Blick nach Afrika: Mali, Zentralafrikanische Republik

Ein Blick nach Afrika scheint wieder nötig, weil es hierzulande kaum noch Aufmerksamkeit findet: Der Krieg in Mali ist noch lange nicht beendet. In der Zentralfrikanischen Republik, einer weiteren früheren franzöischen Kolonie, gab es einen Putsch. Als Merkposten:

In Gao in Mali gab es am Wochenende erneut Angriffe von islamistischen Rebellen – auffällig daran: In der Region sind die französischen Truppen zusammen mit Soldaten aus Mali und anderen westafrikanischen Staaten weiterhin damit beschäftigt, diese Rebellen aufzuspüren. (Nachtrag: Die Auseinandersetzungen hielten am Sonntag an, es gab mindestens sechs Tote.)

Und in der unzugänglichen Gebirgsregion Adrar des Ifoghas setzen die Franzosen ihr Vorgehen gegen diese Gruppierungen fort – dabei entdecken sie Vorräte auch schwerer Waffen:

In der Zentralfrikanischen Republik schwelt seit Monaten eine Revolte, die heute in einem offenen Putsch mündete – die Rebellen haben offensichtlich die Hauptstadt Bangui eingenommen, und inzwischen soll es auch einen neuen Präsidenten geben. Im Blickpunkt der Weltöffentlichkeit ist dieser Putsch allerdings viel weniger als die Lage in Mali – es geht ja nicht um Islamisten, die dort die Macht ergriffen haben. Frankreich hat allerdings vorsorglich – zum Schutz seiner Interessen, unter anderem der Botschaft – 300 Soldaten dorthin verlegt.

Nachtrag: Eine BBC-Reportage über die französischen Truppen in Mali: French fight in Mali’s hostile desert, vor allem aber hier zum Anhören (ist ja Radio). Und Video gibt es auch.

33 Kommentare zu „Blick nach Afrika: Mali, Zentralafrikanische Republik“

  • politisch inkorrekt   |   24. März 2013 - 22:30

    Imperiale Überdehnung.

    pi

  • Roman   |   24. März 2013 - 23:06

    Na militärisch bestimmt nicht. Eher finanziell. Dies allerdings auch nur aus Gutmenschentum. Richtige Imperien würden die unproduktiven Elemente ihrer Gesellschaft nicht durchfüttern und mit Geld ruhigstellen sondern produktiv einsetzen. Spätestens seit den Römern weiß man doch, das Brot und Spiele auf Dauer zu teuer sind.

  • Elahan   |   24. März 2013 - 23:20

    @Roman
    Was sind richtige Imperien?
    Was sind unproduktiven Elemente?
    Was verstehen sie unter produktiv einsetzen?
    Was hat das mit dem Thread zu tun?

  • T.Wiegold   |   24. März 2013 - 23:35

    Die Halbwertzeiten bis zum OT scheinen auch immer kürzer zu werden… Muss nicht sein, oder?

  • J.R.   |   24. März 2013 - 23:36

    Es ist in der Tat schon etwas bizarr, wie „der Westen“ dem Schlagwort „Islamisten“ hinterherhechelt, und alles andere desinteressiert links liegen läßt.

    Sieht man ja auch an Mali, wo man sich 15 Jahre lang für den – für Malier – recht offentsichtlichen Niedergang der Demokratie nicht interessiert hat. Auch das Tuareg-Problem (auch bestärkt, indem Frankreich diese „Minderheit einer Minderheit“ besonders gehätschelt hat) fand kein Interesse.

    Und wenn man sich jetzt die deutschen Pläne für Mali anschaut, dann ist das wieder Kosmetik: möglichst schnelle Wahlen und ein paar BW-Ausbilder. Auch wenn sich eigentlich alle einig sind, dass das nix bringt.

  • Stefan   |   25. März 2013 - 2:20

    Militärisch reinschlagen hat auch noch nie etwas gebracht, außer weitere Probleme. Die Menschen kann man durch Militäreinsätze und andere Unterdrückungsmaßnahmen in den Köpfen nicht verändern. Man kann nur unerwünschte Entwicklungen mit unvertretbar hohem Aufwand eine begrenzte Zeit unterdrücken. Letztendlich hat sich noch immer der mehrheitliche Volkswille durchgesetzt. Kolonialgebiete erhielten ihre Unabhängigkeit, weil die Kolonialherren diese nicht mehr halten konnten. Darum gibt es im Völkerrecht auch das Selbstbestimmungsrecht der Völker und das Prinzip der Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten. Darum halte ich die zurückhaltende deutsche Politik für klug und richtig. Hilfe zur Selbsthilfe. Mehr nicht. Am deutschen Wesen soll die Welt nicht genesen.

