Internationale Marine-Flotille stoppt Piraten vor Somalia

OP SLIPPER ROTATION 56

Wenige Tage nach einem – zurückgeschlagenen – Piratenangriff auf einen Supertanker vor der Küste Somalias und einem versuchten Angriff auf einen Fischtrawler hat eine internationale Marine-Flotille aus Australiern, Südkoreanern, Briten, Niederländern und Luxemburgern in der vergangenen Woche eine Piratengruppe gestellt und neun mutmaßliche Piraten festgenommen. Die Aktion fand bereits am 14. Oktober statt (und darauf gestoßen bin ich am heutigen Sonntag durch einen BBC-Bericht); die Combined Maritime Forces und ihre Task Force 151 (neben der EU-Operation Atalanta und der NATO-Mission Ocean Shield der dritte große Marineverband in der Region) berichtete darüber am vergangenen Freitag:

The Combined Maritime Forces (CMF) Counter Piracy task force, Combined Task Force (CTF) 151, successfully apprehended a group of Somali pirates following recent attacks on two vessels in the Indian Ocean.
The CTF 151 staff embarked on RFA Fort Victoria coordinated the maritime interdiction supported by HMAS Melbourne and ROKS Wang Geon from CTF 151, European Union flagship HMLMS Johan de Witt, and a Seychelles based maritime patrol aircraft from Luxembourg.
The task force had been searching for the pirates since they attacked and exchanged gunfire with the supertanker Island Splendor on Friday. Three days later a Spanish fishing vessel was also attacked by what was suspected to be the same pirate group.
The pirate skiffs were quickly traced and HMAS Melbourne’s Seahawk helicopter was used to guide the warship to their precise location, some 500 nautical miles from the Somali coast.
HMAS Melbourne’s armed and highly trained boarding team made the final approach to board and search the skiffs. They successfully apprehended nine pirates and later destroyed two skiffs and associated pirate equipment.

Interessant ist die sehr schnelle multinationale Reaktion auf den ersten größeren Pirateriezwischenfall seit Monaten in der Region. Den eigentlichen Zugriff nahmen die Australier vor (siehe Foto oben), und da ihr Fotograf netterweise die GPS-Daten in der Kamera nicht abgeschaltet hatte, gibt’s auch den genauen Ort – nicht weit entfernt vom Angriff am 11. Oktober:

somalia_PAG_20131014

(Foto: Combined Maritime Forces; Karte Openstreetmap)

 

22 Gedanken zu „Internationale Marine-Flotille stoppt Piraten vor Somalia

  1. Na ja, eine quasi gecharterte Luxemburger Privatfirma. Darüber hatte ich nach meiner Erinnerung auch berichtet, als das losging (im nicht mehr verfügbaren Focus-Blog), aber auch hier.
    (Nebenbei: Von der dort genannten Basis in Oman hab‘ ich nie wieder was gehört.)

  2. „They successfully apprehended nine pirates and later destroyed two skiffs and associated pirate equipment.“

    normalerweise schreiben die Taks Forces rein, was sie finden – wenn sie was finden…
    was auf den ersten Blick bleibt, sind also zwei Skiffs mitten im Ozean, die irgendwie in der Nähe eines Angriffes waren

    habe ich es überlesen oder steht da nicht, was sie mit den Piraten gemacht haben? im Zweifel sicher wieder an Land abgesetzt?

  3. @wayres
    mit hoher Wahrscheinlichkeit übergeben an Somalia – Todesstrafe zu erwarten. es gäbe sicher eine schöne Diskussion, wenn ein DEU Schiff an Somalia abgegeben würde.

  4. Die „MPRA Firma“ (Name mal wieder entfallen) wird dort hauptsächlich von ehemaligen NLD Marinepiloten bemannt. Wenn nicht gerade für LUX geflogen wird arbeitet man auch für die SEY Küstenwache, sehr angenehme und kompetente Leute.

    @ T.W.: Oman wird schon länger von TF 150 genutzt (AUS und USA haben ihre P3s da, GBR auch ab und an Merlins…), der EU Versuch dort rein zu kommen….naja, nennen wirs mal „unterhaltsam“… ;-)

  5. Passt ja gerade so schön…

    ARD – Exclusiv im Ersten: Machtlos vor Somalia?

    Mit der Bundeswehr auf Piratenpatrouille. Nur mit ein paar kleinen Booten und Waffen ausgestattet, gelingt es den somalischen Piraten von einem kleinen Küstenstreifen aus den Golf von Aden, eine der wichtigsten Handelsrouten, ernsthaft zu bedrohen. Die mächtigen Wirtschaftsnationen, darunter auch Deutschland, müssen gewaltige Flotten am Horn von Afrika einsetzen, um sie zu stoppen. Doch in entscheidenden Situationen sind die Soldaten machtlos.

