U.S. Army nimmt Abschied von Malaria-Medikament Lariam

Das synthetische Malaria-Medikament Mefloquin, deutscher Handelsname Lariam, steht seit Jahren in der Kritik. Unter anderem wegen der Nebenwirkungen – nicht nur physische, sondern auch psychische wie Depressionen, Angstzustände oder Halluzinationen.

Die U.S. Army hat nach langen kontroversen Diskussionen jetzt daraus die Konsequenzen gezogen: für die amerikanischen Truppen, berichtet Associated Press, ist Mefloquin/Lariam jetzt nicht mehr das Mittel der Wahl zur Vorbeugung von Malaria. Die Verordnungen dieses Medikaments seien um drei Viertel zurückgegangen.

Die interessante Frage ist jetzt, ob sie das Umdenken bei den Verbündeten auch auf die Bundeswehr auswirkt. So weit mir bekannt, ist Lariam nach wie vor das Mittel der Wahl beim Einsatz in Malaria-gefährdeten Regionen:

Lariam ist ein Medikament, das vor Malaria schützt. Die Soldaten sollen es einmal in der Woche schlucken. Lariam steht im Verdacht, bei manchen Menschen zu Psychosen zu führen. Einige Soldaten schmeißen die Pillen in den Müll, andere schlucken alle auf einmal.

 

 

26 Kommentare zu „U.S. Army nimmt Abschied von Malaria-Medikament Lariam“

  • jugendoffizier   |   19. November 2011 - 23:06

    Also ich habe es hervorragend vertragen – ist eine Typfrage bei dem Medikament würde ich sagen.

  • E.J.   |   19. November 2011 - 23:11

    Von Depressionen bis Halluzinationen hab ich alles miterlebt. Über 6 Monate!
    Ich glaube die längste Beschreibung von Nebenwirkungen die ich je gelesen habe.

  • Andre   |   20. November 2011 - 7:25

    Interessant wäre natürlich auch, mit welchem Medikament Lariam ersetzt wird. Doxycyclin ist etwas angestaubt, Malarone teuer (und wird täglich genommen), Chloroquin hat viele Resistenzen.

  • meinemeinung   |   20. November 2011 - 10:46

    In den US armed forces wird taeglich Doxycylin in einer entsprechend angepassten geringen Dosierung verwendet. Zuvor gab es seit einiger Zeit die Moeglichkeit, zwischen Doxycyclin und Lariam zu waehlen. Wegen der bekannten Nebenwirkungen wurde so gut wie immer Doxycylin von den Soldaten bevorzugt

  • Someone   |   20. November 2011 - 12:10

    Kann mich da auch nicht beklagen, habe nie Nebenwirkungen gehabt.

  • Stefan H.   |   20. November 2011 - 12:10

    Ehrlich gesagt habe ich grundsätzlich in der Nacht nach der Lariameinnahme schlecht geträumt. Nicht wirklich weltbewegend, aber es ging doch einer ganzen Menge meiner Kameraden ähnlich. Bei denen wo es noch schlechter verlief, wurden auf Doxycylin umgestellt, ebenso wie bei allen mir bekannten Piloten. Mit Doxi gab es zwar keine Alpträume, dafür wurde die Haut nach etwa einem Monat extrem empfindlich gegen Sonnenlicht. Auch nicht gerade perfekt wenn man bedenkt, dass die Moskitozeit nun mal im Sommerhalbjahr ist und die Sonne in Afghanistan deutlich extremer als in unseren Breiten scheint. Aber irgend was ist ja immer…

  • J. H.   |   20. November 2011 - 12:49

    @ Stefan H.
    Das ist korrekt. Aufgrund der Nebenwirkungen wurden fliegende Besatzungen auf Doxi gesetzt.

  • T.Wiegold   |   20. November 2011 - 12:56

    Weiß denn jemand, warum nicht Malarone verordnet wird?

