Israelisch-amerikanische Raketentests: Zündeln vor Syrien?

Die Lage im östlichen Mittelmeer, vor der syrischen Küste, ist angesichts der Drohung eines US-Militärschlags ohnehin angespannt – und dann kommen einem Meldungen wie die vom (heutigen) Dienstag schon ein wenig wie Zündeln im Pulvermagazin vor: Israel hat Raketentests gemeinsam mit den USA bestätigt. Nachdem es zuvor stundenlang Unklarheit über eine russische Meldung von Raketenstarts im Mittelmeer gab.

Der Reihe nach: Am Vormittag hatten russische Medien berichtet, um 06.16 GMT (08.16 MESZ) habe das Raketenabwehrradar der Russen in Armavir den Start zweier ballistischer Objekte im Mittelmeer beobachtet – Richtung Osten. Zwar war relativ schnell klar, dass es sich – wegen der unterschiedlichen Flugbahn – nicht um Marschflugkörper handeln konnte, die die USA aller Voraussicht nach bei einem Angriff auf Syrien einsetzen würden.

Die Frage blieb allerdings über Stunden, was da wirklich passiert ist. Sowohl die USA als auch die Israelis teilten zunächst mit, sie wüssten nichts von Raketenstarts. Erst deutlich später kam die Mitteilung des israelischen Verteidigungsministeriums, die Streikträfte des Landes hätten gemeinsam mit den USA das israelische Raketensystem getestet. Vermutlich kam dabei eine Zielrakete für die Arrow-Raketen zum Einsatz.

Der Vorfall hinterlässt einen schalen Nachgeschmack – und viele offene Fragen. Zuallererst die, ob es wirklich sein kann, dass die Streitkräfte in dieser Region und in dieser Lage mal eben Raketen testen, ohne dass es die politische Führung weiß (wenn die nicht bewusst gelogen hat). Und natürlich die Frage, ob der Test-Start allein der Überprüfung des israelischen Abwehrsystems diente. Oder ob die USA, Israel, vielleicht sogar die NATO bei der Gelegenheit mal mitschneiden konnten, was denn die syrische Flugabwehr so erfasst, was die Russen erfassen und können und vor allem, was die Russen vielleicht an Syrien an Daten weitergeben und in welcher Zeit.

(Foto: Sa’ar 4.5 class missile ships of the Israeli Navy cruise off the shore of Israel during a training exercise – Israel Defence Forces via Flickr unter CC-BY-NC-Lizenz)

49 Gedanken zu „Israelisch-amerikanische Raketentests: Zündeln vor Syrien?

  1. Ich denke man kann das durchaus als Reaktionstest verstehen, vielleicht auch, um russische und syrische Frühwarnstellen im Vorfeld ein wenig zu desensibilisieren.

    Wenn man bedenkt, wie viele SIGINT-Sensoren (U-2, Atlantique, Oker, vermutlich Drohnen aller möglichen Fabrikate) momentan auf Syrien gerichtet sind, wäre es schon aufschlussreich mal zu sehen, wer dann alles in Damaskus anruft.

    Interesssant wäre es natürlich zu wissen, was heute morgen alles in der Luft war, vor allem von Zypern aus. Vielleicht berichten die Planespotter in Akrotiri davon noch ein wenig.

  2. Kann natürlich sein, dass zwei BQM-74E Chukar III oder so als Zieldarstellungsdrohnen im „Scud-Profil“ gestartet worden sind, um alle möglichen Sachen zu testen………u.a. das israelische Arrow III System.
    In dieser Lage ist das allerdings ziemlich heftiges zündeln, zumal anfangs die US und Israel auf Regierungsebene den „ich weiß von nix“ gegeben haben.

  3. Warum ein schaler Beigeschmack? Aus Sicht Israels ist die Aktion nachvollziehbar und folgerichtig. Vor einer Abschlussmeldung über den Raketentest/die SIGINT-Kontrolle gab es keinen Anlass, diese Übung nach außen zu kommunizieren. Und angesichts des drohenden Eingreifens der Amerikaner in Syrien ist es allerhöchste Zeit, Hezbollah, al qaida sowie Muslimbrüdern & Co. ein eindeutiges Signal zu senden. Das ist kein Zündeln; das ist Vorsorge.

  4. Die Russen berichteten ja, die beiden Raketen wären ins Meer gestürzt – heißt das, die Übung (sofern es eine war) war nicht erfolgreich? Oder wird bei sowas allgemein nur das Anpeilen (?) geübt, nicht der eigentliche Abschuss?

  5. Der Bericht vom Abschußtest könnte auch einfach das Cover-Up für einen tatsächlichen Test der syrischen Luftabwehr gewesen sein. Man schicke ein paar Geschosse auf eine Flugbahn, bei der sie in Syrien einschlagen müssten, und breche dann noch über dem Meer das ganze ab.

