RC N Watch: Deutscher Kommandeur erwartet 2014 keine zunehmende Gewalt

Vollmer_RCN_20131222

Der deutsche ISAF-Kommandeur in Nordafghanistan, Generalleutnant Generalmajor Jörg Vollmer (Foto oben beim Besuch der Verteidigungsministerin in Masar-i-Scharif) erwartet für 2014 keine zunehmende Gewalt der Aufständischen am Hindukusch. Aus einem Interview Vollmers mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa):

Ich gehe davon aus, dass sich das in etwa auf dem Niveau bewegt wie 2013 auch. Mehr wird es auf keinen Fall sein. Dazu ist der Gegner nicht mehr in der Lage.

Allerdings rechnet der Kommandeur des Regionalkommandos Nord unverändert mit Anschlägen der Taliban und anderer Gruppen:

Was wir erwarten ist, dass die gegnerischen Kräfte versuchen werden, die Präsidentenwahl im April zu stören und damit die afghanische Regierung und die afghanischen Sicherheitskräfte zu diskreditieren“, sagte Vollmer. Zwar seien die Taliban zu schwach, um die einheimischen Sicherheitskräfte im offenen Kampf anzugreifen. „Wozu sie aber in der Lage sind ist, mit Terrormaßnahmen wie Sprengfallen oder Selbstmordattentätern Anschläge auf Repräsentanten des Staates zu verüben.“ Damit rechne er auch im gerade angebrochenen Jahr. „Das werden wir vermutlich öfter erleben müssen.“

Nun ist eine Bewertung der Sicherheitslage von vielen Faktoren geprägt – mich beunruhigt allerdings, wenn Vollmer davon spricht, dass sich die Gewalt in etwa auf dem Niveau bewegt wie 2013 auch. Denn beim Afghanistan Analysts Network lese ich:

2013 has probably been the most violent year since 2001. (…) The number of war dead has increased again, foremost among the civilian population. According to the UN, civilian casualties have increased by ten per cent (to 2,730 dead and 5,169 injured) in the first eleven months of 2013 compared to last year. Most are results of Taleban attacks. Moreover, the Taleban now seem to attack in larger groups more often. They have increasingly attempted to take over district centres, mainly in peripheral areas, and test the power of the Afghan National Security Forces (ANSF) that now operate on their own in most of those area.

Dazu ganz aktuell ein Bericht vom Neujahrstag:

The Taliban-led attacks and conflicts claimed the lives of more than 70 people and wounded over 150 others across Afghanistan last month, according to official data.
A total of 20 major bomb attacks, including five suicide bombings, hit several parts of the war-torn central Asian state in December.

Und das vor dem Hintergrund, dass die internationalen Truppen in den kommenden Monaten deutlich reduziert werden – auch wenn es zu einem amerikanisch-afghanischen Sicherheitsabkommen und damit zu Plänen für eine weitere internationale Präsenz am Hindukusch nach 2014 kommen sollte.

 

 

 

 

 

143 Gedanken zu „RC N Watch: Deutscher Kommandeur erwartet 2014 keine zunehmende Gewalt

  1. Zu Schütt findet man erstaunlich wenig – jedoch ein Goldkorn aus Wikileaks von April 2009:

    „With regard to the district of Gormach, which was
    provisionally transferred from the RC-West province of
    Badghis to the RC-North province of Faryab last November
    based on a presidential decree, Schuett and Wasielewski
    emphasized that Germany still considered the district to be
    part of RC-West, even though ISAF HQ has given RC-North
    operational responsibility for it. Therefore, German forces
    — including OMLTs — can only operate in Gormach under the
    exception in the parliamentary mandate.“
    http://www.wikileaks.org/plusd/cables/09BERLIN431_a.html

    Das war ja auch so eine unwürdige Herumeierei.
    Ist zwar jetzt unser AOR – aber machen wir trotzdem nicht.
    Aber wir haben keine caveats! Fü S III 6 in Reinform.

  2. @ Memoria: Interessant, wenn man den Lebenslauf vom zukünftigen COM RC N so liest. Da scheint wirklich der dritte oder vierte Stern vorprogramiert. Das Thema Waffen SS in Munster 2012 (?) am Volkstrauertag scheint er gut umschifft zu haben.

  3. @Simulant:

    „was (noch?) fehlt ist die konzeptionelle Umsetzung als Grundlage für Ausbildung, Übung und Einsatz von Kräften – aber hier greift dann wohl die Unterfinanzierung der Streitkräfte Raum.“

    Geld ist hier aus meiner Sicht nicht der limitierende Faktor, sondern das schlichte Desinteresse an den weltweiten Entwicklungen. Wenn man als Insp H bspw. von hybriden Konflikten redet, dann muss man diese Grundgedanken auch in Konzeption und Ausbildung herunterbrechen (lassen) – eben das ist Führung.

