Standorte und Kinderbetreuung: Erwartungen vom Wehrbeauftragten

Der (nach wie vor) neuen Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen steht, wie jedem ihrer Vorgänger und ein wenig auch als Korrektiv im Sinne der Soldaten, der Wehrbeauftragte des Bundestages gegenüber – ob das Verhältnis zwischen dem Regierungsamt und dem Parlamentsbeauftragten eines der Spannung oder eines der Zusammenarbeit ist, zeigt sich ja immer erst ein bisschen später. An diesem Wochenende hat der Wehrbeauftragte Hellmut Königshaus schon mal seine Messlatte gelegt, dafür brauchte er nur in seinen Posteingang des Jahres zu schauen: Bis zum 23. Dezember registrierte Hellmut Königshaus 5061 Beschwerden und damit 17 Prozent mehr als im Vorjahr. Gemessen an der Zahl der Soldaten ist das der höchste Stand seit Beginn der Erfassung 1959, berichtet dpa. Hauptproblem sei die Bundeswehrreform, bei der sich die Soldaten weiterhin nicht mitgenommen fühlten.

Im Interview der Woche des Deutschlandfunks hat Königshaus das noch ein bisschen detaillierter erklärt – zum Beispiel beim Thema Kinderbetreuung:

Aber es gibt ja eine Reihe von Themen, an denen, ich glaube, wird auch noch tatsächlich eine Verstärkung in den Aktivitäten erforderlich sein. Und gerade das Thema Vereinbarkeit von Dienst und Familie, das ist etwas, was nicht einfach nur plakativ ist, wo eine emotionale Aufwallung nötig ist, sondern wo wir tatsächlich auch mit Investitionsmitteln ran gehen müssen. Wo wir ganz konkret sagen müssen: Wir wollen also zum Beispiel sicherstellen, dass immer dann, wenn jemand auf eine Schule geschickt wird oder eine Soldatin mit Kleinkind möglicherweise in den Einsatz gehen soll, da müssen wir uns mal überlegen: Was bedeutet das ganz konkret, was bieten wir ihr an? Da können wir nicht sagen, sie soll doch selber gucken.

Neben der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, der Notwendigkeit der Verbesserung von Infrastruktur und ähnlichen Baustellen der Neuausrichtung hat der Wehrbeauftragte da auch ein Thema angesprochen, das die Stimmung gut aufheizen kann: Was ist mit den Standorten? Ist der Sack wirklich zu, wie der bisherige Verteidigungsminister Thomas de Maizière meinte? Grundsätzlich sollten die Entscheidungen zwar nicht infrage gestellt werden, meinte Königshaus, aber:

Dass daraus dann natürlich an bestimmten Stellen noch mal Überlegungen angestellt werden könnten, wo noch nichts sozusagen in Beton gegossen ist und wo man erkennt, man sollte hier vielleicht doch noch mal drüber nachdenken – also beispielsweise über die Frage, ob die Luftlandeschule tatsächlich verlegt werden soll –, darüber kann man reden. Natürlich ist das dann ein politisches Thema, weil natürlich auch die Politik sich darauf eingestellt hat und dann möglicherweise Kompensationsüberlegungen ins Spiel kommen. Aber prinzipiell – das sind ja kleinere Dinge – könnte man das sicherlich noch mal ins Auge fassen.

Da bin ich gespannt. Vor allem darauf, wie sich von der Leyen konkret positioniert – über allgemeine Absichtserklärungen hinaus. Noch ist ja ein bisschen Zeit.

(Foto: „Soldat und Familie. Hauptmann Falk S. und seine Lebensgefährtin spielen mit ihrem dreijährigen Sohn.“ –  Bundeswehr/Andrea Bienert via Flickr unter CC-BY-ND-Lizenz)

181 Kommentare zu „Standorte und Kinderbetreuung: Erwartungen vom Wehrbeauftragten“

  • Elahan   |   31. Dezember 2013 - 18:52

    @Koffer
    Ich stimme Ihnen in vielen Punkten zu.
    Was die historische und zwingend notwendige Versetzung von Soldaten (der Begriff bedürfte dann wohl einer näheren Definition) in den vergangenen 2000 Jahren betrifft, jedoch nicht.

    „Ich bin immer wieder erstaunt, wie wenig Militärgeschichte im Wissenschatz deutscher Offiziere verankert ist.“

    Waren es nicht Sie, der pauschal mit 2000Jahren Geschichte argumentiert hatte.
    Gerne können wir in die Details gehen und die Frage der Versetzung (nicht Einsatz)
    der unterschiedlichen Dienstgrade reflektieren. Sollten wir jedoch mit Rücksicht auf die Blogteilnemer nicht hier tun.

    „Römische Offiziere kehrten in der Regel nach der Schlacht nur dann auf ihr Gut zurück, wenn sie der Nobilität oder der Ritterschaft entsprangen, d.h. wenn sie das waren, was wir heute mit einem Stabsoffizier vergleichen würden (also die Legaten, die Tribune etc.).“

    Habe nichts anderes behauptet.

    „Die normalen Offiziere (Centurionen und ggf. könnte man noch die Optiones als offiziersähnliche Dienstgrade bezeichnen) gingen nach der Schlacht im Regelfall NICHT nach Hause.“

    Über offiziersähnliche Dienstgrade habe ich nicht geschrieben und da es bei den Centurionen eine starke Untergliederung gab, ist es nicht möglich, diesen mit modernen Dienstgraden zu vergleichen. Auch entstammten sie grundsätzlich den Mannschaften und gingen, je nachdem welche historische Periode betrachtet wird nicht in Pension. Als Führer von ca. 70 Mann starken Einheiten kamen sie am ehesten den Leutnanten gleich. Ein Primus Pilus dagegen wäre eher mit einem Oberst vergleichbar. Rückhalt in der Familie stand nicht auf dem Programm und sexuelle Bedürfnisse wurden zeitgemäß befriedigt.

    Dieses Wissen nicht parat zu haben, ist bei heutigen Offizieren der westlichen Welt durchaus üblich. Es ist sogar so, dass ich keinen kenne, der im Detail darüber verfügt.

    2000 Jahre Militärgeschichte so darzustellen, dass die Versetzung des Soldaten (über alle Dienstgrade hinweg und außerhalb des Krieges) üblich war, ist historisch falsch.

    Gerne können Sie mich eines Anderen belehren :-)

    Ich wünsche allen einen guten Rutsch und freue mich auf einen fruchtbaren Wissens- und Meinungsaustausch auch im Jahr 2014.

