Fast alle militärischen Führungskräfte wollen Nachbesserung der Bundeswehr-Reform

Das sind schon knallige Zahlen: Fast 90 Prozent der befragten Soldaten, so hat der Deutsche Bundeswehrverband bei einer Umfrage unter militärischen Führungskräften herausgefunden, wollen eine Nachbesserung der Bundeswehrreform. Und drei Viertel glauben nicht, dass die Bundesregierung hinter der Reform steht.

(Screenshot: Tagesschau vom 6.9.2012, 17.00 Uhr)

Einige Aussagen mehr dazu – und Zitate von Kirsch-  sind in diesem Tagesschau-Bericht zu sehen und auf tagesschau.de zu lesen.

Die Detailergebnisse will der Bundeswehrverband  am (morgigen) Freitag in der Bundespressekonferenz vorstellen.

(Kirsch hatte mir persönlich gestern noch zugesichert, die Umfrageergebnisse würden nicht vorher bekannt gemacht… Aus meiner Sicht entwertet das die morgige Pressekonferenz, die dann in der Öffentlichkeit weit weniger Beachtung finden wird – das Thema ist ja schon abgehakt.)

 

81 Gedanken zu „Fast alle militärischen Führungskräfte wollen Nachbesserung der Bundeswehr-Reform

  1. Guten Morgen,

    Ich lese ja schon länger mit hier im Blog mit und heute möchte ich auch mal etwas einwerfen. Zunächst gefällt es mir, dass die Zahlen überhaupt in dieser Form an die Öffentlichkeit gelangen (Titelmeldung der TagesschauApp) und nicht irgendwie im Ministerium versickern. Der Truppe ist meines Erachtens diese Tendenz schon lange bekannt, nur „draußen“ will ja keiner etwas davon hören.

    Die Meinung, dass dabei der Einzelne nicht viel ausrichten kann (@Tiberius & @TomTom), ist bei einem derart großen „Unternehmen“ vollkommen nachvollziehbar. Trotzdem sollte natürlich „jeder tun was er kann“.

    Ich möchte an dieser Stelle noch einen Eindruck präsentieren, welchen ich aus meiner Beobachtung als Personaloffizier einer kleineren Einheit deutlich vor mir sehe.

    Den Otto-Normal-Soldaten, welcher jeden Morgen (oder jeden Sonntag Abend…) zur Arbeit fährt und damit ziemlich weit vom Denken höherer Führungskräfte entfernt ist, plagen gar nicht jedesmal wenn er seinem Ärger Luft lässt solch grundsätzliche Themen wie „Fähigkeitenttransfers“ oder „Personalstrukturmodelle“. Hier geht es meist zunächst um den „eigenen Hintern“. Und genau hier fehlt es der Masse meiner Leute an einer greifbaren Perspektive.
    Keiner kann genau sagen, wann es denn nun wirklich losgeht mit der Reform. Oder was nach den nächsten Wahlen passiert. Die Personalbearbeitenden Stellen wollen niemanden versetzen solange „keine Organisationsgrundlagen vorliegen“. Und auch die übergeordneten Dienststellen werden aufgelöst oder umgegliedert. Da wird dann schon mal schnell der Kopf eingezogen und achselzuckend nach oben gezeigt.

    Hier wird erstmals das Ausmaß dieser Reform wirklich greifbar, denn allmählich werden ja die ersten OrgStrukturen gemäß Realisierungsplan eingenommen. Aber überall fehlt es an Infrastruktur. Da soll z.B. eine Einheit im ersten Quartal 2014 umziehen. Der neue Dienstort ist bekannt, jedoch gibt es dort keine freien Gebäude. Diese Liegenschaften werden derzeit noch von anderen Einheiten belegt, welche ebenfalls umziehen sollen. Allerdings erst 2015.
    Hmm… Komisch dass daraufhin die ersten Gerüchte entstehen. Etc etc

    Ich denke, die Informationen über die ganze Reform wurden zwar ausreichend schnell, jedoch in meinen Augen voreilig, in die Truppe verteilt. Man war zwar „aus dem Schneider“ und hatte die versprochenen Zahlen offengelegt, es bleiben aber noch so viele Fragen offen.
    Und dass sich jetzt so viele gute Leute (vermutlich erfolglos) an das Reformbegleitprogramm klammern ist auch ein bedenkliches Zeichen. Genau diese Leute brauchen wir ja noch…

    Denn neben all der Meckerei dürfen wir übigens nie vergessen, welche schönen Seiten unser Job noch hat.
    Was erlebt man nicht alles während der „grünen Ausbildung“, wer leistet nicht gerne Dienst am Strand von Cagliari, wer schaut nicht ein wenig stolz nach oben, wenn ein Jet über die Kaserne „böllert“ und wo kann man schon so viele verschiedene Menschen und wirklich gute Kameraden kennen lernen?

