Mehr Stab fürs Heer

Das neue Personalstrukturmodell (PSM) für die 175.000-Soldaten-Bundeswehr, versichert mir das Verteidigungsministerium, ist zwar noch nicht fertig. Ein interessantes Detail für das Heer hat Generalleutnant Norbert Finster allerdings bereits der Nordwest-Zeitung verraten (danke für den Leserhinweis):

Der Stab hatte bislang 330 Mann und war in Hannover schon auf zwei Standorte verteilt. Künftig umfasst der Stab 570 Mann.

sagt Finster zum geplanten Umzug der 1. Panzerdivision von Hannover nach Oldenburg.

Also: Die Stäbe zumindest der beiden künftigen schweren Heeresdivisionen wachsen auf, und zwar kräftig. Aber hatte Verteidigungsminister Thomas de Maizière, wie ich mich vage erinnere, nicht von weniger Stab und mehr Truppe gesprochen?

Die deutliche Vergrößerung dieses Stabs, sagt mir das Ministerium, hängt damit zusammen, dass es künftig eine Abteilung Einsatz im Divisionsstab geben wird. Und Personal, dass für Führungs/Stabsaufgaben im Einsatz zur Verfügung steht. Bisher werden ja Fachleute zum Beispiel für ein Operational Mentoring and Liaison Team (OMLT), eine Beratergruppe für die afghanische Armee, aus den bestehenden Strukturen rausgeholt. Und ein Bataillon steht dann, etwas überzogen gesagt, ohne seinen Bataillonsstab da.

Die Details muss man sich noch mal angucken. Aber auch diese Einzelheit deutet darauf hin, dass die Bundeswehr damit rechnet, künftig eher mehr (wenn auch nicht in so großen Operationen wie derzeit) im Einsatz zu sein. Das deckt sich dann wieder mit der Aussage des Ministers: „Wir werden uns eher an mehr als an weniger Auslandseinsätze unterschiedlicher Art gewöhnen müssen.“

 

33 Kommentare zu „Mehr Stab fürs Heer“

  • Orontes   |   31. Januar 2012 - 13:03

    Zitat Friedrich: „Wir werden uns eher an mehr als an weniger Auslandseinsätze unterschiedlicher Art gewöhnen müssen.”“

    Der Minister meint offenbar: „Wir als die politisch Verantwortlichen wollen deutsche Soldaten künftig in noch mehr Auslandseinsätze schicken“. Dass er diese Absicht in passiver Sprache formuliert deckt sich mit dem sonstigen Verhalten der Merkel-Regierung, Entscheidungen ohne weitere Begründung als Ergebnis alternativloser Sachzwänge zu präsentieren.

    Ich persönlich lehne es jedoch ab, Entscheidungen über Krieg und Frieden ohne weitere Begründung akzeptieren zu „müssen“. Nur zur Erinnerung: Es ist die Pflicht des Ministers, seine „Kraft dem Wohle des deutschen Volkes [zu] widmen, seinen Nutzen [zu] mehren, Schaden von ihm [zu] wenden“. Es stellt m.E. einen Bruch von Eid und Pflicht dar, deutsche Soldaten den Interessen fremder Staaten zu opfern, so wie es auch Vorgängerregierungen mit ihrer Unterstützung für diverse nicht durch deutsche Interessen legitimierte Einsätze taten. Dass der Minister dem ebenfalls nicht abgeneigt ist, zeigt u.a. sein Verweis auf die von ihm abgelehnte „Sonderrolle“ Deutschlands in Verbindung mit seiner Ankündigung von noch mehr Einsätzen. Gegenüber welchem Land bzw. Volk hat er seinen Eid denn geleistet und schuldet diesem folglich besondere Loyalität?

  • politisch inkorrekt   |   31. Januar 2012 - 13:16

    „Es stellt m.E. einen Bruch von Eid und Pflicht dar, deutsche Soldaten den Interessen fremder Staaten zu opfern, so wie es auch Vorgängerregierungen mit ihrer Unterstützung für diverse nicht durch deutsche Interessen legitimierte Einsätze taten. “

    Wenn ein Land keine eigenen Interessen hat, dann wäre ihre Aussage richtig. Wir haben aber Interessen und wird verdammt nochmal Zeit diese auch durchzusetzen. Ja einschließlich mit Soldaten.

