Afghanistan: US-Geheimdienste befürchten Wiedererstarken der Taliban

Die düstere Vorhersage der US-Geheimdienste, die nach einer deutlichen Verringerung der Truppen aus den USA und anderen NATO-Staaten ein rasches Wiedererstarken der Taliban und anderer Aufständischer befürchten, wurde hier in den Kommentaren schon erwähnt. Damit’s nicht nur aus dritter Hand ist, der Verweis auf den ersten Bericht dazu, aus der Washington Post:

A new American intelligence assessment on the Afghan war predicts that the gains the United States and its allies have made during the past three years are likely to have been significantly eroded by 2017, even if Washington leaves behind a few thousand troops and continues bankrolling the impoverished nation, according to officials familiar with the report. The National Intelligence Estimate, which includes input from the country’s 16 intelligence agencies, predicts that the Taliban and other power brokers will become increasingly influential as the United States winds down its longest war in history, according to officials who have read the classified report or received briefings on its conclusions. (…)
The report predicts that Afghanistan would likely descend into chaos quickly if Washington and Kabul don’t sign a security pact that would keep an international military contingent there beyond 2014 — a precondition for the delivery of billions of dollars in aid that the United States and its allies have pledged to spend in Afghanistan over the coming years.

Der ganze Bericht hier: Afghanistan gains will be lost quickly after drawdown, U.S. intelligence estimate warns

Nachtrag: Zu der Debatte passt die Analyse von Thomas Ruttig für das Afghanistan Analysts Network:

Some Things Got Better – How Much Got Good? A review of 12 years of international intervention in Afghanistan

Unter anderem:

2013 has probably been the most violent year since 2001. (We do not have final data yet, as NATO stopped releasing information on a regular basis under the pretext that, with the transition of security responsibilities, this was the job of the Afghan government. and only incomplete data has been coming from that side.) The number of war dead has increased again, foremost among the civilian population. According to the UN, civilian casualties have increased by ten per cent (to 2,730 dead and 5,169 injured) in the first eleven months of 2013 compared to last year. Most are results of Taleban attacks. Moreover, the Taleban now seem to attack in larger groups more often. They have increasingly attempted to take over district centres, mainly in peripheral areas, and test the power of the Afghan National Security Forces (ANSF) that now operate on their own in most of those areas (more detail in our analysis here). (Currently, 84,200 ISAF soldiers remain in the country, 60,000 of them Americans.) According to official Afghan sources, only five of the 416 district centres are under permanent Taleban control, but in many others government control barely reaches beyond the immediate centres. In the key Maiwand district in southern Afghanistan, for example (which is larger than Luxemburg), it ends two kilometres outside its central town, as the Wall Street Journal reported on 31 October. The situation is similar other kex districts, for example in Chahrdara in Kunduz province, from where the Taleban had been driven out almost completely in 2010. Since the additional US ‘surge’ forces left the area (the last German soldiers withdrew from Kunduz in October 2013), the Taleban are back in control almost everywhere. And that’s not to talk – yet – of human security.

(Foto: ISAFmedia via Flickr unter CC-BY-Lizenz)

43 Kommentare zu „Afghanistan: US-Geheimdienste befürchten Wiedererstarken der Taliban“

  • St.Michael   |   29. Dezember 2013 - 15:23

    Großartig! Wer war den da der zuständige Referent, der den Absatz für das „National Intelligence Estimate“ geschrieben hat?

    Captain Obvious?

    Im weiteren sagt der Bericht voraus: “People all over the world will have to purchase a new calendar within the next twelve months.”

    Im Ernst – für diese tiefschürfenden, kaum vorherzusagenden und vollkommen überraschenden Aussagen bedurfte es der Arbeit von 16 Diensten?

  • politisch inkorrekt   |   29. Dezember 2013 - 16:31

    Der Bericht deckt sich hervoragend mit den Ergebnissen in Faizabad.

    [Link gelöscht, s.u. – zu finden bei der Zeit online unter Was von den Deutschen übrig bleibt]

    Nach der Lektüre dieses Artikels blieb mir die Spucke weg. Wie konnte das passieren? Badakshan war nie Talibanland und jetzt ist es dort schlimmer als 2001??? Würde gern wissen wie solche Nachrichten im AA, BMVg und Kanzleramt aufgenommen werden – und welche Folgerungen sich daraus ergeben?

    pi

    [Links zu deutschen Verlagswebseiten finden hier in der Regel nicht statt, mit einigen Ausnahmen wie SpOn, die erklärt haben, vom so genannten Leistungsschutzrecht keinen Gebrauch zu machen. T.W.]

  • vklein   |   29. Dezember 2013 - 16:34

    @ St.Michael | 29. Dezember 2013 – 15:23
    Offensichtlich schon, denn DEU kommt doch zu einer wesentlich optimistischeren Einschätzung, im Norden. Allerdings liegen mir nur offizielle Verlautbahrungen des Internetes, z.B. Interview COMRC NORTH vor.