    (Obwohl ich mir angesichts des Preises die Frage selbst beantworten kann – in der zivilen Apotheke kostet diese Malaria-Prophylaxe umgerechnet fast fünf Euro pro Tag…)

  • Degenhart   |   20. November 2011 - 13:13

    Malerone ist im EInsatz nur für kurze Zeit verträglich (ich glaube 28 Tage), danach kann es zu irreparablen Leberschäden kommen.

  • R.I.   |   20. November 2011 - 13:44

    Also zur Zeit wird in Afghanistan keine Malariachemoprophylaxe mehr verordnet. Das Sanitätsamt hat für alle Gebiete, in denen deutsche Soldaten stationiert sind die Malariagefahr herabgesetzt. D.h. kein Lariam, kein Malerone.

  • John Honk   |   20. November 2011 - 15:02

    Malarone ist in DEU nur bis maximal 28 Tage zugelassen (durchschnittlicher Aufenthalt eines DEU in Tropengebieten jährlich). Kann aber nach Aussagen meines damaligen Truppenarztes auch länger konsumiert werden. In anderen Ländern gilt die Zulassung bis 12 Monate!

  • Stefan H.   |   20. November 2011 - 17:53

    @T.W

    Wie von Degenhart angesprochen hieß es Malerone nur bei <30 Tagen.

    @R.I.
    Sicher das dies nich nur zur Zeit und nicht von Region zu Region verschieden ist? Für die "Draußen-Leute" in Kunduz und Baghlan wurde es immer irgend wann Ende April eingeführt, wenn die Moskitopopulation entsprechend gewachsen war.

  • Degenhart   |   20. November 2011 - 17:54

    @R.I.

    Die Malariazeit ist April/Mai-September (aus dem Gedächtnis), weil nur in diesem Zeitraum eine Fliegeart vorkommt, die Überträger von Malaria ist. Nur in diesem Zeitraum findet eine Malariaprophylaxe statt.

    @ John Honk
    Laut Beipackzettel gab es klinische Studien in einem Zeitraum bis zu 12 Wochen, dabei steigt allerdings das Risiko einer Leberschädigung erheblich an.

  • UP   |   20. November 2011 - 18:29

    „Malerone ist im EInsatz nur für kurze Zeit verträglich (ich glaube 28 Tage), danach kann es zu irreparablen Leberschäden kommen.“

    Also ich habe Malarone fast 50 Tage am Stueck genommen. Mein Tropenmediziner wies mich auf die Risken hin, meinte aber, dass dies nur eine relativ geringfuegig hoehere Wahrscheinlichkeit von Leberschaeden mit sich bringen wuerde.

  • ichundich   |   21. November 2011 - 7:37

    Malerone hat vor allem den Nachteil, dass es, um einen bestmöglichen Schutz aufzubauen, regelmäßig,d.h. täglich zur gleichen Zeit, eingenommen werden sollte. Dies ist aber im Einsatz quasi nicht gewährleistet.
    In Anbedracht, welche Kosten für die sanitätsdienstliche Versorgung der Soldaten (insbesondere im Einsatz) sonst so aufgewendet werden, sind die Kosten für Malerone peanuts.

  • Alex   |   21. November 2011 - 11:58

    Kleine Fakten nebenbei: Malarone kostet für exakt dasselbe Präparat mit demselben Hersteller in Deuschland ca 60€ pro Packung.

    In Kenia habe ich mir diesen Sommer das Präparat (andere äußere Packung, selber Hersteller auf der Pillenpackung) exakt 9€ in der Apotheke gezahlt.

    Das Industrieländer mehr zahlen ist bekannt. Gibt es Einschränkungen beim Kauf von Medikamenten für die Bundeswehr? Müssen diese selber oder in Deutschland hergestellt werden?

