Frankreich will Truppen in Mali auf 2.500 Soldaten aufstocken

Inzwischen scheint es mir nicht mehr so sinnvoll, die internationalen Lagemeldungen aus Mali zu bündeln – dazu gibt es mittlerweile überall genug zu lesen. Deshalb nur einige bemerkenswerte Punkte, die mir auffallen:

• Frankreich will seine Truppenstärke in Mali auf 2.500 Soldaten erhöhen, meldet Reuters:

France plans to increase its troops in Mali to 2,500 in the days ahead and is working to speed up the deployment of West African troops for a campaign against Islamist rebels, the government said on Monday. A defense ministry spokesman told Reuters troops would be sent to bolster the 600 already deployed.

(In dieser Meldung wird auch der französische Außenminister Laurent Fabius mit den Worten zitiert, Deutschland habe humanitäre Hilfe, medizinische und logistische Unterstützung angeboten – so viel zur deutschen Debatte…)

• Die USA helfen Frankreich bereits mit Aufklärungsergebnissen und sind zu weiterer Unterstützung bereit, sagte der scheidende US-Verteidigungsminister Leon Panetta:

In a move that could draw the United States into another conflict in North Africa, the Obama administration has pledged to help the French in their fight against Islamist militants in Mali, Defense Secretary Leon E. Panetta said Monday. He said the assistance could include air and other logistical support.
The United States was already sharing intelligence with the French when their warplanes struck camps, depots and other militant positions deep inside Islamist-held territory in northern Mali on Sunday.

• und, hier schon in den Kommentaren erwähnt, ein Bericht der New York Times von gestern: Auf Seiten der Rebellen kämpfen übergelaufene malische Soldaten und Offiziere, die von den USA ausgebildet wurden…

For years, the United States tried to stem the spread of Islamic militancy in the region by conducting its most ambitious counterterrorism program ever across these vast, turbulent stretches of the Sahara.
But as insurgents swept through the desert last year, commanders of this nation’s elite army units, the fruit of years of careful American training, defected when they were needed most — taking troops, guns, trucks and their newfound skills to the enemy in the heat of battle, according to senior Malian military officials.

16 Kommentare zu „Frankreich will Truppen in Mali auf 2.500 Soldaten aufstocken“

  • schleppi   |   14. Januar 2013 - 22:50

    Ich hoffe nur, dass manchen Journalisten und Kommentatoren, die jetzt die Unterstützung Frankreichs durch die Bundeswehr fordern, ihre Artikel über die Neuausrichtung und dem mangelnden Sparvermögen der Bundeswehr im Gedächtnis sind. In diesem Konflikt wird nämlich genau das benötigt, was die Bundeswehr gerade unter dem Beifall der Medien vehement abrüstet: Transportflugzeuge und Transporthubschrauber. Vielleicht könnte man ein paar Transporteurofighter hinschicken…davon haben wir dann mehr als Kampfpanzer. Dieser Konflikt hat Potenzial Afghanistan II zu werden. Mit dem Eingreifen der Franzosen werden die Rebellen ihre Taktik ändern.

  • HansG   |   15. Januar 2013 - 0:19

    Auf aljazeera ist etwas von einem abgeschossenen französischen flugzeug zu lesen. Gibt es dazu informationen?

  • Pionier   |   15. Januar 2013 - 2:55

    @ schleppi: volle Zustimmung. Ich hoffe, dass die Franzosen bald abziehen. Sonst wird es ggf. wirklich ein AFG Teil II. Nein, diesmal all inclusive: besser ausgebildete gegnerische Kämpfer mit besseren Waffen, skrupellose Kindersoldaten, enorme Rückzugsgebiete und mehr. Man kann nur hoffen, dass man wirklich aus AFG gelernt hat, aber ich zweifle.

  • MK   |   15. Januar 2013 - 6:02

    Da greift wohl auch der Sparzwang – Interessante Trainingsmethoden der malischen Armee:

    http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=01NBUiA3Tjs

  • FTD   |   15. Januar 2013 - 8:19

    @MK

    Wundert mich gar nicht. Die NGOs und Bergbauunternehmen in Mali wurden auch schon gebeten ihre Pickups und LKWs an die Armee abzugeben.

  • b   |   15. Januar 2013 - 8:35

    Der britische Generalstab warnt seine Regierung vor einem Einsatz in Mali:

    Top brass warn No 10: avoid Mali escalation

    Defence chiefs have warned against Britain becoming enmeshed in the mission against Islamists in Mali, pointing out that any action could be drawn-out and require significantly greater resources than have so far been deployed.

    The most senior commanders are due to make their apprehension clear at a meeting of the National Security Council with the Prime Minister today. They have the backing of the Defence Secretary, Philip Hammond.

    [Wie schon mehrfach erwähnt: Ein „Zitat“ in dieser Länge sprengt die Grenzen des Zitatrechts. Wenn es Ärger geben sollte, habe ich den – nicht der (pseudonyme) Kommentator. Habe deshalb erneut den zitierten Text gekürzt. T.W.]