  • St.Michael   |   29. Dezember 2013 - 16:45

    @vklein

    Das sind PR bzw. innenpolitisch motivierte Aussagen die nach außen gesendet werden. Diese werden nach meiner Meinung getätigt, um

    a.) Vermeintliche oder tatsächliche Zweifel/Ängste der Bevölkerung zu mindern,

    b.) eigenes politisches Handeln in ein positives Licht zu rücken (Es wird immer irgendwo gewählt) oder

    c.) keine persönlichen Nachteile zu erleiden (Keiner ist gerne Überbringer schlechter Nachrichten).

    Für ich bleibt eine negative Entwicklung in AFG ohne die Korsettstangen-Wirkung von ISAF sehr offensichtlich – schließlich bleibt im Umkehrschluss die Frage, wieso wir da sind, wenn ohne uns auch alles gut laufen würde.

  • iltis   |   29. Dezember 2013 - 18:12

    Jede andere Einschätzung könnte auch nur als Realitätsverweigerung gedeutet werden. Mir fehlt bei der Nachricht auch der Neuigkeitsfaktor. Alleine hier bei AG diskutiert man den Ausgang der Sache hier schon länger mit regelmäßig gleichem Tenor.

    Achtung Binse: Ist die Katze aus dem Haus… Da aber der Herr Karzai irgendwie der Meinung zu sein scheint, mit den Mäusen auch ohne Katze fertig werden zu können, sollten wir ihn einfach machen lassen. Angesichts der geplanten Beteiligungen ausländischer Aubilder etc ist der Ausgang des Dramas ohnehin klar.

  • Alarich   |   29. Dezember 2013 - 18:24

    Hatten wir das nicht schon im Sommer gewußt , auch ohne Geheimdienst

  • iltis   |   29. Dezember 2013 - 18:40

    @Alarich: eben…

    Was wir aber auch schon seit Sommer wissen ist, daß die Dienste alles wissen. Offenbar bleibt die Auswahl der richtig wichtigen Informationen das entscheidende Problem. Nun wäre es aber wohl das erste Mal, daß Geheimdienste bzw. ihre Informationen sinnvoll in historische Kontexte eingeordnet wären.

    edit: Und daß man aus historischen Erkenntnissen sinnvolle Schlüsse zöge…

  • D.Deimel   |   29. Dezember 2013 - 19:00

    Ich kann einfach nicht verstehen, wie irgendwer zu einer anderen Einschätzung kommen kann/könnte. Beispiel KONGO. Kaum waren die siegreichen Deutschen und Franzosen weg, ging das Schlachten (NEIN-nicht von vorne los- sondern:) weiter. Wer in drei Teufels Namen hat denn wirklich gedacht, dass es ausgerechnet in AFG anders kommen könnte?
    Blaue unschuldige Augen—– deutsche Politiker.

  • TomTom   |   29. Dezember 2013 - 19:25

    Dazu fällt mir ein resigniertes, seufzendes:
    „No shit, Sherlock“ ein.
    Und nicht mehr.

  • Elahan   |   29. Dezember 2013 - 19:30

    Es geht doch nicht darum, was wir glaubten oder wussten, sondern was die offiziellen verlautbaren, besonders wenn die Einschätzung von DEU und US abweichen.

  • Memoria   |   29. Dezember 2013 - 20:25

    Uns was soll RSM dann noch bringen?
    Aber wir müssen ja unbedingt weiter lead nation im Norden sein.
    Lagemeldungen die nicht ins Bild passen werden ja bereits jetzt zur Überarbeitung zurück verwiesen.

    Hiervon könnte man auch Grundsätzliches über COIN lernen, aber dafür müßte man sich ja damit eensthaft beschäftigen.

  • St.Michael   |   29. Dezember 2013 - 20:56

    @Memoria
    >Uns was soll RSM dann noch bringen?

    Nichts. Wie alle anderen Nationen suchen wir doch nur einen Weg aus AFG heraus, ohne all zu viel Gesicht zu verlieren. Und Lead Nation einfach hinzuwerfen wäre ein solcher Gesichtsverlust.

    >Hiervon könnte man auch Grundsätzliches über COIN lernen

    zB das es vielleicht gar nicht funktioniert. Wir sollten nach Indochina, Vietnam, Irak, Afghanistan etc. vielleicht einfach die Finger vom Traum des bewaffneten Nation Building lassen und verstehen, dass ein koordinierte, vernetzter Ansatz wie ihn der COIN-Traum verlangt mit unseren verfassungsrechtlichen Vorgaben, unter unseren innenpolitischen Umständen und in einer multinationalen Koalition der Willigen ein Traum bleiben wird.

  • iltis   |   29. Dezember 2013 - 21:03

    @Memoria: Einer der Gründe, warum ich für die vollständige Abschaffung der Geschichtswissenschaften bin ist der, daß sowieso niemals irgendwer daraus etwas zu lernen bereit ist. So wie der GröFaZ glaubte, in Rußland weiter zu kommen, als der kleine Korse, so glaubten die Russen nicht an die Botschaft, die die Afghanen den abziehenden Briten mit auf den Heimweg gaben. Ebensowenig wie alle anderen an zuvor von anderen erlebtes glauben mögen.