    Daher hoffe ich, dass die Truppe ein wenig mehr in den Prozess einbezogen wird (Die „STAN“-Verhandlungen laufen ja…) und den Soldatinnen und Soldaten so schnell wie möglich eine verlässliche Perspektive für die eigene Lebensplanung aufgezeigt wird. Nur so kann meiner Meinung nach mittelfristig wieder etwas mehr Motivation entstehen…

  2. @Elahan
    Die Frage sollte man dem Generalinspekteur stellen. Und den Inspekteuren. Aber die können ja anscheinend gut damit leben. Und so wie ich das mitbekommen habe, waren das zum großen Teil nicht gerade die Ideen der Arbeitsebene.

  3. @Elahan:
    grds. stimme ich Dir zu bzgl. des gesellschaftlichen Engagements vs. Flinte ins Korn werfen aber irgendwann einmal, beim Einen früher beim Anderen später, muss man sich auch mal die Frage stellen, ob das für einen selbst und für die Familie eigentlich auf DAUER so zu ertragen ist?

    Die Bw kann nur froh sein, dass viele Kameraden keine echten Alternativen haben. Ich wette – ohne es beweisen zu können – , dass 3/4 sofort abhauen würden wenn sie eine finanziell vergleichbare Alternative hätten. Dient diese Reform der Bundesrepublik Deutschland oder der Bundesregierung oder wem? Den Soldaten jedenfalls nicht, muss sie auch nicht aber diese sind Teil des Ganzen und ohne sie geht es nun einmal nicht.

    Abgesehen von sinnlosen Reformentscheidungen (nicht nur Standorte), die weder zur Effizienz- noch zur Effektivitätssteigerung führen, ist der Mensch spätestens bei dieser Reform nur noch Mittel (Punkt).

    Und „Boots on the Ground“ hat schon Recht mit seinem Tenor, die Masse der Entscheidungen wird durch StOffz vorbereitet und dann durch Gen o.ä. abgesegnet, also von KAMERADEN! Wir selbst verzapfen diesen Mist!

    All das darf aber nicht verwundern, denn all diese Ammenmärchen von Wir.dienen.Deutschland und Eid usw. sind längst obsolet geworden. Karrieredenken ist zum Selbstzweck verkommen und somit ist sich jeder selbst der Nächste. Klar, wir haben auch einige Unterblichtete in der Dunkelkammer sitzen aber viele sind wissend und machen das Spielchen dennoch mit – vielleicht nur unbewusst, nicht vorsätzlich, sie nehmen es einfach stillschweigend hin, ist schließlich besser für’s eigene Fortkommen.

  4. Soldaten denen es nur ums Geld geht, da kenne ich aber wenige aus der angesprochenen Ebene (KpChef, Spieß, Kdr).
    Keine Frage, ohne Einkommen würde wohl keiner seinen „Job“ machen. Aber das Geld ist mit Sicherheit nicht an erster Stelle. Meistens nicht mal unter den ersten drei.

    Zum Thema Führungswillen und Führungskraft noch ein kleiner Literaturhinweis.
    Manager-Magazin: „Karriereverweigerer – Wer will noch Chef werden?“ (Artikel ist online)
    Einige interessante Parallelen lassen sich ziehen.

  5. Zustimmung, aber so ist das mit der Courage gerade wenn es kein anderer macht muss die nächst untere Ebene ran und wenn es weh tut, muss man sie zeigen! Sonst wäre es keine Courage!

