Schüsse im Kosovo – zwei deutsche Soldaten verwundet

Bei der Räumung einer Barrikade im Norden des Kosovo sind zwei deutche Soldaten durch Schüsse verwundet worden. Die offizielle Meldung der Bundeswehr:

Am 1. Juni gegen 9.30 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit wurden zwei Soldaten des deutschen Einsatzkontingents KFOR im Rahmen einer Operation zur Räumung einer Straßensperre an einem Kontrollpunkt nördlich von Mitrovica im Norden des Kosovo durch Schüsse verletzt. Dabei erlitt ein Soldat nach jetzigem Kenntnisstand eine Verletzung am Oberarm und befindet sich zur weiteren Behandlung in einem Lazarett im Feldlager Bondsteel. Der zweite Soldat erlitt eine Verletzung am rechten Ohr und verblieb nach sanitätsdienstlicher Versorgung vor Ort.

Weiteres nach Entwicklung (ich sitze derzeit im Zug mit schwankender Internetverbindung und bin für weitere Hinweise/Ergänzungen in den Kommentaren dankbar).

Nachtrag: Der serbische Sender B92 (danke für den Leserhinweis) berichtet nur von scharfen Schüssen der KFOR-Truppen.

Nach internen Informationen der Bundeswehr kann bislang nicht ausgeschlossen werden, dass die beiden Soldaten durch friendly fire, also unabsichtlichen Beschuss aus den eigenen Reihen, verwundet wurden.
Korrektur: Da hat’s einen echten Übermittlungsfehler gegeben: Nach internen Informationen der Bundeswehr kann rpt kann ausgeschlossen werden, dass die Soldaten durch friendly fire verwundet wurden. Ich kann für diesen Fehler nur um Entschuldigung bitten.

Die serbische Regierung ist nach dem Vorfall zu einer Sondersitzung zusammengetreten.

(Zur Ergänzung noch die aktuelle deutsche KFOR-Stärke: Knapp 930 Soldaten, Stand diese Woche.)

Nachtrag 2: Die offizielle Erklärung von KFOR (übrigens begleitet von dem Hinweis auf diverse Falschmeldungen über vier verwundete und einen entführten KFOR-Soldaten):

Since 08.40 a.m. this morning KFOR is conducting a roadblock removal operation in the vicinity of Rudare north from Mitrovica. This activity is to improve freedom of movement not only for KFOR but also for international organizations and for all people in Kosovo.
KFOR confirms 2 wounded soldiers during the removal operation of Rudare Roadblock this morning.
One wounded soldier has been evacuated. He is in a stable condition.
KFOR condemns

Es gibt auch ein Video, sozusagen die Sicht der Gegenseite:

48 Kommentare zu „Schüsse im Kosovo – zwei deutsche Soldaten verwundet“

  • Prediger   |   01. Juni 2012 - 11:33

    Bei KFOR geht es auch schon wieder los: http://derstandard.at/1336698484433/Raeumung-von-Barrikaden-Erneut-Ausschreitungen-im-Nordkosovo

    Die serbische Ausgabe von B92 berichtet von Schußwaffengebrauch durch KFOR und Verletzte.

    [In den neuen Thread verschoben. T.W.]

  • Newton   |   01. Juni 2012 - 13:23

    Hoffen wir, dass es den Kameraden bald wieder besser geht und die Lage dort unten einmal wirklich unter Kontrolle gebracht wird. Nach all den Meldungen der letzten Monate über diese Region scheint es sich ja im Schatten von Afghanistan erneut zu einem heißem Krisenherd zu entwickeln. Interessant vor allem in Hinblick auf die Zukunft der dortigen Einsätze.

  • outstanding   |   01. Juni 2012 - 13:32

    Schusswaffengebrauch seitens KFOR halte ich eher für unwahrscheinlich. Da müßte schon eine direkte und ernsthafte Bedrohung vorliegen (Steine reichen nicht).