    Um ein Umdenken im Heer herbeizuführen muss man zunächst kein Geld ausgeben, sondern sich Gedanken machen.

    Im nächsten Schritt kann man dies in Ausbildung und Übung umsetzen. Beispielsweise durch entsprechende Änderungen im Ausbildungsverband des GÜZ.

    Vergleichbares haben die Amerikaner vor knapp 5 Jahren (!) gemacht:
    http://www.defencetalk.com/ntc-adapts-to-changing-threat-hybrid-warfare-21287/

    Genau jetzt wäre es an der Zeit in Deutschland solche Impulse zu setzen. Aber da sehe ich nichts.

    Natürlich kostet die Anpassung der Ausbildung auch was (z.B. im GefSimZ) – aber das ist nicht der Grund für den Zustand der Ausbildung. Das Thema zeigt er wie stark die mental-intellektuelle Lethargie im Deutschen Heer ist.

    Man macht jetzt lieber wieder Grundbetrieb und Alt-Bekanntes ohne Rückkopplung mit der Außenwelt. Weltklasse eben…

  4. @ Memoria | 03. Januar 2014 – 10:39
    Wer führt denn das Umdenken im Heer herbei? Das Amt für die Heeresentwicklung? Meine Kameraden beim Heer sprechen von einer riesigen Matrixorganisation, welche alle Aspekte einer Weiterentwicklung umfasst. Was kann man von denen mal lesen oder hören. Denkschrifetn, Analysen ect….Gibt es ein Internetportal mit Zukunftsthemen? Soweit zum Heer! Womit beschäftigen sich die Planer „Land“ im BMVg oder Planungsamt? Was kann man von denen mal lesen oder hören. Gibt es ein Internetportal mit Zukunftsthemen? Gibt es eine Abstimmung mit anderen Organisationsbereichen? Wo ist dann da die Führung? Ich weiß allerdings aus eigener Erfahrung, nirgends ist es besser wirklich als im Heer.

  5. @AKamp:
    Eigentlich müßte das Planungsamt Abt. 1 die Grundlagen und den Rahmen liefern. Hierbei in Rückkopplung mit Verbündeten und der Wissenschaft. Das ist aber erst noch im Aufbau.
    Aufbau- und Ablauforganisation sind eigentlich bald so weit.
    Nun muss man dies seitens GI, Abteilungsleiter Planung und Amtsschef Planungsamt noch ausrichten. Nicht einfach, aber notwendig. Mal abwarten ob sich da noch was bewegt.

    Im Amt für Heeresentwicklung hat man wahrlich eine große Matrixorganisation geschaffen. Auch hier bleiben die Dinge unstrukturiert, wenn die Abt. 1 ohne Grundlagen und Rahmen (s.o.) Ordnung ins Chaos bringen soll.

    Ein auch teilweise öffentlicher Diskurs – wie im anglo-amerikanischen Raum ist jedoch offenbar nicht vorgesehen.
    Es wär ja schon ein Fortschritt, wenn es etwas vergleichbares zur ÖMZ bei uns gäbe.

  6. @Memoria:
    „Genau jetzt wäre es an der Zeit in Deutschland solche Impulse zu setzen. Aber da sehe ich nichts.“
    „Ein auch teilweise öffentlicher Diskurs – wie im anglo-amerikanischen Raum ist jedoch offenbar nicht vorgesehen.“

    Die Organisation einer entsprechenden initiativen Tagung ist absolut kein Hexenwerk. Wenn die Generalität zu steif ist kann man das ganze auch ruhig etwas dreister angehen.
    Wenn es etwas vergleichbares zum Thema wirklich noch nicht gibt, oder zumindest nicht in dem ergebnisoffenen Rahmen, wie das nötig ist, dann muss man so ein Organ eben schaffen. Ein Anfang wäre eine Tagung. Man braucht dazu nur 3 Dinge.

    1. Jemanden, der das organisiert
    (Themenstellung, Referenten, Rahmen, Finanzierung, etc.)

    2. Hochwertige Referenten aus In/Ausland
    (wenn Nato-partner da weiter sind als wir, die entsprechenden Personen die den aktuellen Diskussionsstand vorstellen und somit vllt. neue Impulse bringen („out of the box“), wenn man sich anfangs auf ein paar kompetente, hochwertige, bekannte Kandidaten konzentriert, denen Zusagen abringt und mit diesem Grundstock weiter rekrutiert, müsste man ein kompetentes und interessantes Referententeam zusammenstellen können)

    3. Die entsprechende Öffentlichkeit
    (Vorher massiv bewerben für entsprechend große Zahl an Tagungsteilnehmern, am besten natürlich aus den Bereichen der Bundeswehr die man mit den Ergebnissen der Tagung direkt konfrontieren möchte, Presse (natürlich inkl. T.W.), Publikation der Beiträge, mindestens als frei verfügbares Onlinedokument)

    (4. Gemeinsame Verpflegungseinnahme ;) )

    Müsste halt nur jemand, der im besten Fall auch noch entsprechend gut vernetzt ist, den Arsch bewegen und mal was in die Wege leiten. Von nichts kommt nichts.