    Dann gibt es ja auch noch die unsäglichen Beispiele, wie wenig Zeit man braucht, um schlechte eigene Erfahrungen zu vergessen. So unsere transatlantischen Freunde, die in jeden zweiten Konflikt irgendwelche lokalen Kräfte zu ihren Verbündeten machen, sie ausbilden und ausrüsten, damit sie ihnen anschließend in die Hand beißen, die sie bis dahin gefüttert hat. In diesem Lichte besehen sollte man nicht nur über die Abschaffung der Geschichtswissenschaften nachdenken, sondern auch um die der Geheimdienste. Die tragen angesichts ihrer immensen gesamtgesellschaftlichen Kosten auch nicht sehr zum Erkenntnisgewinn der jeweiligen Regierenden bei.

    Oder sind wir nur Publikum und wohnen einer gelungenen Theateraufführung bei?

  • Memoria   |   29. Dezember 2013 - 21:14

    @St.Michael:
    Wenn wir RSM dann wenigstens professionell anpacken würden (Ausbildung der Ausbilder).

    Zu COIN: Es ist im Kern noch nicht mal ein verfassungsrechtliches Problem.
    Es fehlt uns eben am Willen unsere Weltbeglückungsideen umzusetzen. Selbst wenn man alle organisatorischen Probleme überwunden wären, dann wäre es immernoch zu blutig, langwierig, teuer und ungewiss für uns.
    Die USA haben das bereits erkannt (siehe Defense Strategic Guidance vom Januar 2012).
    Wir leben aber weiter in der „comprehensive approach“-Traumwelt. Vorneweg das „Heer2011“.
    Da schließt sich der Kreis zum Königshaus-Interview:
    Es ist an der Zeit Anspruch, Auftrag, Kräfte und Mittel in Einklang zu bringen. Ich befürchte jedoch das wird weitere 4 Jahre ausgesessen.

    @iltis:
    Die Hoffnung stirbt zuletzt.

  • Schorsch52   |   29. Dezember 2013 - 21:28

    @iltis

    Das mit den Geschichtswissenschaften war doch sicher nur Ironie. Sonst könnten Sie doch gleich die völlige Abschaffung der Bundeswehr fordern. Da hat so lange ich mich erinnern kann (und das sind schon einige Jahrzehnte) auch kaum einer was dazugelernt (von wenigen, umso löblicheren Ausnahmen abgesehen). Begann bei der Wiederanschaffung der gestrickten Leibwärmer und endet u.a. beim PAH-2 und anderen hier stets breit und ebenso gerne wie eifrig diskutierten „Leuchtturm-Projekten“.

  • J.R.   |   29. Dezember 2013 - 21:38

    Naja, das jetzt aufflammende „war ja klar“ ist da schon arg selbstgefällig. Gerade als Deutscher sollte man sich da wohl erstmal selbst an die eigene Nase fassen, bevor man selbige über andere rümpft.

    Gerade pi’s Einwurf und der Hinweis auf „Was von den Deutschen übrig bleibt“ zeigt doch die großen Fragezeichen auf. Oder warum war es vorher in Badakshan vergleichsweise friedlich, und kracht jetzt so richtig? Und sag jetzt bitte niemand „weil die Bundeswehr dort soviel getan und erreicht hat“…

    Mögliche Ursachen, die für andere Gebiete Afghanistans aufgeführt wurden:
    1) Während der ISAF-Zeit nicht aufgelöste, tiefgehende Konflikte
    2) Volksferne, konkurrierende afghanische Strukturen, gerade im Bereich Regierung und Sicherheit
    3) Die Wirksamkeit von Einschüchterung

    Etwas mehr ins Detail:
    1) Viele grundsätzliche gesellschaftlichen Probleme in den Distrikten wurden gar nicht angegangen. Klassiker sind Streitigkeiten um Land oder Wasser (verschärft durch Flüchtlinge und Heimkehrer), oder dass ganze Bevölkerungsgruppen an der „Regierung“ nicht beteiligt sind. Man sollte im Hinterkopft behalten, dass unter den Kommunisten und Taliban eben gezielt vertrieben und enteignet wurde um Feinde auszuschalten und Verbündete zu belohnen. In gewisser Weise war das unter ISAF nicht groß anders. Der Versuch einer langfristigen Einigung fand nicht statt, da mühselig. (Ganz davon ab, dass Landrechte etwas sind, in dass sich Afghanen von Ausländern gar nicht gern reinreden lassen.)
    An der Stelle sollte man sich vielleicht an all das böse Blut um die Rückübertragung enteigneter DDR-Grundstücke nach der Wiedervereinigung erinnern (Stichwort „Offene Vermögensfragen“) – und das waren Einzelfälle, von denen auch keine Familien ernährt werden mussten.
    Ein Paradebeispiel für dieses Problem ist nebenbei Kunduz, wo viele Heimkehrer und Flüchtline immer noch nicht integriert sind. (Sehr anschauliches Beispiel: „Homesick for Nowhere“)

    Oder eben Badakshan, wo die ISAF-Präsenz zu einer Machtverschiebung im Opium-Schmuggel führte (der Provinzgouverneur und Faizabad profitierten, andere verloren an Einfluss. „Conflict analysis: Baharak district, Badakhshan province“, S. 7)

