Von Eseln und Bomben

Von Major Emmanuel Chirchir, dem Sprecher der Streitkräfte Kenias, und seinen Warnungen vor Bombenangriffen im Nachbarland Somalia via Twitter hatte ich gestern schon kurz berichtet.

(Als Nachtrag dazu: Die islamistische al-Shabaab-Miliz, so berichtet der SomaliaReport, hindere gerade nach diesen Warnungen die Bevölkerung an der Flucht. Um sie praktisch als lebende Schutzschilde zu benutzen. Unterdessen veröffentlichte Kenias Militär ein Video, dass angeblich ein versenktes Skiff der Islamisten zeigt.)

Natürlich verfolge ich weiterhin, was der Major so twittert (und in der Tat, wie ein Kommentator hier schrieb: dieser Krieg wird in Europa einfach nicht zur Kenntnis genommen). Heute eine interessante neue Entwicklung: die kenianischen Soldaten, warnt Chirchir, werden jetzt auch Esel-Karawanen angreifen. Die logische Abfolge: Normalerweise werden die Esel benutzt, um Wasser zu holen – doch heftige Regenfälle machen das derzeit unmöglich (oder auch unnötig). Statt dessen sei nunmehr eine Esel-Karawane ein Indiz für einen Waffentransport der islamistischen al Shabaab-Miliz – und damit ein legitimes Angriffsziel. Übrigens seien die Kosten für einen Esel schon kräftig gestiegen.

Chirchirs Tweets zu dem Thema (falls die direkte Anzeige nicht funktioniert: hier ist der Link)

8 Gedanken zu „Von Eseln und Bomben

  1. ein Indiz für einen Waffentransport der islamistischen al Shabaab-Miliz – und damit ein legitimes Angriffsziel

    Die Aussage ist falsch. So ein Indiz macht kein legimitimes Angriffsziel.

    Eine Eselskarawane kann ebenso Zivilgüter, z.B. Lebensmittel, transportieren wie Waffen.

    Das Esel „teurer“ geworden sind wundert übrigens nicht wenn man bedenkt das dort gerade eine Hungernot herrscht.

  2. Man kann nicht unbedingt sagen, dass der Krieg hier nicht zur Kenntnis genommen wird. Wer die Rede des Ministers am 25.10. gehört hat, wird Hinweise erhalten haben, die einiges darüber aussagen. Man muss es nur zusammenfügen.

  3. @schleppi: Nein, dem kann ich so nicht zustimmen. Spiegel usw. sind den Krieg in Somalia betreffend stumm wie die Fische (zumindest in der Sache der kenianischen Intervention) und auch die FAZ lässt nur von Zeit zu Zeit etwas verlauten. In Deutschland ist Krieg eigentlich nur von Interesse, wenn Deutschland, die USA oder Israel beteiligt sind, weil man dann so herrlich geifern kann. Der Krieg in Somalia mit allen seinen Facetten wird hier nicht wahrgenommen.

  4. Die schreibende Zunft mag da noch Nachholbedarf haben. Aber für mich bereitete der Minister in seiner Rede politisch den Boden für das, was da noch kommen wird. Schutz von Menschenrechten außerhalb des Bündnisgebietes. Wenn es so weit ist, wird auch in der Presse vestärkt darüber berichtet werden.

  5. Ich halte den Konflikt (noch kann man mMn nicht von einem Krieg sprechen) für eine der bedeutendsten (und für Europa folgenschwersten) Geschehnisse auf dem afrikanischen Kontinent der letzten Jahre…

    Traurig, das sich weder Deutschland noch Europa wirklich für das, was dort geschieht, interessiert……..wichtiger scheint zu sein, das unsere Politiker (in Deutschland UND Europa) sich erst einmal wieder (pünktlich zum 01.01.2012) ihre „Diäten“ erhöhen….schließlich müssen wir alle unseren Beitrag zum Sparen leisten…..*kopfschüttel*

    Während Deutschland in Bezug auf die (somalischen) Piraten immer noch keine Fortschritte bei der (immerhin fast ein Jahr andauernden) „Vorschläge zur Zertifizierung von privaten Firmen zum Einsatz gegen Schiffskaperungen“ macht, wird dort weiter fröhlich geplündert, vergewaltigt und entführt-und zwar wieder europäische „Touristen“, und wieder direkt aus Urlaubsorten……..

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