    „Sonderrolle“ bezieht sich nicht auf seinen Eid und der daraus hervorgehenden Loyalität gegenüber Deutschland. Er spricht hier offen unseren Schuldkult an, der uns als Ausrede dient um Verantwortung gemäß unseren Gewicht in der Welt zu übernehmen.

    pi

  • Voodoo   |   31. Januar 2012 - 13:21

    „Dass er diese Absicht in passiver Sprache formuliert deckt sich mit dem sonstigen Verhalten der Merkel-Regierung, Entscheidungen ohne weitere Begründung als Ergebnis alternativloser Sachzwänge zu präsentieren.“

    Schon vergessen, welcher Regierung wir zwei der aktuell laufenden Einsätze verdanken? Richtig – das war nicht Schwarz-Gelb.

  • Kusa   |   31. Januar 2012 - 13:40

    @T.Wiegold: dieser mysteriöse Aufwuchs findet nicht nur in Heeresstäben statt.
    Auch das Amt in dem ich zukünftig Dienst tun werde wird gegenüber der jetzigen Vorgängerorganisation kräftig aufgebohrt. Sowohl an Anzahl Dienstposten, als auch deren Dotierung (selbstredend primär in der Ebene A14+). Weil natürlich die neuen Aufgaben viel umfangreicher und wichtiger werden und überhaupt und so.

    Auch TdM ist wohl nur ein weiterer Don Quijote.

  • diba   |   31. Januar 2012 - 14:05

    Und wieviele Generale/Admirale werden doch gleich eingespart?? Die brauchen doch Stäbe um PPTs erstellen zu lassen.

  • Sachlicher   |   31. Januar 2012 - 14:06

    Es seien mir hier 4 Fragen dazu gestattet:
    1. Ist es möglich, dass ein zukünftiger Stab in Zukunft adäquater als Doppelstab, d.h. Einsatz- UND Friedensbetriebsstab, fungieren können soll?

    2. Ist es möglich, dass Amtsstäbe mehr noch als bisher zu Auslandsaufgaben herangezogen werden?

    3. Ist es möglich, dass hier OMLT -also ein Aufgabengebiet, welches mit Sicherheit kein Altersdienstruheposten ist- in die Stabsorganisation integriert wurde, wie Hr Wiegold andeutet?

    4. Ist es möglich, dass Auslandseinsatzfähigkeit nicht nur gleich Erhöhung der Kapazitäten zum asymetrischen/ symetrischen Kampf heißt, oder hier nicht schlichtweg alles (also auch Ausbildung vor Ort im Rahmen von Militärhilfe, Beteiligung der Bw am vernetzten Ansatz des BMZ/ AA, usw.)?

  • cynic2   |   31. Januar 2012 - 15:10

    @ Sachlicher
    Wenn ich da mal meine bescheidene Sichtweise dieses Teilaspektes der Jahrhundertreform ohne Anspruch auf abschließende Wahrheit beisteuern darf:

    zu 1. Wenn ich nicht irre, behauptet das Heer das doch jetzt schon. Den Stab von „Die First“ kann man doch angeblich geschlossen in einen Auslandseinsatz der NATO schicken – sagen die Konzeptpapiere. Tatsächlich geht das heute nicht und wird es zukünftig wohl auch nicht. Hier wird kein Stab gespiegelt, sondern ein Personalpool im Grundbetrieb erhalten, aus dem Anteile eines Stabes für ein Divisionsäquivalent generiert werden können. Damit soll das Generierungsverfahren vereinfacht werden und dieses Personal hat dan womöglich mal die Zeit zu einer ordentlichen Vorbereitung.

    zu 2. Das wird hoffentlich nicht der Fall sein. Man kann mit deutscher Amtskultur sicher viel gewinnen – Kriege gehören aber, denke ich, nicht dazu.

