Britische Hilfe für Franzosen in Mali: Stärkung der Achse Paris-London

Als Folge der französischen Intervention in Mali und der Unterstützung anderer Staaten für die französischen Streitkräfte dürften sich langfristig ein paar Fragen für die gemeinsame europäische Verteidigungs- und Sicherheitspolitik stellen. Nicht zuletzt die, ob die demonstrative Unterstützung der Briten, wenn auch ohne Kampftruppen, auf der einen und die scheinbare und auch ein wenig demonstrative Nicht-Unterstützung Deutschlands auf der anderen Seite die europäischen Gewichte in dieser gemeinsamen europäischen Aufgabe neu justiert.

Aus britischer Sicht ist das recht eindeutig: Die Transporthilfe der Royal Air Force wird als weitere Stärkung der im Lancaster House Agreement 2010 vereinbarten engeren britisch-französischen Zusammenarbeit gesehen. Das machte das britische Militär in einer heute Anfang Februar veröffentlichten Pressemitteilung deutlich, in der es nur vordergründig allein um die logistische Hilfe geht:

The Royal Air Force logistical operation in support of French forces in Mali will provide real benefits to future joint operations according to a senior RAF Officer.
As the Air Command Liaison Officer to the French Air Force Operational Headquarters, Wing Commander Simon Bellamy is well placed to comment on how the current support operation is improving the relationship between the RAF and French Air Force.
“Exercising air logistics aspects is always inherently difficult and so the contribution we’re making to the French Operation Serval not only reinforces our co-operation with a strategic partner, it also undoubtedly accelerates our objectives particularly in the logistics domain as part of the development of the Joint Expeditionary Force.” (…)
„Since the Treaty was signed our co-operation has been steadily increasing such that, for me personally and for my colleagues, it as familiar now to work with the French Forces as it has in the past been to work with the US Forces, our efforts are completely complimentary.”
„Yes there are differences but ultimately our operational outputs are the same. I find the French incredibly professional, very operationally focussed and importantly able to compromise so that we can work in a co-operative manner. There are more similarities than differences now. Our co-operation has reached a level such that we understand just how each Air Force functions day to day. This operation will reinforce those incredibly strong links at every level.”

Die Joint Expeditionary Force ist Teil der Vereinbarungen, die der damalige französische Präsident Nicolas Sarkozy und  der britische Premierminister David Cameron abgeschlossen haben. Und mit vergleichsweise kleinen Aktionen schaffen es beide Länder, die Wahrnehmung einer engen militärischen Kooperation zu verstärken: Zum Beispiel mit der Stationierung eines britischen Lynx-Hubschraubers auf einer französischen Fregatte im EU-Antipiraterieeinsatz Atalanta.

Nun ist es ja nicht so, dass Deutschland gar nichts täte – der Lufttransport für ECOWAS-Truppen oder die angekündigte Hilfe bei der Luftbetankung (wenn auch voraussichtlich mit maximal einem Tankflugzeug, nach dem Zertifizierung und Bundestagsmandat vorliegen) sind unterm Strich vielleicht sogar gar nicht so viel weniger als die Unterstützung anderer Staaten. Allerdings hat es die Bundesregierung geschafft, bei gleichzeitiger politischer Zustimmung zur französischen Intervention innen- wie außenpolitisch den Eindruck zu erwecken, dass es möglichst keine Unterstützung französischer Truppen geben dürfe. Vor allem in der EU wird für die Bewertung des deutschen Verhaltens gelten: Die Wahrnehmung ist die Realität.

(Foto: Senior Aircraftman William Wambiru (right) of 63 Squadron, RAF Regiment stands guard with a member of the French Air Force’s Fusiliers Commandos de l’Air at Bamako Airport, Mali – Crown Copyright 2013/defenceimages.mod.uk unter MoD News Licence)

60 Kommentare zu „Britische Hilfe für Franzosen in Mali: Stärkung der Achse Paris-London“

  • zog   |   06. Februar 2013 - 21:12

    Nun, das Ausländerrecht wird durchaus genutzt. Durfte zuletzt der Herr Mahmud erfahren, oder nicht?

