Das Totenschiff – nach zweieinhalb Jahren in Piratenhand

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Das war der Frachter Albedo – eines der derzeit letzten Schiffe, die in der Hand somalischer Piraten war. Im November 2010 war die Albedo 900 Seemeilen vor der Küste Somalias gekapert worden und ankerte seitdem vor dem Strand (wenn sie nicht zwischenzeitlich zur Bedrohung niederländischer Piratenjäger genutzt wurde). Am Wochende sank der Frachter in einem Sturm. Und vom Großteil der ursprünglichen Besatzung fehlt jede Spur.

Die EU-Antipirateriemission Atalanta versuchte zwar eine Rettungsaktion, aber ohne Erfolg. Bei der Gelegenheit entstand auch das letzte Bild der Albedo (oben).

Die Piraterie vor Ostafrika ist zwar in den vergangenen zwei Jahren drastisch zurückgegangen – ein Erfolg, an dem die internationalen Seestreitkräfte ebenso wie die zunehmende Zahl bewaffneter Sicherheitsteams auf Frachter und Tankern Anteil haben. Dennoch sind, und das macht der Untergang der Albedo deutlich, noch immer etliche Seeleute als Gieseln in der Hand von somalischen Piraten. Auch von kleinen Fischerbooten und Dhaus, deren Kaperung wohl außer dem Eigner und den Angehörigen der Besatzung kaum jemand registriert.

(Foto: EUNAVFOR)

10 Gedanken zu „Das Totenschiff – nach zweieinhalb Jahren in Piratenhand

  1. Es wird sich auch nichts an dieser traurigen Situation ändern, solange man nicht ernsthaft einen Fuß in dieses Land setzt. So zumindest meine Befürchtung.

  2. Es wird doch. Langsam aber zumindest stetig. Nordsomalia ist recht eigenständig und stabil. Und von Mog aus breitet sich so gaaanz langsam die Staatlichkeit aus.

  3. @Roman

    also auch so gaaaaaanz langsam ist eventuell schon sehr optimistisch gesehen. Al-Shabaab ist weiterhin aktiv, wie der Anschlag auf das VN-Gebäude in Mog. Mitte Juni gezeigt hat. Die politische Spaltung zwischen Mog. und dem Rest des Landes zeigt sich auch sehr gut in den jüngsten Ereignisse in Kismayo. Dort rivalisieren nicht nur einige Milizen, deren Führer sich teils unabhängig von Mog. als Präsident von Jubaland ausgerufen haben. Die kenianischen Truppen scheinen auch aktiv Partei für Sheikh Ahmed Madobe zu übernehmen, um eine gesicherte Pufferzone zwischen dem Norden Kenias und Südsomalia zu errichten. Die Regierung in Mog. sah sich sogar genötigt, die Stationierung von „neutralen“ Truppen in Kismayo zu fordern, da die Agenda der Kenianer nicht mit den Plänen Mog. übereinstimmt.
    Zudem hat Äthiopien vor einiger Zeit angekündigt, man werde prüfen, sein Soldaten aus Somalia abzuziehen. Auch wenn der Ministerpräsident das später relativiert hat, würde in diesem Falle im Westen vermutlich erneut ein Sicherheitsvakuum entstehen, dass von Mog. nicht zu kontrollieren ist.

  4. Die Besatzungen der Dhaus sind sicherheitspolitisch aus deutscher Sicht nicht relevant. Ob sie als Geiseln festgehalten werden oder nicht, macht für sicherheitspolitische Interessen Deutschlands keinerlei Unterschied. Sicherheitspolitisch relevant sind nur die größeren Handelsschiffe bzw. dass sie mit minimalem Risiko dort durchfahren können. Wozu es führt, wenn man sich für das Elend der ganzen Welt verantwortlich fühlt und überall „helfen“ will, hat Afghanistan gezeigt.

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