    Was genau gelaufen ist, wird man erst in der Zukunft rausfinden, wenn die Geheimhaltung ausläuft.

  6. @veto: Das ist das, was ich vermute. Aggressive Aufklärung.

    Zündeln kann ich BTW auch nicht erkennen. Vielleicht liegt es daran, daß vor einem lichterloh brennenden Haus ein Rauchverbot so unnütz erscheint.:)

  7. Gramm | 03. September 2013 – 14:08
    „Die Russen berichteten ja, die beiden Raketen wären ins Meer gestürzt – heißt das, die Übung (sofern es eine war) war nicht erfolgreich? Oder wird bei sowas allgemein nur das Anpeilen (?) geübt, nicht der eigentliche Abschuss?“

    Nach dem was man lesen konnte wurden die beiden Raketen vom Frühwarnradar in Armavir in der Region Krasnodar erfasst, und das Radar erfasst Objekte erst, wenn sie aus Sicht der Station über dem Horizont sind. Bei solchen Entfernungen bedeutet das, dass die Raketen mehrere hundert km Höhe erreicht haben, bevor sie für das Radar überhaupt sichtbar sind. Für den Wiedereintritt gilt dann das gleiche, der eigentliche Abschuss der Raketen durch Arrow II war für das Radar nicht mehr sichtbar, da er unterhalb des Radarhorizonts lag. Daher kam wohl die Meldung, die Raketen seien ins Meer gestürzt.

  8. ist ein typischer Fall wenn der Schwanz mit dem Hund wedelt…

    interessant wäre nur zu wissen was die Bundesmarine im Mittelmeer was,wann wusste

    END

  9. ich halte die „zündeln“ metapher auch für unpassend.

    israel kommuniziert hier auf strategischer ebene Verteidigungsbereitschaft in einer Region in der ein „Flächenbrand“ nicht bevorsteht sondern bereits existiert.

  10. Die Bundesmarine gibt es schon lange nicht mehr.
    Im NDR hieß es eben, die USA hätten von einer solchen Übung nichts gewusst.
    Das fällt mir schwer zu glauben.
    Ich halte es auch für einen Test der syrischen Abwehr. Was war aber die Abschussbasis? Ein Schiff? Ein U-Boot? In D gebaut?

  11. veto | 03. September 2013 – 14:19

    War es vielleicht ein Reaktionstest um Syrische Raketenabwehr Stellungen zu identifizieren?

    Syrien hat keine Raketenabwehr, oder habe ich irgendwas verpasst?

  12. Das war sicher auch ein Test zur Überprüfung ob die Russen in der Lage sind einen derartigen Angriff rechtzeitig zu bemerken, um die Syrer rechtzeitig zu warnen. Sie haben gezeigt, dass sie es können. Eine typische Aktion im Vorfeld eines Krieges, den es nach meiner Meinung unzweifelhaft geben wird.

  13. @Swoop | 03. September 2013 – 18:59
    Das im syrischen Bestand befindliche Flugabwehrraketensystem 2K12 „Kub“ ist in der Lage Flügelraketen zu bekämpfen.

  14. „Ein Schiff? Ein U-Boot? In D gebaut?“

    Die Dolphins sind als Trägermittel für ABM Raketen ungeeignet. u.a. kein VLS

    Dürfte also eine Überwassereinheit gewesen sein

  15. Im oben verlinkten Bericht steht, daß von einem Flugzeug aus gestartet wurde:

    „The missile was launched from an airborne platform on 9:15, after an ascent the missile entered the trajectory, in according with the test plan. „

  16. @veto | 03. September 2013 – 14:19
    Nach meinen Informationen waren es keine ballistischen Raketen, sondern eher Flügelraketen, die ca. 300 km (etwa die Grenze der Aufklärungsentfernung der in Syrien vorhandenen Funkmessaufklärungsstationen für kleinere Luftziele) vor der syrischen Küste ins Meer gefallen sind. In dieser Entfernung schaltet man noch keine Radarstation der Flugabwehr ein, wodurch man die Stellungen verrät. Diese Aktion war also ein Fehlschlag, oder hatte wirklich nichts mit Syrien zu tun (was ich allerdings nicht glaube).

    Die Langstreckenradaranlage Armawir (Südrussland) des Typs Woronesch-DM (Reichweite ca. 6000 km bis in eine Höhe von ca. 300 km) hat diese Luftziele zuverlässig aufgeklärt und vermutlich an die syrische Luftabwehr mitgeteilt.

  17. Kann mir beim Besten willen nicht vorstellen, dass man gedenkt, eine wie auch immer geartete „Strafaktion“ durch wen auch immer mit welchem Mandat auch immer mit ballistischen Raketen durchzuführen.

