Gegen Einsatz in Mali? Die de-Maizière-Exegeten

Nach meiner Rückkehr aus dem Wochenende, unter anderem vom Koblenzer Forum zur Verteidigungspolitik (und endlich wieder mit einer verlässlichen Internetverbindung) stelle ich ein wenig irritiert fest, dass ich wohl in Koblenz nicht richtig zugehört habe. Verteidigungsminister Thomas de Maizière habe sich dort, so wird berichtet, deutlich gegen Forderungen nach mehr deutscher Unterstützung des französischen Militäreinsatzes im westafrikanischen Mali gewandt. Und entsprechenden Äußerungen von Bundestagspräsident Norbert Lammert widersprochen.

So habe ich das nicht gehört. Im Gegenteil, auf die direkte Frage nach Mali und nach Lammert hat der Minister recht ausweichend geantwortet, und was er für unangemessen hielt, waren Spekulationen über mehr deutsches Engagement, nicht die Forderungen danach oder gar ein solches Engagement selbst.

Hier zum Nachhören die direkte Antwort de Maizières auf die direkte Frage (aus dem Auditorium aufgenommen; deshalb bitte ich die Tonqualität zu entschuldigen):

DeMaiziere_Mali_20130119     

 

Für eine klare Absage halte ich das (noch) nicht.

In seiner vorangegangenen Rede hatte sich der Minister auch recht deutlich zu dem Punkt geäußert, dass es bei militärischen Einsätzen ohne eine Zustimmung der Bevölkerung langfristig nicht gehe – er zog den Vergleich mit einem Gummiband, bei dem man bei aller Dehnung nicht sagen könne, wann es reißen werde. Der Ausschnitt aus seiner Rede:

DeMaziere_Bevoelkerung_19jan2013     

Und darüber hinaus (davon habe ich leider keinen Mitschnitt) wandte er sich gegen die Ansicht, Deutschland habe kein Gewicht in der internationalen Sicherheitspolitik, ja verhalte sich wie Luxemburg, ohne militärische Macht einsetzen können: Das geistere zwar durch sicherheitspolitische Konferenzen, sei aber seit zehn Jahren von der Realität überholt. In NATO wie EU gelte: Bei den vier, fünf Staaten, die da Gewicht haben, da ist Deutschland mittenmang dabei.

Aus all‘ diesen Äußerungen kann ich bislang keine klare Absage an mehr Engagement in Mali erkennen. Aber das ist vielleicht eine Frage der Interpretation.

7 Kommentare zu „Gegen Einsatz in Mali? Die de-Maizière-Exegeten“

  • GNY4742   |   22. Januar 2013 - 10:34

    Das ganze Interview ist in der NOZ vom 19.01.2013 auch online zu lesen…

    Und ich kann Schorsch nur zustimmen.

  • Elahan   |   22. Januar 2013 - 10:51

    @Schorsch

    Zustimmung!

    http://www.bundeswehr.de/portal/a/bwde/!ut/p/c4/NYxBC4JAEIX_0a5WIHRLIqiDXYKyi4zuJEO7szKOCtGPbz30HnyXj_fs06YyzNSDUmTw9mHrjvbtYtrFoRnjh8DjaF4QyBM2E7vGEfKoZkZB4hbkjaT2vj6lRRcZdaUiKyX2AhrFDFHUr2YSScaQs3WWH8u8yP7Jv0VVX8rbZrs7V6erHUI4_AAaFmbw/

    Man sagt nicht, dass Soldat sein bedeutet entweder auf Familie zu verzichten oder sie zu belasten!

    Dies relativiert sich natürlich mit zunehmendem Einkommen und ab B3 gibt es wohl keinen der seine Fahrt nach am Woe nach Hause selbst bezahlt! Auch die Kita Plätze sind natürlich nicht in der Truppe, sondern in den Ämtern!
    Kein Wort steht in den Werbeprospekten über die nicht Wahlmöglichkeit UKV(gerade in den unteren Dienstgradgruppen wird UKV zugesagt),unterschiedliche Lehrpläne in den Bundesländern, Kita Kosten, Versorgungsausgleich, Scheidungskosten, ins Bett pinkelnde schulpflichtige Kinder,fehlende Beschäftigungsmöglichkeit der Lebensgefährten, Krankenversicherungskosten für Ehepartner, Erreichbarkeit der Dienststellen, An-/Abreise zum Dienstort am Woe uvm

    Ach ja, und Telearbeitsplätzen sind der Renner in AFG :-))

  • Georg   |   22. Januar 2013 - 11:08

    Wenn man das ganze Interview mit TdM in der Neuen Osnabrücker Zeitung liest, dann sieht man, das manche Medien aus einem Satz des Interviews übertrieben eine Schlagzeile gemacht haben.

    Zitat: „Aber wir müssen heute sicherlich zur Kenntnis nehmen, dass die heimatnahe Verwendung für viele junge Menschen erst mal wichtiger ist, als von zu Hause weiter weg zu sein. Die Sehnsucht junger Leute nach der großen, weiten Welt wird heute anders bedient. Ich würde mir wünschen, dass es mehr Interesse für das Unbekannte gibt als Sehnsucht nach dem Hotel Mama.“ (3 Sätze)

    Dies ist nichts Neues, das war schon immer so auch in der Wehrpflichtarmee Bw. Das eigentlich verwerfliche an der Äußerung ist jedoch, dass er indirekt Auslandseinsätze mit Abenteuerurlauben vergleicht !
    Wenn er beklagt, dass junge Soldaten kein Interesse haben für Deutschland in den Krieg (AFG) zu ziehen, dessen Sinn sie nicht mehr einsehen, der gesellschaftlich nicht mehr vermittelbar ist, dann liegen doch die Fehler bei ihm und seinem Ministerium. Er und seine Vorgänger haben es nicht geschafft, der deutschen Gesellschaft und den Soldaten der Bw den Sinnhaftigkeit von manchen deutschen militärischen Einstätzen zu vermitteln.

    Die Zeit des preußischen Kadavergehorsams ist jedoch vorbei ! Allerdings wenn man hört wie er sein Ministerium führt, dann kommen mir da wiederum Zweifel.

  • iltis   |   22. Januar 2013 - 13:41

    Vielleicht fällt der Apfel nicht so weit weg vom Baum. Schon die äußere Ähnlichkeit ist frappierend

    http://de.wikipedia.org/wiki/Ulrich_de_Maizière

  • Heiko Kamann   |   22. Januar 2013 - 14:41

    iltis | 22. Januar 2013 – 13:41
    Naja, das soll ja wohl öffter vorkommen, das der Sohn dem Vater ähnelt.

  • Schorsch   |   22. Januar 2013 - 15:20

    Nur sein Vater, war auch der Vater der Inneren Führung. Was der Sohn, auch im Rahmen der Reform von sich gibt, hat nichts mehr damit zu tun.
    So wenig ich von seinem Vorgänger halte. Er hatte eine Reduzierung von 50 Generalsdienstposten geplant. Wieviele davon wurden jetzt nochmal eingespart?