Waffenlieferungen an syrische Rebellen: Die CIA ist dabei

FSA Fighter

Etliche deutsche Medien steigen am (heutigen) Montag auf einen Bericht der New York Times vom (gestrigen) Sonntag ein, demzufolge der US-Geheimdienst CIA die Waffenlieferungen aus arabischen Staaten und der Türkei an die syrischen Rebellen unterstützt. Als Fan von Originaltexten verweise ich deshalb hier auf diesen Bericht der NYT:

With help from the C.I.A., Arab governments and Turkey have sharply increased their military aid to Syria’s opposition fighters in recent months, expanding a secret airlift of arms and equipment for the uprising against President Bashar al-Assad, according to air traffic data, interviews with officials in several countries and the accounts of rebel commanders.

Auch wenn es viele vermutlich nicht überraschend wird. Und auch wenn das Waffenembargo der EU gegen Syrien – vorerst? – in Kraft bleibt. Dennoch: da scheint sich etwas zu verschieben.

(Foto: A FSA fighter engaged in a shootout in Aleppo, Nov. 5, 2012 – VOA via Wikimedia Commons)

61 Gedanken zu „Waffenlieferungen an syrische Rebellen: Die CIA ist dabei

  1. Im Nahen Osten ist es ja durchaus nicht unüblich, schockierendes Bildmaterial zu recyclen, in der nicht ganz unbegründeten Erwartung, dass Details insbesondere von westlichen Konsumenten nicht bemerkt werden. Bei der jüngsten Eskalation des Gaza-Konfliktes jubelte eine Nachrichtenseite aus den Vereinigten Arabischen Emiraten furchtbare Bilder von verstümmelten Kindern, die aus Syrien stammten, der Weltpresse als Folgen eines israelischen Luftangriffs unter.

    Die Hamas verbreitete ebenfalls aus Syrien stammendes Bildmaterial. Die Bilder hatten sie auf einer Facebookseite geklaut.

  2. @ Wolfgang
    UN-Bericht vom 15. August 2012: „On the basis of available evidence, the commission has a reasonable basis to believe that the perpetrators of the deliberate killing of civilians, at both the Abdulrazzak and Al-Sayed family locations, were aligned to the Government. It rests this conclusion on its understanding of access to the crime sites, the loyalties of the victims, the security layout in the area including the position of the government’s water authority checkpoint and the consistent testimonies of victims and witnesses with direct knowledge of the events. This conclusion is bolstered by the lack of credible information supporting other possibilities.“

    Sie meinen wohl den Artikel von Rainer Hermann („Eine Auslöschung“, FAZ, 16.06.2012). Dem entgegen stehen u.a. die Berichte im Observer und Spiegel.

  3. @ J.R.

    Es ist schwierig vom Internet aus mit Hilfe von Tante Google Nachforschungen anzustellen über die wahren Ursachen eines Ereignisses, denn in einem Krieg stirbt die Wahrheit immer zuerst. Es gibt m.E. allerdings immer ein recht einfaches Mittel eine Sache abzuschätzen und damit liegt man m.E. meistens richtig. Man muss sich immer nur die Frage stellen: Wem nützt dieses Ereignis? Natürlich kann man auch damit falsch liegen. Aber die Wahrscheinlichkeit zu irren ist deutlich kleiner im Vergleich dazu, dass man einem Reporter irgendwas glaubt, ganz gleich welcher Kaste er angehört. Denn selbst wenn der Reporter grundehrlich ist und absolut überzeugt von dem was er sagt (eigenlich müsste er dann seinen Job verlieren) dann kann er immer noch reingelegt werden.

    Also: Wem nützt das Massaker?

  4. @ Wolfgang
    Klar kann er das. Ich halte Herrn Hermann auch für einen ehrlichen Menschen, der unter Reportern über ein fast schon einzigartiges Wissen zu Syrien verfügt. Trotzdem hat er (meines Wissens) „nur“ aus Damaskus berichtet, während die anderen drei Berichte eben auch vor Ort waren und Augenzeugen befragten.

    Und die Behauptung, dass es die FSA war, die sich erst zu hunderten in den umliegenden Alawiten-Dörfern versteckt, dann nach einem mehrstündigen Bombardement von Houla an einem Regime-Checkpoint sammelt und dann seelenruhig nach Houla marschiert und dort stundenlang wütet, läßt sich halt nicht halten.

    Der „Nutzen“ lag in dem Fall wohl in zweierlei:
    – Regimekritische Demonstrationen abzustrafen, die immer wieder von Houla aus gestartet wurden.
    – Material für neue Gräuel-Propaganda zu schaffen.

