Leichter Mehrzweckhubschrauber? Entscheidung frühestens nächstes Jahr

Das Thema Hubschrauber treibt hier – den Kommentaren nach zu urteilen – einige um, deshalb mal der aktuelle Stand zum Thema Light Utility Helicopter (LUH, leichter Mehrzweckhubschrauber: Der Bundestag (genauer: der Haushaltsausschuss, und der ist ja entscheidend, wenn es ums Geld geht) hatte im vergangenen Jahr das Verteidigungsministerium aufgefordert, die Mittel für die Beschaffung von leichten Mehrrollenhubschraubern für die Verbringung von Spezialkräften bei Nacht und unter Bedrohung bereitzustellen.  Nun wollte der Grünen-Obmann im Verteidigungsausschus, Omid Nouripour, gerne vom Verteidigungsministerium wissen, was denn der aktuelle Stand ist. Und bekam unter Hinweis auf den Beschluss des Haushaltsausschusses folgende Antwort:

Vor diesem Hintergrund wurden Analysen angestellt und in deren Folge am 6. März 2012 durch die Integrierte Arbeitsgruppe Fähigkeitsanalyse die Erstellung der beschaffungsbegründenden Dokumente für einen „Leichten Mehrzweckhubschrauber zur Verbringung von Spezialkräften bei Nacht und unter Bedrohung“ beauftragt.
Im Zuge der Erstellung der Dokumente wird unter anderem eine Marktsichtung durchgeführt, um Hubschrauber zu identifizieren, die das Anforderungsprofil erfüllen. Über Produkte einzelner Hersteller, die sich aus heutiger Sicht möglicherweise für die Zwecke eines leichten Mehrzweckhubschraubers eignen könnten, kann zu diesem Zeitpunkt noch keine Aussage getroffen werden.
Darüber hinaus ist es – insbesondere aus finanzplanerischen Gründen – notwendig, eine Beschaffung eines LUH im Gesamtzusammenhang mit dem Bestand an Hubschraubern der Bundeswehr sowie mit den in der Beschaffung befindlichen Hubschraubern und mit der Realisierung von neuen Basisschulungs- und Marinehubschraubern zu betrachten. Hierbei sind auch die Entscheidungen zur Reduzierung von UH TIGER und NH90 zu betrachten.
Eine entsprechende Entscheidung wird erst 2013 getroffen werden können.

Also: Erstellung der beschaffungsbegründenden Dokumente beauftragt. Und Im Gesamtzusammenhang …. mit der Realisierung von neuen Marinehubschraubern zu betrachten, die nach Aussagen aus der Marine vermutlich nicht vor 2016 in Auftrag gegeben werden. Und wenn ich dann so höre, dass das Projekt LUH bislang in der Rüstungsabteilung formal noch nicht aufgeschlagen ist… wage ich die Prognose: Das wird dauern.

 

54 Gedanken zu „Leichter Mehrzweckhubschrauber? Entscheidung frühestens nächstes Jahr

  1. @Elahan:
    „unsere mili. Führung entscheidet nichts mehr.“

    Auch durch Bewußtes nichts tun – wie beim LUH – werden Entscheidungen getroffen. Es ist eine – weit verbeitete – Mär, dass die mil. Führung nur von der Politik gegängelt wird und selbst nichts entscheidet.
    Das Verhalten der Generalität erinnert oftmals an die BBC-Serie „Yes, Minister“.
    Man verfolgt seine eigene Agenda und läßt den Minister reden (gerade auch bei der Streitkräfteplanung und den Förderungen bei Beschaffungen).
    Der LUH ist ein Paradebeispiel hierfür.
    Der politische Wille (Rettung und Evakuierung) ist seit fast 20 Jahren bekannt – aber gemacht wurde nichts. Alles Andere war wichtiger.
    Das heißt natrlich nicht, dass alle anderen beteiligten (Politik, 87a, Industrie) ohne Schuld sind (wer frei von Schuld ist, der werfe den ersten Stein) – aber die bedeutende Rolle der mil. Führung und die damit verbundene Verantwortung soltle nicht auf andere abgeschoben werden.

