Wo deutsche Waffentechnologie floriert: China

Chinese Kilo in service

Wer sich für die militärische Aufrüstung Chinas und die sicherheitspolitische Lageentwicklung in Fernost interessiert, hat wahrscheinlich schon längst die Serie Breakout – Inside China’s Military Buildup im Auge, in der sich die Nachrichtenagentur Reuters der Entwicklung der Rüstung im Reich der Mitte widmet. Aber nicht nur für Fernost-Kenner und China-Experten ist die jüngste Folge dieser Serie von Interesse.

Die Überschrift elektrisiert in dem Zusammenhang schon ein wenig: Made in Germany. Eine Kernaussage:

Some of China’s best attack and transport helicopters rely on designs from Eurocopter, a subsidiary of pan-European aerospace and defense giant EADS.
But perhaps the most strategic item obtained by China on its European shopping spree is below the waterline: the German-engineered diesels inside its submarines.

Auch wenn es ein EU-Waffenembargo gegen China gibt: Da scheint was zu gehen, mit Dual-Use-Technologie.

(An der Geschichte war übrigens auch die deutsche Reuters-Kollegin Sabine Siebold beteiligt, von der ich hier schon mehrfach Geschichten verlinkt habe. Leider scheint Reuters Deutschland von dieser Serie keine deutsche Fassung anzubieten?)

(Foto: Chinesisches U-Boot der Kilo-Klasse – Wikimedia Commons unter CC-BY-SA-Lizenz)

6 Kommentare zu „Wo deutsche Waffentechnologie floriert: China“

  • Alarich   |   20. Dezember 2013 - 1:53

    Die Frage ist Freiwillig oder geklaut
    USA wurde Schützenpanzer Familie eingestellt und ein neues Aufgestellt, weil es gehackt wurde
    Und Bilder von Chinas Fahrzeuge waren auch schon im Netz aber noch nicht fertig entwickelt

  • para   |   20. Dezember 2013 - 2:37

    Da muss nichts gestohlen werden, hinsichtlich Triebwerken koennen die Chinesen sehr viel einfach kaufen, was unter dual use faellt.

    Die Reuters-„Story“ basiert auf Neuigkeiten von Vorgestern. China verwendet seit mehr als zwei Jahrzehnten europaeische und amerikanisch-kanadische Triebwerkstechnologie in Marine- und Luftfahrzeugen, die Helikopter-Modelle kommen uebrigens eher von Aerospatiale, auch wenn mit Eurocopter/ ahem Airbus Helicopters ebenso Kooperation fuer zivile und damit zwangslaeufig auch militaerische Anwendungen besteht. Schon ein wenig seltsam, das jetzt bei Reuters als solch eine Offenbarung darzustellen. Vor allem mit solchen Charakterisierungen wie „strategic item“.

    Import fuer zivile Anwendungen ist selbst im Rahmen der US-Bestimmungen moeglich, waehrend das EU-„Embargo“ in solchen Fragen bekanntermassen (u mE bewusst) lasch ist. Die Franzosen wollen seit Jahr und Tag in China Geschaefte machen und in Deutschland ist man wie immer nur vokal dagegen, und der dual-use-Charakter besorgt den Rest, selbst ohne solche Vorgaenge wie beim Z-10 mit PWC. Ist halt keine Waffe, wenn es nur eine Schraube dreht.

    Aber interessante Bildwahl: Die Kilos duerften anders als die Song und Yuan-Boote wohl komplett ohne westliche Technologie auskommen.

    Fuer wirkliche Experten duerfte der Reuters-Beitrag alles andere als interessant sein. Das ist eher was fuer die Pseudo-Kenner, die einfach am lautesten schreien, aber duenn an Fakten sind und eine Kombi aus „Boese Chinesen“ und „Heuchler in Europa“ passt sowieso immer gut ins politische Tagesgeschaeft in den USA.

    Dass die Embargo-Bestimmungen trotzdem eine gewisse Wirkung haben, zeigt sich ziemlich eindeutig bei den enormen Schwierigkeiten, die China bei der Entwicklung von Strahltriebwerken fuer Kampfflugzeuge und strategische Transporter hat, wo selbst die Russen nicht mehr so wahnsinnig gern zur Hand gehen und der zivile Markt nur beschraenkt oder gar nicht hilfreich ist.

  • T.Wiegold   |   20. Dezember 2013 - 8:00

    @para

    Bisweilen sind auch Geschichten sinnvoll, bei denen der Kenner gähnt, aber viele das eben noch nicht so zusammengestellt zur Kenntnis genommen haben…

    Zu dem Foto: Die Auswahl ist der Not geschuldet – die Verfügbarkeit von frei verwendbaren (CC-Lizenz) Bildern chinesischer U-Boote ist begrenzt, und auf das Reuters-Bildmaterial habe ich natürlich keinen Zugriff. Mir war schon klar, dass die Kilo-Klasse nicht zu denen gehört, in denen die genannten Maschinen verbaut sind.

  • para   |   20. Dezember 2013 - 8:08

    Yep, das mit dem Bild war nicht zu ernst gemeint, ich fand es eher amuesant.

    Was mich an der Reuters-Story irritiert, ist eben dieser „investigative“ Ton nach dem Motto „Schock! Ueberraschung!“. Diese Fakten liegen ja schon sehr lange auf dem Tisch. Jetzt, wo China ein bisschen mehr trommelt, wird dann so getan, als ob das total neu waere.

    Eine bessere Story haette vielleicht Ursprung, Entwicklung und Zukunft dieser Embargos unter die Lupe nehmen koennen, inkl der Fragen, wie sinnvoll das alles nun ist angesichts gewisser (wirtschafts-)politischer Realitaeten und ob u wie man es anders machen koennte.

  • f28   |   20. Dezember 2013 - 9:36

    wie immer, wenn eigentlich bekannte Dinge in der Presse neu breitgetreten werden, drängt sich die Frage auf: „wer will grade jetzt wem mit dieser Veröffentlichung an’s Bein pissen??“…

  • K.B.   |   28. Dezember 2013 - 0:29

    Sicherheitspolitische Begründungen für Rüstungs- und Dual-Use-Exporte waren noch nie deutsche Stärke…

    Auf der anderen Seite wurde bei „War is boring“ auch schon beschrieben, dass die chinesischen U-Boote erfreulich laut sind und damit derzeit (noch) keine große Gefahr.

    Ein Satz aus dem Reuters-Bericht erstaunt mich aber doch:
    „Top quality diesel engines like the MTU designs minimize vibration and noise, reducing the risk of detection by enemy sonar.“
    Den Diesel werfen die Boote doch ohnehin nur an der Oberfläche an, wenn zumindest der Schnorchel rausguckt. Und dann findet man die Dinger auch per Radar oder IR (Abgase). Oder liege ich hier falsch?

    Von mir vielen Dank für den Link. Insbesondere finde ich interessant was und wie viel die Franzosen liefern.