Luftwaffe stellt Airbus-Transporter für Franzosen in Zentralafrika bereit

Nach der Entscheidung des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen, eine französisch-afrikanische Friedenstruppe in der krisengeschüttelten Zentralafrikanischen Republik zu autorisieren, stellt die Luftwaffe Airbus-Transporter für die französischen Streitkräfte bereit. Die A310 der Flubereitschaft würden beim European Air Transport Command (EATC) in Eindhoven gemeldet und könnten von den Franzosen für die Verlegung von Personal und Material nach Afrika genutzt werden, hieß es am (heutigen) Freitag aus dem Verteidigungsministerium. Wie viele Flüge benötigt würden, sei derzeit aber noch offen.

Die deutschen Maschinen sollen nicht direkt in die Zentralafrikanische Republik fliegen, sondern in ein Nachbarland – das dürfte voraussichtlich Kamerun sein, das die französischen Streitkräfte als Basis für die Operation nutzen. Da für die deutschen Soldaten keine Einbeziehung in eine bewaffnete Operation zu erwarten sei, muss über die Transporthilfe auch nicht das Parlament entscheiden.

Eine gute Übersicht zur Lage in der Zentralafrikanischen Republik gibt es bei IrinNews: Central African Republic – A Failed State implodes

17 Gedanken zu „Luftwaffe stellt Airbus-Transporter für Franzosen in Zentralafrika bereit

  1. Chapeau.

    Nach dem ganzen Chaos was man in den letzten Tagen mit dem IN/OUT AFG veranstaltet ein Schlag ins Gesicht fuer alle Betroffenen.

  2. Anders als bei den Flügen um Mali, gibt man Frankreich nicht (indirekt) ein Luftfahrzeug samt Besatzung an die Hand. Sondern man hinterlegt bei EATC, dass man seine Lfz auch für diese Mission zur Verfügung stellen würde.
    Es steht somit nicht fest, dass das Lfz auch tatsächlich abgerufen wird. Und selbst wenn, wird es nach den Prinzipien des EATC mit eigenen Transportaufträgen verrechnet.

  3. Ich denke „Einfachich“ will mit Chaos darauf abzielen, dass in den letzten Wochen viele IN/OUT Rotationen per Charter (UZB Air) stattgefunden haben. Liegt daran, dass der Px A310er wg. Hydraulikproblemen in die Werft musste und deshalb nur (nach Freigabe durch BüroSts) der VIP 310er, jedoch mit reduzierter Px-Kapazität, zur Verfügung stand/steht.
    Für MINUSMA wurde sogar ein Tanker als Px/Cargo eingesetzt (mit entsprechend geringer Px Kapazitäten). Falls UZB Air schlechten Service geliefert hat, dann bitte im LogZ beschweren oder bei denen die den Vertrag bzgl. Nutzung Termez (UTST) gemacht haben!
    Zu „TOM“: Auch bei MINUSMA waren die DEU LFZ NICHT uneingeschränkt FRA zur Verfügung gestellt (TOA ohnehin beim EATC). Ähnlich wird es bei der LT-Unterstützung für FRA in CAR sein.
    Der DEU „Red-Card Holder“ (und gleichztg. DDO) im EATC ist nicht zu beneiden bzgl. der pol. Vorgaben (wie auch schon bei SERVAL/MINUSMA).
    Schönen Abend/WE noch.

  4. Lagefortschreibung:
    Am Flughafen von Bangui kam es zu einem „Meinungsaustausch“
    http://www.bbc.co.uk/news/world-africa-25268100

    Bei allen Zweifeln an französischer Ausbildung und Ausrüstung zeigen die Franzosen erneut (nach Mali), dass sie in der Lage sind – auf allen Ebenen – zeitnah und entschlossen zu agieren.

    Da muss die – angebliche – Anlehnungsmacht Deutschland wohl noch einiges dazu lernen.

