waren bzw. sind.

    Was da teilweise für politisch gewollte und bar jeglicher Expertise „Gefälligkeits-GeNu“ zusammengezimmert wurden ist nicht nur zum Himmel schreiend, sondern teil sogar absolut sträflich und zwar im wahrsten Sinne des Wortes!

    Als herausragendes Beispiel darf ich da den NH90 nennen unter den Stichworten „Sitzauflastung, Hardpoints für Krankentragen und Innenlasten, „umgetürkte“ FALCOR-2012-Auswertungen, MG3, M3M, Schallpegel im Cockpit, Zulassunsgsstandards 1990, Innen- und Aussenlasten, Kat- A-Performance, Fast-Rope- und Windenbetrieb, FLIR und Landescheinwerfer, Heckrampe, Frachtraumboden, Korrossion, Hauptrotor kann VHF-Antennen abschlagen, Nav-System schmiert ab, Kaltstartverhalten der Rechner, etc.

  2. @ drd – Danke für den Beitrag. Das Bestätigt meine Vermutung – der CPM (nov) ist zumindest besser als das was davor vorhanden war. Wenn das System jedoch übersteuert wird (wie auch Rühle im Welt Artikel sehr deutlich formulierte), bringt auch das perfekte System nichts. Daher kommt es jetzt darauf an, den politischen Einfluss in der Beschaffung zurück zu drängen.

    @MikeMolto – Die Weise-Kommission unterbreitete den Vorschlag, das BAAIN in eine Agentur umzuwandeln und dem Chef dieser Agentur auch die Personalhoheit zu geben. Dies hätte den Vorteil, dass der Personalkörper besser atmen kann und die Hemmschwelle für junge Ing. herabgesetzt wird in diesem Bereich zu arbeiten ohne Beamter werden zu müssen. Der letzte Punkt war auch für mich ausschlaggebend – ich möchte mich von diesem System schlicht nicht mein ganzes Leben gefangen nehmen lassen, auch wenn ich die Tätigkeit als äußerst interessant empfinde.

  3. @MikeMolto
    Ich kann eigentlich nur für den höheren Dienst (A13+) sprechen und auch nur für den Teil, den ich genauer kennengelernt habe. Beim Rest ist die „Stichprobe“ zu klein, aber es scheint nicht groß anders auszusehen… Also:

    Das Einstiegsgehalt ist überdurchschnittlich. Die Bezahlung ist absolut konkurrenzfähig. Wenn ich mir Studienkollegen ansehe, die ähnliche Laufbahnen in der Industrie eingeschlagen haben, dann liege ich persönlich meist netto gleich auf, bei weniger Stunden pro Woche oder aber vor bei gleicher Stundenzahl. Mag sein, dass es im Bereich von Ingenieuren anders aussieht, aber bei „Quereinsteigern“ wie Naturwissenschaften ist das der Stand. Die „Luft“ nach oben ist in der Wirtschaft wahrscheinlich höher. Da ist bei entsprechender Leistung und Glück viel drin. Aber realistisch ist das auch nur für wenige, vielleicht vergleichbar mit der Quote, die die A16 Hürde schafft. Da ist die Lücke dann da, aber eben auch die Arbeitsbelastung nur noch schwer vergleichbar und die Sicherheit des Staatsdienst darf man nie vergessen.

    Warum schreibe ich das? Nun, die Bezahlung stimmt. Die Sicherheit ist ein großer Anreiz. Wo es klemmt ist die Ausbildung. Wer nicht vorgebildet sondern direkt von der Uni kommt, der hat leicht massive Defizite. Bei denen die Vorzeiten haben ist das meistens ganz anders. Deren Zahl ist zum Glück gestiegen, seit die unsinnige 32 Jahre Grenze für den Einstieg gefallen ist. Für neues Personal wäre es ungemein Wichtig ein gutes Aufwuchstraining und Personalentwicklung zu betreiben. Beides findet aber nicht statt. Nicht einmal auf dem Niveau der Uniformträger. Das Referendariat ist nicht wirklich geeignet in der aktuellen Form. Die Ansätze im neuen CPM drohen an der dünnen Personaldecke bei der realen Umsetzung zu scheitern.