  6. @Someone:
    Das Thema ist hier leider, leider etwas untergegangen – obwohl es aus meiner Sicht allgemein von Interesse ist (Schnittstelle Politik/Streitkräfte) – oder sein sollte.

    Diese Art von Pressearbeit ist aus meiner Sicht sehr bedenklich.
    Nur leider scheint niemand dagegen zu halten.

    ROE und deren Umsetzung zeigen immer wieder wie es um Politik und Streitkräfte steht.

  7. Schwerpunkt in letzter Zeit war ja auch eher ein ehem. Tatort-Schauspieler in AFG.

    Zum Thema RoE und deren Kenntnis bzw. Umgang und Erfahrung mit diesen, empfehle ich mal die Zentrale Führerausbildung am ZInFü, da graut es mir schon, wenn ich an damals denke.
    Allerdings kann es dafür auch nur besser geworden sein.

    Edit: UNIFIL: Deutscher Soldat auf Zypern verletzt

    Ein deutscher Soldat wurde am 20. Oktober in den frühen Morgenstunden verletzt in der Nähe seiner Unterkunft in Limassol aufgefunden.

    Der Soldat ist Angehöriger des United Nations Interim Force in Lebanon (UNIFIL) Kontingentes und wurde ärztlich behandelt.

    Der Vorfall ereignete sich in Zivil und außerhalb des Dienstes. Die genauen Umstände und Hintergründe sind noch nicht bekannt. (…)

  8. Zu dem Vorfall auf Zypern: Es stellt sich die Frage, ob das wirklich nur eine Sache ist, wie sie in Hafenstädten und auch sonst nun einmal vorkommt. Oder ob es möglicherweise einen politischen Hintergrund hat.

    Es ist im übrigen nicht der erste Vorfall dieser Art, Bundeswehrangehörige wurden schon mehrfach auf Zypern überfallen (Augen geradeaus berichtete auch darüber, wenn ich mich richtig entsinne).

  9. @chickenhawk:
    Irre ich mich, oder gabs einen solchen Fall nicht vor etwa einem Jahr oder so schon mal mit Italienern?

    edit: Sehe gerade, dass der Artikel den von mir gemeinten Fall erläutert.

  10. Es gab noch etwas vergleichbares vor einigen Monaten mit einem britischen „Boot“, das von spanischen (?) Behörden aufgebracht wurde, während es auf dem Weg nach … naja, da gingen dann die Angaben von Schiffseignern, Kapitän und Papieren ein wenig durcheinander.

    Dass Teile der Besatzung aus ehemaligen britischen Elitesoldaten bestanden sowie das Schiff – ein ehemaliges Patrouillenboot – im äußeren Erscheinungsbild immer noch sehr einem Kriegsschiff ähnelte (inklusive grauem Anstrich, Hull-Number, 20mm Kanone) machte die Sache dann noch ein wenig delikater.

    http://www.dailymail.co.uk/news/article-2316121/British-ship-heading-ward-Somali-pirates-held-port-Spain-forced-stop.html

  11. @chickenhawk: Der Fall des AdvanFort ist wohl noch mehr dran, denn zu den Vorwürfen gehört auch, dass sie iilegal subventionertem Diesel (geliefert von lokalen Fischern) gekauft haben. Das spricht für lokale Vernetzung und gegen die Behauptung, sie seien nur wegen eines Sturms in indische Gewässer geraten. Zudem sollte man sich über die Anreiz-Struktur klar sein: Wer Schutz vor Piraterie verkaufen will, braucht ein ausreichendes Gefährdungsniveau für die potenzielle Kundschaft, was zum wirtschaftlichen Sinn des „Nachhelfens“ führt. Das aufgebrachte Schiff selbst sieht auch aus wie ein Mutterschiff, es fehlen nur die Skiffs, aber auch bei den „lokalen Kontakten“ stecken könnten . . .
    Dank unregulierter Privatisierung werden die Grenzen zwischen Piraten und kommerziellen Schützern fließend.
    Um es mit einem alten Witz zu sagen:
    Alter Mann heiratet eine junge Frau. Die wird prompt schwanger.
    Sagt der Rabbi: „Es ist ein Wunder“.
    Es stellt sich heraus, die junge Frau hat einen ebenso jungen Liebhaber.
    Fragt der Rabbi „Ist`s ein Wunder?“

  12. sorry, da sind eben ein paar Korrekturen verloren gegangen. Ich hoffe, es ist trotzdem verständlich.

  13. 21 Kommentare und noch kein Einziger hat sich über den Rechtschreibfehler in der Überschrift aufgeregt – Respekt! Hat tatsächlich die neue Zeit der Sachlichkeit begonnen?

Kommentare sind geschlossen.