  • wolf   |   21. November 2011 - 14:47

    Diagnose: Substanzinduzierte Psychose.
    Vor 14 Jahren Malaria gehabt (Plasmodium falsiparum+Plasmodium vivax zur gleichen Zeit) 10 tage ohne Behandlung, da zu weit entfernt von medizinischer Versorgung. Dann die erste Lariam-Behandlung (3-2-1 Stand-By-Therapie über 3 Tage). Weitere Malariaschübe jedes Jahr bis 2002. Immer wieder mit Lariam behandelt. Danach „beseelt“ von dem Gedanken mir in den Kopf zu schiessen. (Bis heute sollte ich besser keinen Kontakt mehr mit Waffen haben). Ärzte taten alles als depressive Verstimmung ab. Erst 2008 gab es (wohl auch durch die ständigen Suizidfälle in der US-Armee) eine größere Öffentlichkeitsarbeit. Unter anderem werden auch Hirnstammzellen irreparabel geschädigt. Das sollten vielleicht auch diejenigen wissen die Lariam „gut vertragen“ haben oder immer noch nehmen. Als Betroffener kann ich über einige Kommentare nur den Kopf schütteln. Aber weiter so. Und Augen auch weiterhin immer geradeaus !

  • Andre   |   21. November 2011 - 20:08

    GSK verdient sich wirklich eine goldene Nase mit Malarone. Ich bin zurzeit auf Prophylaxe damit, und habe persönlich keine Nebenwirkungen, aber mehrere Kameraden vertragens nicht (Leberreizung). Ich habe es mehrere Monate verordnet bekommen, habe bisher nach 2 Monaten keine akuten Beschwerden (Touch wood…)

  • ichundich   |   22. November 2011 - 9:55

    Ich möchte das Medikament Lariam nicht verteidigen, aber ich muss an dieser Stelle auf eine Binsenweisheit hinweisen:
    Es gibt nahezu keine Medikamente, die frei von Nebenwirkungen sind!!! Man schaue sich nur die Beipackzettel von Aspirin, Paracetamol u.ä. unspektakulären Medikamenten an.
    Man sollt nicht vergessen, dass Malaria eine ernsthafte Krankheit ist, die nur schwer behandelt werden kann und auch zum Tod führen kann. Die an Malaria Erkrankten haben auch behandelt noch lebenslang Probleme.
    Ich persönlich halte das Risko der Verwirklichung der Nebenwirkungen (und deren Schweregrad und Therapierbarkeit) in Anbedracht der Schwere der Malaria-Erkrankung und deren Auswirkungen auch als Prophylaxe-Anwendung für vertretbar.
    Es ist halt wie so häufig im Leben, nichts umsonst.

  • wolf   |   22. November 2011 - 19:20

    @ichundich

    Es ist richtig das die Malaria Tropica zum Tode führen kann und auch ich bin ja froh das ich behandelt werden konnte. Da ich selbst die M.Tropica hatte kenne ich auch die Auswirkungen. Allerdings muss ich sagen das ich eine Prophylaxe mit Lariam nicht befürworte. Da sind die Nebenwirkungen in Anbetracht das es nur eventuell zu einer Ansteckung kommen könnte doch schwerwiegender. Zumal Lariam nach nur einer kurzen prophylaktischen Einnahme noch gar nicht wirkt. Auch in Anbetracht der Alternativpräparate die jetzt auf dem Markt sind absolut nicht empfehlenswert (als Prophylaxe).
    Zur Binsenweisheit: Auch richtig. Wenn man Malaria hat und jemand kommt und sagt: Ich geb dir jetzt das hier, aber anschliessend wirst du blind sein, wird man es wohl nehmen (und nimmt die Blindheit in Kauf). Das wie gesagt für den Fall das man Malaria hat ! Wenn mir vorher allerdings jemand etwas gibt für etwas was ich noch gar nicht habe und sagt das ich anschliessend blind sein werde, würde ich es wohl nicht nehmen.
    Auch als Notfallmedizin soll es jetzt verboten werden. Da es wie gesagt andere Medikamente gibt.Und wenn diese nur aus Kostengründen nicht in großen Mengen weitergegeben werden, denke ich ebenfalls das dies nicht richtig ist.
    Wie so häufig im Leben ist nichts umsonst.