    Was Sie wahrscheinlich erlebt haben ist die klassische BWB Einstellung die ich mit dem Kanon oben beschrieben habe. Nach ein paar Jahren Realität dauert es bei einigen bis Fachwissen und Einsatzwille erwachen und der Staub verschwindet. Die „vom Hof und aus dem Sinn“ Beschaffung der alten Zeit war auch nicht geeignet die Bindung ans Objekt zu stärken. Das ist allerdings derzeit gefühlt im Wandel und hoffentlich bald Vergangenheit. Gerade der Zulauf von Seiten der alten Nutzungsleitung aus dem LogZentrum hat sich vielerorts als Segen für die Beschaffung erwiesen. Mittlerweile gibt es bei den Blech und Stahlprojekten ähnliche Tendenzen die es bei der grünen IT seit dem Mixen von Personal im ITAmt gab: Nutzungsleitung und Projektleitung mit geeintem Wissen und dadurch Projekte die die Nutzungserfahrung berücksichtigen. Aber soetwas brauch leider viel Zeit. Gerade bei den Großvorhaben.

    Was den Charakter angeht: Das ist schwierig. Ich kenne einige, die mit Charakter in der Wirtschaft ins mittlere Management gekommen sind. Was ich mir von denen so erzählen lassen durfte, macht Angst. Scheinbar ist Charakter nicht das, was einen in großen Unternehmen voran bringt… vorsichtig gesagt sind Diplomatie und Wandlungsfähigkeit gefragt… nicht unbedingt beides im positiven Sinne. Der Staatsdienst lockt dagegen Leute an, die Stabilität und Sicherheit wollen und wenig Abenteuer. Was man bräuchte liegt wahrscheinlich dazwischen, also Charakter und eine gewisse Abneigung gegen zu windige Aktionen. Dazu Einsatzwille aber auch Ideale. Ich hab den Eindruck, dass von diesem Personal immer schon die Verteilung 50:50 war. Jedenfalls bleibt bei Kontakt mit Firmen nicht gerade der Eindruck hängen, dass deren Vergleichtspersonal massiv bessere Einstellung oder Fachwissen hätten.

    @Bang50
    Agenturen haben ihren Reiz. Allerdings hab ich bislang den Eindruck, dass die Quereinsteiger nicht wirklich bessere Einstellung zur Arbeit mitbringen als die Laufbahnbeamten. Letztere haben meist sogar mehr Drive, denn immerhin mussten Sie sich freiwillig durch das Referendariat quälen. Wer davor zurückschreckt… kann klappen, muss aber nicht. Angestellte sind zur Zeit selten. Ob das besser würde, da hab ich Zweifel.

  4. 1.) Eine zwingende „Ent-Lobbyisierung“ des mil. Beschaffungswesens erscheint mir nur mit sehr restriktiven und konsequent durchzusetzenden ’Codes of Conduct’ möglich. Die folgende Studie zeigt, daß auch hier für Deutschland noch ein akuter Beratungs- und Nachholbedarf besteht (vgl. http://www.transparency.org.kw.au-ti.org/upload/books/501.pdf). So lag Deutschland in 2013 mit einem Korruptionswahrnehmungsindex von 78 auf Platz 12 hinter Dänemark & Neuseeland (91), Finnland & Schweden (89), Singapur & Norwegen (86), Niederlande (83), Australien & Kanada (81) und Luxemburg (80) (vgl. http://files.transparency.org/content/download/700/3007/file/2013_CPIBrochure_EN.pdf).

    N.B. Dieser Index misst allerdings ausschließlich die Korruption in Politik und Verwaltung. Wirtschaftskorruption in Unternehmen wird nicht erfasst. Ohne eine Neuregelung der Strafbarkeit von Abgeordnetenbestechung kann Deutschland die UN-Konvention gegen Korruption nicht ratifizieren.

    Ferner stehen damit an:
    a) Einführung eines Lobbychecks und -registers,
    b) ’Lobbyisten-Footprint-Analyse’ bei Gesetzesentwürfen, speziell bei BMF-Vorlagen,
    c) Weiterer Regelungen zur Vermeidung von Drehtüreffekten,
    d) Maßnahmen zur besseren Regulierung der Parteienfinanzierung.