  7. @Arik-Buka:
    Bevor man auf ner Konferenz versucht das Rad neu zu erfinden, könnte man sich in der Bw ja zunächst mal am internationalen Stand der Debatte orientieren:
    https://www.gov.uk/government/publications/future-character-of-conflict

    Bezeichnenderweise schon fast 4 Jahre alt.
    Wie die Diskussion hier zeigt ist man weder in der Ausbildung noch im Einsatz auf dieser Höhe angekommen.

    Fühlt sich aber Weltklasse.

    Was tun? Man könnte das Thema im „Wendejahr 2014“ ja vielleicht bei nem AG.net-Treffen aufgreifen – wird aber wohl auch nichts ändern. Solange man in den höheren Ebenen noch nichtmal Interesse hieran hat.

  8. mal im Ernst,..aus meiner Erfahrung: Eine irreguläre Armee kann man nicht mit heutigen reguleren Mitteln schlagen. De facto? Wie soll die Ausbildung denn sein? Wie sollen wir vorgehen?

    Beispiel: Man spielt ein Kartenspiel, der Gegner schummelt und der Ehrliche verliert. Erst wenn Beide die gleichen Methoden anwenden hat man eine Chance. Das ist wie beim Multiplayerspiel das sogenannte „Cheaten“.

    Resume: Mit den aktuellen Methoden / ROE´s / Politischer Einstellung etc. hat man in Bezug auf: COIN etc. keine Chance gegenüber dem Gegner. Das muss man einfach akzeptieren.

    Geschichtlich gesehen, hat das nur selten geklappt. Laut meines Wissens nur mit Deutschland und Japan (kann auch kulturell bedingt sein). Bitte um Korrektur falls ich falsch liegen sollte.

    1.) Ich gebe Memoria 100% Recht mit all seinen Aussagen.
    2.) Solche Aussagen vom COM RCN werden ad Acta gelegt bzw. ingoriert. (von mir persönlich)
    3.) Auf dem Übungsplatz spielen wir richtige Szenarien ein (Vernichtungshinterhalt des Gegeners etc.) Man kann sehen wo die eigenen Schwächen sind etc. Das ist auch gut so. Die Zeiten (kalter Krieg / Panzerkampf etc.) sind vorbei.

    => zZt Übt man dann (bei uns), wie man am besten aus der Lage herauskommt ohne große Verluste zu bekommen (denn der Gegner agiert, wie gesagt: hinterhältig, was wir nicht dürfen !!!)

    …“was wir nicht dürfen“….das ist der entscheidende Satz!
    MkG
    UmPp

  9. @UmPp:
    Vielen Dank für die Rückmeldung.
    Die Kernfrage ist natürlich: Was nun?

    Aus meiner Sicht werden wir uns dieser Art von Gegner auch zukünftig nicht gänzlich entziehen können. Auch wenn es keine großen COIN-Operationen mehr geben wird (COIN war nach allgemeiner Lesart in Malaya erfolgreich), auch bei den Ausbildungsmissionen muß man sich hiermit beschäftigen.
    Man muß sich noch intensiver als bisher gedanklich damit beschäftigen, dass mögliche Gegner

    – unsere technologische Überlegenheit unterlaufen,
    – sehr anpassungsfähig sind, um unsere Schwachstellen auszunutzen,
    – zukünftig vermehrt selbst über moderne Ausrüstung (Nachtsicht, Schutzausrüstung, Panzerabwehrlenkwaffen, verbesserte IED (EFP), etc) verfügen

    werden.

    Dabei ist aus meiner Sicht bei uns auf allen Ebenen der gegebene Handlungsspielraum (u.a. ROE) nicht ausgeschöpft worden. Auch wir können bis zu einem gewissen Grad kreativ und hinterhältig sein (mehr gehört hier sicher nicht her).
    Genau hier gilt es bereits in der Ausbildung verschiedene Verfahren zu erproben und vorallem anpassungsfähig zu sein (bzw. werden). Dafür fehlt bisher leider der systemische Druck auf die Verbände und die Ämterebene. Denn aktuell laufen wir eher Gefahr erhebliche Rückschritte zu machen.

