Und wieder ein Tatort mit Afghanistan-Bezug: „Fette Hunde“

Die ARD zeigt heute abend (erneut) einen Tatort, der sich mit dem Thema der Afghanistan-Heimkehrer befasst. Aus dem Ankündigungstext für Fette Hunde:

Nach einer Heimkehrparty für den aus Afghanistan zurückgekehrten Mann ihrer Ex-Kollegin Lissy werden Ballauf und Schenk zum Tatort gerufen: Im Bunker eines alten Truppenübungsplatzes wurde die übel zugerichtete Leiche eines jungen Mannes gefunden.Schnell ist seine Identität ermittelt: Laut der Frankfurter Flughafenaufsicht war Milad Rahimi zusammen mit seiner Schwester Amina erst vor zwei Tagen aus Afghanistan in Deutschland eingereist. Bezahlt wurde Aminas Flug von der Stiftung „Pro-Afghanistan“. Doch offensichtlich waren die beiden hier als Bodypacker im Einsatz.

Ich selbst komme heute abend nur punktuell dazu, in den Tatort reinzuschauen. Aber sicherlich schauen etliche meiner Leser zu – und wollen hier was dazu sagen…

In eigener Sache: Kommentarfunktion ist offen!

Oh, ich muss wohl befürchten, dass mein Hinweis und meine Kommentarschließung unter einem Thread heute morgen die Kommentarwilligkeit sehr eingeschränkt hat…

Deshalb kurz der Hinweis: Die Kommentarfunktion ist weiterhin offen!

Ich habe sie für den Piraten/OPV-Thread deaktiviert, weil ich seit vergangener Nacht ein massives Kommentarspam-Aufkommen bemerke. Das richtet sich aber offensichtlich nicht gegen diesen einzelnen Thread – der Spam kommt zum jeweils jüngsten Eintrag und ist offensichtlich eine Botnet-Geschichte.

Ich bemühe mich, das in den Griff zu bekommen. Aber das ist eine Sache für die Verwaltung dieses Blogs; Leser und Kommentatoren sind nicht betroffen.

Lesetipps zum Sonntag: Streitgespräch Waffenexporte. Und ein Blick auf den OP North

An diesem lauschigen (hier zu Lande) Sonntag noch schnell zwei Lesetipps:

In der evangelischen Zeitschrift Chrismon ein Streitgespräch über Waffenexporte zwischen der Theologin Margot Käßmann und dem Krauss-Maffei Wegmann-Erben Burkhart Braunberens:

Panzer für die Saudis?

Und nach der Reportagereise der Reuters-Kollegin Sabine Siebold nach Afghanistan, von der ich vor ein paar Tagen schon mal einen Lesetipp verlinkte, hier ihre Reportage vom OP North:

Schnellkurs in Eigeninitiative

(Hinweis: Angesichts des geplanten Leistungsschutzrechts verlinke ich hier nicht die Webseiten deutscher Printmedien. Chrismon sehe ich, da nicht primär als Verlegerprodukt konzipiert, als Ausnahme; die Texte von Nachrichtenagenturen auf ihren eigenen Webseiten ebenfalls.)

RC N Watch: Milizen töten Zivilisten in Kundus

Die Nachrichtenlage ist noch etwas unübersichtlich – aber es scheint, dass in der nordafghanischen Provinz Kundus (im deutsch befehligten ISAF-Regionalkommando Nord) mit den Sicherheitskräften gerade etwas gründlich schief läuft. Eine bewaffnete Miliz, Teil der so genannten Afghan Local Police (ALP), soll nach einem Angriff auf ALP-Angehörige ein Dorf bei Kundus angegriffen und zahlreiche Zivilisten getötet haben – als Vergeltungsmaßnahme.

Die afghanische Online-Zeitung Khaama Press:

Several Afghan civilians were killed by Afghan local police forces – Afghan militia forces in northern Kunduz province on Sunday.
A local security official speaking on the condition of anonymity said at least 15 Afghan civilians were killed following the incident.

Die Zahl der Toten ist noch unklar, der BBC-Producer Bilal Sarwary berichtet unter Berufung auf den Provinzgouverneur von neun Toten und 8 Verletzten, darunter Frauen und Kinder. Die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua, über Kundus meist gut informiert, berichtet von 16 Toten.

Die Geschichte scheint noch nicht beendet; mehr Details nach Entwicklung.

Update: Eine Meldung des afghanischen Senders Tolo TV macht die Lage noch verworrener:

According to the provincial spokesman Enayatullah Khaliq, the clash was between insurgents and local residents. According to a witness, the clash was between the local police and residents.

Neue Sicherheitsüberprüfung für afghanische Rekruten

Angesichts der zunehmenden Zahl von Angriffen afghanischer Soldaten und Polizisten (oder auch nur: von Tätern in afghanischer Uniform) auf Soldaten der internationalen Truppen werden die afghanischen Sicherheitskräfte in Teilen einer neuen Sicherheitsüberprüfung unterzogen. Die Washington Post berichtet am Sonntagmorgen:

The senior commander for Special Operations forces in Afghanistan has suspended training for all new Afghan recruits until the more than 27,000 Afghan troops working with his command can be re-vetted for ties to the insurgency.

Hintergrund ist offensichtlich der – angestrebte – rasche Aufbau der afghanischen Sicherheitskräfte, um die Voraussetzungen für den Abzug der internationalen Truppen zu schaffen. Dabei, so berichtet das Blatt unter Berufung auf US-Aussagen, wurde wohl offensichtlich beim Prozess der Sicherheitsüberprüfung bisweilen geschlampt – und damit kamen Aufständische oder ihre Sympathisanten in die Streitkräfte, was die green on blue-Attacken erst ermöglichte.

Die zeitintensiven Überprüfungen störten eben beim schnellen Truppenzuwachs. Im Bereich der Spezialkräfte könnte sich mit der neuen Überprüfung der Trainingsbeginn um einen Monat verzögern.

Nachtrag: Die New York Times hat jetzt auch etwas dazu, was es etwas klarer macht:

The training of Afghan Local Police and Afghan special operations forces, which account for about 7 percent of all Afghan security forces, has been put on hold for at least a month while their American trainers conduct stricter vetting to try to root out any infiltrators or new recruits who could pose risks to the coalition troops working with them, American officials say.
The move does not affect the vast majority of Afghan forces — more than 350,000 Afghan National Army soldiers and Afghan National Police members — who are still being trained and are still working in the field with American and NATO counterparts, military officials said. The action was first reported online by The Washington Post.