Wehrbeauftragter argumentiert für bewaffnete Drohnen

Die Debatte über eine mögliche Beschaffung bewaffneter Drohnen für die Bundeswehr hat viele Facetten – von völkerrechtlichen und ethischen Argumenten bis zu ganz handfesten praktischen Erwägungen. Letzterem neigt der Wehrbeauftragte des Bundestages, Hellmut Königshaus, zu – wie er in einem heute in der Süddeutschen Zeitung veröffentlichten Zitat (aus bekannten Gründen kein Link) erläutert:

Hätten unsere Soldaten bewaffnete Drohnen zur Verfügung, müssten sie nicht mehr hilflos zuschauen, wenn unsere eigenen Leute bedroht werden, sondern sie könnten eingreifen und den Gegner vertreiben, ohne Leben und Gesundheit eigener Kräfte zu gefährden.

Das ist sicherlich nachvollziehbar. Provoziert aber eine leicht ketzerische Frage, die ich mal in die Form kleide: Hätte die Bundeswehr beim (beendeten) Einsatz deutscher Tornado-Kampfjets in Nordafghanistan die Erlaubnis gehabt, mit diesen Flugzeugen auch zur Unterstützung der Truppen am Boden einzugreifen, hätte sie nicht mehr hilflos zuschauen müssen, wenn die eigenen Leute bedroht werden, sondern sie hätte eingreifen und den Gegner vertreiben können, ohne Leben und Gesundheit eigener Kräfte zu gefährden.

Damals wurde auf eine Beteiligung der deutschen Jets am Close Air Support bewusst verzichtet – aus politischen Gründen. Ein Einsatz bewaffneter Drohnen für diesen, unmittelbar am deutschen ISAF-Einsatz orientierten Zweck bedürfte damit neben der Entscheidung über eine Beschaffung auch eine Entscheidung für genau diesen Einsatzzweck.

Nachtrag: Passend zur (nicht nur deutschen) Diskussion diese Geschichte des Kollegen David Axe für Globalpost: Deadlier Drones are coming und dieser Bericht in Business Insider: Drone Pilots Say Their Job Is Not Like A Video Game

45 Gedanken zu „Wehrbeauftragter argumentiert für bewaffnete Drohnen

  1. Das Argument mit den Tornados ist meine ich deshalb ein wenig verfehlt, weil es seinerzeit und auch heute (?) noch gar keine Wirkmittel im Bestand gab, mit denen man ordentlich CAS hätte leisten können. 1000kg GBUs sind da sicher overkill in den denkbaren Szenarien.

  2. Eigentlich sollte man ja unterscheiden zwischen (a) der Frage, ob eine Waffe grundsätzlich für die Bundeswehr beschafft wird und (b) der Entscheidung, diese Waffe in einer konkreten Situation einzusetzen.

    Die Bundeswehr besitzt z. B. keine ABC-Waffen, und zwar aus rechtlichen, als auch aus ethischen Gründen.

    Sehr wohl aber verfügt die Bundeswehr über Kampfflugzeuge, die aus der Luft Bomben abwerfen können. So ein Einsatz hat das Potential, viele Unbeteiligte auf einen Schlag zu töten (»Kollateralschaden«). Wer aus ethischen Gründen die Beschaffung von bewaffneten Drohnen für die Bundeswehr ablehnt, müsste konsequenterweise auch bewaffnete Kriegsflugzeuge und letztlich die gesamte Luftwaffe (vielleicht mit Ausnahme des Jets von Frau Merkel) ablehnen.

    Ich vermag derzeit nicht zu erkennen, dass etwa ein Einsatz der deutschen Luftwaffe im Rahmen von Kampfhandlungen auch nur im entferntesten in Betracht gezogen. Man sträubt sich ja schon, Aufklärungsflugzeuge einzusetzen.

    Der Einsatz von bewaffneten Drohnen durch deutsche Streitkräfte, verfügten sie denn über solche, ist genauso unvorstellbar. Das ganze ist folglich eine, typisch deutsche, Phantomdiskussion.