    Der Serbischen Presse (b92) sollte man auch keine unparteiische Berichterstattung in dieser Sache zutrauen.

    Bei DW hört sich das anders an: http://www.dw.de/dw/article/0,,15992238,00.html

    Hoffentlich gehts dem Kameraden gut.
    Mal sehen das weitergeht…

  • chickenhawk   |   01. Juni 2012 - 13:44

    So oder so ist das ein gefährlicher Job. Gute Genesung den Verwundeten!

  • Soldatenmutter   |   01. Juni 2012 - 14:23

    Ich hab es auch grad in den Nachrichten gehört u nach den Erzählungen meines Sohnes (ORF Batt. Ende letzten Jahres) dürfen die Jungs gar nicht von den Waffen Gebrauch machen, die Serben sind aber zu ziemlich allem bereit) Ich wünschen den beiden Soldaten schnelle Genesung und in Gedanken bin ich bei allen Angehörigen der KFOR-Soldaten — denn ich weiß wie man sich bei solchen Nachrichten fühlt

  • Prediger   |   01. Juni 2012 - 14:44

    „Nach internen Informationen der Bundeswehr kann bislang nicht ausgeschlossen werden, dass die beiden Soldaten durch friendly fire, also unabsichtlichen Beschuss aus den eigenen Reihen, verwundet wurden.“

    Dies kann naturgemäß bei keinem Feuerkampf ausgeschlossen werden. Eine ausgestoßene Patronenhülse kann z.B. eine Verletzung am Ohr herbeiführen. Generell zu implizieren, daß die beiden Kameraden durch „friendly fire“ verwundet worden sind, halte ich jedoch für verfrüht.

  • T.Wiegold   |   01. Juni 2012 - 14:53

    @Prediger

    Habe nichts implizieren wollen, sondern nur referiert, was in der Sofortmeldung steht. Bislang gibt es ja auch keine Aussage, ob es ggf. Schüsse von KFOR-Seite gab.

    (Die Meldungen mancher Medien über Gefechte oder Kämpfe halte ich für problematischer.)

  • JCR   |   01. Juni 2012 - 14:56

    In einem anderen Forum tauchte ein Video auf, welches angeblich den Vorfall oder Teile davon zeigt:
    Ich kann jedoch nur die Abgabe von ein oder zwei Warnschüssen erkennen.

  • Prediger   |   01. Juni 2012 - 15:12

    @TW

    Gem. der Meldung auf bundeswehr.de erkenne ich keine Hinweise auf „friendly fire“. SIe berufen sich jedoch auf „interne Informationen“. (Buschfunk?)

    „Bislang gibt es ja auch keine Aussage, ob es ggf. Schüsse von KFOR-Seite gab.“

    Ggf. Schüsse von KFOR vs. „friendly fire“???

  • klabautermann   |   01. Juni 2012 - 15:16

    „friendly fire“ ist bullshit, hier läuft ein altbekanntes Verunsicherungsschema ab.

  • T.Wiegold   |   01. Juni 2012 - 15:25

    Hm. Es gibt keine offizielle Aussage bislang von KFOR über eine eigene Schussabgabe. So weit klar.

    Es gibt in den internen Infos den Hinweis, friendly fire kann nicht ausgeschlossen werden. So weit auch klar.

    Wenn jemand das nicht passt, dass ich was über die offiziellen
    Angaben hinaus hier reinschreibe, braucht er das ja nicht zu lesen.

  • klabautermann   |   01. Juni 2012 - 15:28

    @T.W.

    mein Kommentar war nicht gegen Sie gemeint…….sondern gegen die “ internen Informationen der Bundeswehr“, die diesen Begriff in den Mund genommen haben.
    Troll-Openers ,-)

  • Soenke Marahrens   |   01. Juni 2012 - 15:57

    Murphy’s Law of Combat – Friendly fire isn’t!

