Gespanntes Warten auf die Piraten nach dem Monsun

In allen Meldungen über die Piraterie am Horn von Afrika klingt derzeit (mindestens) vorsichtiger Optimismus an. Ein deutlicher Rückgang der Angriffe somalischer Seeräuber im Vergleich zu den Vorjahren, über den Sommer eine lange Periode ohne jegliche Angriffe und kaum Kapererfolge. Manche vermuten gar, die Piraterie in diesem Seegebiet sei so gut wie besiegt.

Da raten die Fachleute zur Vorsicht. Anfang September hatten bereits die Kommandeure der Antipiraterie-Missionen Atalanta (EU), Ocean Shield (NATO) und CTF151 (Combined Maritime Forces) geraten, nicht zu früh auf Entwarnung zu setzen. Der Atalanta Force Commander, der italienische Konteradmiral Enrico Credendino, hat das jetzt noch mal bekräftigt:

There is no clear evidence that piracy in the Somali basin has been defeated. Furthermore if we consider that the monsoon period is ending and that pirates might come back to sea with renewed energy. My opinion is that there will be no end to Somali piracy until political and social stability ashore in Somalia has been restored.

Die Wetterbedingungen werden wieder günstiger. Es könnte wieder mehr Angriffe geben – auch wenn inzwischen private bewaffnete Schutzteams bei vielen Reedereien zum Standard geworden sind (eine sehr lesenswerte Geschichte dazu ist kürzlich im britischen GQ erschienen). Dagegen scheint die Aufstellung einer Söldnerarmee gegen Piraten gescheitert, wie die New York Times berichtet: Private Army Formed to Fight Somali Pirates Leaves Troubled Legacy (Nachtrag: eine etwas andere Sicht genau dieser Geschichte gibt es bei Foreign Policy: How the U.N. saved the Somali pirates from the brink of extinction.)

Die Deutsche Marine, damit das nicht unerwähnt bleibt, bereitet sich unterdessen weiter auf ihren ersten Einsatz eines Autonomous Vessel Protection Detachments vor. Noch, so höre ich, sind sie nicht mit einem Frachter in Richtung Somalia aufgebrochen.

 

6 Kommentare zu „Gespanntes Warten auf die Piraten nach dem Monsun“

  • chickenhawk   |   05. Oktober 2012 - 13:46

    Noch, so höre ich, sind sie nicht mit einem Frachter in Richtung Somalia aufgebrochen.

    Wie wird so etwas eigentlich genau angegangen, will heißen, wann und wo gehen die Autonomous Vessel Protection Detachments an Bord? In der Höhe von Helgoland muss man ja im allgemeinen mit Piraten noch nicht rechnen.

    Passiert das vor dem Einlaufen in den Suez-Kanal? Wird auf See übergesetzt? Wie ist das bei Schiffen, die den Indischen Ozean in Richtung Mittelmeer/Europa durchqueren?

  • Vtg-Amtmann   |   05. Oktober 2012 - 13:55

    Hartmut Schwarm, stellvertretender Bundeswehrsprecher für maritime Operationen, sagte am Donnerstag der NDR 1 Welle Nord (siehe „Stand: 04.10.2012 18:22 Uhr, Heikler Einsatz für Eckernförder Marinesoldaten“)
    „…Die Marinesoldaten werden voraussichtlich in Dschibuti auf der ‚Caroline Scan‘ an Bord gehen“ … (und fährt fort) „… Sobald der Frachter startklar ist, werden die Marineschutzkräfte aus Eckernförde in Somalia eingeschifft. Die Schutzfunktion, die früher Geleitschiffe innehatten, übernehmen jetzt die Soldaten an Bord der Frachter“, erklärt Schwarm das neue Absicherungskonzept. So sollen mehr Einsatzkapazitäten für Kriegsschiffe frei werden. Die üblicherweise aus zwölf Mann bestehenden Marineschutzteams werden speziell für diesen Einsatz durch Sanitäter und Ärzte aufgestockt … in den vergangenen Monaten hatte die niederländische Marine diesen Job übernommen – und viele Wochen gebraucht, um eine Ablösung zu finden. Offenbar reißen sich die an der „Atalanta“-Mission beteiligten Länder nicht um diesen Einsatz. Grund hierfür ist möglicherweise die noch immer unkalkulierbare Lage am Horn von Afrika. …

  • gebauerspon   |   05. Oktober 2012 - 15:49

    die sache scheint recht klar, so jedenfalls die bw:

    Die Fregatte SACHSEN begleitete vom 26.09.12 bis 01.10.12 ein durch das World
    Food Programme (WFP) gechartertes Schiff von Boosaaso nach Mogadischu und
    führte Aufklärung entlang der somalischen Ostküste durch. Während dieser Zeit war
    das an Bord der Fregatte SACHSEN stationierte estnische maritime Sicherheitsteam
    (Vessel Protection Detachments / VPD) auf dem zu schützenden WFP-Handelsschiff
    eingeschifft.
    Bis zum Beginn einer dreitägigen Nachversorgungsphase in Port Victoria am
    08.10.12, führt die Fregatte SACHSEN Seeraumüberwachung im Somalischen
    Becken durch.

  • T.Wiegold   |   05. Oktober 2012 - 16:02

    Das ist ja genau der Unterschied: Bei den VPD muss ein Kriegsschiff nebenher fahren, bei den AVPD eben nicht.

  • wacaffe   |   05. Oktober 2012 - 16:38

    Passend dazu das neueste Projekt des Eric Prince in Somalia.
    Durch PMC’s ausgebildete Puntland Maritime Force.

    http://www.nytimes.com/2012/10/05/world/africa/private-army-leaves-troubled-legacy-in-somalia.html?pagewanted=all&_r=0

  • T.Wiegold   |   05. Oktober 2012 - 19:22

    @wacaffe

    Äj, ja. Siehe oben stehenden Link, der sieht ziemlich genau so aus :-)