  5. Natürlich muss Deutschland noch einiges dazu lernen. Anders als Frankreich kann man bei uns aber auch die von heute auf morgen offensiv geführten Auslandseinsätze an einer Hand abzählen. Dementsprechend mehr Erfahrungen haben die Franzosen in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten sammeln können. Anders als Deutschland hat Frankreich auch einiges mehr an intensiveren Kontakten zu afrikanischen Ländern, insbesondere zu ehemaligen Kolonien in der Region. Bitte nicht der Illusion verfallen, Deutschland könne diesen Vorsprung binnen weniger Jahre aufholen.

  6. @-MK20-:
    Schon klar, dass die Franzosen da einen Erfahrungsvorsprung haben.
    Mir geht es jedoch um was Grundsätzlicheres:
    Die mentale Beweglichkeit, Innovationsfähigkeit und Aggressivität.

    Operation Serval hat das sehr gut gezeigt.

    Und in Sachen Erfahrung:
    Genau diese Kernelemente des militärischen Erfolges haben wir einst beispielhaft – in Frankreich.

  7. Diese Grundsätze sind doch gerade ein wichtiger Teil des französischen Erfahrungsvorsprungs. Wenn Deutschland allerdings 50 Jahre lang so gut wie nichts anderes macht als die Heimatfront gegen die roten bzw. kapitalistischen Horden abzuriegeln, dann tut es sich halt weitaus schwerer – auf allen Ebenen – die von Ihnen genannten Grundsätze in die Tat umzusetzen. „Wer rastet, der rostet“ oder so ähnlich. Überraschend ist das nicht. Vielmehr logisch, meiner Meinung nach.

  8. @-MK20- :
    Wieviel aktuellen Einblick haben sie in die Führerausbildung und -auswahl der Bundeswehr?

    Nur um mal wieder mein Paradebeispiel zu bringen:
    http://www.youtube.com/watch?v=FUr64N8v-80#t=311

    Und das ist kein Einzelfall.

    Neben der Erfahrung braucht es eben mentale Grundlagen – und da fehlt es umso höher man kommt – auch nach mehr als 10 Jahren ISAF-Einsatzerfahrung.
    Wir sind ja nicht im Jahr 1993.

    Logisch ist es nicht aus Mangel an Erfahrung, sondern aus Mangel an Anspruch, Professionalität und Lernfähigkeit.

  9. Habe glücklicherweise kein „Insider“-Wissen bzgl. dieser Ausbildung bzw. Auswahl.
    Die Mängel sehe ich aber vielmehr als Teil der von mir beschriebenen ehemaligen Hauptaufgabe an, den großen Väterländischen abzuwehren. Zumindest bin ich mir sicher, dass die Keime für die derzeitigen Mängel aus dem Kalten Krieg stammen und in gewisser Weise weitervererbt wurden.

    Wenn aber das Fehlen der mentalen Grundlagen schon lange bekannt ist – warum liest man dann aber immer und immer und immer wieder von dem beinahe mitleidartigen Verlangen, Deutschland heute auf mindestens derselben Stufe wie z.B. Frankreich oder England sehen zu wollen?

    Meiner Meinung nach tun wir den Franzosen damit schon fast wieder einen Dienst, indem wir einfach länger brauchen und das Handwerk noch nicht richtig beherrschen. Kleines Gedankenspiel: Nehmen wir an, Deutschland hätte also diese Grundlagen und könnte binnen 24 Stunden mehrere hundert top ausgerüstete und ausgebildete Soldaten einer Eingreiftruppe in eine Krisenregion wie die CAR verlegen. Warum wäre das ehemaligen Kolonialmächten eigentlich ein Dorn im Auge? Weil Deutschland sie als Alpha-Nation ablösen könnte, auch wenn es mal nicht um eine drohende Islamisteninvasion oder dergleichen gehen sollte, sondern „nur“ um das simple „Tagesgeschäft“. Die eigenen Interessen sind auf einmal durch das Profilieren einer verbündeten Nation gefährdet? Auweia! Hollande erteilte der CAR vor einem Jahr eine Absage, man warf ihm vor, die CAR im Stich zu lassen. Heute können französische Truppen gar nicht schnell genug dorthin verlegt werden. Da wird es auch ein Stück weit um Ansehen bei den ehemaligen Kolonien gehen, wie z.B. in Mali. Ist ja schließlich bei Deutschland nicht anders, wenn vor einem Einsatz gezögert und den NATO-Partnern dadurch signalisiert wird: „Wir sind gar nicht so verlässlich, wie wir immer groß daher reden.“ Beihilfe leisten? Auf jeden Fall. Aber bitte nicht die Show stehlen.