    Gute Genesung den Betroffenen!

  • klabautermann   |   01. Juni 2012 - 15:59

    @Soenke

    Ulm ? Wann ?

  • Soenke Marahrens   |   01. Juni 2012 - 16:13

    @Klabautermann

    Untermeitingen – 30.7

  • T.Wiegold   |   01. Juni 2012 - 16:13

    So, wie jetzt oben eingefügt: Da ist ein dummer Fehler passiert – es sollte heißen: kein Hinweis auf friendly fire. Ich bitte um Nachsicht, Entschuldigung und Verständnis.

  • klabautermann   |   01. Juni 2012 - 16:16

    @T:W:

    Respekt

  • klabautermann   |   01. Juni 2012 - 16:28

    @T.W und @all

    man verzeihe mir meine heutige“no bullshit“ Haltung.
    Heute, vor 41 Jahren hatte ich beim JägerBtl 42 meinen DA.
    In diesem Sinne, meinen Kameraden weltweit……if the going gets tough, the toughs get going !

  • Alarich   |   01. Juni 2012 - 17:31

    ich kann mich nur wiederholen
    es wird Zeit das nachgerüstet wird , Ein Sofort bedarf bessere Fahrzeuge und Geschützte Räumfahrzeuge

  • Uwe Sievert   |   01. Juni 2012 - 17:31

    1992, also vor rund 20 Jahren, gingen UN Truppen auf den Balkan, um für 2 bis maximal 5 Jahre den Friedensprozess zu begleiten und zu schützen. UNPROFOR, IFOR, SFOR, KFOR und kein Ende in Sicht!
    Lange Zeit wurde der Balkaneinsatz neben dem in Afghanistan aufgrund der dortigen Gefährdungslage aus den Medien verdrängt.
    Die Einschätzung, dass das Mandat auf dem Balkan nicht so „robust“ wie in Afghanistan ist, teile ich.
    Ich wünsche den Verwundeten gute Besserung.

  • Michael Traub   |   01. Juni 2012 - 17:34

    So sieht also die Deutsche Demokratie aus, mit Panzern und bewaffnet bis an die Zähne gegen Zivilisten gewaltsam vorgehen! Es tut mir sehr leid um das vergossene Blut auf beiden seiten, ich frage mich allerdings wie das ganze noch enden soll!?

  • LTC007   |   01. Juni 2012 - 18:39

    Lieber Herr Wiegold,
    nicht aufregen. Sie machen einen SEHR guten Job. Sie können nur erahnen, wie wichtig Ihr Engagement ist. Weiter so! Da ich ein Bumskopp bin: ZU-GLEICH! Und den Verwundeten alles Gute!

  • Alarich   |   01. Juni 2012 - 19:02

    @Michael Traub
    Wenn man alles betrachtet , ist die berechtigte frage schon gestatet warum dürfen die nicht zu Serbien ,wenn da die Mehrheit da lebt Serbisch ist sehe ich genau so

    Aber der punkt ist die werden auch Politisch gestäuert wie weit darf man , man diesen Aulauf gewähren wenn man bedrachtet wer alles dahinter steckt ist , Ist das wirklich friedlicher Wiedersatnd ?

  • markus   |   01. Juni 2012 - 19:51

    nun wäre es nur das serbisch/kossovarische Grenzgebiet, die sache wäre wohl schon erledigt und man hätte einen Gebietstausch durchgeführt (die serben wären dnan auch froh, ihre rest-kosovaren loszuwerden).

    Leider köcheln in den umliegenden Republiken ähnliche Konflikte auf sparflamme vor sich hin und man hat wohl angst davor schon wieder einen Flächenbrand im Hinterhof löschen zu müssen.

    so ein gebietstausch würde ja gleich begehrlichkeiten wecken

  • Thomsen   |   01. Juni 2012 - 20:45

    @ Newton, 01. Juni 2012 – 13:23:

    „Hoffen wir, dass […] die Lage dort unten einmal wirklich unter Kontrolle gebracht wird.“

    Abriegeln und Durchsuchen aller Löcher nördlich des IBAR?