    zu 3. Doch genau das ist der Plan. Die gute Nachricht ist, dass die OMLT dann nicht mehr aus der Truppe kommen müssten, die dann in Notbesetzung weiter machen muss. Gemäß des Level of Ambition des Heeres rotierten diese OMLT dann zwischen Einsatzvorausbildung – Einsatz – Nachbereitung – Ausbildung eines anderen OMLT. Von daher wären das schon fordernde Verwendungen. Aber viele, und auch Personaler, werden sagen, „da kann man nichts falsch machen“ und wenn man zum Einsatz abgerufen wird, muss man ja nicht tauglich sein. Die schlechte Nachricht ist also, dass das wahrscheinlich erstmal zur Abstellfläche überzähligen Personals werden wird.

    zu 4. Die Bw beteiligt sich an einem vernetzten Ansatz des AA? Erzählen sie das nicht dem AA, sonst bekommen wir bestimmt Ärger, weil wir die hoffnungsvollen diplomatischen Ansätze der Herren militarisieren. Nein, beim vernetzten Ansatz macht die Bw höchstens Dachlatten-CIMIC reell mit. Der vernetzte Sicherheitsansatz ist so ein ähnlicher Begriff wie das NATO Konzept Information Operations, das hat auch jeder schon mal gehört, aber finden sie in der Bw mal jemanden, der das richtig verstanden hat…

  • JSG   |   31. Januar 2012 - 15:10

    Die WBK sollen abgeschafft werden – damit hat man wohl um die 2000 Stellen in Stäben getrichen. Prima, kann man die anderen um 1900 aufbohren und ist immer noch „sparsam“! Gratulation!
    Und in ein paar Jahren ist dann (wieder!) alles beim Alten…..

    Stellen streichen! Ohne wenn und aber! Lieber unterbesetzt in Stäben, als Kapital gebunden! Sind die Stäbe wegen Personalmangels „schlimmstenfalls“ gezwungen, schneller über Beschaffungen nachzudenken. Jeder sinnlose Bedenkenträger und Zeitabsitzer weniger dürfte ein Erfolg für die Truppe sein.

    Am wichtigsten wäre die Streichung der Zivilisten….. Gerne auf eine Zahl gen Null……

  • Hannes   |   31. Januar 2012 - 15:40

    Ich finde, die Kritik an den Reformen ist berechtigt aber unrealisitisch. Eine Großorganisation, die über Jahrzehnte verschlampt ist und von so vielen und mächtigen Partikularinteressen beherrscht wird, kann sich nicht mal eben so reformieren. Die häufig anzutreffende Erwartung, dass alles über Nacht supi ist und TdM ein Versager, wenn er das nicht schafft, finde ich vollkommen überzogen.
    mehr als kleine Schritte sind einfach nicht realistisch. Und der ein oder andere kleine Schritt geht dann aber auch mal nach hinten.

  • jeff costello   |   31. Januar 2012 - 15:58

    @politisch inkorrekt

    „schuldkult“ geht weit über ihr Pseudonym hinaus.
    Lehnen Sie die besondere Verantwortung Deutschlands für den Holocaust und die damit verbundenen Auswirkungen in Gegenwart und Zukunft ab?

  • Roman   |   31. Januar 2012 - 16:22

    Ooooch jeff, wasn das jetzt?

    Wenn, wie dargestellt, die Zukunft unseres Landes durch die Vergangenheit gefährdet wird, na dann….

  • Memoria   |   31. Januar 2012 - 17:28

    @cynic2:
    Zu 3: Volle Zustimmung, hier wird wohl Personal „geparkt“. Sowohl auf Div- als auch auf Brig-Ebene. Schöne Begründungen (Gestellung von Stabs- bzw. OMLT-Personal) hat man ja gefunden, aber entsprechende Personalauswahl und -entwicklungskonzepte sind – zumindest bisher – für mich nicht erkennbar. Daher kann man auch ohne 90/5er, nem SLP-Englisch über 1111, einschlägige Einsatzerfahrung, usw. usf. auf diese Stellen gesetzt werden. Liebe ne Krücke als ne Lücke.
    Oder gibt es hierzu mittlerweile Neues?

