Ausbildungserfolg: Libanesische Marine stoppt Waffenfrachter für syrische Rebellen – ohne deutsche Hilfe

Die Deutsche Marine ist seit Jahren (maßgeblich) in einer UN-Mission vor der Küste des Libanon beteiligt. Die Maritime Task Force der UNIFIL (United Nations Interim Force in Lebanon) soll den Waffenschmuggel in den Libanon über See verhindern. Die Bundeswehr tut allerdings in diesem Rahmen noch mehr: Die Ausbildung und Hilfe beim Aufbau der libanesischen Marine, unter anderem mit Küsten-Radarstationen, haben die Deutschen ebenfalls unternommen.

In dem Zusammenhang horcht man natürlich auf, wenn vor der Küste des Libanon ein Frachter gestoppt wird, auf dem Waffenlieferungen für die Rebellen in Syrien vermutet werden. Die Lutfallah II wurde nach libanesischen Medienberichten bereits am Freitag von der libanesischen Marine aufgebracht; laut Reuters wurden inzwischen Waffen an Bord entdeckt.

In diesem Fall allerdings, heißt es von der Bundeswehr, hat die Marine des Libanon ohne deutsche Hilfe agiert. Deutsche Soldaten seien an dieser Aktion nicht beteiligt gewesen, sagt mir das Einsatzführungskommando in Potsdam. Das klingt dann nach einem Ausbildungserfolg.

Archivbild: Im Rahmen des UNIFIL- Einsatzes unterstützen deutsche Soldaten die Ausbildung libanesischer Soldaten. Ein deutscher Soldat bei der Einweisung/Ausbildung und Verfahrenstraining an den Funkgeräten mit libanesischen Kollegen. Da das Schiff ursprünglich von der deutschen Marine stammt, können die deutschen Soldaten ihr Wissen weitergeben. (Foto: Bundeswehr/Andrea Bienert via flickr unter CC-Lizenz BY-ND)

9 Gedanken zu „Ausbildungserfolg: Libanesische Marine stoppt Waffenfrachter für syrische Rebellen – ohne deutsche Hilfe

  1. Wenn das stimmt, kann man nur sagen: Endlich!

    Denn die Deutsche Marine hat in jedem Kontingent wieder bei „Null“ anfangen müssen… das lag zum einen an schlechter Planung und mangelnder Übergabe innerhalb der deutschen Kontingente zum anderen aber auch daran, dass es vorher keine Marine gab und die Libanesen nur „halbtags“ Soldat sind, die meisten haben mindestens einen anderen Job, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

  2. Einen Frachter namens Lutfallah II gibt es in keiner mir zugänglichen Datenbank,
    Allerdings den Frachter Letfallah II. Vesseltracker hat zu diesem Schiff eine Nachricht veröffentlicht:

    „Lebanese Navy intercepts vessel suspected of smuggling weapons to Syria The Lebanese Navy has intercepted a cargo vessel suspected of smuggling weapons to Syria in the waters off north Lebanon, Press TV reports. Lebanon’s naval forces captured the ship Letfallah II on Friday, April 27, 2012 and forced it to dock at Selaata port, 50 kilometers north of Beirut. Meanwhile the ship was transferred to Beirut. The ship, which bore Sierra Leone flag, had set sail from Alexandria and was headed to Syria.“

    Das Schiff hat heute von Selaata nach Bereut verlegt und ist dort um 1130 UTC angekommen..

  3. @Uwe Sievert

    Dürfte sich um ein Transkriptionsproblem aus dem Arabischen handeln? Die Letfallah II wird von einem syrischen Unternehmen bereedert, wenn auch unter der Flagge von Sierra Leone; das Schiff dürfte es sein.