    Den UN-Bericht hat es übrigens hier, das Kapitel zu Houla ab Seite 10. Die jeweils aktuellen Berichte gibt es auf der Seite des UNHCR.

    Die sind auch insofern sehr empfehlenswert, dass sie eben unabhängig die Gewalt dokumentieren, und die Häufigkeit, Systematik und Schwere notieren – eben das, was aus einem einzelnen Video oder Bericht nicht hervorgeht. Die Berichte betrachten allerdings nur den jeweiligen Berichtszeitraum – es macht also Sinn, mehrere zu lesen (Zur Gewalt gegen Kinder hat zum Beispiel der Bericht vom 15. August 2012 mehr zu sagen als der vom 05.02.2013).

    Um mal, auch wegen dem Daily-Mail-Foto, ausschnittsweise aus Abschnitt H., Verletzen von Kinderrechten zu zitieren:

    1. Government forces and Shabbiha
    104. The commission recorded the killing of 125 children, mainly boys, after 15 February 2012.
    107. There were reports of the arbitrary arrest and detention of children. Children described having been beaten, whipped with electrical cables, burned with cigarettes and subjected to electrical shocks to the genitals. There were multiple reports of detained minors held in the same cells as adults.

    2. Anti-Government armed groups
    114. Eleven interviewees, including four minors, discussed the use of children by anti-Government armed groups. All stated that anti-Government armed groups, including the FSA, used children in support roles, such as assisting medical evacuations or as couriers. Five interviewees stated that the anti-Government armed groups used children under the age of 18 — and in one account, under 15 — as fighters.
    115. The commission considers that there is currently insufficient information to find that anti-Government armed groups used children under the age of 15 to participate actively in hostilities. It notes with concern, however, the reports that children under 18 are fighting and performing auxiliary roles for anti-Government armed groups.

  5. @ Wolfgang
    (Da mein Browser die ursprüngliche Antwort bei Absenden verschluckt hat, jetzt etwas kürzer.)

    Herr Hermann (den ich durchaus für ehrlich und auch was Syrien und den Nahen Osten angeht für sehr qualifiziert halte) berichtete halt „nur“ aus Damaskus, während die anderen drei Berichte eben vor Ort waren und Zeugen befragen konnten.

    Dass es FSA-Hundertschaften gewesen seien, die in den umliegenden Alawiten-Dörfern untertauchen, sich nach einem mehrstündigen Bombardement Houlas an einem nahen Regime-Checkpoint sammeln und von da an mehrere Stunden von Haus zu Haus gehen und anscheinend gezielt zwei Sippen auslöschen, läßt sich eben nicht halten.

    Der Nutzen?
    – Von Houla gingen immer wieder regimekritische Demonstrationen aus. Am Tag des Massakers war wieder eine vorbereitet worden.
    – Gräuelpropaganda, die man „den Terroristen“ in die Schuhe schieben kann.

    Den Link zum UNHCR-Bericht zu Syrien vom August 2012 hat es hier, das Kapitel zu Houla ab Seite 10 und in Annex IV (mit Karte der Orte der Massaker und der Armee-Posten). Den aktuellen Bericht gibt es jeweils auf der Seite des UNHCR (derzeit vom Februar 2013). Sind insofern sehr empfehlenswert, dass sie nicht nur Einzelfälle abbilden, sondern auch die Häufigkeit, Systematik und Schwere der Vorfälle wiedergeben. Allerdings umfassen die Berichte nur den jeweiligen Berichtszeitraum.

    @ Prediger:
    Zur Gewalt gegen Kinder hat der vom August 2012 ebenfalls mehr zu sagen als der vom Februar 2013 (Kapitel H, Verletzung von Kinderrechten). Ausschnittsweise zitiert:

    1. Government forces and Shabbiha
    104. The commission recorded the killing of 125 children, mainly boys, after 15 February 2012.
    107. There were reports of the arbitrary arrest and detention of children. Children described having been beaten, whipped with electrical cables, burned with cigarettes and subjected to electrical shocks to the genitals. There were multiple reports of detained minors held in the same cells as adults.
    108. The commission received reports of the rape and sexual assault of girls under the age of 18 (see annex VII).