  • CRM-Moderator   |   31. Dezember 2013 - 18:56

    P.S.: Auf der Wiki-Fliegerhorstliste sind auch Karteileichen dabei. Siehe ETNJ.

  • Georg   |   01. Januar 2014 - 10:51

    Ich habe gerade noch die monatliche Kolumne des Wehrbeauftragten im „Kompass“ gelesen, der Zeitschrift der katholischen Militärseelsorge, zu der Problematik „kurzfristige Verbesserungsmöglichkeiten der Situation Dienst und Familie für Soldaten“. Passt zu unserer Diskussion hier.

    Seine Aussagen konterkarieren schon die These, dass seit 2000 Jahre Soldaten zwangsweise alle paar Jahr versetzt werden müssen.

    Seite 18:
    http://www.katholische-militaerseelsorge.de/uploads/media/Ausgabe01_2014.pdf

    Übrigens in der katholischen Kirche gibt es auch einen „Versetzungsrthymus“. So wird ein Gemeindepfarrer ca. alle 10 – 12 Jahre versetzt. Ein Argument für diesen Zeitraum ist der „Lesezyklus“ des Evangeliums. Bekanntlich gibt es 4 Evangelisten und damit 4 Evangelien. Nach 12 Jahren sind also alle Evangelien 3 mal gelesen worden. Auf das Evangelium aufbauend folgt die Predigt des Pfarrers. Die Annahme ist jetzt, wenn die Gemeinde 3 mal eine Predigt zum gleichen Evangelium vom gleichen Pfarrer gehört hat, dann ist von ihm wirklich alles gesagt zu einem Thema.

    Na, denn wenn ich dem Kommandeur seine Predigten 3 mal gehört habe, kann er versetzt werden.
    Prosit Neujahr :-)

    Übrigens alt empfindet man sich als Soldat, wenn der „neue Chef“ die gleiche Idee aufgreift und umsetzen will, bei der der drittletzte Chef schon gescheitert ist.

  • klabautermann   |   01. Januar 2014 - 11:20

    Was haben Pater Braun und Offiziere des Römischen Reiches deutscher Nation und seiner Nachfolgearmeen gemeinsam ?

    ;-)

    Ein glückliches und gesundes 2014 allen @Aganerinnen und Aganern

  • Nordlicht   |   01. Januar 2014 - 13:19

    Wenn Zivilisten nicht ohne Erklärung verstehen warum insbesondere bei Berufssoldaten Versetzungen erforderlich sind, so kann ich das nachvollziehen. Unverständlich ist mir, dass hier Soldaten Versetzungen für nicht erforderlich halten. Wer an Schulen, Ämtern, in Kommandos und im Verteidigungsministerium eingesetzt ist, der muss die Truppe aus eigenem Erleben kennen. Die Halbwertszeit des Erfahrungswissens ist je nach Verwendung unterschiedlich. In sehr vielen Bereichen beträgt sie jedoch nur wenige Jahre. Danach muss eine Rückversetzung in die Truppe erfolgen (mit oder ohne Karrieresprung), ansonsten sind Ausbildung/Planung/Entscheidungen nicht mehr sachgerecht. In einer auf multinationale Bündnisse ausgerichteten Armee kommen noch Auslandsverwendungen hinzu, die für alle Soldaten selbstverständlich sein sollten und die aus verschiedenen Gründen nur zeitlich befristet sein können. Wer langdienende Zeitsoldaten und Berufssoldaten nicht versetzen will, der nimmt in Kauf, dass insbesondere in Schulen, Ämtern, Kommandos nur Soldaten sitzen, die von der Truppe keine Ahnung (mehr) haben und die zwangsläufig am Bedarf vorbei arbeiten. Bei der Bundeswehr hat es schwerwiegende Konsequenzen wenn Personal die dienstlichen Rahmenbedingungen gestaltet, welches die aktuelle Realität in der Truppe und im Einsatz nicht aus eigenem Erleben kennt. Das sollte eigentlich jeder Soldat wissen. Familienfreundlich ist es, wenn diese Versetzungen zumeist ohne Umzug bzw. Pendeln möglich sind. Genau das ist durch Kasernen in der Fläche aber eben nicht realisierbar.

  • Elahan   |   01. Januar 2014 - 13:53

    @Nordlicht

    Dass es Laufbahnen und Verwendungen gibt, für die Versetzungen mili begründet und sinnvoll sind ist ohne Zweifel und auch nicht der Anlass dieser Diskussion.

    Es geht um Laufbahnen und Einsatz-/Verwendungsbereiche wo das Versetzen und für den Auftrag der Bw keinen Mehrwert bringt.

    Es geht auch nicht um die eine oder andere Versetzung sondern um die Häufigkeit.

    „Wer an Schulen, Ämtern, in Kommandos und im Verteidigungsministerium eingesetzt ist, der muss die Truppe aus eigenem Erleben kennen.“

    Stimmt, jeder Soldat sollte aus der Truppe stammen und manche sind Truppe und müssen nicht Schulen, Ämtern, in Kommandos und im Verteidigungsministerium eingesetzt werden.

    „Die Halbwertszeit des Erfahrungswissens ist je nach Verwendung unterschiedlich. In sehr vielen Bereichen beträgt sie jedoch nur wenige Jahre. Danach muss eine Rückversetzung in die Truppe erfolgen (mit oder ohne Karrieresprung), ansonsten sind Ausbildung/Planung/Entscheidungen nicht mehr sachgerecht.“

    Ach, Erfahrung in der Truppe bekommt man nur durch Versetzung und nicht durch Kommandierung, Übung und Einsatz? Welche Erfahrung bekommt man denn bitte durch Versetzung in einen anderen Standort in der Republik?

    „In einer auf multinationale Bündnisse ausgerichteten Armee kommen noch Auslandsverwendungen hinzu, die für alle Soldaten selbstverständlich sein sollten und die aus verschiedenen Gründen nur zeitlich befristet sein können.“

    Das wünschen sich mehr Soldaten als es Stellen gibt! Dies Thema ist kein Problem und nicht Gegenstand des Unmuts, besonders weil Fürsorge und Schulbildung im Ausland besser ist als bei Versetzungen innerhalb der BRD

    „Wer langdienende Zeitsoldaten und Berufssoldaten nicht versetzen will, der nimmt in Kauf, dass insbesondere in Schulen, Ämtern, Kommandos nur Soldaten sitzen, die von der Truppe keine Ahnung (mehr) haben und die zwangsläufig am Bedarf vorbei arbeiten.“

    Siehe oben

    „Bei der Bundeswehr hat es schwerwiegende Konsequenzen wenn Personal die dienstlichen Rahmenbedingungen gestaltet, welches die aktuelle Realität in der Truppe und im Einsatz nicht aus eigenem Erleben kennt.“

    Was hat dies mit Versetzung zu tun?