  3. Das Problem ist, wie ich bereits in einem anderen Thread bemerkte, dass mit der Drohne auch die Wirkmittel angeschafft werden müßten.
    Wenn man nicht gerade PARS 3 LR in eine Drohne integriert (das Ding scheint ja eh eine Totgeburt zu sein) braucht man Hellfire oder kleinere GBUs.
    Also die Einführung von mindestens einem komplett neuen Waffensystem.
    1. Wie lange das bei der BW dauert ist bekannt.
    2. Wenn schon Hellfire bei einer Drohne, wieso dann noch PARS 3 LR beim Tiger?
    Ok mangels Laser Designator aber den kriegt man auch irgendwo unter.

  4. @chickenhawk:
    „Ich vermag derzeit nicht zu erkennen, dass etwa ein Einsatz der deutschen Luftwaffe im Rahmen von Kampfhandlungen auch nur im entferntesten in Betracht gezogen. Man sträubt sich ja schon, Aufklärungsflugzeuge einzusetzen.“

    Zumindest der TIGER soll ja nun in den Einsatz, ist zwar nicht von der Luftwaffe, aber auch nicht nur zum gucken und petzen da.

    Am Ende entwickelt sich die Politik schneller voran als die militärische Planung (siehe Aufstellung QRF im Jahr 2008).

  5. @JCR: Wenn man von der Technik offensichtlich nicht so viel Ahnung hat, ist es manches Mal nicht so verkehrt, das nicht so offensiv zu dokumentieren! ;-)

  6. @dallisfaction

    2000 Pfund GBUs sind eine durtchaus handelsübliche Größe bei CAS in AFG… 500er sind natürlich die kollateralschadenärmere Lösung.

  7. Ich bin kein wahrer Experte, bin aber offensichtlich deutlich näher an den angesprochenen Sachen. Und daher kann ich beurteilen, das hier im besten Fall Äpfel mit Birnen vergliechen wurde. Aber aus selbigem Grund führe ich das auch nicht weiter aus.
    Bottomline ist aber: Nicht alles was einfach aussieht ist es auch! Und besonders nicht bei den Kombinationen UHU/ PARS 3LR oder UAS/ Hellfire&GBU!

  8. @chickenhawk
    Mit dieser Argumentation kann man jedes beliebige Waffensystem heute und in der Zukunft einführen, wenn man sich nur in genügend kleinen Schritten vorran bewegt.

    Der Unterschied einer bewaffneten Drohne zu einem Kampfflugzeug sollte dabei auf der Hand liegen. Bei ersterem sitzt der »Soldat« am anderen Ende der Welt und kann nach Schichtende nach hause gehen.

  9. War es nicht so, daß der CIA 50% der Drohnen ohne Feindeinwirkung vom Himmel fallen?
    Ebenfalls braucht der Betrieb einer Drohne mehr Mannstunden als ein Flugzeug.

    Es wird ja auch eine Zeit „nach Afghanistan“ geben.
    Drohnen hingegen bringen jedoch, aufgrund von Radarquerschnitt und Störanfälligkeit, nur etwas wenn man gegen unbewaffnete Gegner kämpft. Und sowas hat Deutschland noch nie gemacht.
    Fürs Amerikanische Arsenal ein nettes Spielzeug. Aber für uns würde es, wie TW schon andeutete, ein Tornado mit Bordkanone ebenfalls tun.
    Von der Kostenersparnis ganz zu schweigen.

    Außerdem fehlt der (politische) Wille zum scharfen Schuss. Und welcher Offizier befiehlt schon gerne sein eigenes Karriereende?

  10. Egal welche Früchte hier mit welchen verglichen werden, tatsache ist, dass die typischen Wirkmittel (vulgo: Waffen), mit denen Drohnen typischerweise ausgestattet werden, im Bestand der Bundeswehr nicht vorhanden sind.
    Die GBU-54 LJDAM, die gerade integriert wird, ist sicherlich das obere Ende vom Spektrum dessen, was normalerweise verwendet wird.
    Daraus folgt daß selbst wenn diese entscheidung getroffen wird, zusätzliche Mittel für die Beschaffung und Integration (oder noch schlimmer: Neuentwicklung durch deutsche/europäische Anbieter) bereitgestellt werden müßten.

    Was die Unfallzahlen anging, die Verluste in den ersten Monaten über Afghanistan waren hoch.
    Das hat sich m.W. inzwischen stark gebessert, aber man muß auch bedenken daß inzwischen über 10 Jahre mit Drohnen geflogen wird und der Drohnenbetrieb 2001 natürlich viel unausgereifter war als heute.