  • Elahan   |   25. März 2013 - 8:03

    @Stefan
    Zustimmung!

    Wenn DEU dies ernst nehmen würde –

    „…Selbstbestimmungsrecht der Völker und das Prinzip der Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten…
    + Hilfe zur Selbsthilfe“

    – dann hätten wir genügend zu tun und es wäre im Interesse eines langfristigen Friedens!

    Nur das wäre ja nicht bündnistreu, denn da bestehen andere Interessen!

  • w.schmid   |   25. März 2013 - 9:23

    In der FAZ wird schön beschrieben, wie die Personenschützerkohorte Niebel nicht beschützen darf – angeblich weil es zu gefährlich war – und er deshlab ohne sie fliegt. Wahrscheinlich wollte man nur keine Pressefotos von soldatenähnlichen deutschen Truppen in Timbuktu liefern…

  • Auchmal   |   25. März 2013 - 9:56

    Mal nicht OT:

    Auch die Südafrikaner hatten zusätzliche Truppen eingeflogen. Weiß jemand den Status, sitzen die Franzosen und Südafrikaner jetzt am Flughafen?

  • J.R.   |   25. März 2013 - 10:15

    @ Stefan
    Militärisch reinschlagen hat auch noch nie etwas gebracht, außer weitere Probleme.

    Stimmt so nicht. Aber es kann halt nur Angriffe abwähren, und eben keine Konflikte lösen.

    An der Stelle könnte man darauf verweisen, dass sowohl das Aufhalten des islamistischen Vormarschs auf die Hauptstadt, als auch der Einmarsch der Franzosen in Timbuktu vom mehrheitlichen Volkswillen bejubelt wurden.

    Nur löst das die Kernprobleme des Landes nicht: Eine Facaden-Demokratie, bei der in einem Putsch einfach die Akteure ausgetauscht wurden, aber sich an den korrupten Strukturen nichts ändert. (Wie gesagt, der Bericht „Die Krise in Mali: Demokratie für wen? Krieg gegen wen?“ legt das gut dar) Dabei gab es durchaus malinesische Bemühungen weg vom Zentralstaat, hin zu regional verantwortlichen Strukturen, auch bei der Konfliktlösung. Sind nur im Sand verlaufen, und im Westen hat’s keiner mitbekommen. (Oder wollte es nicht mitbekommen, weil sich mit vom Volk entrückten Zentralregierungen eben besser Geschäfte machen lassen.)

    Ein anderer wesentlicher Knackpunkt ist die im Ausland oft romantisch verbrämte Tuareg-Minderheit, die von Frankreich hofiert wird (siehe „Tuareg: Falsch verbunden“ in der Zeit), anscheinend zum Neid der anderen Malinesen mit Abstand am meisten Entwicklungshilfe erhalten hat (bisher um 15 Mrd.?) und deren selbsternannte Repräsentanten trotzdem immer wieder versuchten durch Gewalt Sonderkonditionen zu erpressen. Dass die MNLA wegen Plünderungen und organisiertem Verbrechen bei der Bevölkerung im Norden (die ja nichtmal mehrheitlich Tuareg ist) nicht gerade gut gelitten ist, ist ja eine der Ursachen, dass die Islamisten als moralischere Altenative so schnell so stark werden konnte.

    Aber insgesamt sind die Islamisten halt nur das letzte einer ganzen Reihe von Problemen, die es zu lösen gibt. Was die Malinesen durchaus als ihre Aufgabe ansehen, auch wenn sie über Ünterstztung sehr dankbar wären. Stattdessen hält das Ausland aber (aus Eigeninteressen oder Bequemlichkeit) an den korrupten Akteueren einer Facaden-Demokratie fest, anstatt mit den Malinesen Strukturreformen voranzubringen.

    @w.schmid
    Der Niebel-Stunt dürfte wohl eher ein Fall davon sein, dass die Experten eben wissen was sie leisten können und was nicht, und der Herr Minister die Ratschläge seiner Untergegebenen wegen etwas Publicity mal wieder forsch ignoriert. Hat bei ihm ja System. (Und im Ernst: Andernfalls wäre über Herrn Niebels Meet-n-Greet-Tour wohl kaum berichtet worden.)