  6. Den Sack (die Reform) will doch keiner wirklich wieder aufmachen, auch nicht die Top Führungskräfte der Bundeswehr. Schließlich wurde ja auch so manche Offizierstelle ziemlich weit oben vor dem Abbau bewahrt, die bei einer Neuverhandlung wieder zu Disposition stehen würde. Einseitige Änderungen zu verlangen ist leicht, sind aber sehr sehr Unrealistisch.

    Das die Reform so nicht funktioniert, dürfte inzwischen jeder Begriffen haben. Mögliche Verluste bei einer Neuverhandlung will keiner Riskieren. Daher wird jede Reformvorschlag der Reform nieder Verhandelt.

  7. @Sachlicher

    Was lässt Sie zweifeln, dass diese Reform durchführbar ist und ein sinnvolles Ziel erreicht?

    1. Es fehlte eine in der EU und NATO abgesprochene Sicherheitsstrategie.
    2. Es fehlte eine daraus abgeleitete Fähigkeitsanalyse der EU Streitkräfte.
    3. Es fehlte eine daraus abgeleitete Aufgabenbeschreibung für die Streitkräfte in Europa
    4. Es fehlten die eben beschriebenen Schritte auch bezogen auf die deutschen sicherheitspolitischen Instrumente.
    5. Es fehlte die Frage an die Arbeitsebene was benötigt wird um die geforderten Aufgaben zu erfüllen.
    6. Nach all diesen Schritten hätte man sich um die Finanzierung, Sationierung und zukünftige Ausstattung kümmern müssen.
    7. Es fehlt nicht an Information sondern an bewerteter Information auf dem Dienstweg und der klappt seit LoNo und Intranet nicht wirklich.
    8. Es fehlt an Ehrlichkeit! Politische Entscheidungen im Nachhinein als militärisch begründet zu verkaufen ist unlauter! Den Einsatz in AFG schön zu reden wird den Bw-Angehörigen nicht gerecht!.
    9. Diese Auflistung hat keinen Anspruch auf vollständigkeit.

    Die Menge an Prozessen die zeitgleich zu bewältigen sind! Können unmöglich korrekt und anständig abgearbeitet werden!

  8. Reales Fallbeispiel:

    Unteroffizierschule unserer kleinsten TSK: Im Zuge der Strukturreform wird eine Arbeitsgruppe mit der Aufstellung der neuen STAN beauftragt. Prämisse:
    B3 des Schulkommandeurs muss erhalten bleiben.
    Folge: Der Unterbau mit entsprechend dotierten Lehrgruppenkommandeuren, Chefs, Hörsaalleitern etc. kann auch kaum angetastet werden.

    Am Ende knallen die Korken weil keine Dienstposten verloren gegangen sind und man die STAN gegenüber dem Marineamt durchbekommen hat. Andere Org-Bereiche haben dann Pech, ob man sie vielleicht noch gebraucht hätte oder nicht, steht auf einem anderen Blatt.
    Besitzstandswahrung gibt es nicht nur auf ministerieller Ebene der Bundeswehr, sondern ist jeder größeren Verwaltungsstruktur inhärent.
    Die „Verwaschung“ jeglicher Reformbestrebungen beginnt auch auf unteren Ebene. Es gibt zuweilen Offiziere/Stabsoffiziere die im Zuge der Neuausrichtung „gerufen“ haben: „Streicht meinen Dienstposten, er ist überflüssig.“ Antwort: „Geht nicht, dann können wir A15 vom Kdr XY nicht mehr begründen…

    Wenn niemand genau weiß, wo man hinmöchte, kann auch niemand konkrete Vorgaben durchsetzen. Dabei kommen dann Dogmen wie „Breite vor Tiefe“ zustande…

    Irgendwie weiß ich, dass es richtig ist die Bundeswehr in ein paar Jahren zu verlassen…

  9. @chimera
    Identische Vorgehensweisen kann ich für 3 weitere Orgbereiche /TSK bestätigen.
    Immer war der Ausgangspunkt ALLER Überlegungen die Dotierung des Dienstpostens Amtschefs / Kommandeurs / Befehlshabers.
    Alles Andere (Auftrag, Struktur, Material, ..) hatte sich dem unterzuordnen.

  10. War selbst in einer Projektgruppe zu diesem Thema und auch bei uns waren die B+ und A15 gesetzt! Reform von oben nach unten! Wie war das mit dem Fisch….. so ist es wohl auch mit der Reform!