  • chris   |   31. Januar 2012 - 17:30

    diese ganze umstruckturiererei kostet geld wie nichts gutes und das schon seit jahren. die leid tragenden sind am ende die jungs die die tappete anhaben und mit schlechter und defekter ausrüstung im ausland rumkrebsen.

    dann gewöhnen die sich gerade an eine umstruckturierung und zack ministerwechsel und das ganze gehampel geht von vorne los.

  • Max   |   31. Januar 2012 - 17:35

    Also zu meiner Zeit war der Sicherungszug der Stabskompanie eher eine verstärkte Gruppe, jetzt scheint es wohl noch eine Gruppe (mittlerweile auch offizieller Name) zu sein und in den nächsten Monaten wird sich das ganze auf eine Halbgruppe beschränken.

  • klabautermann   |   31. Januar 2012 - 17:47

    ….warum muß ich bei diesen Reformthemen immer nur an Loriot denken…….z.B.:
    den Sketch „Jodel-Diplom“…..oder doch eher „Das Klavier“…..oder……

    ach was (solls)……….change management as a purpose to its own end….

    …gibts hier noch nen Kosaken-Zipfel??

  • Orontes   |   31. Januar 2012 - 17:51

    @Jeff Costello
    „Lehnen Sie die besondere Verantwortung Deutschlands für den Holocaust und die damit verbundenen Auswirkungen in Gegenwart und Zukunft ab?“

    Wer jetzt fragt, was das mit Auslandseinsätzen der Bundeswehr zu tun haben soll, kennt vermutlich das Godwinsche Gesetz noch nicht:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Godwin%E2%80%99s_law

  • klabautermann   |   31. Januar 2012 - 17:55

    @Orontes

    bullseye………

  • TomTom   |   31. Januar 2012 - 19:24

    @Klabautermann (zu Loriot):

    Herr de Maizière, sagen sie jetzt nichts!

  • Mittendrin 41   |   31. Januar 2012 - 21:33

    @ Orontes:
    DER war gut! Dead on :-)

  • Ben   |   31. Januar 2012 - 22:15

    Irgendwie macht es keinen Sinn, einen Stab aufzubauen für mehrere Auslandseinsätze, wenn die Bundeswehr dafür überhaupt nicht die finanziellen und materiellen Möglichkeiten dafür hat. Dazu laufen die teuren Beschaffungsprogramme von EuroFighter, A400 oder die Helis noch ein paar Jahre. Spielraum für Umschichtungen bleibt da nicht. Mehrere Kleine Einsätze werden mehr kosten als ein großer. Bloß woher soll das Geld kommen?
    Bevor man sich in ein weit entferntes Auslandsabenteuer stürzt, muss man sich erst fremde Flugzeuge Organisieren. Die Versorgung per Transall ist aufwendig. Die A400 ist wohl erst nach 2015 einsetzbar. An Helikopter wird weiter akuter Mangel herrschen. Eigene große Drohnen zu Aufklärung hat man auch nicht.

    Eins ist sicher, der Stab wird niemals mehr als eine Aufwendigere Mission leiten.

    Ich habe das Gefühl, Schwarz Gelb möchte sich mit den Vorsätzen bei den USA beliebt machen. Ob man das wirklich leisten kann, ist denen scheiß egal.

  • Franz S.   |   31. Januar 2012 - 22:32

    Die Reform läuft ja eher unter dem Motto „Wasch mich, aber mach mich nicht nass“. Man möchte alles können, aber kein Geld dafür ausgehen, das zieht sich durch alle Bereiche.