    Aber Niebels Plan für Mali ist ja eh so schnell wie möglich Wahlen durchzuführen, und dann mit irgendeiner Regierung munter weiterzuklüngeln. Die eigentlichen Probleme im Land scheinen den Mann sowas von nicht zu interessieren, dass es schon weh tut.

  • Tom   |   25. März 2013 - 10:24

    @ w.schmid | 25. März 2013 – 9:23

    Böse Fotos von „soldatenähnlichen deutschen Truppen in Timbuktu“ hätte es wegen der Reisezielverschiebung eh nicht gegeben. Aber im friedlichen Bamako wirken sie auch extrem deplatziert – dennoch sind solche Bilder irgendwie nicht auf Seite 1 gelandet. Das wäre bei Mopti (wo die Luftwaffe doch angeblich seit Langem hinfliegt ?) ebenso gewesen.

    Nee, da hat wohl wirklich die Bürokratie zugeschlagen. Wer bestimmte Gebiete in bestimmte Gefährdungsklassen einsortiert und dafür bestimmte Schutzmaßnahmen zwingend vorsieht, der muss damit leben, wenn der unterstellte Apparat eine Undurchführbarkeit des Ausfluges unter diesen Rahmenbedingungen meldet.
    Das hat -ganz ohne Kritik oder Ironie- auch was mit Fürsorge für die eingesetzten Kräfte und die Planer zu tun.
    Und überstimmt hat den Entscheider des BKA auch niemand – obwohl da in der Kette noch deutlich Luft nach oben war.

  • Ghost Bear   |   25. März 2013 - 12:43

    @ Stefan
    Militärisch reinschlagen hat auch noch nie etwas gebracht, außer weitere Probleme.

    Selten so einen Nonsens gelesen. Die überwiegende Anzahl aller zwischenmenschlichen/zwischen-gesellschaftlichen Probleme wurden in der Geschichte der Menschheit mit, bzw. durch Gewalt gelöst und zwar oft mit „nachhaltigem“ Erfolg.

    Bitte nicht falsch verstehen, ich beurteile damit nicht ob dieser Ansatz moralisch oder ethisch i.O. ist oder nicht. Aber die die schlichte Aussage „Gewalt löst keine Probleme“ ist falsch.
    Es bleibt abzuwarten ob die Erfindung des Friedens, m.E. nach ein wesentliches Ergebnis des Kapitalismus, bestand haben wird. Anscheinend sehen das die Entscheider ähnlich, denn sonst könnte man Mrd. Militärausgaben einsparen.

  • TBR   |   25. März 2013 - 13:30

    Die Franzosen hielten und halten sich in der ZAR sehr zurück und schützen nur die eigenen Landsleute ohne Bozize’s Regierung zu unterstützen. Da mag auch ein langes Gedächtnis eine Rolle spielen. Bozize „verdiente“ sich als Hauptmann seine Beförderung zum General indem er einen französischen Unteroffizier, der den damaligen „Kaiser“ Zentralafrikas angeblich beliedigt hatte, ohrfeigte. Ohne diese bewusste Demütigung Frankreichs wäre Bozize also nie, oder jedenfalls nicht so schnell, in der Position gewesen selbst durch einen Putsch die Macht zu übernehmen. In Bozize’s Biographie „glänzen“ darüber hinaus, anders als bei anderen von Frankreich unterstützten afrikanischen Führungspersönlichkeiten, ENA und SciencesPo mit Abwesenheit.

  • Interessierter   |   25. März 2013 - 13:55

    @Stefan, @GhostBear, @all

    Dazu empfehle ich die Rede von Generalmajor (a.D.) Christian Trull änlässlich der Übergabe „seiner“ 14. PzGrenDiv :

    http://www.alles-fuer-den-offizier.de/index.php?option=com_content&view=article&id=187:divisionsuebergabe-gen-trull&catid=43:aktuell

    Auszug zum Thema Gewalt:

    „…Uns verbindet das schwere Wissen, das die Menschheit und die Menschlichkeit geschändet werden können, und das Geschehen oder Nichtgeschehen dieser Schändung von Gewalt abhängen kann; von der Gewalt des Guten zwar, aber doch von der Gewalt mit der es verhindert werden kann….“

    Man kann zu dem Mann stehen wie man will, aber er spricht viel Wahres im Rahmen dieses Appells… Gerne würde ich IHN mal mit TdM zum Thema „Dienst am Vaterland“ diskutieren sehen…

    Diese Rede ist überragend Zeitlos, die Übergabe war mWn im Jahre 2005 und vieles was er sagt hat 8 Jahre später mehr Gültigkeit denn je.