    2) Die Regierungs-Akteuere in den Distrikten werden aus Kabul gelenkt. Das System der Regierung (anders als das der Taliban) ist eben nicht hierarchisch oder föderativ. Personalentscheidungen werden in den Ministerien in Kabul gefällt. Das bedeutet letztlich, dass es in den Distrikten einen Distriktgouverneur, einen Polizeichef, einen Geheimdienstchef, einen Armeechef und womöglich noch einen Chef von Grenzpolizei oder Bereitschaftspolizei gibt, die alle mehr oder weniger parallel ernannt werden, und zwar ohne Beteiligung der Bevölkerung in Kabul. Die sollen zwar irgendwie zusammenarbeiten, aber eine Struktur oder eine entsprechende Hierarchie dafür gibt es nicht. Gibt es Probleme oder Meinungsverschiedenheiten, dann muss das Problem zu den Provinz-Autoritäten getragen werden, die dann Zeit und politisches Kapital aufwenden müssen, um in Kabul Gehör zu finden. Dass dieses System dazu führt, dass Intrigen und Schmirgeld in Kabul verdiente und beliebte Leute in den Distrikten um ihre Posten bringen muss man glaub nicht betonen. Eine andere Kehrseite dieses „auf persönlicher Autorität aufbauenden Nebeneinanders“ ist, dass die Autorität der anderen eben die eigene untergräbt. Wenden sich mehr Menschen an den erfolgreichen Polizeichef verliert der Distrikt-Gouverneur an Einfluss und umgekehrt. Das ließe sich mit klaren regionalen Hierarchien verbessern – die Taliban haben’s vorgemacht. Die afghanische Verfassung sagt da auch nichts zu, aber natürlich hat Kabul an einer entsprechenden Reform kein Interesse.

    Die Auswirkungen davon sieht man besonders anschaulich in Badakshan. Ein Posten der Bereitschaftspolizei (die sind nebenbei meist von außerhalb) wird 28 Tage belagert, und weder Armee, noch Polizei, noch Grenzpolizei, noch Ortsansässige kommen zu Hilfe? Einigkeit ist was anderes…

    3) Persönlich hab ich den Eindruck, dass im sicheren Deutschland die Wirksamkeit von Einschüchterung immer noch unterschätzt wird. Wer hier würde angesichts einer glaubhaften Drohung wirklich das Leben eines Familienmitglieds riskieren wollen? (Man schau sich nurmal den Zirkus an, der um die Namen von Einsatzsoldaten gemacht wird…) Dagegen hilft wahrscheinlich nur Schutz mit langfristiger Perspektive, oder, der vollständigkeit halber aufgezählt, massive Gegeneinschüchterung (mit allen negativen Begleiterscheinungen und Konsequenzen).

    Vermutlich ist Badakshan ein recht anschauliches Beispiel für die strukturellen Probleme des ISAF-Einsatzes: Man verschafft dem „lokalen Amtsinhaber“ Einfluss, und der sorgt in seinem Einflussgebiet für Ruhe. Wenn die Konkurrenten nicht stark genug sind um in seine Einflusssphäre einzudringen bleibt es ruhig (in eindeutig kontrollierten Gebieten gibt es kaum Notwendigkeit/Möglichkeit zu Gewalt). Und wenn sich die Machtverhältnisse ändern gehen die Verteilungskämpfe wieder los.

  • Memoria   |   29. Dezember 2013 - 21:48

    @J.R.
    Zustimmung.
    Zusatz zur „massiven Gegeneinschüchterung“:
    Da wollten wir ja nie so richtig mitmachen (Abarbeiten JPEL).
    Den Einfluss der „dunklen Seite“ von COIN auf die Lage will man in D – auch in der Bw! – ja lieber gar nicht diskutieren.
    Lieber einige wohlfeile Allgemeinplätze über vernetzte Sicherheit bzw. Comprehensive Approach.

  • iltis   |   29. Dezember 2013 - 21:48

    @Schorsch52: Ironie- Tags wegzulassen, habe ich mir hier in diesem Kreise mal erlaubt. Schließlich hält Memoria ja wenigstens die Fahne der Hoffnung hoch.

    Nichtsdestoweniger: Man muß aus Geschichte wirklich mal was lernen. Warum nur ist das so schwer?

  • J.R.   |   29. Dezember 2013 - 22:03

    @ St. Michael
    „zB das es vielleicht gar nicht funktioniert.“

    Das ist doch Schmuh, sorry. Genauso wie eine erfolgreiche Aufstände möglich sind, so können diese auch abgewehrt werden. Allein die deutsche Geschichte bietet doch für beides X Beispiele. Tatsächlich scheitern mehr Aufstände als dass sie Erfolg haben.

  • califax   |   29. Dezember 2013 - 22:09

    @iltis: Vorhin habe ich die Zusammenfassung eines Vortrags eines „Medienwissenschaftlers“ gelesen, der gleich mit der steilen These begann, Namenslisten, Einwohnerregister und alle anderen derartigen Bürokratiefundamente seien Erfindungen der Jesuiten.