    „Das sollte eigentlich jeder Soldat wissen. Familienfreundlich ist es, wenn diese Versetzungen zumeist ohne Umzug bzw. Pendeln möglich sind. Genau das ist durch Kasernen in der Fläche aber eben nicht realisierbar.“

    Aber durch zwei Kasernen im Norden und Süden in einem Laufbahngebiet auch nicht, vor allem wenn sie in der Pampa ohne OPNV oder Schnellstraßenanbindung sind.

    Niemand sagt etwas gegen mili notwendige und planbare Versetzungen.
    Wenn ein Soldat in einer Verwendung bestimmte Posten einnehmen muss und ihm das bekannt ist, dann ist Familienplanung wenigstens theoretisch möglich und er weiß auf was er sich eingelassen hat.
    In den letzten 20Jahren, war es nicht einmal theoretisch möglich.

  • Koffer   |   01. Januar 2014 - 14:07

    @Elahan
    Ein frohes und gesegnetes neues Jahr!

    „[Erklärung zum Dienstgrad des Centurio]
    Dieses Wissen nicht parat zu haben, ist bei heutigen Offizieren der westlichen Welt durchaus üblich. Es ist sogar so, dass ich keinen kenne, der im Detail darüber verfügt.“

    Natürlich haben Sie Recht, dass nicht jeder Offizier solche Details immer parat haben sollte.

    Aber ich finde, dass zumindest gewisse Grundlagen der Militärgeschichte jedem Offizier bekannt sein sollten.

    Und da die römische Legion nun einmal die erste strukturierte, ständig stehende und gut dokumentierte „Großarmee“ war, sollten meiner Meinung nach (einige wenige) grundlegende Fakten über die Legion Allgemeingut sein.

    Aber ob die Dienstgradstruktur dazu gehört, da lasse ich gerne mit mir streiten :)))

    „2000 Jahre Militärgeschichte so darzustellen, dass die Versetzung des Soldaten (über alle Dienstgrade hinweg und außerhalb des Krieges) üblich war, ist historisch falsch.“

    Da haben Sie Recht, denn es ist in der tat historisch falsch.

    Ich habe grob vereinfachend dargestellt um, pointierter argumentieren zu können.

    Das war zugegebener Weise nicht ganz sauber ;)

    Ab dem Ende des römischen Reiches (und damit der Legionen) bis zur Wiedererrichtung der nächsten militärischen, stehenden Großorganisation in der Neuzeit war das Rotieren von Soldaten nicht mehr im heutigen Sinne verbreitet. Von daher besteht eine Unterbrechung von mehreren hundert Jahren.

    Also hätte ich vielleicht sagen sollen:
    „In jeder Armee nach unseren Maßstäben waren regelmäßigen Versetzungen üblich und notwendig. Schon immer und das sogar seit römischen Zeiten. Und auch heute noch. Und auch bei allen unseren verbündeten Armeen.“

    Besser? ;)

    @Nordlicht
    Gut argumentiert. Ich habe ja bisher nur den kontinuierlichen Personalaufbau herangezogen, aber Sie haben natürlich recht, es gibt auch (und vor allem) auch inhaltliche Gründe für regelmäßige Versetzungen.

  • Hans   |   01. Januar 2014 - 15:04

    Die römische Armee hatte aber einen entscheidenden Unterschied: Die Hilfstruppen bestanden aus Verbündeten und werden erst einmal nicht betrachtet.
    Die Legion jedoch als Kampfverband von im Kern ca 6.000 Soldaten war in einem Lager stationiert (Großstandort), in Deutschland waren dies zB Köln, Mainz und Augsburg und diese Standorte waren mit allen Annehmlichkeiten ausgestattet die es in Rom auch gab (Thermen, Amphitheater, Theater etc) und die Schulbildung wurde ohnehin meist zuhause durchgeführt. Die Frauen hatten keinen Job (das war später bis ins frühe 20. Jh. ebenfalls der Fall) und daher entstand bei Versetzungen kein großes Problem für die Familie.

    Ebenso haben die US-Garnisonen vergleichbare Lebensumstände und auch die Briten haben wesentlich größere Standorte als die BW und konzentrieren gerade die Einheiten die jetzt noch in Deutschland sind mit anderen in Salisbury Plain, die Situation in Italien, Frankreich, Spanien ist mir leider nicht bekannt. Jedoch auch hier sind ab Regiments- / Brigadestab aufwärts Mittel- und Großstädte Standort, an denen ein Familienumfeld mit angemessenen Bildungs-, Berufs- und Freizeitmöglichkeiten sowie eine ordentliche Verkehrsanbindung vorhanden ist.

  • Elahan   |   01. Januar 2014 - 15:07

    @Koffer

    Ein gesundes Neues und Chapeau.

    Leider wird die Geschichte Europas zuwenig im Zusammenhang betrachtet und noch wenige bei Militärs kontroverse diskutiert.

    Ja, es gibt Posten und Laufbahnen beim Militär, da ist eine Versetzung unumgänglich und nötig. Wenn man aber Mannschaften, Unteroffiziere, FDs und TruppenOffze, über einen Kamm schert wird es in unserer Gesellschaft und Sozialstruktur schwer vermittelbar.

    Wir sind nicht weit auseinander, evtl betrachten wir das Thema nur von unterschiedlicher Seite.

    Es gäbe da viele Fragen zu betrachten:

    – Was hat die Veränderung von einer Wehrpflicht- und Berufsarmee zu SaZ Streitkräften für Folgen auf die Mobilität?

    – Welche Auswirkungen haben die Gehaltsstrukturen und die Preise am Standort?

    – Welche Auswirkung hat unser föderales Bildungssystem?

    – Welche Auswirkung hat die Emanzipation, Scheidungsrecht, Nachversicherung, Versorgungsausgleich, IT -Gesellschaft, ziv Arbeitsmarkt, Vereine, Ehrenamt, Bildungsdruck uvm auf die Mobilität?

    – Was ist Attraktivität und wie kann man den Nachwuchs gewinnen?

    – Welche Auswirkung auf die Mobilität hat die Auslegung unseres Auftrages (Grundgesetz/KdB)?

    UEm.

