Türkei und Syrien – auf dem Weg zum heißen Krieg? (3)

Nachdem es – trotz wiederholter Zwischenfälle – um Schüsse aus Syrien auf türkisches Gebiet etwas ruhiger geworden war, gibt es heute eine neue, in den Auswirkungen noch recht unklare Entwicklung: Türkische Kampfjets haben eine aus Moskau kommende syrische (Zivil)Maschine über türkischem Gebiet abgefangen und zur Landung in Ankara gezwungen. An Bord sollen, so die etwas gewundene offizielle Begründung bisher, nicht-zivile oder einfach verbotene Frachtgüter sein.

Mit anderen Worten: Die Türkei vermutet, dass das syrische Flugzeug russische Waffen nach Syrien transportieren sollte.

Die Lage ist noch nicht klar, die aktuellsten Meldungen:

von Russia Today:

Turkish F16 fighter jets forced a Syrian airline passenger plane to land in Ankara over suspicions it was carrying „non-civilian“ cargo, says the Turkish Foreign Ministry. The Damascus-bound plane, which had departed from Moscow, is being inspected.
According to some reports, the plane might have been transporting heavy weapons. Turkish Foreign Minister Ahmet Davutoglu says Ankara received intelligence that the Syrian plane was carrying „non-civilian“ cargo, but refused to comment on the presumed content.

von der BBC:

Turkish fighter planes have forced a Syrian passenger plane to land at Ankara’s airport for investigation, Turkish state media report.
The plane, which was travelling from Moscow, is suspected of carrying weapons to Damascus, reports say.
A Turkish foreign ministry official confirmed that a Syrian plane had been ordered to land and that authorities were inspecting the cargo.
Turkey has made clear its support for the rebels in Syria’s civil conflict.

Interessante Frage, ob die Türken sich jetzt auch mit Russland anlegen….

 

 

 

37 Kommentare zu „Türkei und Syrien – auf dem Weg zum heißen Krieg? (3)“

  • Tom   |   10. Oktober 2012 - 21:17

    „Interessante Frage, ob die Türken sich jetzt auch mit Russland anlegen….“

    Glaub ich beidseitig nicht.

    A) Es existiert kein internationales Waffenembargo gegen Syrien, welches Russland anerkennt.
    B) Die Lieferung [so es denn eine ist] geschah mit einem syrischen Flugzeug. Daher ist dessen Besatzung für die Route und ggf. Anmeldung bei den Türken verantwortlich.
    C) Russland wird nach innen wie außen Verständnis dafür aufbringen, dass die Türkei den Warenverkehr über sein Hoheitsgebiet kontrolliert.

  • Sun Tzu   |   10. Oktober 2012 - 21:23

    Gab es nicht sowieso ein russisch-syrisches Beistandsabkommen, was bei einem Angriff auf Syrien die Russen reinbrächte? Zumindest theoretisch, den praktisch hat Russland zwar ein Interesse daran, dass sich die NATO zerlegt, wird dafür aber keine Soldaten einsetzen wollen.

    Hat die Türkei denn offiziell etwas verlautbaren lassen, dass sie Lufttransporte über ihrem Territorium beschränken?

  • Tom   |   10. Oktober 2012 - 21:32

    @Sun Tzu | 10. Oktober 2012 – 21:23:
    „Hat die Türkei denn offiziell etwas verlautbaren lassen, dass sie Lufttransporte über ihrem Territorium beschränken?“

    Ja, hat sie: http://www.nytimes.com/2011/09/24/world/europe/turkey-embargo-imposed-on-syria.html

  • Sun Tzu   |   10. Oktober 2012 - 21:49

    @ Tom | 10. Oktober 2012 – 21:32

    Danke.

    Nun, dann darf die Türkei das und rechtlich kann weder Russland noch Syrien rummeckern.
    Warum Syrien allerdings aktuell den türkischen Luftraum nicht grundsätzlich meidet, verstehe ich nicht so wirklich.

  • chickenhawk   |   10. Oktober 2012 - 21:59

    Vor allen Dingen scheint auch der Nachrichtendienst der Türken gut zu funktionieren, wenn sie genau wussten, was es mit dem syrischen Flugzeug auf sich hat.