  • Observer   |   23. November 2011 - 6:43

    Dass Lariam statistisch häufiger zu Nebenwirkungen als andere Malariamedikamente führt, ist eine medizinisch bewiesene Tatsache. Insbesondere die Zahl neuropsychiatrischer Reaktionen war in vergleichenden Untersuchungen deutlich größer.

    Das Festhalten der Bundeswehr an diesem Medikament ist daher sehr fragwürdig. Gerade weil die Störwirkungen von Lariam leicht mit posttraumatischem Stresssyndrom verwechselt werden können, muss die Frage gestellt werden, ob es nicht eine erhebliche Dunkelziffer betroffener Soldaten gibt.

    Daher kann man nur allen von neurologischen oder psychiatrischen Symptomen geplagten Bundeswehrangehörigen dringend dazu raten, ihre Erkrankung zu melden und den diensthabenden Arzt explizit auf die Einnahme von Lariam sowie einen möglichen Zusammenhang aufmerksam zu machen. Es stellt sich auch die Frage, ob sich nicht betroffene Soldaten zusammenschließen sollten. In Irland gibt es beispielsweise bereits eine solche Gruppe ehemaliger Armeeangehöriger, die Nebenwirkungen von Lariam erlitten haben.

  • wolf   |   24. November 2011 - 8:12

    @Observer

    Der Kommentar hätte von mir sein können !

    Ich bin über die amerikanische Lariam-Gruppe in den USA auch mit den irischen Betroffenen in Verbindung. Leider gibt es in Deutschland (noch) keine Betroffenen-Initiative.

    Auch ich gehe davon aus das es eine erhebliche Dunkelziffer von Lariam-Geschädigten gibt, bei denen dann das posttraumatischem Stresssyndrom diagnostiziert wird. Da die Behandlung von PTSD oft einhergehend mit der Einnahme anderer Psychopharmaka ist, könnte das für die Betroffenen fatale Folgen haben.

    Neben den psychischen Schädigungen die Lariam hervorrufen kann, gibt es auch physische Beeinträchtigungen, die von Soldaten oft den körperlichen Strapazen im Einsatz in den Krisengebieten, zugeordnet werden.
    Dies sind meist Gelenkschmerzen in den Fingergelenken (auch Anschwellen der Gelenke), Schulter und Rückenschmerzen, Kniegelenksschmerzen und Schmerzen in den Fußknöcheln. Oftmals wird hier eine Arthritis diagnostiziert und dann mit Rheuma-Präparaten behandelt. Eine besserung tritt in den meisten Fällen nicht ein.

    @Observer …Da du über ein Wissen verfügst welches hilfreich sein kann für Betroffene, würde ich mich gerne mit dir in Verbindung setzen. Ich weiß allerdings nicht inwieweit hier Links gepostet werden können/dürfen oder Emailadressen.

    Die Einrichtung einer deutschsprachigen Lariam-Gruppe wäre dringend erforderlich.

  • wolf   |   24. November 2011 - 11:46

    Ich habe gerade ein Forum eingerichtet, wo Betroffene sich austauschen können.
    Zur Zeit noch im Aufbau und ohne Inhalt.
    Aber der Anfang ist gemacht !

    http://lariam-geschaedigte.bestforumonline.com/

  • ichundich   |   25. November 2011 - 12:32

    @ observer und wolf
    Erstaunlich, dass bei so vielen Buzzwords und falschen, wie auch verkürzenden Darstellungen sich noch kein „Skandal“ entwickelt hat:
    Lariam=Psychose
    Psychose=PTBS
    PTBS=Opfer
    oder wie wäre es mit:
    Sparzwang Bundeswehr->(gemein)gefährliches Medikament zur Prophylaxe-> vorsätzliche Gesundheitsschädigung von Soldaten-> Falschbehandlung von Soldaten-> Opfer und Dunkelziffer