  • J.R.   |   25. März 2013 - 14:22

    @ Ghostbear
    Ich hab mit den Posts von Stefan ja auch so meine Probleme, aber hier lehnen sie sich grade in die andere Richtung aus dem Fenster.

    „Gewalt erzeugt Gegengewalt“ ist jetzt nicht gerade ein neues Phänomen, und auch in Mali kann man das diesen Zyklus beobachten. Und da wird sich mit Gewalt auch nichts „lösen“ lassen.

    Das Gegenstück zur Gewalt ist entsprechend auch die Zivilisierung, nicht der Kapitalismus. Der ist nämlich ein reiner Marktmechanismus, und hat mit Konflikten, Ungerechtigkeit und Unfreiheit so gar kein Problem. Tatsächlich ist der Raubtierkapitalismus eins der Probleme Malis, wie auch vieler anderer schwacher und korrupter Staaten. Gerade der Goldabbau in Mali ist da ein anschauliches Beispiel für: Das meiste Geld fließt ins Ausland, ein geringer Anteil geht an die korrupte Regierung, und die Bevölkerung vor Ort bleibt auf den Schäden sitzen.

    @ Interessierter
    Ist halt mal wieder nur Gefahrenabwehr, nix Konfliktvorsorge. Und dass Konflikte unvorhersehbar plötzlich aus dem nichts auftauchen ist auch ne steile These des Herrn Trull.
    (Und ja, ohne vernünftige Konfliktprävention kann man sich das Geld für die Gefahrenabwehr eigentlich auch gleich schenken.)

  • Interessierter   |   25. März 2013 - 14:54

    @J.R. @ Stefan

    Wenn ich Ihrer beiden Thesen konsequent bis zum Ende folge, hätten also die Westmächte NICHT MILITÄRISCH (!!) in Hitlers Eroberungspolitik und Völkermord eingreifen sollen, verstehe ich Sie da richtig?

    Zur Causa Trull:

    Ich denke er bezieht sich bei seiner These zu „unvorhersehbaren Konflikten“ auf die von Ihm (im Zusammenhang mit der Auflösung von Heeresverbänden und dem damit verbundenen Kompetenzverlust) angesprochene Dekade. Das ist zumindest der Subtext der für MICH dabei mitschwingt. Auch Trull wird verstanden haben, das nicht morgen der Iwan mit den MotSchützen-Divisionen an der Grenze steht… Aber es scheint schwer bis unmöglich die vor uns liegenden Konfliktherde in 5-10 Jahren vorauszusagen.

    Auch ihr Argument Konfliktprävention und Gefahrenabwehr in den gleichen Topf zu schmeißen, finde ich mindestens ebenso gewagt… Anders gesprochen: Wenn ich keine Einbruchsicherung an meinem Haus habe (Prävention) kann man auch die Polizei (Gefahrenabwehr) abschaffen?

    Konfliktprävention funktioniert bei den meisten „Konfliktverursachern“ nur mit dem Aufbau einer entsprechenden Drohkulise. Bestandteil dieser Drohkulisse ist (nicht ausschließlich, aber doch elementar) eben auch der (durchsetzungsstarke) militärische Anteil.

  • J.R.   |   25. März 2013 - 15:32

    @ Interessierter
    Wenn ich Ihrer beiden Thesen konsequent bis zum Ende folge, hätten also die Westmächte NICHT MILITÄRISCH (!!) in Hitlers Eroberungspolitik und Völkermord eingreifen sollen, verstehe ich Sie da richtig?

    Nein, tun Sie nicht. ;)

    Hätte es nach dem Krieg von 1871 oder nach dem ersten Weltkrieg eine vernünftige Friedenspoltik gegeben, dann wäre es gar nicht erst zu einem zweiten Weltkrieg gekommen. Und humaner und wirtschaftlicher wäre das auch gewesen.

    Das seh ich an der Stelle übrigens recht pragmatisch: Konfliktprävention ist das, was wirtschaftlich und nachhaltig Ergebnisse liefert.

