Noch mal lesen: „Bedingt abwehrbereit“

Den Spiegel-Titel, der vor 50 Jahren die gleichnamige Krise auslöste, kennt jeder dem Namen nach: Bedingt abwehrbereit. Vermutlich ist aber die Zahl derjenigen, die den Artikel selbst mal zur Gänze gelesen haben, recht gering… Ich gestehe: Auch ich habe das Stück erst heute komplett gelesen, weil er der aktuellen Ausgabe des Magazins als Reprint beilag.

Aber es gibt die Titelgeschichte auch online: Bedingt abwehrbereit. Aus heutiger Sicht mehr als nur ein Stück Geschichte – weil es auch mit dem Irrglauben aufräumt, im Kalten Krieg hätten doch für die Streitkräfte finanzielle Überlegungen weit weniger eine Rolle gespielt als heute. Weit gefehlt.

(Interessanterweise widmet sich die derzeitige Jubiläums-Aufarbeitung der Spiegel-Affäre den Umständen drumrum und der Frage der Pressefreiheit. Der Inhalt des Artikels selbst spielt kaum eine Rolle…)

16 Gedanken zu „Noch mal lesen: „Bedingt abwehrbereit“

  1. Im letzten Spiegel kommentiert Helmut Schmidt die Entstehung des Artikels sowie den militärischen Hintergrund der Autoren.

  2. Dieser Artikel enthält mehr militärischen Sachverstand als die sämtliche Spiegel Mitarbeiter der letzten 10 Jahre zusammen.

  3. Anwesende natürlich ausgeschlossen :)

    Aber was mir an dem Artikel aufgefallen ist: Die „Atom-Panzerfaust“ „Davy Crockett“ spielte damals anscheinend eine große Rolle in nuklearstrategischen Überlegungen und ist heute bestenfalls noch als Kuriosum in Erinnerung.
    Das sollte einem zu denken geben daß nicht jedes „next big thing“ auch wirklich eins ist…

  4. Das faszinierende an diesem Artikel ist ja, wie sehr darin in der gesamten Sprache noch der Nachhall des Zweiten Weltkriegs zu spüren ist.
    Da werden Angriffe „vorgetragen“, „Fesselungsangriffe binden die ausflankierten NATO-Kräfte“, ein amerikanischer „Wehrmacht-Generalstabschef“ amtiert.
    Man merkt deutlich, dass die Autoren bereits selber im Krieg gekämpft haben.

    Ebenfalls bemerkenswert finde ich, wie beiläufig im Artikel mit dem gesamten Themenkomplex des Atomwaffeneinsatzes umgegangen wird. Kein Wort vom nuklearen „Holocaust“, sondern Atomwaffen werden selbst im SPIEGEL als mehr oder weniger selbstverständliche Erweiterung des konventionellen Waffenbestands gesehen.

    Oh, und eins fällt mir gerade in der Druckfassung noch auf: Auf der Karte verläuft die Ostgrenze der „Sowjetzone“ (nix mit „DDR“) ein ganzes Stück östlich der Oder. :-D

  5. Nur das es heute nicht mehr gibt
    Gerade Konflickt USA und China werden gar nicht oder sehr Zensiert berichtet , so das zusammen hänge gar nicht zu deuten sind .
    Franzosen wollen in sahelzone mehr Engaschieren soll angeblich heute in Mühlheim mit der DF brig auch im gespräch werden , das wußte ich nicht mal das der Franzose in Afrika Verstäkt auftauchen will
    Man hört ja nur noch Syrien der Frühlig der schon Kurz vor Kalten Wintersteht
    wenn die Salafisten an der macht sind geht ihne schlechter wie unter A.

  6. Interessant ist in diesem Zusammenhang, wie Franz Josef Strauß diese Affäre selbst gesehen hat. Im Buch „Franz Josef Strauß – Die Erinnerungen“ wird er wie folgt wiedergegeben *):

    „Aber die Wahrheit spielte damals keine Rolle, nur die emotionalisierte, aufgeheizte Stimmung. Ich bin damals behandelt worden wie ein Jude, der es gewagt hätte, auf dem Reichsparteitag der NSDAP aufzutreten. Es gab Anzeichen eines ausgesprochenen Massenwahns – ohne Rücksicht auf die Fakten wurde für den >Spiegel< und damit gegen mich agiert und agitiert. Unter einer Woge einseitiger Stimmungsmache sollte der Kern der Affäre verborgen werden, nämlich der ungeheurliche Verrat brisanter militärischer Geheimnisse durch Augsteins Blatt."

    *) Viel mehr ist auf den 565 Seiten der Erinnerungen zu der Affäre leider nicht nachzulesen. Wie der Autor Wolf Jobst Siedler zu diesem Werk anmerkte, nahm sich FJS am letzten Arbeitstag, dem 22. September 1988 vor, beim nächsten Mal mit einer ausführlichen Darstellung der >Spiegel<-Krise fortzufahren. Dazu ist es ja dann nicht mehr gekommen. Zu gerne hätte ich mir seine Sicht der Ereignisse zu Gemüte geführt.

