Nach Alarmmeldung: (Fast) Schluss mit Lariam bei der Bundeswehr

Die (befohlene) Einnahme des umstrittenen Malaria-Mittels Mefloquin, Handelsname Lariam, bei Bundeswehreinsätzen (wie oben in Uganda) hat in den vergangenen Jahren mehrfach Aufmerksamkeit erregt: Nebenwirkungen des Medikaments sind schon länger bekannt, vor allem Nebenwirkungen, die man bei keinem Menschen mit einer Waffe in der Hand sehen möchte: Depressionen, Angstzustände oder Halluzinationen. Die US Army hatte deshalb schon im November 2011 Lariam von ihrer Medikamentenliste gestrichen.

Bei der Bundeswehr dauerte es etwas länger, nachdem der Sanitätsdienst das Medikament lange verteidigt hatte: Recht unauffällig ist die Truppe im September dieses Jahres von Lariam als Mittel der Wahl abgerückt – und empfiehlt stattdessen Malarone als erste und Doxycyclin als zweite Wahl. Offensiv hat die Bundeswehr das nicht nach außen kommuniziert, weiterlesen

Nach dem Kandahar-Massaker: US-Streitkräfte untersuchen Lariam-Gebrauch (Update: Bundeswehr-Anweisung)

Die deutschen Medien hat die Geschichte, die seit gestern durch die US-Medien tobt, offensichtlich bislang noch gar nicht erreicht: Im Zusammenhang mit dem Massaker von Kandahar, bei dem ein US-Soldat 16 afghanische Zivilisten erschoss, wird nun auch das Malariamedikament Lariam genannt.

Nine days after a U.S. soldier allegedly massacred 17 civilians in Afghanistan, a top-level Pentagon health official ordered a widespread, emergency review of the military’s use of a notorious anti-malaria drug called mefloquine.

berichtete gestern Mark Benjamin auf der Webseite Huffington Post, und seitdem gibt es etliche ähnliche Stories.

Mefloquin, in Deutschland bekannt unter dem Namen Lariam, ist schon lange für seine möglichen – auch psychischen – Nebenwirkungen bekannt und in den amerikanischen Streitkräften auch schon eine Weile unter besonderer Beobachtung.

Bislang gibt es keinen Beleg dafür, dass Robert Bales, der mutmaßliche Täter von Kandahar, Lariam verschrieben bekam. Benjamin verweist darauf, dass die erneute Überprüfung des Lariam-Gebrauchs in den US-Streitkräften kurz nach dem Massaker angewiesen wurde. Schon länger dürfe sie nicht nach einemn Schädeltrauma verschrieben werden. Allerdings hätten die Streitkräfte nicht auf die Frage geantwortet, ob die neue Überprüfung im Zusammenhang mit dem Massaker stehe.

(Um diese Zeit frage ich natürlich nicht mehr, aber morgen – wäre doch interessant zu wissen, ob es bezüglich der Verschreibung von Lariam in Auslandseinsätzen der Bundeswehr eine Änderung und/oder Überprüfung gibt.)

Nachtrag: Ich habe mal den Zentralen Sanitätsdienst der Bundeswehr nach der Verwendung von Lariam im Einsatz gefragt. Kernaussage der umfangreichen Stellungnahme und der aktuellen Empfehlung für die Malariaprophylaxe im Einsatz: Grundsätzlich ist in Afghanistan eine Chemoprophylaxe nur für die Soldaten vorgesehen, die regelmäßig und länger außerhalb der Feldlager im Einsatz sind – was wiederum auch heißt: in Forward Operating Bases wie dem OP North oder in Hazrat-e Sultan, aber auch für die Fernmelder in Kandahar ist eine solche vorbeugende Medikamenteneinnahme vorgesehen, und zwar für eine Einsatzdauer von mehr als vier Wochen grundsätzlich Lariam. Das gilt allerdings nicht für fliegendes Personal, die bekommen grundsätzlich nicht Lariam, sondern Doxycyclin – das wiederum für alle anderen als Ausweichmedikament zur Verfügung steht, falls es Lariam-Unverträglichkeiten gibt. weiterlesen

U.S. Army nimmt Abschied von Malaria-Medikament Lariam

Das synthetische Malaria-Medikament Mefloquin, deutscher Handelsname Lariam, steht seit Jahren in der Kritik. Unter anderem wegen der Nebenwirkungen – nicht nur physische, sondern auch psychische wie Depressionen, Angstzustände oder Halluzinationen.

Die U.S. Army hat nach langen kontroversen Diskussionen jetzt daraus die Konsequenzen gezogen: für die amerikanischen Truppen, berichtet Associated Press, ist Mefloquin/Lariam jetzt nicht mehr das Mittel der Wahl zur Vorbeugung von Malaria. Die Verordnungen dieses Medikaments seien um drei Viertel zurückgegangen.

Die interessante Frage ist jetzt, ob sie das Umdenken bei den Verbündeten auch auf die Bundeswehr auswirkt. So weit mir bekannt, ist Lariam nach wie vor das Mittel der Wahl beim Einsatz in Malaria-gefährdeten Regionen:

Lariam ist ein Medikament, das vor Malaria schützt. Die Soldaten sollen es einmal in der Woche schlucken. Lariam steht im Verdacht, bei manchen Menschen zu Psychosen zu führen. Einige Soldaten schmeißen die Pillen in den Müll, andere schlucken alle auf einmal.