    P.S. Die Alemannen mit ihrer starken Bindung zur Familie und innerhalb der Generationen relativ unmobil haben gegen die Römer gewonnen (Parallelen zu AFG nicht betrachtet).
    Ja und auch da gab es viele verschiedene Ursachen und Wirkungen.
    Eine Vereinfachung verbietet sich auch da, macht aber spaß :-)

  • J.R.   |   01. Januar 2014 - 15:14

    @ Koffer
    In jeder Armee nach unseren Maßstäben waren regelmäßigen Versetzungen üblich und notwendig.

    Aktuelles Gegenbeispiel wären die US-Nationalgarde und andere Reserve-Einheiten im englischsprachigen Raum. (Zahlen zu deren Einsatz in Afghanistan und Irak)

    Da stellt sich dann schon die Frage, warum für die wesentlich andere Notwendigkeiten gelten sollen als für Mannschaftsdienstgrade der stehenden Streitkräfte.

    Imho müsste da in der Sache argumentiert werden, und nicht auf dem Niveau von „War schon immer so, weil Militärgeschichte“.

    Nebenbei zum Thema: November 2013 erschien eine Studie zum Wohlergehen von Militärfamilien in Canada, angestoßen durch vermehrte Eingaben beim Ombudsmann.

    Zu den Empfehlungen gehört auch:

    12. Modernisieren der Versetzungs-Vorgaben und -Prozeduren der Streitkräfte

    Es wird empfohlen, dass Verteidigungsministerium/Streitkräfte die bestehenden Versetzungs-Vorgaben und -Prozeduren modernisieren um die Herausforderungen räumlicher Versetzungen abzumildern. Die Absicht ist dabei nicht nur, dass die Streitkräfte ihre Mitglieder wenn möglich weniger umziehen lassen, sondern auch sie besser zu versetzen.

    Aber hier ist alles in Butter, und es wird nur versetzt wenn es für Qualifikation und militärischen Bedarf notwendig ist? Und das für die Betroffenen so planbar und schonend wie möglich?

  • Koffer   |   01. Januar 2014 - 16:24

    @Hans
    Das mit den Großstandorten der Römer stimmt.

    Ich habe auch niemals behauptet, dass die Bundeswehr das Thema „gut“ bearbeitet.

    Meine These ist eine andere (und das habe ich glaube in diesem Faden schon gut zwei dutzend mal gesagt), regelmäßige Versetzungen sind in Armeen normal und notwendig , waren es immer und werden es immer sein, ABER die Bundeswehr sollt mehr tun um die Folgen für die Betroffenen und deren Familien zu mildern.

    Großstandorte, Regimentsstrukturen, verminderte BS-Quoten bei gleichzeitig erhöhten SaZ20 mit Pensions oder zivilen Anschlussverwendungen, Pendlerunterkünfte, Familienunterkünfte etc. etc.

    Ich bin absolut der Meinung, dass der Dienstherr mehr gegen die Folgen der Versetzung tun muß.

    Aber wenn man so argumentiert, dann müßte die Bundeswehr zumindest endlich mal zugegeben, dass die Faktenlage ansich so ist.

    @Elahan
    Berechtigte Fragen. Genau dabei bin ich bei Ihnen!

    Allerdings werde ich (mit Ausnahme von kurzdienenden Mannschaften) keine Differenzierung unter den Laufbahnen vornehmen. Aus meiner Sicht bedarf es grundsätzlich bei jedem über SaZ4, spätestens aber über SaZ8 regelmäßiger Versetzungen… (natürlich durchaus mit unterschiedlichen Taktzahlen in den jeweiligen Laufbahnen, aber dennoch)..

    @J.R.
    „Imho müsste da in der Sache argumentiert werden, und nicht auf dem Niveau von “War schon immer so, weil Militärgeschichte”.“

    Habe ich auch getan. Aber Militärgeschichte ist eine Möglichkeit empirische Validierung vorzunehmen, denn wenn etwas heutzutage in den meisten (allen?!) Armeen normal ist und darüber hinaus auch in der Vergangenheit normal war, dann könnte es doch sein, dass sich hier ein Muster ergibt, oder?

    Die Gründe sind inhaltlich. Der Nachweis ist aber empirisch…

    @all
    Ich möchte mal eine ketzerische Frage stellen:

    Solange sowohl von Seiten der Bundeswehr, als auch von den längerdienenden Soldaten die Tatsache der Notwendigkeit und der Unumgänglichkeit regelmäßiger Versetzungen bestritten wird, lassen wir damit den Dienstherren nicht „billig“ aus seiner Fürsorgepflicht?!

    Denn wenn es keine Notwendigkeit, sondern nur eine Folge schlechter Personalführung und der hin und wieder eintreten Reformen ist, dann muß man ja nichts grundsätzliches an den Unterstützungsleistungen ändern, oder?

    Hier die These: Wer dem Traum anhängt, dass zum Soldatsein nicht regelmäßige Versetzungen gehören und sich der Realität verschließt, der ermöglicht es dem Dienstherren immer und immer wieder mit seinen Plattitüden über „Vereinbarkeit von Familie und Dienst“ und „Berücksichtigung der regionalen Verwendungswünsche der Bewerber und Soldaten“ davon zu kommen und damit massiv Geld zu sparen und zu unseren Lasten zu handeln.

  • Georg   |   01. Januar 2014 - 16:44

    @ Nordlicht 13:19 Uhr

    Zitat: „Wer langdienende Zeitsoldaten und Berufssoldaten nicht versetzen will, der nimmt in Kauf, dass insbesondere in Schulen, Ämtern, Kommandos nur Soldaten sitzen, die von der Truppe keine Ahnung (mehr) haben und die zwangsläufig am Bedarf vorbei arbeiten.“

    Ich weiß nicht, inwieweit sie praktischen Einblick in Schulen, Ämtern und Kommandos haben oder hatten, zumindestens die ersten beiden Institutionen habe ich selber erlebt und ihre Aussage ist aus meiner Sicht grottenfalsch.

    An Ämtern hat man im Regelfall festes Stammpersonal. Da wechselt zwar alle paar Jahre der Dezernatsleiter, (seit ca. 10 Jahren eine A 15-Position) aber die unter ihm arbeiteten Sachgebietsleiter und Sachbearbeiter sind 10 Jahre und länger auf ihren Posten. Und das ist auch gut so ! Die Bewirtschaftung von Waffensystemen in Zusammenarbeit mit der Industrie, den Materialdepots und der Truppe, sowie das Erstellen von Haushaltsplänen, im Rüstungsbereich AFReG usw. erfordert Fachleute, die diesen Job viele Jahre machen müssen, damit sie ihn beherrschen und auf „dem Klavier spielen können“, zum Wohle der Truppe und um eventl. Unsinn von Industrievorhaben abwehren zu lernen. Im Regelfall wird ein OLt zur Hptm-Beförderung ins Amt versetzt und bleibt dann bis zu seiner Pensionierung dort (gemeint ist natürlich ein Offz milFD).