  7. “Bedingt abwehrbereit” ist wohl auch die Bw, spätestens wenn dann auch noch das letzte richtig verbunkerte CRC aus Kostengründen geschlossen wird. Wir können im Moment wohl nur noch AFG und damit ist wohl früher schluß als gedacht!
    Was dann?
    Werden wir dann wieder abwehrbereit?

  8. @Elahan:
    Das mit der Abwehr-Fähigkeit ist wohl spätestens mit der Struck-Reform vor fast 10 Jahren vorbei. Da ändert dann ein CRC mehr oder weniger auch nichts mehr.

    Die Frage müsste also sein:
    Welchen Beitrag müssen, sollen und können Streitkräfte überhaupt noch zur Sicherheitspolitik leisten?
    Derlei Fragen hat TdM vor der Neuausrichtung gestellt („was müssen wir können?“). Nur beantwortet hat er sie nie. Die Antwort würde halt wirklichen Mut erfordern – für eine wirkliche Neuausrichtung der Bundeswehr.

    Der aktuelle Zustand der Bw zeigt sich aber auch an Fallex 62. Wo gibt es denn überhaupt noch wirkliche „Kriegsspiele“ zur Untersuchung von Konzepten und Strukturen?
    CD&E scheint mir meist sehr kritiklos zu sein.
    Nicht verwunderlich in einer „Null-Fehler-Organisation“.

  9. Intressant könnte das Russland so in ihre Panzertruppe Infestieren
    und jetzt auch Italische Fahrzeuge einfliesen lassen
    http://www.de.rian.ru/security_and_military/20120928/264540818.html
    wenn Link nicht gewünscht so ist bitte Löschen
    das die Firma ja schon den IVECO baut und will ab Nächtes jahr nun auch die Cent.- bauen

    Intressant ist auch das Italien auch schon ein neues Fahrzeug baut oder will

    Da ist deutschland mit dem Boxer ziemlich weit hinten FLW 40

    wenn die andere Nationen schon 120 Kanone baut oder auch mit MK
    In deutschland ist gerade einer in erprobung BW äußert sich nicht mal ob die den will oder nicht

    Da sind wir noch in der Steinzeit was an MotGren Brig angeht
    und Flugabwehr wird uns noch ersthaft beschäftigen
    weil vielle Länder haben die Gefahr erkannt

  10. @Memoria | 02. Oktober 2012 – 20:39:
    Hier fehlt es m.M.n. bei TdM an soldatischer Substanz – zu welcher zwar nicht unbedingt jeder IBUK Zugang hat bzw., hatte, aber vielleicht haben sollte: Damit fehl es an (zivil ausgedrückt) Einsichtsvermögen und Ratio, welches durch Authoritätsbeharren; „Management by Champigon“ und letztendlich durch mangelnde Identifikationsbereitschaft mit der Truppe gekennzeichnet ist. An derartige Minister mag man zwar dennoch glauben angewiesen zu sein, aber spätestens bei einer truppen- und auftragsfremden Arroganz, Überheblichkeit und Phrasendrescherei wie „Tiefe vor Breite“ ist „Schluß mit Lustig“, weil dem Selbstverständnis einer Bundeswehr zu und auch der Doktrin seines Vaters zuwider.

  11. Die Bw benötigt Drohnenabwehrkräfte, die gegnerischeUAV wirkungsvoll bekämpfen können.

    Hatten wir!

    Im Oktober 2011 veranstalteten die brasilianische Streitkräfte ein Flugabwehrvergleichschießen. Krauss-Maffei Wegmann kaufte zu diesem Zweck einen Gepard 1A2 von der Bw. Soldaten des Ausbildungszentrums Heeresflugabwehrtruppe unterstützten dabei den Hersteller bei der Präsentation des Waffensystems in Brasilien. Als Zieldarstellung diente ein Modell eines Deltaflügler mit rund einem Meter Flügelspannweite; die Radarrückstrahlfläche wurde von den Beteiligten als hinreichend beschrieben. Am Vergleichschießen beteiligt waren ebenfalls das 40-mm-Bofors-Geschütz und Flugabwehrraketen des Typs Igla die bereits in den Streitkräften verwendet werden. Da am Tag des Schießen 11 Knoten Windgeschwindigkeit am Boden gemessen wurde verfehlen beide Waffensysteme den Modellflieger. Das Schießergebnis des Gepard lag insgesamt bei drei abgeschossenen Drohnen. Ebenfalls bekämpft wurden Hartziele auf 3000 m Entfernung.

    http://www.gemhflatr.de/contrexx/media/archive1/dokumente/ReiseberichtBrasilien.pdf

    DEU…….bedingt abwehrbereit!

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