Der neue ISAF-Sprecher: Jagdpilot mit Medien- und Politikerfahrung

Heute hat der deutsche Brigadegeneral Günter Katz für ein Jahr den Posten des offiziellen Sprechers im ISAF-Hauptquartier in Kabul übernommen – der dritte Deutsche in Folge auf diesem Posten und nach Josef Blotz und dem scheidenden Sprecher Carsten Jacobson (beide vom Heer) der erste Luftwaffenoffizier der Bundeswehr. Der 49-jährige tritt in turbulenten Zeiten an. Nicht nur, weil ein (erneut) öffentlichkeitswirksamer Angriff der Taliban nahe der afghanischen Hauptstadt genau in den Tag seiner Amtsübernahme platzte. Sondern auch, weil bis zum Sommer kommenden Jahres die Verringerung der ISAF-Truppenzahlen und die logistisch anspruchsvolle Rückverlegung von Material das Tempo für den offiziellen Sprecher der internationalen Truppen deutlich verschärfen dürften.

Mit Tempo allerdings hat Katz kein so großes Problem: Einen großen Teil seiner bisherigen Dienstzeit verbrachte er als Pilot im Cockpit von Kampfjets, sowohl der F-4F Phantom als auch des Eurofighters.

Archivbild aus dem Jahr 2006: Günter Katz vor einem Eurofighter des Jagdgeschwaders 73 „Steinhoff“ in Laage (Foto: JG73)

Katz begann seine Luftwaffen-Karriere 1982 mit der Ausbildung zum Jetpiloten auf der Phantom und flog diese Maschine zehn Jahre lang, von 1986 bis 1996, beim Jagdgeschwader 71 „Richthofen“ in Wittmund. Auf Generalstabslehrgang, Stabstätigkeit im NATO-Kommando in Ramstein und erster Tätigkeit in der Militärpolitik im Führungsstab der Streitkräfte folgte Erfahrung mit den Medien: Als Sprecher Luftwaffe im  Verteidigungsministerium konnte er den Umgang mit kritischen Fragen vor allem bei der Einführung des Eurofighters in die Bundeswehr lernen.

Für diese Einführung war Katz dann ab 2004 direkt verantwortlich: Als Kommodore des Jagdgeschwaders 73 in Laage befehligte er den Verband, der die ersten neuen Flugzeuge erhielt und die zentrale Einheit für den Betrieb des Kampfjets in der Truppe wurde. Mit den Medien hatte er auch in dieser Rolle zu tun – angesichts der Kritik an dem neuen Waffensystem.  2007 kehrte der gebürtige Wiesbadener an die Schnittstelle zur Politik zurück und wurde Referatsleiter für militärpolitische Grundlagen im Führungsstab der Streitkräfte.

Ende August wird der verheiratete Vater von zwei Kindern 50 Jahre alt. Ich hoffe, er sieht mir den Kalauer nach: So anstregend sein Job als ISAF-Sprecher auch werden mag – graue Haare wird er darüber nicht bekommen.

6 Kommentare zu „Der neue ISAF-Sprecher: Jagdpilot mit Medien- und Politikerfahrung“

  • Maintainer   |   22. Juni 2012 - 15:47

    Bei allem Respekt für die handwerklichen Qualitäten unserer Piloten: Die Verantwortung eines Verbandsführers für die Einführung eines Waffensystems ist recht überschaubar.

  • T.Wiegold   |   22. Juni 2012 - 15:53

    @Maintainer

    Im Prinzip ja. Beim Eurofighter…. Schauen Sie mal auf den verlinkten österreichischen Fachartikel.

  • MFG   |   22. Juni 2012 - 18:33

    Das Foto erinnert daran, dass das Scheinerhaltersystem dringend reformiert oder abgeschafft gehört.

  • T.Wiegold   |   22. Juni 2012 - 18:52

    @MFG

    ;-)

    (Der Ordnung halber: Das Foto stammt aus dem Jahr 2006, da war er Kommodore eines fliegenden Verbandes…)

  • Etienne Rheindahlen   |   22. Juni 2012 - 18:58

    …und wenn schon T.W. kalauert – dann noch den hier:

    Ich hoffe sehr, dass ISAF-Sprecher BG Katz nach Ablauf seines Assignments in Kabul in einem Jahr nicht resumieren muss: „Anstrengend und lehrreich – und alles für die Katz…“

  • b   |   23. Juni 2012 - 9:07

    Als ISAF Sprecher ist der Mann doch arg überqualifiziert. Alles was ISAF sagt (und sagen darf) ist #ANSFCanDo. Dafür braucht es doch keinen Brigadegeneral.

    So haben die Afghanen bei dem Hotelüberfall gestern laut ISAF nur „minimale Unterstützung“ erhalten. Tatsächlich waren es aber norwegische Spezialkräfte die da aufgeräumt haben und die UH-60 über dem Hotel wurden wohl auch nicht von Afghanen geflogen.

    Qargha Lake siege undercuts U.S.-led narrative that Afghanistan war is on track