    Noch gravierender ist die Situation an einer Schule. Die Ideallösung ist, wenn ein OA milFD nach mehreren Fw-Jahren in der Truppe, der Weiterbildungsmaßnahmen zum Offz milFd (Technikerausbildung und Offz-Lehrgang) als ca. 30 jähriger Oberfähnrich an eine Schule versetzt wird. Er ist jung genug, durch die Offz-Ausbildung wieder im Lernprozess und erfahren genug durch seine praktischen Fw-Jahre ein technisches System, Teilsystem bis ins kleinste Detail sich anzueignen und auszubilden.
    Nach 6 – 10 Jahren steht er dann zum Hptm an und besitzt ein immenses Wissen auf seinem Fachgebiet. Idealerweise bleibt er dann an der Schule, unterrichtet dann aber einen Fw-Lehrgang als Hörsaalleiter und ist der kompetente Ansprechpartner der TTVg (beim Heer Grp Weiterentwicklung) um technische Vorschriften zu überarbeiten. Die kommen als Entwurf von der wehrtechnischen Betreungsindustrie, sind meist grottenschlecht und erst durch viele Stunden Überarbeitung praxistauglich für die Truppe. Außerdem ist er einer der wenigen kompetenten Gegengewichte für die Industrievertreter bei der Einführung von einem neuen Gerät, z.B. bei einem Radargerät seines Fachbereiches, denn er kann mit dem Industrievertreter auf Augenhöhe im technischen Bereich sprechen.
    Wenn er dann so gut ist, dass er A12 werden kann, kann er die Leitung eines Fachbereiches an der Schule übernehmen.

    In der Praxis ist jeder Lehrer einmal in 1-2 Jahren zur Weiterbildung im Verband, vorzugsweise bei militärischen Übungen. Dies reicht zusammen mit einer jährlichen Ausbildungskonferenz mit den Fachleuten aus der Truppe aus, um die Neuerungen in seinem Fachgebiet mit zu bekommen.

    In der Praxis war es absolut kontraproduktiv wenn ein Hptm aus der Truppe zur A12 Beförderung an die Schule kam. Im Endeffekt hat er überhaupt nicht unterrichtet und eine wirkliche Ahnung vom Ausbildungsgeschehen hat er in der Zeit auch nicht erworben. Er wäre mal besser direkt in ein Kommando gegangen.

    Leid taten mir fast die Hptm TrD-Offz, die ihre erste Chef-Stelle (damals A11) an der Schule bekamen (2-3 Jahre Stehzeit). Die haben dann eine Ausbildungsinspektion mit 30 Mann Stammpersonal (davon ca. 10 Hptm FD, im Schnitt im Lebensalter ca. 10 – 15 Jahre älter als der neue Chef) und bis zu 100 Schülern übernommen.

    Da erforderte es dann großes Geschick auf beiden Seiten, dass die Chefzeit produktiv verlief.

    Also in Ämtern und an Schulen hat man bis auf die Ebene Hptm A12 nach Möglichkeit langjähriges Personal, die die Feinheiten der Anforderungen des Dienstposten verinnerlichen und vorleben ! Dies sind meiner Erfahrung nach die besten Lehrer bzw. fachkundiges Verhandlungspersonal gegenüber der Industrie.

  • Koffer   |   01. Januar 2014 - 17:14

    @Georg
    Ihre Schilderungen mögen für die Luftwaffe und technischer Lehrverwendungen und Ämterverwendung im Heer zutreffen.

    Für InfS, die LL/LTS, das AusbZSpezlOp, das AusbZ Munster, die ArtS und alle mit KpfTr in Verbindungen stehenden Dezernate im Heeresamt (bzw. heute Amt für Heerensentwicklung) ist absolut unzutreffend.

    Und zwar im Sinne von 100% unzutreffend. 180° falsche Richtung unzutreffend.

    Ich bin immer wieder erstaunt wie in einer Armee so vollkommen unterschiedliche Welten neben einander friedlich koexistieren können.

    Ein weiter Beweis dafür, dass streitkräftegemeinsames Denken nur bis zu einem Gewissen Grad möglich ist ;)

  • Georg   |   01. Januar 2014 - 17:32

    @ Koffer

    Zitat: „Ich bin immer wieder erstaunt wie in einer Armee so vollkommen unterschiedliche Welten neben einander friedlich koexistieren können.

    Ein weiter Beweis dafür, dass streitkräftegemeinsames Denken nur bis zu einem Gewissen Grad möglich ist ;)“

    Ja, das sehe ich auch so. Ich kann nur für die Bereiche sprechen, die ich wirklich intensiv kenne. Die Bw ist in der Tat ein Konglomerat von vielen unterschiedlichen Teilen, wobei nicht jedes Teil zwangsweise mit dem Anderen verbunden, bzw. verwandt sein muss.

    Auch das macht dieses Blog so interessant !

    Auf ein gutes neues Jahr 2014 !

  • ThoDan   |   01. Januar 2014 - 18:56

    Ob roemische Offiziere oder Legionaere nach dem Feldzug zurueck nach Hause gingen hing davon ab, ob es Berufslegionaere, Einberufene oder vom Feldherren rekrutierte handelte(die Soeldner des Marius, Sulla, Caesars etc).

    Bei den Legionen des Augustus und Nachfolgern waren die Tribunen eher Volontaere bzw Praktikanten die den Cursus Honorum absolvierten, deshalb gab es den Rang des Lagerpraefekten als Vertreter des Legaten(worueber Centurionen genauer Primus Pili in den Ritter und moeglicherweise Senatorenstand aufsteigen konnten) mal ganz versimpelt gesagt.

    Und eine solche Legion war bzw wurde nicht verlegt noch war es gesagt, das die militaerisch auch nur zu irgendwas zu gebrauchen gewesen waere.

    Vergleichbar sind diese Tribunen mit Politikern zu Anfang ihrer Laufbahn.