  11. Wie auch immer die Neuausrichtung weiter geht. Sind wir froh, dass das
    Thema Bundeswehr somit in den Medien ist. Der Rest ist relativ.

  12. Es ist interessant zu sehen, wie hier aus den unterschiedlichsten Dienstgradgruppen, OrgBereichen und Erfahrungshorizonten ein beinahe einhelliges Urteil gefunden wird und dieses sich auch noch mit der sachlichen Erhebung deckt.

    Auch wenn meine Truppengattung ein relativer Gewinner der Reform ist, so muss ich sagen, Zufriedenheit ist nicht wirklich gegeben. Wenn ich mir meine Hauptleute und Oberleutnante so ansehe, dann denke ich, mit ein wenig kreativer Personalpolitik, neuen Arbeitszeitmodellen und einer modernen Reservistenkonzeption und nicht mit dem, was die Dinosaurier restauriert haben, wäre vieles im Führungskräftebereich besser gelaufen. Den Kampf um Talente verliert die Bw auf diesem Wege.

    Reformen sollte man eben nicht von denen mchen lassen, die aus dem Gestern kommen und das meiste zu verlieren haben.

  13. @der_mike

    meine persönlich vollste Zustimmung zu Ihrem Kommentar.

    TdM und vor allem seine Berater vergessen eines: er ist nicht nur Minister, sondern IBUK (Chief Executive Officer) ! Und IBUK heißt in erster Line den level der persönlichen Entscheidungskompetenz permanent mit der fachlichen Akzeptanz der Unterstellten rückzukoppeln……und nicht das Bertelsmann-Business-Model stumpf bürokratisch anzuwenden.

  14. Auch wenn auf Phoenix (noch) nichts von der Pressekonferenz sehen ist, so ist doch das Dokument mit der Studie auf dbwv.de veröffentlicht.

    Schade dass die Frage „Ich werde die Bundeswehr aufgrund der mangelhaften Umsetzung der Neuausrichtung verlassen“ nicht gestellt wurde, sie hätte hervorragend in die Anlage 4 reingepasst.
    Aber auch so, ist dies für mich die alarmierendste Anlage.

  15. @Sascha

    na ja, wir kennen doch das Spiel: externe Berater und Beratung in dieser Kanzlerdemokratie würde ja die Beteiligung des Bundestages geradezu provozieren.
    Diese ganzen Placebo-Diskussions-Auftritte dienen doch – genau wie in Sachen Euro – nur einem Ziel: Betroffene und ihre parlamentarischen Vertreter abzublocken.
    Dieser BWVerband sollte – nach dem norwegischen Modell – doch einfach mal das Streikrecht und das gewerkschaftliche Vertretungsrecht für nicht-BS fordern.

  16. Wer mit dem Satz: “ Der Sack ist zu!“ ins Rennen geht und sich sachlichen Argumenten verschließt oder diese einfach wegwischt, darf sich am Ende des Tages nicht wundern, dass ihm der ganze Laden um die Ohren fliegt. Die Führung hat es geschafft die „Willigen“ sauer zu fahren. Das habe ich meinen 30 Dienstjahren noch nicht erlebt. Ich befürchte aber, dass der Weckruf ungehört verhallt und man wieder zum einleitenden Satz meines Statements zurück kommt.
    Es bleibt jedoch die Forderung nach einer Revisionskonferenz zur Reform und zwar jetzt!

  17. @Sascha

    Auch eine sehr interessante Frage ;-) Wer gibt die Umfrage in Auftrag?

    @all

    O-Ton der Bundespressekonferenz steht im neuen Thread.

  18. @MiG:
    „Die Bw kann nur froh sein, dass viele Kameraden keine echten Alternativen haben. Ich wette – ohne es beweisen zu können – , dass 3/4 sofort abhauen würden wenn sie eine finanziell vergleichbare Alternative hätten“

