Westafrikas Länder wollen internationale Piratenjäger

Die Forderung war absehbar: Nachdem der vor mehr als vier Jahren begonnene Einsatz internationaler Streitkräfte gegen die Piraterie vor Ostafrika Erfolg zeigt, und nachdem die Zahl der Piratenangriffe vor Westafrika inzwischen höher ist als vor Somalia, wächst auf der anderen Seite des Kontinents das Begehren: Staatschefs westafrikanischer Länder hoffen jetzt auf einen internationalen Marineeinsatz gegen Piraten auch vor ihren Küsten, berichtet die BBC:

West African leaders have called for the deployment of an international naval force to curb the growing threat of piracy off the Gulf of Guinea.
Piracy in the region needed to be tackled with „firmness“, Ivory Coast’s President Alassane Ouattara said, at a meeting of regional leaders. (…)
Speaking at a meeting of West and Central African leaders in Cameroon’s capital Yaounde, Mr Ouattara said: „I urge the international community to show the same firmness in the Gulf of Guinea as displayed in the Gulf of Aden, where the presence of international naval forces has helped to drastically reduce acts of piracy.“

Bislang allerdings zeigen westliche Nationen wenig Bereitschaft, Kriegsschiffe nun auch in diese Region in Marsch zu setzen, um gegen Seeräuber vorzugehen. Das könnte sich allerdings ändern, wenn sich die Einschätzung der USA und ihrer Verbündeten verdichtet, dass die Piraten vor Westafrika nicht nur Piraten sind – sondern auch Verbindung zu terroristischen Organisationen haben.

Die Piraterie vor Somalia ist unterdessen noch längst nicht wirklich eingedämmt. Zwar meldet das International Maritime Bureau ebenso wie die militärischen Missionen Atalanta (EU) und Ocean Shield (NATO) praktisch keine Angriffe mehr auf Handelsschiffe. Weiterhin leiden aber vor allem Fischerboote aus der Region unter den Seeräubern. Auch wenn das selten Schlagzeilen macht und nur gelegentlich eine Story wert ist:

In the third successful life saving mission undertaken by it this month, Indian Coast Guard on Monday rescued 16 Iranian and Pakistani crew of a fishing boat, abducted and later left stranded by Somali pirates about 250 nautical miles off Lakshadweep Islands.
The crew – 13 Iranians and three Pakistanis – were rescued from the boat ‚Al Husaini‘ which had been captured by Somali pirates off Socotra, a small archipelago of four islands and islets in the Indian Ocean about 240 km east of Somalia on May 16 and abandoned on June 10 after taking away food and fuel.

(Foto: On 10 May, French EU Naval Force (EU NAVFOR) ship FS Nivôse completed a nine day escort of a World Food Programme (WFP) chartered vessel. The WFP ship was escorted from Djibouti to the port of Mombasa in Kenya – EUNAVFOR via Flickr unter CC-BY-NC-ND-Lizenz allowing editorial use)

7 Gedanken zu „Westafrikas Länder wollen internationale Piratenjäger

  1. Schwer zu glauben, da sich das Gebiet schlechter kontrollieren lassen dürfte als der Golf von Aden. Zudem unterscheidet sich die Piraterie in Westafrika deutlich von derjenigen am Horn. Im Golf von Guinea geht es weniger um Lösegeld, sondern meist nur um schnelle Beute und die Plünderung der Zielobjekte. Bei über 2.000 Km Küste lassen sich da wohl kaum alle Frachter extern sichern.
    Die USA dürften aber daran interessiert sein, vor allem die Küste Nigerias und Äquatorial-Guineas zu sichern. 2011 wurde aus Nigeria immerhin Öl im Wert von 33,6 Milliarden USD importiert. [http://www.ustr.gov/countries-regions/africa/west-africa/nigeria] Die Strategie dürfte aber eher darauf hinaus laufen, die Länder weiter mit Schiffen und Equipment zu beliefern und deren Fähigkeiten in gemeinsamen Manövern zu stärken, denn selbst großflächig präsent zu werden. Die Kooperation gibt es allerdings schon länger.

  2. Mit African Partnership Mission gäbe es einen ersten Anknüpfungspunkt, es bräuchte meiner Einschätzung nach noch nicht einmal ein separates Mandat (fürs Erste). Die Niederländer und die Belgier haben sich bei dieser US-geführten „Global Fleet Station“ bereits (z.T. substantiv) eingebracht. Allerdings dürfte die Einbettung in einen Gesamtansatz zumindest von deutscher Seite wieder am öffentlichen Aufschrei zwischen Flensburg und Füssen scheitern, wenn die Frage im Raum steht, ob man Patroullienboote o.ä. nach Westafrika liefert.

  3. @ T.Wiegold

    Natürlich spielt Lösegeld auch eine Rolle, aber eine weniger entscheidende. Aus dem neuen Oceans Beyond Piracy Report geht hervor, dass 2012 am Horn 589 Geiseln festgehalten wurden und die durchschnittliche Geiseldauer 11 Monate betrug. In Westafrika waren es „nur“ 206 Geiseln bei einer durchschnittlichen Geiseldauer von 4 Tagen (http://oceansbeyondpiracy.org/sites/default/files/hcop2012forweb.pdf). Zudem ist vor allem im Niger-Delta das Klientel aus dem sich die für die Überfälle verantwortlichen „Piraten“ rekrutieren ein anderes als in Somalia. In Nigeria sind es meist Mitglieder aus ehemals militanten Gruppierungen, die für die Überfälle verantwortlich sind. Angriffe auf Tanker und Arbeiter in der Ölindustrie sind für diese seit jeher eine angewandte Taktik, wobei es zumindest in der Vergangenheit primär um Diebstahl und nicht um Geiselnahme ging. [http://www.bpb.de/apuz/31793/piraterie-vor-den-afrikanischen-kuesten-und-ihre-ursachen?p=all].