  4. Nun, auch wenn keine deutschen Soldaten dabei waren, dann heißt das nicht, dass UNIFIL MTF nicht beteiligt war….die MTF wird seit Anfang 2011 von Brasilien geführt….und die Brasilianische Marine hat national auch die Coast Guard Lizenz, ist also eh besser ausgebildet/ausgestattet für Coast Guard Jobs, inklusive Ausbildung fuer boarding, visit & search…usw.
    Richtig ist, dass die Leb Navy ein Personal-Kontinuitätsproblem hat. Mich erstaunt allerdings aufgrund der innenpolitischen Situation im Libanon, dass tatsächlich gerade dieses Schiff umgeleitet und dann im Hafen untersucht wurde. Da hat wohl der Präsident ein Machtwort gesprochen.

  5. Der Spiegel berichtet online nun über Details, die mit Fotos belegt sind.

    Es wurden drei Container mit Maschinengewehren, Granaten, Raketen, Raketenwerfern und Sprengstoff gefunden, alles unsachgemäß gestaut.

    Das Material kam gewiss nicht legal an Bord, aber eine offene Frage bleibt bisher:
    WER ist der Empfänger?
    Alle gehen von dem Assad – Regime aus.
    Das ist aber noch nicht bewiesen.
    Theoretisch könnten auch Einheiten der , die zumeist aus Deserteuren besteht, der Empfänger sein!

  6. Mal ernsthaft. Warum sollte sich so eine große Armee mit so einem Kleinzeug, dazu noch in Kleinmengen zufrieden geben?

  7. Greenpeace veröffentlicht unter Berufung auf DPA, dass die Waffen nicht für die Regierungstruppen, sondern für die Rebellen bestimmt waren.
    Aufgrund der unsachgemäßen Lagerung, der relativ geringen Menge und des Zustands erscheint dies zumindest glaubhaft:

    (Greenpeace)
    Libanon stoppt Frachter – Verdacht auf Waffenladung für Syrien

    Beirut (dpa) – Die libanesische Marine hat einen Frachter aufgebracht, der möglicherweise Waffen für die Regierungsgegner in Syrien geladen hat.
    Die «Lutfallah II» sei bereits am Freitag vor der Küste im Norden des Libanons gestoppt worden, sagte am Samstag ein Vertreter der Sicherheitsbehörden in Beirut.
    Nach libanesischen Medienberichten war das Schiff in Libyen beladen worden. Die «Lutfallah II» gehöre einem Syrer, hieß es weiter.

    Berichte von einem weiteren Zwischenfall in See:
    Syrische Medien berichten von einem Schusswechsel zwischen einer Marineeinheit des Landes und zwei Speed Booten. Als Ort wurde eine Position an der Nordküste Syriens genannt. Es sei der erste Zwischenfall seit Ausbruch des Konfliktes, der sich auf See zugetragen habe.
    Es soll Tote und Verletzte auf beiden Seiten gegeben haben.
    Weitere Einzelheiten sind noch nicht bekannt.
    Ob das Gefecht im Zusammenhang mit dem Frachter Letfallah II steht, ist nicht wahrscheinlich.

  8. @Uwe Sievert

    Ach ja… Hatte ich nicht schon oben im meinem Eintrag geschrieben, dass es sich vermutlich um Waffen für die Rebellen handelt? (Die von dpa angesprochenen libanesischen Medienberichte sind genau die, die ich oben schon verlinkt hatte…)

  9. 21 Personen unter Verdacht, 11 davon festgenommen.
    Neben der Besatzung von 11 Personen stehen nun 10 weitere unter dem Verdacht des Waffenschmuggels und der Bildung einer kriminellen Vereinigung. Unter ihnen auch die Schiffsmakler.
    Der syrische Botschafter im Libanon beschuldigt Katar und Saudi Arabien, den Waffenschmuggel aufgezogen zu haben. Der Saudische Außenminister wies die Anschuldigung prompt zurück.
    Dockarbeiter in BENGASI, Libyen haben bestätigt, dass sie die Container mit den Waffen auf die Letfallah II verladen hätten.
    Die Ladung soll aus einem Speicher stammen, in dem Waffen aus der alten Gaddafi – Ära, aber auch neue Lieferungen aus Katar gelagert waren.
    Unbestätigt ist die Information, dass ursprünglich 15 Container mit insgesamt 2000 Tonnen Munition übernommen werden sollten.

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