    @ Soldatenmutter, 01. Juni 2012 – 14:23:

    „… u nach den Erzählungen meines Sohnes (ORF Batt. Ende letzten Jahres) dürfen die Jungs gar nicht von den Waffen Gebrauch machen,…“

    Bei allem Respekt, und auch wenn ich selber kein Freund von dem teilweise betriebenenDuckmäusertums bin, aber kann es sein dass ihr Filius da in übertriebenem Frust Mist erzählt?

    @ Michael Traub, 01. Juni 2012 – 17:34

    „So sieht also die Deutsche Demokratie aus, mit Panzern und bewaffnet bis an die Zähne gegen Zivilisten gewaltsam vorgehen!“

    Und? es gibt a) einen Auftrag, b) einigermaßen adäquate Ausstattung, c) eine politische Legitimation…?!

    Warum lassen Sie Ihrer politgequälten Seele nicht gegenüber den verantwortlichen Politikern freien Lauf, anstatt die mit der Durchführung beauftragten mit solchen Plattitüden zu langweilen?

  • Dante   |   01. Juni 2012 - 22:03

    OHA Wenn Oma Erna einen Krampf im bein hat wird auf RTL daraus eine abendfüllende sendung, Wenn die jungs dort die rübe hinhalten interessiert es niemanden. Grauenhaft.

  • Memoria   |   01. Juni 2012 - 22:13

    Mehr als 8 Jahre nach den März-Unruhen 2004 und ewigen Diskussionen um NLW – sowie tlw punktuellen Verbesserungen in der Ausrüstung und der Ausbildung muss vor Ort weiterhin mit „Bordmitteln“ gearbeitet werden. Vom Einsatz her denken…??????

    Der Einsatz wäre schon lange etwas für Gendarmeriekräfte, aber das BMI will derlei ja nicht.

    Die Bürokratie gewinnt halt immer und überall.

  • Soldatenmutter   |   01. Juni 2012 - 22:18

    @ Thomsen

    Irgendwie hab ich das Gefühl mich mit Ihnen nicht auseinandersetzen zu wollen,

    Zumal ich das mit der „Grütze“ nicht zuordnen kann

    Ich bin stolz auf meinen Sohn und alle unsere Soldaten die ihre Aufträge erfüllen…

  • Thomsen   |   01. Juni 2012 - 22:25

    Will ich ja auch nicht in Abrede stellen, aber ein BW-Soldat, der behauptet, es wäre ihm im Rahmen der Notwehr verboten seine Waffe einzusetzen hat entweder massiv etwas nicht verstanden oder erzählt die Unwahrheit.

    Vielleicht sollte er seine Aussagen etwas differenzieren, dann sind sie ggf. nachvollziehbarer. Nur sind solche Pauschalisierungen – wenn öffentlich geäussert – natürlich ein gefundenes Fressen.

    Nur damit Sie mich nicht missverstehen: wenn mir jemand so etwas verbieten würde würde ich ihm meine Handwaffe in die Hand drücken und den Heimweg antreten.

    @ Memoria:

    wir haben dort unten bei einem Dienstaufsichtsbesuch gar wundersame Blicke von der obersten übergeordneten Besoldung geerntet als wir die damalige Sperrung der NLW erwähnten, da dies da oben inkl. der Folgen für die Auftragserfüllung gar nicht bekannt war.

    Daran wird sich bis zum Ende des Einsatzes nichts ändern. Das fängt mit den eingesetzten TrT an, usw.