    2. Anti-Government armed groups
    114. Eleven interviewees, including four minors, discussed the use of children by anti-Government armed groups. All stated that anti-Government armed groups, including the FSA, used children in support roles, such as assisting medical evacuations or as couriers. Five interviewees stated that the anti-Government armed groups used children under the age of 18 — and in one account, under 15 — as fighters.
    115. The commission considers that there is currently insufficient information to find that anti-Government armed groups used children under the age of 15 to participate actively in hostilities. It notes with concern, however, the reports that children under 18 are fighting and performing auxiliary roles for anti-Government armed groups.

  6. @ Wolfgang
    (Da mein Browser die ursprüngliche Antwort bei Absenden verschluckt hat, jetzt etwas kürzer.)

    Herr Hermann (den ich durchaus für ehrlich und auch was Syrien und den Nahen Osten angeht für sehr qualifiziert halte) berichtete halt „nur“ aus Damaskus, während die anderen drei Berichte eben vor Ort waren und Zeugen befragen konnten.

    Dass es FSA-Hundertschaften gewesen seien, die in den umliegenden Alawiten-Dörfern untertauchen, sich nach einem mehrstündigen Bombardement Houlas an einem nahen Regime-Checkpoint sammeln und von da an mehrere Stunden von Haus zu Haus gehen und anscheinend gezielt zwei Sippen auslöschen, läßt sich eben nicht halten.

    Der Nutzen?
    – Von Houla gingen immer wieder regimekritische Demonstrationen aus. Für den Tag des Massakers war wieder eine vorbereitet worden.
    – Gräuelpropaganda, die man „den Terroristen“ in die Schuhe schieben kann.

    Den Link zum UNHCR-Bericht zu Syrien vom August 2012 hat es hier, das Kapitel zu Houla ab Seite 10 und in Annex IV (mit Karte der Orte der Massaker und der Armee-Posten). Den aktuellen Bericht gibt es jeweils auf der Seite des UNHCR (derzeit vom Februar 2013). Sind insofern sehr empfehlenswert, dass sie nicht nur Einzelfälle abbilden, sondern auch die Häufigkeit, Systematik und Schwere der Vorfälle wiedergeben. Allerdings umfassen die Berichte nur den jeweiligen Berichtszeitraum.

  7. Für den eiligen Leser sei auch einfach nochmal auf die sehr knackige Zusammenfassung verwiesen.

    The number of foreign fighters has grown, though they remain a small proportion of the armed groups’ ranks.
    […]
    While no distinction is to be made in respect of the gravity of the violations and abuses by pro- and anti-Government forces, the commission notes that the scale of the violations committed by the Government forces and affiliated militia significantly exceeds those of the anti-Government armed groups.

  8. @J.R.

    Bzgl. Ihrer Aulassung „[…]“:

    „As anti-Government armed groups gained control over territory, the commission finds that they committed murder, torture, arbitrary arrest and hostage-taking, all of which may constitute war crimes. Car and suicide bombings, directed at non-military targets, by armed groups spread terror among the civilian population. Anti-Government armed groups continue to conduct their operations from within densely populated towns and villages, endangering remaining civilians.“

    Nur der Vollständigkeit halber.

  9. Ich wäre dankbar, wenn wir jetzt hier nicht in den Wettstreit einträten, ob nun die syrischen Regierungstruppen oder die Rebellen die Böseren sind…

  10. Ich hatte keinen Wettstreit vor, ich halte eine solche Aussage für derzeit nicht formulierbar. Dazu ist die Situation einfach zu unklar.

    Wie gesagt: In einem Krieg stirbt zu allerest die Wahrheit.

  11. In den USA wurde jetzt ein Mann verhaftet und angeklagt, der von 2000 bis 2003 in der US Army diente. Ihm wird vorgeworfen, sich der der »Nusrah Front« (auch bekannt unter dem Namen »al Qaeda in Iraq«) angeschlossen und sich am Kampf gegen Assad beteiligt zu haben. In einer Pressemitteilung des FBI heißt es:

    Eric Harroun, 30, of Phoenix, was arrested and charged with conspiring to use a rocket propelled grenade (RPG) while fighting with the al Nusrah Front, an organization commonly referred to as “al Qaeda in Iraq” and designated as a foreign terrorist organization since October 2004.

    […]

    According to an affidavit filed in support of the criminal complaint, Harroun allegedly crossed into Syria in January 2013 and fought with members of the al Nusrah Front against the Bashar al Assad regime in Syria. The affidavit alleges that Harroun was trained to use an RPG by members of the terrorist organization and that he fired an RPG and posted online multiple photographs of himself carrying or posing with RPGs and other military weapons. Harroun allegedly participated in attacks led by the al Nusrah Front and was part of an RPG team, for which he carried anti-personnel and anti-armor rockets.

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