  4. Das sind doch wieder Sinnfreie Überlegungen. Die Reeder werden es auch da sehr sehr schnell in die eigene Hand nehmen und sich ihre VPT`s an Bord holen. Die Privaten sind ja auch vor Somalia der Hauptgrund das da kein erfolgreicher Angriff in letzter Zeit stattgefunden hat.
    Den Rest machen dann schon die Amerikaner oder Franzosen in Arbeitsteilung – Ammi bildet aus und Franzmann liefert nen paar schmucke Patrollienboote sind ja auch ihre ehemaligen Kolonien da unten.

  5. die lürssens bitte nicht vergessen ;)
    auch für dt werften besteht dort reales exportpotential

  6. Eine wesentliche Frage ist hier zunächst, inwiefern die Vorfälle im Golf von Guinea denn eine Bedrohung für die internationale Schifffahrt sind. Die maßgebende SLOC von Südafrika Richtung Europa und Nordamerika wird durch die derzeitige Piraterie noch nicht bedroht, da zu weit weg. Bedroht werden momentan maßgeblich der regionale Schiffsverkehr, sowie die Ölplattformen und der Tankerverkehr im Golf von Guinea. Diese Bedrohung geht maßgeblich von Gruppen aus, die kriminell oder regierungsfeindlich sind und an Land in Gebieten operieren können, die die örtlichen Behörden nicht kontrollieren können. Die Bedrohung konzentriert sich weiterhin maßgeblich auf die Territorialgewässer noch existierender Staaten und Gewässer innerhalb der 200sm Wirtschaftszone, die teilweise auch patrouilliert werden.
    Die Taktik der Piraten ist mit schnellen Angriffen de facto Raubüberfälle zu verüben, wobei Küstenmotorboote und Handwaffen bis hin zu Messern und Macheten verwendet werden. Sie haben anscheinend kein Interesse an Geiselnahmen mit langen Verhandlungen und dies passt zu der Feststellung, dass die Gewässer dort durchaus durch lokale Marinen patrouilliert werden und die Piraten sich diesen nicht stellen wollen. Der Organisationsgrad der Gruppen wird auch eher gering beschrieben und es könnte sich in vielen Fällen wohl in der Tat um Subsistenzpiraterie und ehemalige Insurgenten handeln. Die lokalen Marinen aber derzeit nicht in der Lage sind, den Raum adäquat abzudecken und zu beherrschen.
    Siehe http://oceansbeyondpiracy.org/sites/default/files/hcop2012forweb.pdf

    Welche militärischen Fähigkeiten würden zur Bekämpfung einer solchen Bedrohung gebraucht?
    – Aufklärung durch Seefernaufklärer und Patrouillenboote.
    – Schnelle Reaktion durch Offshore Patrol Vessel und Inshore Patrol Vessel.
    – Bekämpfung an Land durch Bodentruppen evtl. mit Befähigung zur Geiselbefreiung.

    Wenn also solche militärischen Fähigkeiten gebraucht würden, wäre der Einsatz eines internationalen Verbandes wenig sinnvoll. Zwar könnten hier sinnvoll Fähigkeiten zur Seeraumüberwachung beigestellt werden, aber Inshore und Offshore Patrol Vessels haben die tollen blue water navies weltweit ja kaum, geschweige denn, dass sie sie dort einsetzen wollten (Wenn man sie je zum Laufen bringt, wäre das ja mal ein Job für die K130 der Marine). Bekämpfung an Land würden internationale Truppen wohl auch ungern tun und die dort ja noch vorhandenen Regierungen würden das wohl auch aus Prinzip nicht wollen.
    Sinnvoll wäre also die Erhöhung des Schutzes der zivilen Schifffahrt und Ölplattformen (Hatte Shell da nicht auch bewaffnete Mitarbeiter…) sowie die Zusammenarbeit und Förderung der regionalen Marinen, zumal Nigerias und Ghanas. Der Einsatz internationaler Truppe nähme den Nationalstaaten also eher einen Anreiz ihre Sicherheitsprobleme selbst zu lösen, was mit den durch Bodenschätze gemachten Gewinnen durchaus möglich wäre.
    Von daher sehe ich die Anmerkung von @Markus d.Ä. durchaus als richtig an. Ghanas Marine scheint ja bereits eine klare Absicht zur Übernahme von Verantwortung zu haben und expandiert ja bereits seit einigen Jahren, denn das Problem ist ja auch nicht neu. (siehe http://www.dtic.mil/cgi-bin/GetTRDoc?AD=ADA483559 ) Da partizipiert auch die Firma Lürssen vermutlich durch support für von ihr gefertigte Einheiten in Ghana. Ansonsten scheinen für Ghana und Kamerun einige Einheiten in China gefertigt worden zu sein, aber französische Neufertigungen sind da bislang wenig zu erkennen und Frankreich hat bislang auch kaum Anstalten gemacht, sich bei diesem Problem einzumischen, @Küstengang01. Insofern sich die Gefahrenzone nicht weiter in Richtung anderer SLOC ausweitet, würde ich ohne nähere Kenntnis der Vorgänge, erst mal nicht davon ausgehen, dass sich USA oder FRA aktiv einbringen, sondern es den Reedern und den regionalen Marinen überlassen.

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