  • StFwdR   |   01. Juni 2012 - 22:30

    @Thomsen

    Dito,

    leider aber dies ist das Grundübel mittlerweile ;-)

  • Thomsen   |   01. Juni 2012 - 22:36

    Das war doch nie anders. Ein Kamerad aus meinem Btl hat es im Rahmen eines Interviews für die Lokalpresse mal kurz und knapp zusammengefasst, auf die Frage, welcher Einsatz ihm eher zusagt, KFOR (4x) oder ISAF (1x):

    „ISAF, da sind die Fronten geklärt und ich weiss was zu tun ist.“

    Wobei das nicht impliziert, dass bei KFOR im Rahmen der Notwehr niemand weiss was zu tun ist.

  • Memoria   |   01. Juni 2012 - 22:36

    @Thomsen:
    Wann war das mit der Sperrung der NLW?
    Symptomatisch..

  • Georg   |   01. Juni 2012 - 22:37

    NLW bedeutet im Klartext ?

  • Boots on the Ground   |   01. Juni 2012 - 22:48

    Non-lethal Weapons / Nicht-letale Wirkmittel, z.B. Wasser, CS-Gas, Pfefferspray, Impulspatronen, Schallwaffen wie LRAD etc.

  • Thomsen   |   01. Juni 2012 - 22:52

    @ Memoria:

    Mindestens 19. Ktgt (da war ja auch alles „ruhig, aber nicht stabil, ich sage nur MITROVICA und Nordgrenze), Sperrung wurde – wenn ich mich recht entsinne – Anfang 2010 aufgehoben, aber keine Gewähr für diese Angabe.

  • T.Wiegold   |   01. Juni 2012 - 23:09

    Zur Info: es gibt eine Aktualisierung auf der Bw-Seite.

  • Memoria   |   01. Juni 2012 - 23:20

    @Thomsen:
    Einmal mehr kein Gleichklang bei Lage, Auftrag, Durchführung (wie schon 2004).
    Für was all die Stäbe, Kommandos und ministeriellen Führungsstäbe dann da sind? Wohl doch nur zur Selbstbeschäftigung und gelegentlichen Beruhigung der nächst höheren Ebene („…bestmöglich ausgebildet und ausgerüstet…“). Am Ende kommt es dann zum Realitätsschock bei der Dienstaufsicht – wenn dabei überhaupt Realität zu Tage tritt.

    Danach treten ja aber dann schnell wieder die „Experten“ aus der höheren Führung auf, um zu erklären, dass alles kein Problem sei („… In der Gesamtschau betrachtet…“) oder angeblich bald schon gelöst ist („… ist bereits im Haushalt 20XX mit einer Anfangsausstattung planerisch abgebildet…“).

    Realität stört.

  • Thomsen   |   01. Juni 2012 - 23:36

    Da war ja noch mehr. Alleine die nicht einsetzbaren Schilde und Helme, welche aufgrund der hohen Vorführungsdichte (!!!) auf der „Freilichtbühne“ Erzengelkloster zu verkratzt und abgenutzt waren.

    Lassen wir das, ich habe es aufgegeben mich darüber weiter zu echauffieren und meine Konsequenzen gezogen.

  • Orontes   |   02. Juni 2012 - 1:00

    @Thomsen
    „…ein BW-Soldat, der behauptet, es wäre ihm im Rahmen der Notwehr verboten seine Waffe einzusetzen hat entweder massiv etwas nicht verstanden…“

    Solche Fälle hat es auch in Afghanistan und anderen Einsätzen gegeben. Den Soldaten war vorher gezielt Angst vor den rechtlichen Folgen von Schusswaffengebrauch gemacht worden, so dass z.B. im laufenden Gefecht nachfragt wurde, ob man denn jetzt schießen dürfe. In anderen Fällen waren Magazine nicht einsatzbereit, weil die Soldaten sie mit Klebeband gegen Munitionsverlust „gesichert“ hatten. Man hatte den Soldaten auch hier gezielt Angst anerzogen. Dies war z.T. von höheren militärischen Führungsebenen so gewünscht, deren größte Sorge es war, mit negativer Berichterstattung in deutschen Medien erwähnt zu werden, und solche „Berichterstattung“ hatte man ja u.a. nach Kunduz 2009 erlebt. Soldaten, die in Verteidigungssituationen von der Schusswaffe Gebrauch gemacht hatten, wurden z.T. deshalb durch höhere Ebenen unter direktem mündlichen Verweis auf das Medienproblem unsachliche Vorhaltungen gemacht. Die Erfüllung des Auftrags und die Verantwortung für die eigenen Soldaten kamen für manchen General/Admiral, der noch ein Sternchen mehr haben wollte, erst an nachgeordneter Stelle.