    Da ist also die Antwort auf dem Silbertablett: Aus der Geschichte wird nicht gelernt, weil keiner mehr nachliest, ehe er das Maul aufreißt. Schon gar nicht in Geschichtsbüchern. Die selbsternannte Elite der Informationsgesellschaft gibt unausgegorene Gerüchte per „viralem“ Video weiter, statt mal ein Fachbuch des Themas zu lesen, und ist im Allgemeinen unfähig, einen Text mit mehr als drei Sätzen und ’ner Paraphrase zu verstehen.
    Twittertwats brauchen kein Lernvermögen. Sie haben lieber eine Meinung als Kenntnisse.

  • iltis   |   29. Dezember 2013 - 22:14

    @califax: Besten Dank für die Bestätigung. Wozu also noch Fachbücher produzieren (U.a. auf meine Kosten) wenn die eh keiner liest. Geschweige denn das Gelesene in seine Gedankenwelt mit einbezieht.

    Ich glaube ich habe die Ironie-Tags weggelassen, weil in mir irgend so ein Freud’scher Prozeß ablief, dessen Bezeichnung ich mich gerade nicht erinnere. Aber ohne Fachbuch…

  • Chuck   |   29. Dezember 2013 - 23:50

    Das Chaosradio (CCC) hat über die politischen Gegebenheiten in Afghanistan einen Podcast abgehalten, bei Google einfach mal (CCC CR66) eingeben, da kommt direkt was. Hey und der Podcast in vom 10.2001 (Achtung geht 3 Std. lang)
    Da wusste man schon, dass dieser Einsatz schief gehen wird, und so endet wie es gerade beschrieben wird.
    Aber wer kennt diese ganzen Phrasen von 2003/4/5… „Wenn wir jetzt Afghanistan verlassen, sind die Kameraden umsonst!!! gestorben“ nicht. Tja, seit dem haben ein paar mehr Särge denn Weg nach Deutschland gefunden, und die Situation ist die gleiche.

  • Memoria   |   29. Dezember 2013 - 23:56

    Auf der fb-Seite des RC-N wurde heute ein kurzes Jahresabschlussgespräch mit GenMaj Vollmer veröffentlicht.
    Die allgemeine Lage im Land bzw. im RC-N war konsequenterweise gar kein Thema.

    Nur ein Beispiel vom Westrand:
    http://www.kuna.net.kw/ArticleDetails.aspx?id=2352838&language=en

    Besonders der Hinweis auf die Wahlen zeigt wie schwierig die Lage ist.

  • Boots on the Ground   |   30. Dezember 2013 - 0:16

    J.R. | 29. Dezember 2013 – 22:03

    Genauso wie eine erfolgreiche Aufstände möglich sind, so können diese auch abgewehrt werden. […] Tatsächlich scheitern mehr Aufstände als dass sie Erfolg haben.

    Das spielt keine Rolle, die Populärwissenschaft, die Medien, die Politik und alle selbsternannten Experten haben sich doch schon festgelegt, dass ein Aufstand weder politisch noch militärisch gewonnen werden kann. Genauso wie Afghanen jeder Coleur unbezwingbare Kämpen sind, die bereits jede Großmacht in die Knie gezwungen haben…

    califax | 29. Dezember 2013 – 22:09

    Aus der Geschichte wird nicht gelernt, weil keiner mehr nachliest, ehe er das Maul aufreißt. Schon gar nicht in Geschichtsbüchern. Die selbsternannte Elite der Informationsgesellschaft gibt unausgegorene Gerüchte per “viralem” Video weiter, statt mal ein Fachbuch des Themas zu lesen, und ist im Allgemeinen unfähig, einen Text mit mehr als drei Sätzen und ‘ner Paraphrase zu verstehen. Twittertwats brauchen kein Lernvermögen. Sie haben lieber eine Meinung als Kenntnisse.

    Sehr treffend, hervorragend. Ich werd das mal speichern und bei Gelegenheit wieder herausholen!

  • St.Michael   |   30. Dezember 2013 - 0:22

    @J.R.

    Und dennoch fehlen mir Beispiele, bei denen die westliche Staatenwelt nach dem 2. Weltkrieg erfolgreich und nachhaltig solche Aufstände im Ausland – über meist große Distanz – eingedämmt oder beendet hat, wenn diese erst eine gewisse kritische Größe überschritten haben.

    Meine Liste ist hier auch auf fast alle Post-Kolonialen Konflikte erweiterbar (Algerien, Rhodesien, etc.).

    >allein die deutsche Geschichte bietet doch für beides X Beispiele.

    Die Niederschlagung der bayrischen Räterepublik und die Bekämpfung des badischen Aufstands und des Heckerzuges sind militär- und lokalgeschichtlich sicher interessant. Unter unseren innenpolitischen Gegebenheiten sehe ich da jedoch keine COIN-Traditionslinie. Wir werden im Ausland weder Barrikaden weg-kartätschen noch die Pressezensur des 19. Jahrhunderts wiedereinführen.

    Sprich, alle Beispiel vor 1950, ggf. sogar alle Beispiele vor 1990 sind für DEU kaum als „Rezept“ zu nutzen.