  11. @Peter

    Man braucht auch keinen (politischen) Willen zum scharfen Schuss, Herr Königshaus will die Drohnen zum „Vertreiben der Gegner“ einsetzen.
    Ich spare mir den Rest, weil die deutsche Politik weiterhin ziellos umhereiern will und wird.

  12. @dallisfaction
    Genau das ist der Vorteil des Tornado, denn er kann auch 250 kg Bomben (sind im Bestand) 10m genau ins Ziel werfen. Luft-Boden Lfk gibt es auch für den Tornado, man muss sie doch nur beschaffen. T.W. hat die Bordkanone angesprochen 360 Schuß mehr haben viele CAS Hubschrauber auch nicht! Wer neue Munition möchte bekommt sie schneller an bestehende Waffensysteme, aber das Problem ist der fehlende Wille zum Einsatz!

  13. @Elahan:
    Daher wird es aus meiner Sicht spannend zu sehen, welchen politischen UND militärisch-bürokratischen Beschränkungen der TIGER unterworfen wird.
    @Peter:
    Welcher Offizier hat wegen dem falschen Schuss bisher seine Karriere beendet?
    Ich kenne keinen Einzigen.
    Ganz im Gegenteil: Sogar Offiziere, die nicht schiessen lassen, werden zum General gemacht (verantwortlich dafür ist NICHT „die Politik“, sondern „Seilschaften in Uniform“) .
    Diese andauernden Ausreden warum man nichts entscheiden kann, sind einfach nur noch peinlich.

  14. Also m.M.n. langt der Tornado sowohl fürs Grobe und auch fürs Feine und da sitzt ein Mensch drin.

    Fürs Mikrochirurgische, bzw. Hochsensible und auch für Ad-hoc-Aktionen dürfte ein kleines aber feines ‚Multirole-UAV‘ mit ca. 200 kg + an Payload (70 mm APKWS, GPS-Mörser- granaten und Hellfire) völlig ausreichen und ansonsten fliegt das Vögelchen Aufklärung oder Relaisstation für ein zweites UAV. Die UAV-Pilots möchten bitte vor Ort bzw. im Land sein, so von wegen Realitätsnähe, Moral und Ethik.

    Den ganzen US-Riesenaufwand und Gigantismus bzw. kaltschnäuzig und bürokratisch befohlenen Größenwahn möge man bitte vergessen , und den können wir und unsere Bundeswehr uns weder heute und auch zukünftig sowieso nicht leisten.

    Und so ganz nebenbei wären die Diskussionen vom „Dunkel-Rot“, über „Grün“, „Herrn Militärbischoff“, „Frau Gelb“ und bis zum Bundesrechnungshof samt Fusion von EADS und BAE (auch auf dem UAV-Sektor) zu 90% abgehakt und zwar mit einer „Klein- aber Fein-UAV-Lösung“. Also back to the roots oder bitte zurück auf den Boden der Tatsachen, der Fakten, des Möglichen, des tatsächlich Nötigen und des damit insgesamt Opportunen!

    Wo bleibt hier das Deutsche Militär, dessen Kreativität, bis zurück zu Clausewitz und das traditionell Deutsche Selbstverständnis in Auftragstaktik, statt Befehlstaktik?

    Die Insider werden wissen, was ich meine.

  15. Arnold (SPD) sieht – laut taz – keinen dringenden Bedarf, da ja bereits bisher bemannte Flugzeuge für CAS angefordert werden können.
    UAV würden vorallem für Angriffe auf Gehöfte genutzt (?).
    Der Wehrbeauftragte solle sich zudem um Grundrechte von Soldaten kümmern und nicht um Drohnen.
    Zudem favorisiert auch er eine europäische Lösung.

    Ausblick nach der nächsten Bundestagswahl:
    Grosse Koalition der Freunde eines „Euro-UAV“.

    Vom Einsatz her gedacht ist das wohl nicht optimal.