    Mit erfolgreicher Konfliktprävention wird die Gefahrenabwehr vielleicht gar nicht nötig. Umgekehrt ist aber selbst erfolgreiche Gefahrenabwehr auf einen zivilen Prozess angewiesen, sonst geht die Chose wieder von vorne los.

    Daraus ergibt sich fast von selbst die eigentlich nötige Schwerpunktsetzung. Das heißt nichtmal, das Gefahrenabwehr überflüssig ist – Menschen sind eben fehlbar, und die Einflussmöglichkeiten ausländischer Akteure sind endlich. Und in der Praxis läßt sich nicht alles deeskalieren. (Ganz davon ab, dass Abschreckung gerade gegen Diktatoren eben doch wirken kann. Eigentlich bräuchte es hier sogar einen glaubwürdigen Kriegsautomatismus: Bring dein Volk um, und du stirbst. Aber selbst in Diktaturen sind die Machtverhältnisse meist komplizierter als das.)

    Aber ohne die zivile Komponente bleibt der Einsatz von Militär ein zahnloses Instrument, das keine Ergebnisse liefern kann.

    Wenn ich keine Einbruchsicherung an meinem Haus habe (Prävention) kann man auch die Polizei (Gefahrenabwehr) abschaffen?

    Der Vergleich hinkt: Wenn sie keinen Rechtsstaat haben und keine Gerechtigkeit, dann wird die Polizei zum Erfüllungsgehilfen einer einflußreichen Elite. Und das ist doch eins der Dilemmeta in Mali: Weder FDR, noch COPAM, noch MNLA repräsentieren „das Volk“.

    Dabei ist Mali auf regionaler Ebene nichtmal ohne demokratische Institutionen, nur reicht das eben nicht bis auf die Ebene der nationalen Regierung hinauf.

    Und um beim Beispiel Mali zu bleiben: Wem wollen Sie denn da womit drohen? Das Problem in Mali sind verkorkste staatliche Strukturen und über Jahre angestaute Ressentiments zwischen Bevölkerungsgruppen. (Und gerade „die Tuareg“ – jene Gruppe, die sich mit Waffengewalt Sonderkonditionen erpresst hat und die letzte Eskalation angestieß – wird von den Franzosen protegiert.)

  • BausC   |   25. März 2013 - 16:31

    Gewalt als ein Teil der politischen Auseinandersetzung gilt in Deutschland offensichtlich als abgeschafft. Wenn wir allerdings in andere Bereiche der Welt schauen, ist sie Gang und Gebe. Schnappatmung, keine Kampftruppen ist häufig die erste Reaktion. Natürlich kann man mit dem moralischen Zeigefinger auf andere zeigen. Seht her, wir haben nach dem Schlimmsten was Menschen tun können den nächsten Schritt in der Evolution getan. Nur interessiert das Niemanden. Das Argument, Soldaten alleine können keine friedlichen Strukturen schaffen, stimmt. Das behauptet aber auch kein Soldat. Die Aufgabe der Soldaten ist insofern die kriegerische Auseinandersetzung, sprich der Kampf. Aber selbst dann spielt Winning Heards And Minds eine wichtige Rolle in der taktischen Ausrichtung. Die Armee kann dann aber nicht mehr leisten. Dazu müste Justiz und Verwaltung massiv unterstützt werden sowie wirtschaftliche Hilfe die Industrie aufbauen bzw. stärken, falls das überhaupt gewünscht ist. Nur per Order de Mufti bekommt man, in gewünschten Stärken, nur Soldaten in ein anderes Land. Selbigen dann aber vorzuwerfen Gewalt erzeugt Gegengewalt halte ich für sehr zynisch. Was wäre denn in Mali ohne Eingriff der Franzosen passiert? Ein Land welches in Frieden und Freundschaft mit sich und seinen Nachbarn lebt, ganz sicher nicht. Soldaten haben ihre Aufgaben und Zivilisten ebenso. Nur gemeinsam hat aber die Befriedung eines Landes Aussicht auf Erfolg oder man läßt es gleich.

  • Elahan   |   25. März 2013 - 16:41

    @Interessierter

    „Wenn ich Ihrer beiden Thesen konsequent bis zum Ende folge, hätten also die Westmächte NICHT MILITÄRISCH (!!) in Hitlers Eroberungspolitik und Völkermord eingreifen sollen, verstehe ich Sie da richtig?“

    Alle Historiker sind sich einig, dass die Westmächte nicht in den Krieg gezogen sind um den Völkermord zu beenden!