    @Boots on the Ground

    >Genauso wie Afghanen jeder Coleur unbezwingbare Kämpen sind

    Sicher nicht. Dafür haben sie zu oft verloren. Die Frage bleibt aber, ob wir mit unseren Gesellschaften in der Lage sind (bzw. es sein wollen), diese Kämpfer zu besiegen. Ein Alexanderzug nach AFG mit Umweg über den Irak trägt die DEU Öffentlichkeit vielleicht nicht mit… :-)

  • J.R.   |   30. Dezember 2013 - 0:28

    @ Memoria
    Zusatz zur “massiven Gegeneinschüchterung”:
    Da wollten wir ja nie so richtig mitmachen (Abarbeiten JPEL).

    Naja, damit meinte ich jetzt schon eher den Einsatz von Gewalt um die Bevölkerung zur Kooperation zu zwingen: Rekrutierung mit vorgehaltener Waffe, Öffentliche Hinrichtungen angeblicher Informaten, Verwandte als Geiseln nehmen und ggf. ermorden, Kollektivstrafen. (Und als wär das noch nicht völkerrechtswidrig genug geht die schiefe Bahn von da halt gleich weiter zum zügellosen Terror der „Französischen Doktrin“ und dem schmutzigen Krieg.)

    Im Vergleich dazu ist das Ausschalten der feindlichen Führung halt „nur“ normales militärisches Vorgehen.
    Und selbst da stellt sich die Frage nach dem Sinn bzw. den Risiken und Konsequenzen. Gerade auf der Counterinsurgent-Seite sind Informationen das Wichtigste, und eine Gefangennahme entsprechend um ein Vielfaches wertvoller. Von den Friktionen, die sich als ausländischer Akteuer ergeben ganz abgesehen (Eingspannt werden für lokale Konflikte, erschwerte Informationsarbeit, Besatzer-Image etc.) Gerade in Deutschland scheint es ja die Tendenz zu geben, endlich einen auf „hart“ zu machen und mehr „kinetische Lösungen“ zu fordern, ohne sich um Informanten und Gefängnisse überhaupt Gedanken zu machen. So kann man das Pferd halt auch von hinten aufzäumen…

    @ Chuck
    Warum sollten die politischen Gegebenheiten von 2001 jene von 2013 sein?

  • Memoria   |   30. Dezember 2013 - 0:39

    @J.R.:
    Natürlich ist capture vorzuziehen – aber wenn man die Zielperson dann unmittelbar an lokale Behörden übergibt, hat man zu meist wenig gelernt. Wenn man die Person selbst befragt, dann macht man sich im Gastland und zu Hause unbeliebt.

    Es ist eben zu anstrengend für uns. Jedoch müssen wir diese Dinge trotzdem durchdenken. Denn was sonst wollen wir in Afghanistan, Mali, Somalia, etc. ausbilden?

    Allzu viele wenden sich nun – auch international – ab:
    Klappt nicht, machen wir nicht, brauchen wir nicht.
    Nur die Gegenseite ist eben weiter da (nicht nur in AFG) und wir eben „nur“ noch indirekt im Spiel.

    Aber macht man sich darüber in den neuen Abteilungen „Einsatz“ der Divisionen und der „OMLT“ der Brigaden wirklich Gedanken?
    Ich habe nicht den Eindruck. Brauchen wir nicht…

  • J.R.   |   30. Dezember 2013 - 0:47

    @ St. Michael
    Einen Anfangspunkt könnte die Liste „Eighty-Nine Insurgencies: Outcomes and Endings“ bieten.
    (in „War by Other Means — Building Complete and Balanced Capabilities for Counterinsurgency“, S. 373ff)

  • Boots on the Ground   |   30. Dezember 2013 - 0:54

    St.Michael | 30. Dezember 2013 – 0:22

    Und dennoch fehlen mir Beispiele, bei denen die westliche Staatenwelt nach dem 2. Weltkrieg erfolgreich und nachhaltig solche Aufstände im Ausland – über meist große Distanz – eingedämmt oder beendet hat, wenn diese erst eine gewisse kritische Größe überschritten haben.
    Meine Liste ist hier auch auf fast alle Post-Kolonialen Konflikte erweiterbar (Algerien, Rhodesien, etc.).

    Was ist denn diese „gewisse kritische Größe“? Meine Gegenbeispiele wären vor allem Malaysia und Oman, beides britisch geführte Counterinsurgency-Kampagnen.

    Rhodesien ist übrigens ein gutes Beispiel gegen das „Primat der Politik“, denn es war die von Ian Smith geführte Regierung, die sich einer wirksamen Strategie, die die politischen und sozioökonomischen Ursachen des Aufstandes beseitigen oder zumindest mindern wollten und durch das Militär befürwortet wurden, widersetzten.

  • T.Wiegold   |   30. Dezember 2013 - 3:56

    Hier der Link zu der von Memoria erwähnten Jahresendbotschaft des COM RC N, Jörg Vollmer:

    https://www.facebook.com/photo.php?v=634783739897938&set=vb.110843892291928&type=2&theater

    (Warum die bislang ausschließlich auf dem Facebook-Account des RC North steht, dort aber auf Deutsch und nicht auf Englisch, zudem wohl für Radio Andernach aufgenommen wurde, aber nicht – wie das Interview mit der Ministerin und die Weihnachtsbotschaft des Bundespräsidenten – auch via Soundcloud verbreitet wird und auch nicht auf der Webseite von Radio Andernach steht… ich muss nicht alles verstehen.)