  16. @Memoria: „Grosse Koalition der Freunde eines “Euro-UAV”. Vom Einsatz her gedacht ist das wohl nicht optimal.“

    Klasse! Und das Gehöft zum „UAV-Kolloquium“ auf dem Rennsteig stelle ich für Rot samt Komplementärfarbe gerne kostenlos zur Verfügung. Könighaus besorgt die Gullaschkanone für die Teilnehmerverpflegung und darf deshalb mit teilnehmen und im Übrigen muß er sich ja um die Rechte der uniformierten Köche kümmern.

    Vom Einsatz her gedacht ist das absolut optimal! Vorausgesetzt bei diesem Event schlägt der Blitz am richtigen Ort ein (Ironiemod aus)!

  17. @Memoria et @VtgAmtmann

    nun sehen sie es doch endlich ein: die Soldaten der BW sollen bitte politisch korrekt treu dienen – und zwar den Primaten der Parteipolitik – aber bloß nicht die FDGO tapfer verteidigen, schon gar nicht am Hindukusch…;-)

  18. @klabautermann: Ihr Argument habe ich längst begriffen, aber der einschlagende Blitz hat es noch nicht gerafft.

    Mit vorzüglicher Hochachtung und verbundenst,

    Ihr stets getreuer,

    …………….
    (alias Vtg-Amtmann )

    P.S. So hätte mein Großvater als Goldfasan geantwortet.

  19. @Klabautermann:

    Das Blöde ist nur, dass hohe Offiziere die Behauptung „das ist politisch nicht gewollt“ allzu oft nur als Ausrede nutzen.
    In vielen Fällen ist nicht der Politiker das Problem, sondern der General/ Admiral.
    Gegenüber der Truppe wird dann der schwarze Peter wieder der Politik zugeschoben.
    Die Welt ist nicht schwarz-weiß, daher sind sicher beide Bereiche für den Zustand der Bw verantwortlich zu machen. Die Politik allein ist es sicher nicht.

  20. @Memoria

    die politischen Beamten und Offiziere (B6+) stehen eben in einem ganz besonderen Loyalitätsverhältnis, das ist GG systemisch so gewollt….und das ist gut so.
    Gegenwärtig haben wir ein Misstrauensproblem in Berlin und Bonn und das ist die Frage der zivilen, politischen Kontrolle über den BND und auch KSK…und die lageabhängig zugeteilten ‚Hilfstruppen‘. Hier ist eigentlich das Kanzleramt gefragt.
    In Sachen bewaffnete Drohne könnte man das einfach so lösen, dass bewaffnete Drohnen dem Heer, bzw. der Marine auf taktischer Systemebene zugeordnet werden, und deren Einsatz unter Parlamentsvorbehalt (ROE) im Rahmen eines Einsatzmandates gestellt werden.
    Auf die Idee kommt bloß keiner

  21. @Klabautermann: Jetzt mal zurück in Realitas und Klamauk, Klabautermanns- und auch Amtmanns-Denken mal aussen vor. Wäre „Klein aber Fein“, sprich „Tiefe vor Breite“ nicht wirklich der effizientere Weg? Auch in Sachen UAV?

  22. @klabautermann / Nachtrag:
    Unsere Kommentare haben sich zeitlich überschnitten: Mit Ihrem Fazit: „In Sachen bewaffnete Drohne könnte man das einfach so lösen, dass bewaffnete Drohnen dem Heer, bzw. der Marine auf taktischer Systemebene zugeordnet werden, und deren Einsatz unter Parlamentsvorbehalt (ROE) im Rahmen eines Einsatzmandates gestellt werden. Auf die Idee kommt bloß keiner!“,
    voll d’accord.

    Aber das wäre ja zu einfach, der taktischen Ebene, welche voll im Geschehen steht, etwas zu überlassen!?

  23. @Klabautermann:
    Misstrauen gegen das KSK gibt es wohl in Bonn – und bald in Strausberg – deutlich mehr als in Berlin (siehe LUH).
    In Sachen ROE: Man kann es nicht oft genug sagen: ROE schreibt das BMVg.
    Wollen sie noch mehr parlamentarisches Mikromanagement?
    Abseits von ROE:
    Im Einsatz gibt es einen Rechtsrahmen (zumeist Kap. VII), der kann ausgeschöpft werden. Egal ob von Heer, Marine oder Luftwaffe (fehlte in Ihrer Aufzählung??).
    Ganz nach alter Schule („Meine Absicht ist es, …“).
    Daher haben wir hier wohl ähnliche Ansichten. In Politik und Presse ist es aber halt spannender über gezielte Tötungen usw. zu fabulieren.