    Vielleicht liegt es auch daran, dass es gar keinen Skandal gibt!
    Lariam ist ein in Deutschland zugelassenes Medikament. Es hat im vgl. zu anderen Medikamenten (Malarone) den entscheidenden Vorteil, dass es nur einmal wöchentlich eingenommen werden muss und die Zulassung einen langen Einnahmezeitraum zulässt.
    Gegen Malarone spricht hingegen neben der täglichen Einnahme zur gleiche Uhrzeit auch die bereits angesprochene Begrenzung der europäischen Zulassung auf eine 28tägige Einnahme im Rahmen der Prophylaxe. Eine längere verschriebene Einnnahme, ein sogenannter „off-label-use“ (d.h. die Anwendung eines Medikamentes außerhalb des in der Zulassung beschriebenen Bereichs), hat für die Ärzte nur schwer kalkulierbare haftungsrechtliche Konsequenzen. Insbesondere im Rahmen von Prophylaxemaßnahmen – d.h. es besteht akut keine medizinische Indikation, der Patient ist ja noch nicht krank – besteht eigentlich auch kein ärztlicher Handlungsbedarf/Handlungsdruck der den „off-label-use“ rechtfertigt.
    Von diesem rechtlichen Exkurs einmal abgesehen, gibt es die zur Diskussion stehenden psycho-vegetativen Nebenwirkungen im übrigen auch bei Malarone.
    Wenn man sich also mal genauer damit auseinandersetzt, ist Malarone gar nicht so toll, wie immer behauptet. Man könnte fast den Eindruck gewinnen, dass die Malarone-Befürworter / Liariam-Gegner den tollen Marketing-Versprechen von GSK aufgesessen sind.

    Abgesehen davon klingen die Beschwerden regelmäßig nach Absetzung des Medikamentes schnell wieder ab.

    Grundsätzlich liegt das Problem aber auf einer anderen Ebene.
    Impfen, wie auch pharmazeutische Prophylaxemaßnahmen sind Eingriffe in die körperliche Integrität von gesunden Patienten. Die Nebenwirkungen werden für einen künftigen Schutz vor schwerwiegenden Erkrankungen bzw. hochinfiziöse Krankheiten/Krankheitserreger in Kauf genommen.
    Wenn man das Risiko der Verwirklichung von Nebenwirkungen nicht eingehen möchte, gibt es nur eine Konsequenz: Nicht impfen und keine Prophylaxe mit der ungleich höheren Wahrscheinlichkeit der Infektion und Erkrankung.
    Für Soldaten scheidet diese Radikalkonsequenz aufgrund der „Pflicht zur Gesunderhaltung“ aus gutem Grund aus.

  • Observer   |   25. November 2011 - 14:24

    @ ichundich: Auch wenn du einige interessante Aspekte anschneidest, ist doch bedauerlich, dass du viele Fakten verkürzt wiedergibst.

    Das beginnt mit der Unterstellung, hier werde die Gleichung Lariam=Psychose aufgestellt. Freilich ist das nicht der Fall. Niemand stellt in Abrede, dass die Mehrzahl der Personen, die das Medikament einnehmen, es ohne größere Nebenwirkungen verträgt. Tatsache ist allerdings auch, dass Mefloquin im Vergleich zu Doxycyclin und Atovaquon-Proguanil signifikant häufiger zu neuropsychiatrischen Nebenwirkungen führt. Diese u.a. durch Doppel-Blind-Studien erlangte Erkenntnis hat mittlerweile auch Eingang in den entsprechenden Cochrane-Review gefunden. Aber auch hier ist zu differenzieren: Selbstverständlich ist neuropsychiatrische Nebenwirkung nicht gleich neuropsychiatrische Nebenwirkung, und selbstverständlich dominieren leichtere Symptome wie z.B. Schlaflosigkeit und lebhafte Träume. Das stellt niemand in Abrede.