  • J.R.   |   06. Februar 2013 - 21:20

    @ Niklas
    Die gleichen Leute hier auf Urlaub, im Ausland jagen Europäer und Amerikaner hinter ihnen her.

    Gibt’s dafür auch Belege?

    Nebenbei, um mal wieder meinen Lieblingsaustralier zu zitieren: „Kurzum, es macht mehr Sinn, Europas muslimische Gemeinschaften als Ziel von Terroristen-gesteuerter Subversion/Unterwanderung (terrorist-sponsored subversion), denn als Gefahrenquelle für die europäische oder globale Gesellschaft im ganzen.“ (ISBN 0195368347, p. 251)

    Scheint bei unserem Innenminister Friedrich allerdings noch nicht ganz angekommen zu sein.

  • zog   |   06. Februar 2013 - 21:28

    @J.R. : Nun ja, dass das Schreckgespenst Islamismus in den letzten Jahren die Sau gewesen ist, die man immer wieder durchs Dorf treiben kann, ist doch klar. Es eignet sich doch auch wunderbar dafür. Wo sonst bekommt man ein solch bereitwilliges Feindbild her? Dagegen sind doch kahlrasierte Proleten oder Kriminelle oder Motorrädern was für das Sommerloch.

  • wacaffe   |   06. Februar 2013 - 21:29

    Wo kam der Attentäter in Ankara noch mal her?

    Den Angehörigen der MAdrid/ und London Anschläge können sie das mit dem Schreckgespenst ja nochmal persönlich erläutern. Wahrscheinlich sind selbige an psychosomatischer Islamophobie gestorben.

  • zog   |   06. Februar 2013 - 21:40

    Sie meinen das Mitglied der linksextremen DHKP-C?

    Spanien und Großbritannien sind nicht Deutschland. Wie Sie an den beiden anderen Beispielen erkennen können, habe ich nicht argumentiert, dass von diesen Gruppierungen/Bewegungen keine Gefahr ausgeht. Aus den verschiedensten Gründen wird diese jedoch medial aufgebauscht und ausgeschlachtet.
    Der „Kalif von Köln“ konnte damals mehrere tausend Menschen zu Veranstaltungen mobilisieren. Von der Größenordnung ist das islamistische Spektrum heutzutage weit entfernt. Im Gegensatz zu damals wird es aber als deutlich gefährlicher dargestellt, als es tatsächlich ist. Der Herr Kaplan wurde in den Medien mehr als Mischung als schwarzer Mann und Witzfigur dargestellt.
    Der harte Kern der damaligen Kalifatstaatorganisation macht heute übrigens einen nicht unerheblichen Teil der heutigen „Salafisten“ aus. Die Verbindungen ins Ausland sind dieselben. Geändert hat sich letztendlich nichts. Ausser die Darstellung. Das mit den Neonazis war halt bis Ende 2011 nicht mehr so aktuell, damit konnte man keine Auflage mehr machen.

  • T.Wiegold   |   06. Februar 2013 - 21:47

    Leute, kann es sein, dass diese Diskussion mit dem ursprünglichen Thema nur noch seeehr am Rande zu tun hat? Und auch in einem seeehr engen Zirkel unter ganz wenigen geführt wird? Anders gefragt: Ist hier der richtige Ort dafür?

  • wacaffe   |   06. Februar 2013 - 21:49

    c’est le internet. ;)

  • zog   |   06. Februar 2013 - 21:57

    Und ich war noch nicht mal dazu gekommen, die Demokratie in Frage zu stellen …. :-(

  • Niklas   |   06. Februar 2013 - 22:05

    @ T.W.

    Stimmt. Nebensätze werden oft herauszitiert und dann bis aufs letzte ausgebreitet bis man ganz woanders rauskommt.

    @ J.R.
    Es geht nicht um ein allgemeines Feindbild. BKA-Chef Zierke hat erst gestern in einem Fernsehinterview (weiß leider nicht mehr wo genau) gesagt, dass in der hiesigen Szene Leute mit Kampferfahrung zugegen sind. Die meinte ich mit Urlauber ^^. Das sei nun aber nur am Rande erwähnt, wir wollen den Thread nicht wieder vor die Wand fahren.

  • zog   |   06. Februar 2013 - 22:11

    Ist es illegal, Kampferfahrung zu haben?