  • CRM-Moderator   |   30. Dezember 2013 - 5:44

    Zu dem ZEIT-Artikel ist mir nur folgendes eingefallen:

    Wie gut, dass das gros der Journalisten (AG natürlich ausgenommen) jahrelang mit „defensive lookaway“ auf ISAF und das sich anbahnende Desaster reagiert haben. Immer schön brav die offiziellen Statements drucken. Alles wird gut. Der Weg ist gut. Die Mädchenschulen und überhaupt. Vielleicht hie und da mal etwas kritischeres, vages in Frage stellen, aber mainstream doch meist freundliches Desinteresse. Und nun schreibt DIE ZEIT einen Artikel über FYZ, wo alles das drin steht was jeder Soldat im Einsatz weiß und kommen hat sehen. Aber (deutsche) Soldaten sind ja eh immer am jammern und gieren nach Anerkennung saufen, haben Angst vorm kämpfen und verstecken sich im Camp. Vor 3 Jahren wäre so ein Artikel noch „ehrlich und hilfreich“ gewesen. Heute ärgere ich mich einfach nur noch über so viel „Experten“wissen.

    Letzte Woche – als UvdL (mit BUNTE-Reportern) in AFG war, war noch alles in Butter? Warum wurde da nicht schon der Artikel gedruckt? Der lag doch schon vorher in der Hamburger Schublade! Da hätte man als Journalist wenigstens ordentlich seinen Job gemacht.
    Und wenn ich manchmal die Lobeshymnen auf den COM RC N lese(n muss), dann krieg ich wirklich Pickel! In dem Artikel steht doch wortwörtlich drin, dass die Meldungen aus CM nichts mit der Realität zu tun haben. Und da wundert sich noch einer warum der „ganze Laden“ (auch im Inland) so desolat marode ist (Stichwort: Beschaffungsentscheidungen).

    So, das musste mal raus. Polemisch alle beschimpft und jetzt fühl ich mich deutlich besser und entschuldige mich schon mal im Voraus. Sonst noch jemand?

  • autostaedterin   |   30. Dezember 2013 - 8:49

    Als interessierte Zivilistin fühle ich mich vor allem eines: veräppelt. Nach dem Artikel in der Zeit denke ich mir: Das war also alles? Dafür 11 Milliarden und einiges noch drauf (Rückführungskosten)? Ein Puzzle, das ein fragwürdiges Bild ergibt. Ich verstehe nicht, wie Frau Von der Leyen weiter an der Zusage festhält , nach 2014 Ausbilder zu schicken. Das sollte gründlich überdacht werden!

  • Memoria   |   30. Dezember 2013 - 9:00

    @T.W.:
    Danke, ich dachte schon es liegt an mir.
    Auch gut 2 Kommentare zum Video bei fb:

    1. Eine Verlinkung hier her und
    2. „Again… how about English subtitles?“

    In dem Video zeigt sich schön komprimiert die deutsche Selbstgefälligkeit. Die Lage wird immer schwieriger und wir beteiligen uns noch nicht mal mehr am OCC-P in Baghlan.

  • Sailor1995   |   30. Dezember 2013 - 9:13

    GenMaj V. wird dafür demnächst seinen dritten Stern bekommen. Spätestens im Herbst, wenn die altersbedingte Rochade ansteht. Vielleicht auch früher, wenn die BM sich von einigen Leistungsträgern im BMVg trennt/ sie „weggelobt“ werden.
    Einige von denen haben übrigens in AFG und danach in Berlin in dasselbe Horn geblasen wie V. Aber woher sollen die es denn auch wissen? Wenn man sich um two cans rule, base caps, Elektroroller, priv Ausrüstung etc. kümmern muss….

  • Viva   |   30. Dezember 2013 - 9:17

    @ Sailor: Ja, Gen V. wird mindestens stvInspHeer.

  • Sailor1995   |   30. Dezember 2013 - 9:29

    @Viva
    Danke, dachte ich mir. Das ist sicher gut für das Heer ;)

  • Memoria   |   30. Dezember 2013 - 9:32

    @Sailor1995 und viva:
    Sind das dann die einsatzerfahrenen Generale (Fritz, Kneip, Vollmer, Setzer) von denen sich so viele so viel erhoffen?
    Bis die realitätsnahe Generation „Einsatz“ (Chef, ZgFhr) auch nur Referatsleiter wird, da ist der ISAF-Einsatz nur noch eine vage Erinnerung einiger mit seltsamen Auszeichnungen…

    Wobei ich Vollmer von den oben genannten noch am meisten zu traue. Als Kammerer-Nachfolger (und später Nachfolge Problembär?) realistisch betrachtet eine gute Wahl.