    Letztes Jahr war ich auf einem Vortrag von Brigadegeneral Vad, dem militärischem Berater der Bundeskanzlerin. Er meinte, zukünftig würde der Trend zum weiteren Pooling von Fähigkeiten innerhalb der NATO gehen. Während die USA und UK dann primär Truppensteller wären, würde Deutschland dem Pool Logistikkräfte und Führungsstäbe beisteuern…

  • V   |   31. Januar 2012 - 22:52

    @Franz S.:
    Problem nur: warum sollten die unsere Führungsstäbe wollen, die
    (a) keinen Zugang zu US Secret haben (und damit zu 90+% der Führungsmittel),
    (b) keine Ahnung von den Procedures der Amerikaner haben / die letzten Endes auch weder in NATO noch EU wirklich vorgeübt werden können,
    (c) mehr bürokratieorientiert als zielorientiert sind, was der amerikanischen Mentalität widerspricht

    Unsere Logistik, Sanitäter und Fernmelder nehmen die sicherlich gerne… bei unseren Führungsstäben hätte ich da ärgste Zweifel

  • Peter   |   01. Februar 2012 - 0:33

    Verantwortungübernehmenderweise zum Offtopic beitragend: http:// reichrolld.com/

    [Was soll der Blödsinn? T.W.]

  • Koffer   |   01. Februar 2012 - 7:27

    @all

    Jetzt kommen wir sich mal auf den Teppich runter!

    Die massive Verjüngung und Verkleinerung der Bw kann nicht von heute auf morgen erfolgen. Warum soll also nicht Brig und Div Stäbe aufgestockt werden um genau die Probleme zu lösen über die an anderer Stelle in diesem Forum schon reichlich lamentiert und (mehr oder weniger zu recht) genörgelt wurde: das Problem der massiven Gestellung von Soldaten außerhalb geschlossener Kontingente (z.B. OMLT oder ad-hoc Kontingentstäbe wie MES)?!

    Warten wir mal ab und bringen uns konstruktiv (!) ein, vielleicht wird dies ja wirklich die erste tragfähige Struktur seid der Heeresstruktur 5!

  • Ben   |   01. Februar 2012 - 7:28

    Bitte auch nicht die Awacs Geschichten vergessen. Die USA mussten bei ihren letzten Kriegen um den Einsatz der Awacs Flugzeuge mit Deutscher Beteiligung doch arg bangen. In Deutschland braucht nur ein linker Hinterbänkler das Thema ansprechen, schon gibt es eine heftige Diskussion über die Militärhilfe. Die Awacs standen da so lange am Boden, bis die Regierung nach ein paar Tagen die Diskussion wieder im Griff bekommen hat. Die Amis wären ja bescheuert, Bundeswehr Soldaten Führungsaufgaben anzuvertrauen. Die müssen ja immer mit negativen Diskussionen und Verwendungseinschränkungen von Bundeswehr Soldaten rechnen.

    Die Bundeswehr baut doch jetzt ordentlich Logistikkräfte ab. Das wenige was über bliebt, reicht so gerade für die Bundeswehr aus.

    Nur der Bündnisfall verpflichtet zum Eingreifen aller. Bei allen anderen Einsätze kann jedes Land Entscheiden, ob es da mit macht oder nicht. Das mit den Poolen wird da schwierig. Wenn da kaum einer mit macht, fehlen da auf einmal Fähigkeiten zum Eingreifen.

    Um Merkel beraten zu können, muss man scheinbar die Realitäten ausblenden können, oder die Beschäftigt nur Träumer.

  • jeff costello   |   01. Februar 2012 - 10:55

    @orontes
    godwinsgesetz kenne ich wohl, allerdings habe ich den Unsinn „Schuldkultur“ nicht in die Debatte eingeführt.

    und auch nicht behauptet die Umsetzung des Willlens des Parlamentes würde den Amtseid eines Ministers verletzen.

  • Sachlicher   |   01. Februar 2012 - 11:17

    @ cynic2 | 31. Januar 2012 – 15:10 – – –

    Ich danke Ihnen für Ihre Antworten auf meine erntsgemeinte Fragestellung.

    zu 1: Ich bin altmodisch. Vom Einsatz her denken heißt für mich immer noch von jedem Einsatz her denken: da gehören für mich dann auch alle dazu. Und das z.B. LV kein Auftrag sei, wissen wir beide, wird tagtäglich z.B. durch die Lw empirisch widerlegt und bleibt als Grundsatz aus dem GG heraus Fakt-wenngleich nach wie vor virtueller und von unseren direkten und deren Nachbarländern unabhängiger.