    2.) Wenn ich das Beemelmans’sche MoU vom 15.03.2013 richtig interpretiere,

    – fließen in 2014 bis 2018 zum Bestand 2013 von 35 UHT + 6 + 7 + 8 + 7 +5 = 68 zu; 68 abzgl. 11 zurückgekaufte Step 1 & 2 = 57 UHT,
    – fließem in 2014 bis 2021 zum Bestand von 32 NH90-TTH +6 +6 +9 + 7 + 6 + 6 + 6 + 4 = 82 NH90-TTH zu,
    – fließen ab 2017 bis 2021 die 18 MH90 NTH wie folgt zu: 2 + 4 +4 + 4 + 4 = 18.

    Kann mal jemand erklären, wo man die entsprechenden Gelder im Haushaltsentwurf vom 19.03.2014 zum EP14 für 2014 findet? (vgl. htp://dip21.bundestag.de/dip21/btd/18/007/1800700.pdf, Anhang EP 14, Seite 102)

    Im Kapitel 1416 werden u.a. folgende Ausgabenposten (in Klammern Ansätze für 2013) genannt:

    – 320 (412) Mio. Euro für Flugzeuge, Flugkörper und sonstiges flugtechnisches Gerät,
    – 155 (230) Mio. Euro für den Kampfhubschrauber Tiger,
    – 117 (200) Mio. Euro für den Hubschrauber NH-90,

    Die Kosten betragen nach dem MoU auf Preisstand 12/2012 für den UHT = 59,667 Mio. € /EA, für den NH90-TTH = 46,110 Mio. € /EA und liegen beim MH90 NTH SEA LION auf Stand 2014 bei ca. 78,611 Mio. € / EA. Entsprechend kommen noch Preisanpassungen hinzu.

  5. @Vtg-Amtmann
    „Kann mal jemand erklären, wo man die entsprechenden Gelder im Haushaltsentwurf vom 19.03.2014 zum EP14 für 2014 findet?“

    Da ein MoU meines Wissens nach kein einklagbarer Vertrag ist, dürften auch noch keine VE für die MH90 nötig sein. Wahrscheinlich ist das genau der Grund warum ein MoU und kein Vertrag geschlossen wurde. VEs sind sehr ein umkämpftes Gut im Haushalt.
    Um die Zahlen nachzuvollziehen bräuchte man auch eher die gesamte Finanzplanung für den gesamten Zeitraum, denn viel von den Stückkosten wird vermutlich schon als Entwicklungsgelder geflossen sein. Wieviele Hubschrauber wann geliefert werden lässt sich so schlecht zuordnen.

  6. @drd: Wann welche Hubschrauber geliefert werden (sollen) ist sowohl in der BMF-Vorlage, als auch im MoU absolut klar. Nur die Haushaltsmittel sind da ziemlich im Vagen und genau darüber hatte eigentlich der Haushaltsausschuß damals bei seiner „Durchwinkaktion“ am 26.06.2013 zu befinden.

    Habe vielleicht in diesem Zusammenhang noch was vergessen:

    Glaubt denn jemand ernsthaft an die „Lachersorte“, geschmiert wird nur bei „Sachertorte“ (= Schichtböden mit schwarzer Schockolade und roter Ribisel-Zwischenlagen), vgl. http://www.news.at/a/eu-wahl-moelzer-schande. Österreich hält nach den Bahamas, Chile, Frankreich & Santa Lucia (alle mit Index 71), den Platz 26 und hat einen Index von 69. Das ist nur ein weiterer Aspekt der externen Prüfung der besagten 15 Rüstungsprojekte des BMVg und da könnte m.M.n. auch noch Einiges aufschwimmen.