    @Vtg-Amtmann:
    Vielen Dank für die Rückmeldung.
    Das Buch liefert auch aus meine Sicht gerade auch für SOF Air viele Impulse (Erringen und Erhalten der „relativen Überlegenheit“).

    @all:
    Der LUH ist – aus meiner Sicht – der Lackmus-Test für die Ernsthaftigkeit der Neuausrichtung der Bw. Es bleibt spannend.

  2. @memoria: (Zitat) „Das Buch (Spec Ops: Case Studies in Special Operations Warfare: Theory and Practice” von Admiral William H. McRaven (jetzt COM SOCOM)) liefert auch aus meine Sicht gerade für SOF Air viele Impulse (Erringen und Erhalten der “relativen Überlegenheit”). Der LUH ist – aus meiner Sicht – der Lackmus-Test für die Ernsthaftigkeit der Neuausrichtung der Bw. Es bleibt spannend.“ (Zitatende)

    Na da bin ich mal gespannt, wer in Sachen SOF-LUH als Erster im BMVg Leitungsstab bei der Adjutantur des Minister, KptzS Stawitzki, oder gar im Kanzleramt beim Leiter Gruppe 22, BrigGen Dr. Vad, mit „Lackmuspapier zwecks Probe“ auftaucht (… oder schon aufgetaucht ist?). Der Zeitpunkt ist ja momentan auf Grund der aktuellen Entwicklungen in Mali recht günstig. Dort wird die GSG9 sicherlich nicht bei den Putschisten und auch nicht bei den Tuareg-Rebellen, der MNLA sowie der AQMI willkommen sein und das BMI wird auch keine rechtliche Basis haben, wenn es um Evakuierungsmaßnahmen und um mögliche Geiselbefreiungen geht!?

  3. Zur Rotationsgeschwindigkeit in der BW:

    Ein Deutscher Verteidigungsminister kommt in den Himmel und wird durch Petrus u.a. in ein Haus geführt, in dem viele Uhren hingen.
    Dazu der Hinweis, sie hätten nur den Zweck jede Veränderung in den Armeen der Welt sichtbar zu machen. jedesmal wenn sich etwas ändere bewege sich der Sekundenzeiger.

    Auf die Frage wo die Uhr für die Bundeswehr zu sehen sei überlegte Petrus kurz und sagte dann:
    „Die hängt an der Decke als Ventilator.“

    Frohe Ostern !

  4. @Memoria

    „Führung nur von der Politik gegängelt wird und selbst nichts entscheidet.“

    Wenn sie Führung mit Ministerium und Abgeortnete mit Politik meinen, haben sie meine Zustimmung. Doch die Führung bis zum Amtschef und Befehlshaber wird oft erst nicht informiert über die Vorhaben im Ministerium und unter TDM sind sie zu reinen Befehlsemfängern geworden.

    „Der politische Wille (Rettung und Evakuierung) ist seit fast 20 Jahren bekannt – aber gemacht wurde nichts.“

    Ja, der politische Wille der Abgeordneten aber das Ministerium setzt es nicht um. Auch ist die Kooperation innerhalb der EU politischer Wille, doch das Ministerium blockiert wo es nur kann.

    Alles Andere war wichtiger!

    Stimmt!

    Unsere Generalität wird ihrer Verantwortung nicht gerecht, sie unterwerfen sich der politischen Führung ohne Einwand, aber genau so verstehen sie ihren Auftrag! Widerspruch nur hinter verschlosser Tür!

    Die wirklich Vornehmen gehorchen nicht einem Machthaber, sondern einem Gefühl der Pflicht und wählt Ungnade, wo Gehorsam keine Ehre bringt!

    Wir entfernen uns immer mehr von der Aufrichtigkeit des Offizierstandes!

    Da kann man nur hoffen, dass diese Generation nicht auch einmal mißbraucht wird.
    Man hätte es sehr leicht!

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