Anschlag auf Bundeswehr-Kolonne in Kabul

In der afghanischen Hauptstadt Kabul ist am (heutigen) Mittwochmorgen ein Anschlag auf eine Bundeswehrkolonne verübt worden. Ein Selbstmordattentäter habe sich um 0720 0820 Ortszeit (0450 MEZ) bei Annäherung des deutschen Konvois direkt am Flughafen von Kabul in die Luft gesprengt, teilte das Einsatzführungskommando der Bundeswehr mit. Kein deutscher Soldat sei verwundet worden. Zwei Fahrzeuge der Kolonne wurden beschädigt, seien aber inzwischen im gesicherten Bereich des Flughafens.

Nach Angaben des afghanischen Innenministeriums war der Sprengsatz in einem Geländewagen versteckt, der am Nordrand des Flughafens wartete, berichtete Reuters. Laut Bundeswehr gibt es bislang keine Hinweise, dass der Anschlag gezielt dem deutschen Konvoi galt, der auf dem Weg vom Camp Qasaba zum Flughafen war.

Unterdessen ist Verteidigungsminister Thomas de Maizière zu einem Truppenbesuch in Masar-i-Scharif in Nordafghanistan eingetroffen. Auf einen Zusammenhang des Anschlags mit seinem Besuch gibt es bislang ebenfalls keine Hinweise.

Nachtrag: Bei dem Ministerbesuch gab es offensichtlich einen Zwischenfall, von dem allerdings unterschiedliche Versionen existieren.  (Dazu aus der Bundeswehr-Mitteilung:

200 Meter vor dem Medien- und Informationszentrum der afghanischen Sicherheitskräfte in der Stadt Masar-i Scharif, das der Bundesminister besuchen wollte, sperrten Soldaten der Northern Reaction Unit mit einem Gefechtsfahrzeug vom Typ Boxer eine Straßenkreuzung ab.
Ein sich näherndes ziviles Fahrzeug, das landestypisch wie ein Taxi gekennzeichnet war, stoppte gegen 5.35 Uhr Mitteleuropäischer Zeit (9.05 Uhr afghanischer Ortszeit) zunächst 80 Meter vor dem Boxer, beschleunigte dann und wurde wenige Meter vor der Kreuzung durch zwei Warnschüsse aus dem 12,7 mm-Maschinengewehr in den Boden zum Anhalten veranlasst. Das Taxi stoppte und verließ den Bereich.
Es entstanden weder Personal- noch Materialschäden. Der Besuch des Ministers konnte planmäßig durchgeführt werden.)

Und noch ein Bild aus dem Camp Marmal:

(Foto oben: Der Flughafen von Kabul – ISAFmedia via Twitter unter CC-BY-Lizenz; Foto unten: RC North PAO via Facebook)

23 Gedanken zu „Anschlag auf Bundeswehr-Kolonne in Kabul

  1. „Laut Bundeswehr gibt es bislang keine Hinweise, dass der Anschlag gezielt dem deutschen Konvoi galt“

    Und ich dachte zumindest diese reflexartige Dauerbeschwichtigungsthese aus den Jahren 2002-2009 haben wir hinter uns gelassen. Selbst wenn es in diesem Fall so sein sote, ist die Botschaft dahinter ja: Wir sind kein explizites Angriffsziel – und so plant und führt man eben auch.

    Überhaupt irgendwas bei ISAF gelernt?

  2. “Laut Bundeswehr gibt es bislang keine Hinweise, dass der Anschlag gezielt dem deutschen Konvoi galt.”

    Well, laut Spiegel Online (aus bekannten Gründen kein Link) bekannten sich die TB zu dem Angriff, welcher nach ihren Angaben dem Bw-Konvoi galt. Auch wenn die Herren dieser Feldpostnummer gelegentlich Dinge für sich in Anspruch nehmen, welche sie nicht verursacht haben, wäre dies zumindest nach meiner bescheidenen Meinung ein Hinweis auf einen Zusammenhang.

    Sollte zudem der Konvoi, wie vom Spiegel dargestellt, zur Abholung des stv. InspH unterwegs gewesen sein, hätte die TB, die nach offizieller Deutung lediglich auf ein „target of opportunity“ gewartet haben, unfreiwillig ein high value target ins Visier genommen.

    Frage: Glaube ich an derartige Zufälle?

  3. Der Fairness halber: Ich hatte im Einsatzführungskommando bewusst gefragt, ob es Hinweise gibt, dass der Anschlag gezielt dieser deutschen Kolonne galt, und dann oben stehende Antwort erhalten.

  4. @T.W.
    Ist es wirklich so? Sie rufen im EinsFüKdo an und erhalten richtige und belastbare Aussagen? RESPEKT! ;-)

  5. Man sollte nicht davon ausgehen bzw. so naiv sein zu glauben, dass die TB keine belastbaren Quellen hätten. Das war schon immer so und wird auch weiter so sein. Die ToO sind auch m.E. nach zwischenzeitlich eher klare HVT. Ob und wie das dann der Triggermann vor Ort genau hinkriegt – na ja, zum Glück ist deren Qualität nicht so, wie sie sein könnte, auch hier plagen die TB zum Glück „Nachwuchsprobleme“.
    Wichtig ist: Kein Soldat verletzt bzw. schlimmeres! Stahl kann man wieder zurechtbiegen….oder als Abschreibeobjekt (Bericht BRH) nutzen… ;-)

  6. Jaja, der liebe ABKÜFI der BW. Zitat: Mit einem feierlichen Festakt stellt der Bundesminister der Verteidigung, Dr. Thomas de Maizière, am 2. Oktober 2012 das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr, kurz BAAINBw, in Dienst. Bin ich der Einzige der das lustig findet?