    Als Test der Reste der syrischen Luftverteidigung also wohl eher wenig geeignet, eher schon ein Test der RUS Früh-Detektion, wobei ich hier mit meinem bescheidenen Horizont keinen direkten Link zur Syrienkrise herstellen kann.

    Ein solches „Experiment“ erst recht mit Wissen der USA (wovon ich NDR zum trotz fest ausgehe) ist doch mit Sicherheit einer UN-Mandatierung (wie klein die Chance auch sei) einer „Strafaktion“ eher hinderlich, da „Tritt vor RUS Schienbein“.

    Die Frage nach der Startplattform, sollte es ein Schiff gewesen sein, finde ich allerdings auch sehr interessant:

    Nach meinem Wissen verfügt keine reguläre Marineeinheit der IDF über eine solche ballistische Fähigkeit. Auch die im Bild dargestellten SA´AR 5 „Hetz“ Korvetten (Bilduntertitel nicht ganz korrekt, Korinthe) verfügt als größte Überwassereinheit der IDF m.W. „nur“ über konventionelle Seeziel FK „Gabriel“ und / oder „Harpoon“. Alleine vor dem Hintergrund der Größe (ca. wie K130) und Stabilität erscheint sie für einen solchen ballistischen Start nun doch eher ungeeignet.

  18. (Gebetsmühle) Das Ding wurde nach offiziellen Angaben aus der Luft gestartet, also wahrscheinlich von einem entsprechenden Transporter abgeworfen.

  19. Stefan | 03. September 2013 – 19:12

    @Swoop | 03. September 2013 – 18:59
    Das im syrischen Bestand befindliche Flugabwehrraketensystem 2K12 „Kub“ ist in der Lage Flügelraketen zu bekämpfen.

    2K12 Kub hat diese Fähigkeit nicht. Soweit ich weiß ist ab der Version 3уб-М4/Kub M4 die bekämpfung von Marschflugkörpern möglich. Hat Syrien so moderne FlaRak? Eher unwahrscheinlich und wenn, dann stehen die ganz oben auf der Abschussliste.

  20. @Swoop | 03. September 2013 – 20:34
    Sie haben vermutlich nicht, im Gegensatz zu mir, bei den Fla-Raketentruppen der NVA gedient. Die Bekämpfung von Flügelraketen war in den 80-er Jahren des vorigen Jahrhunderts stets die Hauptübung der TLA der NVA beim Gefechtschießen in Russland. Auch mit dem Fla-Raketen-Komplex 2K12 „Kub“. Das konnte sogar der wesentlich ältere Komplex 2K11 „Krug“. Wikipedia liegt da nicht immer richtig. Ich war mehrmals an verantwortlicher Stelle dabei. Die sowjetischen bzw. russischen Fla-Raketen-Komplexe sind „etwas“ leistungsfähiger, als vergleichbare westliche Modelle. Für die dazu gehörige Aufklärungsstation P-18 (Reichweite bis zu 400km) sind sogar Stealth-Flugzeuge (deren effektive Reflektionsfläche noch geringer, als die einer Flügelrakete sein sollte) kein Problem. Das wurde mit dem Abschuß einer amerikanischen Lockheed F-117A „Nighthawk“ mit dem veralteten Fla-Raketen-Komplex S-125 Neva/Pechora (aus den 60-er Jahren) über Serbien deutlich unter Beweis gestellt.

  21. Russland versetzte nach den Raketentests Israels die Kommandozentrale des Generalstabes und die Leitungszentrale der Luftabwehrtruppen in erhöhte Kampfbereitschaft.

  22. @ Stefan

    Wir werden ja sehen wie viele Tomahawk der „überlegenen sowjetischen FlaRak“ zum Opfer fallen.

  23. @Swoop | 03. September 2013 – 23:21
    Die USA werden die Schlacht aufgrund ihrer enormen Überlegenheit gegenüber Syrien zweifelsfrei gewinnen, wenn Syrien nicht unerwartet direkte Unterstützung von China, Russland und Iran bekommt.

    Aber es ging ja lediglich darum, was syrische Fla-Raketenkomplexe bei richtiger Nutzung leisten könnten.

  24. Wenn ich das richtig sehe dürfte es auch das erste Mal sein, dass die USA der SA-11 im Kampf gegenüberstehen. Einige SA-22/Pantsir S1 dürfte Syrien auch schon haben.