  • MD.   |   15. Januar 2013 - 8:54

    Aktuell in der FAZ (auch online): “ Das sagenhafte Reich voller Gold und Bodenschätze
    Am Rand der Sahara wird ein Krieg um Rohstoffe geführt, heißt es. Doch diese spielen aus französischer Sicht kaum eine Rolle. Malis wichtigster Handelspartner kommt ohnehin längst aus Asien.“. (@TW: habe den Artikeltitel kopiert, hoffe das ist okay)

  • Tiberius   |   15. Januar 2013 - 10:29

    @ b | 15. Januar 2013 – 8:35

    Ironie an:
    Wie, die Briten wollen vorsichtig sein? Die können doch eh nicht. Hat der Generalstab denn nichts vorgeplant? Warum sind die Dänen denn schneller? Haben die vergessen wie wichtig Verbündete in der EU sind? Warum kämpfen die denn nicht für die Interessen anderer? Was fällt denen ein, über die Folgen eines solchen Engagemants überhaupt nachzudenken?
    Ironie aus.
    Shade das man so was nicht von unserem GI hört.

  • Orontes   |   15. Januar 2013 - 12:19

    @MD.
    Der FAZ-Beitrag ist sehr interessant, führt aber die geopolitischen Motive der Franzosen leider nicht weiter aus. Die Franzosen unterhalten in West- und Zentralafrika ein ganzes Netz von ihren Interessen nahestehenden Regierungen, deren Vertrauen sie auch durch Unterstützung wie die jetzt in Mali geleistete sicherstellen. Man hat berechtigte Sorgen, daß diese Staatschefs bzw. Regierungen sich andere Partner suchen könnten, wenn sie das Vertrauen in Frankreich verlieren.

  • MD.   |   15. Januar 2013 - 12:38

    Vlt macht Frankreich auuch alles richtig, I’m Sinne des politischen Handelns und der Nutzung militaerischer Resourcen. Sollte Mali wirklich so reich an Bodenschaetzen sein, obliegt hier Frankreichs wirtschaftliches Interesse – den Zugang sichern, zu elementaren Grundstoffen fuer Handel und Wachstum der heimischen Wirtschaft und Wohlstand der Nation. Es hat sich ja gezeigt, dass Frankreich den Prozess in Mali sehr eng und ausgiebig monitoriert hat und den Zeitpunkt fuer den Eingriff (mil. Intervention) auesserst guenstig gewaehlt hat und die legitime Terrorismusbekaempfung mit eigenen wirtschaftlichen Interessen verknuepft hat, auch vlt aus dem Wunsch heraus, in ehemaligen Kolonien nicht den Anschluss zu verpassen. (S.u.)
    Denn es laesst sich doch nicht leugnen, dass Asien (allen voran China) in Afrika den Rohstoffbereich unter seine Kontrolle bringt, mit Auswirkungen auf die hochtechnologische Wirtschaft und Abhaengigkeiten schafft, die die westliche Welt(wirtschaft) von Asiens Bereitschaft zur Ausfuhr und Teilhabe an Resourcen abhaengig macht. Frankreich bekaempft effektiv Terrorismus in einer alten Kolonie mit Hilfe von Verbuendeten (ein legitimes Ziel) und sichert sich so politischen Einfluss.

    Wie wahr obige Theorie ist, muessen andere entscheiden. Dass solche offenen Gedankengaenge und politologische/militaertheoretische Diskussionen offen in deutschen Medien diskutiert werden, hinterfragt werden, darauf duerfen wir wohl lange warten,

  • Hans   |   15. Januar 2013 - 15:01

    Unabhängig von der REchtslage für einen DEU Einsatz: Es ist im Interesse Europas dass Nordwestafrika eher unser Hinterhof ist, wo sich FRA austoben kann als dass China dort Satellitenstaaten installiert!

  • GSG 9mm   |   15. Januar 2013 - 15:36

    Herr Wiegold, schreiben Sie doch mal Timbuktu statt Mali – das klingt immer so schön nach Am Ar*ch der Welt :D

  • Memoria   |   16. Januar 2013 - 13:16

    Handeln und Gegenhandeln:
    Laut SPON wurde in Algerien eine BP-Standort angegriffen und mehrere Ausländer (u.a. Briten, evtl. Franzosen, Japaner, Norweger) als Geisel genommen.

  • Boots on the Ground   |   16. Januar 2013 - 13:36

    Der in dem Artikel erwähnte Mochtar Belmochtar hat seinen Stützpunkt erst Ende Dezember in die Nähe der malisch-algerischen Grenze verlegt:

    Meanwhile, Mokhtar Belmokhtar (a.k.a. Khalid Abu al-Abbas), who split from AQIM after a dispute with the movement’s leadership in November, is reported to have relocated with a detachment of loyalists and MUJWA fighters equipped with dozens of vehicles armed with heavy machine-guns to al-Khalil, an important transit point for smugglers and legitimate traders alike near the Algerian border […]. The occupation of al-Khalil gives Belmokhtar an opportunity to control fuel smuggling in the region as well as shipments of food and other goods to northern Mali.

    http://www.jamestown.org/programs/gta/single/?tx_ttnews%5Btt_news%5D=40283&tx_ttnews%5BbackPid%5D=26&cHash=27fa242397dcb6856ec841286a4a342f

  • Memoria   |   17. Januar 2013 - 21:56

    Noch etwas mehr zur „Rotlage“ aus der NZZ:
    http://www.nzz.ch/aktuell/international/jihadisten-am-tag-schmuggler-in-der-nacht-1.17945800

    Haben sie Franzosen hier einen zu großen Schuh angezogen?
    Spätestens mit den vom franz. Präsidenten dargelegten weitreichenden Kriegsziele (u.a. Herstellung der gesamtstaatlichen Ordnung im ganzen Land) hat man die Hürde sich selbst hoch gelegt. Wahrscheinlich zu hoch.