  10. @-MK20-:
    Ihre Argumente waren vielleicht noch vor 20 Jahren richtig.
    Aber heute sind sie es nicht mehr.
    Die Verbündeten hätten gern mehr substantielle Beiträge von uns.

    Zum Mentalitätswandel seit 1990: Bei Kanadiern, Niederländern, Dänen, Norwegern scheint es recht gut geklappt zu haben. Bei gleicher Ausgangslage.

    Anspruch und Wirklichkeit liegen bei uns eben sehr weit auseinander.

  11. Heute sind meine Argumente nicht mehr richtig, weil … ? (Kommt da noch was?)

    Verbündete gibt es nicht. Zumindest kann man auch hier mal langsam damit anfangen aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen. Andere haben das schon vor sehr langer Zeit begriffen, nur Deutschland führt sich scheinbar noch ganz gern selbst als braves Lamm zur Schlachtbank. So lange ist der NSA-Skandal auch nicht her und heute Morgen kam erst ein Bericht bei NDR 1 zum Thema „Verfassungsschutz warnt Unternehmen vor Industriespionage“, die uns jährlich ca. 50 Milliarden Euro kosten soll. Das Ihre sog. „Verbündeten“ für den Schaden mitverantwortlich sind ist selbstredend.

    Übrigens: unsere Verbündeten haben uns auch um mehr substantielle Beiträge gebeten als Saddam Hussein verschwinden sollte. Nach Schröders „Nein“ wurde man zusammen mit den cheese-eating surrender monkeys in die Ecke des „alten“ Europas verbannt. Der Rest ist Geschichte. Wer solche Verbündete hat benötigt keine Feinde mehr.

    Wieso sollen wir sofort aufspringen – wie ein Hund, wenn das Herrchen nach Hause kommt? Hollande hätte schon vor einem Jahr in der CAR intervenieren können. Bozize hat ihn darum gebeten. Er sprach sich aber dagegen aus und davon, dass die Zeiten vorbei seien, in denen Frankreich in die internen Probleme seiner ehemaligen Kolonien eingreift. Und jetzt auf einmal muss alles zack zack gehen? Das ganze Gerede vom nicht eingreifen wollen war also nur Quatsch, der nebenbei dazu geführt hat, dass die Seleka außer Kontrolle geraten und die CAR auf der Kippe zum failed state steht? Solche Konflikte entstehen nicht von heute auf morgen. Da brodelt es schon seit etlichen Jahren unter der Oberfläche, was unsere Verbündeten scheinbar wissentlich akzeptiert haben.

  12. @-MK20-:
    Vielleicht noch mal zum Ausgangspunkt unserer Debatte:
    Die wirkliche Einsatzbereitschaft der Bundeswehr.
    Sie vertraten die Meinung, dass Verbündete eben mehr Erfahrung haben und ein aktiverer Beitrag Deutschlands international nicht gewünscht wird. Beide Argumente sind im Lichte der letzten 15-20 Jahren bei vielen Beispielen widerlegt worden. Man wünscht sich einen aktiveren Beitrag Deutschlands.
    Wir haben halt nur nicht unsere Hausaufgaben gemacht, aber beim Zeigen auf andere sind wir weiterhin gut.