    Hier sei ein Verweis auf die Fliegerei erlaubt: Sei es die Lw, das Heer oder im besonderen (weil so klein und daher mit enormer Wirkung bei der Kündigung Einzelner) die Marine, es kündigen reihenweise gut ausgebildete und vor allem zivil qualifizierte Piloten.
    Hier scheint es inzwischen so weit zu sein, dass eine personelle Ausstattung von fliegerischen Vorgesetztendienstposten nicht mehr sichergestellt sei und zum Teil wahre Notnägel gesetzt werden müssen, um den Auftrag (welchen eigentlich??) überhaupt noch annähernd zu erfüllen.
    Trotzdem scheint es weder in der direkten militärischen Führung noch im Personalamt und schon gar nicht im Ministerium zu irgend einer Reaktion zu kommen (flexible Laufbahnmodelle, Erhöhung der Zulagen, gesonderte Betrachtung bei der Auswahl zum BS und so weiter und so fort). Die Maßnahmen wären einfach, schnell durchzusetzen und würden eine direkte Wirkung entfalten.
    Nur müsste dafür erstmal ein Missstand auffallen. Und das scheint immer noch nicht der Fall zu sein.
    Ich verweise hier gerne immer wieder auf http://www.igth.de oder den CH-53-Blog.

  19. @TomTom

    Dazu müsste man ja Fehler eingestehen. Dies sehe ich absolut nicht, da man ja, wie die Umfrage unseres Verbandes zeigt, auf dem bisherigen Weg der Reform, diese auch nicht hören wollte.
    Irgendwie kommt keine Genugtuung auf, dass wir an der Basis unser Möglichstes getan haben, um auf die Fehlentwicklungen aufmerksam zu machen und sich dies nun groß teils bestätigt. Vor allem die teilweise unsäglichen Standortentscheidungen (Diepholz, KF, FFB, Rheine, etc) tragen maßgeblich zur Missstimmung bei, da daraus auch die große Versetzungswelle mit Fernpendeln ausgelöst wird. Trotz allem ist bei vielen Entscheidungen noch nicht alles zu spät, so lange keine infrastrukturellen Fakten geschaffen wurden.

  20. Einen Bundeswehrgipfel? Dachte immer der ist in Bonn auf der Hardthöhe!

    Die Reform ist gut, die Bw-Angehöhrigen verstehen sie nur nicht und haben jetzt auch noch die Frechheit zu klagen…….die sollte man alle entlassen und wenn die Familiie nicht mit macht, sollte man sich überlegen ob man die Richtige hat! Auch davon kann man sich trennen! Außerdem hat der Hauptschulleher die selben Problem und klagt nicht! (so denkt TdM)

  21. @Tiberius:
    Kann Elahan und Boots on the ground nur beipflichten.
    Natürlich sind iGler nicht an allem Schuld, aber man schiebt die Verantwortung – je nach Thema – auch gern weiter auf Politik, 87b oder Industrie.
    Gerade die Lebenslüge von Breite vor Tiefe ist die Bankrotterklärung der militärischen Führung. Hier werden – aus reiner Rückgratlosigkeit – der Politik Fähigkeiten vorgegaukelt die es nicht (mehr) gibt.
    Die dahinter stehende Grundhaltung ist ziemlich weit weg von den „Männern des 20. Juli“.

    Man muss halt alles in der „Gesamtschau betrachten“ und im Zweifelsfall „steht es einem nicht zu das zu beurteilen“.
    So von vielen, vielen Adjus der höheren und höchsten Ebenen so jeweils wortwörtlich (!!) gehört. Es gibt natürlich auch andere bei den iGlern, aber was ist Ausnahme und was die Regel? Und wer kommt nach oben? Erfahrungsgemäß eher die Adju-Typen.

  22. auch @Tiberius
    was mich und viele Kameraden ärgert ist genau das im ersten Beitrag zur Sprache gekommene Problem. Die Herren in Rot und Gold verweisen darauf das ein Mangel nicht abgestellt werden kann, weil das Haushaltsrecht, oder was auch immer, das eben jetzt nicht hergibt. Dass kann aber auch ein Hauptgefreiter. Sie werden dafür ausgesucht, ausgebildet und bezahlt zu erkennen was in drei bis zehn Jahren wahrscheinlich gebraucht wird und eine Lösung umzusetzen. Dabei erwarten wir eigentlich nur eine 80% Lösung. Wenn diese, wie in letzter Vergangenheit leider öfter, nicht erreicht wird erwarten wir das für dieses Versagen Verantwortung übernommen wird. Dieser Prozess muss innerhalb und außerhalb der BW kommuniziert werden.