    Gerade um den Völkermord zu beenden, hätte es viele Möglichkeiten gegeben!
    Aber dies wollte man weder in Kanada, USA, Australien, UdSSR, Türkei, FR, UK uvm, denn überall dort, warman gerade eifrig dabei, oder hatte es schon hinter sich!
    Die Vernichtungslager, Gulags oder andere Todeslager waren eher selten Ziel von Befreingsarmeen!

  • Georg   |   25. März 2013 - 16:46

    @ Elahan, @ Interessierter

    Und die Bahngleise nach Auschwitz sind von den Engländern und den Amerikanern auch nicht bombardiert worden, obwohl den Engländern relativ frühzeitig bekannt war, was in Auschwitz passiert !

  • markus, d.Ä.   |   25. März 2013 - 17:40

    dear mr godwin …

  • T.Wiegold   |   25. März 2013 - 18:20

    yep, kann Markus d.Ä. nur beipflichten… Dieser Thread hat sich ziemlich ins OT-Nirwana verabschiedet. Denke, nun ist gut, oder?

  • T.Wiegold   |   25. März 2013 - 18:33

    @ all

    Um auf den Thread zurückzukommen: Empfehle sehr die oben als Nachtrag verlinkte BBC-Radioreportage zum Anhören.

  • Hans   |   25. März 2013 - 19:22

    @TW

    Naja wenn man es als Debatte über Konfliktprävention auffasst ist es gar kein soo großer OT. Auch wenn hier nicht immer der 2.WK hervorgeholt werden muss, es gibt genug Beispiele…

    Wo wir schon in Mali engagiert sind wäre es zB wichtig das Informationsumfeld zu beeinflussen. Keiner weiß ob wir dauerhaft Erfolg haben. Wenn aber zB die afg Helfer, Dolmetscher der ISAF / BW zurückgelassen und massakriert wird könnte das große Auswirkungen auf die malische Bevölkerung haben, die Bereitschaft zu kooperieren.
    Nochmal ein WK2 Vergleich: Auch die Wehrmacht wurde beim Einmarsch in Russland mit Brot und Salz empfangen, vor allem in nichtrussischen Sowjetstaaten. Die nachfolgenden Einsatzgruppen und auch das spätere Verhalten der Wehrmacht machten aus Stalins Feinden entschlossene Partisanen.
    FRA wurde auch mit Jubel empfangen, ebenso deutsche Soldaten in AFG Dörfern tendenziell begrüßt wurden. Wenn jedoch Taliban und in Mali Rebellen nachts einsickern und ihr Rechtssystem durchsetzen, wird es wieder nix mit „winning hearts and minds“…

  • Hans   |   25. März 2013 - 19:28

    Zum Video: Man sieht hier deutlich dass in den Konflikten Hubschrauber dringend benötigt werden, und 2 und 2 in Reserve reichen bei weitem nicht. Auch Staffelstärke ist da das Minimum für einzelne Nationen / Einsatzgebiete. Die 82 NH90 werden da wieder nicht reichen, und anderen Nationen geht es nicht besser. Die USA ziehen sich eher in Richtung Pazifik zurück und wir können beim nächsten Konflikt nicht auf eine US Combat Aviation Brigade vertrauen. Afrika ist das vorrangige Ziel der EU, v.a. EUBG!
    Und die Franzosen zeigen dass es sehr wohl möglich ist mit älterem Material Krieg zu führen. Nur muss man eine gewisse Masse haben und die wird uns immer mehr fehlen. AFG hatte viel zu viele weiße Flecken und die Folgen zeigen sich jetzt auch in Faizabad.

  • Elahan   |   25. März 2013 - 19:57

    @T.W.

    Das mili Eingreifen der Bw wir seit Jugoslawien immer mit dem Argument geführt, eine „humanitäre Intervention“ sei notwendig um Frieden zu schaffen (siehe auch Hufeisenplan)!
    Gerade für die Grünen und für viele SPD Abgeordneten ist dies die Hauptmotivation für die Mandatierung der Truppe. Die „Goldene Regel“ der Nichteinmischung in innere Angelegenheiten anderer Staaten wird ständig gebrochen! Das Muster wie es zur Intervention kommt ist ähnlich! Entweder ruft eine scheinbar vom Volk legitimierte Regierung andere Staaten zur Hilfe, um mit Militär robuste Polizeiaufgaben zu unternehmen, oder Aufständische rufen um Hilfe, zum Sturtz von Regierungen, welche zuvor noch von den zur Hilfe kommenden Staaten anerkannt waren!