  • Basti79   |   02. Juni 2012 - 1:16

    @Thomsen:

    Die Konsequenzen haben so viele gezogen :) – Ich dachte auch, es berühre mich nicht mehr: Seit Sie jedoch vor 3 Minuten meine Erinnerungen an gefühlte 10 „Bauerntheateraufführungen“ pro Einsatz im Erzengelkloster geweckt haben, rege ich mich wieder so schrecklich auf!!!

    Den Kameraden die es diesmal erwischt hat, wünsche ich alles Gute!

  • Schraubendrehn   |   02. Juni 2012 - 10:02

    1. Der Einsatz von militaerischer Gewalt ist bei UN mandadierten Missionen in der jeweiligen Resolution des Sicherheitsrats umrissen. Bei Chapter VII Missionen wird dies haeufig mit der Formel „all necessary means“ umrissen. Auch KFOR liegt eine UN Resolution zugrunde.
    2. Die UN Resolution wird in „Rules of Engagement (ROE)“ uebersetzt. Bei reinen UN Missionen, wie UNAMID im Darfur, wird der Einsatz von Kleinwaffen, aber auch von z.B. Kampfhubschraubern einheitlich geregelt. Letztere obliegen z.B. in der Regel der Zustimmung des Force Commanders, es sei denn er delegiert dies weiter – und traegt dafuer die Verantwortung.
    3. Aehnlich sieht die Situation bei UN mandadierten und durch die NATO duchgefuherte Missionen aus (KFOR und ISAF). Allerdings gibt es gerade bei der NATO haeufig auch national gefaerbte ROE. Robuster als das Mandat darf keine nationale ROE ausfallen, das Gegenteil gilt nicht notwendig.
    4. Universell und in jeder ROE abgebildet ist das Recht der Selbstverteidigung. Anders sieht die Lage bei der Durchsetzung des Mandats und beim Thema „Protection of Civilians“ aus.
    5. Spannend ist die Frage, wo Selbstverteidigung anfaengt und wann vom scharfen Schuss Gebrauch gemacht wird.
    6. Wesentlich ist das Prinzip „proportional use of force“. Das war bereits beim Kunduz air strike ein Thema und stelte dem Kdr vor ein Problem: Zwischen Schutezenpanzer und Jagdbomber klaffte eine Luecke, die schliesslich zur Stationierung der Haubitzen fuehrte. 7. Der Fuehrer vor Ort benoetigt also ein Spektrum an Einsatzmitteln. Idealerweise von NLW, Androhung von Schusswaffengebrauch, Moersern, Panzern, Hubschraubern bis zu Bombern- selbstredend sollte der „Werkzeugkasten“ immer abhaengig vom spezifischen Szenario zusammengestellt sein. Das sind eigentlich uralte Binsen, aber leider truebt der politische Blick die Einsicht, siehe KDZ vor dem tragischen Fall.
    8. Etwas anderes stellt geuebte Verhaltenssicherheit dar. ROE sind hauefig sperrige juristische Werke, die in Taschenkarten uebersetzt werden, um fuer den Landser, oder einen Chef oder Kommandeure verstaendlich zu sein. In der Kontingentausbildung und waehrend des Einsatzes sind daher Unterrichtungen sinnvoll, ja unabdingbar.
    9. Hat man jedoch einen ungeschulten und aengstlichen Vorgesetzten vor Ort, kann die durch Soldatenmutter geschilderte Darstellung eintreten. Sie ist weder gewollt noch richtig, sondern deutet auf die o.a. geschilderten Defizite hin.
    10. Im uebrigen sollte das Urteil zum KDZ air strike Verhaltenssicherheit im Sinne einer Geisteshaltung „Im Zweifel fuer das Mandat und die Vernunft“ ausstrahlen.