    Zu B6+ sag ich besser nichts… Anspruch und Wirklichkeit…

  24. Die wahre Grundfrage lautet doch: Warum launcht der Mann im Amt des Wehrbeauftragten diese Nummer genau jetzt? Ist das etwa das unverfängliche „Profilierungsbäuerchen“, dass die Rückkehr aus der (nicht so ganz freiwilligen) Abstinenz der letzten zwei Monate einläutet?

  25. Ich will jetzt hier keine Vorlesung über Jointness halten, nur so viel:

    Jointnes ist warfare functional: land, air, maritime.
    Daher muß auf der taktischen Ebene jede TSK über organische (surface/air) Fähigkeiten verfügen.
    Auch eine Patrouille z.B. in Afghanistan ist eine warefare-Plattform aus systemischer Sicht und braucht von daher organische CAS Fähigkeiten….siehe auch US Army und USMC, genau wie eine Marineeinheit in der „Einzelkämpferrolle‘ (Robust Maritime Interdiction).
    Die Luftwaffen mit ihrem ‚alles, was fliegt, gehört uns‘ Anspruch bringen alles durcheinander.

  26. @Jensen:
    Meine Vermutung: Während der Haushaltsberatungen werden die Weichen für eine neue Drohne gestellt – daher ist das mediale Interesse nochmals gestiegen. In dem Rahmen wurde eben auch der Wehrbeauftragte nach seiner Meinung gefragt (Einsatzrelevanz und so).

    Man mag ja vom Wehrbeauftragten denken was man will, aber soll er schweigen, wenn erkennbar ist, dass eine erhebliche Fähgkeitslücke im Einsatz auch mittelfristig nicht geschlossen werden soll? Dann besser keine „Profilierung“, dafür aber 2014 immer noch keine bewaffnete Drohne?
    Vom Einsatz her denken sollte halt nicht nur ein Lippenbekenntnis im BMVg sein.

  27. @Jensen: Die Grundfrage ist absolut richtig und konsequent.

    Aber im Fall des Wehrbeauftragten versus der akuten Erfordnisse ist diese Grundfrage so relevant wie der berühmte Sack Reis in China oder wie die umfallende Leiter in Chikago. Nur wer macht dies dem Wehrbeauftragten und anderen noch weniger qualifizierten Debattierclubs deutlich? Das wäre Aufgabe der Politik und unseres Verteidigungsministers! Wie war das noch mit den Blinden, den Einäugigen und dem König? Und hier mag sich unser IBUK bitte aktuell einordnen.

  28. @Klabautermann:
    Vorlesung ist nicht nötig. Natürlich sollte man möglichst viele Mittel organisch verfügbar haben. Aber das hat ja auch Grenzen (im Heer jetzt sogar schon beim Steilfeuer).

    NetOpFü sollte doch den Zugriff der taktischen Ebene auch für nicht-organische Mittel ermöglichen. Am Ende ist es wohl wie im USMC ein „state of mind“-Thema.
    Die Army wiederum greift doch auch auf die USAF im taktischen Bereich zurück (siehe A10). Bei der Luftflotte 4 lief das wohl auch recht gut…

    Mein Eindruck: wir haben durch Ausbildungsmängel vor allem die Flexibilität in der Operationsführung verloren (Beispiel: Bilden von Kampfgruppen im laufenden Gefecht).
    So planvoll und methodisch, dass insbesondere unsere skandinavischen Kameraden recht oft schmunzeln müssen.
    Oder stellt sich das in Stavanger anders dar?

  29. Es ist ja nun schon Tradition, dass sich der Wehrbeauftragte mit Forderungen nach Ausrüstung und Bewaffnung in der Öffentlichkeit zu Wort meldet. In Sachen angemessener Besoldung habe ich da noch nichts von ihm gehört. Vielleicht habe ich es aber auch nur verpasst. Auffällig ist, dass man Politikern Sachverhalte immer stark vereinfacht erklären muss, wie auch der Öffentlichkeit. Aber den zitierten Satz muss man wirklich mehrfach lesen, um zu begreifen, was da gesagt wurde:
    Unsere Soldaten sehen seit 2002 hilflos zu, wie unsere eigenen „Leute“ bedroht werden????? Und das weil wir keine bewaffneten Drohnen haben??? Herzlichen Dank Herr Königshaus. Unsere hilflos zusehenden Soldaten im Einsatz werden es Ihnen danken.

