Syrien schlagen, Iran treffen?

Das Thema Syrien ist weiter auf der Tagesordnung, angesichts der Berichte aus dem Land selbst (und ich weiß nach dem letzten Thread dazu, dass ich an diesem Thema nicht wirklich vorbeikomme…). Deshalb der Verweis auf zwei gerade veröffentlichte Meldungen aus den USA:

Josh Rogin von Foreign Policy berichtet, nach seinen Informationen seien die USA nunmehr bereit, die syrische Opposition zu unterstützen – wenn auch (noch?) nicht mit Waffen. Bislang sei eine Unterstüzung der politischen Gegner von Präsident Assad vorgesehen, keine Hilfe für die Free Syrian Army (FSA).

Und die Bloggerkollegen von Danger Room melden, der US-Kommandeur im Nahen Osten, General James Matthis, habe ebenfalls die Bereitschaft zur Unterstützung der syrischen Rebellen signalisiert. Vor dem Hintergrund der Überlegung, dass ein Sturz Assads auch die Stellung Irans in der Region schwäche: Mattis told a Senate panel that knocking off dictator Bashar Assad would represent “the biggest strategic setback for Iran in 25 years.” (…)  “If we were to provide options, whatever they are, to hasten the fall of Assad,” Mattis testified, then as long as other nations were on board, “it would cause a great deal of concern and discontent in Tehran.”

Alles noch hinreichend vage, aber Stoff zum Nachdenken. Dazu passt auch (danke für den Leserhinweis) das hier: Solving Syria Requires Separating Myth From Reality

55 Kommentare zu „Syrien schlagen, Iran treffen?“

  • Orontes   |   09. März 2012 - 21:37

    @Alpha
    „Aus meiner Sicht nicht, denn auf jeden Toten kommt ein neuer motivierter Kämpfer…“

    Diese These ist m.E. schwer durch Fakten zu untermauern. Unter der Führung des älteren Assads war sogar das Gegenteil zu beobachten: Die Regierung soll damals absichtlich die Zahl der Toten der Aktion gegen Aufständische in Hama übertrieben haben, um potentielle Unterstützer der Aufständischen in der sunnitischen Bevölkerung abzuschrecken, was auch funktioniert hat.

    „…vor allem wie sich ein isrealische Angriff auf den Iran auswirken würde? Kämpfen dann alle Muslime gemeinsam gegen die Zionisten? Gibt es da irgendwelche Theorien?“

    Das iranische Atomprogramm wird von einigen arabischen Staaten auch als Bedrohung wahrgenommen. Zumindest deren Regierungen dürften nichts gegen Israel unternehmen außer symbolischen verbalen Verurteilungen. Eine Hypothese geht davon aus, dass die bislang Iran-nahe Hizbollah vom Libanon aus oder andere vom Iran unterstützte palästinensiche Gruppierungen vom Gazastreifen aus auf israelisches Vorgehen im Iran reagieren könnten. Der Einwand lautet, dass diese Gruppierungen alle auch eigene Interessen haben und ggf. keine hohen Risiken für iranische Interessen eingehen würden.

    Die interessanteste Hypothese ist aber m.E., dass die Israelis nicht vorhaben den Iran anzugreifen, sondern nur Druck auf die USA aufbauen wollen, mit ihren Fähigkeiten den Iran anzugreifen.

  • chickenhawk   |   09. März 2012 - 22:18

    Bereits letzte Woche meldete die Jerusalem Post, die syrische Opposition habe signalisiert, dass die Unterstützung für die Hisbollah auch bei einem Machtwechsel in Syrien nicht grundsätzlich in Frage gestellt würde.

    Vermutlich würde man sich auch mit der iranischen Führung arrangieren können, die Achse Iran-Syrien-Hisbollah-Hamas hätte Bestand.

    Es stimmt wohl, dass die Führungen einiger arabischer Staaten einen israelischen Angriff auf den Iran klammheimlich begrüßen würden, aber die Stimmung in der Bevölkerung dieser Länder ist völlig anders, man denke an die Zerstörung der israelischen Botschaft in Kairo im September 2011.