    Um genug Druck auf das System zu bringen, bräuchte man wohl eine Art deutsche AWG (http://www.awg.army.mil/awg/about-us.html).

  10. @ UmPp
    Geschichtlich gesehen, hat das nur selten geklappt. Laut meines Wissens nur mit Deutschland und Japan (kann auch kulturell bedingt sein). Bitte um Korrektur falls ich falsch liegen sollte.

    In meinen Augen liegen Sie da falsch. Allein in Europa gab es zum Beispiel seit dem zweiten Weltkrieg diverse Aufstandsbewegungen, von denen letztlich die wenigsten Erfolg hatte.

    Eine filterbare Übersicht bietet der Invisible Armies Insurgency Tracker.
    Eine andere Übersicht ist Eighty-Nine Insurgencies – Outcomes and Endings (ab S. 373), mit einer recht groben Kategorisierung (etwa Ausgang gefiltert nach Beliebtheit, Urbanisierung, Einsatz von Terror etc.).

    …”was wir nicht dürfen”….das ist der entscheidende Satz!

    Und wer legt sowas fest? Nicht das Parlament, sondern Bundeswehr und BMVg. Damit ist man dann wieder beim „nicht wollen“ und „nicht können“.

    Davon ab: Wenn eine wie regulär denkende und agierende Armee gegen irreguläre Kämpfer nicht funktioniert, sollte man sich halt anpassen. Die Verantwortung dafür kann den Streitkräften aber niemand abnehmen.

    Falls es wen interessiert (und man nicht gleich zu ’nem Buch greifen will), Old Blue von Afghan Quest hat nach seiner zweiten Tour in Afghanistan (die erste als eingebetter Mentor, die zweite als COIN-Berater, die dritte im RC Nord) eine „COIN Primer“-Reihe angefangen (etwas weiter unten in der Artikel-Übersicht).

    Einige interessante Überlegungen, was Aufständische stark macht, und was Aufstandsbekämpfung daher vor allem erreichen muss, (und wie das womöglich mit einem deutlich geringeren Footprint geht), hat es in Kilcullens „Accidental Guerilla“.

  11. @memoria
    Sie haben vollkommen Recht.

    zB: in der Einsatzvorausbildung (Wildflecken) gab es ne menge Szenarien etc., wo ich GrpFhr war, aber jedesmal gescheitert war, weil das „Ergebnis“ nicht dem Drehbuch entsprach. Wir „mussten“ halt immer anders agieren.
    => zum Kotzen solche Planspiele….(Sie wissen was ich meine…)
    Wie dem auch sei…keine Vorwürfe an den Verband, der dass durchsetzen musste (ist ja befohlen)…
    Die Realität ist ca. 10-20 Jahre der Bw voraus, wenn nicht mehr…

    Darüber hinaus,…naja….zumindest verusch ich meine Jungs darauf zu trimmen bzw. auszubilden worauf sie zu achten haben. Hauptsache sie kommen heil hach Hause…das ist das Wichtigste

  12. @UmPp:
    Für ein etwas anderes Planspiel:

    Nehmen sie mal an Rot verfügt über Trupps mit PzAbwLFK, Scharfschützen, Schutzwesten, EFP-IED, Mörser und Sturmgruppe(n), sowie über ein umfangreiches Aufklärungs- und Propagandanetzwerk (keine Fiktion, sondern Realität in Syrien).
    Der Führer der Gegenseite kennt unsere TTPs und ROEs.

    Dagegen eine verstärkte deutsche Patrouille + Reserven.

    Die Bevölkerung ist unentschieden.
    Da bekommt der Vernichtungshinterhalt nochmal ne andere Dimension. Es gibt daher bereits in den USA Stimmen, die das Ende umfangreicher Landeoperationen annehmen:
    http://www.csbaonline.org/publications/2012/03/the-road-ahead-future-challenges-and-their-implications-for-ground-vehicle-modernization/

    Das Schwert entwickelt sich schneller als das Schild.

  13. @Memoria..
    dagegen hat die BW keine Chance.

    Ich persönlich würde nur so reagieren können (und müssen) wie Präsident Assad und die Regierungstruppen. Nach aufwendingen Kämpfen (über evtl. Jahre hinweg) gegen Terroristen und der ausländischen (US-SaudiArab) finanziellen/materiellen Hilfe, müsste ich die gleichen Wege einschlagen, um eben diesen radilkalen ISIS salafistischen Einfluss bekämpfen zu können.

    Aber das ist in der westl. medienlandschaft nicht gern gesehen…im Augenblick zumindest. Sowie auch in der militärischen Welt noch nicht angekommen.

