Interview mit de Maizière: (Kampf)Drohnen, Afghanistan und der Burnout durch Unterforderung

Vor den Sommerreise-Terminen von Verteidigungsminister Thomas de Maizière am (gestrigen) Mittwoch  (Foto oben in Elmenhorst), habe ich mit dem Minister ein Interview geführt – eine Premiere für Augen geradeaus!.

Darin ging’s um die Beschaffung von (Kampf)Drohnen für die Bundeswehr, den Einsatz in Afghanistan nach 2014 und was es mit den Kampftruppen auf sich hat, und natürlich um die Stimmung in der Truppe – und den Begriff Burnout durch Unterforderung.

Das ganze Interview, ungeschnitten, hier zum Anhören:

TdM-Interview_14aug2014.mp3     

 

(Ich habe auch ein Transkript vor; ist im Moment eine Zeitfrage. Für Unterstützung bin ich da natürlich dankbar…)

16 Gedanken zu „Interview mit de Maizière: (Kampf)Drohnen, Afghanistan und der Burnout durch Unterforderung

  1. @T.W.:
    Zunächst einmal Glückwunsch zur Minister-Interview-Premiere.
    Sehr interessantes Interview.

    @all
    Zunächst mal positiv finde ich einmal mehr den Sprachstil des Ministers – gerade im Vergleich zu anderen Politikern.
    Wenn es jedoch an die Substanz geht, dann wird es leider sehr schnell dünn.
    Das Interview zeigt einmal mehr wie sehr er ein Verwalter ist.
    Beispiele:

    1. MALE UAV
    Man weiß wohl nicht wie man die militärische Forderung und die zivilen Rahmenbedingungen unter einen Hut bekommt. Macht aber einfach weiter.

    2. Personalplanung
    Er hatte ja schon mal eine Zusage gemacht, worauf er in der Antwort auf die Frage leider nicht eingeht. Orientierungsgespräche ein Jahr vor der Umgliederung sind 1:1 die Haltung des Apparates (einschl. Kdos der TSK/ OrgBer).

    Gestaltungswille ist anders.

    Interessant fand ich zudem die Aussage zur Zukunft der Einsätze und die offenbar wachsende Sorge bzgl einer „Reform der Reform“, die er – im Gegensatz zu PSts Kossendey vor einigen Wochen – nicht dementierte.

    Die von ihm eingeforderte Fehlerkultur konnte ich nicht erkennen.

  2. Guten Morgen.
    Kann es sein, dass das Interview bei mir unvollständig ist? Der Part“ den Einsatz in Afghanistan nach 2014 und was es mit den Kampftruppen auf sich hat“ kann ich nicht finden.

  3. @werner

    Merkwürdig. Können Sie denn die ganzen gut 24 Minuten Interview hören? Bei mir ist es – auf verschiedenen Geräten – komplett, und da ist auch dieser Teil drin.

  4. Wieviele Bundesminister wurden eigentlich bisher von Blogs interviewed? Könnte auch gut eine deutsche Premiere sein.

  5. Ich habe hier noch eine Audio2Text Software rumliegen. Kann ich das Interview irgendwo downloaden um das ganze mal auszuprobieren?

  6. Hier mal der Text ca. ab 18:00 min, wo es um die Neuausrichtung geht.
    Die Interpunktion habe ich relativ frei gehandhabt…

    Ich würde gern noch mal springen. Sie wissen in meinem Blog hat man Ihnen manchmal gezeigt, schlagen manchmal die Wogen der Empörung hoch, wenn Sie Dinge wie Burnout durch Unterforderung, Gier nach Anerkennung und so weiter sagen. Was ich als Feedback bekomme aus der Truppe, weitgehend zur Stimmung was die Neuausrichtung angeht, ist so ein bisschen: Der Minister agiert da vor sich hin und nimmt eigentlich keine Rücksicht aus unsere Befindlichkeiten. Ist das so was, was bei Ihnen auch ankommt?