    In Israel werden bestimmt schon Szenarien durchgespielt, in denen etwa Jordanien und Ägypten, ggfls. nach Sturz der Regime, ihre mit Israel geschlossenen Friedensverträge kündigen.

  • Alpha   |   10. März 2012 - 10:09

    @ Orontes:

    Nun meine Frage war eher, ob die syrischen Oppositionellen ihren Aufstand einstellen werden, falls es zu einem Konflikt zwischen zum Iran und Isreal kommt ?
    Natürlich würden es die Isrealis begrüßen, wenn die USA den Job machen, denn die Amerikaner werden es sicherlich schaffen die Anlagen erfolgreich zu zerstören, während die Isrealis doch in ihren Fähigkeiten limitiert sind und somit ihre Erfolgschancen deutlich geringer sind, vor allem, da sie mehrere Angriffswellen fliegen müssten.

    @chickenhawk:

    Die Amerikaner haben noch die milliradenschwere Militärhilfe für Ägypten als Druckmittel. Wenn also die Ägypter durchdrehen sollten sie ziemlich schnell ziemlich große finanzielle Probleme bekommen.
    Ich dachte Jordanien sei ein recht stabiles Land? Meines Wissens gibt es da keine großen Proteste.

  • chickenhawk   |   10. März 2012 - 11:39

    @ Alpha

    Die jordanische Bevölkerung besteht zu mehr als 50 % aus Palästinensern (deswegen sagt man in Israel bisweilen auch, dass es schon längst einen Palästinenserstaat gibt).

    König Hussein, der Vater des jetzigen Königs, schlug 1970 einen Aufstand der PLO blutig nieder („Schwarzer September“). Das Land befand sich im Bürgerkrieg, bis zu 20.000 Palästinenser wurden getötet.

    Das jordanische Königshaus (die Monarchie in dem Land ist überhaupt eine britische Erfindung ohne jegliche Tradition) ist zwar pro-westlich und auch mit den üblichen arabischen Halsabschneider-Diktaturen nicht zu vergleichen, aber weite Teile der Bevölkerung lehnen diesen Kurs ab.

  • Orontes   |   10. März 2012 - 16:20

    @Alpha
    „Die Amerikaner haben noch die milliradenschwere Militärhilfe für Ägypten als Druckmittel. Wenn also die Ägypter durchdrehen sollten sie ziemlich schnell ziemlich große finanzielle Probleme bekommen.“

    Die ägyptische Muslimbruderschaft hat dies mittlerweile auch gemerkt und ihre Forderung nach Ende des Waffenstillstands mit Israel aufgegeben. Ihr neuer Kurs ist, den Waffenstillstand von fortgesetzter finanzieller Hilfe der USA abhängig zu machen.

    „Nun meine Frage war eher, ob die syrischen Oppositionellen ihren Aufstand einstellen werden, falls es zu einem Konflikt zwischen zum Iran und Isreal kommt ?“

    Die syrische Regierung hat zeitweise Ansätze dazu gezeigt, den Konflikt mit Israel etwas eskalieren zu lassen, möglicherweise um zu innerer Einheit beizutragen. Nichts käme der syrischen Opposition weniger gelegen als die Wahrnehmung, dass diese indirekt den Israelis hilft.

    So wie es aussieht, werden die sunnitischen Aufständischen aber v.a. von arabischen Golfstaaten unterstützt, während die syrische Führung weiter Unterstützung aus dem Iran erhält. Diese arabischen Staaten dürften auch das Interesse verfolgen, einen Verbündeten des Irans an ihrer Nordflanke loszuwerden. Wenn z.B. nach einem israelischen Angriff auf den Iran die Situation an Israels Nordgrenze eskaliert, dürften die arabischen Staaten daher unabhängig davon wie weit Syrien dabei einbezogen ist Druck auf die Aufständischen ausüben, den Kampf fortzusetzen. Die Aufständischen versuchen ja jetzt schon in ihrer Propaganda, Assas als Verbündeten der Israelis darzustellen, z.B. so: https://www.facebook.com/photo.php?fbid=252763411470704&set=p.252763411470704&type=1&ref=nf
    Bei einem israelischen Angriff auf den Iran würden sie Assad dann vermutlich vorwerfen, zu wenig gegen die Israelis zu tun etc.