    PS: Ich persönlich versuche meinen Soldaten immer zu sagen, worauf Sie sich einlassen, wozu sie bestimmt sind. Und vor Allem: Warum SYR im Fokus liegt etc. => Stichwort IRAN. / bzw. Mittel der Politik und wirtschaftlichen Interessen etc.

  14. Stichwort Hinterhältig:

    Man sagt einem ANA Soldaten, man wird eine Patrouille „am, um, in machen“ Man beobachtet dann den ANA Soldaten, man horcht sein Handy aus etc.
    Man wird schnell fündig, wie auf einmal eine IED gelegt wird (auf der Route).
    Parallel lässt man Reaper Drohnen fliegen, die ein bisschen Regen fallen lassen.
    Das wars…eine Große Gefahr weniger.

    Wie gesagt, dass ist für die Bw noch zu realitätsnah…und politisch, militärisch und gutmenschlich nicht vermittelbar.

    De Facto: The WAR is over…

    Dickes Sorry für die Realität, aber ich kann nicht mehr träumen^^

  15. @UmPp:
    Schönes (realitätsnahes, aber fiktives?) Beispiel – genau sowas meinte ich:
    Der Handlungsrahmen (einschl. ROE) hierfür ist gegeben.
    Es fehlt nur allzuoft an den hierzu notwendigen Entscheidungen. Gerade im Bereich offensives C-IED ist eben insgesamt (Aufklärung, Führung, Wirkung) noch viel Platz nach oben.

  16. Das stimmt Memoria,
    ich weiss nur nicht woran es liegt, dass es nicht eingesetzt wird. Aber das entzieht sich meiner Kentnnis…wie gesagt, ich bin nur ein dummer UmPp, der seine Männer heil nach Hause bringen will. A8 und so…;);)

    Jedenfalls mache ich
    das in „meiner“ Ausbildung klar, worauf es ankommt, das ist wichtig.
    (keine Floskeln von wegen Vaterlandsblödsinn etc. Ganz klare finanzilelle/politische Ineteressen für DEU)

    MkG

  17. Wenn man seinen unterstellten Kameraden erklärt, wozu man da ist (die politische Wahrheit !!!), was man zu machen hat. Und das man für Jeden einsteht…dann hat man, zumindest in seiner kleinen Kampfgemeinschaft gewonnen. Das habe ich erfahren.

    Es gibt viele Kameraden, die leider den gleichen Blödsinn wiedergeben, wie die Politik (Medieneinfluss)?. Diese sind auch sehr frustriert bzw. desillusioniert.

    Ich habe einen Kameraden letztens kennengelernt, der sagte:“Ich würde für Merkel sterben“. Nach der Aussage war ich sehr „schockiert“. Ich habe mich mit den Jungs zusammengesetzt und lange diskutiert was das eigentlich zu bedeuten hat. Ok., der Satz ist fürn „Arsch“.
    Aber: Im Endeffekt ging es darum: Wenn ihr wollt, dass ihr eure Lebensmittel kaufen könnt, dass ihr eure Autos euch finanzieren könnt, dass ihr euren Wohlstand beibehalten dürft etc etc etc…dann seid ihr das Mittel um das zu bewirken. Klingt doof, ist aber so.

  18. @UmPp
    „Hauptsache sie kommen heil hach Hause…das ist das Wichtigste“

    Ich dachte das wichtigste für einen Soldaten sei die Auftragserfüllung (natürlich bei möglichst geringen oder noch besser sogar wenn möglich gar keinen Verlusten)?!?!?

  19. @ Koffer: Stimme ihnen zu, doch ist das in vielen Bereichen immer noch nicht klar, obwohl wir in den letzten Jahren gute Fortschritte in Sachen Verständnis gemacht haben. An erster Stelle steht der Auftrag, sonst könnten wir auch unser Alleinstellungsmerkmal über Bord werfen.

  20. @Koffer
    Sie haben Recht.

    Aber: Ich möchte Sie sehen, wenn Sie der Frau des Toten erklären müssen, warum ihr Ehemann und Vater der Kinder gefallen ist. Und vor Allem wofür………wofür!…

    Ich bitte um Verständnis…ich will dazu nichts sagen

    MkG

  21. @Koffer

    Der Tod gehört dazu. Ich versuche den von meinen Kameraden abzuwenden, auch wenn es mein Leben kostet. Wie dem auch sei. Lieber gehe ich, als dass ein 20-Jähriger, der noch alles vor sich hat, stirbt.

    MkG

  22. @UmPp
    „Aber: Ich möchte Sie sehen, wenn Sie der Frau des Toten erklären müssen, warum ihr Ehemann und Vater der Kinder gefallen ist.“

    Deswegen kann man als Vorgesetzter nur darum beten, dass man seinen Auftrag erfüllt und dabei soviel Können besitzt (oder Glück hat) solche Besuche deswegen nicht ausführen zu müssen, weil sie nicht notwendig sind.