  • Prediger   |   02. Juni 2012 - 10:53

    Da die Schützen nicht identifiziert werden konnten, ist die Diskussion hier nur theoretisch. Letztlich kann man nur froh sein, daß der/ die Schütze(n) den Haltepunkt seiner/ ihrer Waffe(n) nicht kannte(n). Eine Schußverletzung am rechten Ohr deutet auf eine eindeutige Tötungsabsicht; etwas mehr links angehalten und wir hätten einen Kameraden verloren.

  • Georg   |   02. Juni 2012 - 15:13

    @ Prediger

    Ob in dem geschilderten Fall (Kopfschuss) irgendein Kamerad in die Richtung des Schusses zurückgeschossen hätte ?
    Wenn ja, mit oder ohne Feuerfreigabe jenseits des Führers vor Ort ?

  • Schraubendrehn   |   02. Juni 2012 - 15:52

    @ Georg & Prediger
    Sehr richtig. Grau ist die Theorie und doch wichtig fuer die Praxis. Aus der Ferne ist das schwer zu beurteilen, ob jemand mit oder ohne Feuerfreigabe eines Fuehrers vor Ort haette schiessen koennen oder sollen.
    Im warmen Arbeitszimmer, ausgeruht und ohne Stresshormone sieht das immer anders aus als vor Ort. Sicher spielt auch die Einweisung und die vorangegangenen Befehle eine Rolle. Hier kann man nur raten, was wie war.
    Sehr weit vorgewagt wuerde ich sagen: Ja, man haette zurueckschiessen koennen, auch ohne Feuererlaubnis. Das Recht auf Selbstverteidigung ist universell gueltig.
    Hierzu faellt mir eine Geschichte ein, die sich um Orahovac vor rd. 11 Jahren zugetragen hat, einige Wochen bevor die Kaempfe in Mazedonien ausbrachen und wer weiss, ob hier nicht ein Zusammenhang besteht. Ein Leopard II schoss scharf zurueck – mit 120 mm und nicht dem MG, da „es klemmte“ (ich durfte den Vorfall seinerzeit damals den UN erlaeutern, die dankbar ueber die klare Haltung und den Mut des Pz-Kommandanten waren), als er aus der Ferne beschossen wurde. Ein Insurgent wurde verletzt und spaeter im Krankenhaus Pristina festgenommen, da eindeutig verletzt. Danach war Ruhe im Kosovo – zumindest fuer eine gewisse Zeit. Dem Panzerkommandant wurde keine Vorhaltung gemacht, wie gesagt im Gegenteil. Er hat vertretbar, nachvollziehbar gehandelt und stand zur Verantwortung. Ich denke genau darauf kommt es an, aber wie gesagt: Es ist schwer aus der Ferne zu urteilen.