    Das entsprechende Fähigkeitskommando der SKB (in Berlin) wird ein Herr ohne ausrteichende (Hier liegt die Betonung: ausreichend!) Truppen sein, soll das (die Inlandseinsätze außérhalb der LV) aber führen können (ob nun mit oder ohne jeweiligen, ebenfalls aufgebohrten Landeskommando sei hier erstmal dahin gestellt, ebenso das Fähigkeitsprofil der dem Kdo unterstellten TrTle nicht diskutiert sei)-insofern begründet das dann für die anderen OrgBer keine eigenen Stabsstellen. Das sehe ich ein. Dennoch gibt es ja den gern so genannten Friedensbetrieb (Ausbildung, Übung,usw.). Darauf wollte ich hinaus. Ich verstehe und respektiere aber Ihren Einwand.

    zu 2.: Dann möchte ich aber bitte auch keine Kritik mehr aus diesem Bereich hören, a la „man wäre gelangweilt“.

    zu 3.: Es dürfte nicht für jeden einfach sein, die „Umstellung“ vom z.B. WBK-/ Amts- Dienst (um hier einmal klischeehaft bleiben zu dürfen) auf OMLT sofort zu schaffen. Das sehe ich ein und respektiere das auch-gerade unter sozialen Gesichtspunkten. Doch auch hier bleibe ich hart: Entweder man nehme seinen Hut unter den gegebenen Rahmenbedingungen oder stelle zumindest das Jammern ein, es gäbe keine fordernde Verwendung bzw. die nunmehrige wäre anstrengend.

    zu 4.: Dieser Gedanke stammt nicht aus dem AA, sondern ist als policy im BMZ entstanden bzw. aufgenommen worden. Nur dürfte das, und da sind wir uns einig, Minister/ Ministerin abhängig sein, was aber falsch ist. Ich schreibe es in aller Deutlichkeit: Sehen Sie sich die Gelder an, die nach Haiti flossen und was bei raus kam bisher (und die durchaus tlw. professionellen wie auch ambitionierten Helfer wie z.B. den ASB meine ich hier gewiss nicht!) und was am Ende folglich stehen kann-nebenbei bemerkt: die Haitianer wissen das nur zu genau.

    Jetzt wird jemand einwenden wollen: ja, die Bw ist doch kein bewaffnetes THW?
    1. Warum wird das immer so despektierlich gesehen? Man stelle sich (auch bzgl. der Piratenproblematik) vor, Somalia, Eritrea, Äthiopien, usw. hätten den Einstieg in eine geeignete Entwicklung nicht verpasst!
    2. Warum ist es kein ehrenwerter Auftrag ein Flüchtlingslager wie es sich in Dadaab darstellt, einzurichten und zu betreiben, wie es die EUFOR im Tschad tat, KFOR in den Anfängen (bis sich die UNO meinte einzumischen) der Kosovointerception tat? Wir wissen doch alle, was daraus entstehen kann! Und da sind durchaus knallharte Sicherheitsinteressen abzuleiten.
    3. Ich bin kein Politromantiker, der vernetzte Ansatz kann und muss jeweils unterschiedlichste Ausrichtungen erfahren, ein Ideologe bin ich aber auch nicht. Die Bw ist eine demokratisch legitimierte Institution und über jeglichen Verdacht erhaben, sie ließe sich nicht als geeignetes Instrument für die „Friedensarbeit“ im gesamten Fähigkeitsspektrum nutzen-wie hier auch schon mehr oder weniger kleinlaut die MdB Schäfer, Brugger (geb:Malczak) und Arnold zu Protokoll geben mussten.

    Und als Handelsnation ohne eigene Deckungsfähigkeit des Rohstoffbedarfs benötigen wir mE zwei Dinge vorrangig:
    a) Stabilität unserer Handelswege (was eben langfristig, ressourcenschonend und tragfähig nur über Stabilität der Anreiner funktioniert)
    b) so simpel, so wahr: Handelspartner, die ihre Rechnung bezahlen können

    Man kann das lösen wie bisher. Man kann wie bisher den Chinesen mit ihrer Idee das Feld überlassen. Man kann es aber auch ideel vernetzen: eigener Vorteil+Möglichkeit des Partners zu stabilen politischen und sozialen Verhältnissen, die man in unseren Breiten als akzeptabel bezeichnen kann-und zwar deshalb, weil sich Herrschaften mit stabilen und gerechten Ressourcenverteilungsmechanismen schlichtweg als stabiler messen lassen und als konfliktfähiger beschreiben lassen, auch hier: Argumente fern jeglicher Romantik!