    Oder man hat einen guten Tip erhalten…

  • edgar walz   |   10. Oktober 2012 - 23:52

    Oder man will einfach nur ein bisschen die Syrer abbücken, bzw. abschrecken.

  • Zivi a.D.   |   11. Oktober 2012 - 1:36

    Die Türken scheinen wohl auch etwas vorweisen zu können, denn wenn sie beschlagnahmen, dann müssen sie wohl auch sagen, was ihnen da in die Hände gefallen ist. Immer vorausgesetzt, dass die DLF- Informationen korrekt sind.

  • dallisfaction   |   11. Oktober 2012 - 9:55

    Der Spiegel schreibt Raketen-Teile und Kommunikationsequipment.

  • Roman   |   11. Oktober 2012 - 11:55

    Also nichts!

    Raketenteile kann alles oder nichts sein.

  • Tom   |   11. Oktober 2012 - 12:21

    Russland hat sich jetzt über einen Sprecher des Außenministeriums doch gemeldet und protestiert. Nicht jedoch wegen des Abfangens nicht näher definierter militärischer Güter. Sondern wegen des angeblich nicht genehmen Umgangs mit den russischen Staatsbürgern in der Maschine während des Aufenthaltes in Ankara. Und wegen des angeblichen Öffnens von als Diplomatengepäck deklarierten Versandstücken.
    Gemäß türkischen Medienberichten wurde jedoch gerade im russischen Diplomatengepäck nunmehr beschlagnahmtes Material gefunden.
    Aua, mal abwarten, was genau angeblich gefunden wurde; wo genau; und wieso und in welchem Umfang „Diplomatengepäck“ auf der Reise war.

  • Elahan   |   11. Oktober 2012 - 13:25

    Jetzt geht der Streit um den Zwischenfall in die nächste Runde,Putin sagte eine Türkei-Reise ab. An Bord des Airbus soll ca. 300 Kilo Waffenmaterial gewesen sein.

  • markus   |   11. Oktober 2012 - 13:59

    @ sun tzu … ein blick auf die karte hülfe… sollen sie über griechenland fliegen ??

    @ elahan. die üblichen diplomatischen possenspiele. wenn so eine drittklassige regionalmacht wie die türkei an russischer diplomatenpost herumfingert kann man das als ‚aeh‘ Weltmacht nicht auf sich sitzen lassen.

    wirklich gute freunde war man ja schon seit den mittelstreckennukes nicht mehr und armenien macht die sache auch nicht besser ;)

    ———–
    und 300kg ? gewinnt man den krieg wieder mit wunderwaffen ? da bin ich ja mal gespannt, was die so eingekauft haben. als raketenmaterial lässt sich ja idT nahezu alles deklarieren was auch nur ähnlichkeit mit halbleitern oder aluminiumröhren hat.

  • Elahan   |   11. Oktober 2012 - 14:18

    @Markus

    So ist es! Die Türkei provoziert, hat ja die NATO hinter sich! ……aber nicht vor sich :-)

  • Georg   |   11. Oktober 2012 - 14:19

    Die WELT schreibt, es handelt sich um Teile von Raketensystemen und Kommunikationsausrüstung. Es sollen sich bei der Kommunikationsausrüstung auch Störsender befunden haben. Die russischen Passagiere seien bei dem erzwungenen Aufenthalt vom russischen Botschafter in der Türkei betreut worden.

    Störsender braucht man heutzutage eigentlich nur um das GPS-Signal zu stören, also um Präzisionsmunition zu stören. Des weiteren hat es vermutlich Auswirkungen auf ferngesteuerte Drohnen, event. bei Aufklärungsflügen.
    Rakenteile können eigentlich nur Ersatzteile für Waffen im Depot sein, also um Reserven zu mobilisieren. Sollte Syrien schon seine Reserven benötigen um den Bürgerkrieg zu führen ?
    Also halten wir fest ein syrischer Airbus A320 ist mit falschen Frachtpapieren und 35 Passagieren zur Landung gezwungen worden. Überflugrechte sind vermutlich an korrekte Frachtpapiere geknüpft. Ähnliches wird ja von den wenigen verbliebenen iranischen zivilen Flugzeugen mit westlicher Landeerlaubnis (Airbus-Modelle) vermutet, d.h. man vermutet sie schmuggeln damit Waffen. Ein A 320 ist mit 35 Passagieren auch nicht wirklich ausgelastet.
    Das die Türken nach dem Abschuss einer Phantom Aufklärungsmaschine durch die Syrer nicht gerade zimperlich sind, kann man verstehen.
    Mal sehen, wie es sich weiterentwickelt.