    Das Gleiche gilt übrigens auch für die Leidige Frage der SollOrg. „Nur“ weil von oben keine Ansage kommt wir müssen/können mehr Stellen abbauen machen wir das auch nicht? Jetzt mal ganz ehrlich, da brauchen wir uns doch nicht wundern!

  23. Zu den Vorrednern bleibt auszuführen, man recherchiere bitte einmal die Vitae des Ministers und die seines StS Stéphane Beemelmans, samt gemeinsamer Schnittstellen. Beiden ist positiv anzurechnen, dass diese sich länderpolitisch und bundespolitisch durch „Breite vor Tiefe“ auszeichnen und fast universell einsatzbar sind ( … bzw. diese beiden und unsere Kanzlerin Vorgenanntes glauben).

    Aber das langt für eine Bundeswehr und deren Innovation, Restrukturierung und Transformation nicht. Wenn – wie hier bereits mehrfach kommentiert – die Mannschaft und das System nicht mehr funktionieren, dann löse man bitte den Trainer z.B. wegen „Bundeswehr-Fremdheit“ als aus der untragbaren Situation seines Amtsvorgängers politisch arrivierten Verteidigungsminister, samt dessen „linke Hand“ bzw. in der Französischen Armee gleich erfahrenes bzw. unerfahrenes und ebenso aus der Situation politisch arriviertes Ziehkind ab.

    Gestern sagte mir ein Bundestags-Insider, dass wir ohnehin spätestens im Oktober 2013 einen neuen Verteidigungsminister bekommen würden und dann die siebte Reform für die Bundeswehr eingeläutet werde. Begründet wurde dies einerseits mit der aktuellen Sonntagsfrage von > Infratest dimap < vom 06.09.2012, der gemäß es bei aktuellem Stand die derzeitige Regierungskoalition nicht mehr geben werde, andererseits damit, dass selbst im Falle einer Wiederwahl der Regierung, TdM seine undankbare Aufgabe nicht weiter wahrnehmen wolle, längst einen „Sättigungsgrad im Amt“ erreicht habe und ohnehin zu Höherem berufen sei bzw. werde. Als weiterer Aspekt wurde unter Bezug auf die gestern auf das Tapet gebrachten niederschmetternden Studien der TU Chemnitz (AG DBwV) und des SoWi Instituts (AG BMVg) genannt, dass es noch in diesem September bzw. spätestens bis zur Schlussrunde zum Haushalt einen nächsten und sehr heftigen politischen Eklat um die Entscheidungen bzw. Nichtendscheidungen des BMVg zwischen den Regierungsfraktionen geben werde. Gelb kämpfe nicht nur um die 5%-Hürde zu nehmen sondern auch um den „Mit-Regierungsanspruch“ bzw. bis zur Wahl auf „Biegen und Brechen“ um die Sonntagsfrage. Man sehe deshalb seitens der FDP (MdB Hoff, MdB Erdel, MdB Schnurr) in den Soldaten und BMVg/BW-Bediensteten zunehmend ein weiter zu erschließendes Wählerpotential, auf welches auch die SPD für sich als „neue Soldatenpartei“ und unter erneuter Anknüpfung an Schmidt und Leber Anspruch erhebt. Dieses Feld werden Frau MdB Hoff & Kollegen nicht Herrn MdB Arnold, Frau MdB Dr. h. c. Kastner & Kollegen überlassen und Ansatz werden u.a. der gemeinsam mit der CDU/CSU durch den Verteidigungsausschuss und den Haushaltsausschuss gebrachte SOF-LUH (Mehrzweckhubschrauber für Spezialkräfte) samt die weiteren offenen Hubschrauberfragen, wie Marine-Hubschrauber, C-SAR-Hubschrauber und Basisschulungshubschrauber sein. Dieses wird bekanntermaßen bis zur ISAF-Mandatsfrage forciert werden und könnte derart sogar zur Koalitionsfrage werden, denn Gelb hat nicht mehr viel zu verlieren bzw. kann und muss nur noch dazu gewinnen. Des angenommenen Beschluss-Antrages der SPD zu CSAR und SOF-AIR vom 18.11.2011 gemäß Bundestags-Drucksache17/7125 > http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/17/071/1707125.pdf , Seite 4, Ziffer IV < ist man sich deshalb ebenso voll bewusst, wie man sich des gleichermaßen angenommen Beschluss-Antrages der CDU/CSU und der FDP zum ‚Leichter Mehrzweckhubschrauber zur Verbringung von Spezialkräften bei Nacht und unter Bedrohung (Light Utility Helicopter – LUH)’ gemäß Bundestags-Drucksache17/7125 > http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/17/071/1707125.pdf , Seiten 6 -7, Ziffer X < bewusst ist. Vielleicht täte die Kanzlerin auch deshalb gut daran, schon jetzt nach den desolaten Resultaten der Studien der TU Chemnitz und des SoWi Instituts die „Gelegenheit zu Notbremse“ zu nutzen und gleich Herrn TdM zu Höherem - oder falls es die Kanzlerin persönlich betrifft - in eine entsprechende Warteschleife zu berufen und dann kann ja Herr StS SB gleich erneut mitgenommen werden. Konsequenz wäre damit ein neu zu berufender Verteidigungsminister samt eines neuen beamteten Staatssekretärs, aber dann bitte Solche, welche im Falle einer Regierungswiederwahl ihre Ämter weiter ausüben können und auch wollen sowie Freude an Erfolg und Anerkennung haben. Frau Kanzlerin sollte sich vielleicht einmal die Vitae dieses oder auch jenen Fraktionskollegen im Verteidigungsausschuss genauer ansehen. Da dürften m.M.n. zumindest zwei Herren mit entsprechendem nationalen und internationalen Format samt Erfahrungen - teils bis auf NATO-Ebene - und gegebener Akzeptanz in der Truppe sowie in der internationalen Politik zu finden sein (vgl. > http://www.bundestag.de/bundestag/ausschuesse17/a12/mitglieder.html <) Das könnte m.M.n. übrigens auch für Schwarz/Schwarz zur Verbesserung der Sonntagsfrage sowie zu einer wesentlich positiveren Resonanz in einschlägigen und sich mit der Bundeswehr samt deren Reform befassenden Medien und Blogs beitragen.