    Natürlich. Die Sommerreise, die ich jetzt durchführe gibt mir auch Gelegenheit mit vielen Soldatinnen und Soldaten zu sprechen. Natürlich ist das kein repräsentatives Bild, aber doch ein breiteres Bild als sonst in meinem politischen Alltag. Meine Einschätzung ist so: Man kann nicht mehr von einer allgemeinen durchgehenden Stimmung in der Bundeswehr zur Neuausrichtung sprechen. Sie ist unterschiedlich. Und zwar hängt es ganz wesentlich davon ab. Gibt es sozusagen Gewinner-Standorte und Verlierer-Standorte? Fühlen sich die Soldatinnen und Soldaten schon sicher in ihrer zukünftigen Verwendung? Sind sie damit einverstanden oder nicht einverstanden? Oder wissen sie überhaupt noch nicht, wo sie hinkommen? Und das prägt sehr stark die Stimmung. Ich bin an Standorten, da ist gerade Aufbruchstimmung. Man freut sich auf die neue Struktur. Der Standort ist gesichert, jeder weiß, wo er hinkommt. Da ist die Stimmung bestens. Es gibt Standorte, da ist das krasse Gegenteil. Der Standort wurde aufgelöst, viele Soldaten wissen noch nicht, wo sie hinkommen. Wenn sie irgendwo hinkommen, müssen sie weit irgendwo hinpendeln oder hinziehen. Dort ist die Stimmung ganz schlecht. Und es gibt alles dazwischen. Es gibt Standorte, da ist bei einer Einheit die Stimmung gut, bei der anderen Einheit die Stimmung schlecht. Das ist ein notwendiger Veränderungsprozess, der nur dadurch behoben werden kann, dass wir möglichst schnell, auch durch Orientierungsgespräche personelle Klarheit für die Betroffenen schaffen und dann wird auch die Stimmung bei denen, die jetzt nicht so Klarheit haben, insgesamt verbessern.
    Ich höre auch sehr besorgte Fragen immer, das ist nicht die Hauptsorge. Wird es eine Reform der Reform geben? Bei aller Kritik, die es gibt, sagen doch die Allermeisten: Das muss jetzt durchgezogen werden und wir wollen nicht von Anfang anfangen. Bitte keine neue Weise-Kommission, bitte keine Veränderung auch nach der Bundestagswahl.
    Was das Zitat mit dem Burnout angeht, das ist grob verzerrt wiedergegeben worden, und deswegen haben wir das auch richtig gestellt.

    Den Begriff „Burnout durch Unterforderung“ haben Sie doch gebraucht.

    Ja, es kommt ja immer auf den Kontext einer Äußerung an. Eins ist allerdings richtig. Ich sehe meine Aufgabe darin, nach außen mit aller Kraft die ich habe, für die Wertschätzung der Soldaten zu werben. Das tue ich auch. Aber nach innen müssen wir die Kraft haben über Erfolge und Mängel zu reden, und das muss auch ein Chef mal tun.

    Nun haben Sie was die Sicherheit der Soldaten und ihre Zukunft angeht, wenn ich mich richtig erinnere, schon im vorvergangenen Jahr gesagt: Bis Ende dieses Jahres weiß jeder, wo er sein wird. Das hat sich immer weiter hingezogen, immer weiter hingezogen und es gibt da Leute die sagen: Das wurde uns schon vor anderthalb Jahren versprochen, dass wir wissen. Hat sich das einfach so verzögert?

    Nein, die Realisierungsplanung zieht sich ja bis 2017 hin, die Masse wird 2014/2015 umgruppiert und das Verfahren ist so, dass spätestens ein Jahr vor Vollzug der Umstrukturierung sogenannte Orientierungen gibt, dass also die Masse weiß, wo sie hinkommt und die eigentlichen Versetzungsverfügungen kommen dann einige Monate vor der Umstrukturierung. Überall wo ich jetzt hinkomme, finden diese Gespräche statt, und es wird von Monat zu Monat mehr Klarheit über die neuen Dienstposten für die Soldatinnen und Soldaten und zivilen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geben.

    Trauen Sie sich denn zu zu sagen: Zu dem und dem Zeitpunkt werden alle Klarheit haben, was ihre Zukunft angeht?

    Ich will jetzt nicht eine Verzögerung herbeireden, die es immer mal geben kann, es gibt vielleicht auch eine Beschleunigung. Wir haben Fälle gehabt, da haben sogar ein paar Truppenführer gesagt, wir sind im Stande schneller umzugruppieren. Auch das möchte ich nicht ausschließen. Wir sind zum Teil abhängig von der Zulieferung von Großgerät, denken Sie an Hubschrauber und ähnliches. Da haben wir schon hundertmal gesagt, dann und dann besteht Klarheit. Wenn Sie an das Ausphasen der Transall und die Lieferung von A400M denken, da reden wir über die Jahre 2017-2019. Ich bin außer Stande zu sagen, wann jetzt Hohn oder Penzing geschlossen werden. Also ich kann deswegen, weil wir nicht alleine Herr des Verfahrens sind, nicht diese letzte Äußerung machen. Aber ich kann sagen, und möchte auch ein ausdrückliches Lob an die Personalbetreuer in Köln sagen, die wirklich eine phantastische Arbeit leisten und unglaublich viel mehr als im Normalbetrieb leisten müssen. So klar wie nur irgend möglich, so schnell wollen wir es schaffen. Aber es dauert ein bisschen.

    Und mit dieser negativen Stimmung, Sie gehen davon aus, das wird sich in absehbarer Zeit bessern, bei denen, die sich jetzt zu Wort melden?

    Wie gesagt, insgesamt ist die Stimmung nicht mehr so negativ. Sie ist aber auch nicht positiv. Sie ist differenziert. Und sie wird sich von Monat zu Monat verbessern, da bin ich ganz sicher.

  7. Danke – damit es nicht zu viel doppelte Arbeit gibt: Ich hab‘ die fünf Leute zusammen, die jeweils fünf Minuten verschriften, und stelle das Ganze dann am Stück online.