  • Nordlicht   |   01. Januar 2014 - 20:18

    @ Elahan
    So wie es Soldaten gibt, die am Liebsten immer in der Truppe bleiben würden, so gibt es Unteroffiziere und Offiziere, die nur in Ämtern oder Kommandobehörden dienen wollen.
    Erstere bergen die Gefahr aufgrund fehlenden Gesamtüberblicks und Anstößen von außen irgendwann nur noch Subsysteme zu optimieren, die ihre Existenzberechtigung längst verloren haben. Sie halten sich für den Nabel der Welt und erkennen nicht, dass alle anderen bereits die Galaxis gewechselt haben und ihr Stern erloschen ist. Diese Gefahr kann jedoch durch regelmäßige Teilnahme an Einsätzen gebannt werden.
    Problematischer ist die Gruppe der ewigen Schul-, Ämter- und Stabsverwender. Je nach Verwendung wirken sich diese Soldaten direkt auf weite Teile der Truppe aus. Hier muss man abstrakte oder truppenferne Vorgaben in truppennahe, konkrete und tragfähige Lösungen umsetzen. Dazu reicht es nicht sich in der richten Galaxie zu befinden. Man muss die aktuellen Rahmenbedingungen auf dem Planeten genau kennen. Nun kann man natürlich auch Schul-, Ämter- und Stabsverwender regelmäßig in Einsätze schicken. Sofern dieses aber nicht von speziellen Einsatzdienstposten aus erfolgt, trägt dieser Ansatz bei den Kameraden zur Unvereinbarkeit von Familie und Beruf bei, die durch Mehrarbeit die Lücken füllen müssen.

    @ Georg
    Ihre Sicht teile ich in Bezug auf jene Bereiche, in denen es um Technik und Ausrüstung geht. Hier sind die Innovationszyklen (bedauerlicherweise) ja auch so lang, dass die Halbwertszeit des Wissens recht hoch ist. Auch hier ist aus meiner Sicht aber eine gesunde Mischung von Kameraden mit längerer und kürzerer Verwendungsdauer im Dezernat bzw. Referat anzustreben. Ohne aktuelle Einsatz- und Truppenerfahrung wird gerade die Materialentwicklung ansonsten schnell durch veraltete Bilder bestimmt. Auch hier gibt es etliche Beispiele für die jahrelange Optimierung von Subsystemen, deren Bedarf in Gänze längst entfallen ist, ohne dass der Bearbeiter dieses realisiert hat. An Schulen regelt sich dieses primär durch die Nachfrage der Lehrgangsangebote. Solange Ausrüstung unverändert in der Truppe genutzt wird, gibt es natürlich auch keinen Weiterbildungsbedarf für einen Technikausbilder, der ständige Versetzungen erforderlich macht.

  • bitte_so_nicht   |   01. Januar 2014 - 22:39

    In der Welt steht ein interessanter Artikel: “Und jetzt wird von Zuhause regiert“.

    Da bin ich ja mal gespannt, ob vdL das mit dem Homeoffice so hinbekommt. Alles zieht nach Berlin, nur die Ministerin geht den entgegengesetzten Weg.

  • Elahan   |   02. Januar 2014 - 0:09

    @ Nordlicht

    Zustimmung, hat nur nichts mit Versetzung zu tun, sondern mit nicht Kommandierung in Einsatz-/ Übungsverbände.

    Was machen sie mit der Truppe, wenn ihr die Einsätze abhanden kommen?

    @bitte so nicht

    Uvd schlief als Ministerin des BMAS sehr oft im Büro (Kammer dahinter).

  • K.B.   |   02. Januar 2014 - 13:02

    Vielen Dank für die erhellende Debatte in den letzten Kommentaren!

    Das zeigt erstmal, wie differenziert eigentlich die Personalführung erfolgen muss! Zwischen bewusstem Versetzen von allgemeinen Schul- und Stabsverwendungen in Einsatzverbände (und zurück). Und bewusstem Nichtversetzen von technischem Personal, um die aufgebaute Expertise zu erhalten.

    Vor diesem Hintergrund kann man die Standortveränderungen in einem neuen Licht betrachten.

    Verlegung der OSLw von Fürsty nach Roth – bezüglich des Kompetenzerhalts relativ unproblematisch.

    FT mit Verlegung der CH-53 nach Holzdorf – hochgradig kritisch.
    Denn der technische und fliegerische Bereich des Geschwaders/Regiments ist im Endeffekt ein hochspezialisierter mittelständischer Betrieb. Aus dem zivilen Bereich kenne ich nur Negativbeispiele, wo die Verlagerung von Werken/Betrieben mit einem plötzlichen Qualitätsverlust einherging, der auch langfristig nicht auszugleichen war. Die guten Leute gehen halt nicht mit. Nur als ein Beispiel die Verlagerung von Eurocopter (Airbus Helicopter) von Ottobrunn nach Donauwörth: Am Ende hatte man etliche Ingenieure an Marenco Swisshelicopter verloren.

    Deswegen stellt sich mir umso mehr die Frage, warum man nicht alle CH-53 an ihren Standorten belassen, die Kameraden in Holzdorf die Uniform wechseln lassen und Niederstetten dichtgemacht hat.
    (Ich weiß, die Messe ist gelesen.)

  • Georg   |   02. Januar 2014 - 14:20

    @ K.B.

    Genauso so differenziert muss man die Situation betrachten.

    Ihre Beschreibung von der Verlagerung der Eurocopter-Zentrale von Ottobrunn nach Donauwörth beschreibt auch die vorhandene Situation bei der Verlagerung eines flg. Geschwaders.
    Ich hatte schon an anderer Stelle geschrieben, man kann ein Geschwader nicht verlegen, sondern es nur am alten Standort auflösen und am neuen Standort neu aufbauen. Dabei hat man eine ca. 5 jährige Durstphase mit Kompetenz- und Leistungsverlusten.
    Den Standort Holzdorf braucht im Grunde genommen kein Mensch. Das vor einigen Jahren neu aufgestellte Hubschraubertransportgeschwader 64, das in Holzdorf stationiert werden sollte ist obsolet. Man hätte es auch bei zwei fliegenden Abteilungen, bzw. Staffeln jeweils aufgehängt bei einem Luftransportgeschwader belassen können.
    Der Militärflugplatz und Standort Holzdorf wird seit ca. 10 Jahren nur aus regionalpolitischen Gründen mit über 100 Mio Euro aufgepäppelt. Brauchen tut den im Grunde niemand !