  • Panzermann   |   03. Juni 2012 - 12:04

    Als aller erstes einmal alles gute und baldige Genehsung für die verrletzten Kameraden.
    Ich war letztes Jahr im ORF II/11 Ktgt…wir waren in Zubce eingesetzt und bei der Räumung der OP´s dabei. Wir hatten an einem Tag ca. 30-50 verletzte Kameraden zu beklagen, inklusive Kameraden der Verbündeten Streitkräfte.
    Unser Kommandeur erlitt durch einen Scharfschützen einen Durchschuss im rechten Oberarm, ein weiterer Kamerad bekam einen Unterschenkeldurchschuss…das war am morgen des 28.11.2011. Der Scharfschütze konnte nicht ausgemacht werden.
    Abends kamen dann die serbischen Extremisten aus Mitrovica und Rudare…es flogen Molotovcocktails und 3 Kameraden erlitten, auf Grund der zu kleinen CRC-Anzüge, leichte Verbrennungen. In dem „Hagel“ aus M-Cocktails wurde über die Postenkette eine scharfe Handgranate geworfen, welche hinter der Postenkette umsetzte und 6-8 Kameraden, zum Teil schwer, verletzte…erst jetzt wurden Warnschüsse mit dem MG abgegeben und wir hatten Feuererlaubnis auf Störer die auch nur Ansatzweise einen Stein in unsere Richtung werfen konnten. Der Grund war das es mitlerweile dunkel geworden war und man nicht mehr zwischen Steinen oder Handgranaten unterscheiden konnte.
    Also, wir hatten sehr wohl das Recht von unserer Schusswaffe gebrauch zu machen. Dieses wurde mehrfach über Lautsprecherdurchsagen angekündigt, und jeder Soldat wurde darüber informiert. Die NLW-Munition wurden zum Teil durch Gefechtsmunition ersetzt. jeder Gruppe wurde mindestens ein Sicherungsschütze zugewiesen.
    Erst jetzt verhielten sich die „Demonstranten“ ruhig.
    Aus dieser Position der Stärke kamen die Verhandlungen zu einem Erfolg, aber anscheinend nicht zu einem Nachhaltigem…
    Was ich befürchte ist, das wir nicht zum letzten mal so eine Nachricht gelesen haben, denn KFOR ist zum Erfolg verdammt. Demnächst muss das „Gate3“ eingenommen werden, d.h. noch weniger „Feldsoldaten“, nur noch Stäbe…was nicht das Problem sein sollte wenn man gleichzeitig auf „Roadblockräumungen“ verzichtet oder es durch die Kosovarische Polizei machen läßt!

  • Thomsen   |   03. Juni 2012 - 16:43

    Danke für den Bericht.

    Kann die KP das mittlerweile (Räumung)?

    „…auf Grund der zu kleinen CRC-Anzüge…“

    q.e.d. Wie immer.

    @ Orontes: das abgeklebte Magazin kenne ich auch, genau wie der mit Kabelbinder blockierte Magazinlösehebel aus Angst vor dem Diszi wegen Magazinverlust. Ich denke aber dass sich diese Verhaltens- und Denkweise langsam aber sicher einigermaßen aus den Köpfen zwischen den eichenlaubberankten Schultern verabschiedet, genau wie der Anzugsfetischismus. In Bosnien ´98 sind unsere Herrschaften bei brütender Hitze und Feldblusenzwang mit auf brustwarzenhöhe abgeschnittenen T-Shirts rumgelaufen, um den Anschein des T-Shirt-Tragens zu wahren.

    Ich stelle mir mal bildlich vor, man würde eine ISAF-erprobte Kampfkompanie (oder ein Btl?) im Nordkosovo einsetzen, um für Ruhe zu sorgen. Planungen gab´s ja angeblich schon…

  • panzermann   |   03. Juni 2012 - 17:02

    Zur „KP“…

    Nein, sie können es nicht!

    Auch nicht die KTM, nicht die Italiener und schon gar nicht die Franzosen…die einzigen die letztes Jahr wirklich geräumt haben waren wir Deutsche zusammen mit unseren Österreichischen Kameraden, die Amerikaner auch noch (die kleineren Roadblocks).

    An dieser Stelle muss ich auch mal sagen das die Österreicher echt super Kameraden sind, und vor allem kann man sich immer auf sie verlassen!
    Die lassen einem nicht im Stich, sie drücken sich vor keiner Aufgabe und zeigen keinerlei Angst…im Gegensatz zu anderen mit uns eingesetzten Nationen….