  7. @Vtg-Amtmann
    Da muss man aber unterscheiden. Im Haushalt tauchen ja nur die fälligen Zahlungen in dem Jahr und die Verpflichtungsermächtigungen auf. Was ich sagen wollte: Das in Deckung mit den Zuläufen zu bringen ist sehr schwer, wenn man die Details nicht kennt. Durchwinken muss das nicht sein, denn die Ausschussentscheidungen gehen ja in die nächsten Haushaltsplanungen ein. Für das MoU wird vermutlich in der Finanzplanung irgendwo ein Posten eingerichtet worden sein, den man nun versucht an passender Stelle in den Haushalt zu bekommen.
    Ich sag mal: Willkommen in der Jährlichkeit des Haushalts. Es wäre mit Sicherheit erheblich transparenter, wenn man für die Projekte einzelne Finanzpläne mit „Projektkonten“ hätte. Aber soetwas ist mit dem Bundestag eher nicht zu machen wie es scheint. Dann könnte man ja nächstes Jahr nicht wieder eingreifen, um es böswillig zu sagen.
    Das ist ein ganz wichtiger Punkt, wenn man die politische Beeinflussung etwas aus der Beschaffung herausbekommen will und nur die gerechtfertigte politische Kontrolle erreichen möchte.

  8. @drd: Bin zum EP14 auf Seite 2331, Blatt 136, Übersicht 1 in http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/18/007/1800700.pdf, Verpflichtungsermächtigungen (VE) unter 1416-554-15 und 1416-554-16 noch weiter fündig geworden. Damit wird das Ganze zwar plausibler, aber Entwicklungskosten für Anpassung, Optimierung und Zulassung sowie weitere Ausrüstungs- und Systemkosten der 18 MH90-NTH SEA LION, welche das Gesamtinvest auf 1,415 Mrd. € erhöhen, sind offenbar in dieser Finanzplanung bzw. Haushaltsrechnung von 2014 bis 2017 noch nicht erfaßt?

    Seinen Augenmerk sollte man deshalb auf https://www.bundesrechnungshof.de/de/veroeffentlichungen/bemerkungen-jahresberichte/2013/teil-iii-einzelplanbezogene-entwicklung-und-pruefungsergebnisse/bundesministerium-der-verteidigung/langfassungen/2013-bemerkungen-nr-50-entwicklung-des-einzelplans-14 richten, dort „50.3.1.2 Ausgaben für die Materialerhaltung“, ab Seite 7 bis Seite 10, 1ter Absatz. Gemäß der Systematik der Life-Cycle-Cost (bei Lfz ca. 25% Invest vs. ca. 75% Betrieb) dürften sich beim MH90-NTH gegenüber dem NH90-TTH die erforderlichen Kosten für Materialerhaltung noch ekzessiver entwickeln (… ungeachtet des ohnehin anspruchsvolleren Seeflug- bzw. Bordflugbetriebs).

    Daß übrigens die ganze Beemelmans’sche MoU-Rechnerei für den SEA ANGEL bzw. SEA LION nicht aufgehen konnte, war bereits aus der BMVg-Anlage zur BMF-Vorlage vom 12.06.2013 fast für jeden Sextaner erkennbar. Dort sind für den NH90-TTH stückzahlunabhängige FuE-Kosten i.H.v. 533 Mio. € ausgewiesen. Ferner Stückkosten für 122 HS zu 4.589 Mio. € und für 82 HS zu 3.781 Mio. €. Diese jeweiligen Gesamtkosten auf einen HS umgelegt, ergeben damit vor dem MoU 41,98 Mio. € und danach 52,61 Mio. € je NH90-TTH. Dividiert man aber wiederum die 915 Mio. € durch 18 ergeben sich 50,833 Mio. € für einen SEA KING-Nachfolger. Sprich beim ex-StS SB und beim dessen MoU pauschal lobenden TdM sind 18 komplexere Marinehubschrauber je Einzelstück preiswerter als die 82 NH90-TTH? Ergo hat man aus Minderbedarf von UHT und NH90 samt Mehrbedarf für MH90 NTH auch noch 224 Mio. € gespart? Sorry, das ist eine gottserbärmliche Milchmädchen mit welcher der Haushaltsausschuß da am 26.06.2013 von SB und TdM überbalbiert wurde. Die aktuelle Kostensteigerung von 500 Mio. € auf 1,415 Mrd. € für den SEA LION war schon damals klar absehbar (u.a. bei genauerem Blick auf die Ausrüstungsliste, Blatt 7 des MoU) und die BMF-Vorlage samt BMVg-Anlage sowie das zunächst als „VS-vertraulich“ eingestuften MoU waren nicht einmal das Papier wert, auf welchem diese geschrieben wurden!

