Statt Sirenenalarm: Angriffswarnung via Twitter

Der Krieg, den Kenia gegen die islamistischen Milizen im Nachbarland Somalia führt, wird zwar in Europa kaum zur Kenntnis genommen (oder höchstens dann, wenn der Verdacht besteht, dass ein Flüchtlingslager unter Beschuss geraten ist). Auffallen dürfte aber auch hier, was ausgerechnet in Ostafrika, mit Kriegshandlungen in einem der ärmsten Staaten der Welt, ein Mittel zur Ankündigung von Luftangriffen ist: Der Kurznachrichtendienst Twitter.

Major Emmanuel Chirchir, der Sprecher des kenianischen Militärs, sandte am 1. November folgende Warnung:

Natürlich ist klar, dass in den genannten Städten Somalias recht wenig Menschen vor ihren Computern oder an ihren iPhones den Tweets aus Nairobi folgen. Der Major dürfte allerdings einen ganz anderen Verbreitungsweg im Auge gehabt haben – nämlich die weltweit verbreitete (und technisch durchaus gut vernetzte) somalische Diaspora. Wie sein folgender Tweet zeigt:

Die Warnungen sind durchaus echt, so wie der Twitter-Account und der kenianische Major: Die BBC hat bei ihm nachgefragt. Und Chirchir ließ seine staunenden Follower wissen, dass es mit diesen Mitteilungen übers Netz weiter gehen wird:

Eine interessante Form der militärischen Öffentlichkeitsarbeit. Ohne den Feldzug der Kenianer bewerten zu wollen: ein Major aus Afrika macht vor, wie man die Werkzeuge des Internet für seine Arbeit nutzen kann.

6 Kommentare zu „Statt Sirenenalarm: Angriffswarnung via Twitter“

  • Alexander Baumbach   |   02. November 2011 - 19:21

    Jetzt muß ihm nur noch jemand sagen, dass gute Hashtags aus höchstens fünf Zeichen bestehen. ;-)

    Ich erinnere gerade die Szene aus „Black Hawk Down“, in der ein kleiner Junge auf dem Hügel sitzt und mit dem Funktelefon den Helikopterlärm meldet.

  • b   |   02. November 2011 - 19:34

    Ist das jetzt Cyberwar? Oder erst wenn die Bomben selbst die Zahl ihrer Opfer twittern?

  • ChairForce   |   02. November 2011 - 20:46

    Gerade in Afrika ist die Verbreitung von Mobiltelefonen extrem hoch. Banken ebenso wie die Diaspora in vielen Staaten dieser Region verwenden SMS basierte Geldtransfers, um Mikrokredite, Rücküberweisungen uvm. durchzuführen. Gerade Kenia gilt auf diesem Gebiet als Pionier. Da ist es nur folgerichtig, wenn die KEN Streitkräfte dieses Mittel verwenden. Abgesehen vom Radio kann ich mir eigentlich kein anderes Kommunikationsmittel vorstellen, mit dem man derart viele Menschen in Somalia erreichen kann. Auch über den Umweg der Diaspora. Fünfstellige Hashtags oder nicht. I think they get the message.

    – Trennung –
    In Lateinamerika verfügt mittlerweile jeder Staatspräsident über ein Twitter-Konto und erreicht mehr Menschen, als über die traditionellen Medien. Selbst mexikanische Drogenkartelle wissen, dass sie per Twitter effektiv Angst und Schrecken verbreiten können.

    Ich bitte daher um etwas mehr Zurückhaltung bei den belächelnden Kommentaren, angesichts der Bescheidenheit der Mittel. Betrachtet man die Sache von der Warte der Effektivität, wird hier mit sehr wenig genau so viel erreicht, wie durch einen Pressestab+OpInfo+Reachback Öffentlichkeitsarbeitselement im Heimatland. Manchmal macht die westliche Sicht ein wenig betriebsblind.

  • a   |   03. November 2011 - 8:10

    Der Kamerad war sicher an der FüAkBw nebst Kurzvisite in Strausberg…

  • meinemeinung   |   03. November 2011 - 13:37

    Twitter ist sicherlich ein sehr gutes social media. ISAF zum Beispiel nutzt dies oft. An seine Grenzen stoesst es allerdings, da sowohl „Freund wie Feind“ die Tweets lesen koennen.

    Was so einerseits als (lobenswerte) Warnung an die Zivilbevoelkerung in Somalia zu begruessen ist, ermoeglicht so anderererseits dem Gegner, auszuweichen – das Moment der Ueberraschung ist nicht mehr gegeben.

    Die Berichterstattung zu der militaerischen Auseinandersetzung, die Kenia mit den islamistischen Milizen in Somalia seit Mitte Oktober fuehrt, ist in den deutschen Medien uebrigens fast nicht existent. Meines Wissens hat das ZdF ein Studio in Nairobi – warum ist von dort praktisch nichts zu sehen und zu hoeren? Dies illustriert einmal um so mehr, das die Afrika-Kompetentz der deutschen Medien sich auf nordafrikanische Staaten und Suedafrika beschraenkt. Fuer den Rest scheint in den Redaktionen der Spruch auf mittelalterlichen Landkarten zu gelten: Hic sunt leones.

  • Andreas Moser   |   06. November 2011 - 23:29

    Was ist ein Twitter?