Ukraine in München: Es gilt die gefühlte Temperatur

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Die vergangenen drei Tage in München, die Tage auf der Sicherheitskonferenz, waren eisig. Allein schon draußen unter dem – meist strahlenden – blauen Himmel. Wie bei den Wetter-Apps auf dem Smartphone zählte im traditionsreichen Bayerischen Hof aber nicht allein die gemessene Gradzahl – sondern die gefühlte Temperatur. Während meine App mir durchgängig dafür zehn Grad weniger anzeigte, minus 13 statt der gemessenen drei Grad, galt ähnliches für das Klima der Sicherheitskonferenz: gefühlt war es viel kälter.

Dafür war natürlich der Krieg in der Ukraine und daraus direkt abgeleitet das Verhältnis des Westens zu Russland ausschlaggebend. Andere, wichtige Themen gerieten dabei völlig in den Hintergrund: Der Kampf gegen die islamistischen ISIS-Milizen (wer hatte schon mitbekommen, dass die Bundesregierung unmittelbar vor dem Wochenende weitere Waffenlieferungen für die Kurden beschlossen hatte?), die Flüchtlingsproblematik, Cyber-Angriffe oder gar der Klimawandel. Die gefürchtete neue Eiszeit eines neuen – oder nur des wieder erwachten alten? – Kalten Krieges bestimmte offizielle wie inoffizielle Reden.

Meine sehr subjektive Wahrnehmung (mit der ich offensichtlich bei Weitem nicht alleine stehe) nach drei Tagen Sicherheitskonferenz: Die Konfrontation West gegen Ost (oder umgekehrt) ist nicht nur wieder da, sie wird so bald nicht verschwinden. weiterlesen

Noch mal lesen: „Bedingt abwehrbereit“

Den Spiegel-Titel, der vor 50 Jahren die gleichnamige Krise auslöste, kennt jeder dem Namen nach: Bedingt abwehrbereit. Vermutlich ist aber die Zahl derjenigen, die den Artikel selbst mal zur Gänze gelesen haben, recht gering… Ich gestehe: Auch ich habe das Stück erst heute komplett gelesen, weil er der aktuellen Ausgabe des Magazins als Reprint beilag.

Aber es gibt die Titelgeschichte auch online: Bedingt abwehrbereit. Aus heutiger Sicht mehr als nur ein Stück Geschichte – weil es auch mit dem Irrglauben aufräumt, im Kalten Krieg hätten doch für die Streitkräfte finanzielle Überlegungen weit weniger eine Rolle gespielt als heute. Weit gefehlt.

(Interessanterweise widmet sich die derzeitige Jubiläums-Aufarbeitung der Spiegel-Affäre den Umständen drumrum und der Frage der Pressefreiheit. Der Inhalt des Artikels selbst spielt kaum eine Rolle…)