  • markus   |   11. Oktober 2012 - 14:45

    @ georg … nu das üblich unpräzise blabla.
    „Kommunikationsausrüstung“ ? Satelittentelefone? Handies? SEM25 derivate (ich nähme sie nicht geschenkt ;) ), weitreichender Datenfunk, GPS /Glonass krempel,

    und jammen kann man doch diverses. GPS an erster stelle ja, aber radar dürften auch einige drohnen an board haben (so sie sich trauen das zu nutzen), dann mobilfunk, CB, halt alles was an Kommunikationsmitteln für die Rebellen denkbar ist. man denke auch mal an die anschläge der letzten zeit. mit einem rollenden antennenwald vor oder hinter mir würde ich mich als amtsträger dort deutlich sicherer fühlen.

    GPS dürfte nicht nur für die fliegenden Augen oder knallfrösche spannend sein, die vermutlich teilweise US ausgebildeten Milizen können ja durchaus sat-nav für die eigenen Ops nutzen. das ja kein hexenwerk.

    atm halte ich spekulationen darüber wie die fracht tatsächlich zu beurteilen ist für verfrüht. dafür sitzen auch in den redaktionsstuben zu viele leute mit zu wenig ahnung. die werden auch nur kommunizieren ob die türkei das nun als waffenteile klassifiziert oder nicht.

  • markus   |   11. Oktober 2012 - 15:02

    hach gerade ganz vergessen. es geht natürlich auch darum die russen etwas mit dreck zu bewerfen weil sie im sicherheitsrat nicht brav im gleichschritt marschieren.

    der aufgeklärte zeitungsleser erinnert sich dann daran, dass der russe ja schon immer böse war.

    feindbilder muss man pflegen. der läuft auf russischer seite ja nicht anders …

    edit: noch ein nachtrag: hat einer der kommentatoren vlt eine karte mit der Verteilung der Ethnien in syrien zur hand? oder möglichen regionalen konzentrationen von shia/sunni ?

  • Tom   |   11. Oktober 2012 - 15:11

    Nunja, soviele potentielle Waffenlieferanten deren Routen über die Türkei führen können, gibt es nicht. Da trifft es dann zwangsläufig die Russen.
    Und die Türken begründen das Embargo auch nicht vordergründig mit dem Schutz der syrischen Zivilbevölkerung, sondern mit dem Abschneiden von Nachschub für die Angriffe auf türkisches Territorium. Dagegen kommt man argumentativ auch von russischer Seite nicht an.

    Gibt es eigentlich (schon) ein klares hochrangiges russisches Dementi? Wenn nein, warum nicht?

  • b   |   11. Oktober 2012 - 15:36

    Die Türkei hängt mit ihrer Energieversorgung von Erdgas aus dem Iran und aus Russland ab. Wenn Erdogan so weiter macht dann wird es dieses Jahr für die Türken ein sehr kalter Winter.

  • KeLaBe   |   11. Oktober 2012 - 15:50

    @ b

    Diese Gefahr ist eher gering. Die Russen müssen ihr Erdgas verkaufen, und die Iraner würden es liebend gerne tun. Durch einen vergleichsweise kleinen Zwischenfall will sich wohl niemand in wirtschaftliche Nöte zwingen lassen. Ökonomische Interessen schlagen meist alles andere.

  • markus   |   11. Oktober 2012 - 16:00

    läuft nicht auch ein stückerl southstream über türkischen meeresgrund ?

    wie gesagt. diplomatischer sturm im wasserglas

  • b   |   11. Oktober 2012 - 17:00

    KeLaBe – „Die Russen müssen ihr Erdgas verkaufen, und die Iraner würden es liebend gerne tun.“

    Die Russen und die Iraner würden nie offen damit drohen. Aber die Pipelines laufen durch kurdisches Gebiet und die aus dem iran ist vor zwei Tagen bereits unterbrochen worden. Russland hat daraufhin die Liefermenge erhöht. Aber ob es das im Winter auch noch will wenn in Europa der höchste Bedarf ist?