  30. @ memoria
    Ich habe damit überhaupt nichts über die Notwendigkeit gesagt, sondern lediglich, dass die Argumentation Biertischqualität hat.
    Der Reisebericht weist darauf hin, dass die Luftwaffe diese Forderung stellt. Das überrascht ja nun niemanden, denn die Luftwaffe ( immer schon drei Schritte weiter ) fordert bewaffnete Drohnen schon seit 2008 ( vielleicht sogar noch früher). Ich begreife es aber als eine grundsätzliche Forderung für den Fortbestand der Luftwaffe. Mir ist nicht bekannt, dass ein Com RC North diese Forderung gestellt hätte. ( Ich weiß aber auch sicher nicht Alles)

  31. @schleppi:
    Mal wieder ein Beispiel für das Verantwortungsbewußtsein der militärischen Führung.
    Der Bedarf ist auf taktischer Ebene längst bekannt (abgesehen von der Interessenlage der Luftwaffe als Mittel zum Selbsterhalt).

    Sollten die letzten COM RC-N keine entsprechende Forderungen in die Erfahrungsberichten geschrieben haben, dann sagt das auch viel.
    Aber selbst wenn, wer hat den Führungsstäben eigentlich verboten über den wirklichen Krieg nachzudenken und entsprechende Forderungen zu stellen?
    Ich erinnere mich auch noch sehr gut an die Diskussionen zwischen Fü L und Fü S zu bewaffneten Drohnen in 2008 (Erstellung der Phasenpapiere SAATEG).
    Schneiderhan wollte halt mal wieder Ruhe haben…

    Noch was zur Luftwaffe: Bei Luftnahunterstützung ist die Luftwaffe sicher nicht 3 Schritte voraus – jetzt holt die Lw aber wenigstens auf (Air-Surface-Integration).

  32. @ memoria
    Ich würde es begrüßen, wenn wir über den wirklichen Krieg nachdenken könnten. Das finge damit an, dass wir uns darüber unterhalten, was wir unter „wirklichem Krieg“ verstehen würden. Und damit wären wir sehr weit am Anfang. Betrachtet man dann alles weitere aus Sicht der Bundeswehr, oder noch besser : der Bundeswehr im Bündniskontext, dann kämen wir vermutlich schnell voran. Und jetzt gebe ich Koppelin Recht: die Forderung hätte dem GI zugestanden und nicht einem Inspekteur TSK, oder hat er für den GI gesprochen?
    Mir ist aber auch klar, dass der Eurofighter vermutlich der letzte bemannte Kampfjet der Bundeswehr sein wird und damit der Zeithorizont für die Entscheidung festgelegt ist. Ich halte es nur für unzulässig, das mit dem Licht des Afghanistanskonflikts zu bestrahlen.

  33. Vtg-Amtmann
    …. Also back to the roots oder bitte zurück auf den Boden der Tatsachen, der Fakten, des Möglichen, des tatsächlich Nötigen und des damit insgesamt …

    Leider haben wir den Alpha Jet außer Dienst gestellt!l

    Wer CAS will kann CAS bekommen…..wer CAS will !!!

  34. Wenn wir uns zurück auf den Boden der Tatsachen begeben ist leider auch der Alpha Jet eher suboptimal in A-Land, wir brauchen uns den aber gar nicht zurückzuwünschen. Bei der Integration der GBU-24 Paveway III hätte man für wenig Geld auch ein 500 pfünder Paveway II integrieren können. Damals hat man sich aber auf die Schulter geklopft das man hier Geld gespart hat, denn wer braucht schon kleine Löcher, und abstandsfähig ist das ja auch nicht. Die Verantwortung liegt in diesem Bereich klar im militärischen Bereich, auch wenn das natürlich niemand zugeben will. Selbst beim EF wird wohl auf absebahre Zeit nur ein 1000 pfünder integriert. CAS geht also der Führung ziemlich am Allerwertesten vorbei. Bevor ich über Drohnebewaffnung rede muss ich mir also, wie bereits angesprochen, erst mal über meine bereits eingeführten Waffensysteme machen.