    Du gehst hiernach auf die Zulassungsdauer für Atovaquon-Proguanil ein und betonst zu Recht die europäische Begrenzung auf 28 Tage sowie die Probleme bei einer Off-Label-Verschreibung. Das ein solches Vorgehen gleichwohl möglich ist, räumst du dennoch ein. Tatsächlich ist es im zivilen Leben keine Seltenheit. Nach gründlicher Aufklärung kann ein Zivilist letztlich selbst entscheiden. Wie sieht es in diesem Punkt bei Bundeswehrangehörigen aus?

    Die dritte, z.B. bei Piloten oder Tauchern bei der Bundeswehr übliche Option, Doxycyclin, lässt du übrigens gleich ganz unerwähnt. Auch hier ist jede Verschreibung zur Malariaprophylaxe off-label. Gleichwohl ist sie für besondere Personengruppen bei der Bundeswehr Standard, und auch im zivilen Leben ist es problemlos möglich, dieses Medikament zur Malariaprophylaxe zu verschreiben, unter Umständen auch über lange Zeiträume. Beantworte mir doch einfach folgende Frage: Überlässt man hier Bundeswehrsoldaten von Anfang an die freie Entscheidung, ob sie nicht vielleicht lieber Doxycyclin nehmen wollen, wie es bei Zivilisten der Fall ist?

    Im Übrigen betonst du zu Recht, dass auch Atovaquon-Proguanil zu psycho-vegetativen Nebenwirkungen führen kann. Dass die Häufigkeit im Vergleich zu Mefloquin laut mehreren randomisierten Doppel-Blind-Studien signfikant geringer ist, verschweigst du. Warum eigentlich?

    Schließlich betonst du, Nebenwirkungen von Mefloquin gingen nach Absetzen schnell zurück. NIcht erwähnt wird von dir der Beipackzettel, der explizit auf die Möglichkeit einer langen Dauer von Nebenwirkungen eingeht. Die lange Halbwertzeit von Mefloquin erwähnst du auch nicht, und ebenfalls verschwiegen werden von dir die Hinweise auf vereinzelt sehr lange anhaltende oder permanente Nebenwirkungen in der Fachliteratur. Warum?

    Völlig befremdend ist schließlich dein Verständnis von der „Pflicht zur Gesunderhaltung“ als offenbar zwingenden Grund für die Einnahme von Mefloquin. Tatsache ist jedoch, dass die Wahl der korrekten Malariaprophylaxe in der Fachliteratur sehr kontrovers beurteilt wird. Nicht zuletzt der weitgehende Verzicht auf Mefloquin durch die US-Armee zeigt das Vorhandensein unterschiedlicher Auffassungen. Daher erneut folgende Frage: Informiert man die Bundeswehrsoldaten, die doch schließlich intelligente Erwachsene sind, über alle Vor- und Nachteile der jeweiligen Option und überlässt ihnen selbst die Wahl? Wenn nein, warum nicht?

  • wolf   |   25. November 2011 - 18:18

    @ichundich

    du schreibst: Abgesehen davon klingen die Beschwerden regelmäßig nach Absetzung des Medikamentes schnell wieder ab.

    bist du dir da ganz sicher?

    und weiter schreibst du: Man könnte fast den Eindruck gewinnen, dass die Malarone-Befürworter / Liariam-Gegner den tollen Marketing-Versprechen von GSK aufgesessen sind.

    da erlaube ich mir mal den eindruck zu gewinnen das hier jemand für die firma ROCHE eine lanze brechen möchte

    im übrigen schließe ich mich auch dem kommentar von Observer an. in allen punkten.

    es wird nicht lange dauern das lariam (wie auch in den usa wo es nicht mehr hergestellt wird) auch in deutschland seine zulassung/lizenz verliert, bzw. diese nicht mehr verlängert wird. und das wird in nicht allzu ferner zukunft sein.