  9. Wie empfinden Sie den Unterschied zwischen dem Verteidigungsministerium und dem Ministerium, das Sie vorher führten?

    Ursula von der Leyen: Die Themen sind völlig unterschiedlich und auch der Unterschied in der Struktur ist groß. Das Verteidigungsministerium hat eine ganz besondere Aufgabe, aber es funktioniert ansonsten wie ein faszinierender weltweit tätiger Konzern. Dazu gehören eine Reederei, ein Flottenverband, ein Luftfahrtunternehmen, ein Krankenhausverbund, Logistik, um nur einige Themen zu nennen.

    Ähm ja, sprachlos.

    http://www.bmvg.de/portal/a/bmvg/!ut/p/c4/NYvBCsIwEET_aLfxINSboQfFk4JovUjaLGGhScq6rRc_3uTQGXgwPAZfWJrcysEp5-QmfGI_8mH4whDXAJETf5SElwie5L1tEPKU8FHvnmDMibRSKSkXBnGaBeYsOlWziBQD7LFvTGcb02wxv_Z0t5frbt92Z3vDOcbjHwTNd90!/

  10. @axel_f:
    Habe ich soeben auch gesehen und mich erneut über die Konzern-Vergleiche gewundert.

    Eine Armee ist im Wesenskern kein Konzern.
    Ein Konzern ist im Wesenskern keine Armee.

    So oder so also eine Sackgasse.

    Sie distanziert sich fortlaufend vom Wesenskern einer Streitkraft:
    Gewaltandrohung und -anwendung.

  11. Tja, und da wundert sich der NATO-Generalsekretär, dass die Abschreckung nicht mehr funktioniert ;-)

  12. Hat denn keiner unserer Generäle den Mumm die Dame mal beiseite zunehmen und diese rhetorische geisterfahrt zu stoppen?
    Sie sollen doch beraten. Beraten Sie verdammt noch mal!

    Wer schon Feigheit vor dem Freund demonstriert, wie soll es erst beim Feind werden?

  13. Es gibt aber auch Visionaere die beratungsresistent sind. Bis die Vision vergeht, dann machen die meisten eine 180grd Wendung. man kann nur hoffen.

    Aber Mumm von den deutschen Generaelen zu fordern ist schon verwegen!

    Wie wird man General in DL? Durch maximale stromlienigkeit, denn die Behauptung von Fr.Dr. vdL ‚die Reform der Bw sei auf gutem Wege, man beduerfe nur des langen Atems‘ kann ja nicht aus eigener Kenntnis sondern nur aus Expertisen eben dieser Generale stammen…

  14. @wacaffe:
    Nach meinem Eindruck ist dabei der Oberst d.R. Weise von großem Einfluss. Das ist genau sein Duktus.

    Die Generalität widerspricht doch nicht sondern, jodlt jetzt die Konzern-Melodie.

    Mit dem Gerede und den Folgen im Denken und Handeln wird die Einstellung und Ausbildung noch unsoldatischer.
    Auch Konzeption und Ausrüstungskonzept werden ja immer weichgespülter.

    Zur Freude des Gefechtsfeldmitbewerbers.

  15. Nun, ich habe wohl eine Grundgesetzänderung übersehen, denn offenbar hat Deutschland keinen CHOD, bzw. IBUK mehr. Wir haben eine CEO, ein Chatting Excuses Oracle ;-)
    Dieses Interview hat als Zielgruppe die Streitkräfte, und da fragt man sich wirklich, warum sie hier mit keinem Wort ihre Rolle als IBUK erwähnt: die Streitkräfte zu befähigen im Einsatz zu bestehen und den Auftrag zu erfüllen ! Totale Verdrängung ihrer eigentlichen Verantwortung.

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