    Dennoch, es ändert ja nichts daran, dass die Auftragserfüllung bestimmendes Merkmal (wie es so schön im derzeitigen Beurteilungswesen heisst) unseres Berufs ist.

    „Und vor Allem wofür………wofür!…“

    Genau HIER bricht die „alte“ Bundeswehr in die „neue“ ein und macht alles kaputt!

    WIR müssen es den Kindern und Ehefrauen nicht erklären. Das müssen die Politiker machen!!

    WIR müssen den Hinterbliebenen (Familie wie Kameraden) Trost spenden.

    Und WIR müssen als Vorgesetzte allen Soldaten „auf den Zahn fühlen“ um zu klären ob sie auch wirklich Soldat sind und sich der Risiken unseres Dienstes im Klaren sind.

    Das einzige was WIR vielleicht erklären müssen, ist das unser Dienst solche Opfer manchmal notwendig macht, auch wenn man den Zweck oder den Sinn im konkreten Auftrag nicht immer erkennen mag.

    Aber wenn wir wirklich INHALTLICH hinter jedem Einsatz stehen müssten, den wechselnde Bundesregierungen so in den Jahren „verzapfen“, dann würde das ja bedeuten, dass wir schizophren sein müssten, oder?

    Und darüber hinaus würde es ja auch bedeuten, dass wir bei Einsätzen, die wir nicht „gut finden“ meutern müßten, oder?

  23. @Koffer

    Sie haben Recht.
    Das stimmt. In Allen Punkten. Nur „ihre“ Einstellung kann ich leider nicht teilen.
    Meine Wenigkeit hat den Glauben an (in) die Polik verloren, in jeder Hinsicht. Verlogenheit, Korruption und Gier (aktuelle Ereignisse) tuen ihr Bestes.

    Wie dem auch sei, mir ist lieber, dass meine „unschuldigen“ Jungs heil zurück kommen, als, dass sie sich für die Finanzheinis opfern…
    Ich weiss, mit der Meinung stehe ich allein dar, aber das ist mir total egal. Die Männer und Frauen stehen hinter mir, vertrauen mir, und meine Beförderung ist eh fürn Arsch;) Insofern…ich habe eine reines Gewissen und den Kameraden geht es gut.

    PS: Der Auftrag wird so, oder so erfüllt…(steht ausser Frage)
    Ich wollte nur meinen Schwerpunkt darstellen.

    Ich versuche das ein bisschen „vereinfacht“ darzu stellen, ich hoffe das versteht Jeder. Kann ja sein, dass sehr Viele hier über A15 rumgeistern^^

  24. @ UmPp
    Man sagt einem ANA Soldaten, man wird eine Patrouille “am, um, in machen” Man beobachtet dann den ANA Soldaten, man horcht sein Handy aus etc.
    Man wird schnell fündig, wie auf einmal eine IED gelegt wird (auf der Route).
    Parallel lässt man Reaper Drohnen fliegen, die ein bisschen Regen fallen lassen.
    Das wars…eine Große Gefahr weniger.

    Naja, einen Handlanger weniger, und womöglich eine Familie auf der Insurgent-Seite mehr. Der Einfluss der Insurgents auf die Bevölkerung wurde praktisch nicht reduziert (außer dass die Rekrutierungs-Schwelle vielleicht geringfügig angehoben wurde; vielleicht auch gesunken, nach dem Motto „Die Ausländer werden unser aller Tod sein“).

    Die USA haben sich auf genau solches Vorgehen bis 2007 im Irak gestützt, und es ist immer schlimmer geworden. (Und ja, im Irak hatte die Gegenseite praktisch alle von Memoira aufgezählten Planspiel-Elemente.) Das wäre in der Tat ein guter Ansatzpunkt für ein wenig Militärgeschichte – Bing West’s „Strongest Tribe“ gibt eine recht militärnahe Übersicht.

    Das US-Militär hat ja nicht den COIN-Schwenk vollführt weil es nach 7 Jahren Krieg plötztlich zum „Gutmenschen“ wurde (ich hasse das Wort), sondern weil es ein Vorgehen brauchte das funktioniert. Die sinkenden Verlustzahlen und der Rückgang von Angriffen sprechen da eine recht deutliche Sprache, auch wenn da noch andere Faktoren mit reinspielen (Anbar-Awakening, Einführung von MRAPs).

    Die große Illusion ist ja nicht, dass COIN funktionieren kann (nicht muss – ist immer noch ein Krieg, bei dem der Gegner ein Wort mitzureden hat). Zweifelhaft ist eher, dass man COIN a) auch dumm und billig haben kann, und b) dass miliutärisches COIN allein, ohne politische Aufbauarbeit, langfristig Frieden schafft.