  • Ops   |   11. Oktober 2012 - 17:06

    Es ist nicht zu erwarten, dass die beschlagnahmte Elektronik weiter konkretisiert wird, da das direkte Rückschlüsse auf die (westliche) Ausstattung der Rebellen zuließe.
    Ein Dilemma ergibt sich aus der Taktik, die man den Aufständischen gelehrt hat. Sieht man diese im Licht von Bengasi, ist es nicht bereits illegitim, diese Ausstattung in russischem Diplomatengepäck einzufliegen.

  • Sun Tzu   |   11. Oktober 2012 - 17:26

    @ markus | 11. Oktober 2012 – 13:59

    Zitat: „ein blick auf die karte hülfe… sollen sie über griechenland fliegen ??“

    Na ja. Klar sind andere Routen doof. Aber wenn man Sachen mit einem Geschmäckle rüberfliegen will, macht man das nicht durch feindlichen Luftraum. Nach der Vorgeschichte der letzten Tage müsste man eigentlich darauf kommen, dass die Türken auf sowas nur warten.

  • klabautermann   |   11. Oktober 2012 - 17:35

    tja, werden die Türken gerade von Putin verarscht ? Wer weiß, wer weiß?…..;-)

  • KeLaBe   |   11. Oktober 2012 - 17:38

    @ b

    Ich will die sicherheitspolitische Bedeutung einer Energie- und Rohstoffversorgung keineswegs gering einschätzen. Da haben Sie schon Recht. Aber zum Glück haben beide Seiten – Anbieter wie Nachfrager – ein zum Teil existenzielles Interesse an einem reibungslosen Handel. Das schafft eine gegenseitige Abhängigkeit, die kleinere Unwuchten durchaus übersteht. Im konkreten Fall der Türkei sollte man auch nicht das enorme Gewicht der zentralasiatischen Staaten und insbesondere von Aserbeidschan als Erdgaslieferanten übersehen, die auf dem weltweiten Markt allesamt im Wettbewerb zu Russland stehen.

    Für Erdogan ist die heutige Lage in dieser Hinsicht also m.E. noch nicht bedrohlich – allerdings nur solange es gelingt, einen Automatismus eskalatorischen Charakters zu verhindern. Er wird (hoffentlich) klug genug sein, hier die Balance zu halten.

  • klabautermann   |   11. Oktober 2012 - 17:47

    na ja, wie ich die Russen kenne, dann haben sie eine Musterkollektion von Technologie mit viel TamTam nach Ankara geliefert mit der message: schau mal, was ich Herrn Assad alles liefern kann ! Also bitte nicht zu weit gehen mit der sowieso nicht kontrollierbaren Aufrüstung der Rebellen, die ihr eh nicht im Griff habt….siehe Bengasi 9/11

  • b   |   11. Oktober 2012 - 17:55

    Nachdem es erst Raketenteile und dann Kommunikationsmittel gewesen sein sollen behauptet Erdogan nun es sei Munition in dem Flugzeug gewesen.

    300kg Munition? Das verballert eine Kompanie an einem Vormittag und kann damit ja wohl stimmen.

    Der Mann kann nicht mal mehr seine Propaganda voreinander bekommen.

  • Stefan   |   12. Oktober 2012 - 12:06

    Die Türken können selbst 2 Tage danach keine Auskunft über die beschlagnahmten „Waffen“ geben. Dies macht die Sache höchst unglaubwürdig. Dies erinnert stark an das Geeiere um den Abschuß der türkischen RF-4E (ausgestattet mit einem hervorragend zu Spionage geeigneten Seitensichtradar) .