  24. @Vtg Amtmann:
    Leider werden dann schon so viele Pflöcke eingeschlagen sein, dass a.) kein Umsteuern oder Verbessern mehr möglich ist und b.) die noch nicht fertige Reform, bei gleichzeitig eingeleuteter 7. Reform, im Chaos enden wird.
    Wenn eine Chance bestehen würde, dann jetzt. Aber wenn man liest das StS B. sagt, die große Linie stimmt, scheint mir das eher unwahrscheinlich.
    Ohne große Wahrsagungen kann man festhalten, dass der Führung – vor allem der militäriscfhen – diese Reform noch vor die Füße fällt, leider ist dann zu spät. Viele haben dann innerlich gekündigt, reißen ihre Zeit noch ohne Herzblut, mangels Alternativen ab oder verschwidnen schnellst möglich in die freie Wirtschaft. Für die im System bleibenden wird das eine besch… eidene Zeit werden.

  25. @whiskeyecho
    „Leider werden dann schon so viele Pflöcke eingeschlagen sein, dass a.) kein Umsteuern oder Verbessern mehr möglich ist ….“

    und das ist die eigentliche Sauerei, da werden Tatsachen geschaffen, nicht weil es dem Auftrag dient, sondern nur um als Macher zu gelten!

    Was gerade im Bereich der Ausbildung und Fähigkeiten geschieht ist unwiederbringbar verloren!

  26. Welche Rolle spielt eigentlich unsere militärische Führung? Die Inspekteure haben ja nun fast alle gewechselt und ein jeweils anderer darf die Suppe auslöffeln. Und wie steht es um den GI? Bekommt er mit, was hier abläuft?

  27. @Trooper:
    Der GI wurde ja mit zusätzlichen Kompetenzen „belohnt“. Im Gegenzug scheint er nicht wrklich bei Problemen aufzustehen.
    Er ist ein durch viele Jahre im BMVg geprägter „Mann des Apparates“.
    Allein seine Rede bei der Kommandeurtagung in Dresden zeugt von seinem „Weitblick“.
    Von der Generalität braucht man als „Trooper“ nichts erwarten. Oben wird opportunistisch administriert, anstatt klar zu führen und zu beraten.

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