  25. @Alarich | 03. September 2013 – 22:58
    Das ist ja schon ein beachtlicher Brocken den die Russen dort auffahren. Vier große Dock-Landungsschiffe (incl. Marineinfanterie) und diverse andere Kriegsschiffe. Besonders die beiden speziel zur Vernichtung von Flugzeugträgern gebauten Lenkwaffenkreuzer der Slawa-Klasse mit je 16 Überschall (!)-Seezielraketen mit einer Reichweite von 550 km.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Slawa-Klasse

    Vermutlich haben sie die Absicht ihrer „Schutzverantwortung“ gegenüber den 30.000 Russen in Syrien nachzukommen. In Südossetien waren es deutlich weniger russische Staatsbürger. Möglicherweise schlafen die 10.000 Mann der neu aufgestellten schnellen Eingreifkräfte auch schon in Uniform, neben ihren Transportflugzeugen. Nur von den Chinesen hört man wie immer wenig. Das Iran dabei wäre gilt aufgrund der vertraglichen Bündnisverpflichtungen als so ziemlich sicher. Das hat der Iran ja schon zu Beginn des Syrienkonflikts erklärt.

    Da können wir nur hoffen, dass Israel verschont bleibt.

  26. @califax | 03. September 2013 – 23:16
    Flottenbasis klingt gewaltig. Es ist in Wirklichkeit nur ein technischer Versorgungspunkt mit zwei Anlegestellen, wovon eine ständig von einem Werkstattschiff belegt ist. Deswegen geht Russland mit Sicherheit nicht in den Krieg. Zumal es auf Zypern eine viel größere Alternative gefunden hat.

  27. Stefan | 04. September 2013 – 0:28
    Meine Befürchtung wir wissen zu wenig was wirklich abgeht
    unsere Medien bringen nur das was ihre Meinung ist
    Russland werden in unsere Medien Unterschätz
    2008 war für die Russen nur ein Test Krieg mit echten Toten weil 2009 wurde eine neue Heeresreform eingeleitet die aus Erfahrung 2008 besteht , Mangel an Aufklärung und Geschützte Rad Fahrzeuge und so weiter
    Weil Georgien ist von US Soldaten aufgebaut geworden bzw jetzt wieder

  28. Jetzt macht mal nicht die Pferde scheu. Für den Iran ist das ganze die ideale Chance für eine Annäherung an die USA und damit Lockerung der Sanktionen.

    Meine Prognose: Assad wird nach dem G20 Gipfel ziemlich einsam dastehen.

  29. Zu Beginn der Unruhen in Syrien versicherte die syrische Regierung, dass sie keine Chemiewaffen gegen die Bevölkerung einsetzen werde, aber bei einem Angriff auf Syrien durch andere Staaten zur Landesverteidigung.

    Nun meldet Euronews:
    Die syrische Opposition sagte: “Die Nationale Koalition hat in den letzten Tagen Informationen erhalten, wonach drei Konvois mit chemischen Waffen ihre Stützpunkte verlassen haben. Es handelt sich dabei um Raketen mit chemischen Sprengköpfen. Wir können nun bestätigen, dass zwei Konvois ihren Bestimmungsort erreicht haben.”

    Einer der angeblichen Bestimmungsorte liegt in der Nähe der Grenze zu Israel.

    Da kann man nur hoffen, dass diese Meldung eine Falschmeldung der Opposition ist.

  30. Israel wird in der aktuellen Lage keine startbereiten Massenvernichtungswaffen an seiner Nordostgrenze dulden.
    Insofern ist das entweder eine Ente oder es wird sich bereits darum gekümmert.

  31. @Prometheus

    Ist bisschen OT, aber damit das nicht untergeht: Die Bildunterschrift ist original die der Israeli Defence Forces, und da bin ich davon ausgegangen, dass die ihre eigenen Boote kennen…

  32. Euronews meldet:

    Russland könnte einem militärischen Eingreifen in Syrien unter Einbeziehung des UN-Sicherheitsrates zustimmen. Das sagte Russlands Präsident Wladimir Putin in einem Interview im russischen Fernsehen. Voraussetzung seien Beweise dafür, dass die syrische Regierung hinter den Giftgasangriffen stecke.

    “Ich schließe einen solchen Schritt nicht aus”, so Putin. “Aber ich möchte ihre Aufmerksamkeit auf einen sehr wichtigen Punkt lenken. Nach internationalem Recht, kann nur der UN-Sicherheitsrat eine solche Maßnahme gegen einen souveränen Staat anordnen. Jeder andere Vorwand oder jede andere Methode, die genutzt wird, um die Anwendung von Gewalt gegen einen unabhängigen, souveränen Staat zu rechtfertigen, ist unakzeptabel und wird als Überfall verstanden.”
    http://de.euronews.com/2013/09/04/syrien-einsatz-putin-schliesst-militaerschlag-nicht-aus/

    Er will Beweise sehen, die bis heute nicht vorgelegt wurden. Beschuldigungen sind für ihn keine Rechtsgrundlage. NATO, EU oder die USA haben nicht die Rechte der UNO. Militärisches Eingreifen ist ein dehnbarer Begriff und muß nicht die Tötung von tausenden von Menschen durch Bomben- und Raketenangriffe bedeuten.

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