    @Djung: habe das bewusst so gestaltet, dass download nicht einfach möglich ist. Ich kann natürlich niemanden hindern, mit einem Mitschneide-Programm das aufzunehmen ;-)

  8. Interessantes Interview. Dann liegt Kirsch nicht falsch. „Kampftruppen ohne Kampfauftrag“ – von mir aus, aber Teileiheiten oder Einheiten mit der Befähigung zum Kampf aus der Kampftruppe. Da auch der Minister nicht vorhersehen kann, wie sich die Lage entwickelt, muss Force Protection höchste Priorität haben. Der Öffentlichkeit wird durch „keine Kampftruppen nach 2014“ vorsätzlich suggeriert, dass danach eine Friede-Freude-Eierkuchen Zeit in AFG anbricht. Das ist der eigentliche Skandal und die militärische Führung macht mit.

    Ach ja, ein Minister sollte niemals über öffentliche Medien „als Chef“ in die Truppe kommunizieren. Weder zum Thema „Gier und Sucht“ noch zum Thema „Unterforderung“. Das tut man nicht! Warum sagt ihm das niemand? Vor allem auch, weil die Zitate eh aus dem Zusammenhang gerissen werden ;-)

    Und zu den anderen Stichpunkte könnte man auch noch reden – wird aber too much. Ideal wäre, wenn die Themen aufgeteilt wären.

    @T.W.: Danke f.d. Interview.

  9. Der Minister hat bei seinem ABS Beispiel vergessen zu erwähnen das selbiges längst standart ist und das auch ESP für eine Neuzulassung vorgeschrieben ist. Also ist das Beispiel Mumpitz.

  10. Der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) beim Sommerbiwak der 1. PzDiv:
    „Wenn man sich eine ideale Armee malen würde, käme ganz sicher das Bild der Bundeswehr raus.“

    Ja dann ist ja alles gut und die SPD braucht auch nicht mehr die Neuausrichtung hinterfragen.

  11. „Es gibt Standorte, da ist die Stimmung bestens!“

    Schade, hier hätte ich gerne einmal eine genaue Nachfrage gehabt, welche Standorte namentlich dies sein sollen. Ich wette, auch dieser Frage wäre er ausgewichen. Dann hätte er ja Ross und Reiter nennen müssen und ich glaube diese Aussage wäre wohl nicht unwidersprochen geblieben.

  12. @bonk: Natürlich, Berlin! Da hat das BMVg doch als Allererstes alle Schäfchen ins Trockene gebracht, denn dort wollte man ja schließlich auch etwas von der viel versprochenen Sicherheit haben … bevor diese gänzlich weg ist, denn nur das Bonn-Berlin-Gesetz ist doch nicht attraktiv genug.

  13. Tja, in Berlin gibts aber noch mehr Truppe außer dem Ministerium.
    Frage mich, wie sich da so ein Spieß im Wachbataillon oder im Feldjägerbataillon fühlen muss, wenn man ihm sagt, an seinem Standort wäre die Stimmung bestens und man jeden Tag in diese „traurigen“ Gesichter seines UffzKorps gucken muss. Ich persönlich würde mir noch mehr „hinter die Fichte geführt“ (klasse Formulierung) vorkommen als vorher. Aber keine Frage die 1 und 2Sterner auch außerhalb des Bendler-Blockes werden dem Minister schon von super Stimmung berichtet haben.

  14. Das BMVg möchte ja nächstes Jahr eine Evaluation der Neuausrichtung durchführen.
    Da stellt man dann wohl fest, dass die bisherigen Ziele (einsatzorientiert, demografiefest, finanziert) für 170.000 + FWDL nicht erreichbar sind. Da das Personalproblem sich nicht auf FWDL beschränkt und das Finanzproblem noch größer werden wird (extern: Euro, globale Minderausgabe. Intern: Betriebskosten neue WaSys, Fortsetzung Betreibermodelle, etc) bleibt nur der Weg einer Reduzierung auf ca. 150.000. Das wiederum bedeutet erneut erhebliche Einschnitte bei Fähigkeiten, Struktur und Stationierung. Womit die Stimmung ab 2015 sicher nicht besser wird (siehe TdM oben).
    Erinnert alles an Heeresstruktur 5 und 5 (N) oder an Heer der Zukunft und Neues Heer. Bevor das neue „unten“ ankam, gab es „oben“ schon die neue Reform.

    Da die Eckwerte der Strukturen von Luftwaffe und Marine durch neu zulaufendes Großgerät geprägt sind, wird die nächste Reduzierung wohl nochmals zu Lasten von Heer und SKB gehen.
    Spätestens dann ist auch „Breite vor Tiefe“ zu hinterfragen, da dann weder Breite noch Tiefe gegeben sind.
    Positiv betrachtet ein guter Anlass das LoA zu hinterfragen.
    Der Minister sieht in obigen Interview ja noch die Notwendigkeit sich auf große Stabilisierungseinsätze vorzubereiten.
    Nur wird spätestens mit einer noch kleineren Bw hierzu die Quantität fehlen. In einigen Bereichen sicher auch die Qualität.

    Bevor man wieder reformiert vielleicht einmal wirklich durchdenken wie die allgemeine Lage ist, was man will und was man – mit den gegebenen Kräften und Mitteln – noch kann.
    Aber das muss dann wohl eher der nächste IBuK machen.

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