    Und die zwei Kern-Annahmen der Aufstandsbekämpfung sind doch:
    – Informationen zu den Aufständischen gibt es praktisch nur über die Einheimischen
    – Die Einheimischen rücken damit nur raus, wenn die eigene Seite mehr Kontrolle hat

    Und die verschwinden nicht einfach, nur weil sie in einer regulären Militärausbildung nicht vorkommen.

    @ Koffer, UmPp
    Mal ganz ohne Polemik: Wie würden Sie den Auftrag der Bundeswehr in Afghanistan ganz knapp zusammenfassen? Wird das Vorgehen der Bundeswehr in Afghanistan diesem Auftrag gerecht?

  25. @J.R., UmPp, Koffer

    Bei ISAF war das ja für die soldatische Denkweise schwierig, aber doch recht einfach: Oberstes (politisches) Ziel waren immer möglichst geringe (idealerweise =0) eigene Verluste. Irgendwie Präsenz zeigen und dabei nicht angegriffen werden war doch das Hauptaugenmerk…

    Ja, ich weiß, offiziell wurde das natürlich nie so gesagt… Aber die Aufständischen gewinnen den Krieg wenn wir ihn an der (politischen) Heimatfront verlieren.

  26. @J.R.
    „Mal ganz ohne Polemik: Wie würden Sie den Auftrag der Bundeswehr in Afghanistan ganz knapp zusammenfassen? Wird das Vorgehen der Bundeswehr in Afghanistan diesem Auftrag gerecht?“

    Da gibt es wohl verschiedene Antworten, je nachdem was man als tatsächliches Ziel betrachtet. Darüber hinaus habe ich aufgrund meines Dienstgrades natürlich nur einen beschränkten Einblick in die Gesamtlage.

    1. Die Ustg eigener AFG Sicherheitsstrukturen (ANSF).
    ==> Vorgehen der Bw zwischenzeitlich angemessen und auch einigermaßen erfolgreich, zumindest hinsichtlich ANA (bei ANP sehe ich das anders, aber das hätte eigentlich auch Schwerpunkt der von den deutschen Polizeien entsandten Ausbilder sein sollen…)

    2. Schlagen der Aufständischen mit militärischen und „Bekämpfen“ mit zivilen Mitteln
    ==> Vorgehen der Bw nicht angemessen und auch nicht erfolgreich

    3. Möglichst wenige eigene Verluste (Heimatfront)
    ==> Erfolgreich (aber nicht angemessen, da in direkten Konflikt mit 1 und 2 stehend).

    4. Darstellung der eigenen Leistungsfähigkeit ggü. unseren NATO-Verbündeten
    ==> weder erfolgreich, noch angemessen

    Warum?

  27. @Koffer:
    Warum? Wegen genau diesen Zielkonfliktes.
    Und nichts daraus gelernt – siehe KdB und Heer2011.

  28. @Memoria | 04. Januar 2014 – 17:07
    „Warum? Wegen genau diesen Zielkonfliktes.
    Und nichts daraus gelernt – siehe KdB und Heer2011.“

    Sehe ich auch so. Sowohl von Seiten der militärischen Führung, als auch der politischen Leitung.

  29. Koffer | 04. Januar 2014 – 2:36

    Koffer, ausdrückliche Zustimmung!

    Hier ein Schmankerl aus dem SPIEGEL der 68iger Jahre: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-46039782.html

    Die „Misere geht in Moll“. Wirklich lesenswert! Ich vermisse die Aufmüpfigkeit dieser Jahre. Dabei hätten die Hauptleute von heute ja allen Grund, ihren Vorgesetzten höchst unangenehme Frage zu stellen. Vielleicht ist „Feindkontakt“ ja der Anfang.

  30. @ Politikverdruss

    Donnerwetter. So einen Artikel – ungeschönt, nicht glatt gewienert von den Wortvergewaltigern im BMVg und am besten auch noch ohne falsche politische Korrektheit – wünschte ich mir aus jeder Ecke der BW quasi jeden Monat einmal. Was würden die Leutz im Ministerium rudern, stottern und „beckern“ (‚Ähh … ähh … ähh‘).