    Die Entscheidung die CH-53 von Rheine nach Holzdorf zu verlagern, ist meines Wissens zur Zeit ausgesetzt. Man sucht nach Lösungen nachdem wirklich alle in der Region von Rheine sich dagegen gewehrt haben.
    Zur Situation in Laupheim kann ich momentan nichts sagen. Der Übergang vom Heer zur Lw ist sicher nicht ohne die eine oder andere personelle Blessur über die Bühne gegangen. Die Personalführung von Heer und Lw sehen sich wie mittelständische Betriebe, die bemüht sind ihr bestes Personal im eigenen Org-Bereich auf einen anderen Dienstposten zu behalten. Also durch den Fähigkeitstransfer vom Heer zur Lw in Laupheim ist sicherlich auch eine Schwächung der momentanen Einsatzbereitschaft der CH-53 erfolgt.

    Und zumindestens für Rheine ist die Messe noch nicht gelesen ! Mal sehen was der Generaliät wieder einfallen wird um eine vernünftige Verwendung für den Flugplatz Holzdorf zu finden. Angedacht ist schon eine Verlagerung der Flugbereitschaft BMVg von Berlin nach Holzdorf wenn Tegel dichtgemacht wird.

  • J.R.   |   02. Januar 2014 - 19:36

    @ Koffer
    Aber Militärgeschichte ist eine Möglichkeit empirische Validierung vorzunehmen, denn wenn etwas heutzutage in den meisten (allen?!) Armeen normal ist und darüber hinaus auch in der Vergangenheit normal war, dann könnte es doch sein, dass sich hier ein Muster ergibt, oder? Die Gründe sind inhaltlich. Der Nachweis ist aber empirisch…

    Nur findet hier im Thread (und auch anderswo in den Kommentaren) kein empirischer Nachweis statt.
    Empirie wäre es, eine These (oder wie Sie es nennen, das Muster) reproduzierbar anhand eines systematisierten, „objektiven“ Datensatzes zu überprüfen. Gerade im gesellschaftswissenschaftlichen Bereich ist das oft alles andere als simpel. (Wie gesagt, wer sich anschauen will wie das in wirklich gut aussieht, dem sei Calyvas‘ Logic of Violence in Civil War empfohlen.)

    Was hier stattfindet ist nicht viel mehr als ein anekdotischer Vergleich:
    – „Was hat schonmal funktioniert?“
    – „Wenn etwas früher nicht funktioniert hat, warum sollte es jetzt funktionieren?“
    etc.
    Das hat ja durchaus seine Berechtigung: als Ausgangspunkt für die eigenen Überlegungen. Aber zum Aufstellen einer Regel reicht es nicht. Wer in der Geschichte nur lange genug sucht findet zu allem ein paar Beispiele. Rosinenpicken halt.

    Selbst für einfach scheinende Thesen wie „Das war schon immer so“ (wie hier) oder „Früher war alles besser“ (wie gerade nebenan im Drohnen-Thread ;) ) ist der nötige Aufwand dann doch etwas größer. Wobei sich da halt wieder die Frage nach dem Mehrwert für die Gegenwart stellt…

  • Koffer   |   02. Januar 2014 - 19:49

    @Georg
    „Mal sehen was der Generaliät wieder einfallen wird um eine vernünftige Verwendung für den Flugplatz Holzdorf zu finden. Angedacht ist schon eine Verlagerung der Flugbereitschaft BMVg von Berlin nach Holzdorf wenn Tegel dichtgemacht wird.“

    Nur des Teils, der bisher für Berlin vorgesehen ist oder der kompletten Flugbereitschaft? Denn die sollte doch in Köln bleiben, oder?

    Und wenn nur der Teil, reicht das denn für den Fliegerhorst? Waren das nicht „nur“ die Hubschrauber in Tegel?

    @J.R.
    Wenn Sie von mir in einem Blog wirklich eine wissenschaftlich solide, empirische Bestandsaufnahme erwarten, dann muß ich leider passen. Ich habe weder die Zeit noch die Möglichkeiten hier so zu arbeiten. Darüber hinaus sind die technischen Möglichkeiten eines Blogs vielleicht dafür auch nicht unbedingt perfekt, oder?

    Aber das Militärgeschichte als wissenschaftlich solide Basis für die Betrachtung heutiger Fragestellungen herangezogen werden kann ist meine feste Überzeugung. Ansonsten wäre der Große Generalstab vermutlich nur eine Gruppe von Idioten gewesen. Das MGFA vollkommen überflüssig. Und die historischen Forschungsabteilungen der War Colleges der Welt auch nur Geldverschwendung.

    „Was hier stattfindet ist nicht viel mehr als ein anekdotischer Vergleich“

    Natürlich ist es das. Was erwarten Sie bitte anderes von einem Blog?!?!

  • J.R.   |   02. Januar 2014 - 20:35

    @ Koffer
    Was erwarten Sie bitte anderes von einem Blog?!?!

    Dass Kommentatoren keinen empirischen Nachweis behaupten, wenn dieser nicht gegeben ist. ;)

    Wunsch zwei wäre, dass die empirischen Arbeiten, die es gibt, mehr in den Kommentaren aufgegriffen würden. (Persönlich habe ich da nicht den Überblick über das Feld, und bin daher über Hinweise auf den Stand der Forschung ziemlich dankbar.)

    Das MGFA vollkommen überflüssig.

    Die Relevanz des MGFA für die Einsatzrealität der Bundeswehr erschließt sich mir in der Tat nicht.

    (Und zum Zirkelschluss „Was wir haben brauchen wir, weil sonst hätten wir’s nicht“ muss an der Stelle wohl nicht viel gesagt werden. Polen hatte zum 2. Weltkrieg immer noch Kavallerie, und Deutschland hat nach 10 Jahren Afghanistan immer noch keinen COIN-Fachbereich. „Hat man ja schon immer so gemacht“ und „Hat man ja noch nie so gemacht“ halt…)

    An der Stelle lass ich’s mit dem OT hier aber mal gut sein, das Thema Militärgeschichte wird ja noch oft genug auftauchen (leider).

  • Koffer   |   02. Januar 2014 - 20:54

    @J.R.
    „Dass Kommentatoren keinen empirischen Nachweis behaupten, wenn dieser nicht gegeben ist. ;)“

    Ich habe nicht behauptet, dass ich den empirischen Nachweis hier im Blog geführt habe.

    Ich habe behauptet, dass sich empirisch nachweisen lässt, das regelmäßige Personalveränderungen für größere Armeen notwendig sind und schon immer waren.

    Das ist ein Unterschied.

    „Die Relevanz des MGFA für die Einsatzrealität der Bundeswehr erschließt sich mir in der Tat nicht.“

    Nebenbei: Das MGFA erstellt ziemlich gute einsatzbezogene Materialen!