    Wenn dieses ewige Argument für Militäreinsätze kommt, kann es nicht unwidersprochen bleiben, gerade wenn es um den Ruf nach deutschen Truppen geht!

    J.R. Hatte in diesem Zusammenhang zurecht auf Mali verwiesen, dass auf seine sachlichen Argumente wieder jemand mit alten Rflexen reagiert ist leider bei der Konfliktlösung in Afrika und im „Mittleren Osten“ sehr oft der Fall und treibt uns vermehrt in Konflikte dieser Art, ohne sie zu lösen! Ja und es hat leider mit unserer Geschichte zu tun!

    Warum ist DEU mit einem Tanker im Malieinsatz und hilft dieser Tankereinsatz den Konflikt in Mali zu lösen?

    Sollte DEU sich in Afrika noch stärker mit militärischem Einsatz engagieren?

    Welche Interessen hat DEU in der Zentralafrikanischen Republik?

    Dies sind keine rhetorische Fragen!

  • huey   |   26. März 2013 - 23:24

    Zum Thema „Niebel und Sicherheitskräfte“ nur eins:

    Dieses ganze Thema „Sicherheit“ hat sich so weit aufgebauscht, das man-wenn es nach dem Willen der (Security)-Ops Zentrale geht, überhaupt keine Bewegungen mehr durchführen würde…

    Zum Thema Mali an sich:
    Ich habe ja beruflich u.a. auch in dieser Gegend zu tun.
    Die Touareg sind und bleiben ein „Haufen“ Nomaden, die für sich immer noch in Anspruch nehmen, „Gesetze“ und „eigene Rechtsnormen“ zu verfolgen, die seit Jahrhunderten nicht mehr aktuell sind…
    Zudem gehören sie zu einer Minderheit-und diese haben es in dieser Welt schon immer verstanden, sich gegen den Willen und die Vernunft der Mehrheit durchzusetzen (siehe dazu auch die aktuellen Diskussionen zum Thema „Homo-Ehe“)…

    Der Artikel in der FAZ ist (wenn es der Artikel ist, den ich gelesen habe) von einem Herrn geschrieben, der schon seit Jahrzehnten im „sicheren“ Westen lebt-und dort alle Freiheiten und Vorzüge der westlichen (demokratischen) Gesellschaft genießt..

    Und dieser jemand will uns ernsthaft glaubhaft machen, das er „seine“ Gesellschaft so stark vermisst, das er es in den letzten 20 Jahren nicht EINMAL fertiggebracht hat, SEINE „Heimat“ zu besuchen?

    Mali ist-wie fast alle Staaten in Afrika-ein Pulverfass, dessen Deckel man besser nicht lüftet.

    Die Staaten sollen ihre Probleme dort selbst lösen-und nur dann, wenn sie um Hilfe (von aussen) bitten, sollte man darüber nachdenken, wie man diese gewähren könnte…

  • Memoria   |   27. März 2013 - 20:37

    Laut FAZ.net befürwortet Ban Ki-Moon eine UN-unterstützte Mission in Mali unter franz. Führung.
    Offenbar merkt man in Paris nun, dass es so einfach wie gedacht nicht wird.
    Bleibt zu hoffen, dass wir uns nicht reinziehen lassen.

  • Memoria   |   27. März 2013 - 20:46

    Nachtrag:
    Bericht bei BBC: http://www.bbc.co.uk/news/world-africa-21952036
    Ein Kampfeinsatz – mal schauen wie europäisch der sein soll und wird.
    Mal warten was Westerwelle dazu sagt… :-)

  • T.Wiegold   |   27. März 2013 - 21:15

    @Memoria

    Yep, schreit wieder nach einem Mali-Roundup. Ich glaube aber, eher morgen ;-)

  • Memoria   |   27. März 2013 - 21:33

    T.W.:
    Ich wollt keine abendliche Hektik verbreiten.
    Anscheinend will man neben AFISMA eine „robuste“ Truppe haben. Erinnert an ISAF und OEF.

  • Hans   |   28. März 2013 - 0:12

    @Memoria

    Wir brauchen doch nach 2014 ein neues Betätigungsfeld. Wo wir die BW schon auf den Einsatz ausrichten…
    Immerhin ist Mali dann in Reichweite der A400m und wir sparen uns die Antonows ;)