  • CRM-Moderator   |   30. Dezember 2013 - 9:48

    Einen hab ich noch. Quasi die Quizfrage zum Jahresabschluss und das Motto für 2014:

    Wer sagte WANN [!] „Nichts ist gut in Afghanistan“ ?

    In diesem Sinne: „Alles wird gut“ und guten Rutsch.

    P.S.: Man liest ja mittlerweile überall zwischen den Zeilen, dass das eigentlich Gute an ISAF war, dass die Bw dadurch endlich zu einer „richtigen“ Einsatzarmee geworden ist und dadurch viel Material modernisiert werden konnte (Rüstungsindustrie?). Da war also der AFG-Einsatz ein guter Katalysator. Na denn…..

    Lösung:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Margot_K%C3%A4%C3%9Fmann#Zum_Bundeswehreinsatz_in_Afghanistan

  • T.Wiegold   |   30. Dezember 2013 - 10:43

    Zu der Debatte passt die (heute veröffentlichte) Analyse von Thomas Ruttig für das Afghanistan Analysts Network:

    Some Things Got Better – How Much Got Good? A review of 12 years of international intervention in Afghanistan

    Unter anderem:

    2013 has probably been the most violent year since 2001. (We do not have final data yet, as NATO stopped releasing information on a regular basis under the pretext that, with the transition of security responsibilities, this was the job of the Afghan government. and only incomplete data has been coming from that side.) The number of war dead has increased again, foremost among the civilian population. According to the UN, civilian casualties have increased by ten per cent (to 2,730 dead and 5,169 injured) in the first eleven months of 2013 compared to last year. Most are results of Taleban attacks. Moreover, the Taleban now seem to attack in larger groups more often. They have increasingly attempted to take over district centres, mainly in peripheral areas, and test the power of the Afghan National Security Forces (ANSF) that now operate on their own in most of those areas (more detail in our analysis here). (Currently, 84,200 ISAF soldiers remain in the country, 60,000 of them Americans.) According to official Afghan sources, only five of the 416 district centres are under permanent Taleban control, but in many others government control barely reaches beyond the immediate centres. In the key Maiwand district in southern Afghanistan, for example (which is larger than Luxemburg), it ends two kilometres outside its central town, as the Wall Street Journal reported on 31 October. The situation is similar other kex districts, for example in Chahrdara in Kunduz province, from where the Taleban had been driven out almost completely in 2010. Since the additional US ‘surge’ forces left the area (the last German soldiers withdrew from Kunduz in October 2013), the Taleban are back in control almost everywhere. And that’s not to talk – yet – of human security.

    (Schreibe ich auch mal oben als Nachtrag rein.)

  • Memoria   |   30. Dezember 2013 - 11:01

    Die Gegensicht von GenMaj Vollmer:

    „Kann man in Nord-Afghanistan von einer Erfolgsgeschichte sprechen?

    Die Sicherheitsverantwortung haben wir im Norden bereits im vergangenen Jahr vollständig übergeben. Das heißt, die Afghanen sind mit Armee und Polizei für die Sicherheit verantwortlich.

    Die diesjährige „Fighting Season“ erfolgt bereits ausschließlich in Verantwortung der afghanischen Sicherheitskräfte. Bis heute waren sie erfolgreich. Es ist den gegnerischen Kräften weder gelungen, den Warenverkehr auf den wichtigen Versorgungsstraßen zu stören, noch ansatzweise das Leben in den Städten einzuschränken oder einen einzigen Distrikt unter Kontrolle zu bringen.“
    http://tinyurl.com/osz7w8v

    Solange das D.C. bzw. DHQ nicht gestürmt ist, solange haben die gegnerischen Kräfte eben auch nicht die Kontrolle über einen Distrikt. Generalssprech eben: Nicht gelogen, aber eben auch nicht richtig. Genau so wurde es sicher auch vdL erklärt.

  • Sailor1995   |   30. Dezember 2013 - 11:25

    @Memoria
    …und das ist genau das Problem das ich mit V. et al habe.
    Mir gefällt Ihr Begriff „Generalssprech“ (analog auch auf viele Admirale anwendbar) und die Erklärung dazu.

  • Memoria   |   30. Dezember 2013 - 11:43

    @Sailor1995:
    Ich finde immer wieder beeindruckend wie diese Leute mit zweideutigen Formulierungen ihr Gegenüber einlullen.
    Genau so läuft die Beratung der Generalität und Admiralität gegenüber der Politik.

    Trotzdem ist V. für mich der Einäugige unter den Blinden.

  • Simulant   |   30. Dezember 2013 - 11:55

    Die „Generation Einsatzerfahrung“ hat/wird ebensoviele austauschbare Köpfe hervorbringen wie die Vorgängergenerationen ohne diesen Hintergrund.
    Entscheidend für das Vorankommen war (und ist) nicht die Nähe zur Realität sondern die Fähigkeit sich unfallfrei auf schlüpfrigem Parkett zu bewegen. Spätestens nach Rückkehr auf einen förderlichen Dienstposten in DEU oder EU ist die persönlich erlebte Realität (die auch im Eins nicht immer der tatsächlichen entsprach) oftmals sogar hinderlich – zumindest aber nicht Gradmesser des eigenen Handelns.