    Jetzt bin ich etwas abgeschweift. Aber betrachten wir es nüchtern:
    1. Man muss dem Haushälter etwas anbieten, damit STAN`s bewilligt und letztlich durch den BT per Budget bestätigt werden. Wer meint, mit Fähigkeit zur asymetrischen/ symetrischen unmittelbaren/ mittelbaren Konfrontation a la AFG wäre der Umfang den die Bw derzeit zu halten versucht, zu rechtfertigen, der irrt in meinen Augen, wenn er Bälle, die das GG spielt und auch die Konzepte wie z.B. das Konzept des vernetzten Ansatzes spielen, nicht aufnimmt.
    2. Die Bundeswehr als Exekutivorgan benötigt eine politische Einbindung in ein Gesamtkonzept bzw. in jeweilige Konzepte. In welche, möge man im GG nachlesen. Und wer da nicht drin steht, wer es versäumt sich da rein schreiben zu lassen, der bekommt kein Geld, keine STAN bewilligt.
    3. Vom Einsatz her denken, ist richtig. Aber vom „Auslandseinsatz a la AFG“ her denken, ist mir als Bürger zu gering als Facette gedacht für einen solch großen Laden mit solch einer HHM-Ausstattung.

    Fazit: Wie viele Stäbe man abbildet, wie groß die Stäbe sind: mir erstmal grundsätzlich egal. Zu beantworten, was man damit vorhat: nicht egal.

    Oder anders als Bsp: Wenn der Divisionskommandeur einer deutschen Heeres-Division zu mir sagt: Ich brauche 4 CdS mit jeweiligem Stabsäquivalent als A 16er und dann noch einen B3er als Gesamtkoordinator, weil ich Auftrag a, b, c und d gleichzeitig sicherstellen muss, dann glaube ich ihm das und bin da weit weniger kritisch, als Sie vermuten würden. Nur wenn (Die Betonung liegt auf „wenn“, damit sei nicht gesagt, dass dies nicht passieren wird.Ich will da jetzt keine Aussage zu machen.) er mir keine Antwort geben kann, was denn die Aufträge a, b, c, d seien, weil ihm die Politik keine Vorgaben dazu gibt bzw. seine Division in entsprechende Konzepte abbildet, dann würde es bitter-und zwar für alle Beteiligten. Darum mein Abschweifen, darum meine etwas umfangreichere Darstellung. Ich hoffe auf Ihr Verständnis und auf das der Anderen, ferner hoffe ich Koffer | 01. Februar 2012 – 7:27 ausreichend beachtet zu haben.

    Ben | 01. Februar 2012 – 7:28
    […]Nur der Bündnisfall verpflichtet zum Eingreifen aller.[…]
    Selbst hier bestünde, grundsätzlich betrachtet, die Möglichkeit zur „Protestnote“, also der Nichtentsendung.

  • FF   |   01. Februar 2012 - 11:47

    Sitting Bull hat es genauso gemacht: weil er für die Zukunft mit deutlich mehr gefährlichen Operationen gegen die US-Army rechnete, ernannte er zahlreiche neue Häuptlinge.

    Alles was eine Flinte tragen und/oder mit Pfeil und Bogen schießen oder wenigstens mit dem Messer stechen konnte, schickte er dagegen nach Hause.

    Lol, rofl.

  • Huey   |   02. Februar 2012 - 6:08

    Wie wird es denn in der Realität aussehen?

    Dem „Einsatz-Stab“ werden in Zeiten „ohne Einsatz“ nach und nach immer mehr Aufgaben zugeschoben-denn die „sind ja da“, und „ohne Auftrag“.