    “ MOSKAU, 12. Oktober (RIA Novosti).
    Russland hat laut dem Außenministerium bis jetzt keine Informationen über die Fracht bekommen, die die türkischen Behörden in dem von ihnen zur Landung in Ankara gezwungenen Flugzeug Moskau-Damaskus beschlagnahmt hatten. … “

    http://de.rian.ru/politics/20121012/264677201.html

    Immerhin ist Syrien noch ein souveräner Staat. Auch ist Syrien nicht mit Sanktionen und Embargos durch die UNO belegt, sondern ausschließlich mit EU-Sanktionen. Die sind aber völkerrechtlich völlig irrelevant und in keiner Weise bindend für Rußland oder Syrien. Für die Aktion der Türken gibt es also keine Rechtsgrundlage.

    Auch moralische Grundsätze greifen hier nicht, lassen die Türken doch Waffenlieferungen ins Krisengebiet an die in- und ausländischen „Rebellen“ zu und verschärfen somit das Leid der Zivilbevölkerung. Ja sie schießen sogar auf ihr eigenes kurdisches Volk.

  • Tom   |   12. Oktober 2012 - 12:32

    Weil -auch hier aber vor allem in pro-syrischen internationalen Medien- immer wieder erklärt wird, dass die Türkei kein Recht zur Landungserzwingung gehabt hat.

    Schon im „(Chicagoer) Abkommen über die internationale Zivilluftfahrt“ heißt es:

    „Kriegsmunition und Kriegsmaterial dürfen von den in der internationalen Luftfahrt verwendeten Luftfahrzeugen in oder über dem Hoheitsgebiet eines Staates nur mit Genehmigung dieses Staates befördert werden. Jeder Staat bestimmt durch Vorschriften, was im Sinne dieses Artikels als Kriegsmunition oder Kriegsmaterial gilt“ (Art. 35 a))

    iVm

    „Die Vertragsstaaten anerkennen, dass jeder Staat in Ausübung seiner Souveränität berechtigt ist, die Landung eines Zivilluftfahrzeuges auf einem bezeichneten Flughafen zu verlangen, wenn … ausreichende Gründe für die Schlussfolgerung vorliegen, dass es zu Zwecken benützt wird, die mit den Zielen dieses Übereinkommens unvereinbar sind;“ (Art. 3 b))

    Ich kann mir kaum vorstellen, dass die Türkei davon in bilateralen Abkommen mit Russland und Syrien abgewichen ist. Und ausreichende Gründe werden schon vorgelegen haben; sie müssen schlussendlich ja nicht zutreffend gewesen sein.

  • KeLaBe   |   12. Oktober 2012 - 12:39

    @ Stefan

    Entscheidend ist m.E. weniger, ob tatsächlich etwas gefunden wurde (was aus verschiedenen Gründen für Außenstehende kaum überprüfbar sein wird), sondern ob im Vorfeld der Operation der begründete Verdacht eines Verstoßes gegen die Luftverkehrsbestimmungen bestand. Schließlich gehört der Luftraum über der Türkei zum türkischen Hoheitsgebiet.

    Ich vermute ohnehin, sowohl die Türkei als auch Russland haben ein Interesse, den Vorfall zwar in gewissen Grenzen diplomatisch auszuschlachten, aber auch möglichst tief zu hängen. Bei Syrien ist das etwas anderes, aber wen wundert das?

  • Stefan   |   12. Oktober 2012 - 12:55

    @Tom | 12. Oktober 2012 – 12:32
    Das es sich um „Kriegsmunition und Kriegsmaterial“ handelt, konnte bis jetzt nicht nachgewiesen werden. Besser noch die türkischen Behörden können selbst nach 2 Tagen keine Auskunft geben, was genau sie beschlagnahmt haben. Ist dies nicht merkwürdig?

    Eine Ergänzung zur moralischen Seite der Medallie:

    „Bei der Granate, die beim Angriff auf die türkische Stadt Akçakale abgefeuert wurde, handelt es sich um ein Modell, das nur bei der NATO verwendet wird und das über die Türkei in die Hände der syrischen Rebellen gelangte, berichtet die türkische Zeitung Yurt. Die Granate tötete am vergangenen Mittwoch eine erwachsene Frau und vier Kinder der gleichen Familie.“ (Russia Today)

    Erst zurückschießen, danach ermitteln, selbst wenn man die falschen „Täter“ tötet.