    Aber das ist nicht der wahre Kern der Relevanz von Militärgeschichte in unserer heutigen Armee. Militärgeschichte fördert die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, betrachtet bedeutende Entscheidungen und Umstände in der Vergangenheit und bewertete diese.

    Und dadurch gewinnt der militärische Führer eine feste Basis für sein zeitbezogenes Handwerkszeug. Denn wer seine Vergangenheit nicht kennt, der kann seine Zukunft nur durch „Versuch und Irrtum“ gestalten (oder er ist ein Genie, dann kann er alles bis zum Ende „durchdenken“…). Und das ist nicht nur schmerzhaft, sondern auch dumm ;) (oder man ist halt ein Genie).

    Deswegen ist Militärgeschichte auch heute noch bedeutend.

  • Trabantfahrer   |   02. Januar 2014 - 21:01

    @Georg

    Warum ist den für Rheine die Messe noch nicht gelesen? Der operationelle Flugbetrieb wurde zum 31.12. 2013 eingestellt, das flieg. Personal versetzt. Es ist nur noch die Aussenstelle der Werft aus Diepholz in Rheine…

  • Akim   |   03. Januar 2014 - 13:09

    @ Georg & K.B.
    Zustimmung zu der Bewertung, keine Zustimmung was die Perspektiven anbelangt.
    Trabantfahrer hat absolut Recht was Rheine anbelangt.
    Ansonsten ist auch das Ende des Standort Bückeburg für die CH 53 eingeläutet und wird in Kürze vollzogen.
    Alles ist sehr schnell nach Holzdorf verlegt worden um dort Flagge zu zeigen und eine mögliche Kehrtwende der Politik unmöglich zu machen.
    Da ist aus meiner Sicht in der Tat die Messe gelesen, es sei denn UVL und die neuen StS denken sich etwas Neues bzgl. der Verwendung und Flottenstärke CH 53 aus.
    Da stehen in nächster Zeit wichtige Entscheidungen an, wie damit weiter verfahren werden soll. Das hat dann mit Sicherheit Konsequenzen, entweder für Holzdorf oder für Laupheim.
    Mein Tipp: Die Flotte wird auf 40 Maschinen reduziert, Standort Laupheim.
    Niederstetten wird aufgelöst und nach Holzdorf verlegt, da dort die komplette Infrastruktur bereits vorhanden ist (inkl. Simulator), ebenso wird die Flugbereitschaft aus Tegel dorthin verlegt.
    Aber vielleicht hat die Zukunft auch noch ganz andere Überraschungen für uns parat; Stichwort „Joint Helicopter Command“. Aber das ist tatsächlich jetzt OT, sorry T.W.

  • Memoria   |   03. Januar 2014 - 13:16

    @Akim:
    „Da stehen in nächster Zeit wichtige Entscheidungen an, wie damit weiter verfahren werden soll. (…) Die Flotte wird auf 40 Maschinen reduziert…“

    Also Konzentration auf die 40 CH-53GA und baldige Außerdienststellung CH-53G, CH-53GS und CH-GE?

    Warum kommt man da jetzt drauf?
    Betriebskosten? Obsolezenzen?

    Wir war das hier dieser Tage beim Ausblick auf 2014:
    Wahrscheinlichste Aufgaben sind MilEvakOp und AnfangsOp?
    Gesamtheitliche und stringente Planung?

  • Akim   |   03. Januar 2014 - 13:22

    @Memoria
    Wie geschrieben, das ist meine persönliche Einschätzung. Es bliebe sicher nur noch die GA, vielleicht dann sogar noch etwas aufgewertet mit AZTs, aktiver Kühlung, etc.
    Gerne lasse ich mich aber vom Gegenteil überraschen! Ich fürchte nur, dass man irgendwie noch Geld sparen muss und da gäbe es eine Möglichkeit, sinnvoll oder nicht. Abwarten…

  • AKamp   |   03. Januar 2014 - 13:26

    @ Memoria | 03. Januar 2014 – 13:16
    Zustimmung zum Ausblick, aber wie durch mich schon einmal erwähnt (Sudan; Afrika) wenn MilEvakOp und AnfangsOp, dann dabei immer auch bewaffnete Rückführung von Soldaten bei Krisenhafter Entwicklung. MilEvakOp ist, wie sie sicher wissen, nur ein Teil von „Retten und Evakuieren“.

  • Memoria   |   03. Januar 2014 - 13:48

    @Akim:
    Man hört das derzeit ja aus verschiedenen Ecken, da kann man nur noch mit dem Kopf schütteln.
    Schau mer mal.

    @AKamp:
    Ich bezog mich auf die beiden LoA, die für die Ausrüstung so Übung maßgeblich sind. Dass Rettung und Evakuierung mehr ams MikEvakOp ist ist schon klar.
    Das Beispiel mit der möglichen Reduzierung der CH-53 zeigt jedoch wie wichtig Rettung und Evakuierung, sowie Spezialoperationen, in der Realität sind.

  • Schnellmerker   |   05. Januar 2014 - 15:41

    Ich hab die Attraktivität in der Bundeswehr gefunden ! – Die Bundeswehr nimmt am Projekt „Mein Papa liest vor“ der Aktion der Stiftung Lesen teil. Dazu steht erläuternd seitens der Bundeswehr geschrieben:

    „Es ist auch ein Beitrag zur Förderung der Vereinbarkeit von Familie und Dienst. Das Angebot soll dazu beitragen, Ihnen und Ihren Kindern Zeit füreinander und eine angenehme Abwechslung im Alltag zu verschaffen.
    Die Geschichten bekannter Autoren haben in der Regel eine Vorleselänge von zehn Minuten. Sie sprechen verschiedene Altersgruppen (Kinder von 3 bis 12 Jahren) an und bieten von Woche zu Woche eine große thematische Bandbreite, um den Interessen von Jungen und Mädchen gerecht zu werden.“

    Wie in aller Welt soll der (Soldaten)Vater seinem Kind vorlesen können wenn er sich Hunderte Kilometer (oder mehr) entfernt von Zuhause und Familie befindet?

    Aber da sieht man einmal mehr wie der Standpunkt der Bundeswehr zur Attraktivität des Dienstes und zur Vereinbarkeit von Familie und Dienst ist. Zu beidem wird großmundig ja gesagt, aber hinter vorgehaltener Hand meint man, daß es nur nichts kosten darf. Und genau hier sieht man es. – Man bedient sich einiger kostenlos zur Verfügung gestellter Kurzgeschichten und es wird einfach als Beitrag zur Förderung der Vereinbarkeit von Familie und Dienst verkauft.

    … einfach nur armselig …