    Sollen die Soldaten dann in den Einsatz, heisst es „Nein, das geht nicht….wer soll denn dann ihre Aufgaben übernehmen“…

    Quatsch?
    Nein-denn genau SO ist es bisher immer gewesen…..egal, ob es sich um die „ach so belasteten“ Piloten handelt, oder aber um die (immer wieder hoch gelobte), aber mit „Nebenaufgaben“ überlastete Kampftruppe….

    Ich habe es immer negiert-aber die Kameraden hatten recht:

    Auflösen.Neu Aufstellen.

    Alles andere funktioniert in diesem Bürokratismusapparat, der nur noch damit beschäftigt ist, sich selbst zu verwalten, einfach nicht mehr.

  • Koffer   |   02. Februar 2012 - 8:26

    @ Huey
    Defätismus bringt niemanden weiter.

    Und außerdem sind wir seit der Bewachung eines Lazaretts in Railovac in 1996 doch wohl DEUTLICH voran gekommen, oder?

    Viele kleine Schritte machen auch einen Kilometer voll ;)

  • Orontes   |   02. Februar 2012 - 8:37

    @Jeff Costello
    Der Begriff „Schuldkultur“ ist durchaus gängig zur Beschreibung bestimmter, nicht nur in Deutschland zu findender Vorstellungen von Identität:http://www.zeit.de/2003/04/Schuld_im_Islam
    Sie scheinen ja selbst auch zu glauben, dass deutsche Identität untrennbar mit der Vorstellung zeitloser, universeller Schuld verbunden ist. Das Konzept einer Schuldidentät ist ansonsten ganz offiziell Grundlage des Selbstverständnisses der BRD. Von der „Inneren Führung“ der Bundeswehr bis zur „Eurorettung“ wird politisches Handeln regelmäßig mit Schuldvorstellungen begründet, was m.E. zu einigen unsachgemäßen Entscheidungen beigetragen hat und die Fähigkeit zu rationaler Diskussion häufig hemmt. Ich erinnere an Ûberschriften zum Kunduzvorfall wie „Ein deutsches Verbrechen“. Ob es sinnvoll ist, solche Vorfälle gleich in Auschwitz-Dimensionen zu diskutieren, bezweifele ich und finde es auch ethisch unangemessen.

  • Orontes   |   02. Februar 2012 - 8:39

    @Jeff Costello
    Der Begriff „Schuldkultur“ ist durchaus gängig zur Beschreibung bestimmter, nicht nur in Deutschland zu findender Vorstellungen von Identität:http://www.zeit.de/2003/04/Schuld_im_Islam
    Sie scheinen ja selbst auch zu glauben, dass deutsche Identität untrennbar mit der Vorstellung zeitloser, universeller Schuld verbunden ist. Das Konzept einer Schuldidentät ist ansonsten ganz offiziell Grundlage des Selbstverständnisses der BRD. Von der „Inneren Führung“ der Bundeswehr bis zur „Eurorettung“ wird politisches Handeln regelmäßig mit Schuldvorstellungen begründet, was m.E. zu einigen unsachgemäßen Entscheidungen beigetragen hat und die Fähigkeit zu rationaler Diskussion häufig hemmt. Ich erinnere an Ûberschriften zum Kunduzvorfall wie „Ein deutsches Verbrechen“. Ob es sinnvoll ist, solche Vorfälle gleich in Auschwitz-Dimensionen zu diskutieren, bezweifele ich und finde es auch ethisch unangemessen. Wenn man diesen historischen Vorgang als singulär versteht, dann taugt er auf keinen Fall als Referenz für jedes politische Alltagsproblem.

  • TOM   |   03. Februar 2012 - 15:42

    Wie schon in der Vergangenheit: An die Elefantenfriedhöfe traut sich niemand ran und die Verantwortungs-Dienstgradrelation ist nach oben inflationär (meine was früher ein L erledigte braucht heute einen H) . An die gute alte Methode des Einbindens von Reservisten wenn die „Aktiven im Krieg“ sind denkt auch keiner- schade!

    Am Rande: Spruch von früher: Im Frieden wird der Feind durch den Stab ersetzt! :-)