    Nun wechseln sie jedoch das Thema, da sie einen entsprechenden Beitrag z.B. mit Frankreich kritisch hinterfragen.
    Kann man ja tun, aber können, wollen und sollen sind nunmal unterschiedliche Dinge.

    Ich sage weiterhin wir können einiges nicht (mehr), weil selbst verschuldet (!) in den letzten Jahren eine Kultur des Opportunismus und der Technokratie in der Bundeswehr Einzug gehalten hat. Das soll nicht die Leistungen der Kameraden im Einsatz gering schätzen, aber gerade dort wurden ja oftmals erhebliche Führingsprobleme offenbar.

    Eine „Alpha-Nation“ sind wir militärisch sicher nicht – und das weiß man in der NATO und EU auch.

  13. Frankreich ist der Meinung, dass die EU die Kosten für den Einsatz in CAR über nimmt (50 Mio.). Die EU hat das jedoch noch nicht besprochen.
    Hollands möchte derlei noch ausweiten.
    Auf dem EU-Gipfel in der kommenden Woche will Hollands – nach Presseberichten u.a. FAZ – die europäischen Partner, insbesondere Deutschland darum bitten, einen dauerhaften Finanzierungsfonds für Auslandseinsätze zu begründen.

    Rückkehr der Scheckbuchpolitik?
    Dann kann man auch noch locker im Epl. 14 sparen.

  14. @memoria;-MK20-: Die Frage „mehr Einsatz“ vs. Zurückhaltung zugunsten größerer Gloire der Grande Nation ist m.E. Nicht von der Logik her zu beantworten, weil es in Frankreich derzeit vor allem um die verletzten Gefühle aufgrund der deutschen Kritik an der französischen Wirtschaftspolitik geht. Und aus dieser Perspektive passen beide Aspekte sehr gut unter einen Hut: Frankreich Strahlkraft soll wenigstens in dieser Hinsicht eindeutig erkennbar bleiben und nicht von deutschen Hilfen verdunkelt werden (immer schön bescheiden bleiben und sehen wer Chef im Ring ist) und gleichzeitig fordern, dass „die Deutschen mehr Lasten tragen“. Als Beispiel ein Kommentar aus secret défense „. . . le gouvernement allemand n’est pas disposé à s’engager au combat en Afrique, il doit donc accepter de „payer“ un peu plus longtemps le prix logistique n’ayant pas eu à payer celui du sang. Les Américains raisonnent de la même manière avec les autres pays de l’OTAN „we go first to do the tough job, you finish it“. “ Man sieht: Die beiden Aspekte widersprechen sich nicht sondern ergänzen sich ganz schön.

  15. Noch ein schönes Detail aus CAR:
    http://abload.de/img/car1110np1f.jpg

    Bildunterschrift:
    „Seleka commander General Yaya Mahamat addresses troops in Bangui December 9, 2013. French troops in Central African Republic clashed with gunmen in the capital Bangui on Monday as they searched for weapons in an operation to disarm rival Muslim and Christian fighters responsible for hundreds of killings since last week. *******/Emmanuel Braun“

    Wir wären also nicht die Ersten mit 3-Farb-TD gem. TL.

    @Zivi a.D.:
    Erinnert mich an die Grundüberlegungen zu Beginn der Transformation vor 10 Jahren.
    Da war Schneiderhan ja auch der Meinung, dass die deutsche Politik die Bundeswehr eh nicht kämpfen läßt und wir uns in recht kurzen Einsätzen mit Logistik und Führungsunterstützung profilieren können. Das Ergebnis ist sicher bekannt.

    Aber es gibt wohl derzeit wieder solche Überlegungen.
    Aber dann bitte konsequent:
    Abkehr von Breite vor Tiefe, Reduzierung Personal- und Finanzansatz (140.000, 25 Mrd.).

    Immernoch besser als die immer groteskeren Anlehnungspartnerschaft und „Breite vor Tiefe“-Fantasien der aktuellen Führung.

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