    „Feindkontakt“ habe ich in meinem Weihnachtsurlaub durchgelesen. Erstaunliche Lektüre … und vor allem macht sie mal wieder deutlich was hierzulande alles so NICHT von den Medien berichtet worden ist. Soviel zum Thema „informierter Bürger = mündiger Bürger“. *mitdenAugenrollt*

  31. @Politikverdruss
    „Ein Hauptmann aus der 7. Panzergrenadierdivision in Unna erdreistete sich, seinen Vorgesetzten zu fragen: „Brauchen wir statt des Wohlstandssoldaten‘ der Freitag nachmittag mit dem eigenen Wagen ins strapaziöse Wochenende fährt, nicht vielmehr den harten Kämpfertyp, der körperlich topfit ist und seine Waffen im Gefecht mit optimaler Wirkung zu gebrauchen versteht?““

    1968?! Und was hat sich hinsichtlich dieser Frage in den letzten 45 Jahren getan? Nichts, nichts hat sich geändert :(

    „Antwort des Oberstleutnants: „Die Bundeswehr ist ein politisches Instrument zur Erhaltung des Friedens, das muß Ihnen genügen.““

    Und auch das könnte noch heute die Antwort des einen oder anderen Stabsoffiziers sein…

    @Memoria
    Das traurige ist, ja das sich die Situation noch verschlimmert hat! Die „Truppenpraxis“ (später und Wehrausbildung) gibt es ja auch nicht mehr. Und wenn die auch nicht kritisch war, so war sie inhaltlich wenigstens hin und wieder zielführend für einen jungen Unteroffizier oder Offizier.

    Jetzt gibt es ja nur noch dieses sinnfreie Magazin „Y“, das wirklich inhaltlich keinen weiterbringt (vielleicht mit Ausnahme von etwas Nachwuchswerbung und der ja auch hin und wieder notwendigen Selbstbeweihräucherung)…

  32. Memoria | 05. Januar 2014 – 18:12,

    ja, sehe ich auch so.

    Unter dem Stichwort Zensur finde ich die heutige Selbstzensur besonders abstoßend. Während die Zensur ein Zwangsmittel ist, unterwirft man sich heute häufig aus „freien Stücken“ einer Selbstzensur. Eigentlich unglaublich.

    Koffer | 05. Januar 2014 – 20:43,

    ich stimme Ihnen weitgehend zu. Aber unter den damaligen Generalen waren immerhin noch einige, die „kein Blatt vor den Mund nahmen“, wenn es darauf ankam. Grashey z.B.

  33. @Koffer:
    Und da sind wieder wieder beim Ausgangsthema:
    Dem geistigen Stillstand in der Bundeswehr.
    Mens agitat molem…

    Deswegen ist so wenig Bewegung in der Materie.

  34. Da die ANSF-Zahlen zu SRZ (SIGACT) angeblich nicht belastbar sind, will das EinsFüKdo künftig gar keine Zahlen mehr veröffentlichen:
    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/taliban-bundeswehr-veroeffentlicht-zahl-der-angriffe-nicht-mehr-a-942131.html

    Nachdem gerade die Bundeswehr und das AA über Jahre hin die SRZ als zentrale Metrik benutzt haben (obwohl dies schon immer fragwürdig war).
    Jetzt passen die Zahlen nicht mehr ins gewünschte Bild, also läßt man sie weg.

    Wie jedoch dann der COM RC N überhaupt die obigen Aussagen machen konnte, wenn man bisher nur fürs 1. Halbjahr 2013 Zahlen hat, bleibt wohl sein Geheimnis.

    Muss man sich auch merken, wenn künftig die Ministerin, Staatssekretäre oder die Generalität etwas zur Lage sagen.

  35. Nachtrag:

    Laut faz.net („Bundeswehr veröffentlicht Zahl der Taliban-Angriffe nicht mehr“, Information ebenfalls von dpa) wird derzeit „ressortübergreifend ein neuer Bewertungsansatz erarbeitet, der die verschiedenen, für die Bewertung der Sicherheitslage relevanten Einflussfaktoren umfassen soll“.

    Aha – aber GenMaj Vollmer hat schon ne Beurteilung bevor die Bundesregierung ein Lagebild hat. Man will einem Land im Bürgerkrieg helfen – hat aber nach 13 Jahren keine Grundlagen zur Bewertung der Lage.

    Wie war das mit der Grundlagenausbildung in der Bundeswehr…?

    Aber das Thema SRZ/ SIGACTs etc. hatten wir hier ja schon öfter:
    http://augengeradeaus.net/2013/03/keine-zahlen-lugen-nicht/
    http://augengeradeaus.net/2013/05/rc-n-watch-neue-statistik-mehr-zwischenfalle-im-norden-zusammenfassung-mehr-einzelheiten/

    „Keine Zahlen Lügen nicht“ trifft es wohl sehr gut.
    Ist halt nur Selbstbetrug.
    Eigentlich auch ne indirekte Lüge, da ja somit der eigene Quatsch von der guten Lage geglaubt wird (s.o.).

Kommentare sind geschlossen.