  7. @Dante & PeterPan

    Noch besser finde ich allerdings die E-Mail Adressen der OrgBriefkästen der Lw LogNu Organisation. Die bekommen bestimmt kein Spam, da selbst Spammer diese Adressen für zu weit hergeholt halten.

  8. Die Onlinepräsenz des „Focus“ berichtet auch über den Zwischenfall, demnach sei ein Taxi mit Vollgas auf einen Boxer zugefahren, bis der Waffensystembediener 10m dem Panzer mit dem 12,7mm-MG (wie ist eigentlich die korrekte Bezeichnung dafür?) vor das Taxi in den Boden geschossen habe – danach sei der Fahrer mit seinem Fahrzeug davongebraust.

  9. Ich bewundere, um ehrlich zu sein, mehr das von T.W. verwendete Photo – es hat den Anschein, dass gleich zwei Generäle und ein StOffz den armen HG überwachen und darauf achten, dass der auch jaaa nix Böses über seine supertolle IdZ 2 Ausrüstung sagt… :D Ferner sieht es tatsächlich sogar so aus, als ob man den elektronischen Rücken ebenfalls aus der Kiste befohlen… ähem… gezaubert hat, um auch wirklich ALLES zu zeigen.

    Reeeschpekt, es ist mal wieder soweit :-)

  10. @mitch
    Aber gibt es keine Typenbezeichnung dafür? MG666 oder MG 13 1/4 oder so?
    Und sehe ich das richtig das der Hauptgefreite einen Ops-Core-Helm trägt? Ist das jetzt der offizielle IDZ-ES (pardon, Gladius)-Helm? Zur privaten Beschaffung kostet der schlappe 2100€, da wird es sich auch der krasseste Ausrüstungsfanatiker nochmal überlegen.
    Ebenso wüsste ich zu gerne, was der Kamerad hinter ihm an seinem Helm befestigt hat…

  11. @Stephan L.:
    Das sMG ist unter seiner US-Bezeichnung M3M eingeführt.
    Der OpsCore gehört zum IdZ-ES, genau wir das „helmet-mounted display“ (HMD) des GrpFhr.

  12. Genau das wollte ich wissen, dankeschön.
    Ich wusste allerdings nicht, dass IDZ-ES bereits im Einsatz verwendet wird. Umso besser.

  13. – M3M ist das 50.cal in Hubschraubern bei einer Kadenz von 1000 – 1100 s/min
    – MG 50-1 ist das Standard .50cal auf Fahrzeugen bei ca. 600s/min
    -Ops Core Fast gibt es in D. für Endkunde ab ca. 1000Euro; Behörden zahlen einen wesentlich geringeren Preis
    -Die Elektronik hat man sich offensichtlich für den Minsterbesuch brav umgeschnallt. Bis jetzt zeigten alle Bilder aus Afg. das IDZ-ES ohne den elektronischen Rücken.

  14. Bezüglich IdZ:

    Natürlich ist das im Einsatz. Ist doch hier zu bewundern ;-):
    http://www.deutschesheer.de/portal/a/heer/!ut/p/c4/04_SB8K8xLLM9MSSzPy8xBz9CP3I5EyrpHK9jNTUIr3c0pySzNzUlMxEvbLMlNT8lNSi8vzkjFT9gmxHRQADkCMV/
    -> Video KW 48

    Wer es glaubt…

    Interessant: Der nach meiner Kenntnis für IdZ eingeführte neue Aktivgehörschutz, der einem Hörgerät ähnlich ins Ohr eingesetzt wird, ist selbst in diesem Werbevideo bei zwei Soldaten dem klassischen aktiven Peltor gewichen.

  15. Bisher war zu IDZ 2 aus der (ISAF-)Truppe folgendes zu hören:

    – Das Kernstück „Elektronischer Rücken“ ist durchweg in den Kisten gelandet, da schlicht untauglich.
    – Optronische Geräte überwiegend gut und funktionieren.
    – Bekleidung eine Verbesserung zum normalen Feldanzug, jedoch vom Schnitt her eher Marke „Kartoffelsack“ und wenig ergonomisch. Zusätzlicher Kritikpunkt ist hier besonders die unterirdische Qualität, Nähte reißen schnell etc.
    – Das „aktiv belüftete T-Shirt“ stößt auf Ablehnung, weil die Kühleinheit aufträgt und zusätzlich der Batterieverbrauch nicht händelbar ist.
    – Helmkonzept wird durchgängig als sehr gut bezeichnet.
    – Ergonomische Verbesserungen am G36 werden als zweckmäßig erachtet, jedoch stört das oft kritisierte Visierkonzept nach dem „Turmbau zu Babel“-Prinzip.
    – Die In-Ear-Gehörschutzlösung wurde bereits massiv in der Vorausbildung kritisiert und Peltor bevorzugt; wurde durch die zivile Seite der Beschaffung aber offensichtlich durchgedrückt.

    Ob das alles zutreffend ist, kann ich nicht garantieren, aber die bisher veröffentlichten Fotos sprechen für viele Punkte.

  16. Der Minister im Radio Andernach-Interview: http://tinyurl.com/oq8qrw5

    Reisen bildet offenbar nur begrenzt.

    „Das wird alles geschehen…“

    Gerade bei der Vorbereitung auf RSM sehe ich hier jedoch noch sehr viel Änderungsbedarf.

Kommentare sind geschlossen.