    Was den Wehrbeauftragten angeht: Wer keine Ahnung hat, einfach mal ….. Oder sich kompetent beraten lassen, denn wie Elahan schon schrieb: Wer CAS will.. .

  35. @SchmidtM:
    Sehe ich was die Bewaffnung angeht auch so. Wir reden nun seit mehr als 5 Jahren über die „small diameter bomb“ – die Italiener kaufen sie. Bei uns scheinen HOSPO + Co weoterhin wichtiger zu sein.

    Mit Blick auf den Wehrbeauftragten: Völlig am Thema vorbei ist seine Kritik nicht (siehe oben, Reisebericht Abg. Keul).

  36. @Elahan
    Da Sie sich für aktuelle und historische CAS-Lösungen der Bundeswehr interessieren, empfehle ich immer das Hauptaugenmerk auf die Rover-Fähigkeit des Systems zu legen.
    Wir reden hier nicht von evakuierten, menschenleeren Wüsten, über die man großflächig Killboxen legen kann. Alle potentiellen Einsatzszenarien und realen Einsätze gehen von Bevölkerung aus, bei der Opfer unter allen Umständen zu vermeiden sind. Das muss man als Bodentruppe auch unterstützen: Immerhin ist man i.d.R. sehr nahe dran und hat ein vitales Eigeninteresse das Kolateralschäden minimiert werden!
    Die Praxisschlussfolgerung:
    Kein Rover = kein CAS und so wird es auch in aktuellen Einsätzen gehandhabt.

    @JCR
    Wenn man eine „handelsverfügbare“ Drohne kauft – im Klartext Reaper oder Heron TP, dann muss man da keine Waffen integrieren sondern nur das Gesamtsystem kaufen – da ist alles dabei. Das ist ja der Witz an „handelsverfügbaren“ Lösungen. Wenn man natürlich Änderungen oder gar Talarion will, dann sprechen wir eher über eine Dakade Forschung & Entwicklung, Beschaffung und Einsatzreife herstellen. Gemessen ab dem Zeitpunkt wo Geld dafür im Haushalt vorhanden ist (also tendenziell eine Dekade später…)

  37. Modellbauer wundern sich nicht:

    http://www.myvideo.de/watch/4633716/Airbus_A380_RC_modell

    Und diese Kiste in Kombination mit einem iPhone als Flugrechner (ersetzt die Fernsteuerung) kann mehr als viele teuren Waffen im Bestand der Bw.

    Aber dafür haben wir ja den Taurus und die Heißentsorgung ist günstiger als das Abwracken auf dem offiziellen Entsorgungsweg :-) Aber das Thema hatten wir schon und ist nicht es ist nicht CAS.

  38. @Elahan

    Dann sind Bomben und LFK wohl die falsche Munition!

    „Grund für die hohe Zahl an zivilen Opfern ist der Studie zufolge die unpräzise Steuerung der Geräte. Zwischen der Aufnahme von potentiellen Zielen am Boden und der Übertragung des Videos in die Steuerungszentrale der CIA an der US-Ostküste liege eine zeitliche Verzögerung, die ein genaues Schießen unmöglich mache. Dies hätten selbst Firmen eingeräumt, die an der Entwicklung der Drohnen beteiligt waren.“

    Das Thema hatten wir schon bei T.W. und der Zeitverzug (etwas geringer) ist auch in AFG bei Direktverbindung (wenn möglich) vorhanden.

    Noch gibt es kein UAV mit Bordkanone und so gibt es für Kampfhubschrauber mit Zielfixierung noch keinen Ersatz! Für 98% der Situationen benötigt die Bw keine Bewaffnete UAV und die letzten 2% könnten wir dann nur in der Breite jedoch nicht in der Tiefe!

    Gespenster Debatte! Lenkt eher von den Problemen der Reform ab! Wir bekommen die Waffenplattformen die wir haben nicht richtig bewaffnet und wollen uns neue Plattformen beschaffen! Verkehrte Welt!

Kommentare sind geschlossen.