  • Tom   |   12. Oktober 2012 - 13:07

    Es muss weder Kriegsmunition noch Kriegsmaterial gefunden werden. Selbst wenn der kleine Flughafenbeamte anschließend an der Gangway erklärt „Sorry, war wohl ein Fehlalarm“ wäre das Abfangen bei entsprechenden [nicht veröffentlichungspflichtigen] Verdachtsmomenten völkerrechtlich zulässig.

    Bislang hat weder Syrien erklärt, was nicht angekommen ist, noch die russische Firma was versendet wurde. Komisch, oder?
    Und Russland erklärt fröhlich, dass keine Militärgüter an Bord gewesen seien – und wenn doch wären sie illegal an Bord gewesen. Komisch, oder?
    Russland beschwert sich offiziell über die Behandlung russischer Staatsbürger in Ankara, über die Öffnung von Diplomatengepäck, über Verstöße gegen Sicherheitsstandards weil die Spritmenge bei der Landung in Ankara schon zu knapp war. Aber es beschwert sich nicht offiziell über die Untersuchung und Beschlagnahme. Komisch, oder?

  • Prediger   |   12. Oktober 2012 - 16:01

    „An der Grenze zwischen der Türkei und Syrien spielt sich ein weiterer feindseliger Zwischenfall ab. Ein syrischer Hubschrauber will die von Rebellen kontrollierte syrische Stadt Asmarin bombardieren und wird von einem türkischen Kampfflieger daran gehindert. Der Zwischenfall soll sich auf syrischem Territorium zugetragen haben.“
    Quelle: n-tv

    Die Neo-Osmanen suchen offenbar gezielt die militärische Eskalation.

  • Xstar   |   13. Oktober 2012 - 2:22

    Die Lage spitzt sich immer weiter zu, was von türkischer Seite auch gewollt ist. Ankara lässt immer mehr seiner Panzer in Stellung gehen, was für eine Boden Offensive spricht.

    Ich gehe nach dem was an Fakten auf dem Tisch liegt davon aus, dass die Türkei unter Erdogan sich ein Stück Syrien einverleiben will. Erst wird es als Pufferzone zur Sicherung des türkischen Territoriums bezeichnet und später werden sie es einfach nicht mehr hergeben.

    Ich kann nur dazu raten, das Deutschland und die Nato endlich auf Distanz zur Türkei unter Erdogan geht.

    Westerwelle wird heute zu Gesprächen in Istanbul erwartet und ich habe die Befürchtung dass die Solidarität mit der Türkei, welcher er von deutscher Seite sicherlich bekunden wird nicht angemessen ist.

  • Stefan   |   13. Oktober 2012 - 2:36

    @Tom | 12. Oktober 2012 – 13:07

    Aber Russlands Außenminister Sergej Lawrow erklärte, die von der türkischen Luftwaffe abgefangene und zur Landung gezwungene syrische Passagiermaschine hat keine Waffen, sondern Ausrüstungen für Radartechnik an Bord gehabt. Der Transport derartiger Technik auf dem Luftweg verstöße nicht gegen internationale Konventionen über die zivile Luftfahrt. Quelle: RIANOWOSTI

  • Tom   |   13. Oktober 2012 - 13:46

    Wie steht es im bereits oben zitierten Art. 35 a: „Jeder Staat [Türkei] bestimmt durch Vorschriften, was im Sinne dieses Artikels als Kriegsmunition oder Kriegsmaterial gilt.“

    Und es genügt der hinreichende Verdacht.
    Und bei „Ausrüstungen für Radartechnik“ die außerplanmäßig auf einem 200km vom Linien(!)Abflugort entfernten Militärflughafen aufgenommen wird, dürfen sich wohl Verdachtsmomente regen.

  • Elahan   |   18. Oktober 2012 - 17:44

    „Eine Woche nach der umstrittenen Zwangslandung eines syrischen Passagierflugzeugs in Ankara hat die Türkei nach russischen Angaben eingestanden, dass der Jet, der von Moskau nach Damaskus unterwegs war, keine illegalen Güter an Bord hatte.“

    http://de.rian.ru/politics/20121018/264747649.html